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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Wenn einen die Angst vor der Einsamkeit einholt



Inaktiver User
28.11.2008, 11:45
Ich war zwar immer viel allein, aber nie einsam. Auch wenn ich keinen Partner hatte, waren da doch immer irgendwo Menschen von denen ich wusste, dass sie mich sehr mögen und lieben und ich mich auf sie verlassen kann. Wenn man das weiß und spürt, ist man eigentlich nie einsam, auch wenn man alleine lebt. Ich hatte immer zwei sehr liebe Freundinnen, die ich schon seit Jahrzehnten kenne. Wir drei sind zusammen durch Dick und Dünn gegangen. Egal wie es mit den Männer, mit dem Job oder was auch immer lief, wir haben uns dann doch immer gegenseitig aufgefangen und konnten letztlich immer irgendwann gemeinsam wieder lachen. Sehr wichtig war für mich auch, dass ich immer auf meine Eltern zählen konnte. Auch wenn ich keinen Mann und keine eigenen Kinder habe, hatte ich trotzdem immer das Gefühl eine Familie zu haben. Meine Familie sind diese beiden Freundinnen und meine Eltern.

Meine eine Freundin ist jetzt letzten Sommer aus beruflichen Gründen mit ihrer Familie nach Mexiko gezogen. Die andere hat einen tollen Mann geheiratet und wird jetzt zu ihm ans andere Ende Deutschlands ziehen. Klar sind die beiden nicht aus der Welt. Aber diese spontanen Kontakte im Alltag gibt es nun also nicht mehr. Insgesamt hat sich mein Freundeskreis in den letzten Jahren sehr verändert, weil doch immer mehr eine Familie gegründet haben und daher nicht mehr so viel Zeit für gemeinsame Unternehmungen haben. Wenn es ganz dicke kam und mich mal wieder die Einsamkeit einzuholen drohte, hat mich die letzten Jahre zumindest immer getröstet, dass meine Eltern jederzeit ein offenes Haus für mich haben und ich immer zu ihnen kommen kann, wenn meine Seele mal wieder eine Ration Wärme gebraucht hat. Auch wenn man sich nicht täglich gesehen hat waren sie doch immer irgendwie da. Vorallem meine Mutter ist inzwischen auch eine Art beste Freundin für mich geworden. Jetzt ist sie sehr krank und ich weiß nicht, ob sie es wieder schaffen wird. Rational wusste ich natürlich immer, dass meine Eltern nicht unsterblich sind. Es ist ja auch der ganz normale Lauf des Lebens, dass Eltern irgendwann vor einem sterben. Aber ich spüre, dass ich das seelisch nie so richtig wahrhaben wollte. Das war immer so ein weit entferntes, abstraktes irgendwann. Trotzdem packt mich die blanke Angst. Um sie natürlich, davor was auf sie zukommt. Aber auch vor dem Moment, wenn ich ganz allein zurückbleibe.

Ich weiß dass diese Angst eigentlich undankbar und sehr egoistisch ist. Ich hatte immer großes, sehr großes Glück mit meiner Familie und mit meinen Freuden. Wir hatten viele glücklich Jahre zusammen, die mir nichts und niemand mehr nehmen kann. Das ist nicht selbstverständlich. Aber jetzt spüre ich zum ersten Mal, dass es nicht ewig so weitergehen wird. Natürlich belaste ich meine Eltern in dieser schweren Situation nicht mit diesen Ängsten. Sie brauchen ja jetzt ihre Kraft für viel Wichtigeres. Ich schäme mich auch, weil es ja im Grunde fürchterlich selbstsüchtig ist, dass neben der Angst um die Gesundheit meiner Mutter auch meine eigene Angst vor meiner Einsamkeit in der Zukunft so viel Raum in meinen Gedanken einnimmt.

Als ich viel jünger war, habe ich nach einem meiner vielen Beziehungsenden mal meiner Mutter gesagt, dass ich solche Angst davor habe, irgendwann ganz alleine zu sein, wenn meine Eltern nicht mehr sind. Sie hat mich damit getröstet, dass ich bis dahin ganz bestimmt andere Menschen in meinem Leben habe, vor allem einen lieben Mann an meiner Seite. Ich habe das damals auch irgendwie als selbstverständlich angenommen dass das schon bestimmt so kommen würde und daher diese Angst lange vergessen. Meine Eltern sind jetzt beide über 70. Ich hoffe und bete, dass meine Mutter es nochmal schafft und den beiden zusammen noch viele gesunde und glückliche Jahre bevorstehen und ich sie noch lange begleiten darf. Aber früher oder später wird unser gemeinsamer Weg zu Ende sein. Und hinter diesem ungewissen Ende des Weges steht für mich im Augenblick nur die blanke Angst vor der Einsamkeit. Ich weiß nicht, wie ich das aushalten soll. Wie erträgt man das?

Inaktiver User
28.11.2008, 12:36
Rational wusste ich natürlich immer, dass meine Eltern nicht unsterblich sind. Es ist ja auch der ganz normale Lauf des Lebens, dass Eltern irgendwann vor einem sterben. Aber ich spüre, dass ich das seelisch nie so richtig wahrhaben wollte. Das war immer so ein weit entferntes, abstraktes irgendwann. Trotzdem packt mich die blanke Angst.

Aber auch vor dem Moment, wenn ich ganz allein zurückbleibe.


Aber früher oder später wird unser gemeinsamer Weg zu Ende sein. Und hinter diesem ungewissen Ende des Weges steht für mich im Augenblick nur die blanke Angst vor der Einsamkeit. Ich weiß nicht, wie ich das aushalten soll. Wie erträgt man das?


:blumengabe: :blumengabe:

Du bist nicht alleine mit diesen Gedanken!!

Es ist toll, daß du so ein gutes und inniges Verhältnis zu deinen Eltern hast! Das ist etwas sehr wertvolles.
Zeige deinen Eltern wieviel sie dir bedeuten und daß du gerne zeit mit ihnen verbringst und daß du dich um sie sorgst. :blumengabe:
Aber gib ihnen nicht das Gefühl, daß du ohne sie einsam bist.
Ich glaube, Eltern möchten wissen, daß ihre Kinder "versorgt" sind, selber für sich sorgen können und alleine in der Welt zu Recht kommen.

Du kannst jetzt schon etwas dafür tun, daß du nicht allein und einsam sein wirst wenn deine Eltern nicht mehr sind.
Welche Freizeit Aktivitäten machst du?
Könntest du dir vorstelllen dich sozial, ehrenamtlich etc. zu engagieren? Zum Beispiel in der Kirche oder in einem Verein? Dort lernt man viele Menschen kennen und knüpft Kontakte aus denen gute Freundschaften entstehen können.
Du könntest einen ehrenamtlichen Posten übernehmen und dich mit eigenen Ideen einbringen. Oft fühlt man sich weniger einsam wenn man merkt, daß man gebraucht wird.

Anderen geht es genauso wie dir. Du bist mit dieser Angst nicht alleine.
Setz dich mit deinen Gedanken auseinander und mal dir aus, wie dein Leben in Zukunft aussehen wird. Auch ohne deine Elterm (vielleicht hat die Abnabelung auch nicht vollständig stattgefunden).

Wohnst du in der Stadt oder auf dem Land?

:blumengabe:

Inaktiver User
28.11.2008, 12:52
Du kannst jetzt schon etwas dafür tun, daß du nicht allein und einsam sein wirst wenn deine Eltern nicht mehr sind.
Welche Freizeit Aktivitäten machst du?
Könntest du dir vorstelllen dich sozial, ehrenamtlich etc. zu engagieren? Zum Beispiel in der Kirche oder in einem Verein? Dort lernt man viele Menschen kennen und knüpft Kontakte aus denen gute Freundschaften entstehen können.
Du könntest einen ehrenamtlichen Posten übernehmen und dich mit eigenen Ideen einbringen. Oft fühlt man sich weniger einsam wenn man merkt, daß man gebraucht wird.
(...)
Setz dich mit deinen Gedanken auseinander und mal dir aus, wie dein Leben in Zukunft aussehen wird. Auch ohne deine Elterm (vielleicht hat die Abnabelung auch nicht vollständig stattgefunden).

Wohnst du in der Stadt oder auf dem Land?

:blumengabe:


Ich wohne in einer Großstadt.
Du hast ja Recht. Was soll ich sagen..gerade das, was ich mir ausmale, wie mein Leben ohne meine Eltern aussehen wird, ist ja das, was mir Angst macht. Ich arbeite im sozialen Bereich, es gibt also schon (zum Glück) in meinem Leben die Erfahrung gebraucht zu werden. Aus meiner langen Partnersuche habe ich auch noch viele Aktivitäten (Segeln,Vereinssport, Tanzverein) bei denen ich ursprünglich mal einen Partner kennenlernen wollte. Das hat leider nicht geklappt, aber ich habe dort einige nette Bekannte. "Bekannte", leider sind daraus keine wirklichen Freundschaften geworden. Gelegentlich habe ich Kinder aus meiner Nachbarschaft als Babysitter, weil ich Kinder sehr mag.
Das ist alles gut und schön, es tut mir leid, dass ich jetzt wahrscheinlich wieder so undankbar klinge. Aber das ist doch alles kein Ersatz für Menschen, die einen wirklich lieben! Als meine beiden Mädels auch noch Singles waren, haben wir uns immer vorgestellt, dass wir drei dann im Alter mal eine WG gründen. Jetzt hat es bei den beiden ja doch noch geklappt eine eigene Familie zu gründen und ich freue mich ja auch sehr für die beiden. Aber jetzt ist für mich irgendwie überhaupt gar keine tröstliche Perspektive mehr übriggeblieben. Ich habe ja auch keine Kinder. Wenn ich mal im Alter meiner Mutter sein werde wird da niemand sein der mich begleitet. Das ist so eine Vorstellung die mich dann nachts nicht mehr einschlafen lässt.
Was die Abnabelung betrifft, war das bei mir eine Zurückbewegung zu meinen Eltern in den letzten Jahren. Anfang 20 habe ich da mal bewusst Distanz genommen, bin ins Ausland gegangen usw. Das war damals auch gut so. Auch aufgrund meines langen Singleseins hat sich dann meine Beziehung zu meinen Eltern wieder intensiviert. Wo geht man denn Weihnachten hin, wenn man keine Beziehung hat? Wenn ich meine Eltern nicht gehabt hätte, wäre ich die letzten Jahre wahrscheinlich schon lange in Depressionen versunken.
Ich kann einigermaßen damit leben, dass ich keinen Partner habe. Aber damit leben, dass es überhaupt niemanden mehr gibt, dem ich irgendetwas bedeute kann ich glaube ich nicht.

Dir vielen lieben Dank,Winterlachen, für Deine Antwort:blumengabe:

Inaktiver User
28.11.2008, 13:43
Wo geht man denn Weihnachten hin, wenn man keine Beziehung hat?


Gerade in einer Großstadt ist es doch einfach Leute zu treffen. Ich kenne viele die an Weihnachten nach 21 Uhr in Kneipen etc. gehen. Und dort trifft man dann gleichgesinnte, die evtl auch keine familie, partner etc. haben.

wenn du in vereinen bist dann gibt es doch bestimmt tätigkeiten, z.B. im Vorstand, die du übernehmen kannst. Dadurch wirst du noch mehr gebraucht, bist präsenter und lernst noch mehr Leute kennen.

Gute Freundschaften brauchen zeit um zu wachsen. Vielleicht hilft es auch wenn du offen über deine Situation und deine Ängste sprichst. Es gibt immer andere denen es genauso geht, du bist damit nicht alleine.
Die Idee mit der 3er WG im Alter finde ich sehr schön. Deine Freundlinnen kommen dafür nicht mehr in Frage, aber es gibt doch andere Singles, die auch gerne in einer WG leben würden.
Wie wäre es eine WG zu gründen?? Kannst du dir das vorstellen?

Inaktiver User
28.11.2008, 13:50
Was soll ich sagen..gerade das, was ich mir ausmale, wie mein Leben ohne meine Eltern aussehen wird, ist ja das, was mir Angst macht.


Wenn ich sage, male dir aus wie dein Leben in Zukunft und ohne deine Eltern aussieht, dann meine ich,daß du dir vorstellen sollst wie du es dir wünscht. Wie du und dein Leben dann sein sollen :Sonne:

Und dann gilt es, alles was möglich ist umzusetzen, damit dein Leben in die Richtung deiner positiven Vorstellungen läuft.

Es kann immer besser werden, aber man muß auch etwas dafür tun. Gehe offen und freundlich auf die anderen zu, manchmal reicht schon ein Lächeln :smile:


Dann wird es auch bald Leute geben, denen du nicht egal bist und die sich freuen wenn du da bist.
Es ist immer ein Geben und Nehmen. Und am besten nichts erwarten, ohne Druck die Dinge angehen und bereit sein, anderen entgegen zu gehen.

:blumengabe:

Inaktiver User
28.11.2008, 13:59
Gerade in einer Großstadt ist es doch einfach Leute zu treffen. Ich kenne viele die an Weihnachten nach 21 Uhr in Kneipen etc. gehen. Und dort trifft man dann gleichgesinnte, die evtl auch keine familie, partner etc. haben.

wenn du in vereinen bist dann gibt es doch bestimmt tätigkeiten, z.B. im Vorstand, die du übernehmen kannst. Dadurch wirst du noch mehr gebraucht, bist präsenter und lernst noch mehr Leute kennen.

Gute Freundschaften brauchen zeit um zu wachsen. Vielleicht hilft es auch wenn du offen über deine Situation und deine Ängste sprichst. Es gibt immer andere denen es genauso geht, du bist damit nicht alleine.
Die Idee mit der 3er WG im Alter finde ich sehr schön. Deine Freundlinnen kommen dafür nicht mehr in Frage, aber es gibt doch andere Singles, die auch gerne in einer WG leben würden.
Wie wäre es eine WG zu gründen?? Kannst du dir das vorstellen?

In einer WG zu wohnen kann ich mir natürlich vorstellen, aber nur mit Leuten, die eine ähnliche Einstellung zu einigen wesentlichen Dingen haben (Hygiene und so)..und die sind leider gar nicht so leicht zu finden. Ich erinnere mich noch an meine WG-Zeit während meines Studiums:knatsch: Mit wildfremden Menschen würde ich in meinem jetzigen Alter nicht mehr einfach so zusammenziehen wollen.

Ich finde es wirklich toll, dass Du so eine optimistische Einstellung zu Vereinen hast. Bist Du selbst in einem? Man lernt Leute kennen, ja..Aber gerade im Vorstand geht es schnell auch um Machtspielchen. Das hatte ich mal. Das Vereinleben kann ein ganz schön schmutziges Geschäft sein..so kuschelig ist das nicht. Freundschaften sind dabei nicht entstanden, aber ich mache natürlich weiter. Ich hoffe ja auch, dass ich nach dem Umzug meiner beiden besten Freundinnen doch noch wieder eine wirklich gute Freundin in meiner Nähe finde. Habe auch eine Anzeige in einer lokalen Zeitung geschaltet, weil ich mir schon denke, dass es bei den vielen Singles heute auch noch andere Menschen geben muss, die alleine sind und einfach jemanden zum Weggehen und reden suchen. Irgendwie spricht aber kaum jemand darüber. Und wo findet man Menschen, denen es ähnlich geht? Ich kann doch die Leute in der U-Bahn nicht fragen, ob sie Angst haben einsam zu sein..

Ich erlebe meine Umgebung eher als kalt. Vielleicht ist es in kleineren Städten anders? Ist es für andere wirklich so leicht mit anderen über ihre Ängste zu sprechen? Wer macht sich denn die Mühe einem Menschen wirklich mal auch bei ernsteren Themen zuzuhören, wenn einem nicht viel an diesem Menschen liegt?Neulich habe ich mal einer Kollegin nebenbei erwähnt, dass bei meiner Mutter jetzt wieder der Krebs zurückgekehrt ist. So was will doch niemand hören..Die meisten sind doch mit ihren eigenen Problemen beschäftigt. Deshalb gibt es doch auch solche Foren:blumengabe:

Inaktiver User
28.11.2008, 14:33
Mit wildfremden Menschen würde ich in meinem jetzigen Alter nicht mehr einfach so zusammenziehen wollen.

Warum denn nicht? Das kann sehr interessant und spannend sein und manchmal muß man auch etwas Anderes/Neues machen wenn man was ändern will !


Ich finde es wirklich toll, dass Du so eine optimistische Einstellung zu Vereinen hast. Bist Du selbst in einem?
Ja, bin ich und es gefällt mir sehr gut. Bin nicht im Vorstand sondern aktives Mitglied. Und ich habe dadurch sehr viele Leute kennenglernt. Bringe mich ein und werde oft gefragt.




Ich erlebe meine Umgebung eher als kalt.

Ja, das kann ich nachempfinden. Aber es gibt Menschen denen es ähnlich geht wie dir. Schließlich gibt es immer mehr Singlehaushalte. Gib nicht so schnell auf. Bring den Menschen Wärme entgegen und such nicht in der virtuellen Welt, sondern lieber im realen Leben :blumengabe:

Inaktiver User
29.11.2008, 19:45
Liebe Sissi,

ich hatte schon dein anderes Posting gelesen.
Das mit der Kälte kann ich verstehen.
Auch ich habe Freunde und Bekannte (auch wenns im Laufe der Jahre weniger werden, aber es gibt auch neue, die dann hinzukommen), und ich habe noch Familie.
Natürlich werden Eltern nicht für immer leben, irgendwann sind die Eltern weg, die Kinder bleiben hier. So ist der Lauf der Dinge.

Ich denke auch oft darüber nach, auch wenn niemand krank ist, was dann mal mit mir wird, gerade so an Weihnachten und überhaupt. Denn die Familie ist doch das, auf was man immer zurückgreifen kann, sind die, die seit Geburt da sind.

Das Gefühl mit der Einsamkeit kenne ich auch gut, diese Kälte, die in einem hochkommt, gerade jetzt im Winter, gerade, wenn irgendwas mit Beziehung hochkommt, wenn man nur glückliche Familien sieht, man selbst am Rand steht und das noch nicht geschafft hat.
Ich finde aber, wir müssen uns hier am Schopf packen: Es gibt aktive Einsamkeitsbewältigung, gerade wenn man in der Stadt wohnt. Damit meine ich nicht irgendwelche schäbigen Internetplattformen (dazu zähle ich z.B. new-in-town, wo nur schnelle Verabredungen, aber keine wirklichen Freunde und soziale Wärme gesucht werden), sondern Orte, wo Menschen in ähnlicher Situation auftauchen. Z.B. im Stadtteil, in Vereinen oder auch den Kirchengemeinden.
Die Zahl der Alleinstehenden wird größer, die soziale Kälte nimmt zu, und damit auch die Einsamkeit. Du bist nicht alleine, aber du kannst etwas dafür tun, wenn du dich so fühlst.

Das mit der Alters-WG habe ich auch schon in Angriff genommen, falls ich wirklich Single bleiben sollte. Das Modell wird in der Zukunft noch zunehmen, generationenübergreifendes Wohnen, jung und alt, Singles und Familien, die zusammen leben, zwar jeder in seinem Ding selbst, aber trotzdem mit vielen gemeinsamen Berührungspunkten, für mehr Menschlichkeit, gegen die soziale Kälte und die Isolation.

Ich wünsche dir gute Begegnungen! :blumengabe:

pasta
29.11.2008, 22:30
liebe sissibel,

deine situation ist im moment sehr schwierig. ich kann das gut verstehen. jedesmal, wenn freundinen von mir in neue beziehungen gekommen sind, fühlte ich mich (als single) ein bisschen einsam und verlassen.
bei dir ist dies nun so, dass sie noch weit wegziehen.
das ist sehr schmerzhaft. wenn deine mutter noch dazu sehr krank ist, kommt da noch ein dicker packen drauf.
deine angst ist ganz verständlich. jeder mensch hat irgendwo in seinem innersten angst vor einsamkeit. nähe und vertrautheit, ein gutes soziales netz sind für den menschen lebenswichtig.
es ist eine schwierige zeit für dich, gesteh es dir zu, dass es schwierig ist. diese gefühle der angst und "trauer" um diesen (teilweisen) verlust deiner freundinnen kannst du nicht wegdrücken. ich fürchte, du musst das durchleben, akzeptieren (blödes wort, ich weiss) und irgendwann wird es ein bisschen besser gehen.
ich merke immer wieder - und es fällt mir tierisch schwer - dass das leben ständige veränderung bedeutet. freundschaften verändern sich, das leben von freunden verändert sich, deren einstellung, man lernt aber auch neue menschen kennen.
man kann nichts festhalten und kontrollieren (auch ich habe oft sehr grosse angst, dass mal mein bester wichtigster freund wegzieht).
ich glaube, es ist wichtig, in solchen situationen sich wirklich gut auf sich zu besinnen. sich gut um sich zu kümmern und dabei wirklich gut auf sich zu hören. was tut mir gut, was möchte ich wirklich gern in meiner freizeit machen. ein buch lesen, gemütlich auf dem sofa gammeln oder rausgehen?
in zeiten, die schwierig sind, muss man sich gut verwöhnen, damit man die kraft hat, dies auszuhalten.
mir persönlich sind wenige intensive freundschaften auch wichtiger als viele leute zu kennen. habe aber auch gelernt, dass es wichtig ist, in jeder lebenssituation offen für andere menschen zu sein.
wenn dir jemand aus deinem verein, kollegin etc. sympatisch ist, lade sie mal auf einen wein ein. in einem anderen umfeld, zu zweit ergeben sich manchmal ganz andere gespräche. vielleicht ist die eine oder der andere auch ganz froh, wenn sich ein persönlicheres gespräch ergibt. mach ruhig den anfang. manchmal projeziert man seine eingenen ängste (dass die anderen das nicht hören wollen) auf die anderen. und in wahrheit ist das vielleicht gar nicht so. jeder mensch hat doch probleme und jeder möchte sich jemandem mal anvertrauen. ausserdem kann es für den anderen auch ein schönes gefühl sein, dass da vertrauen da ist. dass die welt nicht nur oberflächlich ist.

alles gute für dich. vertrau ein bisschen auf dich. du wirst wieder menschen finden, mit denen du dich wohl fühlst. deine aktivitäten sind doch schon die besten vorraussetzungen!

ach ja, das mit der wg. kann das auch verstehen. bin kürzlich von ner 2er wg in eine 5er wg gezogen. nicht ganz freiwillig.
kenne diese ängste. falls du dennoch darüber nachdenkst. man könnte auch eine probezeit vereinbaren, bzw. wenn du einen untermietvertrag mit jemandem machst, könntest du ihn auch irgendwann kündigen, wenn es nicht klappt. aber ich weiss, das benötigt sehr viel mut - wahrscheinlich größere wohnung etc.

alles gute. auch für deine mutter.