Ja, ich finde auch, nach einer Weile kehrt auch im Ausland der Alltag ein.
Als ich vor 10 Jahren fuer 3 Monate hier zum Praktikum kam, habe ich viel mit den Leuten, die ich hier kennenlernte, unternommen und so das kretische Nachtleben kennengelernt und insofern wirklich mehr erlebt.
Ein Jahr spaeter, als ich dann hier richtig anfing zu wohnen und zu arbeiten, war nicht mehr soviel mit Weggehen. Klar am Wochenende war Weggehen angesagt, ich war damals Mitte 20. In den ersten Jahren bin ich oft wandern gewesen und habe so viel von Land und Leute mitbekommen. Jetzt geniesse ich es oefter einfach mal zu Hause abzuhaengenIch habe einen gemischten Freundeskreis, so dass immer wieder neue Impulse dazu kommen.
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21.02.2007, 07:51
AW: Arbeiten im Ausland = "mehr erleben"?
Man sollte sich nicht ueber Dinge aergern,
denn das ist ihnen voellig egal.
Euripides
Man soll nicht das Leben veraendern, man soll nicht die Welt veraendern. Man muss das Leben vielgestaltiger machen, ... Man muss die Unterschiede wuerdigen. Unterschiede staerken die Identitaet.
Carlos Fuentes "Die Jahre mit Laura Diaz"
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22.02.2007, 17:51
AW: Arbeiten im Ausland = "mehr erleben"?
Dass nach einer Weile automatisch der Alltag einkehrt, kann ich nicht bestaetigen. Ich lebe zwar "erst" seit dreieinhalb Jahren in Schottland, aber ich finde, es wird immer interessanter

Ich bin allerdings auch nicht WEGEN der Arbeit hierher gezogen, sondern wegen des Landes an sich. Arbeiten ist eher "Nebensache", das Wichtigste sind meine Unternehmungen in der Freizeit. Da ich mitten in den Highlands lebe, versuche ich jede freie Minute in den Bergen zu verbringen, mit Wandern, Klettern und Fotografieren
Mein Leben in Deutschland bestand eigentlich nur aus Arbeiten, Essen, Fernsehen und Schlafen - Alltag eben. Dagegen fuehlt sich hier jeder Tag wie Urlaub an...
LG,
skye
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26.02.2007, 12:28
AW: Arbeiten im Ausland = "mehr erleben"?
Ich kann dem nur zustimmen, dass es ganz darauf ankommt was Du für ein Typ bist. Ich lebe seit 9 Jahren in England mit meinem walisischen Freund und hatte also sofort einen Einstieg in den Alltag über seinen Freundeskreis. Ich selber habe sehr lange gebraucht um gute Freundinnen zu finden. Da war ich aber auch in Deutschland wählerisch. Ich war bis jetzt auch fast immer der einziger Ausländer in der Firma, da gewöhnt man sich schnell an die Eigenheiten des Landes. Ich mache aber noch lange nicht alles mit. Manchmal fühle ich mich doch sehr deutsch. Das ging mir nie so als ich noch in Deutschland lebte.
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04.03.2007, 16:32
AW: Arbeiten im Ausland = "mehr erleben"?
Hallo Silkesenta,
es kommt bestimmt auch auf den Menschen draufan...ich fuer mich kann sagen "nur" das ganz normale Leben hab ich hier in London selbst nach 10 Jahren noch nicht gefunden. Leider:-(
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10.03.2007, 19:17
AW: Arbeiten im Ausland = "mehr erleben"?
Das kommt mir bekannt vor, da ich auch 2 Jahre in Irland gelebt habe. Man sollte schon ein weniger oofener sein. Sonst kann man auch in Dt. bleiben
Zitat von Tralala
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10.03.2007, 19:22
AW: Arbeiten im Ausland = "mehr erleben"?
Ich denke man wird viel toleranter und offener. Man lernt neue Mentalitaeten und Kulturen kennen. Man kann viel von anderen Nationalitaeten lernen. Auf der anderen Seite merkt man auch wie gut es einem in Dt. geht und man nicht immer alles als selbstverstaendlich ansehen sollte. Man lernt die Dinge anders zu sehen. Ich kann jedem nur empfehlen mal eine Weile im Ausland zu leben.
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14.03.2007, 23:44
AW: Arbeiten im Ausland = "mehr erleben"?
Ich lebe seit 20 Jahren in Spanien. Anfangs, die ersten 2 Jahre, hatte ich noch ein Urlaubsfeeling. Man brauchte auch nicht besonders viel um hier glücklich zu sein. Das Wetter, das Meer, wenig Geld und alles war irgendwie easy. Die Leute waren gut drauf. Heute ist alles auf europäische Norm gebracht. Man muss wahnsinnig viel arbeiten, um seine Kosten zu decken. Mietpreis für eine normale Wohnung ca 600€. Normales Gehalt ca 800€. das soll einer verstehen. Da muss man manchmal schon in 2-3 Jobs ran. Dementsprechend kaum noch Fiesta und auch hier gestresste, genervte Leute, welche für alles und nichts Kredite abzuzahlen haben. Die Mittelschicht geht immer mehr verloren und spalte sich in sehr Reiche, bei denen sich der Reichtum ständig vermehrt und andere, die ein verdammtes Kraxeln haben. Warum ich nicht zurück gehe? Das ist eben hier meine Heimat geworden.Mein Mann ist Spanier, meine Tochter hie aufgewachsen, mein Leben hier aufgebaut, obwohl ich mich immer häufiger etappe zu denken, dass ich in Deutschland bei dem Kraftaufwand doch wesentlich mehr verdienen könnte. Naja, mal sehen was die Zeit so bringt.
Zitat von silkesenta
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15.03.2007, 10:59
AW: Arbeiten im Ausland = "mehr erleben"?
Jetzt muss ich doch mal antworten.
Bin seit ca. 5 Jahren im Ausland, davon ca. 4 in Spanien.
Habe ich einen Alltag? Jein.
Das merke ich vor allem jetzt, weil ich öfter beruflich in Deutschland bin und
In 2 Tagen Deutschland mehr Alltag habe als nach einer schweren Arbeitswoche in Spanien.
Wenn man länger weg ist, fängt man gerne an, sein Heimatland zu idealisieren.
z. B. habe ich gerne Preise verglichen, allerdings entsprachen die dem von vor 5 Jahren in D.
Jetzt merke ich aber, dass sie auch in D. gestiegen sind.
Wenn ich in D. bin vermisse ich das Licht/Sonne, das Meer und die Sprache nach 2 Tagen,
passiert mir oft nicht, wenn ich 2 Wochen das Meer in Spanien nicht gesehen habe ;).
Ich arbeite aber nicht mehr als in Deutschland, verdiene etwa gleich viel,
überdurchschnittlich für hier, habe aber weniger von meinem Geld, da die Immobilien keiner Relation
zum Gehalt entsprechen wie bereits Josha sagte.
Die erste Zeit war mir auch total egal, wie wo und mit wieviel Geld ich lebte, 40% unter meinem Gehalt in D., egal,
Hauptsache ich konnte von dem Gehalt essen und Miete zahlen.
Könnte ich allerdings selbst nach Jahren gar nicht reisen, müsste jeden Cent umdrehen, mich auf Dauer
in WGs rumärgern, dann wäre es mir wohl nicht wert, hier zu (über)leben. Ich fahre jeden Morgen
zur Arbeit, mich kotzt mein Arbeitsweg an, aber die Glücksgefúhle, die mich öfter überkommen,
wenn ich durch die Strassen laufe, im Dezember auf meiner Terrasse meinen Kaffee schlürfe
und mich zum Spazieren gehen am Strand treffe, sind halt durch kein Geld zu ersetzen.
Ich hätte in D. wohl auch mein Probleme, das Gemecker zu ertragen, gerade eben weil ich weiss,
dass es staatliche Leistungen wie in D. hier nie gegeben hat.
Ich vermittle auch gerne Sitten und Bräuche, auf beiden Seiten. Z. B. Die Sache mit dem Hasen, der die
Eier bringt ist hier unbekannt, wurde nach meiner Erklärung als lasziv bezeichnet ;)). Dafür wird blöd geguckt,
wenn es z. B. für Deutsche ein Geschenk zum Namenstag gibt.
Ich mag das. :).
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16.03.2007, 01:20
AW: Arbeiten im Ausland = "mehr erleben"?
Wo lebst Du denn, Alemanita?Was machst Du beruflich?Du hast natürlich Recht, das Meer, die Sonne, das Ambiente entschädigen einen schon für so manchen Ärger. Ich fände es schade, wenn Spanien seine Gebräuche und Personalität verlieren würde. Z.B war ich anfangs total angetan von der Toleranz. Leben und leben lassen. Das war damals in Deutschland nicht so.Hasta luego,Josha.
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16.03.2007, 15:28
AW: Arbeiten im Ausland = "mehr erleben"?
Das unterstreiche ich zu 100%.
Zitat von kaa2404
Ausserdem können mein Mann und ich uns hier immer darüber amüsieren, was man in Deutschland alles an lustigen Dingen über China berichtet. Ich schreibe einen Blog, der aus verständlichen Gründen sämtliche arbeitstechnischen Details übergeht, aber meine Güte.... Hier muss man einfach täglich tief Luft holen und die Humorreserven aktivieren. Man lernt Situationen und vor allem sich selbst nicht so bierernst zu nehmen.
Gleichzeitig lernt man, dass man auch ohne Geld fröhlich sein kann, dass man ganz viel erleben kann, ohne einen Pfennig auszugeben, was Gastfreundschaft bedeutet und wir haben noch immer jeden Tag ein kleines, aussergewöhnliches Erlebnis.
Wenn wir nach Deutschland zurückkehren, dann wissen wir was unser Staat leistet, wie toll Krankenversicherungen sind, wie wunderbar Brot schmeckt, wie leise es sein kann und freuen uns heute schon auf saubere Luft und trinkbares Wasser. Und wahrscheinlich wird es mich umwerfen, wenn Autos tatsächlich an Ampeln halten
Und ich hoffe, ich werde mich nie mehr im Supermarkt dabei ertappen, dass ich sauertöpfisch mosere, weils zu lange dauert oder +lach+ "zu viele Leute" dort seien.


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