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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Reiseangst



Karlotta01
15.01.2009, 10:31
Hallo,

also ich hab jetzt nicht direkte Panik, aber ein komisches Gefühl wenn ich für ne Woche oder länger im Urlaub bin.
Ich tu mich schwer das ganze zu genießen, weil mir alles sehr fremd vorkommt und das Gefühl für mich nicht aufregend, sondern unangenehm ist.
Kennt ihr das auch wenn ihr in neue Gegenden verreist?

Amanlu
01.02.2009, 15:44
Hallo, Karlotta!

Ja, das kenne ich gut.

Ich glaube, ich war seit gut 15 Jahren nicht mehr im Urlaub. Mir fehlt es auch allerdings nicht, weil es, wie bei dir, mehr Stress als Erholung wäre. Und mir alleine oder mit fremden Menschen neue Orte/Sehenwürdigkeiten anzusehen, dem kann ich so gar nichts abgewinnen.

Einmal im Jahr muss ich Weihnachten zu meinen Eltern und krankheitsbedingt wurde ich auch schon zu mehreren Reisen gezwungen, aber freiwillig - nie!

Mein Umfeld hält mich deswegen für massiv spinnös, aber was soll's, muss wohl nicht jeder gerne reisen. Wenn ich mich deswegen nun auch noch unter Druck setze ... ach je :smile:

Liebe Grüße
Amanlu

Beverly_de_Luna
02.02.2009, 11:09
Hallo Ihr Beiden,

möchte mich hier bei Euch im Thread auch noch outen. Vielleicht hilft es Euch zu wissen, dass Ihr nicht die Einzigen seid.

Bei mir ist es so, dass ich es liiiiebe Reise zu planen und zu organisieren :Sonne: aber wenn es dann soweit ist, habe ich garkeine Lust mehr. Entweder habe ich dann schon nen Tag vor der Reise ne Panikattacke oder dann halt sobald wir im Hotel angekommen sind (und Ruhe einkehrt). Unterwegs gehts mir meist immer ganz gut.

Kann mir das überhaupt nicht erklären, weil was soll schon sein, wenn ich mir da ein tolles Hotel raussuche?! :wie?: Wieso können wir es nicht genießen und sind immer angespannt :wie?: Gerade zu dir Karlotta sehe ich da ne Parallele.

Mir gehts auch umso schlechter, je länger ich dort bleiben "muss". Wenns nur ne 4-Tages-Reise ist, gehts schneller vorbei.

Momentan wäre ich eher so an dem Punkt wie du Amanlu, dass ich das alles sein lasen würde, aber nachdem mein Partner gerne reist, lass ich mich da in meiner Planungseuphorie immer gerne wieder mit ins Boot holen. :schild ...uups:

Seid Ihr deswegen schon mal beim Arzt oder Therapeuten gewesen? Wie wollt Ihr das zukünftig machen? Reisen einfach sein lassen?

Viele Grüße
Beverly

Amanlu
02.02.2009, 12:28
Hi Beverly!


Seid Ihr deswegen schon mal beim Arzt oder Therapeuten gewesen? Wie wollt Ihr das zukünftig machen? Reisen einfach sein lassen?

Ja, Reisen einfach sein lassen - ich lasse ja auch andere Dinge sein, die mir keinen Spaß machen. Wenn ich es recht verstehe, sollen Reisen und Urlaub ja zur Erholung/Entspannung da sein (bis auf die Kategorie Abenteuerurlaub, aber das käme bei mir sowieso nicht in Frage). Da es das für mich NICHT ist, bin ich auch zufrieden damit, mich zu Hause zu entspannen.

Aber ich bin Single, da kann ich das natürlich auch alleine so für mich entscheiden. Mit einem Partner würde ich vermutlich wieder gerne in den Urlaub fahren, bei mir handelt es sich nur um diese Komponeten "allein", die ich nicht mag (und das Wissen, dass zu Hause 2 Katzen alleine sind).

Was die Therapie betrifft - nein. Es reicht mir, zu wissen, dass ich im Notfall alleine reisen KANN. Alles andere finde ich nicht behandlungsbedürftig :smile:

Liebe Grüße
Amanlu

Beverly_de_Luna
02.02.2009, 12:40
Hi Amanlu,

stimmt alleine ist was anderes - und muss auch nicht sein. Und wenn du weißt du kannst es tatsächlich, dann klingt es i.O.

Ich finde es halt irritierend, dass ich gerne Urlaub plane, dann aber nicht entspannen kann. Das nervt und frustriert mich. :knatsch:

Wünsche dir weiterhin ne gute Zeit auf Balkonien :) Das kann ja auch sooo schön sein :)

Grüße
Beverly

Karlotta01
03.02.2009, 09:47
Schön dass es noch Gleichgesinnte gibt. Also ich verreise weiterhin und versuche einfach viele Sachen aus, vielleicht war einfach noch nicht das richtige für mich dabei. Es ist auch schon besser geworden bei mir da ich auch sehr gerne Reisen plane.

Vor allem hab ich immer eines im Kopf: Du kannst jederzeit wieder heim. Also Fernreisen sind noch nicht drinnen aber ich möchte mich von der Angst auch nicht unterkriegen lassen. TSSCHAAACKKKAAA :smile:

Slo
03.02.2009, 21:45
Hallihallo,
also ich kenne das auch.
Ich leide unter Panikattacken (seit etwa 10 Jahren, bin in psychologischer Betreuung) und eine Form findet sich bei mir im "Entfernen" von Zuhause.
Autofahren ging eigentlich immer ganz gut, bis ich vor 1 1/2 eine schwere Attacke im Stau hatte. Jetzt sind auch Autobahnen schwierig. Mit meinem Mann geht es viel besser.
Dies gilt auch für Reisen. Wenn, dann nur mit ihm. Und trotzdem erwischt es mich immer im Urlaub - mitten in der Nacht. Da helfen alle Vorkehrungen nichts, es passiert.
Fliegen geht bei mir gar nicht, aber mit dem Auto nach Schweden oder in die Berge oder ... traue ich mich eigentlich schon. Aber diese schlimmen Nächte ...
Bald muss ich wieder alleine auf eine Fortbildung mit Übernachtung. Mal sehen, ob ich es schaffe, alleine dort zu bleiben oder lieber hin und her fahren ...
Hört sich jetzt wirr an, aber es hängt ja auch so viel dran ....
Schönen Abend
Slo

Beverly_de_Luna
07.02.2009, 23:37
Hallo Karlotta,

schön, dass du dich immer noch traust :) Ich plane ja auch soooo gerne :liebe: Aber das mit dem "Ich kann jederzeit zurück" ist bei mir halt so ne Sache. Würde ja zusätzliches Geld kosten... Das kann ich mir vielleicht noch sagen, wenn ich 400 km weg bin, aber wenn ich nach Spanien oder Griechenland geflogen bin... ist mir die Hürde zu groß

Hallo Slo,

schön, dass sich noch jemand mit dem gleichen Problem beteiligt. Ich kenne einige Leute mit Ängsten, aber vorm Urlaub hatte noch niemand Angst, so dass ich da immer recht hilflos erklären wollte. Erstaunlich finde ich auch, dass ich geschäftlich ganz gut verreisen kann. Da bin ich vorher mal bissi hippelig, muss dann auch 3-4 Mal auf stille Örtchen, aber dann bin ich cool, schlafe gut im Hotel (ist meistens das Gleiche). Da bin ich ja auch wo anders, aber im Urlaub hab ich vielleicht mehr Zeit zum Grübeln??? Gabs glaub ich mal nen Namen für "Mallorca-Depression" oder so. Für all die Leute, die plötzlich 2 Wochen faul am Strand liegen...

Mitten in der Nacht ist immer am fiesesten! Das ist echt gemein und kenn ich auch. Wenns gut läuft, bin ich in nem Urlaub nur am ersten Tag panisch und dann läufts und ich fühl mich wohl, als wäre ich schon immer dort gewesen. Echt verwirrend!

Das Wichtigste ist wohl, dass wir nicht aufgeben!

Viele Grüße
Beverly

Hawaiitoast
02.03.2009, 13:19
Bald muss ich wieder alleine auf eine Fortbildung mit Übernachtung. Mal sehen, ob ich es schaffe, alleine dort zu bleiben oder lieber hin und her fahren ...



:blumengabe: Ich kenne das Gefühl. Manchmal ist es gut, sich der Angst zu stellen und dort zu übernachten, auch wenn man lieber nach Hause fahren würde.
Am nächsten morgen fühlt man sich gut und weiß, daß die Angst einen nicht völlig im Griff hat. :in den arm nehmen:

angoralina
24.04.2009, 18:12
Hallo!
Das tut doch gut zu lesen, dass es andern gleich geht! Vorallem wenn man in seinem Umfeld allein da steht.
Ich bin immer gerne und viel gereist. Allerdings hatte ich schon immer das Gefühl, zuhause Fernweh zu haben und kaum bin ich im Ausland Heimweh zu haben. Als ich aber allein war, bin ich viel umher gereist und war wohl abgelenkt und beschäftigt.
Meine erste Panikattacke, und seither Attacken fast ausschliesslich im Ausland, und zwar mitten in der Nacht, hatte ich im Familienurlaub in Tunesien. Ganzes Programm im Spital, es sah aus wie ein Herzinfarkt. Konnte nur mit Seresta die restliche Zeit dort überbrücken.
Seither sind Ferien ein Dauerproblem. 3-4 Tage gehn grad so. Mit Schlafmittel....
Habe eine Doktorarbeit gelesen, als Buch veröffentlicht, "Das Selbst und die Fremde". Seither ist mir vieles klar. Und wir sind in bester Gesellschaft. Goethe und andere hatten schon Probleme auf Reisen. Der Hauptgrund für Rückführungen aus dem Ausland sind nicht etwa Unfall oder Herzinfarkt, nein, akute psychische Erkrankungen in den Ferien. Sprich Angst- und Panikattacken.
Ich fühle mich allerdings eingeengt mit dieser Angst. Ich plane gerne Reisen und hab immer wieder Fernweh... Bin ich dann fort, dreht sich das Karussell wieder. Allerdings versuch ich es immer wieder. Ich will mein Leben bestimmen, nicht von der Angst bestimmt werden....
Liebe Grüsse
Angoralina

Slo
29.05.2009, 15:21
.. und dieses Mal habe ich es nicht aushalten können.
Wir sind 8 Stunden in den Urlaub gefahren und nach gut 24 Stunden wieder nach Hause, da echt nichts mehr ging.
Mein Therapeut leider auch in Urlaub, so dass mich eine ganz liebe Vertretung "behandelt" hat. Mit Hilfe von homöopatischen Tabletten bin ich jetzt, nach 4 Tagen, wieder lebensfähig. Immerhin, aber der Urlaub ist gelaufen.
Mein Mann und ich genießen die Tage jetzt zuhause.
Im Sommer wollten wir eigentlich nach Schweden ... ich glaube, das traue ich mich nicht. Vielleicht eher etwas in der Nähe.
Zwischen die Erleichterung, dass es mir jetzt wieder besser geht, mischt sich die Versagensangst, ....
Ach, Mensch, ...
Slo

Inaktiver User
26.06.2009, 22:30
Ich bin erst jetzt auf diesen Thread gestoßen. Ihr könnt Euch gar nicht vorstellen, wie froh ich bin, dass es mehr Leuten so geht.

Früher bin ich viel gereist, als ich jung war sogar viele Wochen am Stück nach Südamerika oder Australien. Die Reisepanik ist immer schlimmer geworden, so sehr, dass ich dann schon viele Tage vor einer einwöchigen Reise nicht mehr schlafen konnte und mich wie ein Kalb auf dem Weg zum Schlachthof fühlte.
Am Ziel angekommen war es dann etwas besser, sodass ich es einigermaßen genießen konnte. Das lag aber auch daran, dass ich mit meinem Partner unterwegs war, der mir ein Stück "Heimat" gab, egal, wo wir gerade waren.
Seit einigen Jahren ist er tot, ich verreise nicht mehr, was in meinem resienfanatischen Freundeskreis nicht gut kommt. Sie halten mich für abseitig, weil ich lieber zuhause bin als zu verreisen. Im Gegensatz zu ihnen, die die Tage bis zur Abreise zählen, habe ich immer gedacht: "In 14 Tagen bin ich wieder zuhause!"

Meine Therapeutin (Traumatherapie nach dem Tod meines Partners), meint, dass die Reiseangst mit der Angst vor Veränderungen zusammenspielt. Für mich zum Beispiel wäre auch die Vortsellung eines Umzugs der pure Horror. Allein der Gedanke lähmt mich (dagegen habe ich immer mit großer Freude Wohnung/Haus komplett umgebaut). Die Frühjahrsdepression, die sich pünktlich mit den ersten sonnigen und warmen (schneefreien!) Tagen einstellt, soll auch dazu passen.

Ich unternehme innerhalb meines Radius einiges, mache auch Ausflüge mit meinen Hunden, aber auch da spüre ich nach einiger Zeit eine Art Band, das mich zurück nach Hause zieht.

Langsam ziehen sich die Freunde aber zurück. Das macht mich traurig und noch einsamer, aber ich kann einfach nichtmithalten.

Lisalizz
11.04.2018, 12:48
Auch wenn der Thread schon total alt ist, glaube ich, dass das Thema hochaktuell ist :)
Ich hab schon immer soo vom Reisen geträumt, aber war einfach zu ängstlich... jede Zugfahrt kam mir ja schon wie eine riesige Hürde vor. Aber wenn man sich den Ängsten stellt, nach und nach und sich drauf konzentriert, warum man eigentlich reisen will, dann kann man lernen, damit besser umzugehen!
gibt ein schönes Buch (und einen Blog) zum Thema: [...editiert...]

Perlengazelle
11.04.2018, 14:59
.

Elixia
11.04.2018, 15:57
Mir geht es ähnlich. Zumindest reise ich äußerst ungerne alleine. Als Jugendliche habe ich das aber gemacht, mit 15 Jahren eine Busreise quer durch Spanien und Portugal, hat mir gar nichts ausgemacht.
In Frankreich im Bois de Bologne habe ich mit einer Freundin auf einem Wald- Campingplatz gezeltet. Wenn man da nachts zur Toilette musste, musste man quasi durch den Wald laufen.
Jetzt könnte ich mir finanziell locker ein Luxushotel leisten und einen wirklich komfortablen Urlaub. Kollegen von mir haben sich auch schon gewundert, warum ich nicht mal eine größere Auslandsreise unternehme.

Ich liebe meine eigene Wohnung und Hamburg im Sommer ist einfach schön. Mir reicht es vollkommen, ab und an mal ein Wochenende an der Nord- oder Ostsee zu verbringen. Mehr Reisen brauche ich nicht.

Bei Flugreisen finde ich es schon nervig, dass man so viel Zeit auf den Flughäfen verbringen muss. Flugangst habe ich aber nicht, auch keine Angst vor Auto- oder Zugunfällen.

Wenn ich für eine Fortbildung mal mehrere Tage reisen muss, bin ich immer froh, wenn ich wieder zu Hause bin. Da kann das Hotel noch so toll oder die fremde Stadt, neben der Fortbildung , noch so interessant sein.

Ich habe auch im Gegensatz zu anderen nie den Studienort gewechselt. Lag einerseits daran, dass ich meine Heimatstadt sehr liebe und ohnehin finde , dass es ( für mich persönlich) keine schönere Stadt in D gibt.
Nach Studienabschluss hatte ich vor Ort genügend gute Jobangebote, so dass ich auch nicht woanders suchen musste.
Andererseits hat es aber auch damit zu tun, dass ich mich zumindest alleine irgendwie unwohl fühle, wenn ich weiter als 200km von meiner Heimatstadt entfernt bin.

Ich schlafe ungern in Hotels und bin froh, wenn ich Abends wieder in meine Wohnung zurück kehren kann.