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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Abtreibung - das neue Tabu



Inaktiver User
17.10.2009, 16:38
Schon oft habe ich gemerkt, dass hier im Forum beim Thema „Abtreibung“ die Gefühle hoch kochen und es heiß her geht – im "wahren Leben" das Thema aber tabuisiert ist.

Dazu nun eine Gedankensammlung.
__________________________________________________ ____

Ich bin im Laufe der Zeit zu dem Schluss gekommen, dass das Recht auf Abtreibung Selbstbestimmungsrecht ist und dass jede Frau das Recht darauf hat, ein Kind nicht zu bekommen, wenn sie es nicht möchte.

Zuerst einige Antworten auf Argumente, die immer wieder von Abtreibungsgegnern gebracht werden:

Argument 1: Wenn man „zu doof“ zum Verhüten ist, dann „muss“ man das Kind bekommen.
1.) Nicht alle ungeplanten Schwangerschaften entstehen durch mangelnde Verhütung → Siehe Pearl Index.
2.) Menschen sind fehlerbehaftet. Bei einer ungeplanten Schwangerschaft, die durch mangelnde Verhütung entsteht, haben zwei Menschen einen Fehler gemacht. Doch nur die Frau muss dafür gerade stehen.
3.) Außerdem klingt das für mich zu sehr nach calvinistischer Einstellung: Wer A sagt, muss auch B sagt. Wer schon poppen kann, der kriegt auch das Kind.
Aber: Würde man das auch sagen, wenn eine Frau einen Schläger geheiratet hat? Nein, sie kann sich scheiden lassen, kann ihre falsche Entscheidung korrigieren.

Übrigens, knapp die Hälfte aller Abtreibung (in Deutschland) wird nicht von „verantwortungslosen Teenies“, sondern von Frauen vorgenommen, die in einer Ehe leben.


Argument 2: Was ist mit dem Recht des Ungeborenen auf Leben?
1.) Hier greift für mich etwas, wo meine Auffassung anders ist als die herrschende Rechtsauffassung. Die lebende Person ist „wichtiger“ als die zu entstehende Person.
2.) Wenn „die Natur“ entscheidet (Fehlgeburt) dann ist das okay, wenn „die Frau“ entscheidet, dann nicht. Wo bleibt da die Selbstbestimmung?
3.) Was sagt ihr eigentlich zu folgender These:
Jeden Tag wird unzähligen Kindern das Recht auf Leben verwehrt, weil Mama und Papa nicht miteinander geschlafen haben bzw. verhütet haben.

Was ich mir wünsche:

1.) Mehr Solidarität unter Frauen → Verteidigung des Selbstbestimmungsrechtes.
Am allerschlimmsten in diesen Diskussionen finde ich, dass es Frauen sind, die anderen Frauen in einer z.T. unerträglichen Selbstgerechtigkeit eine Abtreibung vorwerfen. Gut, nur weil wir alle Frauen sind, heißt das nicht, dass wir alle eine Meinung haben müssen. Aber dieses Selbstbestimmungsrecht – das sollte man schon verteidigen.

2.) Selbstbestimmungsrecht weiter ausbauen
Ausblick: Meiner Meinung nach sollte man das Selbstbestimmungsrecht weiter ausbauen. Keine Zwangsberatung. Wer Beratung möchte, soll sie natürlich bekommen.

3.) Keine Stigmatisierung
Immer soll die Frau betonen, dass „sie es sich nicht leicht gemacht hat“. Was wäre, sie hätte es sich leicht gemacht? Sie hätte nachgedacht & entschieden, das Kind nicht zu bekommen? Ohne Schuldgefühle. Nein, die Frau soll sich entschuldigen, demütig sein, nachweisen, dass sie sich den Kopf zermartert hat.

4.) Damit verbunden: Keine Tabuisierung mehr / Offenheit
Ich weiß nicht, ob früher unter Frauen darüber geredet wurde (ich stelle mir ein Klima der Solidarität vor, wo man Abtreibungen gegenüber Männern geheim halten musste). Ich weiß nur, dass heute NICHT darüber geredet wird. Statistisch gesehen hat jede 5. Frau abgetrieben – ich weiß nichts über dieses Thema bei meinen weiblichen Bekannten.
Eine Aktion, wie sie der STERN durchführte, wäre (das glaube ich zumindest) heute undenkbar.

Also, kurz zusammengefasst: Ich denke, Frauen haben ein Recht darauf zu entscheiden, was in ihrem Leben passiert.

Brombeerkatze1
17.10.2009, 17:18
Sehr schönes posting, Studentin!

Ich sehe es sehr ähnlich wie du und bin auch sehr erschrocken wie gnadenlos über Frauen die sich gegen ein Kind entscheiden geurteilt wird.
Auch mir geht es gegen den Strich wie ungeborenes Leben über existierendes gestellt wird...
ich finde es auch bedenklich dass Frauen in so unangemessener Weise radikal und reaktionär werden bei diesem Thema, es irritiert mich auch.

Brombeerkatze

Inaktiver User
17.10.2009, 17:24
Ich sehe es ähnlich, ja das Kind hat ein Recht auf ein LEBEN!

Die Entscheidung zur Abtreibung hat auch etwas mit dem Verantwortungsbewußtsein zu tun, dem Kind nicht die besten Möglichkeiten für ein solches LEBEN bieten zu können.

Zu viele Kinder gibt es schon in unserer Gesellschaft, die eigentlich kein LEBEN haben in einer lieblosen Gemeinschaft aufwachsen, der Seelen zerbrochen werden, deren Aussichten auf ein seelisch gesundes Leben, sehr viel Arbeit im Erwachsenenalter bedeutet und denen das Urvertrauen in die Menschen schon in den ersten Lebensjahren genommen wird.

DAS halte ich für verantwortungslos..........nicht eine Abtreibung!

Taoline
17.10.2009, 20:07
Gut, dann mal meine Meinung dazu. Ich denke auch, dass man keine Frau zwingen darf/soll ein Kind zu bekommen, wenn sie - aus welchen Gründen auch immer - ungewollt schwanger ist. Nur glaube ich, dass manchmal zu schnell zu viele Gründe gefunden werden, ein Kind nicht zu bekommen. Auch Frauen, die unbedingt schwanger werden wollten, geraten oft in Panik, wenn sie dann tatsächlich schwanger sind. Eine Schwangerschaft stellt das ganze Leben auf den Kopf, plötzlich ist es nicht mehr eine Theorie, sondern Tatsache. Oft heißen die Argumente dann: nicht jetzt, nicht mit dem Mann, nicht allein, es ist nicht genug Geld da, ich wollte erst noch dies oder das machen. Das können alles gute Gründe sein, aber Tatsache ist auch, dass sich mit einem Kind die Prioritäten verschieben, viele Dinge die vorher wichtig waren, sind es plötzlich nicht mehr.
Ich bin wirklich absolut für die legale Möglichkeit von Schwangerschaftsabbrüchen, nur glaube ich, dass oft nur rationale Überlegungen angestellt werden und die emotionalen vergessen werden.
Es wird auch oft so dargestellt, als sei ein Abbruch ein einfacher Eingriff und danach ist alles wieder so wie vorher. Viele Frauen leiden aber doch darunter. Erst recht, wenn "der richtige" eben doch nie kam oder sonst keine Schwangerschaft mehr möglich ist.
Ich bin fest der Überzeugung, wenn man wirklich will, dann kann man auch unter widrigen Umständen ein Kind glücklich großziehen. Wenn man es aber wirklich nicht will, dann soll man die Möglichkeit haben, es auch nicht zu bekommen.
Ich glaube, es ist eine der schwierigsten Entscheidungen, die man treffen muss. Und man sollte nicht zu sehr auf andere hören, denn mit den Folgen muß man ganz alleine fertig werden.

Flor
17.10.2009, 20:26
Natuerlich muss jede Frau das selbst entscheiden, und ja bitte auch ohne Gehirnzermarterung. Ich persoenlich glaube zwar auch, dass frau sich oft ueber ein ungewolltes Kind dann doch sehr freut (meins ist jetzt bald neun Monate und ich liebe sie ueber alles, wollte aber auch immer Kinder und meinen Freund als deren Papa...), aber es gibt wirklich schon zu viele wenig geliebte Kinder ohne Chance auf ein erfuelltes Leben, und ich finde auch, das Glueck der Mutter zaehlt erst mal viel mehr, weil es ja Vorraussetzung ist fuer das des Kindes!

Was mich aber wundert Studentin, dass du das Thema als so tabuisiert empfindest. Ich weiss bei all meinen Freundinnen darueber Bescheid (denke ich), ich habe den eindruck, dass viele recht offen drueber sprechen.

elli07
18.10.2009, 10:32
Dass Abtreibung zu einem "Tabu" geworden sein soll, kann ich eigentlich nicht erkennen.

Es wird immer Menschen(!), d.h. Frauen UND Männer geben, die meinen, die richtige Sicht auf die Welt gepachtet zu haben. Die prinzipiell alles ablehnen, was nicht in ihr heiles Weltbild passt: Scheidungen, Abtreibungen etc.

Ich persönlich habe den Eindruck, dass grade junge Leute sich nicht im Klaren drüber sind, dass Geschlechtsverkehr nach wie vor das Risiko einer Schwangerschaft hat, dass es keine 100%ige Verhütung gibt. Und jeder (auch der Mann!) damit eine Verantwortung übernimmt, aus der sich eine schwierige Entscheidung ergeben kann: das Kind zu bekommen oder abzutreiben.

An dieser Stelle würde ich mir mehr Verantwortung/Weitsicht der Beteiligten, also der Paare, wünschen. Hier hapert es meiner Meinung nach an einer entsprechenden Grundeinstellung: Sex wird als Spaßfaktor gesehen, die möglichen Folgen werden aber ausgeblendet. Ist nicht bei allen so, DAS wollte ich nicht gesagt haben.

Ansonsten sehe ich das Ganze wie Taoline, speziell den letzten Satz: mit dieser Entscheidung ist frau verdammt einsam !

Gruß, Elli

pelzpfote
18.10.2009, 11:10
Ich möchte vorausschicken, dass für mich persönlich nie eine Abtreibung in Frage gekommen wäre, ich aber keine Frau wegen einer Abtreibung verurteile. Und der Ausdruck "Mörderin" ist m. E. völlig unpassend. Als "Tötung ungeborenen Lebens" sehe ich Abtreibung allerdings schon an, nicht bloß als "Schwangerschaftsunterbrechung" (denn unterbrechen heißt ja, dass etwas später weitergeht).

3.) Was sagt ihr eigentlich zu folgender These:
Jeden Tag wird unzähligen Kindern das Recht auf Leben verwehrt, weil Mama und Papa nicht miteinander geschlafen haben bzw. verhütet haben.
Also diese These ist für mich völlig absurd. :ooooh: Gibt es eine Pflicht zum Sex? Es wird doch dadurch keinem Kind das Recht auf Leben verwehrt, weil es ohne Sex gar kein werdendes Leben gibt. Diese These ist ja noch fundamentalistischer als das Verbot der kath. Kirche von Verhütungsmitteln. :knatsch:

Dass Abtreibung zu einem "Tabu" geworden sein soll, kann ich eigentlich nicht erkennen.
Ich auch nicht, im Gegenteil, manchmal muss sich frau schon dafür rechtfertigen, dass sie für sich persönlich eine Abtreibung ablehnt.

Ich persönlich habe den Eindruck, dass grade junge Leute sich nicht im Klaren drüber sind, dass Geschlechtsverkehr nach wie vor das Risiko einer Schwangerschaft hat, dass es keine 100%ige Verhütung gibt. Und jeder (auch der Mann!) damit eine Verantwortung übernimmt, aus der sich eine schwierige Entscheidung ergeben kann: das Kind zu bekommen oder abzutreiben.

An dieser Stelle würde ich mir mehr Verantwortung/Weitsicht der Beteiligten, also der Paare, wünschen. Hier hapert es meiner Meinung nach an einer entsprechenden Grundeinstellung: Sex wird als Spaßfaktor gesehen, die möglichen Folgen werden aber ausgeblendet. Ist nicht bei allen so, DAS wollte ich nicht gesagt haben.
Das sind sehr gute Gedanken, die ich auch schon oft hatte. :blumengabe: Es wird oft davon gesprochen, dass Jugendliche (teilweise schon ab 13) das Recht auf Sex hätten und dass es schon fast unnormal ist, wenn ein/e 18-Jährige/r keinen Sex hat. Aber von der Verantwortung wird nichts gesagt. Denn trotz aller Verhütungsmittel müsste sich jeder im Klaren sein, dass aus Sex nun mal ein Kind entstehen kann. Und jeder Mensch hat nicht nur Rechte, sondern auch Verantwortung und Pflichten. Das gilt selbstverständlich für Jungen und Mädchen bzw. Männer und Frauen.

Und es darf meiner Meinung nach nicht so sein, dass jungen Leuten vermittelt wird: Ihr könnt selbstverständlich Sex haben, aber die etwaigen Folgen werden problemlos beseitigt. Oder: Ihr habt das Recht auf Sex, aber keine daraus erwachsenden Pflichten. Das ist jetzt etwas überspitzt gesagt, aber ich hoffe, ihr versteht, wie ich es meine. :blumengabe:


Übrigens gab es vor zwei Jahren schon einen Thread mit diesem Titel (http://bfriends.brigitte.de/foren/2024545-post1.html).

kleiner.TIGER
18.10.2009, 11:16
Ich sehe es ähnlich, ja das Kind hat ein Recht auf ein LEBEN!

Die Entscheidung zur Abtreibung hat auch etwas mit dem Verantwortungsbewußtsein zu tun, dem Kind nicht die besten Möglichkeiten für ein solches LEBEN bieten zu können.

Zu viele Kinder gibt es schon in unserer Gesellschaft, die eigentlich kein LEBEN haben in einer lieblosen Gemeinschaft aufwachsen, der Seelen zerbrochen werden, deren Aussichten auf ein seelisch gesundes Leben, sehr viel Arbeit im Erwachsenenalter bedeutet und denen das Urvertrauen in die Menschen schon in den ersten Lebensjahren genommen wird.

DAS halte ich für verantwortungslos..........nicht eine Abtreibung!


Hast du schon mal überlegt oder nachgefragt, ob alle diese Menschen ihr Leben wirklich als ABSOLUT-NICHT-LEBENSWERT betrachten und gerne darauf verzichten würden?

pelzpfote
18.10.2009, 11:21
Hast du schon mal überlegt oder nachgefragt, ob alle diese Menschen ihr Leben wirklich als ABSOLUT-NICHT-LEBENSWERT betrachten und gerne darauf verzichten würden?
:blumengabe: Stimmt! Kein Außenstehender kann beurteilen, ob das Leben eines anderen lebenswert oder nicht ist. :blumengabe:

Inaktiver User
18.10.2009, 11:33
Sind wir wieder in den 70igern gelandet, mit dem Motto - mein Bauch gehört mir? Damals haben sich im Stern viele prominente Frauen die abgetrieben haben geoutet und wurden danach übelst beschimpft.

Abtreibung ist kein Tabu mehr, diese angestaubte Zeit ist vorbei und Frauen können selbstbestimmt entscheiden.

Wozu dann dieser Thread?

Tiggers

Inaktiver User
18.10.2009, 11:41
Hallo Studentin,

du schreibst dies in dem Strang, "Gehören Kinder zu einem erfüllten Leben dazu?" - und obwohl ich selbst ein Kind hab sag ich klar: Nö.

Weil für jede Frau "Erfüllung" etwas anderes bedeuten kann.

Ich weiss auch nicht so recht woher dein Eindruck kommt, Abtreibung sei neuerdings ein Tabu?

Ich bin im übrigen sehr wohl für eine Beratung. Und zwar weil ich es für wichtig finde, eine solch schwere Entscheidung nicht alleine im stillen Kämmerlein treffen zu müssen und vor allem die Gründe, Ängste, Sorgen, Bedenken auszusprechen.

Wer mit sich und seiner Entscheidung im Reinen ist, für den ist so eine Beratung nur Formsache. Aber das ist eben nicht jede Frau.

Über einen Satz von dir bin ich gestolpert: "Was, wenn sie es sich leicht gemacht hat?" (also die Entscheidung zur Abtreibung.)

Ich kenne keine einzige Frau, für die eine Abtreibung ein Spaziergang war. Und ich wage zu behaupten, nur jemand, der achtlos mit sich, seinem Körper und seiner Seele umgeht, steckt sowas locker weg.

Eine Abtreibung ist etwas sehr Privates, und auch wenn ich die Stern-Aktion zum damaligen Zeitpunkt unglaublich wichtig fand, es war eine andere Zeit.

Heute haben wir das Recht auf Abtreibung, weil damals Frauen für uns ihr ganz Privates öffentlich gemacht haben.

Und heute gehört Abtreibung nicht mehr auf's Titelblatt, weil sie unsere Privatsache ist. Weil wir mittlerweile das Recht haben, für uns zu entscheiden, wie und mit wem wir leben wollen.

Gottseidank. :smile:

elli07 und Taoline
Ja, das ist die einsamste Entscheidung, die eine Frau treffen muss.
Und sogar meine (erzkatholische)!!Mutter sagte damals zu mir: Kind, egal wofür du dich entscheidest, wir sind unterstützen dich.

Die Moral wird immer gerne von der Liebe unterwandert... :smirksmile:

Inaktiver User
18.10.2009, 16:00
Ich kann den Ausführungen im Eröffnungsthread voll zustimmen.

Zum Thema "Tabu": gesellschaftlich wird das Thema Abtreibung inzwischen offen diskutiert. Aber auf privater Ebene wüßte ich in meinem Umfeld Niemanden, mit dem ich über dieses Thema offen sprechen würde.

Von daher existiert da schon so etwas wie ein Tabu. Mein Eindruck ist, dass viele Frauen (und vielleicht auch Männer?) bei diesem Thema sehr emotional werden und kaum über ihren eigenen Horizont hinaussehen wollen.

Inaktiver User
18.10.2009, 17:55
Sind wir wieder in den 70igern gelandet, mit dem Motto - mein Bauch gehört mir? Damals haben sich im Stern viele prominente Frauen die abgetrieben haben geoutet und wurden danach übelst beschimpft.

Abtreibung ist kein Tabu mehr, diese angestaubte Zeit ist vorbei und Frauen können selbstbestimmt entscheiden.

Wozu dann dieser Thread?

Tiggers

Das habe ich damals zwar noch nicht mit bekommen,aber meine
frauenbewegte Tante hat mir davon öfters erzählt, auch das "Busladungen von Frauen" nach Holland zum abtreiben fuhren, grauenhaft !:knatsch:
Übrigens, mehrere der "Stern- Frauen" sollen gar nicht abgetrieben ,sondern sich auf diese Weise solidarisiert haben.
Mutig damals, ohne Zweifel.
Das Abtreibung heute (wieder) ein Tabu sein soll, sehe ich absolut nicht.Das Selbstbestimmungsrecht der Frau wird weitestgehend anerkannt,was der,die Einzelne darüber denkt, shit happens !?
Im Gegenteil, heute ist es doch eher so,dass Frauen ,die unter
gewissen Bedingungen "zu jung, zu alt, Kind behindert, nicht optimale Verhältnisse".... sich für das Austragen des Kindes rechtfertigen müssen, das ist eher ein "Tabu"........

Inaktiver User
18.10.2009, 19:49
Es wird immer Menschen(!), d.h. Frauen UND Männer geben, die meinen, die richtige Sicht auf die Welt gepachtet zu haben. Die prinzipiell alles ablehnen, was nicht in ihr heiles Weltbild passt: Scheidungen, Abtreibungen etc.


Elli, das find ich sehr abwertend. Vielleicht geht es vielen gar nicht um ihr heiles Weltbild, sondern sie sehen eben, dass etwas auch mit viel Schmerz und Leid verbunden ist und haben deshalb eine andere Einstellung dazu??

Für mich ist Abtreibung keine Lösung, damit kann man nichts ungeschehen machen, ich kann das nicht uneingeschränkt befürworten.

Es muss manchmal sein, das seh ich auch, und ich bin auch dafür, dass eine Frau das für sich entscheiden kann und unter sicheren und guten Bedingungen abtreiben können muss - aber deshalb heiße ich trotzdem Abtreibungen nicht für gut. Was aber auch nicht heißt, dass ich jemand verurteile, der abgetrieben hat. Das sind viele verschiedene Ebenen, die sollte man schon trennen.

Hope79
18.10.2009, 20:03
Ich kenne keine einzige Frau, für die eine Abtreibung ein Spaziergang war. Und ich wage zu behaupten, nur jemand, der achtlos mit sich, seinem Körper und seiner Seele umgeht, steckt sowas locker weg.




Hmm...Bin ich jetzt also achtlos mit mir selbst umgegangen, nur weil meine Abtreibung vor ca. 5 Jahren ziemlich locker weggesteckt habe? Ein ganz klares Nein!!! Ich habe das getan, was gut für mich war. Ich warte heute noch auf das schlechte Gewissen, den seelischen Zusammenbruch, der ja unweigerlich kommen müsste. Da tut sich aber nichts...
Ich denke auch nicht, dass ich mit meinen Gefühlen ganz alleine dastehe. Wahrscheinlich trauen sich die wenigsten Frauen, denen es ähnlich geht dies auszusprechen. Das ist m.M. nach ein Tabubruch, denn "wenn man schon abtreibt, hat es einem gefälligst bis ans Ende seiner Tage zu verfolgen", so die weitläufige Meinung.

LG Hope79

Inaktiver User
18.10.2009, 20:27
Hast du schon mal überlegt oder nachgefragt, ob alle diese Menschen ihr Leben wirklich als ABSOLUT-NICHT-LEBENSWERT betrachten und gerne darauf verzichten würden?


Nein habe ich nicht......habe auch nicht unterstellt, dass sie ein solches Leben führen........

Man kann wirklich alles falsche verstehen, wenn man nur ordentlich will :zwinker::pfeifend:

EinMann44
18.10.2009, 20:44
.... serienmörder bekommen auch nie ein schlechtes gewissen... das macht nicht die totüng von unschuldigen menschensleben gut .... kein einziger Mensch ist "überzählig"... wer das leben nicht respektiert, kann nichts respektieren, nicht einmal sich selbst.

wenn ein kind nicht einmal in der gebärmutter seiner mama sicher, geschützt und geborgen ist, dann ist diese gesellschaft definitiv dekadent und hat den gesunden menschenverstand verloren.

Inaktiver User
18.10.2009, 20:55
....

kleiner.TIGER
18.10.2009, 21:27
Nein habe ich nicht......habe auch nicht unterstellt, dass sie ein solches Leben führen........

Man kann wirklich alles falsche verstehen, wenn man nur ordentlich will :zwinker::pfeifend:

Hier, zum Nachlesen:


...

Die Entscheidung zur Abtreibung hat auch etwas mit dem Verantwortungsbewußtsein zu tun, dem Kind nicht die besten Möglichkeiten für ein solches LEBEN bieten zu können.

Zu viele Kinder gibt es schon in unserer Gesellschaft, die eigentlich kein LEBEN haben in einer lieblosen Gemeinschaft aufwachsen, der Seelen zerbrochen werden, deren Aussichten auf ein seelisch gesundes Leben, sehr viel Arbeit im Erwachsenenalter bedeutet und denen das Urvertrauen in die Menschen schon in den ersten Lebensjahren genommen wird.

DAS halte ich für verantwortungslos..........nicht eine Abtreibung!

Wie soll das denn nun verstanden werden ??? :knicks:

Inaktiver User
18.10.2009, 21:51
Für mich selber würde eine Abtreibung nie in frage kommen,
auch nicht unter sehr schweren Bedingungen, wenig Geld, usw.
Ich kann es nachvollziehen, das Frauen so etwas tun und würde deshalb keine "verdammen", das steht einem nicht zu.
Es ist auch immer ein Mann involviert, es sollte das Paar sein, das entscheidet, es sollte aber auch kein Druck von Dritten ausgeübt werden, z.B. Eltern, Verwandte, Ärzte (bei Behinderung).
Es ist und bleibt aber Tötung von Leben (ungeborenem Leben),
auch das sollte kein Tabu sein, dies zu benennen, ohne deshalb die
Frauen zu beschimpfen, beleidigen oder diskriminieren.
Vor 2 Jahren wurde mir von einigen Leuten auch geraten, mein
(3.) Kind abtreiben zu lassen,auch aufgrund meiner persönlichen Situation, wobei weniger finanzielle Gründe vorlagen.
Es war aber niemals ein Thema,auch seitens des Vaters nicht,der anfangs damit Probleme hatte, nach einigen Wochen kam die Freude auf, es war meine (unsere) ganz persönliche Entscheidung,
auch wenn es für einige "Gutmeinende" unverständlich war.
Das "Problem" wäre doch so leicht aus der Welt zu schaffen gewesen......:knatsch:
Ich persönlich bin froh, dass die Abtreibungen jedes Jahr weniger werden,laut Statistik .

Inaktiver User
18.10.2009, 21:53
Einewiekeine:blumengabe:

Wakanda
19.10.2009, 06:57
.... serienmörder bekommen auch nie ein schlechtes gewissen... das macht nicht die totüng von unschuldigen menschensleben gut .... kein einziger Mensch ist "überzählig"... wer das leben nicht respektiert, kann nichts respektieren, nicht einmal sich selbst.

wenn ein kind nicht einmal in der gebärmutter seiner mama sicher, geschützt und geborgen ist, dann ist diese gesellschaft definitiv dekadent und hat den gesunden menschenverstand verloren.

Ich habe über viele Jahre mit einer Spirale verhütet. Und nun? Bin ich eine Serienmörderin?

Inaktiver User
19.10.2009, 08:40
Sind wir wieder in den 70igern gelandet, mit dem Motto - mein Bauch gehört mir? Damals haben sich im Stern viele prominente Frauen die abgetrieben haben geoutet und wurden danach übelst beschimpft.

Abtreibung ist kein Tabu mehr, diese angestaubte Zeit ist vorbei und Frauen können selbstbestimmt entscheiden.

Wozu dann dieser Thread?

Tiggers

Dieser Strang ist eine Reaktion auf diesen hier:
http://bfriends.brigitte.de/foren/erziehung/118571-tochter-18j-war-schwanger-und-ich-bin-traurig-warum.html

Dort wollte ich nicht eine Abtreibungsdiskussion vom Zaun brechen.

Inaktiver User
19.10.2009, 08:42
@ Pelzpfote und alle anderen, die auf den "jungen Menschen" bestehen:

Ihr habt den Fakt gelesen, dass knapp die Hälfte aller Abtreibungen von verheirateten Frauen (in unserer Zeit nicht unbedingt Jugendliche) vorgenommen wird? Alles verantwortungslose Menschen, die nicht mit Verhütungsmitteln umgehen können? Die sich keine Gedanken machen, die "einfach nur poppen" wollen?

Inaktiver User
19.10.2009, 08:50
Hmm...Bin ich jetzt also achtlos mit mir selbst umgegangen, nur weil meine Abtreibung vor ca. 5 Jahren ziemlich locker weggesteckt habe? Ein ganz klares Nein!!! Ich habe das getan, was gut für mich war. Ich warte heute noch auf das schlechte Gewissen, den seelischen Zusammenbruch, der ja unweigerlich kommen müsste. Da tut sich aber nichts...
Ich denke auch nicht, dass ich mit meinen Gefühlen ganz alleine dastehe. Wahrscheinlich trauen sich die wenigsten Frauen, denen es ähnlich geht dies auszusprechen. Das ist m.M. nach ein Tabubruch, denn "wenn man schon abtreibt, hat es einem gefälligst bis ans Ende seiner Tage zu verfolgen", so die weitläufige Meinung.

LG Hope79

Vielleicht war "achtlos" das falsche Wort, sorry. Und ich persönlich "erwarte" von keiner Frau, dass sie sich deswegen schämt oder schuldig fühlt, wenn sie abtreibt. Ich hab bloss einige Freundinnen in solchen Situationen erlebt und es war eben nicht so locker.

Was mich aber ehrlich interessiert, was meinst du, warum es dir leicht gefallen ist?

studentin: Ich bin schwanger geworden, weil mir mein Arzt gesagt hatte, ich könne keine Kinder kriegen. Meine Eileiter seien durch viele Entzündungen verklebt. Tja, ein Spermchen kam durch.....

Liebe Grüsse

kupferkanne
19.10.2009, 10:51
Ich habe über viele Jahre mit einer Spirale verhütet. Und nun? Bin ich eine Serienmörderin?

...nein natürlich bist du keine Serienmörderin, da durch die Spirale ja keine Eizelle befruchtet wurde!

Ich sehe die Sache ganz schlicht und einfach so:

In dem Augenblick in dem Eizelle und Samenzelle zusammentreffen, entsteht die Option auf ein neues Leben !!

Ob die Natur es werden lässt, oder die Frucht abstirbt, wer vermag das vorher zu sagen ?

Eine Abtreibung bedeutet Tod...und zwar für den Embryo. Soll ja auch so sein...sowohl die Mutter als auch Berater und Ärzte beschliessen das und setzen es in die Tat um.

Ich finde das grausam.

Ja, nicht jedes Kind wird in Liebe gezeugt, ich weiß...dennoch trägt das Kind die Folgen, indem es einen grausamen Tod findet...

Und...ich selber bin ein ungewolltes Kind, ungewollt und unwillkommen...wahrscheinlich habe ich in meiner Kindheit mehr Schläge als Kartoffeln bekommen, aber dennoch, ich lebe...habe selber 2 tolle Kinder bekommen...

Auch mein Sohn wurde nicht "romantisch bei Kerzenschein" gezeugt...dennoch, er lebt und ist ein toller Junge...

Ich käme mit einer Abtreibung nicht zurecht...für mich ist ein Embryo nichts was man wie ein Geschwür entfernt.

Ich verurteile keine Frau die abgetrieben hat, dass muss jede selber mit sich ausmachen, aber ich glaube an keiner Frau geht sowas spurlos vorbei.

marilyn-74
19.10.2009, 11:06
...nein natürlich bist du keine Serienmörderin, da durch die Spirale ja keine Eizelle befruchtet wurde!


Ich sehe die Sache ganz schlicht und einfach so:

In dem Augenblick in dem Eizelle und Samenzelle zusammentreffen, entsteht die Option auf ein neues Leben !!
Das widerspricht sich aber - die Spirale (zumindest die Kupferspirale) ist ein so genannter Nidationshemmer, d.h. die Eizelle wird durchaus befruchtet, aber durch die Spirale daran gehindert, sich in der Gebärmutter einzunisten. Es wird also genau dadurch die Weiterentwicklung nach dem für dich entscheidendem Zeitpunkt, nämlich Verschmelzung von Samen und Eizelle, verhindert. Ein Grund übrigens, warum viele Abtreibungsgegner eine Verhütung per Spirale oder auch per Pille danach für sich ablehnen.

Hope79
19.10.2009, 11:32
Vielleicht war "achtlos" das falsche Wort, sorry. Und ich persönlich "erwarte" von keiner Frau, dass sie sich deswegen schämt oder schuldig fühlt, wenn sie abtreibt. Ich hab bloss einige Freundinnen in solchen Situationen erlebt und es war eben nicht so locker.

Was mich aber ehrlich interessiert, was meinst du, warum es dir leicht gefallen ist?


Liebe Grüsse

Hallo Evemie,
das mit der Abtreibung habe ich mir schon gut überlegt, im Kopf pro und kontra Listen gemacht. Wir (mein damaligerFreund und ich) haben tagelang darüber diskutiert, ob wir das Kind bekommen sollen oder nicht. Es war soweit auch alles "in Ordnung", d.h. keine finanziellen Probleme, einigermaßen intakte Beziehung usw...Nur in mir drin hat sich ALLES gegen ein Kind gesträubt, mit aller Kraft. Ich kann es irgendwie nicht besser erklären und hoffe, dass es trotzdem irgendwie nicht total "gefühlskalt"rüber kommt.
Und nach der Abtreibung ging es mir gut, da war kein Gefühl der Leere oder Ähnliches. Heute, mit 30, kann ich immer noch sagen, dass es für mich eine gute Entscheidung war/ist.

LG Hope79

pelzpfote
19.10.2009, 12:02
Es war soweit auch alles "in Ordnung", d.h. keine finanziellen Probleme, einigermaßen intakte Beziehung usw...Nur in mir drin hat sich ALLES gegen ein Kind gesträubt, mit aller Kraft.
LG Hope79
Ich hätte da mal eine Frage - völlig wertfrei: Wie wurde in diesem Fall die "Notlage" begründet?

§ 218 a Der mit Einwilligung der Schwangeren von einem Arzt vorgenommene Schwangerschaftsabbruch ist nicht rechtswidrig, wenn der Abbruch der Schwangerschaft unter Berücksichtigung der gegenwärtigen und zukünftigen Lebensverhältnisse der Schwangeren nach ärztlicher Erkenntnis angezeigt ist, um eine Gefahr für das Leben oder die Gefahr einer schwerwiegenden Beeinträchtigung des körperlichen oder seelischen Gesundheitszustandes der Schwangeren abzuwenden, und die Gefahr nicht auf eine andere für sie zumutbare Weise abgewendet werden kann.

marilyn-74
19.10.2009, 12:15
@ pelzpfote

Du kommst über den § 218 a Absatz 1 StGB dahin:

(1) Der Tatbestand des § 218 ist nicht verwirklicht, wenn
1.die Schwangere den Schwangerschaftsabbruch verlangt und dem Arzt durch eine Bescheinigung nach § 219 Abs. 2 Satz 2 nachgewiesen hat, daß sie sich mindestens drei Tage vor dem Eingriff hat beraten lassen,
2.der Schwangerschaftsabbruch von einem Arzt vorgenommen wird und
3.seit der Empfängnis nicht mehr als zwölf Wochen vergangen sind.
Wenn die o.g. Voraussetzungen erfüllt sind, liegen die Voraussetzungen des § 218 nicht vor, d.h. der Schwangerschaftsabbruch bleibt straffrei. Er bleibt trotzdem rechtswidrig nach § 218a Abs. 2 StGB, was ein ganz merkwürdiges Konstrukt ist, aber im Grunde genommen den Zwiespalt der Gesellschaft in dieser Frage ganz gut widerspiegelt.

pelzpfote
19.10.2009, 12:20
@Marylin
Danke für deine Antwort. :blumengabe: Ich dachte immer, Absatz 2 müsste neben Absatz 1 auch erfüllt sein. Früher hieß das "soziale Indikation".

marilyn-74
19.10.2009, 12:25
@Marylin
Danke für deine Antwort. :blumengabe: Ich dachte immer, Absatz 2 müsste neben Absatz 1 auch erfüllt sein. Früher hieß das "soziale Indikation".
Ja, das war früher so. Seit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts Anfang der 90er (1992?1993?) gilt diese Regelung. Über den Abs. 2 kommt man übrigens zur Rechtfertigung so genannter Spätabbrüche. Die Gefahr einer schwerwiegenden Beeinträchtigung des seelischen Gesundheitszustandes gilt dann als Rechtfertigungsgrund bei Behinderungen auch Abbrüche nach der 12. Woche vornehmen zu können, was ich auch als Befürworterin des Rechts zum Schwangerschaftsabbruch als sehr problematisch empfinde.

kupferkanne
19.10.2009, 12:26
Das widerspricht sich aber - die Spirale (zumindest die Kupferspirale) ist ein so genannter Nidationshemmer, d.h. die Eizelle wird durchaus befruchtet, aber durch die Spirale daran gehindert, sich in der Gebärmutter einzunisten. Es wird also genau dadurch die Weiterentwicklung nach dem für dich entscheidendem Zeitpunkt, nämlich Verschmelzung von Samen und Eizelle, verhindert. Ein Grund übrigens, warum viele Abtreibungsgegner eine Verhütung per Spirale oder auch per Pille danach für sich ablehnen.

...dann habe ich soeben wieder was gelernt...ich habe nie mit der Spirale verhütet, deshalb kann ich dazu nichts sagen, wohl aber dass ich sie als Verhütungsmethode dann auch abgelehnt hätte.

angie2
19.10.2009, 13:26
Für den Westen gilt nicht: Neues Tabu. Sondern aufgeweichtes Tabu.

Und ich weiss in meinem Umfeld einige, die abgetrieben haben und mir das erzählt haben.

Obwohl meine Meinung - für mich wäre das nie in Frage gekommen, aber ich verurteile niemanden - bekannt ist.

Heute müssen sich Eltern behinderter Kinder schon rechtfertigen, dass sie die Kinder nicht abgetrieben haben.

Ist doch genauso krass wie das Gegenteil, dass die Frauen im Hinterhof verblutet sind.

Ich finde die Beratungslösung gut. Da kann jede Frau in Ruhe nachdenken. Und findet vielleicht Möglichkeiten, die in der Panik nicht gefunden wurden.

Und diejenigen, die sowieso wild entschlossen sind - denen macht doch eine ergebnisoffene Beratung auch nichts aus.

Soviel Respekt sollte dem ungeborenen Kind doch geschuldet werden.

Ansonsten gibt es doch auch die Möglichkeit, dass Mutter oder Freund die Frau zur Abtreibung schleppen, obwohl die das gar nicht möchte. Und sich bloß nicht zu helfen weiss.

elli07
19.10.2009, 16:38
Elli, das find ich sehr abwertend. Vielleicht geht es vielen gar nicht um ihr heiles Weltbild, sondern sie sehen eben, dass etwas auch mit viel Schmerz und Leid verbunden ist und haben deshalb eine andere Einstellung dazu??

Für mich ist Abtreibung keine Lösung, damit kann man nichts ungeschehen machen, ich kann das nicht uneingeschränkt befürworten.

Es muss manchmal sein, das seh ich auch, und ich bin auch dafür, dass eine Frau das für sich entscheiden kann und unter sicheren und guten Bedingungen abtreiben können muss - aber deshalb heiße ich trotzdem Abtreibungen nicht für gut. Was aber auch nicht heißt, dass ich jemand verurteile, der abgetrieben hat. Das sind viele verschiedene Ebenen, die sollte man schon trennen.

Ich sprach von Menschen, die eine Abtreibung PRINZIPIELL ablehnen, damit meine ich, ohne Prüfung des Einzelfalls. Solche Einzelfälle siehst du ja auch, wenn ich dich richtig verstehe.

Abtreibung ist für mich kein "Verhütungsersatz", das habe ich in meinem Posting deutlich gesagt.

Aber viele, die die Abtreibung vehement(!) ablehnen, lassen später die Frauen mit den Kindern hängen: vorher wird groß von der Bedeutung ungeborenen Lebens geschwafelt, wenn es denn geboren ist, steht die Frau alleine da. Auf diese doppelte Moral kann ich verzichten. Das ist ein heiles Weltbild, dem keine Taten folgen.

Gruß, Elli

Inaktiver User
19.10.2009, 17:23
Aber viele, die die Abtreibung vehement(!) ablehnen, lassen später die Frauen mit den Kindern hängen: vorher wird groß von der Bedeutung ungeborenen Lebens geschwafelt, wenn es denn geboren ist, steht die Frau alleine da. Auf diese doppelte Moral kann ich verzichten. Das ist ein heiles Weltbild, dem keine Taten folgen.

Zustimmung. Es gibt viele ungewollte + ungeliebte Kinder (siehe Familienforum)

Mir ist einmal ein besonderer Fall von "Frauensolidarität" begegnet von einer Frau, die ihr Kind eigentlich abtreiben wollte und auf Drängen von lieben Freundinnen es sich dann anders überlegt hat und das Kind bekam. Leider kam sie dann mit dieser Verantwortung nicht so recht klar, wie sie mir unter vier Augen einmal gestand. Umso mehr verwunderte es mich, als sie einer ungewollt Schwangeren unbedingt von einem Abbruch abriet. Als ich sie auf diesen Widerspruch ansprach meinte sie doch glatt: "Ach' weißt Du, ich MUSS da nun durch und mich freut es einfach, dass andere dann auch ihre Probleme haben werden. Mich fragt ja auch niemand, wie ich mich fühle."

Sicher ist eine solche Aussage eher eine Ausnahme, nicht die Regel, aber auch solche Frauen gibt es, wie man sieht.

Was mich an einigen Abtreibungsgegnern ebenfalls stört, ist die Aussage, dass Frau noch lange darunter zu leiden hat und es oft so klingt, als ob mit dieser Abtreibung spätere Schwangerschaften nicht mehr möglich sind bzw. problematisch verlaufen könnten. Was soll dieser Schwachsinn ? Ich selbst bin das beste Beispiel, dass sowohl Schwangerschaftsabbruch und 2 Geburten einige Jahre später völlig unproblematisch verlaufen sind.

marilyn-74
19.10.2009, 17:38
Was mich an einigen Abtreibungsbefürwortern ebenfalls stört, ist die Aussage, dass Frau noch lange darunter zu leiden hat und es oft so klingt, als ob mit dieser Abtreibung spätere Schwangerschaften nicht mehr möglich sind bzw. problematisch verlaufen könnten. Was soll dieser Schwachsinn ? Ich selbst bin das beste Beispiel, dass sowohl Schwangerschaftsabbruch und 2 Geburten einige Jahre später völlig unproblematisch verlaufen sind.

Du meinst Abtreibungsgegner, oder? :smirksmile: Die Aussage, dass viele Frauen noch lange zumindest seelisch darunter leiden, ist aber ja nicht unwahr. Ich habe jetzt ja gerade selber erst gemerkt, dass da bei mir eine seelische Narbe geblieben ist, die hin und wieder noch schmerzen kann, auch wenn das ganze schon 17 Jahre her ist und ich alles in allem die Entscheidung gegen das Kind bis heute für richtig halte. Und ich kenne eben auch einige Frauen, die das ganze alles andere als gut verarbeitet haben, genauso wie ich diejenigen kenne, die gut mit der Entscheidung leben konnten. Was für mich aber stimmt: das Leben verändert sich durch eine solche Entscheidung, es wird nicht mehr dasselbe sein wie vorher.

Wo ich dir vorbehaltlos zustimme: in aller Regel ist ein Abbruch für den Körper gut zu verkraften und hindert einen nicht, später noch schwanger zu werden und gesunde Kinder zu bekommen. Ein gewisses Risiko ist natürlich bei jedem Eingriff dabei, aber letztendlich hat ja auch die Legalisierung des Abbruchs dazu geführt, dass solche Eingriffe heute von erfahrenen Medizinern unter guten medizinischen Bedingungen vorgenommen werden und nicht mehr durch Engelmacher in Hinterhöfen oder gar durch Selbstmanipulation mit der berüchtigten Stricknadeln. Ein Abbruch stellt daher eben normalerweise kein Risiko mehr für Leib und Leben der Frau dar und das ist auch eine Errungenschaft, die man nicht vergessen sollte.

Inaktiver User
19.10.2009, 17:43
Mir ist einmal ein besonderer Fall von "Frauensolidarität" begegnet von einer Frau, die ihr Kind eigentlich abtreiben wollte und auf Drängen von lieben Freundinnen es sich dann anders überlegt hat und das Kind bekam. Leider kam sie dann mit dieser Verantwortung nicht so recht klar, wie sie mir unter vier Augen einmal gestand. Umso mehr verwunderte es mich, als sie einer ungewollt Schwangeren unbedingt von einem Abbruch abriet. Als ich sie auf diesen Widerspruch ansprach meinte sie doch glatt: "Ach' weißt Du, ich MUSS da nun durch und mich freut es einfach, dass andere dann auch ihre Probleme haben werden. Mich fragt ja auch niemand, wie ich mich fühle."


Das kann ich mir gut vorstellen, wird nicht mal so selten sein.
Dass da so "geraten" wird, wie man es selber gerne gehabt hätte, auch nicht wollte, was weiss ich. Bewusst oder unterbewusst....

lavender_home
19.10.2009, 23:00
Ich habe lange überlegt, ob ich hier schreiben soll.

Ich war in meinem Leben insgesamt 5 mal schwanger. Ich hatte 2 Schwangerschaftsabbrüche, eine Fehlgeburt und habe 2 Kinder.

Mein Wunsch war immer eine große Familie zu haben – vielleicht weil ich selber Einzelkind bin.

Als ich das erste Mal schwanger wurde (mit 32) hat mein damaliger Lebenspartner die Flucht ergriffen, weil er sich (mit 33) nicht reif für ein Kind fühlte. Es war keine einfache Entscheidung für das Kind – und die Zeit nachdem mein Kind geboren wurde, war auch kein Zuckerschlecken. Sie war geprägt von massiver Überforderung, wenn auch nicht finanzieller Art. Der Vater hat sich schlicht und ergreifend gar nicht gekümmert. Oma und Opas waren zu weit entfernt. Ich war völlig auf mich allein gestellt.

Ich bin in dieser Zeit sehr abgemagert (bei einer Größe von 1,72 auf knapp unter 50kg) – ich habe sehr unregelmäßig gegessen. Lernte aber nach 10 Monaten einen anderen Mann kennen. Meine Periode hatte ich (wohl durch Stillen und Gewichtsverlust bedingt) gar nicht mehr.

Ich bin trotz Verhütung in dieser Zeit (ohne Periode 14 Monate nach der Entbindung) wieder schwanger geworden. Mein neuer Freund wollte wie sein Vorgänger, nichts von einem Kind wissen. Es erfolgte der erste Schwangerschaftsabbruch.

3 Jahre später lernte ich einen anderen Mann kennen. Ich wurde wieder schwanger und mein 2. Kind kam zur Welt (da war ich 37).

Obwohl ich gerne weitere Kinder gehabt hätte, führten wirtschaftliche Schwierigkeiten dazu diesen Wunsch zunächst aufzuschieben. Mit 41 jedoch wollten mein Mann und ich noch ein weiteres Kind. Ich wurde sehr schnell wieder schwanger. Die Schwangerschaft endete in der 12. Woche mit einer Fehlgeburt, was mich in eine tiefe seelische Krise mit massiven Depressionen führte.

Ein Jahr später war ich (mittlerweile 42) wieder schwanger. Die 12. Woche (die ich so sehr fürchtete) war vorbei. Im Rahmen der Pränataldiagnostik stellte sich heraus, dass falls mein Kind überhaupt lebend zur Welt kommen sollte, es massive geistige und körperliche Behinderungen haben würde. Wir haben in den darauffolgenden 2 Wochen die Hölle auf Erde erlebt.

Und uns zu einem Spätabbruch entschieden. Unser Kind ist in der 17. SSW tot zur Welt gekommen und wir haben es einige Wochen später beerdigt.

Ich bin mit mir im Reinen, was meine Schwangerschaftsabbrüche anbelangt. Sie fanden in Situationen statt, die keine anderen Entscheidungen zuließen. Als ich mich gegen die Geburt meines Kindes mit 42 entschied, habe ich das mit meinem Mann im Interesse meiner lebenden Kinder getan, die auch eine Mutter brauchen.

Traurig bin ich trotzdem. Und ich wünschte mir, ich hätte diese Erfahrung nicht machen müssen.

Inaktiver User
20.10.2009, 08:19
@ Lavender: :wangenkuss: :blumengabe:





Ich finde die Beratungslösung gut. Da kann jede Frau in Ruhe nachdenken. Und findet vielleicht Möglichkeiten, die in der Panik nicht gefunden wurden.



Ich finde die Beratungsregelung eigtl nicht gut.
Klar soll jede Frau, die will, Beratung bekommen. Unbedingt.
Einen Zwang zur Beratung empfinge ich aber als bevormundend und dadurch letztlich frauenverachtend.

marilyn-74
20.10.2009, 08:30
Lavender :in den arm nehmen:

Inaktiver User
20.10.2009, 09:26
@ Lavender: :wangenkuss: :blumengabe:

Ich finde die Beratungsregelung eigtl nicht gut.
Klar soll jede Frau, die will, Beratung bekommen. Unbedingt.
Einen Zwang zur Beratung empfinge ich aber als bevormundend und dadurch letztlich frauenverachtend.

Den Wünschen für Lavender schließ ich mich an, dem Rest nicht!:smirksmile:

Ich bin nicht gegen Abtreibung. Aber die Beratung finde ich sehr sinnvoll. Zum einen kann es Frauen, gerade wenn der finanzielle Gesichtspunkt im Vordergrund steht, noch mal ganz neue Horizonte öffnen. Und das finde ich wichtig.

Außerdem sollte so eine Entscheidung nicht übers Knie gebrochen werden. Ein bißchen Bedenkzeit sollte schon drin sein.

Und dann gibt es noch alle möglichen Szenarien:
junge Frauen (unte 18) bei denen die Eltern den Abbruch möchten, können durch die Beratung ohne Eltern vll. nochmal ganz andere Hilfen bekommen.

Mal so als Beispiel.

Alles Punkte, bei denen ich eine Beratung sehr hilfreich finde.

Inaktiver User
20.10.2009, 09:31
Und du meinst, Frauen sind so "minderbemittelt", dass sie das nicht selbst rauskriegen können? Die Beratungsstellen könnten doch so bestehen bleiben und jede Frau wüsste, da gibt´s was.

Meinetwegen Zwang zur Beratung bei U-18. Aber doch nicht bei erwachsenen Frauen.

Inaktiver User
20.10.2009, 09:39
Ich würde erstmal grundsätzlich keine Frau als minderbemittelt bezeichnen.

Ich denke aber, es gibt Frauen, denen fehlen finanzielle Mittel. Und nicht jede Frau holt sich selber Hilfe. Und nicht jede Frau kann es zu jedem Zeitpunkt in ihrem Leben!

Wenn man stark ist und gesund, dann kann man fast alles alleine regeln. Aber es gibt auch andere Menschen. Und die brauchen Hilfe und keine Abwertung.

Und nicht jede weiß, welche Möglichkeiten es gibt.


Und auch wenn jemand gefestigt ist und reflektiert, so weiß ich nicht, was an einer Beratung so schlimm sein soll. Es gibt ja auch unterschiedliche Beratungsstellen. Frau muss ja nicht zu einer katholischen gehen.

Wenn frau sich sicher ist, dann kann sie doch ihre Meinung vertreten und bekommt den Schein. So what?!

Tabea
20.10.2009, 09:42
Ich stimme finja da zu.

Ich hatte mal eine Bekannte, bei der ersetzte ein Schwangerschaftsabbruch quasi die Verhütung.

Tabea

marilyn-74
20.10.2009, 09:44
Und du meinst, Frauen sind so "minderbemittelt", sich das nicht selbst rauskriegen können? Die Beratungsstellen könnten doch so bestehen bleiben und jede Frau wüsste, da gibt´s was.

Meinetwegen Zwang zur Beratung bei U-18. Aber doch nicht bei erwachsenen Frauen.
Bei den Spätabtreibungen besteht dieser Zwang nicht und auch die Wartefrist zwischen Beratung und Eingriff nicht. Und das wird auch von einigen Frauen, die in dieser Situation waren, bemängelt, dass man einfach keine vernünftige Aufklärung bekommt, sondern förmlich in diese Entscheidung gedrängt wird. Und die Gefahr, in eine Entscheidung von außen (durch den Partner, durch die Familie etc.) gedrängt zu werden, sehe ich auch in den Notsituationen bis zu 12. Woche. Man ist da auch einfach emotional konfus und wenn man sich nie mit diesem Thema vorher befasst hat, weiß man vielleicht auch nicht sofort, wo man sich hinwenden kann. Das ist eine Ausnahmesituation auch für erwachsene Frauen und eine Entscheidung, die man nicht einfach so aus dem Bauch heraus treffen sollte. Insofern finde ich die Beratungspflicht schonn ganz gut, auch wenn die bei Frauen, die sich bereits entschieden haben, eher überflüssig ist. Aber die meisten brauchen ja auch eine Weile, bis sie wirklich eine für sich gute Entscheidung gefunden haben.

marilyn-74
20.10.2009, 09:45
Ich stimme finja da zu.

Ich hatte mal eine Bekannte, bei der ersetzte ein Schwangerschaftsabbruch quasi die Verhütung.

Tabea
Ich lass mal dahin gestellt, ob jemand, der so fahrlässig mit seinem Körper und auch seiner eigenen Seele umgeht, wirklich geeignet ist, ein Kind grosszuziehen. :knatsch: Aber abgesehen davon, ist das wohl auch eher die Ausnahme, ich hab solche Frauen lange für eine "urban legend" gehalten.

Tabea
20.10.2009, 09:50
Ich lass mal dahin gestellt, ob jemand, der so fahrlässig mit seinem Körper und auch seiner eigenen Seele umgeht, wirklich geeignet ist, ein Kind grosszuziehen. :knatsch: Aber abgesehen davon, ist das wohl auch eher die Ausnahme, ich hab solche Frauen lange für eine "urban legend" gehalten.Nein, um Himmelswillen - in dem Fall hielt ich Beratung deshalb für gut, weil man ihr hoffentlich klargemacht hat, dass es bessere Verhütungsmethoden gibt!

Tabea

HansDampf
20.10.2009, 09:53
@ Lavender: :wangenkuss: :blumengabe:






Ich finde die Beratungsregelung eigtl nicht gut.
Klar soll jede Frau, die will, Beratung bekommen. Unbedingt.
Einen Zwang zur Beratung empfinge ich aber als bevormundend und dadurch letztlich frauenverachtend.

Ich finde den Zwang an sich nicht frauenverachtend, da die Beratung ja entscheidungsoffen ist. Sie gibt der Frau die Möglichkeit, sich vorgefassten Meinungen Dritter (potentieller Vater, Familie, Umfeld) und den Druck, den diese ausüben können, zu entziehen. Gerade auch für Frauen aus stark religiösen Elternhäusern kann das helfen, denn meist ist hier die Entscheidung gegen die Abtreibung auch eine Entscheidung für die Ehe mit einen eventuell nicht geliebten Mann.

Damit eine Frau frei entscheiden kann, benötigt sie auch den Rahmen dazu. Beratung stellt diesen Rahmen zumindest rudimentär sicher.

Gruß
Hans

Inaktiver User
20.10.2009, 10:11
Und dann gibt es noch alle möglichen Szenarien:
junge Frauen (unte 18) bei denen die Eltern den Abbruch möchten, können durch die Beratung ohne Eltern vll. nochmal ganz andere Hilfen bekommen.

Mal so als Beispiel.

Alles Punkte, bei denen ich eine Beratung sehr hilfreich finde.

In diesem Zuge finde ich das Gegenbeispiel genauso wichtig, selbst wenn es jetzt kleinlich erscheinen mag:

Junge Frauen, die sich in der Phase der Adoleszenz mit allen ihren Begleiterscheinungen befinden und die kann von Frau zu Frau sehr unterschiedlich sein, in Schule, Studium, abhängig wie auch immer oder unabhängig, aber noch nicht gefestigt, bei denen die Eltern auf Nichtabbruch bestehen, können durch die Beratung ohne Eltern vll. nochmal ganz andere Hilfe bekommen.

Irgendwo müsste jetzt noch u.U. der dazugehörige Mann untergebracht werden ... ist schwierig und ein ambivalentes Thema ...

Dass in diesem Zuge über effektive Verhütungsmöglichkeiten gesprochen wird, finde ich gut.


Ach, HansDampf,

jetzt sehe ich gerade, dass Du das genauer ausgedrückt hast!

Dann ist noch etwas: Ob nun unabhängige Beratungsfachkraft oder eigene Eltern, es liegt, wie das Beispiel von Sommerwind777 in #36 schildert, nicht immer in der Natur von uns Menschen für andere Menschen oder unseren Nachwuchs das Beste zu wollen. Erstens, weil wir oft gar nicht wissen, was das Beste ist, zweitens, weil sich die Bedingungen ändern und das Beste ist nicht mehr das Beste, drittens, weil dieser junge Mensch uns dann überflügeln könnte.

Solche Überlegungsansätze habe ich selbst bei mir schon gehabt, meinen eigenen Kindern gegenüber. Da können Schatten aus der Vergangenheit in der Beratungsperson hervorkriechen und den Blick vernebeln. Ich meine, das ist ebenso wichtig zu wissen, dass solche Mechanismen in mir auftreten können.

Durch Beratungsverhalten kann ich nämlich unerwünschte gefühlte Konkurrenz auf der Lebensrennstrecke ausschalten und meinen Nachwuchs/FreundInnen/beratete Personen gezielt daran versuchen zu hindern, dass er mich überflügelt.

Inaktiver User
20.10.2009, 10:32
Trotz allem: Mir ist dieser Zwang, der einem Mensch aufgedrückt wird, weil etwas mit seinem Körper passiert (ist), zu fremdbestimmt.

Nur weil ich eine Frau geworden bin, und somit jene Fortpflanzungsorgane habe, dass das Kind in meinem Körper heranwächst, gelten für mich besondere Regeln/Vorschriften.

Ich glaube, da bin ich ganz bei den Alt-Feministinnen: Mein Bauch/mein Körper gehört mir. :-)

Inaktiver User
20.10.2009, 10:35
Auf jeden Fall finde ich diesen Ansatz völlig verständlich!!!

Halbnomadin
20.10.2009, 12:11
Moin.

In dem Moment, wo ein Embryo im Bauch sitzt, gehört dieser Bauch eben nicht mehr der Frau alleine. Die Beratungspflicht gibt es ja auch deswegen, weil frau bei der Entscheidung, ob sie ein Kind austrägt oder abtreibt, nicht nur über ihren eigenen Körper und ihre Biographie, sondern auch über das Leben eines anderen Menschen entscheidet. Die Rechte des Einzelnen enden da, wo die des Nächsten beginnen - dass hier eine neutrale Instanz mit draufguckt, wie die Schwierigkeiten noch zu lösen wären, finde ich als Rechtsgrundsatz absolut richtig.

Aber zurück zum Thema Tabu:
mir erzählt bislang keine Frau von einer Abtreibung. Das kann daran liegen, dass unser Freundeskreis weiß, dass wir in Kinderwunschbehandlung sind. Vielleicht will man mir nicht von ungewollten Schwangerschaften erzählen - dann wäre das ein soziales Tabu, weil man nicht taktlos sein möchte.

Lieben Gruß - Halbnomadin

HansDampf
20.10.2009, 12:51
Trotz allem: Mir ist dieser Zwang, der einem Mensch aufgedrückt wird, weil etwas mit seinem Körper passiert (ist), zu fremdbestimmt.

Nur weil ich eine Frau geworden bin, und somit jene Fortpflanzungsorgane habe, dass das Kind in meinem Körper heranwächst, gelten für mich besondere Regeln/Vorschriften.

Ich glaube, da bin ich ganz bei den Alt-Feministinnen: Mein Bauch/mein Körper gehört mir. :-)
Spezifische Regeln qua Geschlecht gelten auch für andere. Ich erinnere nur an die für Männer in Deutschland obligatorische Wehrpflicht.

Ziel der Beratung ist es sicher auch, die anderen Beteiligten (Kindsvater, Eltern der Frau) in die Beratung auf kontrollierte Weise einzubinden.

Und der Stassenverkehrsordnung unterwerfen wir uns auch, da wir die Regeln (meist) als sinnvoll ansehen.

:blumengabe:

Hans

kupferkanne
20.10.2009, 17:33
Trotz allem: Mir ist dieser Zwang, der einem Mensch aufgedrückt wird, weil etwas mit seinem Körper passiert (ist), zu fremdbestimmt.

Nur weil ich eine Frau geworden bin, und somit jene Fortpflanzungsorgane habe, dass das Kind in meinem Körper heranwächst, gelten für mich besondere Regeln/Vorschriften.

Ich glaube, da bin ich ganz bei den Alt-Feministinnen: Mein Bauch/mein Körper gehört mir. :-)

...und dein Kind in deinem Bauch hat keine Rechte??? :ooooh:

kuscheltigerin84
20.10.2009, 19:05
Im Endeffekt muss das jede Frau in dieser Situation für sich selbst entscheiden, es liegt mir grundsätzlich fern, andere Menschen zu verurteilen.
Eine Beratung muss dennoch sein, denn man trifft nun mal im Leben übereilte Entscheidungen, die man nicht mehr rückgängig machen kann und die man bitter bereut und es emotional sehr schwer fällt, damit weiterzuleben.
Als ich mich mal genauer über das Thema Abtreibung informiert habe, Bilder gesehen habe und gelesen habe, was da eigentlich gemacht wird, habe ich angefangen zu weinen - ich konnte nicht anders!
Für mich steht fest, dass so etwas überhaupt keine Alternative wäre. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass ich in naher Zukunft gerne ein Kind haben möchte. Doch wenn ich jetzt genauer darüber nachdenke, wäre das auch im Teenager-Alter für mich nicht in Frage gekommen.
Vielleicht ist das Thema in unserer Gesellschaft etwas tabuisiert - zumindest viel mehr als z.B. in der ehemaligen DDR. Bin mir noch nicht mal sicher, warum das so ist.
Genauso tabuisiert bzw. mit einem Rechtfertigungsdruck versehen ist aber meiner Ansicht auch mittlerweile das BEKOMMEN eines Kindes, wenn nicht perfekte Umstände gegeben sind und man auf jeden Fall über 30 ist! Da ist doch wohl auch was nicht richtig!?

Inaktiver User
20.10.2009, 21:48
Und du meinst, Frauen sind so "minderbemittelt", dass sie das nicht selbst rauskriegen können? Die Beratungsstellen könnten doch so bestehen bleiben und jede Frau wüsste, da gibt´s was.

Meinetwegen Zwang zur Beratung bei U-18. Aber doch nicht bei erwachsenen Frauen.

Bei allem Verständnis für deinen Kampf auf Selbstbestimmung für Frauen - Informationen über jegliche Art von Hilfe, Untesrtützung oder Finanzen kann Frau nie genug kriegen.

Das hat nix mit minderbemittelt zu tun - das hat was mit Zugnag zu Informationen zu tun.

Gut, wenn Frau über Informationen verfügt, in einer verzweifelten Lage imstande ist, um Hilfe zu suchen udn ihre rechtlichen Möglichkeiten kennt.

Und selbst erwachsene Frauen haben manchmal blinde Flecken, weil sie In Not sind.

Himmelarsch!

Inaktiver User
20.10.2009, 21:54
Ich kann Information auch nicht negativ sehen.

Anders wäre es, wenn die Beratung nicht ergebnisoffen wäre oder der Berater entscheiden würde, ob man den Schein kriegt oder nicht.

Ich hab eher gehört, dass eine zweifelnde Frau den Schein schneller hatte als ihr lieb war und ihr eher zur Abtreibung geraten wurde. Dass man eine Frau davon abhalten wollte in der Beratung hab ich noch nicht erzählt bekommen. Also glaub ich schon, dass das meist wirklich neutral abläuft und einfach verschiedene Aspekte beleuchtet.

Für ein Tabu halte ich es nicht, es ist halt nichts, womit man hausieren geht. Ist ja bei anderen Themen auch so, wer erzählt gerne, dass was schiefgelaufen ist?? Aber unter Freunden redet man schon drüber, ich weiß es von ein paar Frauen, obwohl ich da sehr kritisch dazu stehe.

Inaktiver User
20.10.2009, 23:25
Bei allem Verständnis für deinen Kampf auf Selbstbestimmung für Frauen - Informationen über jegliche Art von Hilfe, Untesrtützung oder Finanzen kann Frau nie genug kriegen.

Das hat nix mit minderbemittelt zu tun - das hat was mit Zugnag zu Informationen zu tun.

Gut, wenn Frau über Informationen verfügt, in einer verzweifelten Lage imstande ist, um Hilfe zu suchen udn ihre rechtlichen Möglichkeiten kennt.

Und selbst erwachsene Frauen haben manchmal blinde Flecken, weil sie In Not sind.

Himmelarsch!

Hallo Evemie, ich hatte das Wort "minderbemittelt" extra in Anführungszeichen gesetzt.

Nun, ich kann das, was Du schreibst, völlig nachvollziehen, das ist für mich einleuchtend. Einen Zwang zur Beratung kann ich daraus trotzdem nicht ableiten.

Aber gut, ich will mich jetzt nicht darauf versteifen - ich habe eben eher eine "abstrakte" Position, auch wenn ich den "konkreten" Nutzen schon sehen kann.


@ EWK: Das hätte ich jetzt nicht gedacht, dass so ein Schein schnell ausgestellt wird und dass bei einer Beratung sogar zur Abtreibung geraten wird.

marilyn-74
21.10.2009, 07:55
Ich war 2x bei einer solchen Konfliktberatung - bei der ersten war ich mir sicher, da hätte alles Reden nichts gebracht und deswegen habe ich da den Schein auch sehr schnell erhalten. Trotzdem hat die Beraterin mir die möglichen Hilfen aufgezählt. Bei der zweiten Beratung, in der ich mir eigentlich sehr sicher war, das Kind trotz widriger Umstände zu bekommen und mein damaliger Freund eher Druck gemacht hat, hat die Beraterin sich sehr viel Zeit genommen und meine Position deutlich gestärkt. Ich kann da eigentlich nur gutes berichten. Aber es hängt wahrscheinlich auch sehr von der Persönlichkeit der beratenden Person ab.

Taoline
21.10.2009, 08:56
Ich glaube, dieser "Zwang" zur Beratung ist auch dafür da, Frauen, die von ihrem Umfeld "unter Druck" gesetzt werden, die Möglichkeit zu geben, sich eigenständig zu entscheiden. Es gibt ja nicht nur selbstbewußte, eigenständige Frauen, sondern auch Frauen, die sich leicht beeinflussen lassen. Wenn dann nun der Lebenspartner, die Eltern, die Freunde alle sagen, wie willst du den jetzt ein Kind großziehen, das kannst du gar nicht, da fehlt das Geld, du bist nicht stark genug, was auch immer, - oder auch umgekehrt - lassen sie sich leicht in eine Entscheidung drängen, die vielleicht gar nicht ihre eigene ist. Diese Beratungspflicht ist doch gerade dafür da, dass auch solche Frauen alle Informationen bekommen, die sie brauchen.

Davon abgesehen, kann ich von meinem Beratungsgespräch auch nur das beste sagen. Ich wußte schon, dass ich das Kind bekommen will, wollte aber trotzdem wissen, welche Unterstützungsmöglichkeiten es für mich gibt. Meine Beraterin hat sich viel Zeit genommen, mir zugehört, meine Fragen beantwortet und mir viel Tipps gegeben.

FrauE
21.10.2009, 11:00
Zuerst mal: Ich selbst bin froh, dass ich so eine Entscheidung nie wirklich zu treffen hatte. Ich stelle es mir nicht besonders leicht vor.
Allerdings finde ich es schon immer zum Erbrechen, dass Politiker - und meistens natürlich Männer- darüber entscheiden, was Frauen dürfen und was nicht. Kein Mann auf dieser Welt weiß, wie das ist.
Die Entscheidung gehört alleine in die Hände der betroffenen Frau! Eventuell natürlich noch in die des Partners, wenn vorhanden. Mich befremdet auch die Debatte um das Ungeborene, welches Rechte hat. Erst mal kommt in meinen Augen die Frau, die mit allem Leben muss und ich kann die " Hätte sie besser aufgepast und ordentlich verhütet" Debatte nicht mehr hören! Selbst vergewaltigte Frauen müssen zur Beratung, wenn sie beim Gewaltakt schwanger wurden und - oh Schreck- das Kind nicht autragen wollen. Das stelle ich mir wirklich demütigend ohne Ende vor....

Wir leben hier in diesem Lande ( wie es woanders aussieht, weiß ich nicht) in einer immer noch unguten Situation, wie ich finde.
Erwartet weine Frau ein behindertes Kind, muss sie sich rechtfertigen, wenn sie nicht abbricht. Ging einer Freundin von mir so, die sich bei ihrer Ärztin beim dritten Kind weigerte eine Fruchtwasserpunktion machen zu lassen, weil sie sowieso ausgetragen hätte- egal was kommt. Ich bewundere solche Frauen, aber es gibt auch die andere Seite.
Nämlich:
Gibt es gerade in meinem Umfeld viele Frauen, die genau da die These vertreten, solche Kinder hätten gefälligst auch ein Recht zu leben.
Wie eine Mutter damit klar kommt, interessiert solch selbstgerechte Damen nicht. Ich habe mich bei einer Diskussion mal in die Nesseln gesetzt, weil ich ein behindertes Kind auf keinen Fall bekommen hätte. Gut, dass ich nicht gesteinigt wurde, aber ein paar Kontakte waren danach etwas unterkühlter.....
Wieder eine andere Frau ist an ihrem Abruch von Zwillingen nervlich zugrunde gegangen und kann sich in ihrer Familie nicht mehr aufhalten und in ihrem Beruf als Erzieherin nicht mehr arbeiten. Der Abbruch fand rein aus finanziellen Gründen statt, sie selbst kommt aus einer streng katholischen Familie mit vielen Geschwistern, was wahrscheinlich auch eine Rolle spielt....
Ich selbst dachte mit 17 nach geplatztem Kondom mal ich sei schwanger und war auch prompt mit der Periode überfällig. Kein tolles Gefühl. MEin ein Jahr älterer Freund hätte das auf keinen Fall mitgetragen und hatte sofort Abtreibung geschrieen. Zum Glück hatte sich das Thema erledigt. Als meine Eltern Jahre später davon erfuhren, meinte meine Mutter: Das hätten wir auch noch geschafft:knatsch:
Ausgerechnet dieser "liebensweten" Frau noch ein Kind zum quälen in die Hände zu geben, hätte gerade noch gefehlt....
Ich hätte ihr niemals was gesagt und den Abbruch alleine durchgemacht. Musste eine Freundin von mir damals auch. Eltern strikt katholisch hätten das niemal zugelassen und ihr die Hölle heiß gemacht. Die wissen bis heute nix davon.
Ich denke, es war, ist und bleibt ein Tabu. Empfehlenswert finde ich an dieser Stelle den Film " Das Haus der stummen Schreie" in dem Demi Moore eine Frau spielt, die bei einer illegalen Hinterhofabtreibung auf dem Küchentisch elend verrecken muss
( was einige Abtreibungsgegener bestimmt ganz toll gerecht finden ) und Cher als Abtreibungsärztin erschossen wird. ( Was bestimmt auch viel APplaus hervorruft)

Bin ganz Studentins Meinung: MEin Bauch (und überhaupt mein ganzer Körper) gehört mir und ich wäre mit die Erste, die hier schreit, wenn es wieder mal eine Kampagne wie im Stern geben würde.....

Grüße FrauE.

kupferkanne
21.10.2009, 11:40
Also wenn eine Frau schwanger ist und sie beschliesst, das sie eine Abtreibung möchte, dann ist das nichts weiter als die Entfernung eines "Zellklumpens"...

Wenn die selbe Frau einige Jahre später gewollt schwanger wird, freut sie sich über jedes Ultraschallbild ihres "Zellklumpens"??? Lässt sich genau ausmessen, wie groß das Kind schon ist, besorgt sich Literatur und kauft erste Strampelhosen??? Denkt über Vornamen nach und über die Qualität von Kindersitzen??

Schont sich körperlich und achtet auf ihre Ernährung??? Weil das Kind in ihrem Leib das Recht darauf hat???

Also wann hat ein ungeborenes Kind Rechte???

Inaktiver User
21.10.2009, 12:20
@Studentin:
der glasklare Vorteil der Beratungspflicht besteht darin, dass die Beratungsstellen eine einigermaßen sichere Finanzierung erhalten... (zynisch, ich weiß, ist aber so).

Meine Erfahrung bei profamilia: ich fand die Beratung sehr ergebnisoffen. Ich wurde zwar mit den Worten begrüßt "Sie sind hier, weil Sie sich für eine Abtreibung entschieden haben", was ich etwas unangemessen fand, da ich mir recht sicher war, das Kind behalten zu wollen. Das anschließende Gespräch tat aber sehr gut, die Bestärkung & Reflexion durch eine Unbeteiligte ist m.E. einfach immer vorteilhaft. Mein damaliger Ex-Freund & ich hätten im Anschluss die Möglichkeit einer Paartherapie gehabt, wir sind zwar (aus diversen Gründen) nur einmal hin, haben es aber trotzdem geschafft. :liebe:

Was die Rechtslage betrifft: Ich finde die Drei-Monats-Lösung des § 218a Abs. 1 gut (über die genaue Ausgestaltung - rechtswidrig, aber nicht strafbar, kann man streiten). Problematisch finde ich § 218a Abs. 2, der m.E. total an der Lebenswirklichkeit vorbeigeht. Hier müssen Schwangere, die sich ohnehin schon in einer emotional höchst schwierigen Lage befinden, im Prinzip vorspiegeln, sie kämen auf keinen Fall ohne schwerwiegende psychische Probleme mit der Geburt eines behinderten Kindes zurecht. Gleichzeitig wird von den Ärzten der Eindruck vermittelt (ob dies den Tatsachen entspricht, weiß ich nicht), dass bspw. ungeborene Kinder mit Down Syndrom zu 99% auch im späten Schwangerschaftsstadium abgetrieben werden. Dadurch wird definitiv sozialer Druck aufgebaut.

@lavender_home:
:blumengabe:bin selbst traurig geworden, beim Lesen Deines Posts. Danke, dass Du Deine Erfahrung geteilt hast, um noch einmal zu verdeutlichen, dass das Leben keine schwarz-weißen Entscheidungen bereithält. Ich wünsche Dir alles Gute und viel Kraft für Dich und Deine beiden Kinder.

Inaktiver User
21.10.2009, 12:27
@ EWK: Das hätte ich jetzt nicht gedacht, dass so ein Schein schnell ausgestellt wird und dass bei einer Beratung sogar zur Abtreibung geraten wird.

Also das ist sicher nicht grundsätzlich so, aber eine Freundin hat das so empfunden, dass die Beraterin meinte, ohne Ausbildung und stabile Partnerschaft und ohne Rückhalt der Eltern wär das doch sehr schwer - ja, das wußte sie schon vorher... :knatsch: Direkt zur Abtreibung geraten hat sie wohl nicht, aber schon zu erkennen gegeben, dass sie das für "vernünftiger" halten würde.

Bei Behinderungen des Kindes hab ich aber schon den Eindruck, dass da mehr auf Abbruch gedrängt wird und wenig überlegt wird, was an Alternativen zur Verfügung stünde. Ich hab darüber viel gelesen und schau alles an, was zu dem Thema im Fernsehen kommt. Und da berichten viele Frauen, dass sie eigentlich gar nicht irgendwie zur Ruhe kommen konnten sondern gleich nach dem Diagnose-Schock in eine Entscheidung getrieben wurden, die eben meist Abbruch hieß.

Inaktiver User
21.10.2009, 12:29
Also wann hat ein ungeborenes Kind Rechte???

Rechte hat es bereits ab der Empfängnis, siehe § 218 Abs. 1 StGB:
Wer eine Schwangerschaft abbricht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. Handlungen, deren Wirkung vor Abschluß der Einnistung des befruchteten Eies in der Gebärmutter eintritt, gelten nicht als Schwangerschaftsabbruch im Sinne dieses Gesetzes.

(Satz 2 ist der Kupferspirale gedankt...)

Nur: die Mutter hat auch Rechte, die in bestimmten Fällen mit jenen des Kindes kollidieren. Eine solche Rechtekollision ist nichts ungewöhnliches, nur in diesem Fall eben höchst emotional besetzt. Den Ausgleich soll § 218a bewerkstelligen.

kupferkanne
21.10.2009, 12:50
Ich will es mal versuchen ohne irgendwem auf den Schlips zu treten:

Wenn ich mir sicher bin, keine Kinder haben zu wollen, muss ich verhüten, muss aber bei jedem Geschlechtsverkehr die Möglichkeit einer ungwollten Schwangerschaft in Betracht ziehen. Sollte ich trotz sorgfältigster Verhütung schwanger geworden sein, kann doch mein Argument nicht sein; " ich habe verhütet, bin trotzdem schwanger und lasse nun abtreiben"

Die Möglichkeit der Abtreibung ist die absolute Notlösung...

Ich wage zu sagen, dass es immer Möglichkeiten gibt...auf finanzieller Natur.

Was ist für mich die absolute Notlösung?

Wenn das Kind schwerbehindert ist, aus einer Vergewaltigung oder Inzucht stammt...

Ich musste mich in der zweiten Schwangerschaft notgedrungen damit befassen, man sagte mir mein Sohn habe Spina bifida...gleichzeitig öffnete sich der Muttermund in der 12. Woche. Man sagte mir, "es sieht so aus, als regelte ihr Körper das alleine"...trotzdem drängte ich auf einen Termin bei einem Neonatologen. Nach einer Woche Wartezeit bekam ich den nun endlich und siehe da: es war nix !
In einer aufwändigen Ultraschalluntersuchung auf einem riesigen bunten Bildschirm konnte er ein völlig gesundes Kind in der 13. SSW feststellen !!!

Mir wurde daraufhin der Muttermund mittels Cerclage verschlossen und ich habe heute ein tollen Sohn.

Ich finde, er hatte ein RECHT darauf, dass ich diese Untersuchung verlangt habe...

Wakanda
21.10.2009, 13:00
Also wenn eine Frau schwanger ist und sie beschliesst, das sie eine Abtreibung möchte, dann ist das nichts weiter als die Entfernung eines "Zellklumpens"...

Liebe Kupferkanne, wo liest du das?


Wenn die selbe Frau einige Jahre später gewollt schwanger wird, freut sie sich über jedes Ultraschallbild ihres "Zellklumpens"??? Lässt sich genau ausmessen, wie groß das Kind schon ist, besorgt sich Literatur und kauft erste Strampelhosen??? Denkt über Vornamen nach und über die Qualität von Kindersitzen??

Schont sich körperlich und achtet auf ihre Ernährung???

Ich verstehe nicht ganz, was du damit sagen willst? Oder verstehe ich es vielleicht doch und es soll heißen: wer sich einmal für einen Schwangerschaftsabbruch entscheidet, hat sich als Mutter auf immer und ewig disqualifiziert?

Inaktiver User
21.10.2009, 13:00
Kupferkanne,

diese Entscheidung mit dem entstandenen Zellklumpen kann noch tiefer erwogen werden. Genaugenommen ist es nämlich unsere menschlische Siegerstellung in der tierischen Gesellschaft, die uns über Leben und Tod von Tieren sehr nüchtern nach unseren praktischen Gesichtspunkten entscheiden lässt, in welchem Stadium des Entstehens, Lebens und Vergehens auch immer.

Wakanda
21.10.2009, 13:06
Wenn ich mir sicher bin, keine Kinder haben zu wollen, muss ich verhüten, muss aber bei jedem Geschlechtsverkehr die Möglichkeit einer ungwollten Schwangerschaft in Betracht ziehen. Sollte ich trotz sorgfältigster Verhütung schwanger geworden sein, kann doch mein Argument nicht sein; " ich habe verhütet, bin trotzdem schwanger und lasse nun abtreiben"

Auch das liebe Kupferkanne, kann ich aus keinem der bisherigen Postigs herauslesen.


Die Möglichkeit der Abtreibung ist die absolute Notlösung...

Da stimme ich dir vorbehaltlos zu - und ich habe hier auch bisher keine gegenteiligen Meinungen gelesen.


Was ist für mich die absolute Notlösung?

Wenn das Kind schwerbehindert ist, aus einer Vergewaltigung oder Inzucht stammt...

Auch da geht es in erster Linie um sehr persönliche Entscheidungen ... Bei dir hört es sich leider so an: wenn das Kind innerhalb der Kategorie a) gezeugt wurde - ist ein Abbruch unverzeilich. Stammt es jedoch aus Kategie b) ist ein Abbruch gerechtfertigt.

Ich sehe bei deinen Beiträgen das persönliche Umfeld und die Persönlichkeit und die Rahmenbedingungen der Schwangeren viel zu wenig berücksichtigt.

kupferkanne
21.10.2009, 13:23
...ich will mal so fragen:

Wenn ich einmal abgetrieben habe und dann irgendwann geplant schwanger werde, wie komme ich damit klar, dass ich meinem ersten Kind alles das nicht zukommen liess?

Kann ich meine Schwangerschaft dann geniessen, mit Freude Vorbereitungen treffen??

Ich würde doch immer daran denken müssen, dass ein Platz an meinem Tisch leer ist, der eigentlich besetzt sein sollte...

Und ich glaube, dass ein Abbruch auch bei einer schweren Erkrankung des Kindes kein einfacher Weg ist.

Aber ich finde es etwas einseitig, immer nur darauf zu gucken, ob die Bedingungen für die Mutter stimmig sind.

Ja, es gibt Frauen, die sind aufgrund ihrer Persönlichkeit nicht in der Lage Kinder zu erziehen und dennoch sage ich, es gibt Lösungen und Hilfen!!

Wakanda
21.10.2009, 13:33
...ich will mal so fragen:

Wenn ich einmal abgetrieben habe und dann irgendwann geplant schwanger werde, wie komme ich damit klar, dass ich meinem ersten Kind alles das nicht zukommen liess?

Kann ich meine Schwangerschaft dann geniessen, mit Freude Vorbereitungen treffen??

Ich würde doch immer daran denken müssen, dass ein Platz an meinem Tisch leer ist, der eigentlich besetzt sein sollte...

Du würdest dies unter den Bedingungen deiner Erfahrungen und deines Hintergrundes tun. ok. Das muss aber nicht zwangsläufig heißen, dass das auch für eine andere Frau gilt.


Aber ich finde es etwas einseitig, immer nur darauf zu gucken, ob die Bedingungen für die Mutter stimmig sind.

Das ist erst einmal für mich die Grundvoraussetzung.

schnarchstop
21.10.2009, 13:37
...ich will mal so fragen:

Wenn ich einmal abgetrieben habe und dann irgendwann geplant schwanger werde, wie komme ich damit klar, dass ich meinem ersten Kind alles das nicht zukommen liess?

Kann ich meine Schwangerschaft dann geniessen, mit Freude Vorbereitungen treffen??

Ich würde doch immer daran denken müssen, dass ein Platz an meinem Tisch leer ist, der eigentlich besetzt sein sollte...

:blumengabe:




Aber ich finde es etwas einseitig, immer nur darauf zu gucken, ob die Bedingungen für die Mutter stimmig sind.

Ja, es gibt Frauen, die sind aufgrund ihrer Persönlichkeit nicht in der Lage Kinder zu erziehen und dennoch sage ich, es gibt Lösungen und Hilfen!!


Diesen Frauen sollte man eine Adoption nahelegen oder auch die Babyklappe.

Connected2
21.10.2009, 13:40
Hallo!

Dass dieses Thema ein Tabu ist - ja, Studentin, da stimme ich Dir zu. Es ist ein Tabu - und die Konsequenz ist meine 2. Identität für die Bricom, weil ich nicht will, dass Freunde, die meinen 1. Nick kennen, lesen, dass ich vor etwas mehr als zwei Jahren abgetrieben habe.

Kurz zur Geschichte: Ich bin beim allerletzten Versuch, meine kaputte Beziehung zu retten, trotz Verhütung schwanger geworden. Ich habe die Schwangerschaft bemerkt, als die Periode ausblieb - da war ich aber schon im 3. Monat, in den beiden vorherigen "Zyklen" hatte ich noch ganz normal meine Periode bekommen.

Zu diesem Zeitpunkt war ich schon knapp 2 Monate getrennt - und mein Partner wollte mich zurück, was für mich aber einfach aus verschiedenen Gründen nicht mal ansatzweise eine Option war.

Schon mit dem positiven Schwangerschaftstest war mir klar, dass ich das Kind nicht will. Ich war nicht panisch, nicht nervös, nichts.
Ich war bei der Beratung, die sehr ergebnisoffen geführt wurde. Die Beraterin hat Fragen gestellt, auf die ich nicht gekommen wäre, hat mich auf alle Konsequenzen hingewiesen, hat mir Hilfsangebote genannt, die es für alleinerziehende Mütter gibt. Und aber auch den Schwangerschaftsabbruch und das weitere Vorgehen genau erläutert.

Der erste Kontakt mit einem Menschen, der Abtreibungen wirklich massiv verurteilt war beim Frauenarzt, als ich die Überweisung zu der Klinik braucht, für die ich mich entschieden hatte. Die Gynakologin redete bestimmt 20 Minuten auf mich ein, dass sie mich nicht als Mörderin beschimpft hat, war das Einzige.

Der Abbruch war problemlos - und ich weiß heute, 2 Jahre nach dem Abbruch, dass es die einzige, für mich richtige Entscheidung war.

Ich habe die Entscheidung rational und emotional getroffen.

Ich weiß, vielleicht steinigt man mich hier, aber für mich beginnt das Leben erst, wenn ein Kind auch ausserhalb des Mutterleibes überleben könnte.

Ich weiß nicht, wie es mir geht, wenn ich irgendwann wieder schwanger bin. Wie ich damit klar komme, dass ich abgetrieben habe. Aber Kupferkanne, nur weil ich abgetrieben habe, heisst das nicht, dass ich ein Kind nicht lieben kann - oder eine schlechte Mutter werde.

Studentin, beim Lesen Deiner Posts stellt sich mir die Frage: Hast Du schonmal so eine Entscheidung treffen müssen?

Abtreibungen waren ein Tabu - und werden es bleiben. Traurig, aber wahr.

schnarchstop
21.10.2009, 13:40
Du würdest dies unter den Bedingungen deiner Erfahrungen und deines Hintergrundes tun. ok. Das muss aber nicht zwangsläufig heißen, dass das auch für eine andere Frau gilt.

Was gilt denn für andere Frauen ?
Zumindest werden doch alle auf demselbe Wege schwanger.




Das ist erst einmal für mich die Grundvoraussetzung.

Wenn du nach den Befindlichkeitsstörungen vieler junger Damen gehst, dann sollten diese nie schwanger werden.

Manche nehmen sogar schon 1 Woche Krank-sein in Anspruch, bloss weil ihnen der Weisheitszahn gezogen wird.
:knatsch:

schnarchstop
21.10.2009, 13:44
Hallo!

Dass dieses Thema ein Tabu ist - ja, Studentin, da stimme ich Dir zu. Es ist ein Tabu - und die Konsequenz ist meine 2. Identität für die Bricom, weil ich nicht will, dass Freunde, die meinen 1. Nick kennen, lesen, dass ich vor etwas mehr als zwei Jahren abgetrieben habe.

Kurz zur Geschichte: Ich bin beim allerletzten Versuch, meine kaputte Beziehung zu retten, trotz Verhütung schwanger geworden. Ich habe die Schwangerschaft bemerkt, als die Periode ausblieb - da war ich aber schon im 3. Monat, in den beiden vorherigen "Zyklen" hatte ich noch ganz normal meine Periode bekommen.

Zu diesem Zeitpunkt war ich schon knapp 2 Monate getrennt - und mein Partner wollte mich zurück, was für mich aber einfach aus verschiedenen Gründen nicht mal ansatzweise eine Option war.
.


Wenn es so war, wie du beschreibst, dann steht die Frage im Raum, warum man KEIN Verständnis für deine Entscheidung haben sollte ?

Connected2
21.10.2009, 13:47
Tja, wahrscheinlich ist es so, dass es einfach Menschen gibt, die generell gegen Abtreibungen sind - und egal in welcher Situation sagen, dass man das Kind, wenn man es nicht will, ja dann zur Adoption freigeben kann. Oder?


Diesen Frauen sollte man eine Adoption nahelegen oder auch die Babyklappe.

kupferkanne
21.10.2009, 13:56
Hallo!

Dass dieses Thema ein Tabu ist - ja, Studentin, da stimme ich Dir zu. Es ist ein Tabu - und die Konsequenz ist meine 2. Identität für die Bricom, weil ich nicht will, dass Freunde, die meinen 1. Nick kennen, lesen, dass ich vor etwas mehr als zwei Jahren abgetrieben habe.

Kurz zur Geschichte: Ich bin beim allerletzten Versuch, meine kaputte Beziehung zu retten, trotz Verhütung schwanger geworden. Ich habe die Schwangerschaft bemerkt, als die Periode ausblieb - da war ich aber schon im 3. Monat, in den beiden vorherigen "Zyklen" hatte ich noch ganz normal meine Periode bekommen.

Zu diesem Zeitpunkt war ich schon knapp 2 Monate getrennt - und mein Partner wollte mich zurück, was für mich aber einfach aus verschiedenen Gründen nicht mal ansatzweise eine Option war.

Schon mit dem positiven Schwangerschaftstest war mir klar, dass ich das Kind nicht will. Ich war nicht panisch, nicht nervös, nichts.
Ich war bei der Beratung, die sehr ergebnisoffen geführt wurde. Die Beraterin hat Fragen gestellt, auf die ich nicht gekommen wäre, hat mich auf alle Konsequenzen hingewiesen, hat mir Hilfsangebote genannt, die es für alleinerziehende Mütter gibt. Und aber auch den Schwangerschaftsabbruch und das weitere Vorgehen genau erläutert.

Der erste Kontakt mit einem Menschen, der Abtreibungen wirklich massiv verurteilt war beim Frauenarzt, als ich die Überweisung zu der Klinik braucht, für die ich mich entschieden hatte. Die Gynakologin redete bestimmt 20 Minuten auf mich ein, dass sie mich nicht als Mörderin beschimpft hat, war das Einzige.

Der Abbruch war problemlos - und ich weiß heute, 2 Jahre nach dem Abbruch, dass es die einzige, für mich richtige Entscheidung war.

Ich habe die Entscheidung rational und emotional getroffen.

Ich weiß, vielleicht steinigt man mich hier, aber für mich beginnt das Leben erst, wenn ein Kind auch ausserhalb des Mutterleibes überleben könnte.

Ich weiß nicht, wie es mir geht, wenn ich irgendwann wieder schwanger bin. Wie ich damit klar komme, dass ich abgetrieben habe. Aber Kupferkanne, nur weil ich abgetrieben habe, heisst das nicht, dass ich ein Kind nicht lieben kann - oder eine schlechte Mutter werde.

Studentin, beim Lesen Deiner Posts stellt sich mir die Frage: Hast Du schonmal so eine Entscheidung treffen müssen?

Abtreibungen waren ein Tabu - und werden es bleiben. Traurig, aber wahr.


...das Leben beginnt für mich dort und spätestens dort, wo ich das Kind im Ultraschall sehe, sehe wie es sich bewegt und Kindesbewegungen spüre.

schnarchstop
21.10.2009, 14:11
Tja, wahrscheinlich ist es so, dass es einfach Menschen gibt, die generell gegen Abtreibungen sind - und egal in welcher Situation sagen, dass man das Kind, wenn man es nicht will, ja dann zur Adoption freigeben kann. Oder?


Ich bin gegen leichtfertige Abtreibung, vor allem, wenn Frau für später doch noch Kinder wünscht.

Da ist Kupferkannes Beschreibung, dass ein Platz am Tisch unbesetzt bleibt ... doch sehr zutreffend, poetisch und berührend.

marilyn-74
21.10.2009, 14:17
Also wenn eine Frau schwanger ist und sie beschliesst, das sie eine Abtreibung möchte, dann ist das nichts weiter als die Entfernung eines "Zellklumpens"...

Wenn die selbe Frau einige Jahre später gewollt schwanger wird, freut sie sich über jedes Ultraschallbild ihres "Zellklumpens"??? Lässt sich genau ausmessen, wie groß das Kind schon ist, besorgt sich Literatur und kauft erste Strampelhosen??? Denkt über Vornamen nach und über die Qualität von Kindersitzen??

Schont sich körperlich und achtet auf ihre Ernährung??? Weil das Kind in ihrem Leib das Recht darauf hat???

Also wann hat ein ungeborenes Kind Rechte???
Ich weiß, dass dein Beitrag zwar eher polemisch gemeint ist, aber kannst du dir wirklich nicht vorstellen, dass eine Schwangerschaft in einer Lebenssituation eine Katastrophe und in einer anderen ein Geschenk sein kann? Für mich war das so - mit 18 war es eine Katastrophe, die mich völlig überfordert, 11 Jahre später war es ein Geschenk, als ich mit meinem Wunschkind schwanger war. Und als reinen Zehllhaufen betrachtet das wohl keine Frau, denn sonst würde man sich keine Gedanken machen. Die allermeisten Frauen wägen ab und überlegen und kommen dann zu einer Entscheidung und haben wahrscheinlich durchaus auch die Option "austragen" gedanklich durchgespielt, auch wenn sie sich dann letztendlich gegen das Kind entscheiden. Und dadurch unterscheidet sich auch bei Frauen, die abtreiben, die Entscheidung gegen das Austragen einer Schwangerschaft von der Entfernung eins Zellhaufens wie einer Zyste. Da wäre so ein Abwägen doch überhaupt nicht notwendig. Auch Frauen, die das Recht auf ihren eigenen Körper deutlich über die Rechte des Embryos stellen, wissen, dass es sich nicht nur um einen Zellhaufen wie besagte Zyste handelt. Kupferkanne, kennst du Frauen, die abgetrieben haben? Hast du schon einmal eine Frau in diesem Entscheidungsprozess erlebt?

marilyn-74
21.10.2009, 14:21
Was ist für mich die absolute Notlösung?

Wenn das Kind schwerbehindert ist, aus einer Vergewaltigung oder Inzucht stammt...

Find ich äußerst inkonsequent - für dich beginnt schützenswertes Leben mit der Verschmelzung von Eizelle und Samen, so dass du theoretisch sogar die Verwendung der Spirale für dich ablehnen würdest, machst hier aber doch wieder recht willkürlich Abstriche. Wieso sollte ein schwerbehindertes Leben oder ein Kind, das aus einer Vergewaltigung stammt, weniger schützenswert sein? Weil du das emotional der Mutter nicht zumuten möchtest? Damit würdest du aber recht willkürlich festlegen, was für eine Frau zumutbar ist und was nicht.

marilyn-74
21.10.2009, 14:25
...ich will mal so fragen:

Wenn ich einmal abgetrieben habe und dann irgendwann geplant schwanger werde, wie komme ich damit klar, dass ich meinem ersten Kind alles das nicht zukommen liess?

Kann ich meine Schwangerschaft dann geniessen, mit Freude Vorbereitungen treffen??

Ich würde doch immer daran denken müssen, dass ein Platz an meinem Tisch leer ist, der eigentlich besetzt sein sollte...

Ja, kann ich und nein, ich denke nicht ständig daran - ich weiß ziemlich genau, dass die Mutter, die ich meinen Kindern heute sein kann, damals nicht hätte sein können. Ich wäre psychisch höchstwahrscheinlich komplett überfordert gewesen, ich war einfach zu unreif und zu jung, zuviele psychische Baustellen etc. Ich wäre einem Kind damals nicht gerecht geworden, gerade weil ich jetzt weiß, was Kinder einen auch an Kraft kosten können, kann ich das im Rückblick beurteilen.

Und ich möchte nur noch einmal daran erinnern: die Hälfte der Abbrüche jährlich wird von Frauen vorgenommen, die bereits Kinder haben. Meine beste Freundin ist so jemand: sie hatte bereits zwei Kinder, war nach dem zweiten Kind an Depressionen erkrankt und hat sich ein drittes Kind einfach nicht mehr zugetraut.

schnarchstop
21.10.2009, 14:32
Und ich möchte nur noch einmal daran erinnern: die Hälfte der Abbrüche jährlich wird von Frauen vorgenommen, die bereits Kinder haben. Meine beste Freundin ist so jemand: sie hatte bereits zwei Kinder, war nach dem zweiten Kind an Depressionen erkrankt und hat sich ein drittes Kind einfach nicht mehr zugetraut.

Mal eine ganz nüchterne Frage unbekannterweise:

warum durfte dieses Kind nicht bei anderen Eltern leben und glücklich werden ?

Es gibt soviele Menschen, die sich vergeblich ein Kind wünschen.

:wie?:

kupferkanne
21.10.2009, 14:37
Find ich äußerst inkonsequent - für dich beginnt schützenswertes Leben mit der Verschmelzung von Eizelle und Samen, so dass du theoretisch sogar die Verwendung der Spirale für dich ablehnen würdest, machst hier aber doch wieder recht willkürlich Abstriche. Wieso sollte ein schwerbehindertes Leben oder ein Kind, das aus einer Vergewaltigung stammt, weniger schützenswert sein? Weil du das emotional der Mutter nicht zumuten möchtest? Damit würdest du aber recht willkürlich festlegen, was für eine Frau zumutbar ist und was nicht.

Ja, ich kenne eine Frau die abgetrieben hat und heute nach 12 Jahren immernoch darunter leidet und den Tag der Abtreibung verwünscht. Heute erscheint ihr der Grund dafür lächerlich...sie wusste nicht, welcher der drei Herren mit denen sie intim war der Vater sein könnte, ihr damaliger Partner wollte das Kind nicht, nichtahnend, dass er 2 "Nebenbuhler" hatte.
Keiner der 3 Herren ist noch in ihrem Leben, aber das Kind vermisst sie heute noch...

Ja, auch ein Kind das aus einer Vergewaltigung stammt ist schützenswert- ohne Frage!
Hier aber sehe ich die Position der Mutter als eine andere, eine hilflosere und verzweifelte.

Ja, auch ein schwerbehindertes Kind ist schützenswert...unbedingt !

Aber es gibt Fälle in denen bedeutet "Schutz" aber auch, einem ungeborenen Menschen schweres Leid zu ersparen und die Schwangerschaft abzubrechen.
Damit meine ich weder Kinder mit Down-Syndrom oder mit fehlenden Gliedmaßen...

Wakanda
21.10.2009, 14:38
Was gilt denn für andere Frauen ?
Zumindest werden doch alle auf demselbe Wege schwanger.

Damit will ich sagen, dass es durchaus Situationen im Leben geben kann, die man nicht von der Geburt bis zum Sterbebett vorhersehen oder gar planen kann. Andere Menschen (Frauen), andere Gegebenheiten.

Und nein: es werden nicht ALLE auf demselben Weg schwanger.


Wenn du nach den Befindlichkeitsstörungen vieler junger Damen gehst, dann sollten diese nie schwanger werden.

Manche nehmen sogar schon 1 Woche Krank-sein in Anspruch, bloss weil ihnen der Weisheitszahn gezogen wird.
:knatsch:

Ich kenne eine ganze Menge "junger Damen". Die von dir beschriebenen Eigenschaften habe ich aber bisher nicht entdecken können.

marilyn-74
21.10.2009, 14:39
Mal eine ganz nüchterne Frage unbekannterweise:

warum durfte dieses Kind nicht bei anderen Eltern leben und glücklich werden ?

Es gibt soviele Menschen, die sich vergeblich ein Kind wünschen.

:wie?:

Schnarchstop, ich bin bei deiner vehementen Verteidigung gegen das Recht auf Abtreibung verwundert. Ich habe da von einem anderen Strang das etwas anders in Erinnerung, aber da Crossposting hier nicht erlaubt ist, muss ich da meine Verwunderung einfach so stehen lassen.

Glaubst du, dass eine Adoption für eine psychisch eh schon labile 18-jährige eine Option ist? Ich finde einfach, dass Adoption nicht als Alternative zur Abtreibung angesehen werden kann.

Ich finde dieses Posting einer Adoptivmutter dazu sehr gut.
http://bfriends.brigitte.de/foren/4212292-post457.html

marilyn-74
21.10.2009, 14:43
Ja, auch ein Kind das aus einer Vergewaltigung stammt ist schützenswert- ohne Frage!
Hier aber sehe ich die Position der Mutter als eine andere, eine hilflosere und verzweifelte.

Damit wertest du aber. Und letztendlich kann doch kein Außenstehender sagen, wie verzweifelt eine Frau wirklich ist. Es gibt ja auch durchaus Frauen, die sich auch nach einer Vergewaltigung für das Austragen einer Schwangerschaft entscheiden. Und du legst willkürlich fest, wann der Schutz der Mutter dann auf einmal doch über dem des Kindes steht. Das empfinde ich tatsächlich als Messen mit zweierlei Maß. Entweder ist das ungeborene Leben schützenswert auch gegen den Willen der Mutter, weil es sich bereits um Leben handelt oder nicht. Alles andere ist für mich eine willkürliche Trennlinie.

schnarchstop
21.10.2009, 14:46
Damit will ich sagen, dass es durchaus Situationen im Leben geben kann, die man nicht von der Geburt bis zum Sterbebett vorhersehen oder gar planen kann. Andere Menschen (Frauen), andere Gegebenheiten.

Das stimmt.
Ich glaube allerdings, dass es so mancher Frau leichter fallen würde, sich FÜR das Kind einzusetzen, wenn sie nicht die Qual der Wahl hätten.



Und nein: es werden nicht ALLE auf demselben Weg schwanger.

Meinst du Vergewaltigungen ?




Ich kenne eine ganze Menge "junger Damen". Die von dir beschriebenen Eigenschaften habe ich aber bisher nicht entdecken können.

Dann lebst du vielleicht auf einer Insel ?
:freches grinsen:

kupferkanne
21.10.2009, 14:47
...also eine Adoptionsfreigabe ist für die Mutter ein schwerer Schritt, schwerer als eine Abtreibung???

Nein, das sehe ich anders...eine Freigabe zur Adoption ist die Form der Liebe und Fürsorge, die eine Mutter geben kann, wenn sie völlig überfordert ist mit der Betreuung und Erziehung des Kindes !

Natürlich sind solche Frauen keine Lieferantinnen für frische Säuglinge !!!

Sondern sie suchen nach einer guten Lösung für sich UND das Kind...

kupferkanne
21.10.2009, 14:52
Damit wertest du aber. Und letztendlich kann doch kein Außenstehender sagen, wie verzweifelt eine Frau wirklich ist. Es gibt ja auch durchaus Frauen, die sich auch nach einer Vergewaltigung für das Austragen einer Schwangerschaft entscheiden. Und du legst willkürlich fest, wann der Schutz der Mutter dann auf einmal doch über dem des Kindes steht. Das empfinde ich tatsächlich als Messen mit zweierlei Maß. Entweder ist das ungeborene Leben schützenswert auch gegen den Willen der Mutter, weil es sich bereits um Leben handelt oder nicht. Alles andere ist für mich eine willkürliche Trennlinie.

...es gibt hier keine schwarz-weiß-Lösung.

Natürlich schreibe ich hier meine Gedanken zum Thema, die sind selbstverständlich nicht allgemeingültig.

Aber ich kann aus meinem Herzen keine Mördergrube machen...ich finde Schwangerschaftsabbruch ganz furchtbar.

Für mich persönlich wäre das eine Katastrophe...

Wakanda
21.10.2009, 14:55
Meinst du Vergewaltigungen ?

Nein, meine ich nicht.


Dann lebst du vielleicht auf einer Insel ? :freches grinsen:

Wenn du eine bundesdeutsche Großstadt mit mehr als 1 Mio Einwohner als Insel bezeichnen möchtest - ja, dann lebe ich auf einer Insel.

Aber ich finde diese Diskussionen gehen am Ausgangsthema vorbei. Nämlich sind Schwangerschaftsabbrüche tubuisiert?

schnarchstop
21.10.2009, 14:58
Schnarchstop, ich bin bei deiner vehementen Verteidigung gegen das Recht auf Abtreibung verwundert. Ich habe da von einem anderen Strang das etwas anders in Erinnerung, aber da Crossposting hier nicht erlaubt ist, muss ich da meine Verwunderung einfach so stehen lassen.

Seit wann verteidige ich per se die Abtreibung ?
Da muss ICH mich schon sehr wundern.
Zumal ich mich frage, warum du dir wiederum dieses Thema antust ?

:wie?:





Glaubst du, dass eine Adoption für eine psychisch eh schon labile 18-jährige eine Option ist? Ich finde einfach, dass Adoption nicht als Alternative zur Abtreibung angesehen werden kann.

Ich finde dieses Posting einer Adoptivmutter dazu sehr gut.
http://bfriends.brigitte.de/foren/4212292-post457.html


Ich bin da eben anderer Meinung. Mir gehen diese Egoismen heutzutage (!) auf die Nerven. Fast jeder hat doch irgendwelche Befindlichkeiten, weshalb er/sie dies und das nicht tun kann.

Aber grad, weil verschiedene Meinungen vertreten sind, wird hier diskutiert.

marilyn-74
21.10.2009, 15:00
@ schnarchstop

Ich nehme jetzt mal bewusst eine Abmahnung wegen Crossposting in Kauf, denn mich wundert deine vehemente Ablehnung von Schwangerschaftsabbrüchen hier doch sehr. Ich habe in besagtem Strang noch einmal deine Postings nachgelesen und besonders das hier passt überhaupt nicht mit der hier von dir vertretenen Meinung zusammen:
.... (verlinkung entfernt)

Sorry, da fällt es mir schwer, deine Ablehnung hier ernstzunehmen.

@ kupferkanne
Ja, ich stelle es mir sehr viel belastender vor, ein Kind auszutragen, es zu spüren, eine emotionale Bindung aufzubauen und es dann weggeben zu müssen, mich immer zu fragen, wo es ist und ob es ihm wirklich gut geht.

schnarchstop
21.10.2009, 15:01
Nein, meine ich nicht.

Und da du nicht sagen willst, was du meinst, können wir diesen Dialog beenden.




Wenn du eine bundesdeutsche Großstadt mit mehr als 1 Mio Einwohner als Insel bezeichnen möchtest - ja, dann lebe ich auf einer Insel.

Aber ich finde diese Diskussionen gehen am Ausgangsthema vorbei. Nämlich sind Schwangerschaftsabbrüche tubuisiert?


Dann treib doch ab, wenn du meinst es tun zu müssen.

schnarchstop
21.10.2009, 15:08
@ schnarchstop

Ich nehme jetzt mal bewusst eine Abmahnung wegen Crossposting in Kauf, denn mich wundert deine vehemente Ablehnung von Schwangerschaftsabbrüchen hier doch sehr. Ich habe in besagtem Strang noch einmal deine Postings nachgelesen und besonders das hier passt überhaupt nicht mit der hier von dir vertretenen Meinung zusammen:

Link entfernt

Sorry, da fällt es mir schwer, deine Ablehnung hier ernstzunehmen.

Grundsätzlich hoffe ich, dass niemand an meinen Lippen hängt und sein Leben davon abhängig macht.

Zu deinem Zitat, Beitrag 175, der restliche Strang ist mir bloss undeutlich in Erinnerung, kann ich sagen, dass ich die Position der Frau verteidigt habe und ich denke, dass ich ihr auch heute noch zureden würde, so zu handeln.
Es ging, glaube ich, um Beziehungsschwierigkeiten.
???

Inaktiver User
21.10.2009, 15:08
Gerade bei so einem sensiblen Thema sollte ihr auf eure Wortwahl achten, bitte!

kupferkanne
21.10.2009, 15:11
@ schnarchstop

Ich nehme jetzt mal bewusst eine Abmahnung wegen Crossposting in Kauf, denn mich wundert deine vehemente Ablehnung von Schwangerschaftsabbrüchen hier doch sehr. Ich habe in besagtem Strang noch einmal deine Postings nachgelesen und besonders das hier passt überhaupt nicht mit der hier von dir vertretenen Meinung zusammen:
.... (verlinkung entfernt)

Sorry, da fällt es mir schwer, deine Ablehnung hier ernstzunehmen.

@ kupferkanne
Ja, ich stelle es mir sehr viel belastender vor, ein Kind auszutragen, es zu spüren, eine emotionale Bindung aufzubauen und es dann weggeben zu müssen, mich immer zu fragen, wo es ist und ob es ihm wirklich gut geht.

...also ist eine Abtreibung für die Mutter einfacher, weil sie dem Kind dabei nicht ins Gesicht sehen muss ?

Weil sie schläft, während der Gyn ihr Kind aus der Gebärmutter holt???

marilyn-74
21.10.2009, 15:11
Grundsätzlich hoffe ich, dass niemand an meinen Lippen hängt und sein Leben davon abhängig macht, was hier geschrieben wird.

Zu deinem Zitat, Beitrag 175, der restliche Strang ist mir bloss undeutlich in Erinnerung, kann ich sagen, dass ich die Position der Frau verteidigt habe und ich denke, dass ich ihr auch heute noch zureden würde, so zu handeln.
Es ging, glaube ich, um Beziehungsschwierigkeiten.
???
Ne, ging es eben nicht. Es ging um eine Frau, die in einer Beziehungskrise schwanger war mit dem 3. Kind und die ihr Kind bekommen wollte auch gegen den Willen des Vaters. Und diese Entscheidung empfandest du als egoistisch und hast eben nicht ihre Position gestärkt, sondern befürwortest in diesem Fall eine Abtreibung. Und hier trittst du eindeutig eher als Abtreibungsgegnerin auf - das passt für mich eben nicht.

Und warum ich hier noch mitdiskutiere? Weil ich persönlich Betroffene bin vielleicht?

Inaktiver User
21.10.2009, 15:13
...also ist eine Abtreibung für die Mutter einfacher, weil sie dem Kind dabei nicht ins Gesicht sehen muss ?

Weil sie schläft, während der Gyn ihr Kind aus der Gebärmutter holt???

Das kann ich schon nachvollziehen.

Auch wenn ich gegen Abtreibung bin ist es für mich schon noch ein Unterschied zwischen dem kleinen Zellhäufchen und einem ausgetragenen Kind.

Ich denke, sich nach der Schwangerschaft und Geburt von dem fertigen kleinen Menschen zu verabschieden und die Verantwortung Fremden zu übertragen ist enorm schwer.

Inaktiver User
21.10.2009, 15:15
Und warum ich hier noch mitdiskutiere?

Wieso lecken sich Hunde die Eier? Weil sie es können.

Echt jetzt, ich glaub niemand muss begründen wieso er hier mitschreibt!!!!!

marilyn-74
21.10.2009, 15:15
...also ist eine Abtreibung für die Mutter einfacher, weil sie dem Kind dabei nicht ins Gesicht sehen muss ?

Weil sie schläft, während der Gyn ihr Kind aus der Gebärmutter holt???
Kupferkanne, wir kommen da nicht zusammen. Macht ja auch nichts - wenn das aber alles so einfach wäre, würde ich ja jetzt 17 Jahre nach diesem Ereignis hier nicht mitdiskutieren. Für mich war Adoption jedenfalls keine Option und das sehe ich noch deutlicher, wo ich selber schwanger war und ein Kind ausgetragen habe. Ich denke, auch für die anderen Frauen hier, die abgetrieben haben, wäre eine Adoption keine Option. Aber ich glaube, diesen emotionalen Unterschied ist jemandem, für den ein Schwangerschaftsabbruch keine Alternative ist, einfach schwer nachzuvollziehen. Da stösst man einfach gegenseitig an Grenzen.

kupferkanne
21.10.2009, 15:17
Das kann ich schon nachvollziehen.

Auch wenn ich gegen Abtreibung bin ist es für mich schon noch ein Unterschied zwischen dem kleinen Zellhäufchen und einem ausgetragenen Kind.

Ich denke, sich nach der Schwangerschaft und Geburt von dem fertigen kleinen Menschen zu verabschieden und die Verantwortung Fremden zu übertragen ist enorm schwer.

...da isser wieder, der Zellhaufen!

Es gibt Frauen, die sind in der 8. Woche und kaufen Strampelhosen !!!!!

Bisschen schwanger gibt es nicht...

marilyn-74
21.10.2009, 15:19
...da isser wieder, der Zellhaufen!

Es gibt Frauen, die sind in der 8. Woche und kaufen Strampelhosen !!!!!

Bisschen schwanger gibt es nicht...
Aber auch geplanten und gewünschten Kindern gibt es emotional einen Unterschied, ob man eine frühe Fehlgeburt in der 8. Woche hat oder eine stille Geburt beispielsweise in der 35. Woche.

schnarchstop
21.10.2009, 15:22
Ne, ging es eben nicht. Es ging um eine Frau, die in einer Beziehungskrise schwanger war mit dem 3. Kind und die ihr Kind bekommen wollte auch gegen den Willen des Vaters. Und diese Entscheidung empfandest du als egoistisch und hast eben nicht ihre Position gestärkt, sondern befürwortest in diesem Fall eine Abtreibung. Und hier trittst du eindeutig eher als Abtreibungsgegnerin auf - das passt für mich eben nicht.

Und warum ich hier noch mitdiskutiere? Weil ich persönlich Betroffene bin vielleicht?


Ich habe den Strang inzwischen gefunden.
Knackpunkt war doch, dass dieses Paar zwei Kinder hatte; das zweite war erst ein paar Monate jung und der Ehemann hatte schon bei diesem Kind Schwierigkeiten und wollte keine weiteren Kinder mehr.
Da wird die TE wiederum schwanger. Was tun ?

Austragen und zur Adoption freigeben war auszuschliessen.
Das dritte Kind war eine Gefahr für die Zukunft der Paar-Beziehung und damit für die gesamte Familie.
Deshalb fand ich, dass eine Abtreibung durchaus in Frage kommt (ich hätte sie jedenfalls gewählt).

schnarchstop
21.10.2009, 15:32
Kupferkanne, wir kommen da nicht zusammen. Macht ja auch nichts - wenn das aber alles so einfach wäre, würde ich ja jetzt 17 Jahre nach diesem Ereignis hier nicht mitdiskutieren. Für mich war Adoption jedenfalls keine Option und das sehe ich noch deutlicher, wo ich selber schwanger war und ein Kind ausgetragen habe. Ich denke, auch für die anderen Frauen hier, die abgetrieben haben, wäre eine Adoption keine Option. Aber ich glaube, diesen emotionalen Unterschied ist jemandem, für den ein Schwangerschaftsabbruch keine Alternative ist, einfach schwer nachzuvollziehen. Da stösst man einfach gegenseitig an Grenzen.


Du meinst wohl damit, dass die Fürsprecher eine Abtreibung für eine leichte Übung halten ?
Ich glaube nicht, dass jemand dies tut.

Manche Dinge sind Schicksal und fordern den Menschen in seiner ethischen Persönlichkeit heraus.

kupferkanne
21.10.2009, 15:33
Aber auch geplanten und gewünschten Kindern gibt es emotional einen Unterschied, ob man eine frühe Fehlgeburt in der 8. Woche hat oder eine stille Geburt beispielsweise in der 35. Woche.

Das ist wohl wahr...eine stille Geburt stelle ich mir entsetzlich vor...:weißekerze:

Für mich wäre es wichtig, dieses Kind beerdigen zu können...

Wakanda
21.10.2009, 15:34
Dann treib doch ab, wenn du meinst es tun zu müssen.

Entschuldigung, aber das finde ich anmaßend und ich bin kurz davor dies zu melden. Ich bin weder schwanger, noch habe ich das vor (ich bin Ende 40, da hat sich jede weitere Diskussion darüber erübrigt).

Könntest du dich ggf. etwas im Ton mäßigen?

Taoline
21.10.2009, 15:34
Ich glaube, das ist ein Thema, wo man nie einen Konsens finden wird auf den sich alle einigen können. Ich behaupte auch einfach mal, Frauen, die selbst nie in der Situation waren ungewollt schwanger zu sein, können auch nicht wirklich mitreden. Man kann eine Meinung zu dem Thema haben, aber wenn man dann selbst in der Situation ist, sieht die Welt oft ganz anders aus. Ich habe immer gesagt, ich kann mir eine Abtreibung nicht vorstellen und dann saß ich plötzlich doch im Beratungsgespräch. Ich habe mein Kind bekommen und habe diese Entscheidung auch nie bereut. Aber wenn ich mir vorstelle, ich hätte da zehn Jahre früher gesessen, mit 18, noch in der Schule, selbst noch gar nicht richtig erwachsen, ich weiß nicht, ob ich damals den Mut gehabt hätte.
Alle hier argumentieren doch natürlich aus ihren eigenen Erfahrungsschatz. Wenn ich in einer mehr oder weniger gefestigten Partnerschaft lebe, geregeltes Einkommen habe, schon immer eigentlich Kinder wollte, kann ich wahrscheinlich gar nicht nachvollziehen, wie es in einer Frau aussieht, die ungewollt schwanger ist und deren Lebenssituation so ganz anders ist als meine. Deswegen sollte man auch vorsichtiger sein mit Urteilen.

Wakanda
21.10.2009, 15:36
Ich denke, sich nach der Schwangerschaft und Geburt von dem fertigen kleinen Menschen zu verabschieden und die Verantwortung Fremden zu übertragen ist enorm schwer.

Wer einmal ein Kind zur Welt gebracht hat, wird das nur bestätigen. Danke :blumengabe:

kupferkanne
21.10.2009, 15:36
Ich habe den Strang inzwischen gefunden.
Knackpunkt war doch, dass dieses Paar zwei Kinder hatte; das zweite war erst ein paar Monate jung und der Ehemann hatte schon bei diesem Kind Schwierigkeiten und wollte keine weiteren Kinder mehr.
Da wird die TE wiederum schwanger. Was tun ?

Austragen und zur Adoption freigeben war auszuschliessen.
Das dritte Kind war eine Gefahr für die Zukunft der Paar-Beziehung und damit für die gesamte Familie.
Deshalb fand ich, dass eine Abtreibung durchaus in Frage kommt (ich hätte sie jedenfalls gewählt).

aha? das dritte Kind war eine Gefahr für die Beziehung und die Familie???

Die Gefahr besteht doch wohl eher darin, dass 2 erwachsene Menschen die kein weiteres Kind mehr wollen nicht verhüten können...

schnarchstop
21.10.2009, 15:39
aha? das dritte Kind war eine Gefahr für die Beziehung und die Familie???

Die Gefahr besteht doch wohl eher darin, dass 2 erwachsene Menschen die kein weiteres Kind mehr wollen nicht verhüten können...


Das wollte die TE aber gar nicht gerne lesen. :knatsch:

Ausserdem ist es müssig, darüber zu diskutieren. Denn das Kind WAR schon gezeugt.

schnarchstop
21.10.2009, 15:55
Alle hier argumentieren doch natürlich aus ihren eigenen Erfahrungsschatz. Wenn ich in einer mehr oder weniger gefestigten Partnerschaft lebe, geregeltes Einkommen habe, schon immer eigentlich Kinder wollte, kann ich wahrscheinlich gar nicht nachvollziehen, wie es in einer Frau aussieht, die ungewollt schwanger ist und deren Lebenssituation so ganz anders ist als meine. Deswegen sollte man auch vorsichtiger sein mit Urteilen.


Empfindest du es so, dass hier geurteilt wird ?

Ich meine, jeder versucht einen ethisch gehbaren Weg darzustellen.

Inaktiver User
21.10.2009, 16:31
...da isser wieder, der Zellhaufen!

Es gibt Frauen, die sind in der 8. Woche und kaufen Strampelhosen !!!!!

Bisschen schwanger gibt es nicht...

Für mich schon.

Wie gesagt, ich seh das als potentielles Leben und bin nicht für Abtreibung, aber ein geborenes Kind ist für mich was anderes als ein Embryo in der 6. Woche.

Für mich ist das auch keine Fehlgeburt, wenn da was schief geht, sondern ein Abgang. Das seh ich auch anders in der späteren Schwangerschaft.

Taoline
21.10.2009, 16:52
Empfindest du es so, dass hier geurteilt wird ?

Ich meine, jeder versucht einen ethisch gehbaren Weg darzustellen.

Nicht in dem Sinne: das ist richtig oder falsch. Aber wenn man sagt, in diesem Fall ist eine Abtreibung ok, in jenem Fall aber nicht, ist das schon eine Beurteilung. Es gibt aber keine pauschale Beurteilung, wann eine Abtreibung ok ist, und wann nicht. Ich kann mir z.B. nicht vorstellen, ein Kind, das aus einer Vergewaltigung vorgeht auszutragen. Ich weiß aber nicht, ob ich ein solches Kind wirklich nicht bekommen würde, wäre ich wirklich in dieser Situation.

schnarchstop
21.10.2009, 18:29
Nicht in dem Sinne: das ist richtig oder falsch. Aber wenn man sagt, in diesem Fall ist eine Abtreibung ok, in jenem Fall aber nicht, ist das schon eine Beurteilung. Es gibt aber keine pauschale Beurteilung, wann eine Abtreibung ok ist, und wann nicht. Ich kann mir z.B. nicht vorstellen, ein Kind, das aus einer Vergewaltigung vorgeht auszutragen. Ich weiß aber nicht, ob ich ein solches Kind wirklich nicht bekommen würde, wäre ich wirklich in dieser Situation.


Ja. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Als junge Frau hatte ich mir im Falle einer Schwangerschaft vorgestellt, nicht abzutreiben. Aber bei einer Vergewaltigung ... ?

Inaktiver User
21.10.2009, 19:36
Ich halte es schon für ein Tabu. Ich denke, deshalb ist es oft geraten es mit sich selbst auszumachen - auch im Nachhinein. Und das Selbstbewusstsein liebevoll zu pflegen.

Frau kann eigentlich nie wissen, wie ihr Gegenüber reagiert, selbst wenn sie ihn/sie schon lange kennt. Ich ziehe mal veranschaulichende Vergleiche aus eigener Erfahrung:

Es passiert mir manchmal, dass mir (schon vor der Wende im Westen) die Herkunft durchkuckt, z.B. wenn ich müde bin, kommt meint östlicher Dialekt durch. Oder kürzlich habe ich auf einer Geburtstagsgesellschaft in froher Laune erzählt, dass ich schon immer ehrenamtlich zugange war und beiläufig erwähnt "schon bei den Jungen Pionieren in der DDR". Plötzlich redet dann jemand, der sich gerade mit dir völlig normal unterhalten hat, bemüht in einfachem Deutsch, weil du in seinen Augen irgendwie aus der menschlischen Art geschlagen bist - obwohl er dich gerade noch für einen Menschen hielt. Da kommen dann auch seltsame Statements. Ohne dass das Thema auf meine Herkunft kommt. Das Thema bleibt dasselbe wie vorher. Dein Gegenüber setzt seinen IQ, EQ und was weiß ich plötzlich um 50 Prozentpunkte über deinen. Oft unbewusst. Oft guten Willens und fürsorglich. Du hast dir eine nicht wieder zurücknehmbare Blöße gegeben bzw. dein Gegenüber sieht es als eine.

Sogar einige, die mich schon lange kennen und durchaus schätzen, sind bei manchen Themen irritiert und halten mich in irgendeiner Weise für ??? genetisch oder was auch immer beeinträchtigt.
Manche sind natürlich unbeeinträchtigt davon. Aber oft gibt es ganz subtile Einfärbungen. 20 Jahre nach der Mauer.

So ähnlich ist es mit dem Erwähnen der Abtreibung. Wobei ich davon ausgehe und sogar weiß, dass es Bevölkerungsgruppen gibt, denen ich mich gegenüber mehr oder weniger bewusst oder gewollt ebenso gegenüber verhalte, eben klischeehart vorurteilsbehaftet und das ist sehr praktisch von mir ausgesehen, denn so kann ich mich aufwerten ohne einen Finger zu krümmen, nämlich indem ich mich über einen stelle - einfach, weil ich etwas von ihm weiß, was nicht der Norm entspricht.

Außerdem dürfte hier ebenso hin und wieder der bewährte Spruch gelten: "Die größten Kritiker der Elche waren früher selber welche."
.

lavender_home
21.10.2009, 20:51
Ich war bei beiden Schwangerschaftsabbrüchen in einer sehr schwierigen, persönlichen Krisensituation. Ich möchte das auch hier nicht im Detail näher erläutern. Es tut auch nichts zur Sache.

Ich hatte - insbesondere bei dem Verlust meines letzten Kindes - einige wenige gute Freunde, die auch wenn Sie eine andere Entsceidung wohl getroffen hätten - mir nach dem Tod meines Kindes sehr beigestanden haben.

Mein Kind zu beerdigen und zu wissen, ich kann jederzeit zu dem Grab gehen (was ich nur selten getan habe - ich habe andere Rituale) hat mir geholfen mit dem Schmerz umzugehen.

Ich denke nicht, dass die meisten Menschen verstehen können, warum ich diesen Weg gegangen bin. Das spielt auch für mich keine Rolle. Wichtig ist mir, dass ich es verantworten kann. Dass ich für mich persönlich weiß, dass es aller Trauer zum Trotz, für mich und meine Familie die richtige Entscheidung war. So sehr der Verlust auch schmerzt.

Ich werde mein Kind niemals vergessen. Ich bin auch heute noch traurig darüber, dass es niemals geboren wurde und ich wünsche nicht einmal meinem ärgsten Feind vor solch einer Entscheidung zu stehen.

Diese hin- und her Verurteilung in diesem Thread kann ich nur vor dem Hintergrund völliger Ahnungslosigkeit über "wie das Leben manchmal spielt - und manchmal spielt es übel mit dir" tolerieren und ansatzweise für mich persönlich akzeptieren.

Im Grunde finde ich einige Beiträge einfach taktlos.

Inaktiver User
21.10.2009, 20:57
Im Grunde finde ich einige Beiträge einfach taktlos.

Wie heißt es: manchmal muss man erst in den Schuhen eines anderen gelaufen sein, um seinen Weg nachempfinden zu können.

Vieles wird man anders beurteilen, wenn man eigene Erfahrungen gemacht hat. Manchen Menschen fehlt Empathie.

Andere überzeichnen, um ihre Position zu verdeutlichen.

Gerade bei so sensiblen Themen bin ich froh, wenn Sarkasmus, Ironie, Übertreibungen draußen bleiben.

Aber wie sagt mein Sohn immer so schön: :fluestertuete: du bist hier nicht der Bestimmer!!!!!:nudelholz:

Aber wünschen darf ich!:blumengabe:

EinMann44
23.10.2009, 06:13
...wenn man sex hat, besteht IMMER das "risiko" schwanger zu werden...das wissen wir ALLE ganz genau.

... wenn man wirklich nicht in der lage ist, ein kind zu bekommen, dann sollte man eher auf Sex verzichten!, es gibt immerhin ZAHLREICHE möglichkeiten den partner und sich selbst zu befriedigen, OHNE geschlechtsverkehr zu haben ....

viele sprechen als ob koitieren lebensnotwendig wäre... sie töten lieber ihre kinder als auf poppen zu verzichten ....

Brombeerkatze1
23.10.2009, 08:08
viele sprechen als ob koitieren lebensnotwendig wäre... sie töten lieber ihre kinder als auf poppen zu verzichten ..

Tja, da sind sie wieder, die angesprochenen Taktlosigkeiten...

Ich nehme an dass du , einMann, noch nie schwanger warst - hast du wenigstens die Beiträge hier gelesen? Warscheinlich auch nicht... ich finde deinen Kommentar angesichts des Beitrags der über deinem steht (ich spreche von Lavender) einfach nur unterirdisch.

Brombeerkatze

schnarchstop
23.10.2009, 08:21
Ich war bei beiden Schwangerschaftsabbrüchen in einer sehr schwierigen, persönlichen Krisensituation. Ich möchte das auch hier nicht im Detail näher erläutern. Es tut auch nichts zur Sache.
Ich hatte - insbesondere bei dem Verlust meines letzten Kindes - einige wenige gute Freunde, die auch wenn Sie eine andere Entsceidung wohl getroffen hätten - mir nach dem Tod meines Kindes sehr beigestanden haben.

Mein Kind zu beerdigen und zu wissen, ich kann jederzeit zu dem Grab gehen (was ich nur selten getan habe - ich habe andere Rituale) hat mir geholfen mit dem Schmerz umzugehen.

Ich denke nicht, dass die meisten Menschen verstehen können, warum ich diesen Weg gegangen bin. Das spielt auch für mich keine Rolle. Wichtig ist mir, dass ich es verantworten kann. Dass ich für mich persönlich weiß, dass es aller Trauer zum Trotz, für mich und meine Familie die richtige Entscheidung war. So sehr der Verlust auch schmerzt.

Warum erzählt du hier über Dich, wenn es Dir dann doch egal ist ?
:wie?:

Irgendwann muss man sich entscheiden und zwar in allen Dingen des Lebens.


Wahrscheinlich wäre es das Beste, man bzw. frau könnte gar nicht abtreiben, dann würden diese Schwierigkeiten nicht auftreten.




Ich werde mein Kind niemals vergessen. Ich bin auch heute noch traurig darüber, dass es niemals geboren wurde und ich wünsche nicht einmal meinem ärgsten Feind vor solch einer Entscheidung zu stehen.

Diese hin- und her Verurteilung in diesem Thread kann ich nur vor dem Hintergrund völliger Ahnungslosigkeit über "wie das Leben manchmal spielt - und manchmal spielt es übel mit dir" tolerieren und ansatzweise für mich persönlich akzeptieren.

Im Grunde finde ich einige Beiträge einfach taktlos.


Willst du also eine Diskussion zu diesem Thema, dass ich persönlich für existentiell halte, unterbinden ?

Ich vermute stark, dass sich die meisten hier in ihrer Wortwahl schon sehr zurückhalten, aber Friede-Freude-Eierkuchen kann man nun wirklich nicht erwarten.

Franca81
23.10.2009, 09:34
...wenn man sex hat, besteht IMMER das "risiko" schwanger zu werden...das wissen wir ALLE ganz genau.

... wenn man wirklich nicht in der lage ist, ein kind zu bekommen, dann sollte man eher auf Sex verzichten!, es gibt immerhin ZAHLREICHE möglichkeiten den partner und sich selbst zu befriedigen, OHNE geschlechtsverkehr zu haben ....

viele sprechen als ob koitieren lebensnotwendig wäre... sie töten lieber ihre kinder als auf poppen zu verzichten ....


Bis auf einige Nebenschläge fand ich die Diskussion hier wirklich sachlich und interessant. Diesen Post kann ich nicht unkommentiert lassen.

Ich bin, ehrlich gesagt, sprachlos.

Das ist derart unter der Grütellinie, was Du hier schreibst, derart unintelligent und nicht zur Diskussion passend, dass ich hoffe, dass Du Dich an deinen eigenen Blödsinn auch hältst.

An alle anderen: Ja, es ist ein Tabu. Wegen solch bornierter Menschen wie einMann44! Die nicht über den eigenen Tellerrand schauen können. Die nicht mal ansatzweise begriffen haben, um was es geht. Schade - denn irgendwie sind wir schon einen ganz schön großen Schritt zurückgegangen.
Denn ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass so ein Artikel wie damals im Stern heute noch möglich wäre!

xanidae
23.10.2009, 12:05
moderationsinformation:

ich bitte euch dieses thema sensibel zu behandeln und deshalb besonders auf die eigene wortwahl zu achten.


eine sachliche und doch kontroverse diskussion müsste doch möglich sein, oder?

und vielleicht sparen sich die nicht-betroffenen, interpretationskommentare, wenn betroffene von ihren erfahrungen berichten.

danke.

lavender_home
23.10.2009, 16:37
Warum erzählt du hier über Dich, wenn es Dir dann doch egal ist ?
:wie?:

Ich habe nicht geschrieben, dass es mir egal ist. Meine damalige Situation und die meiner Familie war eine sehr schwierige. Das jedoch näher zu erläutern sehe ich nicht als maßgeblich an.


Irgendwann muss man sich entscheiden und zwar in allen Dingen des Lebens.

So ist es. Aber worauf willst du hinaus?



Willst du also eine Diskussion zu diesem Thema, dass ich persönlich für existentiell halte, unterbinden ?

Verstehst du dieses Post als Diskussion?


...wenn man sex hat, besteht IMMER das "risiko" schwanger zu werden...das wissen wir ALLE ganz genau.

... wenn man wirklich nicht in der lage ist, ein kind zu bekommen, dann sollte man eher auf Sex verzichten!, es gibt immerhin ZAHLREICHE möglichkeiten den partner und sich selbst zu befriedigen, OHNE geschlechtsverkehr zu haben ....

viele sprechen als ob koitieren lebensnotwendig wäre... sie töten lieber ihre kinder als auf poppen zu verzichten ....

Auch wenn es überflüssig ist es zu erwähnen: unser Kind war ein Wunschkind. Und es soll schon häufiger vorkommen, dass wenn Menschen sich Kinder wünschen, sie sexuell aktiv werden *kopfschüttel*


Ich vermute stark, dass sich die meisten hier in ihrer Wortwahl schon sehr zurückhalten, aber Friede-Freude-Eierkuchen kann man nun wirklich nicht erwarten.

Darum geht es nicht, dazu ist das Thema wohl zu ernst. Aber es ist sicherlich so emotional besetzt, dass mit dem einen oder anderen die Pferde durchgehen.

Inaktiver User
24.10.2009, 09:27
Hallo! Es hat sich ja einiges getan, und ich war in den letzten Tagen beschäftigt (Kindergeburtstag... wie passend). Sorry, ich weiß nicht mehr, wie das Zitieren vieler Beiträge geht, deswegen Themen-Zusammenfassungen:

Als allererstes: Ich werde auf Beiträge wie die von Mr.-44-Lebensschützer-Ich-bremse-nicht-für-Mörderinnen nicht eingehen.

Zum Thema "Rechte" des Kindes im Bauch:
Für mich ist es tatsächlich so (und das wird sicher einigen hier ganz gewaltig gegen den Strich gehen und steht so sicher auch nicht im deutschen Recht), dass die Mutter/die Eltern dem potentiellen neuen Leben die Rechte zu- oder absprechen kann/können. Wobei ich es auch nicht für korrekt finde, hier schon von "Kind" zu sprechen. Ist es eben noch nicht. Deswegen finde ich es überhaupt nicht abwegig, wenn die Frau in der einen Situation sagt: Auf keinen Fall und in der anderen Situation schon Strampelhosen kauft.
Hier möchte ich Herbstblatt zitieren:
"Genaugenommen ist es nämlich unsere menschlische Siegerstellung in der tierischen Gesellschaft, die uns über Leben und Tod von Tieren sehr nüchtern nach unseren praktischen Gesichtspunkten entscheiden lässt, in welchem Stadium des Entstehens, Lebens und Vergehens auch immer."


Zum Thema: Besser zur Adoption freigeben statt Abtreibung
Dies geht völlig an der Realität vorbei. Natürlich ist es machbar, aber keine flächendeckende Option. Denn, man muss doch einfach mal ein bisschen weiterdenken und die Realität mit einbeziehen, statt nur idealistische Ideen hier anzubringen.

a.) Körperlich sehr anstrengend. Gut, dann würden die Calvinisten wieder sagen, Strafe muss sein. Darauf weiß ich dann auch keine Antwort, außer: Man muss sich nicht alles antun, nur weil es geht.

b.) Der soziale Tod: Ich stelle mir das mal bei mir vor: Schwanger. Kann man sicher ne Weile verstecken, aber irgendwann sieht man es. Ich habe tagtäglich an der Uni mit vielen Leuten zu tun: Profs, Mitstudentin, "kleine" Studenten, die ich unterrichte. Alle kriegen mit, dass ich schwanger bin. Oh, und irgendwann nicht mehr. Was sag ich denen? Totgeburt? Wäre die einzige Option & ich hätte noch lebenslanges Mitleid garantiert. Würde ich sagen, ich hätte es zur Adoption freigegeben, dann wäre das der soziale Tod! Wenn eine Abtreibung verurteilt wird, wie wird dann eine Frau gesehen, die ihr eigenes Kind weggibt?


Zum Thema, ob es mich betrifft.
Ich hatte, als ich das Thema erstellte, damit gerechnet, dass diese Frage kommen würde und war mir unsicher, wie ich darauf reagieren sollte. Warum würde die Fragerin dies wissen wollen? Würde sie meine Beiträge danach anders lesen? Ich wollte das Thema abstrakt diskutieren, mit dem Fokus auf Selbstbestimmungsrechte & Stellung der Frau. Deswegen wollte ich zu meiner Biografie diesbezüglich eigentlich nichts sagen. Denn: Wäre meine Antwort "Ja", käme alles, was ich schreibe als Rechtfertigung und Selbstverteidigung rüber. Wäre meine Antwort "Nein", hieße es, ich hätte ja eigentlich keine Ahnung & wüsste nicht, wovon ich schreibe.


Und noch zum Schluss: Befindlichkeitsstörungen bei jungen Frauen
Man soll ja eigentlich nicht auf die Beiträge reagieren, die einen ärgern, weil es dann heißt, getroffene Hunde bellen. Aber mich ärgert´s doch, denn ich bin eine junge Frau & sehe eigtl. größtenteils sehr engagierte und patente junge Frauen um mich herum. Und ich lebe auch nicht auf Rügen.

Taoline
24.10.2009, 09:53
Zum Thema, ob es mich betrifft.
Ich hatte, als ich das Thema erstellte, damit gerechnet, dass diese Frage kommen würde und war mir unsicher, wie ich darauf reagieren sollte. Warum würde die Fragerin dies wissen wollen? Würde sie meine Beiträge danach anders lesen? Ich wollte das Thema abstrakt diskutieren, mit dem Fokus auf Selbstbestimmungsrechte & Stellung der Frau. Deswegen wollte ich zu meiner Biografie diesbezüglich eigentlich nichts sagen. Denn: Wäre meine Antwort "Ja", käme alles, was ich schreibe als Rechtfertigung und Selbstverteidigung rüber. Wäre meine Antwort "Nein", hieße es, ich hätte ja eigentlich keine Ahnung & wüsste nicht, wovon ich schreibe.




Natürlich kann man über das Thema diskutieren, ohne selbst betroffen zu sein. Als Frau ist man ja immerhin potentiell betroffen. Schließlich ist Abstinenz wirklich die einzige 100% Verhütung, aber wer lebt schon so? :zwinker:
Man kann dazu eine Meinung haben, die man in der Regel aus den eigenen Erfahrungen, Moralvorstellungen, religiösem Hintergrund, der eigenen Erziehung bildet. Aber diese Meinung kann doch immer nur für einen selbst gelten. Andere haben andere Erfahrungen und Lebensumstände auch das Temperament spielt eine Rolle. Es gibt Menschen, die alles eher locker, optimistisch sehen und sehr flexibel auf unerwartete Ereignisse reagieren. Andere sind sehr rational und kommen mit plötzlichen Veränderungen schwerer zu Recht. Und deswegen kann eine Abtreibung für die eine Frau der einzig richtige Weg sein, für die andere in der gleichen Situation hingegen gar nicht zur Debatte stehen.
Deswegen glaube ich, es gibt bei diesem Thema kein Richtig oder Falsch.

Inaktiver User
24.10.2009, 10:49
Natürlich kann man über das Thema diskutieren, ohne selbst betroffen zu sein. Als Frau ist man ja immerhin potentiell betroffen.

Das ist nat. richtig. Solange ist sex. aktiv bin & noch fruchtbar bin, betrifft´s mich potentiell. Aber man liest doch auch hier immer wieder Beiträge: Wenn man es selbst nicht erlebt hat, kann man das nicht verstehen.

Taoline
24.10.2009, 12:57
Das ist nat. richtig. Solange ist sex. aktiv bin & noch fruchtbar bin, betrifft´s mich potentiell. Aber man liest doch auch hier immer wieder Beiträge: Wenn man es selbst nicht erlebt hat, kann man das nicht verstehen.

Das kann man auch nicht. Man kann eine Meinung dazu haben, aber wirklich verstehen, was in einer Frau vorgeht, die vor der Entscheidung steht, Abtreibung ja oder nein? Und auch wenn man eine Meinung hat, kann es sein, dass man, wenn man selbst vor der Entscheidung steht, trotzdem ganz anders entscheidet, als man immer dachte. Und nur weil ich selbst vor der Entscheidung stand, weiß ich trotzdem nicht, was für eine andere Frau richtig ist.

schnarchstop
24.10.2009, 13:10
Zum Thema: Besser zur Adoption freigeben statt Abtreibung
Dies geht völlig an der Realität vorbei. Natürlich ist es machbar, aber keine flächendeckende Option. Denn, man muss doch einfach mal ein bisschen weiterdenken und die Realität mit einbeziehen, statt nur idealistische Ideen hier anzubringen.




a.) Körperlich sehr anstrengend. Gut, dann würden die Calvinisten wieder sagen, Strafe muss sein. Darauf weiß ich dann auch keine Antwort, außer: Man muss sich nicht alles antun, nur weil es geht.

Eben. Deshalb wäre eine logische Möglichkeit zu sagen: man muss nicht unbedingt abtreiben, bloss weil es heutzutage einfacher ist als früher, wo man mit der Stricknadel den Fötus tödlich verletzt und abgetrieben hat.



b.) Der soziale Tod: Ich stelle mir das mal bei mir vor: Schwanger. Kann man sicher ne Weile verstecken, aber irgendwann sieht man es. Ich habe tagtäglich an der Uni mit vielen Leuten zu tun: Profs, Mitstudentin, "kleine" Studenten, die ich unterrichte. Alle kriegen mit, dass ich schwanger bin. Oh, und irgendwann nicht mehr. Was sag ich denen? Totgeburt? Wäre die einzige Option & ich hätte noch lebenslanges Mitleid garantiert. Würde ich sagen, ich hätte es zur Adoption freigegeben, dann wäre das der soziale Tod! Wenn eine Abtreibung verurteilt wird, wie wird dann eine Frau gesehen, die ihr eigenes Kind weggibt?

Mir würde das mehr imponieren als eine heimliche Abtreibung, über die man dann um drei Ecken herum erfährt.

schnarchstop
24.10.2009, 13:23
Schnarchstop
"Irgendwann muss man sich entscheiden und zwar in allen Dingen des Lebens.




So ist es. Aber worauf willst du hinaus?

Ich will darauf hinaus, dass jede Entscheidung auch Verzicht bedeutet und damit schmerzhaft ist (mehr oder weniger).

Und ich vermute, dass dieser Schmerz bei dem Thema Abtreibung besonders hart ist, denn letztendlich übernimmt der Mensch hier fast eine göttliche Funktion. Er ist lebenspendend oder auch nicht.

Es wäre besser, der Mensch könnte gar nicht Schicksal spielen.


Verstehst du dieses Post als Diskussion?

Ich verstehe deine Beiträge eher als Statements, denn als Diskussion.




Darum geht es nicht, dazu ist das Thema wohl zu ernst. Aber es ist sicherlich so emotional besetzt, dass mit dem einen oder anderen die Pferde durchgehen.

Wenn nicht abgetrieben wird, wächst ein lebensfähiger Mensch heran.
Da stellt sich wohl die Frage, ob Abtreibung was mit Töten zu tun hat.

lavender_home
24.10.2009, 13:46
Ich verstehe deine Beiträge eher als Statements, denn als Diskussion

Ich bezog diese Aussage auf das dümmliche Post dieses mann44 oder wie der heißt. Bitte nicht Beiträge aus dem Zuammenhang reißen.


Wenn nicht abgetrieben wird, wächst ein lebensfähiger Mensch heran.
Da stellt sich wohl die Frage, ob Abtreibung was mit Töten zu tun hat

In meinem Fall war eben genau dies nicht gegeben.

schnarchstop
24.10.2009, 14:05
Ich bezog diese Aussage auf das dümmliche Post dieses mann44 oder wie der heißt. Bitte nicht Beiträge aus dem Zuammenhang reißen.

:wie?:




In meinem Fall war eben genau dies nicht gegeben.

Dann war es in gewissem Sinne keine Abtreibung.

Inaktiver User
25.10.2009, 11:47
Ich glaube, das ist ein Thema, wo man nie einen Konsens finden wird auf den sich alle einigen können. Ich behaupte auch einfach mal, Frauen, die selbst nie in der Situation waren ungewollt schwanger zu sein, können auch nicht wirklich mitreden. Man kann eine Meinung zu dem Thema haben, aber wenn man dann selbst in der Situation ist, sieht die Welt oft ganz anders aus.


:blumengabe:
Ich würde mich auch hüten, hier zu verallgemeinern.

Denn wer entscheidet hier, welches Motiv zur Abtreibung das "bessere" ist?
Ich tendiere auch dazu, Menschen ernster zu nehmen, die aus eigener Erfahrung sprechen - dazu gehören Männer m.E. nicht.

Weil nur ein Bruchteil von denen das volle Kinder-Programm durchzieht. Diese sogenannten "neuen Väter" kannste mit der Lupe suchen.

schnarchstop
25.10.2009, 11:56
:blumengabe:
Ich würde mich auch hüten, hier zu verallgemeinern.

Denn wer entscheidet hier, welches Motiv zur Abtreibung das "bessere" ist?
Ich tendiere auch dazu, Menschen ernster zu nehmen, die aus eigener Erfahrung sprechen - dazu gehören Männer m.E. nicht.
Weil nur ein Bruchteil von denen das volle Kinder-Programm durchzieht. Diese sogenannten "neuen Väter" kannste mit der Lupe suchen.


Das ist ein wichtiger Aspekt dieses Stranges.

Durch ihren Beitrag gestern um 09.27 hat Studentin nochmal auf das eigentliche Thema aufmerksam gemacht (es geht hier nicht um die Frage "Schwangerschaftsabbruch ja oder nein"). Es geht hier im Strang darum, ob ein Schwangerschaftsabbruch in unserer Gesellschaft ein Tabu ist.

U.a. wird einer der Aspekte von Studentin konkret erklärt:

"Zum Thema: Besser zur Adoption freigeben statt Abtreibung
Dies geht völlig an der Realität vorbei. Natürlich ist es machbar, aber keine flächendeckende Option. Denn, man muss doch einfach mal ein bisschen weiterdenken und die Realität mit einbeziehen, statt nur idealistische Ideen hier anzubringen.

a.) Körperlich sehr anstrengend. Gut, dann würden die Calvinisten wieder sagen, Strafe muss sein. Darauf weiß ich dann auch keine Antwort, außer: Man muss sich nicht alles antun, nur weil es geht.

b.) Der soziale Tod: Ich stelle mir das mal bei mir vor: Schwanger. Kann man sicher ne Weile verstecken, aber irgendwann sieht man es. Ich habe tagtäglich an der Uni mit vielen Leuten zu tun: Profs, Mitstudentin, "kleine" Studenten, die ich unterrichte. Alle kriegen mit, dass ich schwanger bin. Oh, und irgendwann nicht mehr. Was sag ich denen? Totgeburt? Wäre die einzige Option & ich hätte noch lebenslanges Mitleid garantiert. Würde ich sagen, ich hätte es zur Adoption freigegeben, dann wäre das der soziale Tod! Wenn eine Abtreibung verurteilt wird, wie wird dann eine Frau gesehen, die ihr eigenes Kind weggibt?"

Und ich meine, ein Tabu in unserer Gesellschaft muss von allen Menschen in unserer Gesellschaft diskutiert werden. Dazu gehören Männer und Frauen, Jung und alt, Mütter und Nicht-Mütter.

Wir müssen ALLE an dieser Frage teilnehmen.

Inaktiver User
25.10.2009, 13:08
Ich hab auch grad lange überlegt, worum es in diesem Strang geht.

Ich treffe eine Entscheidung. Und ich hoffe, dass meine Umwelt/die "Gesellschaft" sie toleriert, versteht, oder gut findet?

Abtreibung ist kein "Tabu" - genau wie in diesem Strang werden überall alle Aspekte sehr kontrovers diskutiert. Manches trifft ins Herz, was hier geschrieben wird.

Was für mich aber latent mitschwingt in dieser Diskussion - ist (provokant formuliert) - der Wunsch nach Absolution auf der einen Seite, und auf der anderen Seite der Wunsch, "den ersten Stein zu werfen."

schnarchstop: Dass das Thema ein Thema ist - das seh ich auch so. Aber ich unterscheide eben schon zwischen einer theoretischen Diskussion, irgendwelchen Ideen, die irgendwelche Leute zum Besten geben - und der Frau, die einen kleinen schwarzen Punkt auf dem Ultraschall sieht.:smile:

Inaktiver User
25.10.2009, 15:58
Im abstrakten, gesellschaftlichen, öffentlichen Sinne ist es kein Tabu in dem Sinne, dass es rechtlich durch eine (möglicherweise wackelige und rückfallgefährdete) gesetzliche Hilfskonstruktion geklärt wurde. Das ist hier durch verschiedene userInnen einleuchtend erklärt worden, finde ich.

MÜSSEN es ALLE diskutieren? Nein, finde ich. Können darf es jede/r - siehe oben.


Wenn es um den Einzelfall geht, sieht es heikel aus, finde ich - da würde ich empfehlen u.a. auf meinen Selbstschutz zu orientieren um mich vor seelischen/sozialen Verletzungen zu schützen. Es kommt auf die Umgebung drauf an. Je nachdem kann es ein Tabufall sein oder nicht. Das spiegelt der Strang m.E. ebenso wider.

"Betroffene" nenne ich abtreibende Frauen nicht. Es waren Frauen, die selbständig entschieden haben bzw. werden es selbständig entscheidende Frauen sein, hoffe ich doch (im Idealfall mit Mann?? - bin ich selbst jedoch ambivalent, ist für mich wiederum eine Einzelfallsache und finde ich begründet, dass es die letztendliche Entscheidung der Frau ist).

Für mich ist es inzwischen ein Grundrecht (wenn auch umschrieben).

Was kann frau m.E. am besten tun, zur Zeit - ihre eigenständige und gleichberechtigte Stellung in der Gesellschaft ausbauen und immer wieder überprüfen und die von Frauen überhaupt zugunsten von Frauen/Männern gleichermaßen. So dass diese jetzige Regelung mindestens beständig bleibt.

In diesem Zusammenhang bin ich gerade wieder überzeugt, dass es richtig von mir war im Sommer (zum 2. Male) aus der Ev. Kirche auszutreten.
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maryquitecontrary
26.10.2009, 15:54
Ich würde gerne etwas zu der angegebenen Möglichkeit, das Kind auszutragen und dann zur Adoption freizugeben, sagen. Meiner Meinung nach trifft Studentin2 in ihrer Analyse nicht den Kern der Sache, wenn sie hauptsächlich die soziale Stigmatisierung der Mutter als Argument gegen die Durchführbarkeit anführt.

Was die Argumentation für die Adoption als gute Lösung völlig verkennt, ist die vorgeburtliche Bindung. Die Geburt als Stunde Null zu sehen, geht an den heutigen Erkenntnissen darüber, wie sich Mutterschaft und Bindung entwickeln, gänzlich vorbei. Bereits im zweiten Trimenon (17.-28. Woche) vollziehen sich ganz entscheidende psychische Entwicklungen bei der Frau, die sich im dritten Trimenon hin zur Geburt verdichten und die Grundlage für die Bindungsbereitschaft für genau dieses Kind zum Geburtszeitpunkt bilden. (Dies ist unter anderem sicher ein Grund dafür, warum einige einen so deutlichen Unterschied beim Verlust des Kindes in der Früh- oder der späteren Schwangerschaft empfinden).

Das heisst unter anderem, dass die Mutter zum Geburtszeitpunkt einen inneren Prozess erlebt hat, der bei "Nicht-Eintreten der Elternschaft" einen jähen Umschwung nimmt und zu ernsten Problemen führen kann. Das heisst aber auch, dass die Mutter, die ihr Kind zur Adoption freigeben wird, während der Schwangerschaft eine innere Distanz zu dem Kind einhalten wird(seelisch wohl muss), um dies bewältigen zu können. Es spricht vieles dafür, dass diese Nicht-Bindung dem Kind fühlbar wird, wobei wir die - hormonellen? - Mechanismen erst allmählich genauer kennenlernen. Wir wissen ja heute erst, wie sehr die Interaktion nach der Geburt sogar die Hirnentwicklung des Kindes über mehrere physiologische Mechanismen mitsteuert.

Es gibt ja Frauen, die diesen Weg wählen und für sich als gangbar empfinden. Es kann aber niemand einer Frau, auch moralisch nicht, vorschreiben, dass dieser Weg eine Alternative für sie sein muss.


Insgesamt finde ich die Diskussion oft so schieflastig, weil die Abtreibungsgegner immer generell, die Abtreibungsbefürtworter oft mit persönlichen Geschichten argumentieren, die so unendlich verletzlich sind. Wer glaubt denn, die Wahrheit eines Menschen oder einer Dyade in Worte fassen, geschweige denn voll verstehen, geschweige denn beurteilen zu können?

Abtreibung ist ein moralisches Dilemma. Ich arbeite beruflich mit Kindern, die oft unerwünscht gewesen sind und viel Leid erfahren haben. Das heisst nicht, dass sie nicht ein gutes Leben verdienen, aber mir fällt doch auf, dass eben nicht Heerscharen von Beschützern über diese Kinder sind wachen, sobald sie geboren sind - das wird dann den dysfunktionalen oder überforderten oder seelisch belasteteten Familien gerne überlassen, und über das Jugendamt sag ich jetzt mal nichts.

Aus dem moralischen Dilemma gibt es manchmal keine gute Lösung, aber es gibt pragmatische Lösungen, wo - und das sage ich jetzt mal provokativ - die seelische Last dann von der Mutter getragen werden muss, und eben nicht vom Kind.

Und das kann nur die Mutter, am besten mit dem vater in spe, herausfinden.

schnarchstop
26.10.2009, 18:20
Ich würde gerne etwas zu der angegebenen Möglichkeit, das Kind auszutragen und dann zur Adoption freizugeben, sagen. Meiner Meinung nach trifft Studentin2 in ihrer Analyse nicht den Kern der Sache, wenn sie hauptsächlich die soziale Stigmatisierung der Mutter als Argument gegen die Durchführbarkeit anführt.

Das stimmt und andererseits ist es ein immens wichtiges Argument, welches Studentin anführt. Die Mutterschaft wird in jeder Gesellschaft als hohes Gut empfunden. Insofern ist es eine höchst "heikle" Angelegenheit, wenn eine Frau ihr Kind zur Adoption freigibt und ihr Umfeld weiss davon.
Einfacher ist da ein Schwangerschaftsabbruch. Er ist sozusagen völlig geheim und die Frau ist gesellschaftlich unbelastet. Als Individuum kann sie dennoch grossen Kummer über den Verlust dieses ungeborenen Kindes erleiden.



Was die Argumentation für die Adoption als gute Lösung völlig verkennt, ist die vorgeburtliche Bindung. Die Geburt als Stunde Null zu sehen, geht an den heutigen Erkenntnissen darüber, wie sich Mutterschaft und Bindung entwickeln, gänzlich vorbei. Bereits im zweiten Trimenon (17.-28. Woche) vollziehen sich ganz entscheidende psychische Entwicklungen bei der Frau, die sich im dritten Trimenon hin zur Geburt verdichten und die Grundlage für die Bindungsbereitschaft für genau dieses Kind zum Geburtszeitpunkt bilden. (Dies ist unter anderem sicher ein Grund dafür, warum einige einen so deutlichen Unterschied beim Verlust des Kindes in der Früh- oder der späteren Schwangerschaft empfinden).

Was meine Person angeht: ich denke sehr wohl an diese Möglichkeit.
Wenn sich die Schwangerschaft in diese Richtung entwickelt, dann wird sich die Frau schliesslich leichten Herzens und voller Überzeugung FÜR das Baby entscheiden. Niemand zwingt sie, es wegzugeben.

maryquitecontrary
26.10.2009, 19:54
Wenn sich die Schwangerschaft in diese Richtung entwickelt, dann wird sich die Frau schliesslich leichten Herzens und voller Überzeugung FÜR das Baby entscheiden. Niemand zwingt sie, es wegzugeben.


Das mag sein. Was dich aber offenbar weniger interessiert, ist das Leben nach der Geburt, das Kinder haben.

Es gibt sicher Fälle, in denen die Kinder doch in halbwegs stabile Verhältnisse hineingeboren werden, oder sich später Kräfte und Möglichkeiten auftun, die vorher vielleicht so nicht abzusehen waren.

Es gibt aber auch viele Fälle, in denen Kinder in sehr unstabile Verhältnisse hineingeboren werden und nicht das zu ihrer Entwicklung Notwendige bekommen. Das verursacht sehr viel Leid, dem ich in meinem Job (Ki-Ju-Psychiatrie) täglich begegne.

Was zur Frage des Kinderbekommens wie der möglichen Abtreibung dazugehört, sind die etwa zwanzig Jahre, in denen das Kind seine Mutter, eigentlich auch beide Eltern zu seiner Entwicklung braucht. Wer angesichts dieser Perspektive die Kraft oder Möglichkeit, das zu leisten, nicht für sich sieht, handelt in meinen Augen durchaus verantwortungsvoll. Natürlich kann man anführen, dass die Verantwortung vor der Zeugung hätte einsetzen sollen, aber ungewünschte Schwangerschaften entstehen, weil Menschen menschlich sind und Fehler machen, Verhütungsmittel versagen, Rechnungen schieflaufen...und das kann man nicht ausbaden,man kann einen Menschen, schon gar kein Kind, nicht ausbaden müssen, denn damit erhält es noch lange nicht das, was es zu seiner Entwicklung braucht.

Dass Argumenteure wie du, schnarchstopp, immer ein moralisches As aus dem fleckfreien Ärmel ziehen werden, um moralisch bessere Situationen zu konstruieren,geht an der Wirklichkeit leider vorbei.

Ja,wenn die Menschen ideal wären und alle füreinander einstünden...dann wäre es auch um die unerwünschten Schwangerschaften besser bestellt,aber so ist es nicht.Und abgelehnte Kinder,die in überforderten Verhältnissen grossgezogen werden, helfen da auch nicht weiter.

Inaktiver User
26.10.2009, 21:12
Es gibt aber auch viele Fälle, in denen Kinder in sehr unstabile Verhältnisse hineingeboren werden und nicht das zu ihrer Entwicklung Notwendige bekommen. Das verursacht sehr viel Leid, dem ich in meinem Job (Ki-Ju-Psychiatrie) täglich begegne.


So simpel seh ich aber die Zusammenhänge nicht: hier das (zunächst) unerwünschte Kind, das in instabilen Verhältnissen groß- und daher unglücklich wird und dort das ersehnte Wunschkind das in beste Verhältnisse hineingeboren wird und eine stabile Persönlichkeit entwickeln kann...

Da gibt es viel dazwischen, und auch viel Leid und Unglück hinter vielen vordergründig perfekten Fassaden...

maryquitecontrary
26.10.2009, 22:00
So simpel seh ich aber die Zusammenhänge nicht: ....
da gibt es viel dazwischen, und auch viel Leid und Unglück hinter vielen vordergründig perfekten Fassaden...

Da bin ich mit dir einer Meinung, und ich möchte auch keinesfalls den Zusammenhang so einfach darstellen, als on es eine gerade Linie vom Schwangerschaftskonflikt zur späteren seelischen Störung des Kindes gibt.

Mir ging es darum, unter anderem aufzuzeigen, was ein Kind im Leben braucht, also nach der Frage Austragen oder nicht, nach der Geburt, und zwar viele Jahre lang.

Von den Kindern, die im Leben zuwenig von dem bekommen, was sie brauchen, sehe ich jeden Tag zu viele.

Inaktiver User
26.10.2009, 22:08
Von den Kindern, die im Leben zuwenig von dem bekommen, was sie brauchen, sehe ich jeden Tag zu viele.

Da stimme ich dir zu. Aber die, die ich kenne, waren keine ungewollten Kinder.

Über die Motive der Mütter lasse ich mich hier besser nicht aus.:peinlich:

Franca81
27.10.2009, 09:02
Es ist doch aber eigentlich so, dass keine Frau diese Entscheidung leichtfertig trifft. Es ist ja auch kein Spaziergang, man geht mal eben beim Arzt vorbei und dann ist die Sache erledigt.
Durch die Beratung, die Pause zwischen Beratung und Abtreibungstermin - welche Frau denkt da gar nicht nach?

Ich glaube nicht, dass es Studentin hier um Motive geht, warum abgetrieben wird - und warum man das Kind nicht evtl. zur Adoption freigibt.
Ihr geht es darum, dass es inzwischen - oder vielleicht war es nie anders - ein Tabu ist, darüber zu sprechen.
Weil es - und da gebe ich Studentin recht, der gesellschaftliche Tod wäre.
Warum? Weil jeder eine Meinung dazu hat. Und vielen "Moralaposteln" eigentlich ziemlich egal ist, welche Gründe die Frau hatte - weil es ja um das Kind geht.

Wenn aber z.B. eine schwangere Frau einen Unfall hat - dann wird immer zuerst die Mutter gerettet - auch "zu Lasten" des ungeborenen. Und vielleicht sollte man ungewollte Schwangerschaften eben als "Unfälle" sehen - und zuerst die Mutter retten.

Inaktiver User
27.10.2009, 09:45
Über die Motive der Mütter lasse ich mich hier besser nicht aus.:peinlich:

Ach nein, und was ist dann dieser Dein von Dir zitierter Satz?

Inaktiver User
27.10.2009, 10:54
Ach nein, und was ist dann dieser Dein von Dir zitierter Satz?

Eine unterschwellig geäußerte Missbilligung ohne genaue Benennung der Missstände.

Inaktiver User
27.10.2009, 10:59
Ich nenne es eine Pauschalverurteilung.