Bin ich die Einzige die hier unzufrieden ist? Was ist denn bloss los mit der englischen freien Wirtschaft, dass die Arbeitsbedingugnen so unter aller Sau sind? Kurz zu mir: Ich bin seit ueber 5 Jahren in Nordengland und habe arbeitstechnisch bisher fast nur schlechte Erfahrungen gemacht. Bis auf ein Jahr, das ich mit Zeitvertrag im oeffentlichen Dienst verbracht habe, habe ich den Eindruck, dass saemtliche Arbeitgeber in der freien Wirtschaft hier die absoluten Ausbeuter sind.
Das faengt an mit maximal 25 Tagen Jahresurlaub;
Urlaub, der nicht etwa dann bewilligt wird, wenn man ihn (wegen Schulferien der Kinder) braucht, sondern dann, wenn es der Firma passt; Lohnfortzahlung im Krankenfall erst nach 1 Jahr Berufstaetigkeit in der Firma (und dann aber auch nur fuer maximal 6 Wochen);
Beitraege zur privaten Rentenversicherung erst nach 6 Monaten Berufstaetigkeit (und dann nicht rueckwirkend, sondern eben mit Luecken – wer alle 2 Jahre den Job wechselt, wird hier echt gestraft);
Ueberstunden unbezahlt (dafuer ist man ja Manager);
Geschaeftsreisen muessen grundsaetzlich so gelegt werden, dass man am Montagmorgen puenktlich um 8 Uhr beim Kunden auf der Matte steht (bei Geschaeftreisen ins Ausland, die ich ca 5-8 mal pro Jahr mache, ist der Sonntag weg), was fuer mich bedeutet, dass mein Sonntag fuer die Anreise draufgeht und den Sonntag kriege ich weder verguetet noch als zusaetzlichen Urlaub zurueck (weil mein Chef meint, so ist das eben, wenn man im Verkauf arbeitet)
das gleiche Spiel bei Messen: 3mal im Jahr haben wir einen Stand auf einer Messe im Ausland und das heisst 1 ganze Woche auf Achse : spaet ins Bett, frueh wieder raus und die Zeit kriegen wir weder verguetet noch ausgeglichen (weil mein Chef meint, so ist das eben, wenn man im Verkauf arbeitet).
Gehalterhoehungen werden gerne auf die lange Bank geschoben – ich hab sowas von den Kaffee auf und die Nase voll! Gewerkschaftstechnisch tut sich hier leider auch nicht viel. Es wird zwar stillschweigend toleriert, dass man in einer Mitglied ist aber die bewegen hier so gut wie nichts.
Bin ich die Einzige, die hier ihrem Aerger mal Luft machen muss oder geht es euch aehnlich?
es gruesst
LaV
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Ergebnis 1 bis 10 von 14
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14.03.2007, 12:03
Arbeiten in der englischen privaten Wirtschaft - Schnauze voll - ihr auch?
Before you judge someone, you should walk a mile in their shoes. That way, when you judge them, you're a mile away and you have their shoes.
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14.03.2007, 12:24
AW: Arbeiten in der englischen privaten Wirtschaft - Schnauze voll - ihr auch?
Hallo LaVerne,
ich glaube Du hast ein ziemliches Pech mit Deinem CHef :-S Natuerlich sind so Dinge wie 20 TAge Urlaub (max. 25 nach 5 Jahren Zugehoerigkeit), Pensionsbeitraege usw. hier generell so geregelt und natuerlich ist das beschissen. Andererseits findet man immer relativ schnell nen neuen Job, sprich lange ARbeitslosigkeit wie in Dland kommt hier nicht vor. Man ist auch flexibler was das ARbeiten in verschiedenen Bereichen betrifft, man muss nicht X studiert haben um einen bestimmten Job zu machen, sondern es kommt viel mehr drauf an was man leistet und kann. Bei meinen bisherigen Jobs war es auch so, dass ueberstunden entweder bezahlt oder als Urlaub genommen werden konnten. Auch konnte ich meine Urlaubsplanung gut mit der Firma abstimmen. Wo es allgemein 'sicherer' ist, sind, wie Du ja schon gemerkt hast, der public service und auch z.B. Universitaeten/Colleges etc. Vielleicht solltest Du dort mal im student recruitment Bereich nachschauen (faellt mir so als erstes spontan bei 'Verkauf' ein)?
Kopf hoch! Es geht auch in UK anders :-)
LG (auch ausm Norden)
SarahMiller"Warum soll ich nicht beim Gehen" -
sprach er "in die Ferne sehen?
Schön ist es auch anderswo,
und hier bin ich sowieso."
Wilhelm Busch
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15.03.2007, 09:31
AW: Arbeiten in der englischen privaten Wirtschaft - Schnauze voll - ihr auch?
Sicher koennte ich alles hinwerfen und sicherlich bliebe ich nicht lange ohne Job. Aber mein Einkommen wird gebraucht. Und ob ich so schnell wieder einen Job in dieser Gehaltsklasse finde, ist nicht gesagt. Du kennst das ja wahrscheinlich selbst: hier in England wird dein neues Gehalt automatisch nach dem vorherigen beurteilt. Als ich hier angefangen habe, hatte ich GBP 22400 jaehrlich. Nachdem mein vertrag auslief, habe ich nach dem erstbesten Angebot gegriffen und musste halt damit leben, nur noch GBP 14000 jaehrlich zu verdienen. Jetzt, nach 5 Jahren, habe ich mein Anfangsgehalt immer noch nicht erreicht (fehlt noch ein bisschen dran). Und du weisst auch, wie das ist, wenn man sich hier bewirbt. Die fragen immer nach deinem jetzigen Gehalt und wenn sie es zu hoch finden, wirst du ohne weitere Gruende von der Bewerberliste genommen. Ist mir erst gerade wieder passiert.
Klar, oeffentlicher Dienst waere klasse - aber ich hab mich jetzt auf 2 Stellen beworben und sie nicht bekommen (immerhin habe ich es beide Male ins 2. Gespraech geschafft) - manchmal glaube ich, im oeffentlich Dienst suchen die nach einem ganz bestimmten Typus Mensch und ich passe einfach nicht in ihr Schema. Wahrscheinlich bin ich zu quirlig, vielleicht nimmt man mir nicht ab, dass ich durchaus serioes sein kann.
Unis/Colleges: da arbeite ich gerade dran. Ich habe letztes Jahr ein Studium an der Open University angefangen und schlage mich tapfer und sogar recht gut. In 2 1/2 Jahren habe ich dann auch einen akademischen Grad - aber bis dahin habe ich kaum eine Chance auf einen Job an der Uni.Before you judge someone, you should walk a mile in their shoes. That way, when you judge them, you're a mile away and you have their shoes.
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15.03.2007, 10:29
AW: Arbeiten in der englischen privaten Wirtschaft - Schnauze voll - ihr auch?
Hallo LaVerne,
nur kurz, denn eigentlich soll ich ja arbeiten ;-) Im Admin-Bereich der Unis gibt es durchaus Stellen in Deinem Gehaltsbereich auch ohne Uni-Abschluss. Kommt halt dann auf die Berufserfahrung an. Ich habe im HR einer Uni gearbeitet und da hat man die Admin-Bewerber ohne BA sogar bevorzugt, von wegen sie wuerden sich ja sonst langweilen, weil ueberqualifiziert.
Kopf hoch!
LG
SarahMiller"Warum soll ich nicht beim Gehen" -
sprach er "in die Ferne sehen?
Schön ist es auch anderswo,
und hier bin ich sowieso."
Wilhelm Busch
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19.03.2007, 10:31Inaktiver User
AW: Arbeiten in der englischen privaten Wirtschaft - Schnauze voll - ihr auch?
Klar, das Gehalt sieht nicht berauschend aus, aber wenn du im Ausland arbeitest, dann gelten die dortigen Standards für Gehalt und Sozialleistungen. Ich war selbst 14 Jahre "Gastarbeiter" in Belgien, USA und kurz in England - und in all diesen Ländern waren und sind die Sozialleistungen niedriger als bei uns. Und mal ganz klar gesagt: In meinem Reisejob wird ebenfalls selbstverständlich erwartet, dass ich vor Ort bin, wenn das Meeting anfängt, und das schließt auch Anreise am Sonntag mit ein - am liebsten sogar Samstag, damit ich die günstigen Wochenendtarife im Flieger nutzen kann. Und wenn du Managerin bist, dann gibt es auch hier keine Überstundenvergütung.
Ganz ehrlich - so richtig Leid tust du mir nicht!
Gruß,
Detlef
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19.03.2007, 15:30
AW: Arbeiten in der englischen privaten Wirtschaft - Schnauze voll - ihr auch?
He Mann!
Schon mal was von Solidaritaet der Arbeitnehmer gehoert? Und leid tun will ich dir auch gar nicht, aber ich haette gerne mal von anderen gehoert, wie die das so sehen. meine Berufserfahrungen habe ich in Deutschland, Frankreich und jetzt England gesammelt und hier find ich's halt besonders aetzend. Was die Standardleistungen angeht, damit kann und muss ich leben - andere Sachen aber (als da waeren die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall oder aber die vielen vertanenen Sonntage, die man nicht zurueckbekommt - und was ist mit dem Urlaub, den ich nicht nehmen kann, wenn meine Kinder mich brauchen?), nee. Seh ich nicht ein.
es gruesst
LaVGeändert von LaVerne (19.03.2007 um 15:51 Uhr)
Before you judge someone, you should walk a mile in their shoes. That way, when you judge them, you're a mile away and you have their shoes.
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20.03.2007, 18:13
AW: Arbeiten in der englischen privaten Wirtschaft - Schnauze voll - ihr auch?
Wenn du in England wohnst und arbeitest, muß du dich auch auf englische Erwartungen und Gewohnheiten einstellen.
Deine Aussagen oben stammen alle aus einer sehr deutschen Denkweise. In England ist es aber selbstverständlich dass du Wochenendtagen manchmal auch arbeiten muß, dass Geschäftsreisen auch in den frühen Morgenstunden und späten Abendstunden stattfinden.... und das du das freiwillig und munter machst.
Vorsicht aber - wenn du dich beim Chef beschwerst, has du sowieso ein "Attitude Problem" - und eine längere Kundigungsfrist hast du wohl auch nicht.Cartooncat
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20.03.2007, 22:34
AW: Arbeiten in der englischen privaten Wirtschaft - Schnauze voll - ihr auch?
Tja, die deutsche Denkweise kann ich immer noch nicht abschuetteln - ich frage mich halt nur wie andere Deutsche das Arbeiten hier empfinden.
Allerdings glaube ich langsam wirklich, dass ich in einer besonders unkooperativen Firma gelandet bin - ich habe mehrere englische Kollegen, die sehr aehnliche Probleme haben. Haben wir jetzt alle ein "attitude problem" ? Oder ist es vielleicht doch eher die Denkweise des Chefs, die uns zu einer solchen Attitude zwingt? Weisst du, an die Gepflogenheiten des Reisens kann ich mich ja noch maulend gewoehnen aber diese Urlaubsregelung ist so doof. Ich habe nur noch 2 Kolleginnen (die anderen 80 sind Maenner), die in der gleichen Zwickmuehle stecken. Unsere Kids haben Ferien und wir muessen arbeiten. Frei haben wir, wenn die Kinder wieder in der Schule sind.
Der Vater meiner Kollegin ist vorletzte Woche gestorben. Er muss die letzten beiden Wochen im Krankenhaus verbracht haben und sie ist in jeder freien Minuten und auch waehrend der Arbeitszeit oefter hingefahren - immer dann, wenn das krankenhaus Alarm schlug. Sie war voellig durch den Wind, hat viel geweint und als ihr Vater dann tot war, kriegte sie vom Chef einen Blumenstrauss und einen Brief, in dem stand, dass sie im Falle des Todes eines nahen Angehoerigen nur 2 Tage Sonderurlaub bekaeme und daher alle anderen Stunden von ihrem Verdienst abgezogen wuerden. Das mag zwar firmentechnisch korrekt sein, menschlich finde ich es aber total daneben. Ich denke einfach, es gibt Situationen, in denen auch ein englischer Arbeitgeber nicht nur stur nach Vorschrift handeln sollte, sondern auch auf die Probleme seiner Angestellten eingehen muss.Before you judge someone, you should walk a mile in their shoes. That way, when you judge them, you're a mile away and you have their shoes.
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21.03.2007, 08:33
AW: Arbeiten in der englischen privaten Wirtschaft - Schnauze voll - ihr auch?
Ja ... ich stimme zu. Das ist sehr unmenschlich.
Naja - es gibt auch nettere Engländer. Vielleicht wäre es doch Zeit mal rumzuschauen.....Cartooncat
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21.03.2007, 08:51
AW: Arbeiten in der englischen privaten Wirtschaft - Schnauze voll - ihr auch?
... dass sie im Falle des Todes eines nahen Angehoerigen nur 2 Tage Sonderurlaub bekaeme und daher alle anderen Stunden von ihrem Verdienst abgezogen wuerden....
Das ist bei uns in Deutschland genauso. Es gibt "nur" zwei Tage Sonderurlaub, wenn ein naher Angehöriger stirbt.


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