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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Wie den Stundensatz erhöhen: in vielen kleinen oder wenigen großen Schritten?



YoungDylan
08.11.2009, 23:30
Hallo zusammen,

demnächst läuft mein Vertrag mit einem meiner Auftraggeber aus. Es steht bereits jetzt fest, daß dieser Vertrag erneut verlängert wird und ich möchte die Gelegenheit nutzen um ebenfalls erneut meinen Stundensatz zu erhöhen. Ich nehme derzeit 45.- EUR pro Std. (inkl. MwSt.) und weiß, daß mein Auftraggeber meine Arbeit(-szeit) mit 120.- EUR pro Std. (inkl. MwSt.) wiederrum seinem Auftraggeber in Rechnung stellt.

Jetzt stellt sich mir die Frage; "wie weit darf ich gehen"? Unter der Voraussetzung, daß ich meine Arbeit "zur vollen Zufriedenheit" erledige: wäre es vermessen 60.- EUR pro Std. (inkl. MwSt.) zu "erfragen"?

Wie macht Ihr das? Erhöht Ihr über einen kurzen Zeitraum Euren Stundensatz in kleinen Schritten (z.B. 5.- EUR) oder geht Ihr hin und sagt: "mit meiner Hilfe hast Du im letzten Jahr so-und-so-viel eingenommen, ich bin maßgeblich am Erfolg der Firma beteiligt" und fordert bei einem Vertrag mit (z.B.) einer zweijährigen Laufzeit eine Erhöhung um 15.- EUR?

Es wäre vielleicht noch erwähnenswert, daß ich Unternehmenssoftware entwickle, mein Auftraggeber zwar international tätig ist und seit fast 30 Jahren existiert, aber eben seit jeher nur aus gerade mal 10 bis 15 Personen besteht...

Ihr seht schon: gaaanz elementare Fragen die mir derzeit durch den Kopf schwirren :) Ich würde mich freuen aus Eurem Erfahrungsschatz zu hören...

Liebe Grüße
YD

Tabetha
09.11.2009, 11:10
Man "erfragt" als Selbstständiger keine Erhöhung der eigenen Sätze, man verhandelt allerhöchstens. Hierfür legt man sich eine möglichst schlüssige Argumentation zurecht. Da es immer um Geld geht, sollte diese sehr genau aufzeigen, wo Du einen Mehrwert für den Unternehmer erzielt hast und diesen auch zukünftig erzielen und ausbauen wirst.

Wie das bei Vertragsverhältnissen in der freien Marktwirtschaft so ist, sollte einem allerdings auch klar sein, dass die Zusammenarbeit auch gekündigt werden könnte bzw. man nicht zu einem Konsens kommt.

luciernago
10.11.2009, 22:36
wie wichtig ist der umsatz fuer dich? wieviel prozent deiner arbeit/deines umsatzes leistest du da?
wenn es der ueberwiegende teil deiner arbeit ist: weiss das dein auftraggeber?

ich kenne jetzt deine branche nicht. sind 45 euro brutto da ueblich? ich finde den stundensatz fuer einen freiberufler relativ niedrig. . . wenn ich so an kv, uv, rente und sonst was denke . . da bleibt ja nicht allzuviel kleben . .

zu deinem argument, dass dein kunde mit deinen leistungen viel geld verdient: koenntest du prinzipiell selbst an den endkunden ran? wenn ja, tu das! wenn nein, akzepiere es.

>Auftraggeber zwar international tätig ist und seit fast 30 Jahren existiert, aber eben
>seit jeher nur aus gerade mal 10 bis 15 Personen besteht...

offenbar ein schlaues kerlchen!


gruessle
luciernago :blumengabe:

Inaktiver User
12.11.2009, 00:57
Unter den beschriebenden umständen könntest Du schon für eine etwas bessere sprich höhere Vergütung "streiten". Ich denke 50 % des weiterberechneten Honorars wäre schon ok und damit drin.

Sprachlos
12.11.2009, 15:36
Unter den beschriebenden umständen könntest Du schon für eine etwas bessere sprich höhere Vergütung "streiten". Ich denke 50 % des weiterberechneten Honorars wäre schon ok und damit drin.

Kommt nach meiner Meinung auch darauf an, wie "ersetzbar" du bist.

Bobbie
12.11.2009, 17:20
Kommt nach meiner Meinung auch darauf an, wie "ersetzbar" du bist.

Laut Aussage meines früheren Chefs ist "Jeder Mensch ersetzbar".

Tabetha
12.11.2009, 17:48
Laut Aussage meines früheren Chefs ist "Jeder Mensch ersetzbar".

Ich finde den Spruch ziemlich dumm. Im Beruflichen mag es teilweise stimmen, ich kenne aber einige Fachleute in jungen Branchen, die definitiv nicht zu ersetzen sind.
Zudem schade ich mir als Chefin selbst, wenn ich allzu leichtfertig auf eine gute, eingespielte (!) und eingearbeitete (!) Kraft verzichte, dies zugunsten einer, die ihren Platz noch finden muss und von der ich nicht weiß, ob sie überhaupt an die Vorgängerin ranreicht.
Im Endeffekt kann dies für mich zumindest schon einmal einen herben Zeitverlust bedeuten.

Weiterhin gehen je nach Job auch Kontakte/Kunden mit dem scheidenden Mitarbeiter. Das kann man nach einiger Zeit auffangen, aber es ist definitiv immer ein Einschnitt. Es bringt Unruhe, kostet Kraft und verzögert Entwicklungen.

Daher: Wenn ein Mehrwert da ist und die Chemie stimmt, dann ist es doch einigen Chefs lieber, dieser Kraft einen angemessenen Betrag zu zahlen, der über dem bisherigen liegt. Ich persönlich verfahre bei meinen Kooperationspartnern/Dienstleistern auch so.
Die zeitraubende Suche nach einem anderen Bewerber tut man sich zumindest nicht freiwillig an.

Der Satz "Jeder ist ersetzbar" ist abgedroschen. Mancher Chef schaut recht blöde, wenn man ihn darauf hinweist, dass dies dann wohl auch auf ihn zutreffen müsste. In Zeiten wie diesen soll da schon der ein oder andere Chef blass geworden sein.

Mr_McTailor
12.11.2009, 17:57
Ich erhöhe radikal und kündige das mit langem zeitlichen Vorlauf an.

So habe ich im August eine Erhöhung zum 1.1.2010 angekündigt. Alle Aufträge, die vor dem Stichtag erteilt werden, werden zum alten Tarif abgewickelt, auch wenn erst nach dem Stichtag geleistet wird.

Dann können sie sich drauf einstellen, es gibt einen sanften Übergang und einen Auftragsschub.

erdbeereis
13.11.2009, 11:38
Dann können sie sich drauf einstellen, es gibt einen sanften Übergang und einen Auftragsschub.

...oder ab Januar keinen Auftrag mehr bzw. sie haben lange genug Zeit sich nach Alternativen umzuschauen.

Es ist auch alles nicht zu verallgemeinern. Man muss sich seinem 'Mehrwert' schon ziemlich sicher sein.

Ich erhöhe immer im Laufe des Jahres (meist zur Sommerpause, weil ich dort vermehrt Aufträge durch Urlaubsengpässe der eigenen MA in den Unternehmen erhalte). Vorher noch großartig ankündigen oder diskutieren gibt es bei mir nicht. Ich vermerke in der 'alten' Rechnung lediglich, dass ab z.B. 01.08.2009 eine neue Preisliste gilt und sich der Stundensatz von x auf dann y erhöht. Die Erhöhung gestalte ich allerdings geringfügig (2-4 Euro). Dann ist das nicht so auffällig und wird in den Unternehmen nicht weiter beachtet, sondern kommentarlos akzeptiert. Bin ich bisher seit 10 Jahren gut gefahren mit.

Tabetha
13.11.2009, 12:19
Bei einer radikalen Erhöhung käme ich mir als Auftraggeberin auch ein wenig, hhm, ... vor.
Wir reden immerhin von Preisabsprachen, die im gegenseitigen Einverständnis getroffen worden sind. Eine moderate Preiserhöhung oder eine neue Verhandlung ist in Ordnung.
Eine radikale Erhöhung eines meiner Dienstleister hätte sicher eine Neuorientierung zur Folge. Ein solches Geschäftsgebaren kann und will ich auch nicht an meine Kunden weitergeben.

Mr_McTailor
13.11.2009, 12:47
Bei einer radikalen Erhöhung käme ich mir als Auftraggeberin auch ein wenig, hhm, ... vor.

Naja, radikal heißt natürlich nicht unangemessen erhöhen. Es bezog sich lediglich auf die Alternativen der Ausgangsfrage: In einem Schritt erhöhen oder in mehreren kleinen.

"ein wenig hhm, ..." käme ich mir nämlich umgekehrt genau dann vor, wenn ein Auftragnehmer jedesmal einen höheren Satz verlangt als beim vorausgegangenen Auftrag. Un das wäre ja die Konsequenz einer Erhöhung in mehreren Stufen.


...oder ab Januar keinen Auftrag mehr bzw. sie haben lange genug Zeit sich nach Alternativen umzuschauen.

Es ist auch alles nicht zu verallgemeinern. Man muss sich seinem 'Mehrwert' schon ziemlich sicher sein.
Wer sagt, die anderen wären billiger oder besser - oder gar beides? Nein, nein, wer sich des Wertes und der Qualität seiner Leistung bewusst ist, muss keine Angst haben dass ein Kunde, der schon länger zufrieden ist, wegen einer Preisanpassung abspringen wird. Habe ich jedenfalls noch nie erlebt.