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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : gibt es schuld?



Bernsteinmond
03.10.2003, 23:42
so kurz nach seinem tod stelle ich mir so viele fragen und stelle vieles in frage. ich hab schuldgefühle gegenüber meinem bruder und auch seiner frau und seinem kind gegenüber.
in der nacht sprach ich mit den behandelnden ärzten. wie sieht es aus? was sind für möglichkeiten? und ich sprach darüber, was ich mir vorstelle, wo ich grenzen ziehen wollte. ich sprach micht gegen eine reanimation aus und dafür, dass bestimmte medikamente in der dosierung nicht mehr erhöht werden sollten. als kinderkrankenschwester gebe ich mir recht und denke: gut gemacht! du siehst so viele kinder sterben die leiden müssen, weil die medizin(er) kein ende finden. du siehst eltern die auf den tod ihres kind warten, manchmal tagelang... das wollte ich nicht für meinen bruder.

jetzt ist die zeit der hektik vorbei. alles organinisiert und geregelt. die freunde und bekannten ziehen sich zurück. jetzt kommt die zeit des nachdenkens. bin ich egoistisch, wenn ich denke, ich will ihn hier auf dieser welt haben, egal wie? /community/foren/images/graemlins/confused.gif

ich lese bücher über trauer. ich habe es in meiner ausbildung gelernt. ich begleite eltern und kinder und bekomme immer wieder den zuspruch. ich weinte mit eltern um ihre kinder, sprach später mit ihnen, seh sie heute noch. ich kann sie in den arm nehmen und trösten. warum versage ich in meiner trauer?

es ist, als wär ein stück von mir gestorben!

gute nacht!

Inaktiver User
04.10.2003, 12:53
Liebe Bernsteinmond,
was du sagst, macht mich ganz betroffen!
Du versagst doch nicht in deiner Trauer!?
Deine Gefühle und Gedanken sind doch ganz normal, glaub mir.
So kurz nach dem Tod eines geliebten Menschen sind Herz, Geist , Seele und alles was uns ausmacht, ganz durcheinander, alles ist irgendwie "falsch".
Der Tod deines Bruders, der auch noch so plötzlich kam, hat eine große, große Wunde in dir gerissen. Das braucht viel Zeit zur Heilung. Dein Leben ist jetzt völlig anders, (fast) nichts ist mehr wie es war.

Schuld?
Oh ja, diese Gedanken hatte ich auch damals. Ich fragte mich, ob ich vielleicht das Kopfkissen von zuhause erst hätte waschen müssen, ich fragte mich, hätte ich noch mehr Ärzte konsultieren müssen (dabei waren es die besten gewesen); ich fragte mich, ob ich meinen Sohn hätte bestrahlen lassen müssen obwohl der Tumor als gutartig galt. Ich fragte mich, ob ich mich wirklich auf das Urteil dieser erfahrenen weltweit angesehenen Ärzte habe verlassen dürfen und ob ich nicht hätte mißtrauisch sein müssen, etc. etc. etc.

Ja, ich habe auch "Schuld" gesucht und fand aber keine.
Ich fand nur Qual, die ich mir selber zufügte.
Denn da war keine Schuld.
Nicht bei den Ärzten, nicht bei mir, bei niemandem. ALLE hatten ihr Bestes getan, nach bestem Wissen und Gewissen und in aller Liebe und Sorgfalt.

Es gibt einfach Dinge, die stehen außerhalb unserer Macht.

Bitte quäl dich nicht länger mit diesen Gedanken.


herzliche,mitfühlende Grüße von Mira
die bei dieser Gelegenheit stellvertretend an dich ein warmes DANKE aussprechen möchte und Bewunderung für die schwere Arbeit der Kinderkrankenschwestern und -pfleger, die auf Kinderkrebsstationen (Gottes-)Dienst tun.

Bernsteinmond
04.10.2003, 22:52
lieber ingo!

sobald es dunkel wird vergeht die müdigkeit und die angst vor den träumen kommt.
ich konnte dir so vieles nicht mehr sagen.
ich war dir schon lang nicht mehr so nah, so wie in dieser deiner letzten nacht. man telefoniert, sieht sich, umarmt sich... aber hält distanz. wir führten so unterschiedliche leben. du: erste freundin geheiratet, kind, haus, auto... ich :die streunerin und träumerin. du hattest oft angst um mich, das ich es nicht schaffe so ein gutes leben wie deines zu führen. und irgentwann der einbruch in deinem leben und da kammst du zu mir und holtest dir rat. ich war so stolz dir helfen zu können, du hattest so viel angst vor dieser welt. und ich danke dir für deine worte, in denen du mir zeigtest, du respektierst mich und mein leben. und du liebst mich so wie ich bin.

ich habe mich so gefürchtet das dir etwas zustoßen könnte. und endlich, diesen sommer fühlte ich wieder ruhe in deinem geist einkehren und meine angst begann sich zu legen. dann kam dieses motorrad und ich sagte dir, laß das sein. es ist nicht gut für dich. ich sagte dir, es wird dein tod sein. deine unruhe war nicht zum motorradfahren geeignet.
ich verstehe dich. du wolltest dir und der welt beweisen: du bist ein mann! hast immer zurückgesteckt hinter deiner freundlichen strahlenden art, deinem lachen und dem unbeschwertsein. dein inneres war den meisten fremd. jetzt sagen sie, gerade ingo, der immer so fröhlich war... und ich möchte schreien, ja warum er und warum jetzt? warum waren so wenige in der schweren zeit da und haben ihn aufgefangen? warum hatte er nur dieses gefühl, er müsse sich was beweisen?

die wut ist nicht gut lieber bruder. und ich werde sie den menschen gegenüber auch nicht rauslassen. das wolltest du nicht. meine offene art machte dir auch manchmal angst. doch sie ist da und sie richtet sich auch gegen mich, ich habe auch so viele fehler gemacht.

du warst meine brücke zu unserer familie und dafür möchte ich dir danken! ich danke dir für all die mahnenden worte und die fragen die so ausdauernd stellen konntest. ich danke dir für dein lachen, das immer so aussah, wie das eines kleinen jungen. ich danke dir für dein interesse und geduld, du hast mich nie in ruhe gelassen... du warst immer da!

du hast einen teil von mir mitgenommen. das wird auch nie wieder zurück kommen. da muß ich nun einen neuen teil hinbauen. es gibt ein leben vor und nach deinem tod.

ich hab dich fest in meiner seele! ich hab dich lieb!

Inaktiver User
05.10.2003, 21:07
Lieber Bernsteinmond, meines Erachtens bedarf es viel Mutes sich all die Trauer von der Seele zu schreiben und zu weinen.
Wenn ich dich richtig verstanden habe, musstest du für deinen Bruder eine Entscheidung treffen?
Das lastet jetzt auf dir.
Schuld in Form von Unterlassung kenne ich auch und der Tod macht alles so endgültig. Das nenne ich aber keine Schuld im üblichen Sinne.
Ich hoffe, du hast einen Menschen, der dich bei deiner Trauer ein wenig begleitet. Mir hat es insofern geholfen, dass ich mich fallen lassen konnte.
Mein Gott, es klingt alles so banal was man schreibt, dabei möchte ich nur ein wenig trösten.
Mich rühren deine Zeilen und ich wünsche dir schon bald den Silberstreif am Horizont, der den größten Schmerz verblassen lässt, einem neuen Gefühl Platz macht, vielleicht dem der Dankbarkeit oder einer Zärtlichkeit dem Menschen gegenüber den du verloren hast.
Alles Liebe für dich von halleluja

Bernsteinmond
15.10.2003, 18:11
Ich sitze in einem Loch. Es ist tief und unwirklich. diese unruhe erschöpft mich...

ich habe mir viele gedanken gemacht. was kann ich noch für dich tun. ich rufe gerade alle deine freunde an. schwierig ist es, ich kenne sowenige. ich möchte gern für deinen grabstein etwas sammeln. das einzige was wir dir noch geben können, was dir "nahe" ist.
führe teilweise seltsame gespräche. "da muß doch geld da sein, der hat doch so viel verdient..." und ähliches. deine welt ist mir wirklich fremd. aber es gab auch schon viele schöne momente. freunde die weinen und mir ihre trauer zeigen. du fehlst, nicht nur mir.

letzte woche war euer hochzeitstag. habe lange mit deiner frau gesprochen und geweint. ihre kraft geht zu ende und ich bin so hilflos. ich habe dir versprochen auf sie und dein kind aufzupassen. ich versuche es auch.
ich sehe deine kleine tochter und sehe dich. sie ist dir so ähnlich. ich erkenne dich in ihrem gesicht, aber auch in ihrer mimik, gesten...ja selbst das laufen erinnert an dich. so schön und so schmerzhaft. sie weint so viel und ist so wütend. wie kann man einem 4jährigen mädchen erklären, das ihr papa nicht mehr kommt. sie wehrt hilfe ab, sagt: mein papa konnte das viel besser, das hat immer mein papa mit mir gemacht... d. ist total machtlos und es fällt ihr schwer, in ihrer eigenen trauer eure tochter zu stützen.
d. fragt mich, was mit deinen sachen geschehen soll. ich weiß es nicht? ich möchte alles so lassen! ich weiß einfach nicht was ich ihr raten soll? ich steh vor den schränken und rieche an deinen sachen, ich berühre sie. ich habe mir auch die motorradjacke angesehen. blut, dein blut klebt an ihr. sie ist aufgeschnitten. du warst so stolz, ein held auf deinem motorrad. ich will auch diese nicht wegschmeissen. sie gerhört zu dir. ich weiß nicht was richtig ist. ich habe mir ein päckchen gepackt. ein t-shrt von dir und duft. was geschriebenes und die traueranzeigen. teile von deinem motorrad, fotos... und wenn es ganz schlimm ist hole ich sie mir und weine.

morgen ist es 2 monate her. nichts ist besser und alle erwarten es von mir. ich mag grad nicht arbeiten gehen und gehe doch. das rausgehen fällt mir schwer, ich habe angst menschen zu treffen. bin ständig kurz vorm weinen. ich will allein sein! ich will schreien... ich will dich wieder hier auf dieser welt.
in 2 wochen muß ich umziehen. ich geh in ein anderes land, neue arbeit... ich möchte dir davon erzählen. du hättest freude an den veränderungen. du könntest meine ängste verstehen. du warst meine familie...

hab dich lieb großer-kleiner bruder!

Inaktiver User
16.10.2003, 15:22
liebe bernsteinmond
ich kann alles so gut nachvollziehen, als hätte ich es geschrieben.
ich kann dich nicht trösten, es gibt wohl keinen trost dafür.
vielleicht hilft es ein bischen, dass es leute gibt, die mit dir dein schicksal teilen. auch wenn wir uns nicht kennen. ich muss bei deinen zeilen weinen, weil es meine sein könnten.
lieben gruss - gaby

Bernsteinmond
22.10.2003, 14:50
Lieber Ingo!

die zeit vergeht und das wetter ist grau...

es ist komisch. der druck von außen erhöht sich. du mußt nach vorn schauen, jetzt fängst du ein neues leben an... NEIN! ich schaue nach vorn, aber ich weiß was hinter mir liegt. NEIN! noch geht es mir nicht gut. ganz im gegenteil. die löcher werden tiefer und der schmerz unberechenbarer. NEIN! ich kann zur zeit nicht wirklich lachen.NEIN!...

nächste woche steht der umzug an. nehme dich mit! werde diese woche zu deiner frau und deinem kind fahren. wir gehen gemeinsam zum gedenkgottesdienst für verstorbene motorradfahrer. auch dein name wird fallen... ich habe angst! werde für die beiden da sein, ich habe dir das versprochen. werde stark sein, deine frau hat das schwächezeigen nötiger. werde mit E. zu blümchen fahren und mit ihr reiten. ich hoffe ich mach alles in deinem sinn?!

nehm dich in den arm und pass auch auf dich auf! hab dich lieb... deine schwester B.

knuffi
28.10.2003, 20:22
liebe bernsteinmond,

jedesmal wenn ich deine beiträge lese, laufen mir die tränen, und du tust mir unendlich leid. ich finde einfach keine wort um dich zu trösten. du musst deinen bruder sehr geliebt haben. das finde ich schön.

ich drück dich still und wünsche dir alle kraft der welt

gruß knuffi

Bernsteinmond
06.11.2003, 18:21
Lieber Ingo!

nun lebe ich seit fast einer woche in einem anderen land. ist komisch. das wird in neuanfang und alls so unberührt... ich hab dich mitgenommen. jeden tag stecke ich meine nase in dein t-shirt. dr schmerz wird gerade wieder stärker. mich zieht es zu dir. aber ich habe deine botschaft verstanden und danke dir. du warst bei mir!DANKE!!!

das wochenende bei d. und e. war schön. überall bilder von dir und deiner tochter, deiner frau. und dann stand ich mit e. im bad und sie sagte: "meine elektrische zahnbürste war mal kaputt und mein papi hat sie wieder ganz gemacht. wer macht sie denn jetzt ganz?"
ich werde dann da sein, ich habe es ihr versprochen!

war mit d. beim trauergottesdienst für die tödlich verunglückten motorradfahrer. habe die kerzen mit angezündet. dein name wurde zuerst genannt. es war, als würde ich dich das zweeite mal beerdigen. am liebsten würde ich dich wieder ausbutteln...

ich vermisse dich mein grosser kleiner bruder! und ich habe dich so unendlich lieb! werde für deine familie da sein. ich habe es dir versprochen und deiner kleinen tochter auch! ich denk an dich, jeden tag...

knuffi
08.11.2003, 21:31
*Ich drück dich*

gruß knuffi

Bernsteinmond
16.03.2004, 01:06
Lieber Ingo!

war lange schweigsam. ich glaub, ich bin krank. ich habe angst vor meiner arbeit. in den letzten 3 monaten sind 8 kinder gestorben. ich kann manchmal nicht mal zum bäcker über die strasse gehen, kann l. kaum aus der kita holen... die einfachsten dinge machen mir angst. mach die rollos runter und vergrabe mich. vor der angst habe ich die meiste angst!

vor 7 monaten war genau diese nacht. du bist gestorben, wir warteten auf deinen tod. und eins ist sicher. hätte mein leben dich retten können, ohne zögern ich hätte dir meines gegeben. " wenn einer geht und ein anderer bleibt wer bestimmt wessen herz gebrochen ist."

ich weiß nicht weiter. jeden tag zur zeit ein zusammenbruch. ich bin immer allein dabei. keinen interessierts, keiner fragt mehr nach dir, fragt nach trauer, dem schmerz... das muß doch nun überstanden sein! aber wie denn?

weiß nicht weiter! fehlst großer bruder! hab dich so lieb!
B.

Inaktiver User
16.03.2004, 08:15
Liebe Bernsteinmond !

Ganz spontan würde ich Dich am liebsten erstmal unbekannterweise in die Arme nehmen...
Meine ganze Kindheit war überschattet von dem drohenden Verlust meiner kleinen Schwester ( nicht, weil sie krank war , sondern weil mein Vater immer wieder gedroht hat, sie in sein Heimatland zu verschleppen, das damals noch unerreichbar hinter dem Eisernen Vorhang lag ... ) und ich kann Dir wirklich gut nachfühlen, wie sehr Du Deinen Bruder vermissen mußt.

Vor einigen Wochen ist die Partnerin eines Freundes ganz elendig an Krebs gestorben, mit 30 Jahren.
Es war wirklich eine Erlösung , sie ist 4 Jahre lang unter Qualen jeden Tag ein bißle weniger geworden , aber dennoch ist es für ihren Freund gerade sehr, sehr schlimm.
Was ihm hilft - und das möchte ich Dir jetzt sagen - ist sein Versuch, für sie mitzuleben.
Nicht den Schmerz und das Leid , das hatte sie genug und auch Dein Bruder hatte ja, wie Du schreibst, sehr harte Zeiten hinter sich .
Aber wenn ein so junger Mensch sterben muß, ist noch so viel Lachen übrig, so viel Freude und Glück , die er nicht mehr leben durfte - und das sollten die engsten Vertrauten für ihn leben ....
Dein Bruder kann leider diesen wunderschönen Frühling, der nun gerade beginnt, nicht mehr selber geniessen , aber er ist in Euren Gedanken ja immer bei Euch und Ihr könnt ihn die Welt durch Eure Augen sehen lassen - da ja " nur " der Körper vergänglich ist, wird seine Seele es spüren. Und er möchte ganz gewiß lieber Glück spüren ....
Dein letzter Eintrag hier klingt so abgrundtief verzweifelt, daß Dir meine Zeilen grad wie blanker Hohn
vorkommen müssen . Aus eigener Erfahrung weiß ich, daß manche Wunden niemals verheilen - sie verkrusten vielleicht und vor allem rutschen sie im Laufe der Zeit quasi im Herzen ein bißle tiefer, aber der Schmerz bleibt , solange wir leben .
Der Tod Deines Bruder wird wahrscheinlich so eine Wunde sein , aber versuche doch wenigstens mal, die Versprechen, die das Leben Ingo gegeben hatte und nicht mehr halten konnte, für ihn einzulösen..
Sicher wird es Dir am Anfang schwer fallen, ganz bewußt etwas Schönes zu unternehmen - wahrscheinlich gehen Dir im Moment die Frühlingsgefühle allerorten sogar eher auf die Nerven,w eil sie so gar nicht Deiner Stimmung entsprechen - aber probiere es ihm zuliebe. Tränen und Schmerzen hatte er doch selbst genug ....
( Und bei uns klappt diese Methode tatsächlich einigermaßen !! )

Ich wünsche Dir alle Kraft dieser Welt

SanfteSeele

kumpel
17.03.2004, 02:41
Liebe Bernsteinmond!

Lese deine Zeilen und schiele nach einem durchsichtigen, festverschlossenen Gefäß mit dem T-Shirt meines jüngeren Bruders. Er trug es an seinem Todestag vor 6 Jahren. Mein Blick geht weiter zu seinem Bild, über das ich seine Kette gehängt habe, die man im Krankenhaus so lieblos durchschnitt. Das T-Shirt total vergammelt, aber es war von seiner großen Schwester. Das durfte niemand wegwerfen. Ich hüte es wie meinen größten Schatz, damit sein Geruch bloß nicht verloren geht.
Auch heute nach einigen Jahren, zerreißt es mich innerlich immer noch, wenn ich ihn anschaue und an seine Seelenqualen denke, die ihn dazu bewegt haben nicht mehr zu bleiben. Es fliessen immer noch viele Tränen.
Ich frage mich auch nach meinem Teil der Schuld. Ich werde keine Antwort darauf bekommen und muß damit leben. Liebe Bernsteinmond, quäl dich nicht. Lass die Trauer zu aber zerbreche nicht daran. Denke an deinen Bruder und vielleicht hilft es dir daran zu glauben, das es ihm gut geht. Dein Bruder wird es nicht wollen, das es dir so schlecht geht.
Ich weiß selbst, daß dich meine Worte kaum erreichen. Bitte steh auf. Nur ein bisschen. Jeden Tag ein wenig mehr. Ja, es ist die Hölle…Jeder Gedanke an ihn ein Stich. Und man ist so furchtbar alleine. Was interessiert dich was um dich herum passiert. Wie kann das Leben einfach so weitergehen als wäre nichts passiert...Wo sind sie alle, die ihn doch so gut kannten?
Kannst du dir Hilfe holen in deinem direkten Umfeld? Niemand verlangt, daß du deinen Kummer alleine mit dir rumschleppen musst. Es ist keine Schande professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Deinen Zeilen nach brauchst du sie.
Bitte lass was von dir hören, liebe Bernsteinmond und tu dir was Gutes.

Ich mache mir Sorgen um dich.

Kumpel

Bernsteinmond
17.03.2004, 04:37
Lieber Ingo!

hab mich nach dem nachtdienst nach hause geschleppt, l. zur kita gebracht, zuviel geraucht ...um dann von dir zu träumen. dein geburtstag rückt näher, 30 jahre. will feier, dich drücken und dein umwerfendes jungengriensen sehen. mir fehlt dein lachen so. warum bist du fort? du warst der einzige in unserer familie, der verstand wie ich bin. mir fehlen die gespräche, deine fragen... dafür danke ich dir!

der unfallverursacher fährt noch immer rum, sagt du wärst schuld. warum konnte ich dich nicht von diesem motorrad abbringen? warum hast du nicht auf mich gehört? weißt du noch, 4 wochen vor deinem tod sagte ich dir, dass du auf diesem motorrad sterben wirst. am abend, als ich den anrufbeantworter abhörte und ich mich sofort in b. melden sollte...ich wußte das du es warst, ich sagte das du es warst und alle in der wg beruhigten mich. du bist nicht an dein handy gegangen...

die bilder aus dem krankenhaus haben sich in mein gedächtnis gebrand. ich war dir lang schon nicht mehr so nah. hab deinen gruch aufgenommen, deine wärme, dein herz schlagen sehen... zum schluß warst du schon gegangen als sie die maschinen ausstellten. nun arbeite ich mit diesen geräten und jeder ton erinnert mich an dich und diese nacht. hatte die seiten gewechselt...

ich erinnere mich an den tag, an dem du l. ihr erstes kleid gekauft hast. der stolze onkel ingo. sie ist dir vom wesen so ähnlich. sie lacht auch allen ins herz...

die zeit mit dir war kostbar, DANKE!!!

nehm dich in den arm! B.

Pemaus
17.03.2004, 08:56
Lieber Bersteinmond,

auch ich habe ein Kind verloren und meine 2 anderen Kinder ihre Schwester. Ich kann so gut verstehen was du schreibst, ich nehm dich in den Arm und drücke dich danz sanft. Geh immer einen Schritt weiter, geh für deinen Bruder.
Falls du magst es gibt ein sehr schönes internetforum für uns, für Eltern die um ein KInd trauern aber auch für Menschen die einen Bruder oder eine Schwester verloren haben. Du findest es unter www.traenen-im-himmel.de. (http://www.traenen-im-himmel.de.) Vielleicht magst du ja mal schauen.

Alles liebe und ganz viele Sonnenstraheln
von
Petra mit Claudia im herzen

Inaktiver User
17.03.2004, 13:49
Liebe Petra, lieber Bernsteinmond,
obwohl ich selber durch dieses Tal der Tränen gegangen bin, tut es mir im Herzen weh, von eurem Schmerz zu lesen. Ich verspreche es, aus eigener Erfahrung, auch wenn man es nicht glauben kann, es wird jeden Tag ein wenig besser, bloß leider nie wieder gut. In Gedanken bin ich ganz nah bei euch, wenn ich darf, möchte ich euch beide gerne feste in den Arm nehmen. Alles Liebe, diewodaso

kumpel
21.03.2004, 00:53
Liebe Bernsteinmond!

Wie geht es dir?


Kumpel

Bernsteinmond
25.03.2004, 00:19
guten nacht!

ich hab die letzten tage viel nachgedacht und weiß nun: NOTBREMSE!

werde nach b. fahren und deine frau auffangen. hab mächtig angst um sie. sie zieht aus eurem zu hause aus, sie muß... sie spricht zu wenig und zu abgehackt. sie geht gerade einen ganz eigenen weg. manche äußerungen lassen mich aber aufhorchen... es sind 800 km bis nach b. und die sind so weit. will nicht noch mehr leid erfahren. ich habe versprochen für deine frau und dein kind da zu sein und habe angst zu versagen. was kann ich denn über diese dinstanz tun? wie kann ich sie stützen, außer mit unseren gesprächen, briefen die ich ihr schreibe, meine besuche... ich weiß nicht mehr weiter! ich will nicht schon wieder versagen!

die blumen blühen wieder... auch auf deinem grab! hab dich so lieb mein kleiner grosser bruder!
drück dich fest! B.

ErikaH
25.03.2004, 00:37
Liebe Bernsteinmond,

ich bin selbst Motorrad gefahren - und ich weiß, wieviel Freude es bereiten kann.
Du trauerst um deinen Bruder, der verunglückt und gestorben ist.

Um mich haben sich damals auch Menschen gesorgt - mir war das Gefühl von Unabhängigkeit und Selbstbestimmung wichtiger.

Ich wusste auch, dass ich keine perfekte Motorradfahrerin war. Und dass ich sehr wohl durch Fehler anderer zu Schaden kommen konnte. Mir ist es nicht so ergangen.
Aber jeder, der auf zwei Rädern durch die Welt fährt, ahnt zumindest, dass das Risiko da ist.

Bitte erinnere dich an die Freude, die er gehabt hat. Und verabschiede dich von der Frage nach Schuld. Diese Last kann dich und seine Familie zerstören. Erinnere dich daran, was euch zusammen gefreut hat.

Bernsteinmond
25.03.2004, 06:12
ingo hatte sein motorrad 4 wochen lang. ein großer traum von ihm, denn ich ihm gönnte und ich verstehe es immer noch... es war sein traum!

ich habe 4 1/2 wochen vor seinem tod mit ihm über seinen tod gesprochen. ahnung... ich hatte angst vor diesem ende.

aber träume sind lebenswichtig! und ich hätte ihn nicht aufhalten können und wohl auch nicht wollen. dafür habe ich ihn zu sehr verstanden.

spatz
25.03.2004, 15:41
Liebe Bernsteinmond,

es tut mir sehr leid, dass Du Deinen geliebten Bruder verloren hast und ich möchte Dich grad mal in den Arm nehmen. Habe schon länger hier mitgelesen und an einige Freunde gedacht, die ich durch Unfälle mit Motorrädern verloren habe.

Der Tod eines geliebten Menschen, sei er nun jung oder alt, ist eine traurige Erfahrung (ich habe meine Mutter vor 13 Jahren verloren, sie war schwer herzkrank).

Aber Du mußt aufhören, Schuld zu suchen. Du bist nicht schuld am Tod Deines Bruders, er war wahrscheinlich auch nicht schuld. Solche Unfälle passieren immer wieder, und immer wieder enden sie tödlich für Motorradfahrer (egal, ob sie erst vier Wochen oder schon 25 Jahre fahren).

Toll finde ich, dass Du Dich um Deine Schwägerin und das Kind sorgst, das ist in der heutigen Zeit nicht mehr selbstverständlich.

Bedenke bei all Deiner Sorge aber auch, dass Du Deinen Bruder nicht ersetzen kannst. Seine Frau und sein Kind müssen auch ihren Weg gehen und ihre Zeit zum Trauern haben, genau wie Du. Wenn sie aus dem gemeinsamen Haus ausziehen wollen, finde ich das in Ordnung, denn vermutlich hängen einfach zu viele Erinnerungen da dran. Mein Vater hat sein Elternhaus nach dem Tod meiner Mutter auch verlassen, weil er es nicht ausgehalten hat. Nach einigen Jahren kehrte er dann zurück, aber er hat umgebaut und einiges renoviert, damit die Erinnerungen nicht mehr so schmerzhaft sind.

Ich wünsche Euch viel Kraft in dieser schweren Zeit und umarme Euch in Gedanken,

Spatz

Bernsteinmond
29.03.2004, 18:58
lieber Ingo!

der frühling beginnt und ich hoffe bald wieder an deinem grab stehen zu können... das fehlt mir sehr!

ich denke trotzdem an dich und drück dich von herzen!
und wenn du kannst, schau nach deiner frau! ich mach mir sorgen...

hab dich so lieb! B.

Bernsteinmond
08.04.2004, 01:53
Hallo großer bruder!

es ist ein auf und ab. mal gehts und ich denke ich werde damit fertig und dann: zusammenbruch! du fehlst einfach so sehr. möchte mit dir mein leben besprechen. das haben wir schon immer getan. hab ich angst vor dem "erwachsenwerden"? du warst mir stets eine große hilfe. hab ich dir jemals dafür gedankt? es gibt noch so viel zu sagen und ich habe es nicht gesagt. wer denkt schon an den tod? es tut mir so leid! ich hoffe du weißt, was ich für dich fühle!
werde eine anzeige zu deinem geburtstag schalten. du hattest so angst vor deinem 30.zigsten. jetzt haben wir diese angst!

ich bin so froh das du bei uns warst!
hab dich so lieb! deine B.

Bernsteinmond
10.04.2004, 18:14
"wir sind, was ihr werdet! ihr seid, was wir waren!"


das stand in spanien an einem friedhof...schön zu wissen, ich seh dich wieder!

drück dich großer kleiner bruder! B.

Bernsteinmond
20.04.2004, 23:58
bald ist freitag...dein 30.geburtstag! die angst sitzt tief und die nächte werden wieder unruhiger. wir wollten doch feiern! ich möcht dein lachen sehen und mit dir in ruhe eine rauchen. deine fragen hören und deine gute laune spüren. deinen stolz auf deine tochter sehen und die liebe die du ihr immer gabst... du fehlst ihr so!

mag zu dir! B.

Bernsteinmond
27.04.2004, 02:52
hallo grosser bruder!

nun ist er vorbei, dein 30.geburtstag. solange ich mich zurückerinnern kann, es hat noch nie an deinem geburtstag geregnet. an diesem schon...

habe lange mit deiner frau telefoniert. sie zieht nun aus, aus eurem haus. ist seltsam. habe sie gebeten, ein paar dinge für mich aufzuheben. dein fdj-ausweis und kinderfotos... es muß so schlimm sein deine schränke ausräumen zu müssen. E. hat dir zum geburtstag ein bild auf dein grab gelegt. du fehlst ihr so sehr, deiner kleinen tochter. als sie am telefon war, hab ich mit ihr einen luftballon zu dir geschickt. ist er angekommen?

du fehlst, du fehlst, du fehlst...

B.

Bernsteinmond
06.05.2004, 01:48
mein lieber grosser kleiner bruder!

es gibt soviel neues und ich möchte es dir erzählen. ich sitze nachts draußen und der wind ist um mich. du bist der wind und ich erzähle dir...

du bist in meiner seele und ich trage dich durch die welt!
gute nacht! ich liebe dich!B.

Bernsteinmond
09.06.2004, 00:45
bin vor dem tod geflüchtet....ans meer! habe den wind in meinen haaren gespürt und damit DICH!

die sonne scheint wieder, wie in unserem letzten sommer. dein grab ist schön geschmückt... ich war da. hast du es gemerkt? ich brauch so dringend ein zeichen von dir!

habe deine kleine e. gesehen. sie ist dir so ähnlich! drück sie an mein herz und drück damit dich!
deine frau wird immer dünner. ich mach mir so sorgen um sie. nun sind sie auch noch ausgezogen aus eurem haus. deine dinge mußten aussortiert werden. was ist wichtig? wichtig? ALLES! es war doch deins... kann nicht aufhören zu weinen, kann nicht aufhören zu schreien...

hab dich lieb!
deine schwester

Bernsteinmond
17.06.2004, 13:05
die sonne lacht... lachst du uns an?

fehlst mir so!
B.

Bernsteinmond
02.07.2004, 21:34
man soll die lebenden mehr achten als die toten? man soll das leben der lebenen mehr achten? hilft strafe als abschreckung? kann strafe für die angehörigen eine art rache sein?

900 euro bist du wert. 900 euro ist dein tod wert.
er behält seinen führerschein, er behält sein leben, ist nicht vorbestraft... alles ist vergessen.

wie kann es sein, das jemand einen fehler begeht und nichts passiert? wie kann es sein, das jemand sein auto ungesetztlich umbaut und dadurch dieser unfall so verläuft und es nichts bedeutet?

wie kann ich das jemals deiner kleinen tochter erklären? wie kan ich ihr sagen:"mehr konnte ich damals nicht machen.."? soll ich zu diesem menschen gehen und ihm erklären... was erklären? ihm sagen: mein leben ist nicht mehr gut, ich kann nicht mehr schlafen, der schmerz vergeht nicht, DU FEHLST MIR SO!!!

du bist nicht vergessen! dieser 15.08.03 ist nicht vergessen und auch nicht die nacht danach...

ich hab dich so lieb, mein grosser kleiner bruder!
B.

Bernsteinmond
07.07.2004, 09:00
lieber ingo!

morgen hat deine kleine tochter geburtstag.

wenn es irgentwie möglich ist: schick ihr bitte ein lächeln oder eine umarmung oder...was auch immer! das wär ihr grösstes geschenk, ihr gehts nicht gut. niemand kann dich ersetzten und ich will das auch nicht!

immer im herzen! B.

Bernsteinmond
07.07.2004, 21:52
lieber ingo!

ich weiß nicht ob es ein leben danach gibt, oder einen himmel...

wenn es so ist: swenja ist heute gestorben und sie ist ein phantastischer mensch. sie konnte lachen und weinen. sie konnte viele menschen mit ihrem humor glücklich machen. sie hat, trotz vieler schmerzen und ihrem langen kampf, ihr ich nicht verloren. ich habe sie verloren und ich kann das alles nicht fassen. es hört nicht auf!

wenn es weiter geht: drück sie an dein herz!

ich hab dich so lieb und du fehst! nun auch swenja!
B.

Bernsteinmond
24.07.2004, 12:01
wieviel tod kann ein mensch ertragen?

nun nach swenja auch noch dieter beerdigt... mag icht mehr!

werd aufpassen! hab dich so lieb!
deine schwester B.

Inaktiver User
08.08.2004, 21:46
Hallo ,
Als erstes Mal, auch mir stockt der Atem bei all den Schmerzen die Du erleben musst.Und man fragt sich wieviel kann man ertragen ? Und man sucht nach der Gerechtigkeit, gibt es denn eine ? Gibt es einen Gott ? Warum lässt er all das zu ?

Und warum ist der Tod noch immer ein Tabu ? Warum ziehen sich die Leute oft zurück ? Gibt es denn soviele Egoisten auf dieser Welt?


Ich bin auch Krankenschwester , und weiß wohl in erster Linie aus dem Lehrbuch , daß der Tod zum Leben gehört. Aber warum soll man sich ständig darüber Gedanken machen ? Man ist ja noch jung....
Ich musste die letzten 18 Monate auch sehr viel Leid erfahren, und ich ahne was in Dir vorgeht. Diese Hilflosigkeit, diese Angst vor Morgen , die Verantwortung die man noch hat , Ängste zu versagen....


Ich denke auch das diese Schmerzen nie vergehen werden, sie verblassen etwas, weil man mit jedem Tag mehr zu realisieren versucht.
Dieses Endgültige werde ich nie ganz akzeptieren können, und obwohl ich kein Christ bin, schau auch ich oft zum Himmel hoch.


Ein lieber Gruß, und eins noch..... Nein es ist keine Schuldfrage !

Bernsteinmond
09.08.2004, 23:58
du hattest noch genau eine woche zu leben...und hast nicht an den tod gedacht.

werde diesen tag weit weg verbringen und dir nah sein!
hab dich maechtig lieb und vermisse dich grauenhaft!
B.

Bernsteinmond
16.08.2004, 19:37
UNVERGESSEN!

ingo

23.04.74 - 16.08.03

..ein jahr ist es her und noch immer schreit es in mir. bin "auffallend" ruhig...nur äusserlich.

die ganze nacht gewandert...wie vor einem jahr, als ich bei dir war und deine letzte nacht erleben durfte, musste...

du fehlst mir so schrecklich doll!

deine schwester in liebe! B.

Bernsteinmond
04.10.2004, 21:02
Mein lieber grosser kleiner Bruder!

war krank, konnte nicht schreiben, denken, sprechen, lachen, weinen,...

nun habe ich mir eine auszeit gegönnt und werde mich auf deinen kleinen neffen vorbereiten. manchmal denke ich: gibt es wiedergeburt? sehen wir uns wieder?

werde deinem neffen von dir erzählen und dich zeigen. du hättest dich so gefreut. du mochtest kinder so sehr.

war bei vater und habe die grosse kiste durchstöbert. da warst du wieder da. dein pionierausweis und dein fdj-ausweis. die kiste, die wir zusammen bemalt haben und deine kinderzeichnungen. briefe an dich und dein poesiealbum. ich weiß nicht wieso, aber d. wollte das alles wegwerfen. ich hatt sie doch gebeten...
es ist so schwer geworden. sie weicht aus und die kleine e. ist ständig bei der oma. sie hält es nicht aus, das e. dir immer ählicher sieht und wird. mir tut es gut und ich beobachte sie so gern. sie ist ein engel und ich habe es dir versprochen. ich passe immer auf die zwei auf, vorallem auf deine kleine e..

der herbst ist da und ich krieg alles wieder hin. drück dich!
deine schwester B.

Bernsteinmond
25.01.2005, 05:44
nun ist er da...am 18.11.04 geboren. du wärst so ein stolzer onkel! ich erzähle von dir, war mit ihm an deinem grab...

war fast bei dir, hast du es gemerkt? die komplikationen bei der geburt...ich empfand in meinem leben noch nie so viel ruhe. da war das nichts und totenstille...

hast du das auch gefühlt als du gegangen bist?

ich liebe dich! mein großer kleiner bruder

B.

Bernsteinmond
30.01.2005, 14:54
nun ist es wohl an der zeit still zu werden... wird mir gesagt.
nein, ich will über dich sprechen, um dich weinen! ICH WERDE DICH NIE VERGESSEN!

nun ist schon das 2. jahr nach deinem tod. vor dem ersten hatte ich angst. dein geburtstag, todestag, weihnachten... dieses jahr ist mir alles bewußter. du fehlst!
es erwischt mich unvorbereitet, ich dachte es würde weniger werden. zwar hat die wunde eine dünne haut bekommen, sie heilt aber nicht! sie wird nie heilen, du kommst ja nicht wieder...

ich werde nicht schweigen! ich werde von dir sprechen, erzählen wer du warst, von deinem lachen und den vielen fragen die aus dir raussprudelten, wenn du unsicher warst. deine anrufe, manchmal 10.mal am tag, wenn du ein problem hattest. unsere heimliche zigarette, damit deine frau nichts merkt... all das und noch vieles mehr!

doch weinen werde ich allein. und das hemmungslos und aus tiefsten herzen. denn anders weinen will ich nicht und das würde ich wohl. weil sie dann hilflos werden und ich mich dafür nicht entschuldigen will!
das leben geht weiter... aber anders!

hab dich lieb!
deine schwester B.

Inaktiver User
03.02.2005, 22:33
Hallo!

Ich möchte Dir meine tiefste Bewunderung ausrücken und fühle mich fast schlecht dabei, dass ich diesen Beitrag gelesen habe, der so voller Trauer und gleichzeit so viel Kraft liegt.

Ich wünsche Dir von Herzen, dass es Dir hilft, Dir Deine Wut und Trauer hier gut von der Seele schreiben zu können.

Mach weiter so - und alles Gute!

Bernsteinmond
16.02.2005, 23:17
der schnee deckt die welt zu und irgentwie wirkt alles ruhiger...

denke viel an dich. ich habe geträumt, ich würde dich treffen und dir erzählen, das ich geträumt habe, du wärst tot. ich bin aufgewacht und war völlig durcheinander. ich war im ersten moment so glücklich. ich hoffte, ich hätte es nur geträumt. ich wußte im gleichen moment, es war nur ein traum und die realität erwischte mich kalt...

ich bin nun älter, als du es geworden bist. es ist so komisch. es fühlt sich nicht richtig an. ich weiß, ich kann es nicht ändern und das leben geht weiter. aber wie soll ich das hinkriegen? du warst doch immer da und nun gibt es keinen weg dich zu erreichen, dich zu hören, zu sehen...

es fühlt sich einfach nicht richtig an!
fehlst mir wie verrückt! sehen wir uns im traum?
B.

Bernsteinmond
22.02.2005, 22:31
lieber ingo!


ich mache mir viele gedanken über den tod, über das sterben.

als ich im letzten november auf dem op-tisch lag und spürte, mein herz schlägt nicht mehr... ich habe gedacht (gehofft) dich zu sehen. ich dachte, du holst mich ab... du warst nicht da.
wo bist du? geht es weiter? kannst du spüren wie sehr du mir fehlst, wie groß mein schmerz ist? ich halte es manchmal kaum aus.

du fehlst grad massiv!
hab dich so lieb!
deine B.

Bernsteinmond
03.03.2005, 21:57
ich schaffs einfach nicht...

B. :niedergeschmettert:

Inaktiver User
04.03.2005, 14:04
Liebe B.,
was genau schaffst du nicht? (ich kann´s mir zwar vorstellen, aber formuliere es doch bitte mal).
Aus deinem letzten Posting spricht eine so große Trostlosigkeit, dass ich mir Sorgen um dich mache!
:niedergeschmettert:

Magst du dir von uns hier ein wenig helfen lassen, mit Gesprächen, Zuhören....?


Mira :blumengabe:

Bernsteinmond
22.03.2005, 15:08
es wird erwartet zu funktionieren...ich pack das nicht.
es holt mich immer wieder ein und diese traueranfälle sind so heftig. immer wieder denke ich: er ist tot... und bin so erschrocken. es ist immer noch unfassbar und der schmerz macht mich wahnsinnig. ich bin überall die starke und versuche alle zu stützen. ich war bei ihm als er starb, versuche für sein kind und frau da zu sein, meinen eltern zuzuhören... ich versuchs ja!

manchmal nachts kommt die angst, die angst nicht drüber weg zu kommen...
ich bin ein ernster mensch geworden (sagen andere). ich merk das auch. ingo hat mich wohl zu einem teil mitgenommen...

dank für die anteilnahme!
B.

Inaktiver User
23.03.2005, 11:26
***es wird erwartet zu funktionieren...ich pack das nicht.***

Liebe Bernsteinmond!
Du bist jetzt an einem sehr kritischen Punkt. Es ist an der Zeit, dass du DIR selber eine Stütze bist, und zwar in dem Sinne, dass du aufhörst anderen eine Stütze zu sein ! Zumindest vorübergehend. Kein Mensch, und mag er auch noch so stark und tapfer sein wie du es bist, kann pausenlos seine Kraft nach außen geben. Unsere Kraft ist nunmal begrenzt, das müssen wir einsehen.
Kann es sein, dass Du selber erwartest, dass du eine "immerwährende Stütze" sein mußt?
Das mußt du nicht, das kannst du auch gar nicht. Das geht nur bis zu einem gewissen Punkt.
Und wenn du diesen Punkt überschreitest, dann wirst du vielleicht zerbrechen, krank werden . Ich spreche da aus Erfahrung.
Setze bitte dich selber jetzt an die vorderste Stelle. Schaff dir einen Raum zum Trauern und laß dich tragen, laß dich ruhig in die Flügel deines Engels fallen. Deine Seele ist wund und bedarf der Heilung.


***es holt mich immer wieder ein und diese traueranfälle sind so heftig. immer wieder denke ich: er ist tot... und bin so erschrocken. es ist immer noch unfassbar***

Oh ja, es ist so unfassbar. Selbst wenn man vor dem Grab steht, was Beweis genug ist, denkt man: es kann nicht sein! das ist nicht die Realität...
Ich weiß genau, wie oft ich so da stand und mir dämmerte, es ist kein immerwährender Alptraum, es ist wirklich und wahrhaftig :-(
Ich denke nun, dieses "nicht-wahr-haben-können" ist ein Schutzmantel der Seele, den man nicht zu früh ausziehen darf. Immer nur ein Stückchen weiter öffnen, so wie es verträglich ist und ruhig mal wieder etwas weiter zumachen, wenn´s noch zu grausam kalt ist

Der Punkt kommt, an dem man mit offenem Mantel dastehen kann, ohne zu erstarren.
Vertraue ruhig darauf.


***ich bin überall die starke und versuche alle zu stützen. ich war bei ihm als er starb, versuche für sein kind und frau da zu sein, meinen eltern zuzuhören... ich versuchs ja!***

Ja, liebe Bernsteinmond. Du tust alles was du kannst, aber nun laß die anderen wieder auf eigenen Beinen durch ihre Trauer gehen, sie müssen das. So wie du es ja auch tun mußt. Trauerarbeit ist eine einsame Angelegenheit.
WER hört dir zu?
WER ist für DICH da??


***manchmal nachts kommt die angst, die angst nicht drüber weg zu kommen...
ich bin ein ernster mensch geworden (sagen andere). ich merk das auch. ingo hat mich wohl zu einem teil mitgenommen...***

ja, wir "sterben etwas mit", in der Tat
es dauert Jahre (!), bis die Lebensfreude mit all ihrer Kraft wiederkommt - aber sie kommt! sie kommt!
es findet ein Wechsel statt
die lichten Zeiten werden länger als die dunklen
immer ein wenig mehr, bis es erträglich geworden ist

aber der Schmerz wird wohl nie völlig vergehen, wie denn auch?
es IST eine schmerzvolle Erfahrung
aber dem Schmerz muß Einhalt geboten werden, er darf nicht immerzu anwachsen wie ein Geschwür
er hat seinen Platz in der natürlichen Ordnung des Seelen-Hauses einzunehmen, in angemessener Größe, er darf nicht zum Herrscher werden


willst du dir nicht Hilfe suchen bei einem Trauertherapeuten?
ich habe es getan und bin sehr froh darüber

ich bin jetzt im dritten Trauerjahr, im Mai vollendet es sich
jetzt erst lösen sich Blockaden, die ich noch gar nicht bemerkt hatte

Heilung braucht Zeit und Raum


Ich hoffe sehr, meine Gedanken helfen dir etwas weiter. Ich wünsche dir von Herzen, dass du all die Zuwendung bekommst, die du brauchst.

Weißt du, ich habe in den vergangenen 3 Monaten eine, man kann sagen, todgeweihte junge Mutter und ihr Baby versorgt und betreut, und obwohl ich diese Arbeit mit Freude und Liebe tat, hat mich allein die Tatsache in der Nähe von Leid und Elend zu sein, krank gemacht, richtig körperlich krank und ich mußte um meiner Selbst willen diesen Job abgeben
Dabei ist "es" schon 3 Jahre her, dass ich meinen Sohn im Hospiz begleitete bei seinem Übergang in die nächste Welt.
Aber die Wunden, die dünnen Narben meiner Seele brachen wieder auf.

Es war zu früh, zu helfen. Viel zu früh.
Ich habe daraus gelernt. Habe meine Grenzen erkannt und akzeptiert.


Dieses schreibt Mira.

Bernsteinmond
02.04.2005, 13:29
lieber ingo!

zur zeit rede ich jeden tag über dich...kann nicht genug davon bekommen und schreie innerlich gegen das vergessen an. ich habe angst deine stimme zu verlieren und dein lachen... ich möchte die augen schließen und dich sehen können. was ist, wenn diese erinnerungen gehen?

ich stehe wohl wirklich gerade an einer kante und weiß nicht was kommt, wenn ich mich fallen lasse...

hab dich soooo... lieb!
deine schwester

Bernsteinmond
16.04.2005, 22:57
heut war der wind sehr stark... wie an dem tag, an dem wir dich beerdigt haben. ich habe mich auf eine wiese gesetzt und dich gespürt. meine augen geschlossen und an dich gedacht, dich beweint und vermisst. du fehlst so sehr, mein grosser kleiner bruder!

kann nicht zu dir!
B.

Bernsteinmond
20.04.2005, 22:21
lieber ingo!

hab grad mit mama gesprochen und sie hat geweint. dein geburtstag naht, alles bricht raus!

sie hat wieder erzählt, du hättest dich verabschiedet. du bist ihr erschienen und hast auf wiedersehen gesagt und das du es nicht wolltest...

ich will dich wieder!

ich hab dich so lieb!
komm her und nimm mich in den arm!
B.

Bernsteinmond
27.04.2005, 10:51
lieber ingo!

dein geburtstag ist also überstanden. komisch, so viel angst vor diesem tag und dann ist er so normal...nur für mich nicht...

saß dann nachts auf meinem balkon und der tag war vorbei und endlich konnte ich weinen. denn ganzen tag war meine kehle wie zugeschnürt, war wie betäubt. ich holte deine sachen und sah sie mir an. du, zum greifen nah. und dann war da ein haar, dein haar... über was man sich so freuen kann.

hab an deinem geburtstag mit deiner frau und deiner kleinen e. telefoniert. ich seh sie bald, dann komm ich auch zu dir. mama hat versprochen dich zu grüßen, wenn sie zu dir auf den friedhof kommt. wäre so gern näher bei dir, bei deiner familie...

drück dich an mein herz!
B.

Bernsteinmond
06.05.2005, 21:15
ich hab dich heut gesehen,uns...

mama hat die alten super-8-filme digitalisieren lassen...ich hatte diese filme noch nie gesehen.

und da sind wir... wie du mich als grosser kleiner bruder im arm hälst und so stolz strahlst...wie ich dich ärgere und schnell wegrenne... wie du unser auto putzt und du kannst grad stehen (du und autos)...

tränen der freude, tränen der trauer...

du bist immer ein teil meines lebens. l. hat gesagt: "onkel ingo ist nicht tot! er lebt, weil du ihn so lieb hast, weil du ihn in deinem herzen hast!" wie recht meine kleine maus hat!

drück dich!
B.

Pummel
08.05.2005, 13:11
'Frag nicht WARUM, frag nicht WOZU,
dann kommt dein Herz niemals zur Ruh!
Auf dein WOZU, auf dein WARUM,
bleibt doch des Schicksal Mund nur stumm.
Gott weiß WARUM, Gott weiß WOZU,
dies Wissen gibt dem Herzen Ruh!'

Er ist nicht fern, er ist bei Dir, in Frieden. Wie fühlt er sich nun angesichts deiner Trauer? Du wirst ihn wiederfinden in Deinen Kindern, die gleichen Augen, das gleiche Lächeln, dieselbe Eigenart. Lebe DEIN Leben, lebe deine Zukunft. Gib ihm eine Chance und lächle wieder.

Ich drück Dich ganz fest.
Gruß - Pummel :blumengabe:

Bernsteinmond
27.05.2005, 23:36
es war so schön bei dir zu sitzen, eine kerze anzuzünden, mit dir zu sprechen...

ich saß an der ostsee und dachte an dich...und dann ging ich los und sammelte die kleinen steine und muscheln, nahm den sand in meine hand und brachte ihn dir...

du warst so gern am meer...
ich bin so froh um jede erinnerung, so froh um jedes erlebnis, so froh das es dich gab!

ich hab dich lieb!
B.

Bernsteinmond
01.06.2005, 20:41
der wind bewegt die bäume, das gras, sträucher. die blumen nicken und es duftet nach sommer...bist du da?

am tag, an dem du beerdigt wurdest, ging der wind...die sonne strahlte goldgelb...eine laute stille, denn der wind war stark. ich sah mir die bäume an als alle gegangen waren...das mache ich heute noch. es ist, als könnte ich dich ein wenig spüren...sehen!

du fehlst mir so!
mein geburtstag rückt näher. der geburtstag, der dir bevor stand. ich bin älter als du es jeh geworden bist...ich versteh das nicht?! warum du, warum nicht ich?

in tiefer liebe! in tiefer trauer!
B.

Bernsteinmond
19.06.2005, 21:57
was ist das bloß für ein geruch?...habe ich gedacht und schon war er wieder weg...und dann kamen die bilder. deine motorradjacke! ich hatte sie in meinen händen, habe mein gesicht reingedrückt und deinen geruch aufgesaugt,habe meine hände auf dein blut gelegt, wollte dich wohl so festhalten. das ist nun fast 2 jahre her und auf einmal war er da, dieser geruch... das ist schlimm, das ist so gut!

nichts ist vergessen, du bist nicht vergessen, du bist bei mir, in meinem herzen, in meiner seele...zur zeit lebendiger als zu einem anderen zeitpunkt seit dem 16.08.2003. komme ich dir näher?

ich hab dich so lieb!
B.

Bernsteinmond
28.06.2005, 10:25
jeden tag die angst dich zu vergessen...das macht mich krank! woher kommt diese angst, was kann ich dagegen machen?

UNVERGESSEN!
deine B.

Bernsteinmond
26.07.2005, 11:54
WUNSCHFREI

WAS KANN ICH TUN
WENN ICH NICHTS MEHR TUN KANN?
UND WAS SOLL ICH SAGEN
WENN ALLES GESAGT IST?
BU BIST NICHT MEHR DA
UND ICH BIN IMMER NOCH DA
UND HÄTT ICH EINEN WUNSCH FREI
DANN WÄR ICH JETZT BEI DIR
UND HÄTT ICH EINEN WUNSCH FREI
DANN WÄR ICH JETZT BEI DIR
BEI DIR
IN EINER ANDEREN WELT
WO DIE ZEIT NICHT MEHR ZÄHLT
UND DIE SEHNSUCHT
NUR NOCH SICH SELBST SUCHT
DA BIN ICH BEI DIR
UND GENAU DAFÜR
WÜRD ICH MEIN LEBEN GEBEN
UND HÄTT ICH EINEN WUNSCH FREI
DANN WÄR ICH JETZT BEI DIR
UND HÄTT ICH EINEN WUNSCH FREI
DANN WÄR ICH JETZT BEI DIR
HÄTT ICH EINEN WUNSCH FREI
HÄTT ICH EINEN WUNSCH FREI
EINEN WUNSCH FREI
EINEN WUNSCH FREI
EINEN WUNSCH FREI
HÄTT ICH EINEN WUNSCH FREI
DANN WÄR ICH JETZT BEI DIR
UND HÄTT ICH EINEN WUNSCH FREI
DANN WÄR ICH JETZT BEI DIR
BEI DIR...

(Klee:JELÄNGERJELIEBER/2004)

mehr gibt es (derzeit) nicht zu sagen...
in liebe!
B.

Inaktiver User
26.07.2005, 19:41
Hallo Bernsteinmond
Wieso hast du dir diesen Namen gegeben. Hast du Bernsteinfarbende Augen oder sehen deine Haare so aus?
Ich habe viel gelesen wie du dich fühlst aber nichts wie du bist. Warum glaubst du das er mehr Anspruch auf ein Leben hatte als du?
Ist es nicht so das jeder sterben muss? und die Zeit können wir nicht bestimmen.
ich habe Monate um meinen Vater getrauert. Im wirklichen Leben war er mir nicht sehr nah. Ich hatte es mir gewünscht aber ich war nicht das Kind das er haben wollte. Zu revolutionär. Eine Steunerin .
Tja und dann war er tod und ich konnte ihm endlich meine Liebe beweisen. Er war überall mit mir alles was ich gemacht habe, habe ich mit ihm besprochen. Ich brauchte niemanden mehr um mich Tag und auch Nachts waren meine Gedanken bei ihm. Ich war unfähig mein Leben zu leben, weil ich ständig geistes abwesend war. das ging so Monate. Niemand lebendes zählte mehr. Mir gings ganz gut dabei ich habe mich in meiner Trauer sehr intensiv gespührt.
Dann hatte ich den Eindruck er wäre auch körperlich da. Auch Nachts und plötzlich war er nicht mehr alleine. Immer mehr Verstorbene haben sich zu ihm gesellt. Da wird es mir jetzt noch mulmig. Ich konnte nur noch mit Licht schlafen. Eben kaum. Es wurde ein Alptraum. Und als ich dann nur noch auf dem Zahnfleisch daherkam, habe ich mich der Situation gestellt.
Ich habe ihn gefragt was er will und warum er sich verstärkung holt. Das war einzigartig. Er war wie körperlich anwesend und hat gesagt ich soll ihn endlich in Ruhe lassen. Er kann sonst seinen Weg nicht weitergehen. Und bleibt im ungewissen hängen. Dann habe ich ihn freigegeben. Habe ihn erklärt, dass ich ab jetzt mein Leben selber in die Hand nehme und er sich keine Sorgen mehr machen soll. Das war gut. Er hat sich dann umgedreht und ist in Lichtgeschwindigkeit verschwunden. Seit dem trage ich ihn in meinem Herzen und muß nicht dauernd nach ihn in meiner Umgebung suchen.
Ich weiß bei ihm ist es wesendlich spannender und ich kann hier noch die Zeit genießen bis ich in die nächste Runde eintrete, und ihm folge.

Alles Liebe Helena

Bernsteinmond
26.07.2005, 23:30
Hallo Helena!

des lebens weniger wert... mir wurde meine familie genommen, meine wurzeln die mich immer hielten. ich war auch die streunerin. alle machten sich sorgen und wenn, dann hätten alle an meinen tod gedacht. war immer die starke, hab immer alles allein gepackt, habe ratschläge gegeben... aber ich wußte: ICH BIN NICHT ALLEIN!

ingo starb und ich war die einzige aus meiner familie die da war... habe mit meiner mutter gesprochen, habe gefragt warum niemand fragt: "wie war diese nacht für dich? was hast du erlebt, rede?!" in ihren augen und ihrem gesicht stand die angst. angst, sich damit zu belasten, es nicht zu verkraften. ich bin damit allein und weiß nicht wohin.
ich lache jeden tag meine kinder an, lache mit freunden... ich lebe! er hat ein stück mitgenommen und ich suche ingo und find ihn nicht wieder. vielleicht brauche ich sein ok...ich weiß es nicht.

meine wuzeln sind gekappt...

und DANKE!
B.

P.S. habe blaue augen. ich liebe den mond und die nacht und ein bernsteinfarbener mond ist etwas ganz seltenes.

Inaktiver User
27.07.2005, 23:37
<font color="black"> [/COLOR]
hallo Bernsteinmond,toller Name,
jetzt habe ich gerade aus Versehen meine Nachricht an dich gelöscht.und jetzt ist meine Mutter hier auf Besuch und da kann ich garnicht in Ruhe schreiben, Leider.
ich habe mich heute den ganzen tag gefragt, ob du wohl reagierst. ich freue mich richtig, von dir zu hören.
Deine Geschichte hat bei mir so viel ausgelöst, das tut mir gut.
nur kurz, wie sahen den die Wurzeln aus, dünn dick runzelig und worin waren sie verwurzelt. was war das
warum haben sie sich sorgen gemacht, was hast du getan?
und warum möchtest du das dir diese fragen gestellt werden.
für heute schluß, sonst lyncht mich meine Mama
liebe Grüsse Helena

frangipani
28.07.2005, 09:38
Liebe Bernsteinmond

wir hatten ja schon ein paarmal Kontakt ueber die letzten Monate - deine Postings beruehren mich auch jedesmal wieder.

Du schreibst von verlorenen Wurzeln - sind unsere Wurzeln nicht in dem, was war, in all den Ereignissen und Erinnerungen von frueher? Die nimmt dir doch keiner. Und Ingos Wurzeln sind eh in Dir. Bzw. sein Erbe.

Als mein Bruder letztes Jahr starb, hatte ich das Gefuehl, jeder will etwas von mir. Ich sollte stark sein, ich musste mir die Wut, die Verzweiflung und die Hoffnungslosigkeit meiner Mutter anhoeren, die Traenen meines Vaters und die Wut und den Schock meiner Schwaegerin. Dadurch, dass ich so weit weg lebe, alles uebers Telefon. Auch wenn ich natuerlich liebe Anrufe und Briefe bekommen habe, hatte ich das Gefuehl, aussen vor zu stehen. Ich wollte nicht schlichten oder troesten oder zuhoeren, ich wollte nur schreien. Statt dessen habe ich die Todesanzeige fuer meinen Bruder gestaltet als waere es ein Job wie jeder andere. Die Magenschmerzen kamen spaeter....

Unsere Familie war immer sehr kopflastig, ich war halt immer die grosse vernuenftige Schwester. Aber ich habe gelernt, dass ich mich von den Reaktionen meiner Eltern, sobald ich damit Schwierigkeiten habe, loesen muss. Ich kann ihnen nicht helfen. Ich bin genauso verletzt.

Machst du dir unbewusst Vorwuerfe, dass du diejenige warst, die in der Nacht die Entscheidungen treffen musste? Du hast deinem Bruder damit sicher den groessten Liebesbeweis gegeben, der moeglich ist. Wie haette er an deiner Stelle gehandelt?


Du bist immer noch nicht allein.

Alles Liebe
frangipani

Bernsteinmond
30.07.2005, 21:30
Hallo Helena!

es waren die einzigen wurzeln die ich hatte...und sie waren undurchtrennbar und hatten schon einige "falten"!

ich bin mit 14 von daheim weg. ich nenne es mal wendeunruhen. es hatte sich viel verändert: meine mutter lag mit einer schweren psychose und nach einem selbstmordversuch in der psychiatrie und mein vater hat sich noch nie um haushalt, kinder...gekümmert. das typische rollenklischee und alles brach zusammen. ich war sehr unbeständig, viel angefangen, nichts fertig gemacht. habe mein leben geführt und meine träume gelebt. oft wußten sie nicht wo ich war. der einzige, der nie aufgab, war ingo! er blieb an mich dran und auch wenn er mein leben mit argwohn beäugte (und ich das seine), wir konnten uns respektieren! und er sagte auch nie:" die schafft das schon, die hat bisher alles geschafft!" (ein typischer spruch meiner eltern) er hat mir auch mal seine hilfe angeboten...und nach meiner gefragt. ich hatte krebs, er war da...ich bekam ein kind, er war da...ich trennte mich und war mit meiner tochter allein, er war da... und als es ihm schlecht ging und er rat und trost brauchte war ich da... so war das!

und nun ist er weg und ich bin immer noch da...

ich habe gehofft es teilen zu können. mir ist es wichtig über diese nacht zu sprechen. ich halte nichts von: bloß nicht drüber reden und wunden aufreißen! das funktioniert nicht, es broddelt innerlich doch weiter. und es broddelt...
ich denke meine mutter geht es was an... es war ihr sohn und ich bin ihre tochter!
warum haben sie ihn allein gelassen? sie wußte wie es um ihn steht. und sie wußten: ingo hatte furchtbare und traumatische angst vorm alleinsein und das wichtigste war die familie...und sie gingen trotzdem weg!

ich suche nach gründen, möchte sie verstehen und dadurch auch meine wut loswerden. ich bin wütend auf meine eltern, ich kann sie nicht verstehen und vielleicht würde eine erklärung was bringen. und ich will ihn nicht totschweigen!

sie sagen:"wer weiß was ihm alles erspart geblieben ist!" ich sage:"der tod!"

ER FEHLT!

liebe grüße!
B.

Bernsteinmond
30.07.2005, 21:42
Liebe Frangipani!

vorwürfe, ja!
ich arbeite im krankenhaus und "rette" normalerweise. ich habe es nicht geschafft, ich konnte nicht helfen. er hat mich drum gebeten...
manchmakl denke ich: hätte ich gewußt wie es mir jetzt geht, ich hätte ihn nicht sterben lassen!
es ist purer egoismus und wahrscheinlich hätte ich nie so gehandelt!

ich denke geschwister werden oft vergessen und das ist nicht gut und nicht fair. es ist ein schmerz, der nicht verstanden wird und das verstehe ich nicht!

ich bin ein stück mitgestorben. das ist nicht richtig, das leben geht weiter. ich lebe es für meine kinder, bin stark und schenke ihnen liebe, freude, lachen...

ich danke dir!
B.

Bernsteinmond
16.08.2005, 14:30
heut vor 2 jahren bist du gegangen...heut vor 2 jahren saß ich auf dem dach über berlin und habe deinen namen geschrien...heute saß ich an deinem grab und habe geweint...

ICH HAB DICH SO LIEB!
deine schwester

Bernsteinmond
29.09.2005, 22:40
ich konnte lange nicht schreiben...

am tag vor deinem todestag, der tag an dem du verunglückt bist, hatte ich starke schmerzen. ich bin wach geworden und hab mich immer elender gefühlt. meine linke seite, die schulter...es tat so weh und ich konnte nicht mehr atmen. mein rücken, mein kopf...und kein schmerzmittel hat geholfen. solche schmerzen hatte ich noch nie...

am nächsten tag war alles weg! und als ich dann an deinem grab saß und an diese nacht dachte... die linke lungenseite war kollabiert und sie wurde entfernt, hirnblutungen, wirbelbrüche... ich habe deine schmerzen erlebt! sie waren da und wieder weg und nichts konnte diese schmerzen beeinflussen.

das loch, das ich nach dem erstentodestag erwartet hatte kam diesmal... aber ich habe dein kind gesehen, mit ihr gespielt und gelacht...das war so schön. du fehlst ihr sehr und sie will zu dir. sie wacht nachts auf und ruft nach dir, will sterben...sie ist 6 jahre alt! und ihre mutter...lässt nicht mit sich reden, will keine therapie für sie..was soll ich denn nur machen? ich bin da so hilflos, möchte die kleine maus halten, halt geben... sie lacht mit mir...sonst kaum...sie redet mit mir über dich...sonst nicht...

und papa...schaut meinen kleinen m. an und sieht dich. er sieht dir so ähnlich, ist dir so ähnlich. einige bekannte von dir sind darüber erschrocken. eine freundin von dir hat m. gesehen und angefangen zu weinen...ich seh dich auch, aber es ist m. und nicht du! ich habe schon solche verlußtängste...
aber es ist schön papa das erste mal so liebevoll zu erleben. du müßtest das mal sehen... ich habe vor freude und trauer geweint!

du bist nicht vergessen! weder von mir, noch von einigen anderen! und deine tochter liebt dich so sehr! und ich dich auch!
B.

Bernsteinmond
19.10.2005, 22:10
die dunkelheit trifft das licht und alles geht geht weiter
der wind streift durch die bäume und streichelt meine seele
ein stern leuchtet und ich seh ihn an
alles erinnert an Dich

in liebe!

Bernsteinmond
05.11.2005, 20:59
ich habe wieder von dir geträumt...ich war mit deiner frau beim beerdigungsinstitut und sie hat die ganze zeit geredet und bestimmt wie was aussehen soll und es war dir so gar nicht ähnlich. sie war wie in einer geschäftsbesprechung; keine mimik, kein gefühl der trauer in der stimme... ich saß am tisch wie ein keines kind und hab mich nicht getraut etwas zu sagen. sie könnte mich ja wegschicken... und du warst auch mit am tisch. du hast dir alles teilnahmslos mit angeschaut. du hast mich angeschaut und deine frau...nur geschaut...

ich habe sie angerufen danach und es ist etwas passiert, womit ich nicht leben kann und möchte. etwas, was ich nicht verstehe... sie hat einen neuen partner und wohnt nun auch mit ihm zusammen. ich habe mich für sie gefreut und das auch anderen mitgeteilt, auch ihr. und nun sagt sie, ich hätte mich negativ dazu geäußert (wer ihr das erzählt hat, will sie mir nicht sagen). und ich würde deiner maus nicht gut tun. sie hätte am abend, nach dem ich gegangen war, fürchterlich geweint und nach dir gerufen.
sie will, das ich E. nicht mehr sehe! sie will mir den kontakt verbieten!

ich habe nichts gesagt und auch andere bestätigen das. es ist eine lüge und ich verstehe sie nicht! eine freundin von ihr sagte dazu: " sie will dich endlich loswerden und hat sich das aus denn fingern gesaugt."

was soll ich tun? ich habe mit ihr gesprochen, habe ihr gesagt wie wichtig mir die maus ist und das es nicht stimmt. ich bin doch die einzige aus unserer familie, die noch kontakt sucht, die auch deine wurzeln hat...

ICH WILL DAS NICHT! du würdest ein zweites mal sterben!

bin verzweifelt!
B.

Inaktiver User
20.11.2005, 13:08
wie geht es weiter? Hast Du bei der Frau Deines Bruders etwas erreicht? Störst Du sie mit Deiner Trauer?
Denke an Dich.

Bernsteinmond
02.12.2005, 22:31
mein lieber ingo!

nun ist wieder jemand gegangen und bei dir. darf ich sie beneiden?

weihnachten:zeit für die familie, kinder, kleinen heimlichkeiten, märchen und wunder... du hast es geliebt und am liebsten alle um dich herum gehabt. und du konntest die bessten waffeln der welt backen!

du fehlst unerträglich!

B. :regen:

Bernsteinmond
24.12.2005, 14:41
mein liebster großer kleiner bruder!

wo immer du bist: EIN FROHES FEST!

hab heute denn weihnachtsbaum geschmückt und leise in mich geweint. das war immer unser job. du fehlst deiner tochter heute so sehr...und vielen anderen auch. sie alle werden an dich denken und dich auf dem friedhof besuchen kommen. ich komme auch in 2 tagen, versprochen! ich dachte immer, irgentwann wirds besser. der schmerz kommt nicht mehr so häufig, aber täglich und dann in einer intensität...

ich hab dich lieb!
deine B.

Bernsteinmond
16.01.2006, 13:16
das leben geht nicht weiter,
wie sie behaupten.
es hört auf.
nur die tage vertreichen.

(b.alexandra)

Inaktiver User
17.01.2006, 15:35
Ich weiß, was Du meinst.
Trotzdem.
Liebe Grüße
Sontagskatze

Inaktiver User
18.01.2006, 09:31
das leben geht nicht weiter,
wie sie behaupten.
es hört auf.
nur die tage vertreichen.

(b.alexandra)





das Leben aber
schleicht sich zurück
in die verstreichenden Tage

unmerklich
und plötzlich merken wir

ich LEBE
ich kann wieder LACHEN
und finde auch Kraft für neues LEID, wenn es denn kommt

trotz allem....!


dann sind die Tage wieder mit echtem Leben erfüllt




(Lavendelmond) :blumengabe:

Bernsteinmond
23.04.2006, 22:02
mein liebster bruder!

habe lange nicht mehr geschrieben...mir ist alles über den kopf gewachsen, bin nicht mehr klar gekommen. nun habe ich ein wenig anbstand genommen. du weißt, meine gedanken sind trotzdem jeden tag bei dir!

und nun, gestern, stand ich mit einem freund auf dem spielplatz und die sonne schien, kinder sprangen um uns herum und wir haben unsere kinder beobachtet. wir unterhielten uns über unsere kinder. und da sagte der freund wie schwer es erst wird, wenn die kinder groß sind und auto oder motorrad fahren würden. das er glück hatte, diese zeit überlebt zu haben. ich sagte nur:"ingo ist tot!"
wie ein schwarzes tuch hat sich die trauer wieder über mich gelegt und ich habe eine verdammte angst vor der zukunft!

und heute ist dein geburtstag:ICH LIEBE DICH, MEIN BRUDER! und wenn es zeit ist...ich habe fragen an dich!

sei umarmt und schau nach deiner maus!!!
deine B.

WolkeSienna
12.07.2006, 14:11
Ich moechte gerne das Thema aufgreifen, allerdings in bezug auf "Schuld" - Gibt es Schuld als solche? Ich habe Schuld an dem Tod eines Menschen. Ich habe vor 4 1/2 Jahren einen Unfall gebaut und dabei kam eine Mitschuelerin ums Leben. Nein ich hatte nichts getrunken. Es ist passiert und seither ist alles anders. Das meine ich mit Schuld und bin ueber das Thema/den Titel gestolpert. Die Schuld daran daß eine junge Frau wegen mir nicht mehr leben kann. Ihre Eltern verzeihen mir nicht. Sagen: schau in den Spiegel das bist du und nun frage dich wo ist unsere Tochter? Ich habe eine Bewaehrungsstrafe erhalten. Es war ihnen zu wenig. Ich habe Arbeitsstunden geleistet auch das war nicht genug. Es bringt ihnen die Tochter nicht mehr sagen sie. Das ist richtig. Aber ich kann es nicht ungeschehen machen! Das ist Schuld. Jeden Tag Schuld.

Es versteht mich wohl niemand?

Wolke

Inaktiver User
13.07.2006, 13:43
Hallo WolkeSiena,

manchmal fehlen einem die "richtigen" Worte - so geht es mir in diesem Moment jedenfalls. Ich würde Dir raten, Dich in Therapie zu begeben und ich würde an Deiner Stelle das Gespräch zu der Familie suchen, deren Tochter ums Leben gekommen ist. Hast Du schonmal überlegt, einen Pfarrer um Rat zu bitten? Er könnte ein gemeinsames Gespräch arrangieren.

"Schuld" - was ist Schuld? Ich kenne so viele Eltern, die ihr Kind durch das Zutun eines anderen Menschen verloren haben. Durch Unfall, durch Unachtsamkeit, durch Gewalt. Der Schmerz läßt einen Dinge sagen, die man später bereut. Viele fordern eine "gerechte Strafe" - aber was ist das? Ich denke, für Dich ist es Strafe genug, mit der Last weiterzuleben.

Auch unser Kind starb, weil ein Mensch nicht aufgepasst hat, für einen klitzekleinen Moment. Und natürlich habe ich diesem Mensch hinterher Vorwürfe gemacht, bitterliche! Doch irgendwann erkennt man, daß dieser klitzekleine Moment ebenso einem selber hätte passieren können. Es macht die Dinge nicht ungeschehen, wir können sie nicht ändern.

Ich schicke Dir Kraft und den Mut und hoffe, Du findest einen für Dich guten Weg.

Paula :blumengabe:

Bernsteinmond
13.07.2006, 21:14
mein liebster bruder!

pavel ist heute gestorben. für meine kleine maus ist eine welt zusammengebrochen. es war nur ein hase, es war ihr hase!

und als ich so mit ihr zusammen saß und versuchte sie zu trösten, da sagte sie auf einmal:" nun hat onkel ingo ein haustier, pavel ist doch bei ihm!"

für sie war es ein trost und ich hab sie lieb umarmt...

jeden tag denke ich an dich. wie von selbst schweifen die gedanken zu dir!

ich vermisse dich so!
deine schwester B.

Bernsteinmond
13.07.2006, 21:25
[quote]
Ich moechte gerne das Thema aufgreifen, allerdings in bezug auf "Schuld" - Gibt es Schuld als solche?

es gibt sie, die schuld! aber ein menschen machen fehler und manche sind nicht wieder gut zu machen. sie sind endgültig und alle beteiligten müssen damit leben...
aber man kann daraus auch etwas machen. sich verändern und die welt mit anderen augen sehen!
den mann, der den unfall meines bruders verursacht hat, hasse ich! vielleicht verständlich. am anfang empfand ich mitleid. ich habe gedacht: stell dir vor, dir wäre das passiert. du warst unachtsam...ich könnte mit der schuld wohl schwer leben! doch dieser mann kennt keine schuld! er hat um die felge seines aufgemotzten autos gejammert und was das alles kosten wird. da begann mein hass!

und das ist der unterschied! du kannst sie nicht mehr zurückbringen, aber du bist dir deiner schuld bewußt! das macht dich zu einem menschen, der es wert ist, zu verzeihen. wenn das nicht geht, vielleicht ein wenig "frieden schließen"!

ich wünsche dir alles gute!
B.

WolkeSienna
14.07.2006, 14:40
Gruess Dich Paula und vielen dank fuer Deine sehr netten Worte. Auch danke fuer den Link, ich habe ihn erhalten und mich registriert dort, ich hoffe allerdings ich habe alles richtig gemacht.
Darf ich Dich fragen woran Dein Kind gestorben ist? Ich meine wenn es nicht zu persoenlich ist. Ob es eben auf eine aehnliche Weise war wie bei meiner Bekannten.

Ja ich habe schon oft versucht Gespraeche zu fuehren. Nur eben noch nie ueber die Kirchenschiene, auf die Idee waere ich nicht gekommen. Aber auf der anderen seite habe ich von Bekannten auch gerade erfahren, die machen da viel mit Beratung und so, in denen ihren Fall ging es aber um einen Abbruch. Mal sehen, was ich da mache. Zu unserem Ortspfarrer moechte ich nicht so gerne gehen.

Die Leute reden viel und schauen mich an; das hat sich nicht geaendert, die schiefen Blicke. Und ja ich habe mich entschuldigt und Briefe geschrieben, aber an der Verhandlung war es am schlimmsten, die Eltern durften das letzte Wort richten an das Gericht und es wurde ein Gedicht verlesen und die Eltern haben erzaehlt von der verstorbenen Tochter. Auch da habe ich mich entschuldigt. Und natuerlich ist mir klar, es ist dadurch nicht ungeschehen aber was soll ich tun.

Ich wuerde mich ueber ein fortfuehren des Austausch sehr freuen.
Danke

WolkeSienna
14.07.2006, 15:02
Bernsteinmond
auch dir moechte ich sagen, daß es mir leid tut, daß du ein Geschwister verloren hast. Darf ich dich fragen, wie es genau geschehen ist?

Inaktiver User
14.07.2006, 22:01
Hallo WolkeSienna,

ich hoffe Du verstehst, wenn ich Dir sage, daß hier nicht diskutieren möchte, woran mein Kind gestorben ist, denn das ist nicht ausschlaggebend. Es gibt nur sehr wenige Menschen, mit denen ich darüber spreche und dann kommt es von mir, aus meinem Bedürfnis heraus, diese Menschen am kurzen Leben meiner Tochter teilhaben zu lassen. Das hat nichts mit Deiner Person zu tun, jedoch wurde das Trauerforum in den letzten Wochen leider immer wieder Zielscheibe von unglaublicher Niedertracht und ich möchte hier nichts von mir preisgeben, was mich noch mehr verletzbar macht. Ich denke, Du verstehst das.

Die Kirche war für mich in der schlimmsten Phase meiner Trauer eine große Hilfe. Natürlich ist es auch hier wie überall im Leben: es gibt solche Pfarrer und solche ... wenn Du Interesse hast, lasse ich Dir gerne noch weitere Adressen zukommen. Hingehen mußt Du dann eben selber :smile:

"Die Leute reden viel ...". Ja, das tun sie. Und sie wissen meistens alles ganz genau, ich weiß. Laß sie reden. Einen anderen Rat kann ich Dir hier leider nicht geben. Ich bin in meiner grenzenlosen Wut mal auf dem Friedhof auf eine dieser naseweisen Weiber zugegangen und hab sie in Grund und Boden geschimpft, hab ihr sogar eine Gießkanne vor die Füße geknallt. Es ging mir danach nicht wirklich besser, ich war psychisch am Ende, meine Stimmbänder waren gereizt und am Ende wurde ich noch schräger angeschaut, denn nun hieß es: Jetzt dreht sie vollkommen durch, die Arme.
Deshalb: reden lassen. Ruhig und gelassen direkt in die Augen schauen und feststellen, daß es "die Leute" sind, die den Blick zuerst abwenden.

Und zum Thema Schuld - wie gesagt, da mußt Du den für Dich besten Weg finden.

Kopf-hoch-Gruß
von Paula

Bernsteinmond
09.10.2006, 20:33
lieber ingo!

nein, hab dich nicht vergessen!

ich habe mein leben umgeworfen: mein zu zuhause verlassen und J., meine kinder geschnappt, gekündigt... nun ist alles anders, nur die trauer bleibt. sehe die sterne, spüre den wind und suche dich!

war das alles richtig? könnte dir nur noch folgen...mehr geht nicht!

hab dich lieb!
B.

Bernsteinmond
08.02.2007, 15:51
lieber ingo!

ich habe alles verändert! ich habe mich getraut und nun bin ich wieder da!
ich habe j. verlassen, die kinder genommen und uns ein neues heim gesucht, ich bin wieder in deutschland. ich lebe mein leben und du bist dabei! du bist in meiner seele, auch wenn der schmerz mich oft zerreißt...ich bin wieder da!

hab dich so lieb!
deine schwester

Bernsteinmond
14.03.2007, 09:50
der frühling ist da, auf deinem grab wachsen blumen, knospen springen auf, die ersten bienchen summen vorsichtig herum...alles beginnt von neuem, nur du bist und bleibst für immer weg!
sehe jede nacht die sterne!

hab dich lieb!
B.

Bernsteinmond
23.04.2007, 11:51
mein lieber großer kleiner bruder!

33 jahre sind heute seit deiner geburt vergangen! wir würden feiern und lachend in deinem garten sitzen, wir würden grillen und die zeit geniessen...

es kommen nur tränen!
ich hab dich so lieb!
deine schwester B.

Lillian2207
23.04.2007, 12:08
Liebe Bernsteinmond,

Deine Trauer trifft mich so tief, ich habe Tränen für Deinen kleinen Bruder in den Augen! Ich drück Dich und wünsche Dir alles Gute!

LG Lillian2207 :blumengabe:

Bernsteinmond
09.05.2007, 21:20
vielen dank liebe lillian!
so oft ich dem tod auch begegne, menschen begleite, veriche trauer zu lindern...meine trauer hört einfach nicht auf, sie ist und bleibt ein teil meines lebens...

lg
B.

Bernsteinmond
09.05.2007, 21:25
lieber ingo!

mit dem tod meiner kollegin kommt wieder vieles hoch. sie war kein patient, der krank zu uns kommt. sie hinterläßt einen liebenden ehemann und einen sohn, der sie, so wie dich deine maus, sein leben lang vermissen wird...
am sonntag hab ich meine nase tief in dein t-shirt gesteckt und konnte endlich wieder weinen...

hab dich so lieb, fehlst unendlich!
dein B.