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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Dossier: Pubertät - Freiheit oder Kontrolle?



BRIGITTE Community-Team
23.01.2009, 08:48
Liebe Userinnen, liebe User,

Sex und Schule, Hysterie und Hausarrest, Alkohol und Liebeskummer - das sind die Themen, um die es geht, wenn die Kinder in der Pubertät sind. Wie übersteht man diesen ganz normalen Wahnsinn? Darauf antworten unter anderem zwei Experten im Dossier (http://www.brigitte.de/frau/familie/pubertaet-erziehung-psychiater/index.html)der aktuellen BRIGITTE (Heft 4, ab 28. Januar am Kiosk): Ab zwölf sei jeder Erziehungsversuch sowieso zwecklos!

Sehen Sie das auch so? Wie halten Sie die Balance zwischen Freiheit und Kontrolle? Wie begleiten Sie Ihre Kinder beim Erwachsenwerden?

Wir freuen uns auf Ihre Tipps und Meinungen!

Ihr BRIGITTE.de-Team

Simplemind66
23.01.2009, 09:25
Ich finde die Herren Moll und Dawirs machen es sich ein wenig zu einfach. Sie haben nämlich die Verantwortung der Eltern für das Tun der Pubisten außen vor gelassen.

Es kann nämlich Konsequenzen haben, wenn die Teenager sich nachts "draußen" bewegen und Dinge ausprobieren von denen die Eltern keine Ahnung haben. Gute Aufklärung und ein gutes Verhältnis zu den Eltern ist keine Garantie für das "Wohlverhalten" des Nachwuchses.

Wie schon geschrieben wollen Teenies ausprobieren und Grenzen austesten. Das gilt nicht nur für die häuslichen Grenzen.

Was hilft die beste Basis, wenn Kind sich mit "falschen" Freunden trifft?

Die Theorie in allen Ehren, aber meiner Meinung nach hapert es an wichtigen Informationen.

marylin
23.01.2009, 11:06
Gute Aufklärung und ein gutes Verhältnis zu den Eltern ist keine Garantie für das "Wohlverhalten" des Nachwuchses.


Aber es ist wohl das Wichtigste, was ich meinem Kind mit auf den Weg geben kann.

Ich fand es schon immer albern, Jugendlichen z. B. vorschreiben zu wollen, wann sie ins Bett zu gehen haben, was sie anziehen sollen, mit wem sie sich treffen dürfen und wann sie zu Hause zu sein haben.

Die meisten machen doch eh, was sie wollen, nur bei den einen gibt´s dann hinterher Stress und bei den anderen eben nicht.

Seitdem mein Kind so 13 oder 14 Jahre alt ist, habe ich ihn solche Entscheidungen selbst überlassen. Er hat unsere Großzügigkeit nie ausgenutzt.

Er übertreibts nicht mit Ausgehen und Alkohol und ab und zu geht er sogar mit seiner Mutter essen :smirksmile:

Simplemind66
23.01.2009, 12:21
Zitat:
Gute Aufklärung und ein gutes Verhältnis zu den Eltern ist keine Garantie für das "Wohlverhalten" des Nachwuchses.

Zitat Marylin:
Aber es ist wohl das Wichtigste, was ich meinem Kind mit auf den Weg geben kann.

Völlig richtig, unbestritten, ebenso wie blödsinnige Vorschriften in allen Lebenslagen.

Trotzdem bin ich der Meinung, das soziale Umfeld spielt eine nicht unwesendliche Rolle. Damit meine ich Wohnort/Schule aus denen sich der Freundeskreis ergibt.

marylin
23.01.2009, 12:45
Trotzdem bin ich der Meinung, das soziale Umfeld spielt eine nicht unwesendliche Rolle. Damit meine ich Wohnort/Schule aus denen sich der Freundeskreis ergibt.


Natürlich spielt das eine große Rolle. Allerdings bestimmen ja die Eltern im Kindesalter solche Faktoren wie Wohnort, Schule und so in einem gewissen Rahmen ev. auch den Freundeskreis.

Aber auch ein gutes Umfeld schützt manchmal nicht vor "falschen" Freunden. Und geht es dann dort mit Alkohol, Drogen, Schuleschwänzen etc. los, haben Eltern wenig Chancen, dem entgegenzuwirken. Mehr als Streit und Unfrieden kommt dabei meist nicht raus.
Jugendliche, die in solchen Kreisen verkehren und sich dort wohlfühlen (da muss man sich schon fragen: Warum?), lassen sich nicht zuhause einsperren und halten sich nicht an Regeln, die die Eltern versuchen aufzustellen.
Eher kommen sie lieber nicht nach hause, um Stress zu vermeiden und versacken so nach und nach.

Glück hat man, wenn die Jugendlichen nachdem sie mal in solche Gesellschaft "reingeschnuppert" haben, selbst zu dem Standpunkt kommen, dass das nichts für sie ist. Und da kommt wieder die Erziehung im Kindesalter ins Spiel - erziehen muss man, solange die Kinder klein sind. Mit 13 oder 14 Jahren ist der Zug abgefahren.

Graustufen
24.01.2009, 00:55
letztendlich ist es wohl gleich wie in der liebe - wer zu fest klammert wird verlassen respektive fühlen sich die kinder bedrängt und wer zu locker lässt wird nicht mehr ernst genommen.

welche dosis beim eigenen kind die richtige ist wird niemand den eltern besser sagen können, als sie es instinktiv ohnehin wissen.

letzten endes hilft allerdings auch stets ein blick auf die eigene jugend und der versuch, sich vorzustellen wie man auf gewisse aussagen und verhaltensweisen reagiert hätte.

wie unterschiedlich es laufen kann sah ich an meiner besten freundin aus schulzeiten und mir selbst. ich hatte sehr viele freiheiten, habe sie - warum eigentlich? - aber nie wirklich ausgenutzt. natürlich denke ich heute öfters, dass meine eltern unter gewissen dingen sicher sehr gelitten haben müssen, aber damals war es mir nicht bewusst und wenn ich diese idee gehabt hätte, hätte ich von meinem tun abgelassen.
sie wurde äußerst streng erzogen und das resultat - nämlich das ausleben all des versäumten - zeigte sich sobald sie von zu hause ausgezogen war.

das ist nur eine meiner erfahrungen und vergleiche, andere freundinnen schluckten die unterdrückung von zu hause wunderbar und ihre partner führten diese kontrolle äußerst gekonnt weiter.

Tafki
30.01.2009, 13:24
Meine Söhne sind 15 und 13. Ich finde auch, dass die beiden Experten im Interview es sich recht leicht machen.

Man muss ja - nicht nur juristisch, aber auch das - immer noch für die 15jährigen die Konsequenzen ihres Verhaltens mittragen. Und weil sie nicht voll verantwortlich sind (und sein können), können sie auch nicht vollkommen frei sein, sondern müssen durch Gebote und Verbote (auch vor sich selbst) geschützt werden.

Meine beiden sind - wenn ich mit den im Heft und auch hier dargestellten Problemen vergleiche - eigentlich sehr pflegeleicht. Es gibt im Prinzip bisher nur zwei Themen, zu denen wir immer wieder - aber heftig! - streiten: Ordnung ("Ich habe keine Lust, eure Putzfrau zu sein!) und Computerspielen.

Wie gehen andere damit um, dass Jungen in diesem Alter einen Großteil ihrer Freizeit vor dem PC verbringen? Streitet Ihr auch häufig über dieses Thema? Was sind vertretbare Regeln?:wie?:

Inaktiver User
31.01.2009, 14:23
Hallo Tafki,
das Problem mit dem Computerspielen und chatten kenn ich von meinem 15jährigen auch. Im Moment habe ich das Gefühl, daß er allmählich ein gesundes Mittelmaß findet aber zeitweise war der wie verwachsen mit dem PC. Da hab ich ihm dann so ein Sicherungsprogramm aufgespielt und ihm 3 Stunden PC-Zeit am Tag eingeräumt, was ich immernoch sehr viel finde. Damit war er auch einverstanden, da er selber merkte, daß er selbstauferlegte Grenzen nicht einhielt. So ging der PC nach drei Stunden aus und gut wars. Natürlich finden Jugendliche in dem Alter auch bald raus, wie man ein solches Programm austricksen kann, deshalb wars wichtig, daß er es als Hilfe und nicht als Beschränkung ansah.
Lieber Gruß
Natural

Kitta
31.01.2009, 19:59
Hallo tafki, hallo natural,
das Problem mit dem Computer hatten wir vor zwei Jahren sehr heftig, als unser Sohn sich mit 13 Jahren in World of Warcraft eine neue Identität augebaut hatte und die der echten vorzog. Da haben wir ihn auch nicht allein entscheiden lassen. Wir haben geredet, mit ihm, den Lehrern, mit allen zusammen, und wir haben es gemeinsam geschafft, davon wegzukommen.
Jetzt, mit 15 Jahren, lässt er sich nicht mehr ohne weiteres etwas befehlen, deshalb bleibt uns nichts anderes übrig, als vieles mit ihm auszudiskutieren. Aber das hat sich mittlerweile sehr gut bewährt.
Kitta

EbonyJune
01.02.2009, 13:29
Hallo alle miteinander...

Computer: Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass PC Verbote nichts nützen. Ich gehörte früher zu den wenigen weiblichen Ausnahmen (heute sinds ja immer mehr Mädchen), die sich viel mit dem PC beschäftigte. Hab immer vor dem PC gesessen, sobald ich aus der Schule kam. Meistens um zu spielen. Als meine Eltern fanden, es sei zu viel, haben sie Verbote verhängt. Damals hat man sich noch mit Modem einwählen müssen - die konnten mir also schnell den Saft ausdrehen. Hat mich aber nur dazu bewogen, zu Freunden und Klassenkameraden zu gehen. Dort habe ich mich dann auch getraut, Dinge zu spielen und zu gucken, die ich daheim nie angeschaut hätte. Das war manchmal durchaus zu viel für mich! Ein paar der Bilder, die ich damals gesehen habe, gehen mir heute noch ab und an durch den Kopf. Im Internet gibt es nicht nur böse Menschen und Pornographie, sondern auch Originalaufnahmen von Folterungen und Erschießungen, teilweise uralt aus Vietnam etc. Manche Jungs machen sich zum Hobby, diese Greueltaten im Internet aufzuspüren und heimlich rumzureichen. Davor kann man gar nicht schützen!
Jedenfalls blieb der PC bei mir eine Phase - hat ungefähr bis 1 Jahr vors Abitur gedauert. Weshalb? Na, dann "nerven" die Eltern einen sowieso nicht mehr so viel und können einem nicht so viel "auftragen", man ist selbständiger und geht mehr aus dem Haus ohne Kontrollen. Damals brauchte ich dann keine virtuelle Flucht mehr, mich hat ja keiner an der realen gehindert.

Fazit: Ich denke, die Möglichkeit Dinge zu tun, auf die Eltern keinen Einfluss haben, ist verlockend. aber nicht nur Eltern, sondern gar keine Erwachsenen. Es ist eine Welt (Internet) wie geschaffen für Jugendliche, da sind nur die - niemand Anderes. Keine Vorschriften, nur eigene Regeln und alles nach Gusto machen, wie es einem passt.
Man kann seine Aggressionen, Frustrationen und auch Schüchternheiten entweder ausleben oder überwinden, es gibt keine moralische Polizei und keine Strafen. Das ist der Reiz: Eintauchen in eine Welt, die erlaubt, was die Realität verbietet.
Ich kenne heute noch einige Typen, die uns eher unheimlich waren, weil die nur vor dem PC hingen und einem richtig Angst gemacht haben. Heute sind sie auch ganz normal: Das Leben hat sie wieder!
Gefährlich ist nur, wenn man seelisch nicht mehr aus seinen Tiefs kommt - ich meine als Jugendlicher hat man ja sowieso dauernd Tiefs, aber es gibt Phasen, die dauern zu lang.

Statt irgendwas zu verbieten, würd ich (hab ich mir für meine Kinder und die meines Lebensgefährten überlegt), wenn es soweit ist, vor allem selber mal gucken, was grade im Internet zu sehen ist. Würde die Internetprotokolle meines PCs prüfen und mir anschauen, was mein Kind sich immer anguckt, wo es sich tummelt. NIEMALS lesen, was es schreibt - das wäre unfair. Jugendliche haben ihre eigene Sprache, auch wenn sie einem dumm und vulgär erscheint.
Ich würde meinen Jugendlichen fragen, ob er zu bestimmten Themen, die mich interessieren, Surf-Tipps hat, damit er auch mal auf politisch interessante Seiten oder so geht. Ich würde mich mit ihm unterhalten über die schrecklichen Dinge, die man selbst dort gesehen hat - fragen, wie er solche Bilder/Videos verkraftet. Fragen, ob er nicht einen Schutz kennt, damit "die Erwachsenen" nicht versehentlich auf solche Seiten geraten. Die Interaktion mit Jugendlichen, ihnen das eigene Entsetzen und den eigenen Ekel nicht vorwurfsvoll präsentieren, sondern als reines persönliches Gefühl - auch die Ängste teilen, nicht im aufklärenden Sinn (Haben sie ALLE schon gehört!), sondern auch durch Geschichten, die man teilt:
"Hast du gehört, ich habs letztens gelesen, da hat so ein Jugendlicher versucht einen Mord aus seinem PC Spiel in Echt nachzuahmen. Glaubst du, das liegt an dem Spiel selbst? Oder eher an dem Jugendlichen?"
Eltern sollten herausfinden, wie reif ihre Jugendlichen mit dem Medium umgehen und sie immerwieder dazu anregen, über das nachzudenken, was da passiert, was sie da sehen.

Es ist nicht lustig zu sehen, wie jemand gefoltert und erschossen wird: Aber alle Jugendlichen lachen oder schreien laut, wenn sie es sehen: Das ist Hilflosigkeit innerhalb der Gruppendynamik.
Keiner weiß, wie man damit umgeht. Wir alle erleben so etwas nicht in echt! Man fühlt sich mies, darüber zu lachen - aber auch nicht in der Lage, anders zu reagieren. Da müssen Eltern helfen, nicht urteilen.
Als Jugendlicher ist man da irgendwie emotional noch nicht so weit...

Heute stören mich die Kids im Kino übrigens auch, die an den unangebrachtesten Stellen dumm rumkichern und lachen...aber ich weiß ja selbst: Die können nicht anders.
Besser, wenn ein Eltern zu Haus ganz offen auf sie wartet und sich über den Film unterhalten will...hartnäckig. Die meisten wollen ja auch, sie haben bloß ständig das Gefühl Zeit zu verschwenden, wenn sie sie mit ihren Eltern verbringen ;-)

EbonyJune
01.02.2009, 13:54
Ich dachte, ich teile das hier mal mit euch: Diese Gedanken hab ich mir mal in meinem Blog gemacht. Über unsere Freiheit denken Jugendliche und junge Erwachsene nämlich oft nach, auch darüber, ob wir mit ihr eigentlich glücklich sind!

Freiheit:
Es hat Zeiten gegeben, da sie noch groß geschrieben wurde, die Freiheit!

Es hat Freiheitsbewegungen in verschiedenen Formen gegeben: Presse - und Meinungsfreiheit, Freiheit sich überall zu bilden, Freiheit Grenzen zu überschreiten, Freiheit seine sexuellen Überzeugungen zu leben, Freiheit von der DDR, Freiheit von Ideologien, Freiheit ... Freiheit ... Freiheit!

Ihrem Wirken und Führen sind viele unserer Privilegien zu verdanken, Menschen, die um sie gekämpft haben - in welcher Form & für welche Form auch immer - fassen sich einheitlich ergriffen ans Herz, wenn sie an ihren Kampf und ihren Sieg erinnert werden.

"Let freedom ring" - "Liberté - Egalité - Fraternité" - "Freiheit ist immer die Freiheit des Anders-Denkenden" - "Freiheit gehört zu den Schöpfungskonstitutionen" - die Zahl der Zitate derer, die nicht nur die Welt, sondern die Herzen bewegten, mit ihren Worten für oder gegen die Freiheit, hallen tief in unseren Köpfen wieder, denn sie sind uns vertraut.

Doch der Nutzen der Freiheit für die, die sie nie erkämpfen mussten, ist Vielen unbekannt. Die Generation der Nachkömmlinge, der Überpriviligierten, verfällt in ruhelose Apathie.
Studien und Statistiken zeigen, dass eine erschreckend hohe Zahl Jugendlicher und junger Erwachsener sich verunsichert, orientierungslos und von den Anforderungen der Gesellschaft überfordert fühlen.

Von welchen Anforderungen? - werden diejenigen Fragen, die zu schätzen wissen, was sie Dank ihres Kampfes, oder dem anderer, nun als selbstverständliches Recht wahrnehmen dürfen, das ihnen früher verwehrt worden war.
"Du kannst doch werden, was du willst - du musst nicht Anwalt werden, nicht Arzt und nicht Künstler - werde du selbst!"
Dass dies vielleicht die größte Herausforderung von allen ist, mag sich den wohlmeinenden Gewissensbeschwörern nicht eröffnen. Doch eine Antwort auf die Fragen "Wer bin ich? Was kann ich? Was und wie will ich wirken?" zu finden, eine definierende, richtungsweisende und einleuchtende Antwort: Das ist so vielen Menschen noch nie geglückt, egal welchen Alters - wie sollte es da denen, die Alles haben, leichter fallen?

Erich Fromm beschrieb in seinem Buch "Die Furcht vor der Freiheit" die Konsequenzen eines aus althergebrachten Richtlinien und alten Gedankengebäuden befreiten Lebens. Nicht nur in Deutschland, sondern in mehreren erfolgreichen Industrieländern (z.B. Japan, U.S.A.) zeige sich, dass diese Konsequenzen ebenso drastisch auf junge Leben einwirken, wie der Missbrauch von Drogen. Apathie, Depressionen, Trägheit, hohe selbstgefährdene Risikobereitschaft und Suizidanfälligkeit bedrohen einige der jungen Triebe unserer modernen, befreiten Gesellschaften. Konfrontiert damit, ein besseres Selbst zu sein, das Beste aus sich zu machen, sich zu profilieren und die Chance, als Individuum angehört und angesehen zu werden, unbedingt zu nutzen, lasten schwer auf den Schultern der Hoffnungsträger.

Die Medien machen es ihnen nicht leichter: In ihnen wird ein Bild vom schnellen Erfolg, schnellem Aufstieg und schnell erreichter großer Beliebtheit produziert. Sogar 8 jährige Kinder ("Schnappi") können zu Stars werden, ohne dafür vorher einen Finger krum gemacht oder überhaupt Talent besessen zu haben. Wichtig ist, was du ausstrahlst!

Diese Ausstrahlung sollte von einer inneren Überzeugung herrühren und auf einem festen Fundament von Selbstbewusstsein stehen: Tut es aber in den meisten Fällen nicht. Ein gezielter Stoß vor die Brust bringt die aufgeblasenen Youngster zu Fall, und sie rappeln sich nur schwerlich auf. Wer nicht weiß, wie er auf die Spitze der Karriereleiter gekommen ist, weiß auch nicht, wie er nach einem Sturz wieder zurückkommt. Und so nehmen sich die jungen Generationen ein Vorbild an denen, die selbst nicht wissen, wer sie sind und wofür sie stehen. Plakativ wie das, was sie schreiben, erzählen oder singen, stolpern sie durch die Welt der Fundamentierten und stoßen immer wieder an ihre nie erprobten inneren Grenzen. Wer sich heutzutage mit sich selbst konfrontiert sieht, hat vor allem Angst davor, zu versagen.
Was ist, wenn er "nichts Besonderes" kann, oder - schlimmer noch - nichts Besonderes will?

Wie zufrieden kann der einfache Mensch mit 1.000,-€ im Monat sein, wenn er mehr Geld braucht, um mehr zu sein? Was repräsentiert er, wenn er nichts hat und auch keiner behauptet, er hätte etwas? Die jenigen, die nicht mehr als ein Bild von etwas produzieren, das sie aus dem, was andere ihnen über sich reflektiert haben, ersehen, kaufen und klauen so ihre teuren Vergnügungs - und Identifizierungsgegenstände. Um ganz deutlich jemand und etwas zu sein, um das Statement anderer zu nutzen, da sie selbst kein eigenes geben können.

Wenn man nun die Grenzen schärfen, mehr Disziplin, strengere Leistungsprinzipien und eine selektivere Herangehensweise für diese und kommende Generationen einführen würde, profitierten sie, und letztendlich wir alle von ihnen? Die Armut, von der in Deutschland gesprochen wird, steigt nicht unter den Familien. Es sind vor allem Jugendliche, junge Erwachsene, junge Familien mit Kind/ern, die verarmen. Sie haben Alles, sie haben nichts. Sie leben auf Pump, oder auf teuren Krediten. Sie sehen für sich keine Zukunft, denn sie wissen nicht, wer sie sind und was sie eigentlich wollen. Sie können sich um ihre Kinder nicht kümmern, da sie nicht wissen, wohin deren Reise gehen soll. Sie können ihnen keine Richtlinien und Grenzen vermitteln, weil sie selbst keine kennen. Ist das die Kehrseite der Freiheit? Die Kehrseite dessen, was sich Generationen als selbstverständlich gewünscht haben, das nun nicht nur selbstverständlich, sondern zum Teil wertlos ist?

Werteverfall, der neue Trend zur spirituellen Selbsterfahrung, Jugendarmut, steigende Arbeitslosenzahlen, die allgemeine Verstimmung über die Jugendlichen und nach wie vor der Versuch, ewiges Gleichmaß und Gleichheit dort anzubringen, wo Selbstbehauptung und Profilierung von Nöten sind: Sie alle kummulieren in ein und denselben Problemen - seelische Vereinsamung und ängstliche Verunsicherung!

Psychoanalyse ist nichts für jedermann und schon gar nicht für junge, im verstandesmäßigen Umbau Begriffene: Und dennoch wird diese ihnen aufgezwungen, auferlegt von allen Seiten. "Sei doch du selbst, mach das Beste aus dir." ... Ja, wer bin ich denn ...

Inaktiver User
01.02.2009, 14:41
Danke, EbonyJune, für deine interessanten Beiträge!:blumengabe:

Avarua15
01.02.2009, 18:57
Die Frau Dipl.-Psychologin hat also mit ihrem Sohn Regeln vereinbart...Kiffen nur am Wochenende!
Da wird mir wirklich übel. Nicht zu unrecht ist "kiffen", d.h., Drogenkonsum (!) illegal. Der Konsum von Marihuana oder Haschisch fördert den Ausbruch bereits genetisch angelegter Psychosen, läßt Menschen unberechenbar werden (zwischen Teilnahmslosigkeit und gewalttätigen Ausrastern ist alles drin!) und macht einfach ausgedrückt blöde, da es die Nervenübertragung in den Synapsen behindert.
Tut mir leid - das ist für mich einfach voll daneben!!!

EbonyJune
01.02.2009, 19:36
Auch wenn ich die beruflichen Qualitäten der im Dossier auftauchenden Diplom Psychologin nicht in Frage oder Abrede stellen möchte, muss ich dir - Avarua - in Punkto Kiffen Recht geben. Kiffen macht langsam, es blockiert - es nimmt einem jeglichen Elan oder Ehrgeiz, es zieht einen runter. Das ist gewiss nicht bei jedem so, und ich glaube, die eigentliche Quintessenz ist: Egal ob Psychologin, Pharmazeutikerin oder Bibliothekarin: Man kann es nicht verhindern. Verbieten ist ein klares Statement, aber keine Hilfe. Bei manchen wächst es sich aus, bei wenigen bleibt es eine dauerhafte Angelegenheit...ich kenne ein paar solcher Typen...die kommen nicht mehr aus den Puschen. Wahnsinn.

Es ist schwierig sich gegen Drogen zu stämmen, da hängt einfach so viel dran. Gruppendynamik, Risikolust, Neugier, der Wunsch nach intensiven Gefühlen. Ich selbst verteufle sie, ich hasse sie - egal welche. Bin da ziemlich streng. Ich habe auch Angst vor ihnen. Meine Familiengeschichte (und die vieler schwarzer aus Amerika und Afrika) erzählt dieselbe traurige Geschichte, die viele Familiengeschichten ärmerer/mittelständischer schwarzer Familien erzählen: Keine Ahnung wieso, aber die Drogen ziehen mehr als die Hälfte der jungen schwarzen Männer nach unten. Egal ob sie eine gute Chance auf eine berufliche Karriere hatten, oder nicht. Es ist so scheiß-traurig!
Mein Bruder und ich sind diesbezüglich sehr streng und geradezu asketisch aufgezogen worden. Bei mir war diese Erziehung (+die vielen weitererzählten und miterlebten Erfahrungen aus Familie und Freundeskreis) erfolgreich...mein Bruder? Na ja, gelinde gesagt: Sorgenkind.
Klar, meine Eltern haben alles versucht (versuchens immernoch). Aber bestimmte Dinge sind mächtiger.
Mächtiger als gute Erziehung, strenge Erziehung, verständnisvolle Eltern, eine schöne Kindheit....

Ich hab keine Ahnung, wie man jemanden vor Drogen schützen kann. Das Einzige, was ich mir vorstellen könnte, das hilft, wenn man merkt "Da läuft was aus dem Ruder", ist die Kids wegzuschicken. Darüber haben mein LG und ich in Bezug auf seine Kinder schon beraten (und das eigene geplante ;-)). Ein Jahr in ein Land schicken, wo man sich sozial engagieren muss, wo sie aus ihrer Clique rauskommen, wo sie das wahre Leben kennenlernen. Ein Ort, wo sie Dankbarkeit für das Erfahren, was sie zu Hause haben und (manchmal) mit Füßen treten. Das kann vielleicht helfen?

Was meint ihr dazu?

Inaktiver User
01.02.2009, 19:42
Kurioserweise kommen mit den " Experten " wieder einmal männliche Ratgeber zu Wort : dabei ist es 2009 immer noch so, dass die Mütter diejenigen sind, die den Herren auch zu diesem Themenfeld mehr erzählen könnten..

:smile:


Ab zwölf Jahren noch von Erziehung zu sprechen ist biologischer Unfugund bei solchen dahingerotzten ( ja so empfinde ich das ) Thesen lese ich gar nicht mehr weiter..

" biologischer Unfug " : was für eine markige Aussage :-)

Natürlich stimmt es, dass bis zu einem gewissen Alter alles schon " in trockenen Tüchern " sein muss und der elterliche Einfluss sich gen Null neigt : doch davon zu reden, dass man ab 12 nicht mehr von Erziehung sprechen könne, ist doch ein Riesenblödsinn im Hinblick auf das tägliche Miteinander

oder um es eloquenter auszudrücken ;-) :

die etwas bis sehr eingeschränkte Sicht eines Entwicklungsbiologen und Hirnforschers..


Ursprünglich ist die Pubertät kein Projekt, bei dem Elternbeteiligung vorgesehen ist - die Probleme, die man heute hat, sind entwicklungsgeschichtlich betrachtet eher neu.auch diese Betrachtung aus dem Blickwinkel der Evolution ist doch eher situationskomisch, denn hilfreich..


Vor Jahrtausenden übernahmen die Pubertisten als nachwachsende Generation das Ruder; wenn einer der Alten die Macht nicht freiwillig abgab, hat man ihn notfalls erschlagen oder nicht mehr gefüttert.:-))

Lustiger Ansatz.. :-)

Diesen finde ich besser


Wir plädieren dafür, Jugendlichen mehr Verantwortung zu übertragenMeine Tochter ist nun volljährig : einmal habe ichs geschafft : tolles Kind/junge Frau : gutes Verhältnis.. : wie wir es gemacht haben, könnte ich nicht erklären..



Aber vielleicht ist das neue Buch der Autorengespanns ( um das es ja wohl auch werbewirksam geht ) ja durchaus interessant..
Ralf Dawirs Gunther Moll
Endlich Pubertät

17, 90 Euro

ein weiterer Ratgeber..für die Generation Ratgeber : vielleicht mal ein guter ?