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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : checkliste für das Arztgespräch



fiat500
23.02.2009, 17:10
Hallo,

Heute Morgen wurde an meiner Brust eine Biopsie entnommen und morgen Abend habe ich ein Gespräch mit dem Arzt des Brustzentrums. Die Ärztin heute sage mir allerdings schon, dass ich mit einer Krebsdiagnose rechnen solle.

Nun wüßte ich gerne, kennt Ihr eine art Checklise, mit der man in dieses Gespräch gehen kann? Was ist wichtig, was muss ich wissen?

Ich bin eher so, dass ich alles wissen möchte um später vorbereitet zu sein.

Inaktiver User
23.02.2009, 18:33
Liebe Fiat,

also eine Checkliste...das ist eher schwierig, denn diese Diagnose nimmt erstmal soviel Raum ein. Ich saß damals wie ein Kaninchen vor der Schlange im Arztgespräch, völlig betäubt. Außerdem ergibt sich alles Stück für Stück im Gespräch. Bist Du in einem Brustzentrum? Es gibt soviele Unterschiede (Tumorgröße, Typ etc.).....von den vielen Details ist die Therapie abhängig.

Es ist meines Erachtens ganz ganz wichtig, dass Du jemanden zur Unterstützung mitnimmst in dieses Gespräch!

Meine Ärztin hat das damals wie folgt auf den Punkt gebracht; sie sagte, nachdem sie ca. 45 min mit mir und meinem Mann gesprochen hatte "so, das war sehr gut, dass Sie als Unterstützung Ihren Mann mitgebracht haben, denn wenn sie diese Tür von draußen schließen, haben sie alles vergessen, was wir besprochen haben, sondern nur noch den einen Gedanken im Kopf - ich habe Krebs -" Und sie hatte damit vollkommen Recht! Also ich hoffe, Du kannst jemanden mitnehmen, Mann, Freund, Freundin oder aus der Familie.

Ich wünsche Dir alles Gute :blumengabe:

Kati

Froeschle
23.02.2009, 18:43
Ich würde dir auch ans Herz legen jemanden zur Unterstützung und Halt mitzunehmen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Ärzte meistens schon ganz gut wissen was die Patientinnen beschäftigt und auch schon mal recht viel von sich aus beantworten und erst mal erzählen.

Ich wünsche dir alles Gute!

Zitronengras
23.02.2009, 19:09
Bei mir war es so, dass ich bei der Verkündung der Diagnose wie vor den Kopf geschlagen war, weil ich mit Krebs nie gerechnet hätte. Beim Gespräch mit dem Chefarzt war eine Onkologieschwester dabei. Diese hat uns angeboten, am nächsten Tag nochmal in Ruhe zu ihr zu kommen. So hatte ich Zeit, mir alle Fragen aufzuschreiben.

Ich würde auch unbedingt in Begleitung dort hingehen. Dann würde ich mir den Befund genau erklären und auch aushändigen (Kopie) lassen. Ich würde fragen, wie weiter vorgegangen werden soll und warum. Wenn Du in einem zertifizierten Brustzentrum bist, gibt es ggfs. auch die Möglichkeit, an einer Tumorkonferenz teilzunehmen (bei mir war das so, ist aber unterschiedlich). Dort bespricht eine Expertenrunde Deinen Fall.

Brustkrebs ist kein Notfall. Es ist IMMER Zeit, sich eine zweite Meinung einzuholen, viele Ärzte begrüßen das sogar.

Alles Gute!

Froeschle
23.02.2009, 19:30
Wir haben die genaue Diagnose telefonisch erfahren. Meine Mutter war am Tag vorher bei der Biopsie (ich hatte sie begleitet), meine Mutter sollte dann am nächsten Tag das Ergebnis telefonisch erfragen. Sie konnte jedoch einfach nicht anrufen. Die Angst war zu groß. Deshalb habe ich das dann übernommen und die Ärztin hat mir erstmal das Wesentliche erklärt. Trotzdem war es füra lle ein Schock, ganz klar.
1,5 Stunden später, hat die Ärztin von sich aus aber nochmals angerufen um mit meiner Mutter zu sprechen und zu fragen wie es ihr nach dem ersten Schrecken geht. Das fanden wir damals sehr toll von dieser Ärztin.

Aber weil du nach Checklisten gefragt hast: Es gibt aber auch ein gutes Buch, das dir vielleicht helfen könnte: "Überebens-Buch-Brustkrebs".

Ansonsten haben wir auch immer den Tip bekommen uns alle Befunde etc. als Kopien aushändigen zulassen.

coolejoanna
23.02.2009, 19:36
Hallo Fiat500,

ich kann gut verstehen das Du alles wissen möchtest! Auch ich war am Anfang immer auf der Suche nach Antworten!

Ich kann den anderen nur beipflichten!!! Gehe nicht allein, wenn es irgend möglich ist!!! Lass Dir auf jeden Fall eine Kopie des Befundes geben!!! Danach hast Du etliche Fragen!!! Dafür gibt es einige gute Seiten im Net!

Und sonst kannst Du hier eigentlich alles Fragen!!! Wir helfen gern, wenn es möglich ist! Du kannst mich auch direkt anschreiben...kein Problem!

Ich wünsche Dir für Deinen Termin ganz viel Kraft!!!

Und für alles was danach kommt genügend Mut und auch Gelassenheit!!

Alles, alles liebe!!!

Coolejoanna

Kappuziner
23.02.2009, 23:42
Hallo Fiat,

estmal eine herzliche :wangenkuss: Umarmung... ich weiß, wie du dich fühlst...
Also, hier ist das, was ich heute, in deiner Lage, machen würde und vielleicht besser machen würde:
Stichwort "Brusterhaltende OP" - das wollen alle. Das ist irgendwie DAS Prestigesymbol in den Brustkrebszentren (in einem solchen bist Du doch? Wenn nicht - dann hin!!!)

Ich würde heute in jedem Fall vor der OP GANZ LAUT UND DEUTLICH sagen, dass ich, wenn ich nicht brusterhaltend operiert werden kann, amputiert werden soll.
Es macht gar keinen Sinn, dann noch mal auf eine zweite OP zu warten.
Also, das wäre für mich das Wichtigste.

Das Zweite dann die Wahl der Chemotherapie. Je weiter fortgeschrittener der Krebs ist, desto toxischer wird die Chemo - und damit auch teurer. Frag mehrere Ärzte, was für dich empfehlenswert ist - für mich war es die "TAC", die recht teuer ist. Aber du solltest dir unabhängige MEinungen darüber verschaffen, ob sie für dich notwendig ist oder nicht (ich glaube, man sagt heute, sobald ein Lymphknoten befallen ist, sollte es TAC sein / oder bei einem G3 Tumor)

Letzte Frage: ob Dein Tumorgewebe gleich darauf getestet werden sollte, ob es anfällig ist für eine bestimmte Chemo-Sorte (meins wurde nicht getestet, ich wusste aber auch nicht, dass es diese Option gibt).

Ich wünsche Dir VIEL VIEL VIEL GLÜCK!!!! toi toi toi! :blumengabe:

fiat500
24.02.2009, 10:17
Hallo Ihr Lieben,

vielen Dank für Eure Antworten! Ich werde bestimmt noch mit vielen Fragen kommen, aber so viele Antworten tun mir gut.

Ja, ich gehe mit einer sehr guten Freundin, fast schon Schwester zum Termin. Mein Mann würde auch mitgehen, kommt aber erst morgen aus dem Ausland zurück (früher schafft er es nicht, aber dann ist er auch da).

Die Idee mit den Kopien ist sehr gut. Ich habe glück, dass ich privat krankenversichert bin, mir also hoffentlich nicht so viele Gedanken um das Geld machen muss.

Am meisten Sorge mache ich mir um meine Kinder. Sie sind noch so klein: Torben ist 6 Jahre und Federica 11.

Aber nun gehe ich erst einmal zu dem Termin und dann sehe ich, wie es weiter geht.

Danke Euch, Corinna

Kappuziner
24.02.2009, 12:03
Liebe Corinna,

wenn es Dich wirklich erwischt haben sollte - vergiss nicht, Brustkrebs ist heilbar - die Chancen, dass Du am Ende der Behandlung weiterlebst, so wie früher, sind sehr sehr gut!

Ich bin einigen Mütter von jungen Kindern begegnet während meiner Krankheit, das ist gar nicht so schrecklich, wie du jetzt vielleicht denkst. Die Kids gehen ganz natürlich damit um und geben ihren Müttern viel Kraft.

Das Wichtigste ist, dass Du in Deinem Leben aufgefangen wirst, Mann, gute Freundin, Kinder, lauter "Haltepunkte", das ist wichtig.

Der Rest ergibt sich dann, jeder hat da seinen eigenen Weg, mit der Krankheit umzugehen und jeder findet eigene Helfer.
Man überlebt das! Meine Diagnose ist 4 Monate alt und ich schöpfe gerade ganz viel neue Kraft. Hätte ich vor 4 Monaten nicht gedacht, dass ich heute soweit bin.

Inaktiver User
24.02.2009, 16:52
Hallo Ihr Lieben,

vielen Dank für Eure Antworten! Ich werde bestimmt noch mit vielen Fragen kommen, aber so viele Antworten tun mir gut.

Danke Euch, Corinna

Liebe Corinna,

ich möchte mich gerne meinen "Vorschreiberinnen" anschließen...frag bitte alles, was Du wissen möchtest; gerne auch per PN! Hier sind alle super hilfsbereit und lieb.

Viele von uns hier standen, wie Kappuziner schreibt, noch vor 4 Monaten vor einem ziemlich tiefen Abgrund; jetzt hingegen sind wir alle auch mit und durch die Krankheit gewachsen. Das klingt am Anfang immer ganz unglaublich, aber mit der Zeit wird es besser und einfacher, mit der Krankheit umzugehen. :wangenkuss:

Und: Brustkrebs ist heilbar !!!

Liebe Grüße von Kati :in den arm nehmen:

fiat500
24.02.2009, 17:16
Die Diagnose ist bestätigt, ich habe Krebs.

Leider ist schon die gesammte Brust befallen und offensichtlich ist dieses Teil sehr aggressiv. Nun muss ich also nicht mehr nur vor Brustkrebs fürchten!!

Diese und nächste Woche habe ich Termine für CT, Knochenszintigraphie, Ultraschall, MRT. Wenn er nun schon überall sitzt? Hätte ich mehr machen müssen? Eigentlich müßig, darüber nachzudenken, aber es geistert doch in meinem Kopf herum. Im November war ich für einen andrern kleinen Eingriff im Krankenhaus. Dort wurde ein Tumormaker bestimmt, der negativ war... ist das jetzt gut?

Morgen hat mein Mann Geburtstag und ich habe eben mit den Kindern Kuchen gebacken. Morgen feiern wir und dann sehe ich weiter. Ich werde auf jedenfall mit ihnen darüber sprechen. Heute in der Klinik habe ich gesehen, dass es in Bremen sogar eine Gruppe für Kinder mit krebserkrankten Verwandten gibt.

Ich werde sicher einiges in meinem Leben verändern müssen, aber ich schaffe das!

Zitronengras
24.02.2009, 18:45
Scheiße! Das tut mir leid!!!

Auch, wenn die gesamte Brust befallen ist, muss sich das noch nicht wesentlich auf Deine Prognose auswirken. Wichtig ist auch, ob Lymphknoten befallen sind und natürlich die Untersuchungen, die noch folgen. Bald wirst Du mehr wissen und das ist gut.

Tumormarker sind oft nicht sehr aussagekräftig. Bei mir waren sie auch bei der Diagnose nicht besonders hoch und ich hatte auch einen sehr aggressiven Krebs (G3). Aggressive Arten sprechen meist auch sehr gut auf Chemo an, vielleicht ein kleiner Trost.

Nach den Untersuchungen wird es sicher einen Behandlungsvorschlag geben. Berichte doch mal, wenn Du magst, wie es weitergeht. Gerne auch per PN. Außerdem möchte ich Dich gerne einladen, in einem der Stränge (oder mehreren) mitzuschreiben, Du bist, wann immer Du magst, herzlich willkommen, auch wenn der Anlass ein trauriger ist. In meinem "Panik-Strang" und auch im "Mutmach-Strang" wirst Du auf sehr nette betroffene Frauen stoßen.

Außerdem kann ich Dir auch den --> Krebs-Kompass (http://www.krebs-kompass.org/forum/index.php) empfehlen.

Froeschle
24.02.2009, 19:10
Oh man, das tut mir auch wahnsinnig leid.

Der Krebs-Kompass ist gut, aber ich kann mir auch vorstellen, dass du veilleicht einfach erst geschockt bist und erstmal gar nichts neues, vielleicht beunruhigendes (und am Anfang wirkt wohl alles beunruhigend) lesen möchtest. So war es bei meiner Mutter...
In den Strängen hier in der Bri sind viele Frauen, die dich bestes verstehen können und das schreiben "befreit" vielleicht auch ein klein wenig.

Jetzt habe ich aber eine Frage, ist es nicht normal, dass MRT, Ultraschalll etc. nach einer Brustkrebs-Diagnose gemacht wird? Bei meiner Mutter war es ähnlich und es war dann "nur" Brustkrebs. Vielleicht kann dich das ein kleines bisschen beruhigen.

Ganz liebe Grüße,
Fröschle

fiat500
24.02.2009, 19:24
Hallo Fröschle, Hallo Zitronengras,

Ich hatte mit der Diagnose gerechnet. Ich muss dazu sagen, dass sowohl meine Mutter als auch meine Oma an Brustkrebs gestorben sind. Das ist schon 25 Jahre her, inzwischen ist in der Krebsforschung viel passiert. Ich habe also (obwohl ich überzeugt war nie Krebs zu bekommen) immer brav alle Untersuchungen gemacht. Es ist nie irgendetwas entdeckt worden. Aber wie gesagt, es ist wohl müßig, darüber zu grübeln.

Wenn diese ganzen Untersuchungen wirklich immer gemacht werden, beruhigt mich das ein wenig. Im großen und ganzen habe ich aber jetzt mehr Angst denn es ist eben vielleicht doch nicht "nur" Brustkrebs.

Vielen Dank für Eure Unterstützung. Ich habe in den anderen Strängen gelesen und werde mich dort auch mal mit einklinken.

Zitronengras
24.02.2009, 20:07
Also, ein Tumor kann sehr schnell heranwachsen. Ich war im Februar bei der Vorsorge, ab Mitte Oktober habe ich Schmerzen in der linken Brust gespürt, habe getastet, da war er schon wallnussgroß. Ich schätze, er ist innerhalb von ca. 2 Monaten auf diese Größe gewachsen.

Es gibt mittlerweile wirklich sehr gute Therapien. Das merke ich auch, wenn ich mich mit Frauen unterhalte, deren Krebs schon länger her ist.

Knochenszinitgraphie, Lungenröntgen und Oberbauchultraschall gehören als Untersuchungen nach der Diagnose zum Standart ("Staging-Untrsuchungen"). Bei MRT weiß ich es nicht, bei mir wurde eins gemacht, ist ja auch sinnvoll, denn nur so kann man genau sehen, wie groß der oder die Tumore sind (Ultraschall liefert kein so genaues Bild). Umso besser, wenn es gemacht wird. Manchmal kann man auf dem MRT auch ein, zwei Lymphknoten sehen (je nach Lage).

Es stimmt, der Krebs-Kompass kann einen gerade am Anfang manchmal überfordern, denn man liest sehr viel und kann dann schonmal Angst bekommen. Allerdings ist man dort mit speziellen Fragen auch oft sehr gut aufgehoben, da dort einfach mehr Teilnehmer sind.

Kappuziner
25.02.2009, 01:07
Mir gehts auch so wie Zitronengras, ich hab mich erst hier wohler gefühlt als im Krebskompass (wo ich bis heute zwar registriert bin, aber nicht mitschreibe).
Dort ist es irgendwie "gravierender", hier vertrauter, familiärer.

Wirklich fachliche Beratung kannst Du letzten Endes nirgendwo bekommen - und ich vermute, letzten Endes hängen wir auch alle am "Google-Tropf"... ich jedenfalls google viel, zu viel.

Ich finds wichtig, einen Arzt zu finden, dem man wirklich vetraut. Das ist letzten Endes wohl auch zum Teil eine irrationale Entscheidung - aber irgendwem muss man sich anvertrauen.
Meinen Onkologen finde ich sehr vertrauenerweckend, darüber bin ich froh.

Ach Mensch, jetzt hab ich noch gar nicht gesagt, dass ich es erstmal richtig Scheiße finde, dass es Dich erwischt hat, liebe Fiat!
Die nächste Zeit wird sehr verwirrend für Dich werden, aber ich hoffe, dass es Dir so geht, wie es uns anderen hier auch ergangen ist, nämlich dass immer in der Not jemand da ist und dass man diesen Weg nicht alleine geht - und dann kann man ihn gehen.
Viele sind ihn vor Dir schon gegangen. Wir sind Dir nur ein paar Monate voraus, aber, wie Du siehst, wir haben es bis hierher geschafft - wir haben die Chemo schon fast hinter uns - und es geht weiter, es geht immer weiter.
Man findet die Kraft - immer einen Schritt nach dem anderen.