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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Werde ich langsam "schräg"?



lavender_home
01.03.2010, 14:34
Ich bin seit ca. 4 Jahren selbständig und arbeite freiberuflich mit sehr, sehr eingeschränktem, direktem Kundenkontakt. Das meiste geht online oder per Telefon.

Eigentlich arbeite ich gerne für mich. Ich mag die Ruhe und kann mich so optimal konzentrieren. Was mir manchmal fehlt ist sicherlich persönlicher Kontakt (den habe ich überwiegend innerhalb meiner Familie und sporadisch zu Freunden).

Es ist nicht unbedingt so, dass ich mich bei meiner Arbeit einsam fühle (2 x Woche kommt eine Mitarbeiterin halbtags). Mein Mann jedoch beschwerte sich am Wochende darüber, ich würde beginnen eine verzerrte Wahrnehmung zu entwickeln, Dinge überzubewerten und mich über Nebensächlichkeiten aufzuregen, die es aus seiner Sicht nicht Wert seien. Oder einfach Aussagen falsch zu interpretieren.

Nun meine Frage: habt ihr auch solche Tendenzen bei Euch erkennen können? Ich mache mir nämlich in der Tat zunehmend Gedanken darüber, ob ich allmählich „seltsam“ werde. Und wenn ja, wie seid ihr damit umgegangen?

Da wir hier in diesem Forum sind, muss ich wohl nicht erwähnen, dass ich sehr wenig Zeit habe – also z.B. täglich tagsüber eine Freundin zu besuchen ist schlicht und ergreifend nicht drin.

Danke fürs Lesen.

Inaktiver User
03.03.2010, 11:40
Per Ferndiagnose kann das hier sicher niemand beantworten. Aber frag doch mal jemand anderen als deinen Mann, eine gute Freundin beispielsweise.
Es gibt besteht ja auch die Möglichkeit, dass dein Mann eine verzerrte Wahrnehmung hat.

Das Fehlen von Arbeitskollegen bei Freiberuflern kann Vorteile und Nachteile haben. Ich denke manchmal: was bin ich froh, dass ich nicht in einem klassischen "Frauenbüro" arbeiten muss, das Gezicke dort wäre nichts für mich.
Andererseits muss man sich als Allein-Arbeitende natürlich viel gezielter um Kontakte bemühen, im nicht allzu eigen zu werden.

Tabetha
03.03.2010, 12:05
Ich weiß aus Erfahrung, dass alleine arbeiten etwas "eigen" machen kann. Daher versuche ich meine Arbeitsgebiete immer ein wenig zu mischen, es gibt kontaktintensive und kontaktarme Bereiche bei mir.
Nur kontaktarme - sprich, ich rede nur mit dem PC - und ich würde eingehen wie eine Primel ohne Wasser.

Da mir auch nicht so viel Zeit für private Kontakte bleibt, bemühe ich mich, persönliche Kontakte über Abendveranstaltungen z. B. von Berufsverbänden zu pflegen. Man kommt unter Leute und für den Job ist es auch gut. Man kann auch eigene Treffen ins Leben rufen, so treffe ich mich mit Kolleginnen alle paar Wochen zum Frühstück. Austausch über den Job, aber vor allen Dingen auch mal wieder weg vom PC-Monitor und der Tastatur.
Ich halte das für wichtig und ausgleichend.

Lenea
04.03.2010, 20:52
Liebe Lavender Home, ich stelle diesen Winter auch fest, dass ich wohl manchmal sehr viel hier alleine im Büro bin.... das macht schon was mit einem. Fühl mich nicht unwohl bei der Arbeit aber es ist schon so, dass mir manchmal der Smalltalk fehlt.
Ich lebe auf, wenn ich Weiterbildungen und Co besuche, mit Kollegen fachsimpeln kann und ein paar neue Ideen entstehen.

Viel Zeit, um neue Freundschaften aufzubauen und zu pflegen habe ich auch nicht aber mir ist es wichtig, die Bestehenden zu halten. Und da ich viele Leute kenne, die weiter weg wohnen, läuft da viel über PC und Telefon.

Allerdings habe ich auch durch meine drei Teens und meinen Mann jede Menge Gesprächsstoff...

Vielleicht hilft ja auch so ein Internetforum, um die Gedanken wieder mal in andere Bahnen zu lenken.

Viele liebe Grüße von Lenea

Puccinellia
05.03.2010, 14:12
Mir geht es ganz genauso: Ich bin seit etwa einem Jahr Freiberufler und arbeite im heimischen Arbeitszimmer. Ich merke, dass mir Dinge nahegehen, an die ich vorher keinen Gedanken verschwendet hätte; dass ich mich noch Stunden später über eine unfreundliche Kassiererin aufrege; dass ich es als persönlichen Affront empfinde, wenn mich eine Freundin nicht zurückruft (obwohl ich so etwas früher auch gerne mal vergessen habe, als ich noch einen Bürojob hatte); dass ich mich in Sachen hineinsteigere ...
Doch Selbsterkenntnis ist der erste Weg zur Besserung, wie man so schön sagt, und jetzt achte ich einfach bewusster darauf, wie ich auf die Kleinigkeiten des Alltags reagiere. Sobald ich mich dabei ertappe, dass ich mich mal wieder in etwas hineinsteigere, rufe ich mich zur Ordnung, betrachte die Angelegenheit aus der Objektive und kann sie dann neutraler bewerten. Das ist natürlich leichter gesagt als getan, es kostet schon einiges an Anstrengung und Verdrängung - aber sobald man einmal gemerkt hat, dass man "schräg" wird, kann man damit auch besser umgehen.
Ich habe auch meinen Mann darum gebeten, dass er mich lieb darauf hinweisen soll, wenn ich mal wieder spinne. Zum Glück haben wir einen recht humorvollen Umgangston, sodass ich ihm das bisher auch noch nicht übelgenommen habe :liebe:
Ansonsten hilft es tatsächlich nur, soviel wie irgend möglich außer Haus zu kommen: Nutze jede Gelegenheit, die sich dir dafür bietet! Natürlich ist man abends von der Arbeit geschafft, wenn man denn überhaupt Feierabend machen kann. Doch anstatt sich dann auf der Couch bei minderwertiger Fernsehunterhaltung zu "entspannen", sollte man tatsächlich noch einmal versuchen, sich mit anderen zu treffen - zwei Stunden fernsehen oder zwei Stunden mit einer Freundin was essen/trinken/einfach nur plauschen gehen: Dazwischen liegen Welten. Auch wenn es Überwindung kostet, es lohnt sich einfach.:blumengabe:
Liebe Grüße, Puccinellia

Inaktiver User
06.03.2010, 13:41
Ich finde, es hat auch Vorteile, allein zu arbeiten. Ich höre zB. sehr gern nebenbei Radio (keine Popmusik, sondern einen Sender mit vielen interessanten Magazinen). Das ist oft regelrechte Weiterbildung und wäre in einem Büro mit mehreren Leuten unmöglich.
Ausserdem hat man keinen Gruppendruck; das finde ich sehr angenehm.

Wie geht es euch damit? Was sind für euch die Vor- und Nachteile?

Quidam
15.03.2010, 14:50
lavender-home, was Du da beschreibst, findet sich oft bei "Einzelkämpfern". Du hast niemanden, der Dich in Deiner Einstellung korrigiert, Du musst Dich nicht nach anderen richten. Sozusagen Höhenflug, abgehoben. Auch bist Du nicht mehr trainiert, Auseinandersetzungen freundlich durchzustehen.
Es kann durchaus sein, dass Dein Mann Recht hat.

Also bei mir wars seinerzeit so.

Ich gehe inzwischen regelmässig raus, nehme mir 1 Stunde Pause. Spazierengehen, etwas Kleines in einem Lokal essen, mit der Bedienung reden,

Ich denke, dass Du auch keine Freundin hast, mit der Du das Problem besprechen kannst. Dann frage doch Deinen Mann, was genau wann warum seltsam war. Nicht so allgemein. Sondern mit Beispiel. Aber nicht gleich beleidigt sein, denn meist sind diese Gegebenheiten Kleinigkeiten.

smarrie
17.03.2010, 17:03
@lavender-home : ich kann dich sehr gut verstehen. Auf der einen Seite ist deine Arbeit mit einem hohem Maß an Freiheit verbunden. Auf der anderen Seite stellt sich tatsächlich die Frage, ob man nicht selbst "rauskommt" aus dem Alltag, wenn man einen Großteil alleine arbeitet bzw. lange Zeit alleine verbringt. Dein Mann wird mit Sicherheit Recht haben und es nicht sagen um dich zu ärgern, sondern weil er möchte, dass sich etwas an der momentanen Situation ändert. Am Besten wäre es, wenn du jeden Tag auch etwas geselliges tust was dir Spaß macht, obwohl natürlich nicht viel Zeit da ist. Es reicht alleridngs schon aus, wenn du dich mit einer Freundin triffst um ein bisschen zu Reden oder etwas Schönes mit deinem Mann unternimmst.
LG
Maria

erdbeereis
18.03.2010, 12:59
Hallo ihr Einzelhaftler;-)
Ich kann nicht beurteilen, ob lavender-home oder eher ihr Mann 'komisch' ist?
Mir fällt nur auf, dass der Blick der Angestellten mit ihren festen Zeiten und Regeln und ihrem 'Trott'
einen etwas eingeschränkten Horizont haben. Insofern kann ich jeden Angestellten verstehen, wenn
er/sie einen Freiberufler oder Selbstständigen als 'seltsam' empfinden. Sie müssen sich einfach um viele
Dinge garkeine Gedanken machen, weil dies eben andere für sie tun. Ein Selbstständiger trägt alle
Risiken alleine und ist zwangsweise eher fragend, zweifelnd oder gar misstrauisch (alles Erfahrungswerte
würde ich sagen).

Ich bin 12 Jahre selbstständig und mein Mann seit 20 Jahren. Von daher sind wir wohl beide 'schräg' und
dazu stehe ich ;-)

Inaktiver User
18.03.2010, 13:29
Mir fällt nur auf, dass der Blick der Angestellten mit ihren festen Zeiten und Regeln und ihrem 'Trott'
einen etwas eingeschränkten Horizont haben.
Hallo Erdbeereis,
das sehe ich auch so.
Wer immer nach Schema F funktionieren muss, auf den kann möglicherweise schon ein etwas selbständigeres Denken "schräg" und ungewohnt wirken :smirksmile:

Und Probleme im Sozialkontakt sagen mE. mehr über die Persönlichkeit als über die Art der Berufstätigkeit aus.

frank60
19.03.2010, 06:54
Ich kenne das Problem auch, wenn man sich zu sehr in die Arbeit kniet und soziale Kontakte außerhalb des Jobs vernachlässigt.
Ich treffe mich dann mit Freunden gehe viel weg und such Kontakt außerhalb der Arbeit.
Ein anderes Rezept kenne ich nicht.
Das du das selbst erkennst ist schon die halbe Miete.

luciernago
21.03.2010, 23:49
>Was mir manchmal fehlt ist sicherlich persönlicher Kontakt

genau das ging mir auch so, als mein geschaeftspartner toedlich verunglueckte. ich war 3 monate alleine im buero und bin eingegangen wie eine primel.

ich bin dann in ein business-center gezogen, in dem ich eins von 11 bueros gemietet habe . . ich fuehle mich dort pudelwohl!

allein schon ein schwaetzle mit der sekretaerin am empfang, wenn ich morgens reinschneie, ist gold wert. wir haben sogar eine weihnachtsfeier, gelegentliche after work parties und wenn ich jemand zum tasskaff-trinken suche, ist immer jemand greifbar.

abgesehen davon ist es nicht mein bier, wenn die telefonanlage streikt, geputzt werden muss oder eine gluehbirne gewechselt werden muss . .

praedikat sehr empfehlenswert!

luciernago :blumengabe:

Glitter
25.03.2010, 14:54
Hallo, spannend Eure Beiträge.
Bei mir gibt es nur manchmal Zeiten des "allein arbeitens" und da hab ich meist mein "virtuelles Großraumbüro" an: facebook.
Ich muss sagen, ich fands am Anfang echt blöd und habe viele Einladungen von Freunden und Bekannten ausgeschlagen. Aber mittlerweile ist dort eine nette Gruppe von ehemaligen Studienkollegen, Leuten mit denen ich in die Schule ging... Mir gefällts. ;-)

Eine Freundin von mir schwört total auf Ihre Strickrunde, die trifft sich einmal die Woche in einem Café und da wird v.a. viel Getratscht (und ein wenig gestrickt).

sunmaid
03.04.2010, 18:09
Liebe Lavender,

ist doch klar! Wenn Du den ganzen Tag Kollegen um Dich hast, sind Kleinigkeiten schnell mal kommuniziert und wieder vergessen. Jezt arbeitest Du zu Hause und hast niemanden, mit dem Du "mal schnell" über etwas reden kannst. Dann kommt Dein Mann nach Hause und ist DER Ansprechpartner. Natürlich versteht er das nicht, da er solche Infos vorher ja gar nicht bekam. Und eigentlich sind es ja nur Nichtigkeiten. Zumindest für andere.

Du bildest Dir wie immer eine eigene Meinung zu den Dingen um Dich herum. Da Du nun aber kein Feedback mehr von Deinen Kollegen bekommst, bist Du verunsichert.

Deine Einstellung zur Welt ist nach wie vor die selbe. Nur weil Du Dich während Deiner Selbständigkeit nicht an anderen reiben kannst, ist sie nicht plötzlich weniger Wert.

Es gibt zum Glück ja noch bfriends, facebook usw. Da wirst Du schnell mal wieder mitten hinein katapultiert.
Liebe Grüße
sunmaid

Inaktiver User
09.04.2010, 11:34
Ich würde dir empfehlen, die Hinweise deines Mannes ernst zu nehmen, mir fehlt natürlich hier die Wahrnehmung, ob er das ironisch oder wirklich so meint.

Leider war mein Mann wenig kommuníaktionsbereit, als ich ihn auf seine beginnende "Schrulligkeit" hinwies und wehrte sich regelrecht aggressiv. Allerdings saß er da schon einige Jahre recht erfolgslos im Heimbüro. Zeiweise wirkte er wirklich wesentlich älter als er ist und zudem noch hausbacken, keine leichte Zeit für uns als Paar!
Seit er wieder richtige Aufträge und Einkünfte hat und auch zu regelmäßigen Außerhausbesuchen unterwegs ist, hat sich seine gesamte Umgangsweise geändert.

Könntest du deine Kundenkontakte auch nach außen verlagern, z.B. in ein gemietetes Büro?
Mir wäre selbsständige Tätigkeit in einem Raum, in dem ich nicht lebe wesentlich lieber, z.B. eine Bürogemeinschaft. Dort ist Kommunikation möglich, aber du bist eben nicht angestellt. Voraussetzung wäre natürlich eine gut funktionierende Gemeinschaft.

Inaktiver User
09.04.2010, 13:27
Leider war mein Mann wenig kommuníaktionsbereit, als ich ihn auf seine beginnende "Schrulligkeit" hinwies und wehrte sich regelrecht aggressiv. Allerdings saß er da schon einige Jahre recht erfolgslos im Heimbüro. Zeiweise wirkte er wirklich wesentlich älter als er ist und zudem noch hausbacken, keine leichte Zeit für uns als Paar!
Seit er wieder richtige Aufträge und Einkünfte hat und auch zu regelmäßigen Außerhausbesuchen unterwegs ist, hat sich seine gesamte Umgangsweise geändert. .
So, wie du es beschreibst, würde ich das Verhalten deines Mannes nicht als "Schrulligkeit", sondern als Folge von Existenzsorgen interpretieren. Kein Wunder, dass jemand, der nach Jahren der Erfolglosigkeit im Heimbüro endlich wieder Erfolg hat, aufblüht.

Im eigenen Büro zu arbeiten muss aber keineswegs bedeuten, dass man beruflich vor sich hindümpelt, im Gegenteil. Oft ist es gerade die hervorragende Auftragslage, die verhindert, dass man öfter rausgeht.

Inaktiver User
09.04.2010, 14:18
Da mag zwar ein Zusammenhang bestehen, aber nicht zwangsweise. Diese Selbständigkeit war ohne Not bewußt gewählt und meine Einwände, dass ihm das nicht gut täte wurden in den Wind geschlagen.

Inaktiver User
09.04.2010, 14:28
meine Einwände, dass ihm das nicht gut täte wurden in den Wind geschlagen.
Naja, ich finde, Partner sind keine Berufsberater. Ich würde mir von meinem Mann auch nicht vorschreiben lassen, in welcher Form ich meinen Beruf auszuüben habe :freches grinsen:

Inaktiver User
09.04.2010, 14:33
I-dille, entschuldige, ich will hier nicht persönlich werden, das wäre absolut OT - aber du kennst doch die Situation gar nicht?
Zwischen raten und vorschreiben sehe ich gewaltige Unterschiede.

Inaktiver User
09.04.2010, 15:01
I-dille, entschuldige, ich will hier nicht persönlich werden, das wäre absolut OT - aber du kennst doch die Situation gar nicht?
Du hast Recht, es bringt nichts, über Einzelfälle zu diskutieren.
Ich wollte nur darauf hinweisen, dass das Arbeiten im eigenen Büro keineswegs "schrullig" machen muss und dass es oft ganz andere Gründe sind, die ein seltsames Verhalten verursachen (zB. die Existenzängste, wenn es nicht gut läuft). Aber das wäre ein anderes Thema, das mit Selbständigkeit generell zu tun hat.

Sprachlos
10.04.2010, 12:04
Ich arbeite zwar nicht allein im Büro, war aber kurze Zeit freiberuflich und fand, es gehört jede Menge Selbstdisziplin dazu. Und auch ansonsten fände ich es für mich recht kompliziert, einen Hauptteil meiner Zeit allein im Heimbüro zu verbringen.

Ich hatte jetzt mal nach co-working gegoogelt (auf Grund eines Radiobeitrags über das Betahaus in Berlin (http://www.betahaus.de/)). Ich stelle mir das so genial vor - dafür möchte ich glatt Ort und Beruf wechseln :freches grinsen:.

Woodstock62
10.04.2010, 13:32
Ich arbeite ja auch vom Homeoffice aus. Allerdings komme ich raus, ich muss regelmäßig zur Post und halte da meine Quätschchen :pfeifend: mit den Damen am Schalter... Haustiere sind auch Kommunikationsquellen (Gassi gehen, Tierarzt etc.).

Ich bin auch kein Party-Tier, aber ab und an geht's raus. Muss sein. Obwohl ich gerne alleine bin... Ich bin aber ein Mensch, der sich relativ wenig über Kleinigkeiten aufregt.

Grüssle
Woody

Inaktiver User
10.04.2010, 13:57
es gehört jede Menge Selbstdisziplin dazu. Durchaus. Wobei das bei gut gefüllten Auftragsbüchern normalerweise kein Problem ist. Man gewöhnt sich daran, die Arbeit fristgerecht fertig zu stellen.
Das Schöne daran ist: wenn nicht gerade eine Deadline ansteht, kann man die Arbeitszeiten schieben, zB. bei schlechtem Wetter am Wochenende arbeiten und sich dafür einen Wochentag bei Sonnenschein frei nehmen, wenn alle anderen im Büro sitzen.

Ditha
09.05.2010, 14:50
Ich habe auch einsame Schreibtischarbeit, was meinem Wesen zum großen Teil entspricht.

Mein letzter Freund meinte aber auch, ich hätte Verhaltensauffälligkeiten und solle mir Sozialkontakte mit täglichen Gesprächen suchen. Das Seltsame ist aber, dass er noch wesentlich mehr einsame Zeit am Schreibtisch verbringt als ich. Er geht sogar manchmal eine ganze Woche in "Klausur" um sich ausschließlich seiner Arbeit widmen zu können.

Die Verhaltensauffälligkeiten, die er an mir kritisierte waren Empfindlichkeiten (z.B. plötzliches in Tränen Ausbrechen), die mit ihm zu tun hatten und die meiner Meinung berechtigt waren, weil ich an seiner Egozentrizität verzweifelt bin.

Das hat er natürlich nicht so gesehen, sondern es war bequemer, mir mangelnde Sozialkontakte vorzuwerfen, die mich wieder geradebiegen sollten.

Tatsächlich hatte ich zu der Zeit wenig Lust auf Freunde, Bekannte und Kollegen. Ich hatte allgemein ein starkes Rückzugsbedüfnis, war sehr mit mir beschäftigt. Das heißt aber nicht, dass ich unfähig bin, Kontakte zu pflegen. Im Gegenteil, Freundschaften haben bei mir immer gut funktioniert. Da ich aber irgendwann aber keine Lust mehr hatte, Freundschaften zu pflegen, während meine Beziehungen reihenweise den Bach runtergehen, habe ich mich eben ganz zurückgezogen.

Was mir trotzdem immer guttut ist der Kontakt mit Kindern (ich habe selber keine, aber ich helfe quasi als Nebenjob ausländischen Kindern bei schulischen Problemen). Das hat was Herzerfrischendes und schützt auch davor, eigen zu werden, finde ich.

Also es kann auch an ihm liegen, wenn er findet, dass Du komisch geworden bist!

erdbeereis
11.05.2010, 10:05
Also es kann auch an ihm liegen, wenn er findet, dass Du komisch geworden bist!

Das sehe ich ganz genauso, Ditha. Also lass dir da nichts einreden. Wenn man mit sich im reinen ist und sich damit gutfühlt, so still und für sich selbst zu sein und zu wissen, dass man wenn man denn WILL, auch anders kann, dann ist doch alles gut.:blumengabe:

Es ist ja auch bekannt, dass man gerade die Eigenschaften am andern 'bemängelt', die einem selbst oft sehr eigen sind. Könnte ja zumindest auf deinen Freund zutreffen.:freches grinsen:

Inaktiver User
12.06.2010, 21:30
Ohje, ich kann so gut verstehen, was Du berichtest.

Ich habe meinen Home-Job abgebrochen, weil ich richtig krank wurde. Ich war einsam und wurde auch etwas engstirnig (was auch zunächst mein Mann diagnostizierte)
Als ich krank wurde, habe ich beschlossen, mich umzuorientieren.

Ich arbeite jetzt zwar auch noch viel Zuhause - habe aber auch jede Menge Außentermine. Und dort arbeite ich mit Menschen.
Jetzte geht´s mir sehr sehr gut.

Gibt´s so eine Möglichkeit?