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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Wie mit Menschen kommunizieren, wenn die Seele so verletzt ist?



SonnenscheinK
24.01.2009, 12:41
Hallo Leute,
ich brauche mal einen Rat oder einfach Meinungen von anderen Menschen. Ich lebe bedingt durch Ängste und Depressionen seit 3 Jahren sehr zurückgezogen. Da es mir immer besser geht und mein Selbstwertgefühl und auch der Wunsch nach Kontakten wächst, würde ich gerne wieder mehr in Kontakt mit Menschen treten. Dabei geht es jetzt gerade aktuell vordergründig um eine Angelgenheit, bei der ich mal einen Rat, eine andere Meinung bräuchte. Ich bin es gewohnt, alles alleine zu entscheiden, merke aber, dass ich in diesem aktuellen Punkt jemanden zum reden bräuchte. Jetzt fällt mir auf, dass ich eigentlich keinen mehr habe, mit dem ich reden könnte, es gibt diese Menschen zwar noch, mit denen ich früher über bestimmte Sachen geredet habe, aber ich habe es lange nicht getan.
Jetzt ist der Punkt da, dass ich nicht mehr alleine kann und will. Ich weiß, dass es mehrere vertraute Leute gibt, die mir zuhören würden.... Mein Problem ist aber, dass ich große Angst habe, mich einem Menschen anzuvertrauen und bei dem Gedanken spüre ich, dass meine Seele wieder Schmerzen erleiden könnte, wenn der andere nur ein bisschen zu schroff ist oder Ähnliches. Und ich möchte nicht mehr, dass meine Seele leidet, ich habe ihr in den letzten Jahren genug angetan, ich möchte heute gut für sie sorgen.
Wie kann ich mit einem Menschen, den ich schon lange kenne, wieder in Kontakt treten und mich nur so weit öffnen, dass es meiner Seele dabei gut geht? Ich weiß, diese Frage kann mir wahrscheinlich keiner beantworten, ich kann es nur selber ausprobieren, aber es ist so schwer, obwohl ich wirklich das Bedürfnis habe, mit jemandem über ein aktuelles Geschehen (es geht um einen Umzug) zu sprechen.
Kennt das jemand, wenn die Seele sich so ungeschützt anfühlt und man trotzdem alles versucht, dass man sie schützt und es irgendwie trotzdem nie ausreicht?

manousch
24.01.2009, 20:50
Hallo Sonnenschein,

schön, dass Du wieder den Wunsch nach mehr Kontakt zu anderen Menschen verspürst! Verständlich, dass Du Bedenken hast, weil Du in der Vergangenheit verletzt wurdest.

Die Frage, die Du stellst ist sehr schwer zu beantworten, andere benötigen dafür zig Stunden Psychotherapie. Aber ich schreib einfach mal, was mir dazu einfällt:

Schütze Dich, indem Du die Menschen aussortierst, die wirklich abwertend und gewaltätig zu Dir waren - kein Kontakt mehr!

Bevor Du mit jemandem in Kontakt trittst, der vll. "einfach nur schroff" sein könnte, schreibe alle möglichen Befürchtungen auf, wie er Dich verletzen könnte, z.B. durch "keine zeit", "nein", ...
Gefahren, auf die Du vorbereitet bist, sind weniger schlimm.

Schreibe nach einem Kontakt wieder alles auf, was Dich verletzt hat und überlege mal, wie Du über das Verhalten der anderen Person noch denken könntest. Bsp. "keine Zeit" heißt nicht "mag dich nicht" sondern vll. "ich habe berufl. stress". das erste wäre verletzend, das zweite nicht. Du würdest dir aber im ersten Fall die Verletzung selber zufügen, durch Deine Interpretation!

Sei selber gut zu Dir, indem Du Dir Dinge gönnst und selber gütig zu Dir bist. Denn depressive Menschen haben den Hang sich mit abwertenden Gedanken selber zu verletzen (bsp. ich kann nichts, ich bin blöd, keiner mag mich, ..) Klar, wenn dann ein "komischer" Blick von einer anderen Person noch dazu kommt läuft das Fass über...

Außerdem: Lass Dir Zeit. Aber letztendlich: Probier es aus!

:blumengabe:

gruß
manousch

Karla48
24.01.2009, 22:32
Für den Fall, daß Du lieber anonym sprechen möchtest, würde ich Dir die Telefonseelsorge empfehlen.
Dort kann man Dir sicherlich auch zu Deinem Thema etwas sagen. Welche Art von weiter führendem Beratungsgespräch z.Zt. sinnvoll wäre...ob überhaupt sinnvoll...usw. Ob Du eine Therapie begonnen hast, sagtest Du leider nicht. Gerade Ängste sind doch oftmals gut behandelbar.

Wie kann man sich nur so weit öffnen, daß man nicht verletzt wird, fragst Du.
Ich glaube nicht, daß es da ein Patentrezept gibt, denn Menschen sind nicht berechenbar.
Aber: Du kannst die Grenzen des Gesprächsinhaltes ja selbst festlegen. Du könntest das Gespräch steuern, und Du könntest sagen "darüber mag ich momentan nicht sprechen, sei nicht bös, ein andermal", so in der Art. Oder auch: "Das Thema macht mir Angst". Falls das nicht schon zuviel "Öffnung" wäre für Dich.

Und die Plausibilitätsfrage:
Wie wahrscheinlich ist es denn, daß Dein Gegenüber verletzend wird?
Meistens ja eher unwahrscheinlich, oder?
Diejenigen, wo es wahrscheinlich ist: Weiträumig umschiffen!

Neigst Du dazu, alle möglichen Dinge im Vorhinein als problematisch Dir vorzustellen? Ich vermute das aufgrund Deiner Schilderung "Phobien" und "Depressionen". Also, diesen Gedanken fehlt oft einfach der reale Bezug. Es ist die Angst, die da spricht. Sie ist nur ein Phantom *schlaudaherred*

Du bist doch sicherlich in fachärztlicher Behandlung?

Liebe Grüße!
Karla

SonnenscheinK
25.01.2009, 17:11
Hallo Manousch,
vielen Dank für deinen Beitrag. Du hast Recht, dass ich mich durch meine Interpretationen selber verletze, das ist mir auch schon klar geworden. Es hilft zwar kaum in dem Moment, wenn es weh tut, aber es ist trotzdem gut zu wissen. Das stimmt, durch die Depression hat man eh schon die schlechten Gedanken über sich selber, da reicht oft schon ein "komischer" Blick....
Das Aufschreiben finde ich eine gute Idee... ich kann mir gut vorstellen, dass das helfen kann. Man kriegt wahrscheinlich eine Übersicht über die Situation und nachdem man es aufgeschrieben hat, entzerren sich die Gefühle und die Lage zur vorangegangenen Situation ist dann entspannter.
Du sagst genau die Dinge, die mir auch wichtig sind - Zeit lassen, aber Dinge ausprobieren. Danke :blumengabe:

SonnenscheinK
25.01.2009, 17:32
Hallo Karla48,
dir auch vielen Dank für deinen Beitrag. Ich bin in therapeutischer und fachärztlicher Behandlung. In der Therapie ist das Thema 'Abgenzung' schon lange ein Thema, aber es braucht sehr lange Zeit, zu lernen, sich vernünftig abzugrenzen. Ich "trainiere" es im Grunde genommen ständig und es klappt auch immer besser. Wenn es mal wieder sehr weh getan hat, dann weiß ich, dass ich zu weit gegangen bin und mich zu wenig abgegrenzt habe, d.h zuviel zugelassen habe.

Ich sage in letzter Zeit immer häufiger, wenn ich über etwas nicht sprechen möchte, meinem Gegenüber bleibt nichts anderes übrig, als das zu akzeptieren. Menschen, die mir nicht gut tun, versuche ich tatsächlich zu umschiffen.

Ja, das stimmt, ich neige dazu, mir die Dinge häufig vorher auszumalen, was könnte passieren.... so schlimm wird es schon nicht... und wenn dann doch ein altes, sehr schlechtes/schmerzendes Gefühl in meinen Gedanken auftaucht, dann ist es sehr schwer, das Vorhaben (ein Telefonat, Treffen) umzusetzen. Ich wäge dann ab, ob ich das dann wirklich verkrafte oder es dann noch nicht wichtig genug ist. Das Problem ist, dass ich durch die Gedanken oft schon so fertig bin, total energiezehrend ist das, dass ich es dann sein lasse und mir Ruhe gönne. Ich sage mir, dass es dann noch warten muß, ich weiß, es wird irgendwann wieder gehen. Es geht nur Schritt für Schritt.

Im Grunde genommen geht es wirklich um das Setzen meiner Grenzen. Wie weit möchte ich mich in einem Gespräch öffnen, was behalte ich lieber für mich.... Es gibt ein paar Menschen, die wollen alles wissen und die Grenzen bei diesen Leuten zu sezten ist ungeheur anstrengend und war kaum möglich, als es mir sehr schlecht ging. Ich glaube, dass ich deshalb u.a. diese starken seelischen Schmerzen verspürt habe. Es ist schlimm, wenn man mehr zuläßt, als man kann und WILL.

Liebe Grüsse :blumengabe:

Inaktiver User
25.01.2009, 18:01
Liebe Sonnenschein,
spontan fiel mir beim Lesen Deines Postings Folgendes ein:

Vielleicht überlegst Du, welcher Mensch (oder welche Menschen) sensibel und vorsichtig genug sind, dass Du Dich ihnen anvertrauen kannst und schreibst ihm/ihnen einfach genau das, was Du uns jetzt hier geschrieben hast.
Das wäre ein erster Schritt auf den/die anderen zu, aber eben einer, bei dem Du nicht gleich völlig aus dem Schneckenhaus raus musst und der andere sich auch auf Dich einstellen kann.

So etwa: "Liebe(r) ..., ich würde Dich gerne mal wieder treffen. Ich bin aber durch meine persönliche Situation noch ein bisschen wackelig auf den Beinen. Würde mich aber freuen, wenn Du Dir die Zeit nehmen würdest, mit mir zu reden. Mir fällt das im Moment noch ein bisschen schwer, aber ich mag Dich und vertraue Dir... usw."

Strega007
26.01.2009, 00:07
Hallo SonnenscheinK,

... das Glück Deines Lebens hängt von der Beschaffenheit Deiner Gedanken ab!!!

Grüße Strege007

SonnenscheinK
26.01.2009, 11:27
Liebe Mediterranee,

danke auch dir für deine Gedanken. Ich finde deine Idee sehr schön und habe mir gestern abend schon überlegt, wie und an wen ich das umsetzen könnte. Wenn ich es nicht direkt im Gespräch schaffe und dem anderen wirklich wissen lassen möchte, wie meine Situation aussieht, um mich nicht verstellen zu müssen, was so viel Kraft kostet, dann wäre ein Brief oder eine Mail ein Weg. Ich habe in der sehr schweren Zeit mit den meisten Menschen fast nur noch per Mail kommuniziert und manches dort mitgeteilt, ich weiß, dass das damals sehr gut tat.

:blumengabe: