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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Selbstständig = Sklavenmarkt?



Kitty1670
07.03.2010, 00:12
Hallo an alle,

weil es finanziell momentan etwas klamm für mich aussieht,
habe ich mich letzte Woche mal auf die Suche nach Jobs im Internet gemacht, oder "Freelancer-Tätigkeiten", wie es so schön heißt.
Das passende Gebiet für mich: Übersetzungen (hier rege ich mich ja schon lange über die Stundensätze, die online angeboten werden auf, aber darum soll es in diesem Artikel nicht gehen).

Ich stieß auf eine Seite mit dem Namen Suite101. Hier kann man Artikel zu allen möglichen Themen verfassen, und durchblätternd blickten mich auch viele seriös und völlig normal aussehende Herrschaften an, die dort veröffentlichen - man kann, muß aber wohl nicht ein Foto einstellen.

Nun, allein zum Verdienst bei der ganzen Sache schweigt sich die Firma aus. Auch durch umfangreiche Recherche ist nichts herauszufinden, außer, dass man nur bezahlt wird, wenn der Artikel von Besuchern angeklickt wird. Dann, doch, in den Kommentaren zu einem Blogeintrag, meinte eine der Autorinnen, sie käme manchmal auf 3 Euro:ooooh: Die Artikel sind jetzt nicht der Hit, aber auch nicht schlecht geschrieben, und man selber weiß ja, wieviel Zeit in die Abfassung im Durchschnitt hineingeht. Warum tun Leute sich dies eigentlich an???

Ist das Internet ein Sklavenmarkt für Freiberufler geworden? Und ich spreche jetzt auch meinetwegen Grafikdesigner an, die ja unter ähnlichen Voraussetzungen arbeiten.

Wie geht es denen unter euch, die ihre Akquise "hauptberuflich" durch das Netz machen?

Würde mich mal interessieren,
die verwirrte Kitty

Inaktiver User
07.03.2010, 01:18
Ach Kitty, :in den arm nehmen:

es ist ein Elend. :unterwerf:
Bin selbst schon beeindruckt, dass ich mich über Wasser halten kann. Viele in meinem Bereich sind Alg II-Aufstocker oder arbeitslos, trotz besserer Ausbildungen & Zugangsvoraussetzung als meine Wenigkeit sich je leisten konnte. Da geht es mir noch richtig gut, obwohl acht Stunden ein Witz sind & ich fast keine „Wochenenden“ kenne. Hab ständig Angst, wieder so einen blöden Nebenjob machen zu müssen (…).
Schreib auch fast täglich mehrere Bewerbungen & oft ist es der reinste Hohn, was für Vorstellungen die da haben & was sie dafür bezahlen wollen.

Übrigens, Suite ist Schrott. Bleib bloß davon weg. Da verdient man so gut wie nichts. Als Referenz ist das nur von Nachteil (die, die sonst nirgendwo unterkommen…).

Was kann man machen?
Aufgeben, acht Stunden Bau oder Hotelreinigung für ein gesichertes Einkommen & Urlaub. Ne, so weit bin ich noch nicht. Will es weiter versuchen. Es muss mal besser werden. Es ist auch schon viel besser als am Anfang (da hab ich weit unter Tarif gearbeitet & mit zwei unterbezahlten Nebenjobs aufgestockt).

Versuch es auch weiter! Immer die Stellenangebote durchgehen, neu bewerben, ohne Hoffnung, dass was zurückkommt. Umso erfreulicher ist es, wenn sich mal jemand meldet & es mal ein gutes Angebot ist (diese Ausnahmefälle gibt es tatsächlich:freches grinsen:).
Wünsch Dir viel Glück!:Sonne:

Inaktiver User
07.03.2010, 09:17
Ist das Internet ein Sklavenmarkt für Freiberufler geworden?

Im Internet herrscht der billige Jakob, ich glaube nicht, dass man über diese Schiene zu anständig bezahlten Jobs kommt.

Inaktiver User
07.03.2010, 11:45
Im Internet herrscht der billige Jakob, ich glaube nicht, dass man über diese Schiene zu anständig bezahlten Jobs kommt.

Also, ich suche auch im Internet. Da gibt es eben auch die Stellenanzeigen, die in sämtlichen Zeitungen & Zeitschriften veröffentlicht werden.

Was würdest Du vorschlagen? Oder wie machst Du es?



Kitty, mit Übersetzungen sieht es wirklich nicht so toll aus… :knatsch: Hab öfter was gefunden, wo sie 1 Cent oder 1,5 Cent pro Wort zahlen…:ooooh: Echt unverschämt! In dem Bereich im Angestelltenverhältnis ist es auch nur Abzocke & große Agenturen verdienen sich an Billigarbeiter_innen eine goldene Nase.
Mein Freund wollte das machen, nachdem er körperlich nichts mehr arbeiten kann/darf. Aber bisher keine Chance.

An Deiner Stelle würd ich trotzdem nicht aufgeben & weitersuchen. Mach ich ja auch.

Inaktiver User
07.03.2010, 14:17
Also, ich suche auch im Internet. Da gibt es eben auch die Stellenanzeigen, die in sämtlichen Zeitungen & Zeitschriften veröffentlicht werden.

Stimmt. Daran hatte ich nicht gedacht.

Tabetha
08.03.2010, 09:22
Hallo an alle,

weil es finanziell momentan etwas klamm für mich aussieht,
habe ich mich letzte Woche mal auf die Suche nach Jobs im Internet gemacht, oder "Freelancer-Tätigkeiten", wie es so schön heißt.
Das passende Gebiet für mich: Übersetzungen (hier rege ich mich ja schon lange über die Stundensätze, die online angeboten werden auf, aber darum soll es in diesem Artikel nicht gehen).

Ich stieß auf eine Seite mit dem Namen Suite101. Hier kann man Artikel zu allen möglichen Themen verfassen, und durchblätternd blickten mich auch viele seriös und völlig normal aussehende Herrschaften an, die dort veröffentlichen - man kann, muß aber wohl nicht ein Foto einstellen.

Nun, allein zum Verdienst bei der ganzen Sache schweigt sich die Firma aus. Auch durch umfangreiche Recherche ist nichts herauszufinden, außer, dass man nur bezahlt wird, wenn der Artikel von Besuchern angeklickt wird. Dann, doch, in den Kommentaren zu einem Blogeintrag, meinte eine der Autorinnen, sie käme manchmal auf 3 Euro:ooooh: Die Artikel sind jetzt nicht der Hit, aber auch nicht schlecht geschrieben, und man selber weiß ja, wieviel Zeit in die Abfassung im Durchschnitt hineingeht. Warum tun Leute sich dies eigentlich an???

Ist das Internet ein Sklavenmarkt für Freiberufler geworden? Und ich spreche jetzt auch meinetwegen Grafikdesigner an, die ja unter ähnlichen Voraussetzungen arbeiten.

Wie geht es denen unter euch, die ihre Akquise "hauptberuflich" durch das Netz machen?

Würde mich mal interessieren,
die verwirrte Kitty

Hallo Kitty,
Dein Beitrag erklärt doch selbstredend, warum die Situation für Einzelne so ist, wie sie sich darstellt.
Wieso kommen Leute auf die Idee, "Selbstständigkeit" sei als Zubrot, als Nebenverdienst zu gebrauchen? Ihr verwechselt Nebentätigkeiten mit Selbstständigkeit. Und viele denken auch, kreative Berufe seien einfach mal eben so machbar ... Schließlich hatte man mal Deutsch in der Schule, also kann man ja selbstverständlich schreiben.

Wer bei Suite101 schreibt, mag seriös aussehen (hat ja erst einmal nichts mit beruflichen oder sonstigen Fähigkeiten zu tun), ist aber nie im Leben ein professioneller und guter Texter/Journalist. Die arbeiten nämlich nicht für den Satz. Und pardon Kitty, die Artikel sind nicht gut. Selbst dann nicht, wenn Du einen liest, der grammatikalisch in Ordnung ist. Das ist weit von kreativem Schreiben entfernt. Das sind heruntergeschriebene, mal mehr, mal weniger korrekte Sätze. Das war es. Das sollte jeder können, der nicht gerade in Deutsch durchgefallen ist.

Kreatives Schreiben, lesenwertes Schreiben, phantasievolles Schreiben, Wortspielereien - das sind Dinge, die gute Schreiberlinge dem Gros voraus haben. Texte gestalten - nicht einfach korrekte Sätze aneinander reihen. Wenn Dir ein Kunde sagt, dass es ihn jedes Mal wieder sprachlos macht, was Du mit Worten gestaltest - dann bist Du gut (eher sehr gut). Wenn Dir ein Kunde sagt, dass er Tränen in den Augen hatte, als er Deinen Text gelesen hat, dann bist Du verdammt gut. Ich habe mir mal erlaubt, zwei meiner Kunden zu zitieren.
Wer solche Texte haben möchte, muss entsprechend zahlen. Wer sich mit Texten im Stil von Suite101 zufrieden gibt, kann auch den Cousin des Schwagers mal eben fragen.
Wo der Sinn und Zweck dieser Textseiten liegen soll, erschließt sich mir nicht. Aufgegriffen werden Themen, die weit fähigere Leute als Nachrichten zur Verfügung gestellt haben. Irgendwie meint heute jeder, schreibenderweise seinen Senf dazugeben zu müssen. Dafür aber gleich den Stundensatz eines guten, "richtig" (!) selbstständigen Autors zu verlangen, ist ein wenig zu viel des Guten.

Woher kommt die Denke, den eben mal zu erreichen, mit dem Gedanken "da es finanziell ein wenig klamm aussieht, dachte ich mal, so nebenbei selbstständig zu arbeiten, zu übersetzen, zu schreiben ..." - die Reihe könnte man beliebig fortsetzen - zu modeln, zu schauspielern, zu designen ...

Um Deine Frage zu beantworten - ist das Internet der Sklavenmarkt für Freiberufler geworden - für den, der so an die Sache herangeht - ja.
Für den, der sein Fach beherrscht, den Sinn und Zweck der Selbstständigkeit versteht, entsprechend handelt und seine Selbstständigkeit professionell angeht und abwickelt - nein. Den findest Du aber nicht bei Suite101. Der hat seine Website, seine Kunden, seine Aufträge - und macht mal nicht nebenbei etwas für lau, geschweige denn, dass er seine Dienstleistung für einen Appel und ein Ei anbietet. Der hat auch nicht die Zeit, durchschnittliche Texte ohne Auftrag irgendwo einzustellen.

Ich will Dich nicht angreifen, sondern aufführen, warum das Ding so nicht funktioniert. Und ja, ich verhehle nicht, dass mich diese Herangehensweise - wie alle Profis - ärgert. Wenn Selbstständigkeit und kreatives Arbeiten so einfach wären - dann wären wir wohl alle selbstständig (und zwar lang andauernd - in D eher die Ausnahme) und kreativ tätig und würden in Geld schwimmen. Aber irgendwie gehört doch ein wenig mehr dazu.

Bei Ausbildungsberufen wie z. B. dem KFZ-Mechaniker (heißt der heute noch so) wird akzeptiert, dass man das eben mal nicht so nebenbei kann. Kreative müssen es immer wieder erklären ... Das nervt.

Inaktiver User
08.03.2010, 09:31
Um Deine Frage zu beantworten - ist das Internet der Sklavenmarkt für Freiberufler geworden - für den, der so an die Sache herangeht - ja.
Für den, der sein Fach beherrscht, den Sinn und Zweck der Selbstständigkeit versteht, entsprechend handelt und seine Selbstständigkeit professionell angeht und abwickelt - nein. Den findest Du aber nicht bei Suite101. Der hat seine Website, seine Kunden, seine Aufträge - und macht mal nicht nebenbei etwas für lau, geschweige denn, dass er seine Dienstleistung für einen Appel und ein Ei anbietet. Der hat auch nicht die Zeit, durchschnittliche Texte ohne Auftrag irgendwo einzustellen.
Gut gebrüllt, Löwin! :allesok:

Inaktiver User
09.03.2010, 08:49
Hallo Tabetha,

das seh ich ähnlich wie Du.

Nur finde ich es nicht so schlimm, dass Leute kreative Berufe nebenberuflich betreiben. Solange sie das gut machen & nicht die Preise in den Keller drücken, ist das voll OK.

Ansonsten wird es immer schwieriger mit Qualität zu überzeugen. Viele wollen & einige können nicht mehr dafür zahlen. & dann gibt es noch zig Billigagenturen, die drittklassige Leistungen zu Spottpreisen anbieten. Das sind diejenigen, die Leute für paar Cent arbeiten lassen. & leider gibt es im kreativen Bereich eine Reihe von Profilneurotikern & Verzweifelten, die dann „für ein Appel & ein Ei“ arbeiten. Letztere kann ich noch verstehen.
Zurzeit hoffe ich, dass diese ganzen Sklavenmarktagenturen pleitegehen & sich qualitative Arbeit durchsetzt.

Inaktiver User
09.03.2010, 08:56
@Tabetha: Genau so ist es! :knatsch:

Und nicht nur in Sachen Schreiben, sondern auch bei Übersetzungen. Was da als "Übersetzung" kursiert, geht auf keine Kuhhaut. Leider auch im Buchbereich, zum Weglaufen.

Wenn ich schön höre, dass das jemand "nebenher" macht ...

Inaktiver User
09.03.2010, 09:13
Na ja, nebenher bzw. nebenberuflich heißt nicht immer unprofessionell. Kommt darauf an, wer das macht & welche Bildung, Erfahrung sie/er mitbringt.


Hab eine andere Frage an Euch: Was haltet ihr von Firmeneinträgen (z. B. bei den Regioseiten, bei Xing oder mienestadt)? Welche würdet Ihr empfehlen?

Tabetha
09.03.2010, 09:22
Meine Stadt ist für mich hobbymäßig, da tummeln sich genau die Hobby-ich-mach-auch-mal-Business. Xing ist für mich absolutes Muss. Ich werde misstrauisch, wenn ich eine Firma (außer Handwerk, die sind technisch immer 100 Jahre zurück) nicht bei xing finde ;- )

Inaktiver User
09.03.2010, 09:25
Danke!:blumengabe:

frangipani
14.03.2010, 05:13
Tabetha: wie immer, ein gutes Posting (meinte das erste, lange) :blumengabe:

Liebe Kitty, das Thema hatten wir hier schon einige Male - und das Netz ist auch voll mit internationalen Diskussionen zu "Spec work" und unter Preis arbeiten.

Guck mal hier: NO!SPEC (http://www.no-spec.com/)

Ich schliesse mich voll und ganz Tabetha an - du findest keine Profis auf Seiten wie "Suite101" oder (in meinem Fall) "99designs" oder Ähnliche.

Ich finde schon Kunden über das Netz - aber eben über solidere Netzwerk-Plattformen wie LinkedIn, z.B. Oder auch schon mal Xing. Selbst wenn es schon mal einen etwas längeren Atem braucht.

Ich bekomme hier immer das Argument um die Ohren gehauen, dass die jungen Designer eben keine andere Möglichkeit haben, um sich weiterzuentwickeln und um an Jobs zu kommen. Wir 'Alten' würden ihnen mit unseren Warnungen alle Möglichkeiten schlechtmachen.
Ich frag mich dann -- muss sich jeder gleich nach der Schule selbständig machen? Das kann doch in den meisten Fällen nur zu Enttäuschungen und Demotivation führen. Ich bin für engere Kontrollen der Schulen und Institute und Regulierung des Ausbildungsplatzangebotes.

Aber - steter Tropfen höhlt den Stein, ich hör jetzt schon ab und an von Kunden, dass sie dann doch lieber etwas mehr ausgeben wollen, sich auf Empfehlungen verlassen und keine Lust haben, die 1000ende von Angeboten im Netz zu sichten.
Diese 'Sklaventreiber-Agenturen' wird es wohl weiterhin geben, aber Qualitat wird sich sich im Endeffekt durchsetzen.
Selbst hier in Australien, wo Selbermachen Alltag ist und notfalls ein "XYZ for Dummies" Buch kauft, bevor man sich mit irgendetwas selbständig macht.

frangipani
14.03.2010, 05:23
Ich hab mir eben mal die Suite101 angeguckt, da ich die Seite bisher nicht kannte.
Wenn die 'Tantiemen' von der Erreichbarkeit in Suchmaschinen abhängig sind, und davon, wie oft der Artikel aufgerufen wird - dann bedeutet das ja schon, dass die Autoren suchmaschinenoptimiert schreiben müssen, oder? Das, was mich teilweise auch bei Webseiten, Werbung im Netz nervt, wenn man sieht, dass es nur um SEO ging, als darum, dem Leser/Kunden das für ihn Optimalste zu bieten.

Sprachlos
15.03.2010, 09:11
@frangipani, hab mir das Portal auch grad angeschaut, ich glaub ja, dass diese Sachen reine PR-Portale sind, die gibt´s ja haufenweise im Netz und die sind m.M. nach schlicht nur für SEO gut, Autor braucht man da nicht sein.

luciernago
18.03.2010, 07:44
>Na ja, nebenher bzw. nebenberuflich heißt nicht immer unprofessionell.

stimmt.

aber ein nebenberufler kann mit ganz anderen stundensaetzen leben . . weil er entweder irgendwo sozialversichert ist oder von h4 lebt . . und genau ist das problem.

ich bin seit 20 jahren selbststaendig mit einer gmbh. da fallen ganz schoen kosten an . . berufsgenossenschaft . . ihk . . steuerberater . . bilanzveroeffentlichung . . etc. pp.

ganz zu schweigenvon den ausgaben, die ich privat von meinem versteuerten (!) geld taetige wie krankenkasse und altersvorsorge.

luciernago :blumengabe:
trotzdem gerne selbstaendig!

Inaktiver User
18.03.2010, 08:34
Ich bekomme hier immer das Argument um die Ohren gehauen, dass die jungen Designer eben keine andere Möglichkeit haben, um sich weiterzuentwickeln und um an Jobs zu kommen. Wir 'Alten' würden ihnen mit unseren Warnungen alle Möglichkeiten schlechtmachen.
Ich frag mich dann -- muss sich jeder gleich nach der Schule selbständig machen? Das kann doch in den meisten Fällen nur zu Enttäuschungen und Demotivation führen. Ich bin für engere Kontrollen der Schulen und Institute und Regulierung des Ausbildungsplatzangebotes.

Das wird schwierig sein, denn es handelt sich dabei um freie Berufe, die nicht geschützt sind und die jeder ausüben darf.
Der Extremfall findet sich in der freien Kunst, wo sich jeder Künstler nennen und ausstellen kann, egal, ob er eine Ausbildung hat oder nicht.
Damit muss man leben.

frangipani
18.03.2010, 08:58
Das stimmt auch wieder.

Aber ich denke trotzdem, dass graduierte Grafik Designer (um in meiner Branche zu bleiben) mehr Chancen haben sollten, sich nach dem Studio erstmal angestellt an den Markt und an das Geschäft zu gewöhnen. Was nicht einfach zu realisieren ist, bei der Marktlage, ich weiss.
Zumindest faengt man jetzt hier in AUS schon mal an, die Ausbildung an Uni, Fachschulen und Colleges zu regulieren und zu überwachen.

Mit den 'Cowboys', die sich ohne Ausbildung auf dem Markt tummeln, hab ich wenig Probleme. Entweder sind sie gut (und sind dann auch gerechtfertigt Konkurrenz) oder sie werden von den Kunden gebucht, mit denen ich sowieso nicht zusammenarbeite bzw zusammenarbeiten will. Noch können wir nebeneinander existieren. Und ich sehe auch ab und an schon, dass Kunden wieder mehr auf Profis zurückgreifen, weil sie anders zu viel Trouble hatten.

Inaktiver User
18.03.2010, 10:01
Das stimmt auch wieder.
Aber ich denke trotzdem, dass graduierte Grafik Designer (um in meiner Branche zu bleiben) mehr Chancen haben sollten, sich nach dem Studio erstmal angestellt an den Markt und an das Geschäft zu gewöhnen. Was nicht einfach zu realisieren ist, bei der Marktlage, ich weiss.
Zumindest faengt man jetzt hier in AUS schon mal an, die Ausbildung an Uni, Fachschulen und Colleges zu regulieren und zu überwachen.

Für Berufsanfänger wäre es sicher einfacher , wenn sie nicht gleich als Selbständige einsteigen müssen. Allerdings sind gut bezahlte Angestelltenjobs gerade in diesen Branchen Mangelware, weil die Arbeitgeber jede Menge Praktikanten finden, die für wenig Geld arbeiten.

Eine andere Möglichkeit bestünde darin, mehr Unterstützung für junge Selbständige zu bieten. Im Bereich von Berufsverbänden gibt es bereits gute Ansätze dazu in Form von Musterverträgen, Informationen über Urheber- und Nutzungsrechte, Austausch über Honorare oder andere berufliche Fragen. Wichtig wäre auch eine Unterstützung in steuerlichen Fragen. Wenn Freiberufler sich mehr als Unternehmer sehen würden, könnten sie auch entsprechende Strukturen aufbauen.

frangipani
18.03.2010, 10:29
Da stimm ich dir völlig zu.

Kitty1670
25.03.2010, 18:28
Hier ist ja einiges geschrieben worden, danke!:blumengabe:



Woher kommt die Denke, den eben mal zu erreichen, mit dem Gedanken "da es finanziell ein wenig klamm aussieht, dachte ich mal, so nebenbei selbstständig zu arbeiten, zu übersetzen, zu schreiben ..." - die Reihe könnte man beliebig fortsetzen - zu modeln, zu schauspielern, zu designen ...

Ich bin promovierte Literaturwissenschaftlerin. Allerdings für einen Hungerlohn hier in den USA. Ich habe immer schon übersetzt, die Aufträge habe ich meist über persönliche Kontakte bekommen: "Aha, du bist deutsche Muttersprachlerin, kannst du nicht..." Vor 10 Jahren hatte ich eine kleine Kolumne in einer Zeitung. Fachfremd bin ich also nicht. Das einzige, was mir mittlerweile Kopfzerbrechen bereitet, ist die neue deutsche Rechtschreibung...:smirksmile:, und dass mir manchmal schöne deutsche Formulierungen fehlen.


Na ja, nebenher bzw. nebenberuflich heißt nicht immer unprofessionell.

Danke:blumengabe:

Kitty

Tabetha
25.03.2010, 18:52
Ich bin promovierte Literaturwissenschaftlerin. Allerdings für einen Hungerlohn hier in den USA. Ich habe immer schon übersetzt, die Aufträge habe ich meist über persönliche Kontakte bekommen: "Aha, du bist deutsche Muttersprachlerin, kannst du nicht..." Vor 10 Jahren hatte ich eine kleine Kolumne in einer Zeitung. Fachfremd bin ich also nicht. Das einzige, was mir mittlerweile Kopfzerbrechen bereitet, ist die neue deutsche Rechtschreibung...:smirksmile:, und dass mir manchmal schöne deutsche Formulierungen fehlen.



Danke:blumengabe:

Kitty

Ja aber sag das doch ... Du musst doch zugeben, dass man einem Beitrag "Ich bin gelernte ..., habe Erfahrung in ... und möchte dies beruflich umsetzen ..." einen anderen Stellenwert einräumt, als einem "Da es gerade mau aussieht ..." - als Literaturtante weißt Du das doch ;- )

Was das Übersetzen anbelangt, hatte ich gerade heute wieder so einen netten Fall der mich in meiner Meinung bestärkt, dass entweder der Übersetzer mit einem Texter zusammen arbeiten muss oder beide in einer Person vereint sein müssen. Und mit Übersetzer meine ich einen, der die Sprach mit allen Facetten kennt. Denn mein Fall war ein typischer, ein Wort bzw. eine Wortzusammenstellung, von der man alle Wörter kennt und dies auch ins Deutsche übertragen kann. Das wäre hier aber falsch gewesen, denn in exakt dieser Wortfolge ergibt das Ganze eine Phrase, die dem Ausspruch eine ganz andere Wertung gibt. Zum Glück hatte ich, die ich sonst prinzipiell bei wichtigen Dokumenten mit Profis arbeite, noch einmal jemanden gefragt, der ein fast perfektes Englisch spricht.

Das Übersetzen einer Pressemitteilung bekommt der Übersetzer also meiner Meinung nach besser hin - er kennt natürlich Nuancen bestimmter Phrasen, die sich mir - wie hier - nicht einmal als solche erschließen. Die sprachlich besseren und wohlklingenderen Sätze gestalte ich aber wiederum nachher.

Kitty1670
25.03.2010, 20:13
Ja aber sag das doch ... Du musst doch zugeben, dass man einem Beitrag "Ich bin gelernte ..., habe Erfahrung in ... und möchte dies beruflich umsetzen ..." einen anderen Stellenwert einräumt, als einem "Da es gerade mau aussieht ..." - als Literaturtante weißt Du das doch ;- )

Ach so:peinlich:

Ich schreibe normalerweise in der Rubrik "Liebe und Persönlichkeit", da is der Doktor egal:smirksmile:

Muß jetzt weg, bis später,
Kitty

Tabetha
26.03.2010, 06:02
Ich schreibe normalerweise in der Rubrik "Liebe und Persönlichkeit", da is der Doktor egal:smirksmile:



Hier auch. Aber das Fachwissen nicht ;- )