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  1. User Info Menu

    AW: Die DDR war kein "Unrechtsstaat"

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    Steh immer auf dem schlauch.
    Du meinst, weil der Osten pleite war, wurde nicht mehr "hingelangt" bei den Demos?
    Ja das glaube ich.
    Es war den Politgrößen klar daß sie demnächst mit Kind und Kegel untergehen würden, wozu also ein sinkendes Schiff verteidigen.
    Zumal die meisten von denen wahrscheinlich damit beschäftigt waren ihre Pfründe zu sichern.
    Es saugt und bläst der Heinzelmann ...

  2. Inaktiver User

    AW: Die DDR war kein "Unrechtsstaat"

    Ich hab bei der Stasi zur vernehmung gesessen und es hat mir eine Scheißriesenangst eingejagt, als gesagt wurde, dass man wohl leicht mal feststellen könnte, das ich mein Kind (damals 1 Jahr) nicht richtig erziehen könne und es schnell weg sein könnte.


    Noch 20 jahre später ist das nicht angenehm.

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    AW: Die DDR war kein "Unrechtsstaat"

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    Ich kann mir nicht vorstellen, dass es den damaligen DDR-Bügern leicht gefallen ist, oder leichter als anderen Menschen, die sich auflehnen. Aus meiner laienhaften Sicht war das Risiko, erschossen zu werden oder für Jahre hinter Gittern zu verschwinden, sehr groß. Es gab ja keinerlei Erfahrung, auf die sich die Menschen hätten stützen können. Es gab den Schießbefehl an der Mauer, es gab Prag 1968, es gab die russischen Lager, es gab die Verhaftung der Dissidenten - für mich wären das alles Angstmacher gewesen.

    Ganz ehrlich - ich weiß nicht, ob ich damals auf die Strasse gegangen wäre. Vielleicht wäre ich mitgenommen worden - so als ein Tropfen in einer großen Welle, die überschwappt. Aber vorne in der ersten Reihe zu stehen - ich fürchte, da hätte mir der Mut gefehlt. Ich glaube, es gibt nicht so sehr viele Menschen, die bereit sind, für ihre Ideale und für ein besseres - was immer das auch ist - Leben ihre eigene Existenz zu gefährden oder zu opfern. Insofern habe ich vor den Ereignissen im Herbst 1989 große Hochachtung.
    Natürlich war es extrem mutig auf die Straße zu gehen. Niemand wusste wie die Polizei / Militär reagieren würde. Es war ein unglaublich großes Risiko für jeden, ohne Zweifel.
    Es saugt und bläst der Heinzelmann ...

  4. Inaktiver User

    AW: Die DDR war kein "Unrechtsstaat"

    Zitat Zitat von Kraecker
    Ich kenne das Leben in der ehemaligen DDR nur aus Erzählungen, Filmen und "Reportagen", aber ich glaube, dass es dort nicht ganz so einfach war, Meinungen oder Lebensstile zu vertreten, die dem "System" entgegen gesetzt waren.
    Ich (Wessi) kann mich an die Zeiten erinnern, in denen es auch bei uns im Westen Berufsverbote gab für Lehrer beispielsweise - auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges. Wisst ihr, dass es das bei uns gab?

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    AW: Die DDR war kein "Unrechtsstaat"

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    Ich (Wessi) kann mich an die Zeiten erinnern, in denen es auch bei uns im Westen Berufsverbote gab für Lehrer beispielsweise - auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges. Wisst ihr, dass es das bei uns gab?
    Das denke ich ist ein unpassender Vergleich. Der Radikalenerlaß von 1972 - allerdings in der Tat zum Höhepunkt des Kalten Krieges - führte zu Regelanfragen beim Verfassungsschutz für alle Menschen, die eine Arbeit im öffentlichen Dienst als Beamter oder Angestellter anstrebten. Damit sollte sichergestellt werden, dass die Bewerber verfassungstreu waren. Das wurde immer in Zweifel gezogen, wenn sie in Organisationen tätig waren, in denen DKP-Mitglieder in Führungspositionen saßen.

    Diese Maßnahme wurde von den Betroffenen als "Berufsverbot" bezeichnet, dabei wurde ihnen lediglich der Eintritt in den Öffentlichen Dienst verwehrt. Lehrer und Sozialarbeiter konnten sehr wohl eine Einstellung bei freien Trägern erreichen, nur Beamte wurden sie nicht.

    Bis zur Abschaffung der Regelanfrage wurden bundesweit insgesamt 1,4 Millionen Personen überprüft. Ca. 1.100 davon wurde der Eintritt in den bzw. das Verbleiben im öffentlichen Dienst verwehrt[3], 130 wurden entlassen.
    Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

  6. Inaktiver User

    AW: Die DDR war kein "Unrechtsstaat"

    Zitat Zitat von Opelius
    Das wurde immer in Zweifel gezogen, wenn sie in Organisationen tätig waren, in denen DKP-Mitglieder in Führungspositionen saßen.
    Betraf beispielsweise die DfG/VK, die für mich damals "offizielle" Einrichtung zur Beratung für Kriegsdienstverweigerer. Das waren keine Staatszersetzer, nur weil da auch DKP-Mitglieder im Vorstand arbeiteten.

    Der Vergleich mag unpassend sein, aber ganz so sachlich "schlicht", wie du es jetzt nachzeichnest, war es nicht, höchstens auf dem Papier, gar nicht mehr in der heißen Phase. Ich erinnere mich an eine Autorenlesung von Günter Wallraff, die vom Staatsschutz besucht wurde. Und wie du richtig schreibst, musste man eben nicht mal selbst Mitglied der DKP sein, um nicht in de öffentlichen Dienst zu dürfen. Das alles schoss doch wohl weit über das Ziel hinaus, das du beschrieben hast.

  7. Inaktiver User

    AW: Die DDR war kein "Unrechtsstaat"

    Zitat Zitat von Opelius
    Das denke ich ist ein unpassender Vergleich.
    Grade noch mal drüber nachgedacht.
    Ich finde den vergleich doch nicht unpassend.

    Der Radikalenerlaß von 1972 - allerdings in der Tat zum Höhepunkt des Kalten Krieges - führte zu Regelanfragen beim Verfassungsschutz für alle Menschen, die eine Arbeit im öffentlichen Dienst als Beamter oder Angestellter anstrebten. Damit sollte sichergestellt werden, dass die Bewerber verfassungstreu waren.
    Und warum war es auf einmal so wichtig, ganz genau zu wissen, wer verfassungstreu ist? Und mit welchen Begründungen wurden manche für nicht verfassungstreu erklärt? Und warum braucht der Staat heute diese Überprüfung nicht mehr?

    Es zeigt doch, dass es eben auch eine Frage der Umstände ist, wann ein Staat sich radikalisiert und es auf Ungerechtigkeiten gegenüber der eigenen Bevölkerung ankommen lässt. Das, meine ich, gilt hüben wie drüben, überall. Und das, was unter dem Namen Radikalenerlaß, aber auch in dieser Zeit überhaupt an Bespitzelung und Einschüchterungsmaßnahmen hier im Land gelaufen ist, war auch nicht von schlechten Eltern.

    Bedingungen im Osten: Die DDR hätte ohne Mauer niemals existiert, weil die Intellektuellen weggelaufen wären. Ich denke, es ist auf jeden Fall auch eine Frage der persönlichen Umstände und damit Perspektive, wie die DDR von innen bewertet wurde. Ich kannte mal eine Ärztin aus der DDR, die es richtig fand, dass "drüben" der faire Preis für Kaffee gezahlt wurde und nicht die paar Ausbeuterpeanuts wie bei uns (obwohl sie das sicher anders formuliert hat ).
    Geändert von Inaktiver User (19.10.2008 um 09:53 Uhr)

  8. Inaktiver User

    AW: Die DDR war kein "Unrechtsstaat"

    Was für ein wunderbarer Thread für den Morgenkaffee !


    Vergessen ist offensichtlich, dass das Politbüro trotz der sehr ausführlichen Berichte der Fa. "Guck & Horch" überhaupt nicht registrierte, was im eigenen Lande vor sich ging. Eine so was von selbstgefälliger Ignoranz ist im Nachhinein überhaupt nicht mehr nachzuvollziehen.
    Aber klar doch. Psychologie erstes Semester: die Natur des Menschen. Sein Hang, am Bestehenden zu kleben, sein Gesicht zu wahren, die Augen vor Selbstinfragestellendem zu verschliessen oder sich und andere für seine Ziele zu manipulieren. Was das Politbüro jahrelang machte, ist eine traurige soziogesellschaftliche Gesetzmässigkeit , die sich mühelos überall in der Welt und zu allen Zeiten wiederfindet, was vollkommen logisch ist. Ich kann dieses Prinzip bei meiner Supermarktkassiererin ebenso wiederfinden wie bei Osama Bin Laden. Sie haben diese menschliche Natur gemeinsam, unterscheiden sich im Ausmass ihrer negativen Intentionen, ihren Möglichkeiten und zufälligen Wirkungsfeldern. Nein, das ist kein beknackter Vergleich, es ist so.

    Ohne FDJ-Zugehörigkeit kein Studienplatz, richtig. Mit Punkerfrisur hier kein Job in der Bank. So what. Gleiches Prinzip.

    Menschliches Verhalten ist ein Fraktal.
    Die Grenzen zwischen persönlichem und gesellschaftlichem Losertum sind absolut fliessend. Unangenehm wird es nur dann, wenn ich die Bewertungsrichtung verkehrtherum anlege. Das ist der Punkt.

    Offensichtlich vergessen worden ist, dass der Staatssekretär im Ministerium für Außenhandel Alexander Schalck-Golodkowski alles wertvolle an Kunstgegenständen den Besitzern raubte und ins Ausland verkaufte, um die immer klamme Devisenlage seines Staates zu mildern.
    Vergessen ist, dass Menschen wegen geringfügiger Vergehen ins Zuchthaus wanderten und gegen die Zahlung von je 40.000 DM in die Bundesrepublik verkauft wurden.
    Keiner von uns vergisst so etwas. Wir Ossis laufen alle mit einem Demütigungs-offset herum, auf das wir gerne verzichten würden, weil wir zufällig in ein Land hineingeboren wurden, das sich solche Idiotien erlaubt hat, um einen Marx'schen Feldversuch am Laufen zu halten.
    Und, bezugnehmend auf meinen Fraktalvergleich, liegt hier ein grundlegendes Problem. Man muss als Ossi schon eine gehörige Portion Selbstbewusstsein aufbringen, um diese ewigen Projektionen dessen, was passierte, auf die eigene Persönlichkeit rückstandsfrei abperlen zu lassen.

    Wahlfälschung, Folter, MK-Ultra z.B. - passiert in den USA. Jeder weiss es. Mir käme es dennoch nicht in den Sinn, meine Abneigung dessen auf amerikanische Staatsbürger zu übertragen. Ich muss aber damit leben, dass jeder zweite Westdeutsche seine unbewussten oder bewussten Grundtendenzen einer Siegermentalität auf mich überträgt. Ich muss damit leben wie jeder Dicke, Schwule, Behinderte oder was es im menschlichen Alltag noch für bashing-Spielarten gibt. Wieder ein Fraktal, wir sind so einfallsreich.

    Es mag einige Ostnostalgiger zumindest trösten, dass der vermeindliche Gewinner der Ost-Westauseinandersetzung jetzt in seine wohl schärfste Krise geraten ist.
    Und aus genau diesem Grund gibt es die Ostalgiker auch. Das erste Semester Psychologie, der Mensch hat die Bestrebung, sich gut zu fühlen. Ohne persönliche Wertung, ich bin sicher, dass es Menschen gibt, die die momentane Finanzmarktsituation, dass dem Kapitalismus sein Kapital abhanden kommt, als einen Treppenwitz ihrer eigenen Geschichte werten.

    Ich bin kein Ostalgiker, meine Mentalität ist assimilativer als die vieler anderer. Und ich erlaube mir nicht, einen Staat raumgreifend mit all seinen Bürgern abzuwatschen. Ich habe je eine Lebenshälfte in beiden Systemen verbracht. Ich weiss, wie die Menschen ticken und ich weiss, warum, sie ticken wie sie ticken.

    Ich habe anders als Eisprinzessin nichts Schlimmes erlebt, nie einen "Stasitypen" wissentlich gekannt und wuchs erschreckend abgeschottet auf. Als ich nach der Wende in der Zeitung las, dass die SED plante, aus der Leuchtenburg bei Jena, an der ich jahrelang auf dem Weg ins Internat wöchentlich vorbefuhr, ein Oppositionellen-Internierungslager zu machen, brach die Konsequenz dieser Abschottung mit voller Wucht über mich herein. Ich habe tagelang geheult.


    Anstatt das menschliche Verhalten über die Umstände zu beschreiben, erkläre ich mir lieber die Umstände über die Natur des menschlichen Verhaltens. Das half mir über die Jahre, mit aufkommenden Identitätsproblemen klarzukommen.

    Das Land, in dem wir aufgewachsen sind, ist weg. Es ist nicht mehr da. Man kann nie wieder nach Hause kommen. Das machen sich viele nicht klar.
    Wenn das Land meiner Kindheit im öffentlichen Leben erwähnt wird, ist es mit seinen politischen Abstrusitäten belegt. Natürlich ist mir und jedem anderen auch rational bewusst, dass es so ist, aber was es mit unserer Seele macht, wie wir strampeln müssen, um uns nicht permanent dafür verantwortlich zu fühlen, weil es uns suggeriert wird, dass WIR das WAREN, das ist den wenigsten klar. Es ist ein Teil unserer Identität, der hier eine schwer zu ertragende Projektionsfläche ist und gleichzeitig den Bach runtergeht. Das kann kaum jemand nachempfinden und danach fragt auch keiner.



    Da gings dem Ossi, wie wahlweise einem Zootier, einem Knasti oder einem Patienten in der Psychatrie. Der realen Freiheit und auch der ideellen Freiheit beraubt, konnte man sich gut mit den "Wärtern" arrangieren, wenn man das gewünschte Verhalten zeigte.
    Wer meint, daß man so ein angenehmes Leben führen kann, ist wahrscheinlich so veranlagt, lebt genügsam vor sich hin und hinterfragt sein Leben nicht.

    Gruß deju
    Genau bei solchen Eindrücken von aussen tritt meine Milz immer einen Schritt nach unten in die anderen Eingeweide. Ich habe Menschen erlebt, die mich gefragt haben, wie ich es denn ertrüge, jetzt "normal" zu leben, wo ich doch in der DDR aufgewachsen sei. Man weiss nicht, ob man lachen oder weinen soll, wenn man feststellt, dass manche erwarten, dass wir den ganzen Tag den Boden und unseren Reisepass küssen und uns ansonsten alle 5 Minuten mit der Neunschwänzigen auf den Rücken hauen, weil wir in der DDR nicht im Knast sassen, wir unreflektierte, stumpfsinnige, nicht aufmupfende dumpfe Normalkreaturen. Man KANN es nicht erklären, wie es ist, so aufzuwachsen und trotzdem ein normaler Mensch zu sein, normal gelebt und gelacht und gefühlt zu haben. Es war so. Man wurde hineingeboren und hat gelebt, fertig, aus. Nur dass wir uns jetzt eben mit einem Identitätsshift abplagen müssen.

    Die einzige sinnvolle Erklärung ist der Vergleich mit dem Schuhputzer in Bombay. Er putzt Schuhe, dann kauft er sich Reis und isst ihn. Er könnte mehr Schuhe putzen, oder eine reiche Frau heiraten oder studieren und zur Nasa gehen. Wenn ihn die Nasa nicht nimmt, kann er jeden einzelnen Schuh vollheulen und hadern, dass sein Kismet so scheisse ist. Mit hoher Wahrscheinlichkeit schmeckt ihm sein Reis aber ebenso gut wie das 23$-Steak, das der Geschäftsmann nebenan verdrückt. Und es wird immer Menschen geben, die das nicht nachvollziehen können und den Schuhputzer als jemanden betrachten, der sein Potential nicht ausschöpft.
    Geändert von Inaktiver User (19.10.2008 um 10:20 Uhr)

  9. User Info Menu

    AW: Die DDR war kein "Unrechtsstaat"

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    Grade noch mal drüber nachgedacht.
    Ich finde den vergleich doch nicht unpassend.
    Allein die Größenordnung passt nicht. Hier betraf es mal eben 1230 Menschen in der BRD. In der DDR betraf es Zehntausende. Ohne Mitgliedschaft in der FDJ kein Studienplatz. Eltern Theologen kein Studienplatz. Ohne Verpflichtung bei den Grenztruppen kein Studienplatz. Ohne Parteiarbeit keine Wohnung, um nur ein paar Beispiele zu nennen.
    Zitat Zitat von Inaktiver User
    Und warum war es auf einmal so wichtig, ganz genau zu wissen, wer verfassungstreu ist? Und mit welchen Begründungen wurden manche für nicht verfassungstreu erklärt? Und warum braucht der Staat heute diese Überprüfung nicht mehr?
    Ich denke darauf hat nicht nur der Staat, sondern auch der Steuerzahler Anspruch. Und zumindest wird heute noch auf die Mitgliedschaft bei Scientology geprüft. Und die möchte ich auch ganz gewiß nicht im Staatsdienst haben.
    Ich gebe Dir in soweit Recht, es kommt immer auf den "Zeitgeist" an, was an Verfassungstreue gefordert wird.
    Geändert von Opelius (19.10.2008 um 10:25 Uhr)
    Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

  10. Inaktiver User

    AW: Die DDR war kein "Unrechtsstaat"

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    Die DDR hätte ohne Mauer niemals existiert, weil die Intellektuellen weggelaufen wären.
    Das wage ich ernsthaft zu bezweifeln.

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