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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Himmelfahrt - Evolutionstag



Inaktiver User
26.02.2009, 16:42
Die Giordano-Bruno-Stiftung macht den Vorschlag, den bundeseinheitlichen Feiertag Himmelfahrt in Evolutionstag umzuwidmen, um zu feiern, dass wir endlich den kindlichen Narzissmus überwunden haben, der uns dazu verleitete, unsere Art als „Krone der Schöpfung“ zu betrachten.

Angesichts des immer weiter um sich greifenden religiösen Fundamentalismus und Kreationismus finde ich das eine hervorragende Idee.

Näheres dazu gibt es hier (http://www.darwin-jahr.de/e-day). Dort befindet sich auch eine Petition zur Umwidmung des Feiertages, die schon erfreulich viele Unterschriften zusammenbekommen hat.

Lizzie64
26.02.2009, 16:59
hi segres!

ich hab das gestern auf spiegel online gelesen und dachte auch: gute idee. aber ich fürchte, die zeit ist lange noch nicht reif für die umsetzung in der form, dass ein über jahrhunderte etablierter kirchlicher (wobei ich persönlich mit kirche nicht viel am hut habe) feiertag dergestalt umgewidmet wird.



p.s. und o.t.: ich hab im moment ziemlich viel mit ämter-korrespondenz zu tun ... merkt man, oder? :freches grinsen:

Inaktiver User
26.02.2009, 17:04
hi segres!

ich hab das gestern auf spiegel online gelesen und dachte auch: gute idee. aber ich fürchte, die zeit ist lange noch nicht reif für die umsetzung in der form, dass ein über jahrhunderte etablierter kirchlicher (wobei ich persönlich mit kirche nicht viel am hut habe) feiertag dergestalt umgewidmet wird.

Vermutlich hast du Recht. Ich denke aber einfach, dass die Leute mit einem kritischen Geist, die den Ursprung der Dinge hinterfragen, statt sie als gottgegeben hinzunehmen, jetzt "laut" genug werden müssen. Wenn genug Unterschriften zusammenkommen, wird die Presse nicht umhin kommen, davon zu berichten. Und diese gesellschaftliche Debatte ist absolut überfällig, nachdem erstaunlich vielen Menschen das rationale Denken abhanden zu kommen scheint ...

Lizzie64
26.02.2009, 17:13
:smile: find' ich alles nachvollziehbare argumente.

nur: wird ein gesetzlicher feiertag, noch dazu einer, der einen anderen alternativlos ersetzt, diesem anspruch gerecht?

schau dir doch die feiertagspraxis in der realität an: wer begeht denn die existierenden feiertage (also, die kirchlichen) tatsächlich so, wie mal vorgesehen? also: am himmelfahrtstag christi himmelfahrt feiern, ostern die wiederauferstehung, pfingsten (äääh, ja, WAS war nochmal pfingsten, werden jetzt die llermeisten fragen) den heiligen geist, weihnachten die geburt jesu etc)? die allerwenigsten.

das bewusstsein für die inhalte ist in unserer weitgehend säkularen gesellschaft stark an den rand gerutscht (ich sage das alles übrigens komplett wertfrei; es sind reine beobachtungen).

deshalb befürchte ich, dass ein der anlass, der inhalt eines evolutions-feiertages stark ins hintertreffen geriete. ich glaube, effektiver ist eine bewusstmachung quasi aus dem untergrund, mit veranstaltungen etc., wie am welt-aids-tag zum beispiel.

umwidmung des himmelfahrtstages (gegen die ich persönlich, wie gesagt, nichts hätte, auch den neuen anlass fände ich zumindest originell) hätte wohl eher zur folge, dass das volk sich freut, dass kein arbeitsfreier tag verloren geht. WARUM arbeitsfrei ist, ist den meisten jedoch wumpe. es gibt da einen tollen kabarett-beitrag von konrad beikircher über dieses thema :-)

Karla48
26.02.2009, 17:38
Ich bin dagegen. Also ich bin Christin, und hätte schon gerne nach wie vor den "Himmelfahrtstag". Der hat für Leute wie mich :freches grinsen: durchaus seinen Sinn. Und sooo wenige sind das auch nicht. Weißgott nicht. Verbindet jemand mit dem Feiertag, daß man da in die Kirche muß, nur damit außen Stehende sehen können: Aha, der Feiertag hat einen Sinn? Das geht ja wohl gar nicht.

Wenn der Tag für Euch keinen Sinn macht, bitteschön, dann könnt Ihr ja gerne arbeiten gehen :engel:, aber den Tag schlichtweg umwidmen, damit es ein freier Tag bleibt...schräg.

Demnächst wird Weihnachten dann der"Lidl"-Tag. Weil die so viel Gutes für uns tun. Oder wo sind die Grenzen? *ironiemodusaus*

Und daß wir 2009 schreiben, damit seid Ihr einverstanden? Das 2009. Jahr nach Christi Geburt. Das heißt es nämlich. :freches grinsen:

Man könnte im Prinzip jeden Feiertag diskutieren.
Sogar Neujahr. Denn unser Kalender ist eigentlich nicht ganz "up to date". Ein weites Feld.

LG Karla

Blickwinkel
26.02.2009, 18:06
*lach* interessanter Ansatz!

meine Gedanken dazu:

wir leben in einer christlichen ebenso wie in einer modernen aufgeklärten Kultur.
Wir genießen auch als nicht Religionszugehörige jede Menge Feiertage und so soll es bitte auch bleiben. Dass die allerdings fast durch die Bank kirchlichen Ursprungs sind, ist einfach nicht mehr zeitgemäß.
Mal einen davon umzubenennen, der sowieso der Mehrheit eher als Vatertag oder Tag zum Familienausflug dient, finde ich mehr als berechtigt (so auch den Ansatz, genau diesen zu nehmen, weil die Menschen ihn ohnehin gern 'draußen' verbringen).
Natürlich wird es Gläubige geben, die ihn noch sinnnäher begehen, leugne ich ja gar nicht. Aber evangelische Christen feiern den Reformationstag auch, obwohl er kein gesetzlicher Feiertag mehr ist, dem Buß- und Bettag geht es ähnlich (und einigen anderen Gedenktagen wurde das gleiche Los zuteil).

Ich find die Idee durchaus bedenkenswert - wobei mir der Namensvorschlag doch noch etwas fremd und wenig eingängig vorkommt...

Lizzie64
26.02.2009, 18:06
Wenn der Tag für Euch keinen Sinn macht, bitteschön, dann könnt Ihr ja gerne arbeiten gehen :engel:, aber den Tag schlichtweg umwidmen, damit es ein freier Tag bleibt...schräg.


LG Karla

das entspricht überhaupt nicht der motivation für den evolutionstag am datum des jetzigen himmelfahrtstages, karla. ich finde, es erweist der diskussion keinen dienst, die logik zu verschieben, nur damit die ironie auch greift.

Opelius
26.02.2009, 18:20
Eine Umwidmung halte ich für wenig angebracht.

Dieser Feiertag war während des Weltkrieges übrigens verboten, weil er als kriegswichtiger Werktag gebraucht wurde. Pfarrer, die dennoch einen Gottesdienst abhielten wurden dafür interniert oder zur Truppe abkommandiert. In der DDR war er in der Zeit 1967 bis 1989 gesetzlich abgeschafft.

Ich habe ähnliche Gedanken wir Karla. Nur ich gehe weiter, wenn die Mehrheit der Bevölkerung nicht mit christlichen Feiertagen einverstanden ist, sollten wir sie komplett abschaffen. Alles andere wäre für mich ein Gehudle.
Christen können dann immer noch privat ihre Gottesdienste feiern. Dass das geht, haben wir mit der Abschaffung der Buß- und Bettages 1994 zugunsten der Pflegeversicherung erfahren (Ausnahme Freistaat Sachsen). Der Tag war weg, bevor sich die evangelische Kirche überhaupt zu Wort meldete.

Und für die Masse der Bevölkerung ist der Tag sowieso Vatertag.


(Muss ich erwähnen, dass ich überzeugter Christ bin?)

Inaktiver User
26.02.2009, 18:31
Nur ich gehe weiter, wenn die Mehrheit der Bevölkerung nicht mit christlichen Feiertagen einverstanden ist, sollten wir sie komplett abschaffen. Alles andere wäre für mich ein Gehudle.
Du wirst niemanden finden, der mit dem Feiertag nicht einverstanden ist. Jeder freut sich, wenn er einen freien Tag hat. Doch für viele Menschen ist Himmelfahrt inhaltsleer. Durch den Evolutionstag könnte man diesen Tag mit neuem Inhalt füllen - und in den Kalendern ginge es nicht immer nur christlich zu.
Wobei es jedem Christen unbenommen bleibt, an dem Tag in die Kirche zu gehen.

Ich stelle nur immer wieder mit Entsetzen fest, dass das rationale, überprüfbare Wissen heftig dabei ist, sich zu verabschieden (http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/0,1518,608271,00.html). Durch einen entsprechenden Feiertag wird das Bewusstsein für Darwins Verdienste gestärkt und seine Verankerung in der Gesellschaft unterstrichen.

Inaktiver User
26.02.2009, 18:31
Und für die Masse der Bevölkerung ist der Tag sowieso Vatertag.



:allesok: :prost: :hunger: :schild ...uups:

Opelius
26.02.2009, 18:52
Ich stelle nur immer wieder mit Entsetzen fest, dass das rationale, überprüfbare Wissen heftig dabei ist, sich zu verabschieden (http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/0,1518,608271,00.html). Durch einen entsprechenden Feiertag wird das Bewusstsein für Darwins Verdienste gestärkt und seine Verankerung in der Gesellschaft unterstrichen.

Ich weiß, im Religionforum wird das immer wieder berichtet, dass der Kreationismus auf dem Vormarsch sei. Nur ich bezweifle das - zumindest für Deutschland.

Über Darwin wurde vor kurzen in allen Tageszeitungen groß berichtet:
zum 200. Jahrestag seiner Evolutionstheorie. Das fand ich ich eine angemessene Würdigung. Aber als Feiertag und das jährlich?

Dass wie im Spiegel berichtet, die Anzahl der Zweifler bei Lehramtsanwärten steige, klingt bedrohlich. Aber sind 15 % Zweifler wirklich bedrohlich? Meint irgendwer, dass die Umwidmung eines ehemals christlichen Feiertages, den die Masse der Bevölkerung sowie sehr weltlich nutzt, irgendetwas im Bewußtsein verändert?

Wir haben Weihnachten, Karfreitag, Ostern, Christi Himmelfahrt, Pfingsten, Fronleichnam in überwiegend katholischen Ländern und ein paar regionale Feiertage als normalerweise freie Arbeitstage. Wahrscheinlich mehr als 50 % der Bevölkerung, vor allem die unter 50-jährigen, können auch nur andeutungsweise die Bedeutung dieser christlichen Feiertage benennen. Was soll sich in den Köpfen der Menschen verändern, wenn wir einen Evolutionstag haben?

Wen Deine Logik stimmen würde, dürfte es eigentlich keine Nichtchristen bei uns geben.

Blickwinkel
26.02.2009, 18:58
nette Argumentationskette... (nein, das meinte ich wirklich positiv). Dennoch sei mir die Frage erlaubt:

wenn doch sowieso die Mehrheit Himmelfahrt als Vatertag begeht, was hindert uns, diesem Tag wieder eine Bedeutung zu geben, zu der sich Menschen Gedanken machen können - das tut kaum noch jemand bei der Erwähnung von Himmelfahrt ... der alte Krückstock wird nicht stabiler, nur weil sein Träger sich weigert, ihn gegen einen anderen zu tauschen...

Opelius
26.02.2009, 19:15
Wir hatten in der Bundesrepublik, soweit ich mich erinnere von 1953 bis 1990 einen nichtchristlichen Feiertag: den "17.Juni."
Ich kann mich nicht erinnern, dass dieser Feiertag in den Köpfen der Westdeutschen irgendetwas verändert hat. Man hatte frei, basta.

Blickwinkel
26.02.2009, 19:21
Wir hatten in der Bundesrepublik, soweit ich mich erinnere von 1953 bis 1990 einen nichtchristlichen Feiertag: den "17.Juni."
Ich kann mich nicht erinnern, dass dieser Feiertag in den Köpfen der Westdeutschen irgendetwas verändert hat. Man hatte frei, basta.

hmm ... ich gebe ja zu, dass Du das genauso wenig beweisen kannst, wie ich das Gegenteil.
In meinem Kopf jedenfalls war es anders... (aber das trifft natürlich für Dich ggf. auf Himmelfahrt ebenso zu).

Wobei das bis auf Silvester und Neujahr wohl von jedem Feiertag ebenfalls so oder so behauptet werden könnte :zwinker:

Inaktiver User
26.02.2009, 19:25
Was soll sich in den Köpfen der Menschen verändern, wenn wir einen Evolutionstag haben?
Also für mich persönlich hat z.B. der 3. Oktober eine wesentliche Bedeutung. Ein Evolutionstag hätte es auch. Weihnachten und Ostern sind auch wichtig. Der Rest - na ja. Wie du sagst: Kaum einer weiß mehr, warum wir diese Feiertage haben. Das war mal anders, hat sich aber offensichtlich überlebt. Warum diese Feiertage nicht mit neuem Leben füllen?

Opelius
26.02.2009, 19:32
Kaum einer weiß mehr, warum wir diese Feiertage haben. Das war mal anders, hat sich aber offensichtlich überlebt. Warum diese Feiertage nicht mit neuem Leben füllen?

Sicher, das kann man versuchen!
Ich hielte es für ehrlicher sie abzuschaffen.

Ich denke nicht, dass Feiertage tatsächlich mit neuen Inhalten und zu neuem Leben erweckt werden können. Denn jede Botschaft, welche auch immer, findet ihre heftigen Gegner und in der Masse Gleichgültige. Wenn frei dafür gibt: gut. Engagieren ist nicht sonderlich angesagt, es sei denn, es findet im eigenen Dunstkreis statt.

Für mich hat der 17. Juni, der 3. Oktober, der 9. November immer eine hohe Bedeutung, denn erstens habe ich das erlebt (wenn auch nur vorm Fernseher), es hat mich aufgerüttelt, und ich habe es für ein unglaubliches Wunder gehalten. Für meinen jüngsten Sohn gilt das schon nicht mehr, er hat daran keine persönlichen Erinnerungen. Die nächste Generation sieht das bestenfalls als langweilige Geschichte.