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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Nabelschnurblut - wohin damit?



Samla
30.03.2010, 18:35
Ich bin bei der DKMS als Knochenmarkspender registriert und habe dort mitgeteilt dass ich aufgrund Schwangerschaft erst mal als Spender ausfalle. Nun habe ich ein Schreiben bekommen das auf die Möglichkeit der Nabelschnurblutspende hinweist. Ich zitiere mal kurz:

"Man kann die Stammzellen auch als Mutterzellen aller Blutzellen bezeichnen, denn sie sind in der Lage, alle wichtigen Bestandteile des Blutes zu bilden und so Patienten mit Leukämie oder einer Erkrankung des blutbildenden Systems zu heilen"

Klingt soweit gut. Die Spende würde nach Abnabelung direkt im Krankenhaus getätigt. Dafür entfällt dann natürlich die Möglichkeit der Lagerung des Nabelschnurblutes (von deren Nutzen ich ohnehin nicht so recht überzeugt bin).

Was habt Ihr mit dem Nabelschnurblut nach der Geburt gemacht? Gespendet, gelagert oder keine von beiden Möglichkeiten wahrgenommen? Ich bin mir noch nicht sicher was ich machen soll - andererseits, ehe das einfach in den Krankenhausmüll wandert, wo es andererseits vielleicht Leben retten könnte...? :wie?: Oder glaubt Ihr dass eine Einlagerung wirklich Sinn macht? Ich kann es mir nicht vorstellen, eigentlich sind alle Pläne mit den Stammzellen des Kindes ggf. sogar Organe "nachzuzüchten" ja noch reine Zukunftsmusik?

Hoppypoppy
30.03.2010, 19:49
Wir haben das Blut nicht gespendet oder einlagern lassen.
Momentan sehe ich da echt noch keinen Nutzen.
Und diese Einlagerungsgeschichte, wo man nur Blut bekommt bzw. Stammzellen, wenn man selbst welche gespendet hat, finde ich unmöglich. Entweder jeder profitiert oder keiner.
Ich denke, wenn es Anwendungsmöglichkeiten gibt, dann wird das System sicher weiter ausgebaut und auch sehr viel weniger dubios... mal von der DKMS abgesehen.

Historia02
30.03.2010, 20:00
Ich hatte bei der Anmeldung im KH Infomaterial mitbekommen, vor allem zum Thema Nabelschnurblutspende für die Forschung. Dazu hätte man eine Einverständniserklärung unterzeichnen müssen. Aber als dann die Geburt tatsächlich stattfand (3,5 Wochen vor Termin), hat niemand mehr irgendwas zu diesem Thema gesagt (und ich hatte natürlich auch keinen Kopf dafür ;-)). Ich nehme also mal an, dass die Nabelschnur im Klinikmüll gelandet ist (oder vielleicht doch zu Forschungszwecken verwendet wird ... who knows :pfeifend:).

Phoenix24
30.03.2010, 20:17
hallo!

bei uns stellte sich die frage, ob wir es einlagern lassen oder ob wir es spenden.

ich habe heute mit der nabelschnurblutbank der dkms telefoniert.
es ist ja nun auch so, dass wenn das kind kurz nach der geburt erkrankt, die eigenen stammzellen eh nciht verwendet werden können.

also ist jetzt bei uns die entscheidung gefallen, dass wir das nabelschnurblut spenden werden.

um stammzellen wegzuwerfen ist es uns einfach zu schade.

Entchen
30.03.2010, 20:49
mittlerweile ist sich die Wissenschaft einig (ich glaube zumindest, daß da weitghehende Einigkeit herrscht...), daß Nabelschnurblut für den Eigenbedarf einzulagern nicht wirklich sinnvoll ist:


Nach der Geburt Ihres Kindes wird dieses einige Sekunden unterhalb der mütterlichen Herzhöhe gehalten, damit noch etwas Blut über die Nabelschnur zum Kind fließen kann; dann wird Ihnen Ihr Kind auf die Brust gelegt und mit vorgewärmten Tüchern bedeckt. Zu diesem Zeitpunkt fließt kein weiteres Blut mehr von dem Mutterkuchen zum Kind; um ein Zurückfließen des kindlichen Blutes zu verhindern wird nun die Nabelschnur abgeklemmt und durchtrennt.
Das früher übliche Auspulsieren der Nabelschnur ist verlassen worden, da man gelernt hat, dass dieses zusätzliche Blut den kindlichen Organismus überfordert, da es innerhalb der ersten Lebenstage in der kindlichen Leber wieder abgebaut werden muss. Dies führt zu einer Verstärkung der sogenannten Neugeborenengelbsucht und muss entsprechend behandelt werden. Das im Mutterkuchen verbliebene Blut wird zusammen mit dem Mutterkuchen ausgestoßen und entsorgt. Wissenschaftliche Untersuchungen haben zeigen können, dass dieses Restblut reichlich Knochenmarkbildende Zellen enthält mit denen Leukämieerkrankungen behandelt werden können.

Am Marienhospital haben Sie die Möglichkeit Ihr Restnabelschnurblut zu spenden, um es der europäischen Knochenmarkspende - Zentrale zur Verfügung zu stellen. Eine Konservierung der Nabelschnurblutspende für Ihr eigenes Kind ist nicht sinnvoll, da Ihr Kind im Falle einer Bluterkrankung nicht mit dem eigenen Blut behandelt werden kann - es wäre dann auch auf eine Fremdspende angewiesen.

quelle: Marienhospital (http://www.marienhospital.de)

Spenden halte ich für eine sehr gute Idee - wollten wir auch machen, aber das Krankenhaus, in dem Marlene letztendlich auf die Welt gekommen ist, bot das nicht an. Mittlerweile schon, d.h. falls wir noch ein zweites Kind bekommen werden, wird auf jeden Fall gespendet! :blumengabe:

Laborschnecke
30.03.2010, 21:27
entchen, was Du da zitierst finde ich sehr interessant... denn bei mir wurde mit dem Abnabeln tatsächlich gewartet, bis die Nabelschnur auspulsiert hatte. Ich habe in einem Geburtshaus entbunden (da hat nie jemand gefragt, ob ich irgendwas mit den Stammzellen anfangen will). Und um das mal OT auszuführen, man meinte, das damit dem Kind Zeit gegeben wird, sich an die Umgebung zu gewöhnen. Und dass Anpassungsschwierigkeiten seltener sind. Gelbsucht hatte unser Kleiner kaum.

Zurück zum Thema.
ICh war mir schon vor der Entscheidung, ins GH zu gehen, sicher, daß ich nicht diese unverschämte Summe ausgeben wollte um die Stammzellen einzulagern. Daß man das auch spenden konnte, wußte ich nicht...

kathy79
30.03.2010, 21:32
Spenden ist auf jeden Fall sinnvoller, als einlagern, ging bei uns damals nicht, weil ich weniger als 6 Monate vor der Entbindung in Asien war und deshalb nicht spenden konnte. Hätten wir aber sonst auf jeden Fall gemacht.

Tinks
30.03.2010, 22:08
Hallo Samla,

frag doch mal in dem Krankenhaus nach in dem du entbinden möchtest. Ich war ganz erstaunt, denn in "meiner" Klinik wird routinemäßig gespendet. Die erzählten das auch erst auf Nachfrage. Allerdings ist es wohl immer unterschiedlich, je nach Kind und Nabelschnur. Erst wird nach dem Wohl des Kindes geschaut. Wenn dann noch genügend Blut zur Entnahme übrig ist, wird es automatisch gespendet. Fand ich eigentlich ganz schön.

Liebe Grüße, Tinks

bambu
30.03.2010, 22:40
Hallo Samla,
auch ich habe mich vor 1 1/2 Jahren mit dieser Frage beschäftigt.
Nach eigenen Recherchen hatte ich bezüglich der Einlagerung gegen Geld (sehr viel, finde ich) irgendwie ein schlechtes Gefühl. Nach Gesprächen mit einer Freundin, die promovierte Biologin ist, und einer Ärztin in der Klinik, in der ich entbunden habe, hatte ich mich dann für eine Spende entschieden. Die meisten Argumente, die mich überzeugt hatten, finden sich im Beitrag von Entchen.
Bei der Geburt meiner Tochter hat das dann auch gut geklappt. Es war nicht Wochenende (am WE kann nicht gespendet werden...:wie?: wahrscheinlich wegen Transport oder so) und es war auch genug Blut in der Nabelschnur und der Kleinen ging es gut. Es gibt also sowieso noch einige Einflüsse, warum es nicht klappen könnte mit einer Nabelschnurblutentnahme. Du musst auf jeden Fall alle Unterlagen vorher ausfüllen.

Gute Entscheidungsfindung,
Grüße bambu

Samla
31.03.2010, 09:13
Danke für den Link, Entchen. Ist sehr interessant und hat meine letzte Frage auch noch beantwortet :blumengabe:


Hallo Samla,

frag doch mal in dem Krankenhaus nach in dem du entbinden möchtest. Ich war ganz erstaunt, denn in "meiner" Klinik wird routinemäßig gespendet. Die erzählten das auch erst auf Nachfrage. Allerdings ist es wohl immer unterschiedlich, je nach Kind und Nabelschnur. Erst wird nach dem Wohl des Kindes geschaut. Wenn dann noch genügend Blut zur Entnahme übrig ist, wird es automatisch gespendet. Fand ich eigentlich ganz schön.

Liebe Grüße, Tinks

Die DKMS hat gleich eine Liste mit Krankenhäusern aus meiner Umgebung mitgeschickt und die Klinik in der ich entbinden möchte ist ganz an erster Stelle dabei :smile:
Man muss allerdings - und das wäre generell üblich - vorher einen Fragebogen ausfüllen und eine Blutprobe abgeben. Morgen habe ich ohnehin Termin beim FA, da werde ich ihn gleich fragen ob er nicht auch diese Fragebögen bei sich in der Praxis hat, dann spare ich mir den Weg zur Klinik.

Entscheidung ist also gefallen, wenn mein FA mir morgen nicht irgend einen sehr guten Grund dagegen gibt (soweit habe ich selbst keinen gefunden) werde ich spenden wenn es soweit ist. Einlagern ist mir zu teuer und erscheint mir auch ziemlich sinnlos, so kann es vielleicht ein Menschenleben oder zwei retten.


Erst wird nach dem Wohl des Kindes geschaut. Wenn dann noch genügend Blut zur Entnahme übrig ist, wird es automatisch gespendet. Fand ich eigentlich ganz schön.

Finde ich klasse.

Danke auch für Eure Meinungen :Sonne:

Inaktiver User
31.03.2010, 13:34
Wir haben uns ebenso erkundigt. Eigenbedarf macht für mich danach auch nicht viel Sinn.

Ich habe es gespendet. Dazu wurde mir vom Krankenhaus ein Formular vorgelegt, welches ich kurz vor der Entbindung unterschrieben habe.

Das war zwar vorbesprochen, aber ich habe konkret nochmal danach gefragt, weil das sonst im Stress im Kreissaal schnell untergeht.


Die Spende erscheint mir sinnvoll.

:blumengabe: