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Inaktiver User
28.05.2010, 12:28
11

MrsShort
28.05.2010, 13:57
Liebe Evelyn,

ich glaube, es ist nicht so wichtig, dass Du Dich erklärst, sondern wichtiger, dass Du mit dem, was Du bist und fühlst, ernst genommen wirst. Manchmal hilft es, wenn man das genau so seiner Familie gegenüber ausdrückt.
Was ist schlimm daran, "anders" zu sein? Nichts. Außer, dass viele Menschen Angst vor dem Anderen haben, weil sie damit nicht umgehen können, weil es ihnen fremd ist.
Bleib bei Dir und lerne zu akzeptieren, dass auch Deine Familienangehörigen "anders" sind. Gegenseitige Akzeptanz ist wohl der Grundstein für die Annahme.

Ist Dein Missbrauch eigentlich Thema in der Familie gewesen? Hast Du dort darüber gesprochen?
Mein Th. sagte gestern, dass diese Themen häufig eine Familie sprengen, weil die wenigsten in der Lage sind, damit zu leben. Die Kraftanstrengung, die Vergangenheit in einem anderen Licht zu betrachten, ist enorm, weil sie auch bedeutet, seine eigene Rolle in diesem Drama neu zu überdenken oder zu hinterfragen. Vielleicht spielt das ja auch eine Rolle bei Deinen Konflikten?

Geht eine Aussprache mit Deinem Bruder auch nicht?
Was war der Grund für den Rauswurf?

Erstmal alles Liebe. Ich lese weiter.

Inaktiver User
28.05.2010, 18:11
11

MrsShort
28.05.2010, 19:25
Um es mal ganz brutal auszudrücken: Du störst.

Du störst die heile Familie. Den Schein vom Glück. Du störst, weil Du thematisierst. Das Unaussprechliche gesagt hast und damit alles und jeden in Frage stellst.

Das, was Du Dir wünschst, wirst Du wahrscheinlich nicht bekommen. Oder vielleicht erst sehr, sehr spät.

Versuch es mal andersherum zu sehen: Wie muss eine Mutter sich fühlen, wenn sie erfährt, dass ihr Mann ihr Kind missbraucht hat? Wie ein Bruder?

Ich will hier nichts entschuldigen. Aber ich sehe an meinem LG, der selber in einer Missbrauchsfamilie groß geworden ist, wie schwierig es für die Beteiligten ist, dem "Richtigen" die Schuld zu geben. Dem eigenen Versagen - und sei es auch noch so imaginär, weil man zu der Zeit selber ein Kind und damit unfähig war, einzuschreiten - ins Auge zu blicken. Im Verständnis zuzulassen, dass so etwas Schreckliches passieren konnte und man selber hat einfach nur gelebt und gedacht, es sei alles in Ordnung.

Ich wünsche Dir so sehr, Du könntest loslassen und aufhören, um Liebe zu betteln. Dabei verstehe ich so gut, dass Du es nicht schaffst...
Am gesündesten für Dich wäre es wahrscheinlich, Dich zurückzuziehen. Für den Preis der Einsamkeit. Aber mal ehrlich: Bist Du das nicht auch jetzt schon?

Ich drück Dich ganz fest.

Beinemann
28.05.2010, 21:33
...

Inaktiver User
28.05.2010, 22:11
@Miss Shorty

Mit Deiner Antwort kann ich leider nicht viel anfangen. Nur soviel, einsam bin ich nicht, nein.

@beinemann

:ooooh: deine Antwort erzählt viel über dich. Der Begriff "negerin" ist sehr diskriminierend ... Ich lege auf eine weitere Antwort von Dir keinen Wert und denke, das ist ein Fall in dem der Moderator dieser Seiten einschreiten sollte.

Inaktiver User
28.05.2010, 23:31
Hallo zusammen,

beinemann ist inzwischen gesperrt, das ist gut.

@Mrs short: ich realisiere erst jetzt, dass Du dieselbe bist, die in einem anderen Thread schreibt, dass sie sich gerade daran erinnert hat, missbraucht worden zu sein und dann hast Du noch einen LG aus einer Missbrauchsfamilie. Schwierige Situation und auch sehr schwierig in einer solchen Situation klar Position zu beziehen ... das kann ich auch verstehen.

Ich lösche meine Beiträge jetzt wieder und verlasse diesen Thread. War wenig hilfreich ...

Evelyn

MrsShort
29.05.2010, 14:53
Hallo Evelyn,
nein, es ist nicht schwierig, Position zu beziehen. Ich verabscheue Missbrauch zutiefst und verurteile kompromisslos jeden, der es tut.

Bedingt durch meinen LG lerne ich allerdings auch die andere betroffene Seite kennen, eben diejenigen, die ebenfalls Kinder waren, als Geschwister missbraucht wurden.

Der Missbrauch in dieser Familie wurde aufgedeckt, als der Täter (der Vater) noch lebte. Die jüngste Schwester hat als Erwachsene ihren Vater erpresst - für sie die einzige Chance, sich zu wehren. Das wurde publik, kurz bevor der Vater starb. Die ältere Schwester ist an schweren Depressionen erkrankt und hat irgendwann eine Therapie gemacht. Sie spricht nicht mehr darüber.

Die Offenlegung des Themas hat die Familie gesprengt. Im wahrsten Sinne des Wortes. Niemand kann mehr miteinander umgehen. Alle haben Angst - aus ganz unterschiedlichen Gründen.
Mein LG sieht z.B. seine eigene Verantwortung damals und hat massive Schuldgefühle. Obwohl er ein kleiner Junge war, der nichts hätte ausrichten können und selber unter der Gewalttätigkeit seines Vaters gelitten hat, krankt er an einer mehr oder weniger unbewussten Schuld, weil es für ihn einfach nicht zu verdauen ist, was sein Vater getan hat.

Sein Zorn richtet sich gegen seine jüngste Schwester - ich habe lange gebraucht, um das zu verstehen. Mein Th. hat mir dabei geholfen. Der Schrecken ist so massiv, dass das Negieren aus der Kindheit immer noch anhält. Nichts desto trotz verurteilt er den Missbrauch aus tiefster Seele.

Es passiert doch ganz häufig, dass Angehörige erstmal leugnen und abstreiten, dass sowas überhaupt passieren konnte. Oder sie geben dem Opfer die Schuld.
Die Tat als solche gedanklich zuzulassen heißt, das ganze Familiengefüge in Frage zu stellen und zuzulassen, dass alles, was einmal Bestand hatte, seinen Wert verliert.

Eine Mutter, die sich eingestehen muss, dass sie den Missbrauch an ihrem Kind zugelassen hat (hat sie weggesehen oder hat sie es wirklich nicht bemerkt?), steht wahrscheinlich kurz vor dem eigenen Untergang.
Ich kann meine Ma z.B. nicht mehr fragen. Da sie selber ein Missbrauchsopfer war (ja, die Geschichten wiederholen sich irgendwie immer), gehe ich davon aus, dass sie es zumindest geahnt hat. Aber wahrscheinlich durfte es nicht sein, weil dann alles zusammengebrochen wäre. Ich kann niemand mehr fragen, weil niemand mehr lebt. Möglicherweise ist das aber auch eine große Chance.

Ich wollte Dir nicht zu nahe treten. Aber ich denke, dass Deine Familie auch daran krankt, diese furchtbare Tat überhaupt gedanklich zuzulassen.

Für Dich ist das schlimm, weil Du Rückhalt suchst und Liebe. Für sie bist Du aber (noch) diejenige, die Wunden aufreißt und Salz hineinstreut.

Mein LG ist in th. Behandlung. Er hat jetzt, mit über 50, den Mut, sich seinen Dämonen zu stellen. Vielleicht hat meine Geschichte dazu beigetragen. Er ist, was Beziehungen betrifft, stark gehandicapt, ähnlich wie ich. Sowas bleibt nie ohne Folgen.

Wenn Du sagst, Du bist nicht einsam, mag das grundsätzlich stimmen. Aber Deine Worte sagen mir etwas anderes.
:blumengabe: