PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Freiberuflern für Neulinge



Inaktiver User
18.01.2010, 22:19
Ich habe ein Angebot, für einige Monate freiberuflich tätig zu sein. Der Umfang dieser Tätigkeit (und auch das Einkommen) ist recht klar umrissen.
Ich muß mich nun schnell entscheiden, ob ich das Angebot annehme.
Allerdings habe ich keine Erfahrung als Freiberuflerin und kann schwer abschätzen, was mir am Ende bleibt.

Hat jemand den ultimativen Link- oder auch Buchtipp zu dem Thema?
Habe schon viel gegoogelt und auch hier im Forum gestöbert, aber als bisherige "Lohnarbeiterin" ist das alles erstmal erschlagend.

Neben einem Literaturtipp wäre ich natürlich auch dankbar für alle Tipps.
Was ich mit bisher als wichtige Punkte notiert habe:

- Krankenversicherung & Pflegeversicherung (würde ich über die GKV machen, da PKV wegen Vorerkrankung nicht in Frage kommt)
- evtl. Unfallversicherung über Berufsgenossenschaft (braucht man das zusätzlich zur privaten Unfallversicherung?)
-evtl. private Rentenversicherung

Fragen, die mich noch umtreiben:

-kriege ich von der GKV zuviel bezahlte Beiträge zurück (wenn ich nachweisen kann, dass ich unter der Bemessungsgrenze liege)?
-wie kann ich meine zu zahlende Einkommenssteuer berechnen?
-was passiert im Fall der Arbeitslosigkeit? Kann ich mich da privat sinnvoll absichern?

Promethea71
19.01.2010, 09:31
Weitere Fragen die du klären solltest sind:

- freiberuflich oder gewerblich ?
- echte Selbständigkeit oder Scheinselbständigkeit ?
- arbeitnehmerähnlicher Selbständiger ?
- Gewerbeanmeldung notwendig ?
- was ist mit der Umsatzsteuer ? (monatliche Voranmeldungen
- welche Betriebsausgaben hast du ?
- deckt der Verdienst alle zusätzlichen Ausgaben ?
- Mehraufwand Buchhaltung, Steuererklärung

Die Krankenkasse gibt einen bestimmten Betrag vor, der je nach Einkommen später noch angepasst wird, es kann also zu Erstattungen oder Nachzahlungen kommen.

Rentenversicherung hängt von der Branche ab.

Es gab mal die Möglichkeit sich als Selbständiger in der Arbeitslosenversicherung zu versichern, in deinem Fall, wenn die Selbständigkeit nur einige Monate dauern soll, ist das sicher sinnvoll.

Einen Literaturtip habe ich nicht, und Links hingen von der Branche ab, aber warum suchst du dir nicht einen Steuerberater ?

Liebe Grüße

promethea

Tabetha
19.01.2010, 09:49
Was ist das für ein Arbeitgeber/Kunde, der jemanden ohne entsprechende Erfahrung in die Freiberuflichkeit schickt, um ihn dann nach Ende des Projektes wieder in die (vermutlich, oder?) Arbeitslosigkeit zu entlassen?
Da hat wohl einer den Sinn und Zweck von Freiberuflichkeit nicht so ganz verstanden - bzw. bastelt sich diese passend zurecht, um sich nicht mit Sozialabgaben, Verträgen usw. abmühen zu müssen.
Finde ich recht zweifelhaft.

Utetiki
19.01.2010, 10:11
Ich versteh´s auch nicht so ganz. Ist da vielleicht eine nebenberufliche Selbständigkeit gemeint?

Mich nur für ein paar Monate selbständig machen, finde ich gewagt.
Was passiert hinterher?

Und die Angaben sind sehr vage. Wenn es wirklich freiberuflich ist, gibt es Unterschiede wie verkammerte oder nicht verkammerte Freiberuflichkeit. Da bestehen u.U. Pflichtmitgliedschaften.

In der Arbeitslosenversicherung kann man sich versichern, da gibt es aber auch bestimmte Voraussetzungen.

Noch zur freiwilligen Versicherung in der GKV: Für Existenzgründer wird der Beitrag von ca. 1.300 € berechnet. Darunter geht nichts.
Das Einkommen muss man nachweisen, könnte schwierig werden, wenn man nach guten Jahren plötzlich weniger verdient.
Die KK stellen sich da ziemlich an, wenn es um Rückerstattungen geht. Aber da gibt es auch mittlerweile Gerichtsurteile pro Versicherten.

Wie Promethea schon sagte, geh am besten zum Steuerberater oder zu einem Verband, der den Beruf vertritt.

Inaktiver User
19.01.2010, 10:56
Erstmal Danke für die Antworten und Hinweise.

Was die fehlende Erfahrung bzw. Zukunftsperspektiven angeht: jeder muß doch mal irgendwo anfangen. Und mein Auftraggeber ist doch nicht dafür verantwortlich, mir eine Perpektive auf Lebenszeit zu bieten (so schön das natürlich wäre).

Dass bestimmte Tätigkeiten vielleicht sinnvoller durch Festangestellte abgedeckt werden könnten ist keine Frage.
Aber ich muß jetzt für mich persönlich die Entscheidung treffen, ob ich mir eine selbständige Tätigkeit vorstellen kann.
Ehrlich gesagt bin ich lieber ein paar Monate später als früher arbeitslos.
Wenn es gut läuft, kann ich die Tätigkeit vielleicht ausbauen, wenn es nicht gut läuft werde ich mich auf eine Festanstellung bewerben.

Danke für den Hinweis mit der Möglichkeit zur freiwilligen Arbeitslosenversicherung, das werde ich sicherlich machen.

Ausgaben für Betriebsmittel u.ä. fallen erstmal nicht an, es ist auch keine gewerbliche Tätigkeit.
Ich werde wohl erstmal unter den Begriff "arbeitnehmerähnliche Selbstständige" fallen.

Beim Berufsverband werde ich mal nachfragen bezüglich einer Beratung. Einen Steuerberater werde ich mir sicherlich nehmen, bieten die auch eine Art Erstberatung zu einem vertretbaren Preis an?

Promethea71
19.01.2010, 11:05
Beim Berufsverband werde ich mal nachfragen bezüglich einer Beratung. Einen Steuerberater werde ich mir sicherlich nehmen, bieten die auch eine Art Erstberatung zu einem vertretbaren Preis an?

Ja.

Lenea
21.01.2010, 22:02
Bei allen Fragen rund um den Start in die Selbständigkeit kannst du dich auch coachen lassen, d.h. ein Gründungsberater steht dir zur Seite.
Schau mal unter "Gründercoaching Deutschland" (http://www.kfw-mittelstandsbank.de/DE_Home/Beratungsangebot/Beratungsfoerderung/Gruendercoaching_Deutschland/index.jsp) , das wird zu einem ganz großen Teil finanziert.