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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Dossier:"Gehen oder bleiben?"



BRIGITTE Community-Team
10.07.2009, 11:51
Liebe Userinnen, liebe User,

gerade die großen Entscheidungen im Leben machen unsicher. Soll ich ein Kind bekommen? Meinen Job kündigen und auf Weltreise gehen? Mich von ihm trennen? Denn sie wirken so, als gäbe es kein zurück.

Im Dossier der aktuellen BRIGITTE (Heft 15, ab 15. Juli am Kiosk) geht es deshalb um die Frage: Gehen oder bleiben? (http://www.brigitte.de/liebe-sex/persoenlichkeit/kuendigung-wirtschaftskrise-1027481/) Darin erzählt zum Beispiel BRIGITTE-Autorin Nele Justus, wie sie die Frage Kündigung in der Wirtschaftskrise oder Weltreise entschieden hat.

Haben Sie große Entscheidungen im Nachhinein bereut oder gefeiert? Was hat Ihnen dabei geholfen, einen großen Schritt zu tun? Welche Entscheidung liegt Ihnen gerade auf der Seele?

Wir wünschen eine spannende Diskussion!

Ihr BRIGITTE.de-Team

Inaktiver User
14.07.2009, 13:12
Ich habe vor einem Jahr entscheiden müssen, welchen beruflichen Weg ich gehe. Meine bisherige Tätigkeit war perspektivlos, außerdem wollte ich zu meinem Partner ziehen, der 90km entfernt wohnt. Ich habe mit meinem Arbeitgeber gesprochen, der mir ein gutes Angebot gemacht hat: Karriere plus Finanzierung eines berufsbegleitenden Studiums. Parallel hatte ich mich auf mehrere Stellen in der Nähe des Wohnorts meines Partners beworben.

Die Entscheidung habe ich rational nicht einfach so fällen können: sichere, aber auch anstrengende Arbeitsstelle mit Karriereaussichten oder Neuanfang in der Stadt meines Partners? Ich bin völlig zerrissen in Urlaub gefahren. Während dieser Zeit konnte ich zum Glück Abstand gewinnen. Wieder zuhause, stand auf einmal die Entscheidung: Ich ziehe zu meinem Partner, nehme aber das Angebot meines Arbeitgebers an und pendle.

Erst später konnte ich rationale Gründe für mich benennen: das Studienangebot und auch die Sicherheit, bei meinem bisherigen Arbeitgeber zu bleiben. Irgendwo habe ich mal gelesen: "Wer zwischen zwei Stühlen sitzt, kann auch einfach ein Brett dazwischen legen." Meine beiden Stühle - Partnerschaft und Karrieremöglichkeit - habe ich jetzt verbunden. Zum Preis von über zwei Stunden Pendeln täglich.

Ob diese Entscheidung richtig war? Das Zusammenziehen mit meinem Partner definitiv, es gibt mir viel Kraft im Alltag. Meine jetzige berufliche Situation ist sehr anstrengend, und einige Monate war ich mir gar nicht so sicher, ob ich das wuppe. Jetzt stellt sich langsam ein wenig Stolz ein, die ersten Schritte geschafft zu haben. Während des Studiums (startet im Herbst) wird es sicherlich auch noch mal sehr anstrengend. Aber ich glaube, dass ich auf meinem Weg bin. Und auch dabei bin, meine eigenen Grenzen (z.B. Frusttoleranz) noch einmal neu auszuloten. Außerdem ist mir, ist meinem Partner klar: Diese Lösung ist nichts Endgültiges. In drei, vier Jahren werden wir Tabula rasa machen: Was ist bei meinem Partner, was bei mir? Geht er jetzt mit zu meiner Arbeitsstelle und pendelt? Ziehen wir auf die Hälfte? Suche ich mir in seiner/unseren Stadt etwas (mein Arbeitgeber baut dort eine Zweigstelle auf)? Dann werden wir weiterschauen.

lanci
23.07.2009, 21:34
Mir ist die Entscheidung abgenommen worden. ER ist gegangen. Genauso wie im Dossier beschrieben, nur, war es keine Frau, sondern Midlife, was auch immer. Ich bin seit Anfang des Jahres mit den Kindern, dem Haus, den Hund, dem Pferd zurückgeblieben. Und, es ist schrecklich. Ich hadere mit meinem Schicksal, obwohl es natürlich viele gibt, denen es finanziell viel viel schlechter geht als uns. Er war auch nie ein Hero, ein schrulliger, alternder Mann, aber er fehlt mir an jeder Ecke. Es ist zum Verzweifeln. Ich bin immer viel aktiver gewesen, der Puls der Familie, hab beruflich zurückgesteckt. Aber er wollte dies eigentlich alles nicht. Mich nicht - nach 20 Jahren -, die Kinder nicht - mögen sie es nie erfahren, beim Haus bin ich mir auch nicht ganz schlüssig und das Pferd sowieso nicht - einer der vielen Trennungsgründe. Sollte froh sein, dass er weg ist, ist aber nicht so.
Er war schon eine Woche mit unseren beiden auf Urlaub - sie sind ohne mich weggeflogen, dass war der Gipfelpunkt des Alptraums und am Sonntag flieg ich mit ihnen. So gefreut hab ich mich darauf, aber jetzt?????? Bescheuert, was?
Es ist einfach die Kehrseite der Medaille. Und, der Zeitpunkt, so kurz vor dem 50. Geburtstag, ist ein denkbar schlechter. Ich bin immer noch recht hübsch, sportlich und sehe sicherlich jünger aus. Aber trotzdem, soll ich mich jetzt in eine Internet Platform einlinken. Welch seltsame Aussichten.

skirbifax
23.07.2009, 21:45
Ich hatte vor Jahren die Chance auf einen Karrieresprung - leider 70 km von unserem Wohnort entfernt. Der Kinder wegen bin ich dann jahrelang jeden Tag gependelt. Vor drei Jahren hatte ich einen schweren Unfall; es dauerte Monate, bis ich wieder gesund war. Gott sei Dank habe ich keine bleibenden Schäden behalten.

Während des Krankenhausaufenthaltes und der anschließenden Reha meinte mein Mann, dass er nicht so weitermachen wolle wie bisher. Die Kinder waren mit der Schule fertig. Wir verkauften unser Haus und zogen an den Ort, an dem ich jetzt arbeitete. Mein Mann suchte sich am Ort ebenfalls eine Stelle.

Ich/wir haben es nicht bereut. Wir fühlten uns an unserem alten Wohnort wohl, haben es aber jetzt viel besser getroffen. Es ist ein Gefühl, das ich nicht näher beschreiben kann. Es fühlt sich einfach besser an. Ohne den Unfall, hätte ich den Schritt wohl nicht gemacht. Haus verkaufen? Niemals! Manchmal muss man einfach andere Wege einschlagen.

Inaktiver User
24.07.2009, 11:03
(...)
Aber er wollte dies eigentlich alles nicht. Mich nicht - nach 20 Jahren -, die Kinder nicht - mögen sie es nie erfahren, beim Haus bin ich mir auch nicht ganz schlüssig und das Pferd sowieso nicht - einer der vielen Trennungsgründe. Sollte froh sein, dass er weg ist, ist aber nicht so.


Liebe Lanci,

lass Dich einmal drücken!
Was ich bei all dem nicht verstehe: Dein Partner hat also quasi 20 Jahre so gelebt, wie er es eigentlich gar nicht wollte? Ich vermute, da ist etwas oberfaul. Aber das machts ja noch schlimmer, weil damit die Gründe ja noch viel unklarer sind...

Ganz viel Kraft für Dich!!!

lanci
25.07.2009, 20:17
ja, so stellt er es dar. Und heute war er kurz da, in seinem alten Haus, hat lustig mit uns gescherzt und gemeint: "wenn man es selten hat, ist es direkt lustig mit euch".
Es ist unpackbar was in diesem Mann vorgeht. Und er ist ein netter. Er golft jetzt bis zum Umfallen, früher hat er jahrelang den Hintern nicht hochgekriegt. Bin gespannt, was er macht, wenn das Golf-Wetter vorbei ist.
Und danke, wir schaffen es schon. Aber traurig ist es schon.

lanci
26.12.2009, 18:50
war lange weg. die Kinder sind heute wieder für 4 Tage zu ihm. Weihnachten ist gut gegangen und ich seh mittlerweilen die Dinge schon mit anderen Augen. Die Zeit macht schon viel. Mir tut es immer noch leid, aber ich habe einfach den Kontakt auf das Notwendigste reduziert und so geht es mir besser. Die Kinder kommen ganz gut klar, natürlich leiden sie immer noch, aber ich mach ihn nie schlecht, bemüh mich auch sie zu korrigieren, wenn sie über ihn maulen - sie fühlen sich verlassen, allerdings im Gedanken wäre er bereits einer der unzähligen Männer im Mond.