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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Dossier: "Schmerz, lass nach!"



BRIGITTE Community-Team
30.04.2009, 12:06
Liebe Userinnen, liebe User,

wer Schmerzen hat, bekommt bei uns nur selten die richtige Therapie. Dabei gibt es große Fortschritte im Kampf gegen Schmerzen.

Im Dossier der aktuellen BRIGITTE, "Schmerz, lass nach! (http://www.brigitte.de/gesundheit/medizin/schmerzen-1018011/)" (Heft 11, ab 6.5. am Kiosk), lesen Sie die neuen Grundsätze gegen den Schmerz, die Geschichten von Frauen, die den Kampf gegen ihre Schmerzen aufgenommen haben, einen Überblick über alternative Schmerztherapien und die Geschichte eines "Schmerzfreien Krankenhauses".

Weitere Infos und Adressen zum Thema Schmerz finden Sie auf BRIGITTE.de (www.brigitte.de/schmerz).

Wie leben Sie mit chronischen Schmerzen? Tauschen Sie sich mit anderen Betroffenen aus!

Wir wünschen Ihnen eine angeregte Diskussion!
Ihr BRIGITTE.de-Team

Miracle41
05.05.2009, 20:32
Nach einer sehr schlechten Phase von 4 Tagen habe ich heute einen weitgehend schmerzfreien Tag.
Ich habe ein chronisch viscerales Schmerzsyndrom, chronische Bauchschmerzen .... die Folge eines 30-jährigen Morbus Crohn, vielen Operationen, Bauchfellentzündung, Stenosen, Fisteln, Abszessen, Rektumamputation.
Verwachsungen und Narbenstränge machen mir das Leben schwer. Ein chronisch-viscerales Schmerzsyndrom ist selten und ich hab halt einfach Pech damit.
Es gibt gute Phasen und schlechte Phasen so wie die letzten Tage.
Die medikamentöse Behandlung ist schwierig und leider habe ich eine üble Allergie gegen die Schmerzmittelpflaster bekommen und musste diese für mich perfekte Analgesie aufgeben.
Ich nehme bis zu 5x täglich eine Temgesic Sublingualtablette und damit komme ich am besten zurecht.
Die guten Phasen geniesse ich, kann fast alles machen und unternehmen wonach mir ist.
Die schlechten Tage versuche ich mich so schonend wie möglich zu bewegen, keinen zusätzlichen Druck auf den Bauch auszuüben und ich weiss dass es auch wieder vorbeigeht.
Ich rede so gut wie nie darüber .... nicht mehr nachdem ich auf viel Unverständnis und Sprüche wie "ach was, ich hatte auch schon mal Bauchschmerzen, so schlimm ist das ja nicht".
Mein Schmerztherapeut und ich hoffen darauf dass sich die Schmerzen vielleicht eines Tages wieder verziehen.
Wir hoffen auf die Forschung, auf die Weiterentwicklung, auf neue Medikamente .... auf Ruhe und Frieden im Bauch.
Eine Schmerzmittelpumpe möchte ich nicht.
Jedenfalls zum jetzigen Zeitpunkt nicht.

Kalanchoe
13.05.2009, 10:34
Ich hab seit 25 Jahren oft Narbenschmerzen. Manchmal trefenn sie mich unvermutet mit voller Wucht als ob einem ein Messer in den Bauch gerammt wird. Ich kann mich leider oft nicht beherrschen und schreie auf. ( Das tut mir immer selber leid, weil sich meine Familie so erschrickt.) Das ist dann oft der Auftakt zu tagelangen krampfigen Schmerzen von denen ich auch nachts aufwache. Ich helfe mir selber mit Meditationsübungen. Dann schlafe ich wieder ein. Aber morgens bin ich nicht ausgeruht. Freiverkäufliche Medikamente helfen nicht. Ich habe bei verschiedenen Hausärzten leider die Erfahrung gemacht, dass die das als psychisch abtun. Daraufhin habe ich sogar mal ein paar Monate Psychopharmaka genommen. Hat aber nichts gebracht. Trotzdem ist es für meinen Arzt "psychisch". Scheint mir übrigens die neue Modediagnose zu sein, bei allem, was Frauen so haben- auch bei mehr als einmal Schnupfen im Jahr. Komischerweise werden einem dann aber trotz "psychisch" neuerdings Mineralstoffpreparate und Vitaminkuren direkt in der Praxis angeboten angeboten. Stehen da in der Vitrine.Zum Selbstzahlen natürlich.

brighid
13.05.2009, 10:43
ich war von einigen jahren wegen der arthrose in reha.

dort wurde eine bunte, vielseitige und sehr effektive mischung aus:
anwendungen, ruhe, entspannungsmethoden und psychologischer betreuung angeboten.

der schmerz ist da. mal mehr, mal weniger. ich lebe mit ihm. er ist mein ständiger begleiter. zu manchen jahreszeiten mehr, zu anderen weniger.
wir haben uns arrangiert- wir teilen uns diesen körper.

und seitdem empfinde ich die schmerzhaften zeiten nicht mehr so aggressiv. sie sind für mich zeichen meines körpers, dass er mehr ruhe und aufmerksamkeit braucht. bekommt er. :smile:

Karla48
13.05.2009, 10:57
Ich wünschte, soweit wäre ich schon, brighid. :blumengabe: Bei mir ist es der Rücken (ist ja sehr verbreitet).
Es ist sicher richtig, daß die Psyche eine große Rolle spielt. Aber irgendwann weiß man dann auch gar nicht mehr: War zuerst die Henne - oder das Ei? :zwinker:

Mich hat ein Bericht im TV ziemlich erschüttert, der deutlich machte, wie unglaublich schädlich die "leichten" Schmerzmittel wie Paracetamol, Diclofenac, Ibuprofen sind. Und daß kaum auf die Mittel auf Morphin-Basis zurückgegriffen wird. Mein Arzt erklärt mir immer, es braucht ein endogenes plus ein exogenes Schmerzmittel. Also Morphiumpflaster PLUS Paracetamol.
Ich fange jetzt nochmals Akupunktur an, das hatte gut geholfen. Aber 25,-- pro Sitzung ist nicht gerade günstig. Irgendwie habe ich noch keine perfekte Lösung. Es ist auch nicht leicht, einen guten Schmerztherapeuten zu finden. Einen hatte ich - der ist weggegangen. Und ich fang wieder von vorne an...Der "normale" Orthopäde hilft nicht großartig weiter. Pillen, Tröpfchen, und die beliebten Spritzen. Zack - und tschüß. :knatsch: Drei Ärzte hab ich durch...überall dasselbe. Keine ZEIT. Es lebe die Gesundheits"reform".

Hach, tat gut, sich mal auszujammern. :engel:

LG Karla

PS brighid wo warst du zur Reha, und war die orthopädisch oder psychosomatisch? (PN?)

brighid
13.05.2009, 10:59
karla- bei bestimmten erkrankungen ist akkupunktur kassenleistung!!

Inaktiver User
13.05.2009, 11:00
Bei mir ist es Migräne und meine Wirbelsäule.

Chronisch wie es so schön heißt - nein die Migräne ist vererbt (danke Mutti!)

Sport für die Bandscheiben und bei Bedarf Tabletten oder den Doc.

Sumatriptan für die Migräne und Pause und Ruhe wenn ich merke ich bin gestresst.

"Regen Sie sich nicht auf" sagen die Ärzte :freches grinsen: Wenn mir mal ein Doc sagen könnte wie das geht....

brighid
13.05.2009, 11:02
was ich aus der reha mitgebracht habe:

-sag du es ihr, sagt die seele zum körper, auf mich hört sie schon lange nicht mehr-----

karla, du hast ne pn. :smile:

Karla48
13.05.2009, 13:09
Der Spruch ist richtig, ich kenne den auch. Aber: Man kann nunmal nicht jedes "Problem" "abschaffen". Mit Manchem muß man sich einfach arrangieren, stelle ich fest. Und das fällt typbedingt leichter oder schwerer. Man kann einen Menschen ja nur bedingt "reparieren", innen wie außen. Die Medizin gaukelt da gerne eine Machbarkeit vor, die es so m.E. einfach nicht gibt.

Ich hatte Akupunktur schon einmal als Kassenleistung im Herbst/Winter (hat super geholfen!). Jetzt darf ich nicht schon wieder :knatsch:. Muß deshalb privat bezahlen. Sch**. Aber gut - was ist wichtiger als Gesundheit, diese Ausgabe leiste ich mir. Gott sei Dank ist das hinzukriegen!

LG Karla

brighid
13.05.2009, 13:20
ich sehe es für mich so:

der schmerz in meinen gelenken ist der punkt wo meine seele, mein inneres kind, schreit:

ich will das du dich JETZ um mich kümmerst. sei lieb zu mir.

da kann ich mich auch in meinen schmerz fallen lassen. mich um mich selbst kümmern und vorallem mir in diesem moment das wichtigste sein.

Herbstanfang
14.05.2009, 10:40
Liebe Leidensgenossinen,

ich habe seit März 1993 starke Schmerzen in der rechten Schulter.
Der Schmerz ist immer gleichbleibend stark (auf der Skala kreuzte ich immer die 10 an).
Er schränkt mich allerdings keinerweise in der Bewegungsfähigkeit ein. In der Lebensfreude jedoch sehr.
Die Stelle ist ungefähr so groß wie eine kleine Kinderfaust.
Ich war bei mittlerweile 16 Ärzten verschiedenster Spezifikation, darunter drei Psychologen.
Geholfen hat nichts: keine Gesprächstherapie, keine Antidepressiva, keine physiotherapeutischen Behandlungen und - was für mich am seltsamsten ist - keine Schmerzmittel.
Eine körperliche Ursache wurde in keiner der vielfältigen Untersuchungen festgestellt.

Nun ist meine Vermutung, dass ich in früher Kindheit ein Trauma erlitten habe, welches den Schmerz und diverse andere "Seltsamkeiten", die ich an den Tag lege, hervorruft.

Ein Anruf in der nächstgelegenen Trauma-Zentrale ergab, dass ich mindestens 18 Monate auf einen ersten Termin warten muss.

Ich bin knapp 40 Jahre alt. Der Schmerz begleitet mich seit 16 Jahren durch verschiedenste Abschnitte meines Lebens.
Bei dem Gedanken, mit dem Schmerz noch einmal 16 Jahre oder länger leben zu müssen, wird mir ganz anders...

brighid
14.05.2009, 14:58
mein schmerzmuster bleibt mir erhalten. bis zum letzten schnaufer.

mal mehr, mal weniger.

Kalanchoe
15.05.2009, 16:32
Rücken/Nackenschmerzen habe ich auch oft. Ist ja auch angeblich psychisch. Ich bin allerdings der Ansicht, dass es was mit meiner Anatomie (Wirbelsäulenverkrümmung)zu tun hat und langem Stillsitzen mit diesem typisch vorgestreckten Kopf wie eine Schildkröte !!! So wie jetzt am Computer. Ich habe jahrelang einen Arzt gesucht, der mir hilft. Ich habe Physiotherapien gemacht, die Übungen haben alles nur noch verschlimmert ...Und irgendwann gab es in meinem Sportverein eine Qi-Gong-Gruppe. Da bin ich nun seit 3 oder 4 Jahren dabei und meine Schmerzen sind innerhalb der ersten 6 Monate um 30-50 % weniger geworden. Wirbelsäulen -und Gelenkblockaden lösten sich ins Nichts auf. Früher brauchte ich 2-3x pro Woche eine IBU 600. Inzwischen benötige ich wochenlang garnichts und wenn doch, dann reicht meistens eine 400er.

Qi-Gong ist ein Bewegungssystem aus China. Man turnt da im Stehen Bewegungsfolgen mit seltsamen Namen ab. Manchmal ist es ein bißchen wie Tanzen ohne hektische Bewegungen und Verrenkungen. Man kann das sogar im Sitzen praktizieren. Außerdem kann man die Übungsfolgen nach der Tagesform und nach dem heute akuten Gesundheitsproblem wählen. Man benötigt keinen Übungsplatz, keine Ausrüstung und man kann die Übungen auch mal zwischendurch machen. Das Geniale für mich ist die Kombination aus Bewegung und Kraft. Also am Anfang finden es alle schwer, eine Stunde mit mehr oder weniger erhobenen Armen dazustehen... Das wollte ich Euch unbedingt mal erzählen.

edelstein
16.05.2009, 16:43
Hallo und guten Tag, ich haben mich gerade angemeldet und versuche mir einen Überblick zu verschaffen, da stoß ich doch direkt auf diesen Talk. Zufall? Nee! Liegt doch das Dossier noch ungelesen im Wohnzimmer. Nicht gelesen, weil ich mir eigentlich keine neuen Erkenntnisse davon erwarte. Trotzdem gekauft, könnte ja doch was Brauchbares drin stehen. So werde ich dauernd hin und her gerissen. Schmerz ist mein täglicher Begleiter - mal mehr mal weniger. Ich leide seit über 10 Jahren unter Fibromyalgie - eine chronische Schmerzerkrankung eine Art Dauer-Muskelkater mit Nebenwirkungen (Erschöpfung, Durchschlafstörungen, Magen- und Darmbeschwerden im Wechsel, etc.) Die Krankheit heißt auch "Schmerzen überall".
Noch relativ unerforscht und in der Ärzteschaft von "da bin ich jetzt etwas ratlos" bis "alles Einbildung" eingestuft, dümpelt der Schmerz so dahin.
Meine Psyche wechselt zwischen: "Verdammt, da muss doch was zu machen sein" - Internetrecherche ohne Ende - und "lasst mich in Ruhe, ich mag nicht mehr" hin und her.
Aber was rede ich, das ist sicher bei allen Schmerzerkrankten ähnlich.
Bin trotzdem froh, das es den Talk gibt - immerhin kann dr Austausch mit anderen aufbauend wirken.
Mach mich jetzt weiter, denn eigentlich wollte ich mir doch einen ersten Überblick über die Themen hier bei BFriends verschaffen.
Grüße

pacnopac
18.05.2009, 08:05
"Schmerz, lass nach!" Genau das trifft den Punkt, wenn man von chronischen Schmerzen heimgesucht wird.
Die schlechte Nachricht ist, dass beim Zug durch die Arztpraxen es darum häufig gar nicht geht, so jedenfalls in meinem Falle, sondern darum "der Ursache auf den Grund zu gehen". Allzu oft wird diese aber gar nicht gefunden und man wird mit einer Beurteilung nach Hause geschickt, in meinem Fall "psychisch labil". Dass ein eher tumb veranlagter Mensch nicht so unter Schmerzen zu leiden hat, ist mir mittlerweile auch klar, wem kein ausgedehntes Nervengeflecht gewachsen ist, der hat auch nicht unter vielen Schmerzimpulsen zu leiden. Ärzte waren also wenig hilfreich.
Die gute Nachricht ist, man kann und muss selber etwas tun, den Schmerz kennen lernen, durch leben (leider), mit ihm kommunizieren und ihm Grenzen aufzeigen, das klingt irgendwie esoterisch, ist aber wirklich so.
Nach zehn Jahren des Ringens und Lesens vieler Ratgeber flippe ich jetzt nicht mehr aus, wenn der Schmerz auftaucht, ich gehe mit ihm um, reagiere auf ihn, aber angemessen und vor allem VERGESSE ich ihn dann auch wieder, denn ich weiß, er vergeht auch wieder und es kommen schmerzfreie Phasen.

Monschum
18.05.2009, 20:15
Hallo Edelstein,
nimmst du denn gar kein Mittel gegen deine Schmerzen?

Nachdem ich bei verschiedenen Ärzten beim Nennen der Fibromyalgie eben auch von Hilflosigkeit bis Aggression alles hatte, wurde mir bei einem Krankenhausaufenthalt (neue Hüfte) vom Chrirugen, der erste Arzt, der diese Diagnose wirklich ernst nahm, Oxycodon 20 mg verordnet.

Die Schmerzen sind jedenfalls fast ganz weg.
Die Begleiterscheinungen, wie Schlafstörungen, Wortfindungsschwierigkeiten, Konzentrationsschwäche allerdings nicht.
Ich bin aber schon froh, dass ich mich nicht mehr vor Schmerzen krümmen muss.

Du solltest nicht aufgeben, Hilfe zu suchen.

Alles Gute
mon

Miracle41
19.05.2009, 06:33
Ich bin knapp 40 Jahre alt. Der Schmerz begleitet mich seit 16 Jahren durch verschiedenste Abschnitte meines Lebens.
Bei dem Gedanken, mit dem Schmerz noch einmal 16 Jahre oder länger leben zu müssen, wird mir ganz anders...


Das ist meine größte Angst.
Noch viele viele Jahre mit den Schmerzen leben zu müssen.
Eigentlich möchte ich noch viele Dinge tun die bis jetzt bedingt durch Kinderaufzucht und langen Krankheitsphasen nicht möglich waren.
Ein paar ausgedehnte Reisen stehen noch auf dem Plan .... aber ob es mit dieser Belastung so möglich ist?
Und sollten in den nächsten Jahren noch weitere Eingriffe nötig sein wird sich meine Situation auch nicht verbessern.
Die viele Kraft die mich die Schmerzen kosten fehlt mir oft an anderer Stelle.
Bei Überlegungen wie meine Zukunft damit aussehen wird hilft mir die erlernte Gelassenheit leider nicht mehr weiter.

LG - Miracle :blumengabe:

yemira
20.05.2009, 00:25
Hallo und guten Abend alle miteinander.
Was ich bislang hier so von euch gelesen habe,deckt sich größtenteils mit meinen eigenen langjährigen Erfahrungen als chronische Schmerzpatientin.
Nach einer mehrjährigen Reise durch die verschiedensten Arztpraxen fand ich einen sehr guten Schmerzambulanz-Arzt und eine supergute
Psychologin.
Von beiden fühle ich mich ernst genommen,
Sehr geholfen hat mir außerdem das Buch

"Klopfen gegen Schmerzen"
Signale verstehen-Selbsthilfe aktivieren
Energetische Psychologie praktisch
von Dr.Uta Kronshage, erschienen im Rowolt Taschenbuch Verlag
8,95 €

Wenn das Beklopfen verschiedener Punkte nach der gut beschriebenen Anleitung durchgeführt wird,ist meistens eine sofortige Wirkung spürbar.
Ich möchte dieses Buch nicht mehr missen und kann es nur wärmstens weiterempfehlen.

Uns allen Schmerzgeplagten wünsche ich eine baldige ganz schmerzfreie Zeit .
Liebe lichtvolle Grüße
Yemira:
:Sonne: