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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Dossier: Neue Job-Regeln



Rowellan
03.08.2009, 09:58
Ich hab's gelesen. Ich hab drüber nachgedacht. Und ich hab festgestellt: Ja, deckt sich mit meinen persönlichen Erfahrungen und nein, eigentlich find ich's sch*piep*

Es ist doch immer wieder der selbe Tenor: Wir backen uns den optimalen Mitarbeiter: Taff, flexibel, aktiv, selbstbewusst...
Aber was sollen denn die ganzen Leute machen, die eben nicht taff, flexibel, aktiv und selbstbewusst sind? Direkt Hartz IV beantragen? Oder zahlt denen jemand den Therapeuten, den sie brauchen, um ihren gesamten Charakter umzukrempeln?
Ich meine nicht die Leute, die morgens 20 Minuten zum Bleistift-Spitzen brauchen.
Aber wenn ich z.B. von mir ausgehe; Stichwort Flexibilität. Meine Kollegen loben immer wieder meine Flexibilität innerhalb eines Projektes - da häng ich mich rein, da zeige ich Einsatz und Motivation. Danach hört meine Flexibilität aber irgendwann mal auf. Ich mache zwar Überstunden, wenn es nötig ist, bin aber nur sehr eingeschränkt bereit, meinen Urlaub zu verschieben; den brauche ich nämlich und zwar gemeinsam mit meinem Partner, der nicht eben mal in der Lage ist den mitzuverschieben.
Ich hab auch keine Lust, alle 3 Jahre einen neuen Job zu machen - ich fühle mich eigentlich erst richtig wohl, wenn ich einen Job aus dem Effeff beherrsche und nicht die Hälfte der Zeit das Gefühl habe, ohne Netz und doppelten Boden irgendwo im freien Flug zu agieren.
Ich gedenke auch nicht, "gefährlich" zu werden - mich interessieren Rangordnungen einen feuchten Kehrricht, ich will keine Karriere machen, sondern einen sicheren Job, der meinen Fähigkeiten entspricht, den ich gut mache - so daß beide davon profitieren; mein Arbeitgeber und ich.

Würde ich mich entsprechend der Ratschläge in dem Dossier verhalten, wäre ich nach spätestens einem halben Jahr krank :knatsch:

Trotzdem halte ich mich für eine gute Mitarbeiterin.

brizi
04.08.2009, 17:50
Hallo Rowellan,

endlich hab ich mal Luft, um was zu dem Thema zu sagen - ich fand das nämlich auch ziemlich interessant!

Nun sehe ich die Dinge - und lese solche Artikel - ja mehr aus der Sicht des Arbeitgebers, und ich gebe zu, ich habe an vielen Stellen kräftig genickt!

Ich denke aber nicht, dass die (vermeintliche? unterschwellige?) Kritik sich an Arbeitnehmer der Art richtet, wie du dich beschreibst. Das Engagement, das du schilderst, sollte im normalen Betriebsleben mehr als ausreichen :blumengabe:.

Es gibt aber leider wirklich einige AN, die haarscharf Dienst nach Vorschrift machen, soll heißen, keine Minute zu früh kommen, keine Sekunde zu spät gehen, und dazwischen glänzt man im Wesentlichen durch Anwesenheit und Abarbeiten des Notwendigen.

Jegliche Eigeninitiative ist verpönt, Fortbildungen sind lästig, Kunden ein notwendiges Übel (und werden nicht als die "eigentlichen" Brötchengeber verstanden)... dafür sind aber sämtliche Ansprüche und Rechte bestens bekannt, was dann auch gerne beim Beantragen von Urlaub u.ä. betont wird.

Von dieser Sorte haben wir in unserem Betrieb auch ein paar (wenige im Verhältnis!) Kandidaten, die damit leider auch manchen engagierten Kollegen mit runterziehen. Denen würde ich das Dossier gerne mal zu lesen geben, wenn ich denn auch nur die geringste Hoffnung hätte, dass das was bringt. Hab ich aber nicht :knatsch:.

Und abgesehen davon, dass solche Leute in schwierigen Zeiten dann tatsächlich auf der Abschussliste stehen: Ich persönlich verstehe gar nicht, wie man so "arbeiten" kann.

Ich meine, wenn einem das, was man täglich machen "muss", so wenig Spaß macht, dann könnte man doch mal nach Alternativen suchen? Wir haben eine Wirtschaftskrise, ja - aber nicht in allen Branchen!

Rowellan
05.08.2009, 13:32
Hallo brizi,

generell gebe ich dir insofern recht; "Dienst nach Vorschrift" ist auch nicht der Weisheit letzter Schluss.

Aber zu dieser Aussage hier:

Ich meine, wenn einem das, was man täglich machen "muss", so wenig Spaß macht, dann könnte man doch mal nach Alternativen suchen? Wir haben eine Wirtschaftskrise, ja - aber nicht in allen Branchen!
Ich persönlich arbeite ausschließlich wegen der Kohle, der Knete, dem Schotter, dem Moos - gib mir eine regelmäßige Rente im Monat, mit der ich meine Bedürfnisse erfüllen kann und ich bleibe ab sofort zu Hause :zwinker:
Will heißen: Ich ziehe ganz bestimmt nicht meine persönliche Bestätigung aus der Tatsache, daß ich arbeite... werde auch nie kapieren, wie man sich in seiner Freizeit noch weiter geistig mit seinem Job beschäftigen kann (ich hasse es, wenn mich ein Projekt so beschäftigt, daß ich nachts darüber grüble).

Leben beginnt am Ausgang des Bürogebäudes.

Da ich mich für kein besonders außergewöhnliches Exemplar der Spezies "Mensch" halte, geh ich einfach mal davon aus, daß es den von dir beschriebenen Personen auch so geht.
Und dann ist man nicht lustlos wegen eines bestimmten Jobs, sondern weil man überhaupt jeden Tag in eine wie auch immer geartete Tretmühle muss, anstelle sich mit den Dingen zu beschäftigen, die einem wirklich Spaß machen... (ich wüsste z.B. niemand, der mich fürs Lesen, Schreiben, Computer-zocken, in-der-Sonne-liegen oder shoppen gehen bezahlt :freches grinsen:)

Generell stelle ich fest, daß ich mich immer mehr überfordert fühle - die Ansprüche, die jobseitig (gefühlt) an mich gestellt werden, werden immer mehr... die Arbeitsbelastung des Basis-Jobs steigt an, dann soll man noch Zusatzaufgaben übernehmen, sich fortbilden, dies und das und jenes, auch schon mal 120% geben (und wenn man das getan hat, wird das auf einmal als der neue 100%-Standard festgelegt, auf den man gerne noch was draufsetzen soll).
Im Moment fühle ich mich wie eine Decke, an der alle möglichen Leute von den verschiedensten Ecken an mir zerren und möchte ich mich am liebsten nur noch zu einem kleinen Ball zusammenrollen, wie ein Igel, und schreien "lasst mich in Ruhe, lasst mich bitte alle bloß in Ruhe".

brizi
05.08.2009, 17:09
Hallo Rowellan,

ich denke, ein guter Vorgesetzter erkennt es, wenn ein Mitarbeiter mal vorübergehend etwas angeschlagen ist, und wird bis zu einem gewissen Grad auch Verständnis dafür haben und zeigen.

Nun gibt es aber Unternehmen - z.B. sämtliche Dienstleister mit Kundenkontakt, auch alle Handelsunternehmen, Handwerker etc.etc. - da ist der Einsatz der Mitarbeiter erfolgsentscheidend.

Und Erfolg bedeutet in vielen Branchen zurzeit eben nicht Gewinnmaximierung, sondern Erhalt von Arbeitsplätzen.
In diesen Unternehmen sichert der Einsatz den eigenen Job - nicht aufgrund der Beurteilung durch den Chef, sondern aufgrund der Ergebnisse.

Aufgabe des Unternehmens ist es sicher, Mitarbeiter entsprechend zu motivieren, zu unterstützen und auch fortzubilden, damit diese den Anforderungen optimal gerecht werden können.

Aber gerade dazu gehört auch eine bestimmte Einstellung des Mitarbeiters seinem Job gegenüber.

Und daher habe ich menschlich für diese Haltung:

Da ich mich für kein besonders außergewöhnliches Exemplar der Spezies "Mensch" halte, geh ich einfach mal davon aus, daß es den von dir beschriebenen Personen auch so geht.
Und dann ist man nicht lustlos wegen eines bestimmten Jobs, sondern weil man überhaupt jeden Tag in eine wie auch immer geartete Tretmühle muss, anstelle sich mit den Dingen zu beschäftigen, die einem wirklich Spaß machen... (ich wüsste z.B. niemand, der mich fürs Lesen, Schreiben, Computer-zocken, in-der-Sonne-liegen oder shoppen gehen bezahlt :freches grinsen:)

zwar durchaus Verständnis - auch wenn ich völlig anders gestrickt bin - aber gerade in meiner Branche geht damit gar nichts.

Es gibt aber zum Glück wirklich genügend Jobs, für die das "Anständig seine Arbeit machen" bei weitem ausreicht.

Ich wünsche dir, dass das Gezerre an deiner Decke bald wieder aufhört :blumengabe:!

LG brizi

Rowellan
06.08.2009, 17:15
Aber gerade dazu gehört auch eine bestimmte Einstellung des Mitarbeiters seinem Job gegenüber.

Und daher habe ich menschlich für diese Haltung:

zwar durchaus Verständnis - auch wenn ich völlig anders gestrickt bin - aber gerade in meiner Branche geht damit gar nichts.
[...]

Ich wünsche dir, dass das Gezerre an deiner Decke bald wieder aufhört :blumengabe:!

LG brizi
Hallo brizi,

natürlich hast du Recht. Ich darf innerlich diese "keinen Bock-Haltung" vielleicht haben, mein Arbeitgeber hat auf jeden Fall das Recht, meine 100%ige Arbeitsleistung zu erhalten.

Mein persönliches Problem ist auch eher das ständige Mehr-als-100%-geben, das auf Dauer so fertig macht. Ich arbeite in einem Großkonzern und da wird ständig nach überdurchschnittlichen Leistungen, zusätzlichem Engagement usw. gefragt. Nach einem guten Ergebnis, für das - und die Geschäftsleitung weiß das! - die Leute quasi bis zum Umfallen gearbeitet haben, heißt es nicht: "Super gemacht - jetzt schnauft mal kurz durch", sondern: "Super gemacht - und jetzt nicht nachlassen, besser noch einen draufsetzen!".
Man hat irgendwie immer das Gefühl, was man auch leistet, es ist nie genug, es kann immer noch besser; und wenn man das nicht schafft - vielleicht auch nicht will, weil man/frau Wert auf sowas "Überflüssiges" wie Privatleben legt, dann ist man eben kein wertvoller Mitarbeiter :knatsch:

Ich frage mich manchmal wirklich, ob unsere Chefs überhaupt so was wie ein privates Umfeld haben, wenn ich mir anschaue, zu welchen Tages- und Nachtzeiten Mails rausgehen, wann Calls aufgesetzt werden usw.

Ich höre von Kollegen, die seit Wochen jedes Wochenende arbeiten - vielleicht keine 8 Stunden, aber vielleicht 3, 4 oder 6.

Sorry - das kann es einfach nicht sein!

P.S. Danke für die Wünsche, ich hoffe das auch. Zum Glück liegt mein Jahresurlaub noch vor mir - ich hab ihn dringend nötig.
P.P.S. Erstaunlich - interessiert dieses Thema niemanden außer uns beiden?

Nachtmarie
06.08.2009, 21:52
Ich habe den Artikel, auf den Ihr euch bezieht, noch nicht gefunden. Aber war schon immer der Meinung, dass es sich beim Wort "Flexibilität" um ein Schimpfwort handelt.
Demnächst mehr zum Thema.

marylin
07.08.2009, 07:46
P.P.S. Erstaunlich - interessiert dieses Thema niemanden außer uns beiden?


Doch, ich lese schon die ganze Zeit mit. Habe aber Rowellan nichts mehr hinzuzufügen, sie schreibt nämlich genau das, was ich auch denke.

Ich gehe zur Arbeit, weil ich Geld brauche. Ich gehe Vollzeit arbeiten, weil ich einen gewissen Lebensstandard halten will. Das war´s aber auch schon.
Glücklicherweise macht mir meine Arbeit Spaß (soweit man im Zusammenhang mit Arbeit über Spaß reden kann :zwinker: )
Aber um mich selbst zu verwirklichen, würden mir viele schöne andere Dinge einfallen. Hätte ich es finanziell nicht nötig, würde ich mir irgendeine Tätigkeit (ev. was ehrenamtliches) für ein paar Stunden die Woche suchen und das Leben genießen.

frank60
07.08.2009, 07:58
Interessante Diskussion, ich suche aber den Artikel.

Inaktiver User
07.08.2009, 08:23
Aber zu dieser Aussage hier:
Ich persönlich arbeite ausschließlich wegen der Kohle, der Knete, dem Schotter, dem Moos - gib mir eine regelmäßige Rente im Monat, mit der ich meine Bedürfnisse erfüllen kann und ich bleibe ab sofort zu Hause :zwinker:

Leben beginnt am Ausgang des Bürogebäudes.

Im Moment fühle ich mich wie eine Decke, an der alle möglichen Leute von den verschiedensten Ecken an mir zerren und möchte ich mich am liebsten nur noch zu einem kleinen Ball zusammenrollen, wie ein Igel, und schreien "lasst mich in Ruhe, lasst mich bitte alle bloß in Ruhe".

Hallo Rowellan,

meinst du nicht, dass das eine mit dem anderen zusammenhängt? Also die eigentliche Unlust zu arbeiten führt natürlich zu einer Überforderung.

Ich stell mir das ganz schrecklich vor, sich mit der Arbeit nicht identifizieren zu können. Ich gehe jeden Morgen gerne ins Büro und würde es auch tun, wenn ich im Lotto gewinnen würde.

Meinst du denn, dass du das noch 20 Jahre so durchhältst?

@frank: In der Print-Ausgabe der letzten Brigitte.

Utetiki
07.08.2009, 08:49
Mich interessiert dieses Thema auch sehr.


Im Moment fühle ich mich wie eine Decke, an der alle möglichen Leute von den verschiedensten Ecken an mir zerren und möchte ich mich am liebsten nur noch zu einem kleinen Ball zusammenrollen, wie ein Igel, und schreien "lasst mich in Ruhe, lasst mich bitte alle bloß in Ruhe".

Mich würde das und die Tatsache, noch keinen Urlaub gemacht zu haben auch stark in meiner Motivation drücken.

Ich wünsch Dir, dass Du bald wieder Deine Akkus aufladen kannst.


Generell finde ich aber schon, dass man furchtbar viel Zeit vergeudet, wenn man die Arbeit als lästiges Übel ansieht. Zwar notwendig, weil man halt leben muss, aber mich unzufrieden jeden Tag zur Arbeit zu schleppen, hielte ich nicht lange durch.

Ist dieses Gefühl bei Dir, Rowellan, erst seit dieser Überbelastung vorhanden oder schon länger?

Kannst Du mit dem Arbeitgeber reden darüber, evtl. manches delegieren?

Und hast Du einen Ausgleich in der Freizeit?

Marseille1
07.08.2009, 09:51
Ich finde das Thema auch interessant, habe aber den Artikel in der Papierversion nicht gelesen.
Es gab da doch auch was in der Brigitte online, oder war das was anderes ? Da waren es 7 Regeln, aber ich fand die ehrlich gesagt, gar nicht so neu.

Rowellan - wann ist denn Dein Urlaub ?

Sich für ätzende Jobs jeden Morgen zu motivieren, kann durchaus sehr anstrengend sein und soviele tolle Traumjobs gibt's ja nun auch nicht, da braucht man sich gar nichts vormachen.

Ich bin wohl eine Mischung aus Brizi und Rowellan - ich gehe gerne arbeiten, aber ich sehe es nicht als Berufung an.
In hektischen Zeiten gebe ich auch mehr als 100% Leistung, bin dann aber auch froh, wenn die Stressphase wieder vorbei ist. Immer so unter Strom zu stehen, stelle ich mir sehr anstrengend vor.
Durch die wirtschaftliche Situation habe ich leider auch ein bisschen gebraucht, bis ich endlich eine vernünftige Arbeit gefunden habe, die meinen Kompetenzen entspricht und die mir auch Spass macht.
Das weiss ich durchaus zu schätzen.

Viele Grüsse,
Marseille

Rowellan
07.08.2009, 09:52
Hallo Rowellan,

meinst du nicht, dass das eine mit dem anderen zusammenhängt? Also die eigentliche Unlust zu arbeiten führt natürlich zu einer Überforderung.

Ich stell mir das ganz schrecklich vor, sich mit der Arbeit nicht identifizieren zu können. Ich gehe jeden Morgen gerne ins Büro und würde es auch tun, wenn ich im Lotto gewinnen würde.

Meinst du denn, dass du das noch 20 Jahre so durchhältst?

Ob ich das noch 20 Jahre durchhalte, die Frage stelle ich mir natürlich auch regelmäßig... in dem Tempo, das zur Zeit läuft, wahrscheinlich nicht.

Und Zusammenhänge sehe ich auch, allerdings eher andersrum: Die ständige Tretmühle, das ständige Gefühl "es ist nicht genug", das führt zur Unlust.
Es gab durchaus Zeiten, in denen habe ich sehr gerne gearbeitet. Der Job an sich ist auch durchaus interessant und könnte Spaß machen... wenn er eben nicht wie ein Krake immer mehr meines Lebens auffressen würde.



Mich interessiert dieses Thema auch sehr.



Mich würde das und die Tatsache, noch keinen Urlaub gemacht zu haben auch stark in meiner Motivation drücken.

Ich wünsch Dir, dass Du bald wieder Deine Akkus aufladen kannst.


Generell finde ich aber schon, dass man furchtbar viel Zeit vergeudet, wenn man die Arbeit als lästiges Übel ansieht. Zwar notwendig, weil man halt leben muss, aber mich unzufrieden jeden Tag zur Arbeit zu schleppen, hielte ich nicht lange durch.

Ist dieses Gefühl bei Dir, Rowellan, erst seit dieser Überbelastung vorhanden oder schon länger?

Kannst Du mit dem Arbeitgeber reden darüber, evtl. manches delegieren?

Und hast Du einen Ausgleich in der Freizeit?
Wie zu rosemary schon geschrieben: ein Großteil der Unlust kommt tatsächlich vom ständigen Stress, als ich mit dem Job anfing, hat er mir durchaus Spaß gemacht.
Ich hatte auch schon überlegt, meine Arbeitszeit zu reduzieren, leider bedeutet das bei uns auch gerne schon mal für weniger Geld das Gleiche zu arbeiten - und wenn ich schon Überstunden schiebe, will ich dafür wenigstens ordentlich bezahlt werden :zwinker:

Delegieren? An wen? Gerade jetzt in der Urlaubszeit merken wir wieder, wie dünn unsere Personaldecke eigentlich gerade ist.

Was den Ausgleich in der Freizeit angeht: Der reduziert sich leider seit einiger Zeit gewaltig. Wenn die Arbeitszeiten unberechenbar werden, kann man regelmäßige Sportveranstaltungen z.B. knicken... wir haben es seit über einem Jahr nicht geschafft, zum Tanztraining zu gehen, weil immer irgendjemand von uns lange gearbeitet hat, unterwegs war oder - wenn wir mal zuhause waren - so platt, daß wir nach dem Essen und ein bißchen Lesen sofort im Bett verschwunden sind :knatsch:

demelza
07.08.2009, 18:46
Ich habe den Artikel, auf den Ihr euch bezieht, noch nicht gefunden. Aber war schon immer der Meinung, dass es sich beim Wort "Flexibilität" um ein Schimpfwort handelt. Demnächst mehr zum Thema.

Dem füge ich noch eins hinzu: Multitaskingfähigkeit. Leider geht mir im Moment jemand ganz besonders auf die Nerven, der meint, er wäre ja so multitaskingfähig und müsse dies nun auch von mir verlangen. dabei verzettelt sich diese person ständig mit mehreren aufgaben gleichzeitig, fängt dann das große jammern an, dass sie ja soo viel zu tun habe und stöhnt und schnauft dabei pausenlos vor sich hin.

auf meine bitte, doch mal kurz innezuhalten und ruhe zu geben, wurde ich dann auch noch angepampt, sie ließe sich von mir den mund nicht verbieten und wurde immer hysterischer. tja, irgendwann hab ich dann auch auf stur geschaltet und LMAA gedacht. Oh mein Gott, warum muss man sich eigentlich so aufregen - wäre es nicht sinnvoller, man arbeitet ein Projekt nach dem anderen ab, anstatt mit den Gedanken ständig woanders zu sein und wie ein aufgescheuchtes Huhn herumzupaniken?

Ich denke mir dann immer: so jemand braucht mal einen Kurs zum Thema "strukturiertes Arbeiten" oder "Streß einfach und effizient abbauen" - denn mit jammern, meckern und herumnörgeln wird die Arbeit nicht weniger - aber dafür die Umgebung immer genervter.

Inaktiver User
10.08.2009, 18:25
Ich stell mir das ganz schrecklich vor, sich mit der Arbeit nicht identifizieren zu können. Ich gehe jeden Morgen gerne ins Büro und würde es auch tun, wenn ich im Lotto gewinnen würde.

Das ist auch schrecklich, ich habe vor Jahren einige Zeit notgedrungen in einem Job gearbeitet, in dem es mir so ergangen ist. Meine Woche bestand nur noch darin, den Arbeitstag irgendwie über die Bühne zu kriegen, mein Leben fand danach und am Wochenende statt. Die Arbeitsinhalte waren stupide und nervtötend und ich habe mich nicht im geringsten mit dem AG identifiziert. Sowas kann regelrecht krank machen und geht (zumindest bei mir) nicht lange gut. Dann werde ich frustriert, demotiviert und schludere auch irgendwann rum. Das sorgt wiederum für Stress und Überlastung.

Inzwischen bin ich selbständig und habe wirklich Spaß an meinem Job. Er ist nicht mein Lebensinhalt, aber er trägt zu großen Teilen dazu bei, dass ich das Gefühl habe, etwas für mich sinnvolles zu tun und das auch noch gerne.

Wenn ich mir dann Freundinnen ansehe, die in der beruflichen Tretmühle festhängen, bin ich mir immer wieder bewußt, welcher Luxus es ist, mit etwas Geld verdienen zu können, das mich erfüllt.

Mit den vielfach immer stärker wachsenden Anforderungen, die viele Unternehmen an ihre MA stellen, habe ich allerdings auch meine Probleme. Da wird vorausgesetzt, dass sich die MA zu 150% mit allem identifizieren und immer mehr und mehr leisten. Und wenn sie dazu nicht bereit oder in der Lage sind (nicht jeder ist z.B. hochbelastbar, stets flexibel oder multitaskingfähig) und eben "nur" gute Arbeit leisten, ihr Leben aber nicht voll und ganz dem Job verschreiben und ständig das Plansoll übererfüllen, lässt man es sie deutlich spüren.

Ich ärgere mich auch über die Dienst nach Vorschrift-Kandidaten, aber es gibt ja auch noch etwas zwischen totaler Verausgabung und faulem Abgesitze.

Diesem immensen Leistungsdruck, dem viele AN heute ausgesetzt sind, hält man doch nicht bis zur Rente stand. Das schaffen die jungen, unverbrauchten für einige Jahre, aber dann ist meist der Punkt erreicht, an dem auch sie nicht mehr können. So ein Beispiel erlebe ich gerade im Bekanntenkreis und finde es entsetzlich, wenn ein Mensch bereits mit Anfang 30 völlig ausgebrannt ist.

Vor dem Hintergrund, dass wir alle bis zur Rente halbwegs motiviert und leistungsfähig bleiben wollen, kann es das ja nun auch nicht sein.

Gruß, Spellbound

nicole-kruemel
11.08.2009, 10:53
Nachdem, was ich bei euch schon gelesen habe, bleibt mir eigentlich nichts mehr hinzuzufügen.
Ich selbst sehe meinen Job nicht als Job, sondern als Berufung an- aber dennoch: der Druck wird immer höher. Schneller, effizienter, länger, zu jeder Tages-und Nachtzeit erreichbar sein. Ich soll in meinem Beruf für andere Menschen da sein, also ist es mehr als notwendig, dass ich gut bei Kräften sein muss, um das zu bewältigen. Nur wo soll ich die herkriegen, wenn ich jeden Tag 14 Stunden+ arbeite? Volle Leistung kann ich nur bringen, wenn ich fit und ausgeruht bin. Das allerdings so plausibel zu vermitteln, dass es auch an der richtigen Stelle ankommt, ist nahezu unmöglich.
Ich tue es trotzdem und arbeite weiter, weils mir einfach Spaß macht und ich die Arbeit als solche oft gar nicht als Arbeit empfinde. Mein Partner hat den gleichen Beruf, was dazu führt, dass wir uns gegenseitig nichts erklären müssen. Dennoch müssen wir gut aufeinander aufpassen.
Da meine Kollegen in meinem Umfeld alle Mitte 40 sind und jeder wegen Burnout schon mal monatelang draußen war, haben wir nun entschieden, ins Ausland zu gehen. Denn zumindest in unserem Beruf ticken die Uhren da noch anders.

:blumengabe:

Latona
24.08.2009, 23:16
Ich gehöre nicht zu den Menschen, die ihren Job nur wegen der Kohle machen. Etliche Aspekte in meinem Job machen mir Spaß und geben mir Selbstbestätigung.

Wofür ich aber kein Verständnis habe, ist diese Haltung, immer noch mehr aus den Mitarbeitern rauspressen zu wollen. Dass z.B. verlangt wird, dass man seine gesamte Lebensgestaltung gefälligst den Erfordernissen des Jobs unterordnen soll, dass der Anspruch auf Erholung und Privatleben nicht mehr respektiert wird, dass man ständig 120%-Leistung zu bringen hat, oder x-tausend Sachen auf einmal erledigen können sollte.

Ich bin z.B. auch nicht multitaskingfähig, ich muss mich auf meine Arbeit konzentrieren können, um sie gut zu machen, und das kann ich nicht, wenn ich zuviel gleichzeitig erledigen soll. Ich will eins nach dem anderen machen, wobei ich durchaus 2-3 Aufgaben gleichzeitig im Blick behalten kann, aber eben nicht 5-10, und ich will auch nicht dauernd aus meiner Arbeit rausgerissen werden, weil irgendein anderer Pippifax jetzt gleich erledigt werden muss.

Und natürlich muss man belastbar sein.:knatsch: Psychisch angeschlagene Menschen haben heute schlechte Karten, wenn es um die Verteilung von Jobs geht. Wer nicht mehr funktioniert, wird aussortiert und kann von Hartz4 leben.

Inaktiver User
26.08.2009, 09:11
[QUOTE=Latona;6178167] Wofür ich aber kein Verständnis habe, ist diese Haltung, immer noch mehr aus den Mitarbeitern rauspressen zu wollen. Dass z.B. verlangt wird, dass man seine gesamte Lebensgestaltung gefälligst den Erfordernissen des Jobs unterordnen soll, dass der Anspruch auf Erholung und Privatleben nicht mehr respektiert wird, dass man ständig 120%-Leistung zu bringen hat, oder x-tausend Sachen auf einmal erledigen können sollte.
QUOTE]

Volle Lotte richtig!
Wenn man sich mit seiner Arbeit identifizieren kann, einen Sinn darin finden kann, zieht man oft genau daraus seine Motivation, Kraft und Energie. Aber je mehr man in seine Arbeit hineingibt, desto wichtiger ist es, regelmäßig "aufzutanken". Nur, wenn man gut für sich selbst sorgt, hat man genug Kraft, um zeitweise auch mehr als 100% zu geben. Und das wird von einigen Arbeitgebern leider nicht gesehen. Der hohe Druck, flexibel zu sein, jederzeit einsatzbereit zu sein, immer erreichbar zu sein etc., führt dazu, dass das Privatleben leidet: Man führt Fernbeziehungen, um seinen Arbeitsplatz zu erhalten. Die flexiblen Arbeitszeiten führen dazu, dass das Ausüben von Hobbies schwierig wird. Da viele flexibel arbeiten müssen, werden Beziehungen und Freundschaften oft ein organisatorisches Problem ("Hast du Zeit, wenn ich auch Zeit habe?"). Wenn alle Energie für die Arbeit draufgeht, bleibt nichts mehr, um sich auch mal geistig mit anderen Dingen zu beschäftigen, der eigene Horizont bleibt begrenzt. Das macht auf Dauer unzufrieden.

Wo das "richtige Maß" liegt, ist wohl sehr individuell. Ich habe es für mich auch noch nicht wirklich gefunden, gehöre aber zu denen, die eine Arbeit nicht machen können, wenn nicht wenigstens etwas Sinn darin zu finden ist. Geld verdienen muss ich auch, aber wenn dies der einzige Grund wäre zu arbeiten, würde genau das mich demotivieren und Kraft rauben.