Das gilt im übrigen auch für die Sprache. Viktor Klemperer's Beschreibung der Nazi-Instrumentalisierung der Sprache in seinem Buch "Lingua Tertii Imperii" gilt fast eins zu eins auch für die DDR. Jürgen Fuchs hat darauf 1975 bei einem Vortrag an der Uni Jena aufmerksam gemacht und wurde daraufhin exmatrikuliert (und später verhaftet und vermutlich mit radioaktiver Strahlung "in Raten" getötet).Zitat von Pischti_H
Hans
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24.10.2008, 11:15
AW: Die DDR war kein "Unrechtsstaat"
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"Hören wir einfach auf, uns selbst und unser Land permanent unerträglich zu finden - denn das kam, gemessen an den Realitäten, schon immer einer Undankbarkeit von unappetitlichen Ausmaßen gleich." Juli Zeh.
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24.10.2008, 11:24Inaktiver User
AW: Die DDR war kein "Unrechtsstaat"
Die Truppentransporte der deutschen Wehrmacht fanden größtenteils auf Strecken der deutschen Reichsbahn statt.Da das Beispiel schon gekommen war: die Autobahnen, die zwischen 1933 und 1940 gebaut wurden, waren, isoliert betrachtet, etwas Gutes.Im Zusammenhang mit der deutschen Aufrüstung und Kriegstreiberei muß man sagen, die Welt wäre besser gefahren ohne diese Autobahnen.
Allerdings spielten bei der Planung der Autobahnen strategische Gründe eine Rolle. Für die Realisierung waren die Strecken zu wenig ausgebaut und vom Material her ungeeignet.
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24.10.2008, 11:28
AW: Die DDR war kein "Unrechtsstaat"
Danke für die Klarstellung
Zitat von Inaktiver User
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"Hören wir einfach auf, uns selbst und unser Land permanent unerträglich zu finden - denn das kam, gemessen an den Realitäten, schon immer einer Undankbarkeit von unappetitlichen Ausmaßen gleich." Juli Zeh.
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24.10.2008, 12:33Inaktiver User
AW: Die DDR war kein "Unrechtsstaat"
das stimmt nicht zu 100%. Gerade in Brandenburg wurden viele Kindergärten und Schulen geschlossen, nicht wegen mangelnder Nachfrage sondern auch finanziellen Gründen. Teilweise wurden gut nachgefragte und super eingespielte Kindergärten mit Absicht gegen den Baum gefahren, weil man das Geld halt lieber woanders reinstecken wollte. Begründet wurde das meistens damit, dass das Niveau in den westlichen Bundesländern eben auch nicht so hoch ist. Sprich, wenn in Bayern 0,5% der Kinder unter drei ausserhäusig betreut werden, dann kann sich Brandenburg eben keine 70prozentige Betreuung leisten. Man kann einen Kindergarten platt machen, wenn er politisch und materiell nicht gewünscht ist. Dazu reduziert man das Personal, sourct die Verpflegung in eine Grossküche aus, die dann nur Assiettenfrass liefert, dass den Vitamin- und Nährstoffgehalt von Katzenfutter unterschreitet und reduziert die Betreuungszeiten mit der Begründung, es gäbe ja eh nur noch Arbeitslose im Umfeld. Wenn dann tatsächlich mal jemand kommt, der längere Betreuungszeiten braucht oder ein Kind unter drei betreuen lassen will, zuckt man nur mit den Schultern und verweist auf die schlechte Finanzlage und dass es sich eben für ein Kind nicht lohnen würde. Die Eltern haben dann nur noch die Alternative, den Kindergärten hinterherzuziehen oder eben ihr Kind zu Hause zu betreuen.Das Kinder-Betreuungssystem der Ex-DDR wurde nach der Wende nicht von "bösen Wessis" plattgemacht. Es existiert heute noch in fast der gleichen Quantität wie vor 20 Jahren. In den neuen Bundesländern stehen Kinderkrippen und Kindergärtenplätze ausreichend zur Verfügung, das gilt auch im wesentlichen für Hortplätze und Schulessen. Die Kapazitätsanpassungen wurden durch den eklatanten Kinderschwund notwendig (Wegzug in die alten Bundesländer und der dramatische Fall der Geburtenrate in der Ex-DDR). Was auch den direkt kausalen Zusammenhang zwischen guter Kinderbetreuung und hoher Geburtenrate widerlegt. Trotz besserer Kinderbetreuung als in Skandinavien ist die Geburtenrate in den neuen Bundesländern negative Weltspitze.
Das kann man so sehen. Tatsächlich gab es einige Therapien und Medikamente nicht, weil unter anderem Devisen fehlten. Ich erinnere mich z. B. mit Schrecken an meine Allergiemedikamente. Aus DDR-Produktion gab es so gut wie keine, und wenn, dann therapierten die alles andere, nur nicht den Heuschnupfen. Gelegentlich konnte man mit Vitamin B Pillen von Sandoz beschaffen. Man liess sie sich verschreiben, deponierte das Rezept in der Apotheke und musste warten, bis mal wieder ein Bananendampfer gestrandet war. Oder man hatte Verwandtschaft im Westen mit dem nötigen Kleingeld.Auch die Frage: Warum hat man nicht einige gute Dinge aus der DDR in die neue BRD übernommen? setzt vorau, daß man gesellschaftliche Phänomene isolieren und isoliert bewerten kann. Die quasi kostenlose medizinische Betreuung der DDR Bürger ist, isoliert betrachtet, eine tolle Sache. Im Zusammenhang betrachtet war sie eines Industrielandes unwürdig. Baufällige Krankenhäuser, minderwertige Medikamente, fehlende therapeutische Mittel usw. waren die Konsequenzen der "kostenlosen" Medizin.
Andererseits, wieviel zahlt denn die Kasse heute noch an notwendigen Therapien? Und wieviel Krankenhäuser haben denn heute dringenden Renovierungs- und Sanierungsbedarf und es ist kein Geld da? Das gibt man lieber für die gefühlt 99.999 tausend Krankenkassen aus. Wir hatten früher eine.
da kann ich dir 100% zustimmen. Das Wohnugsbauprogramm bzw. die Bewirtschaftung war wirklich unter aller Sau. Was bin ich hinter Elektrokabeln, Rauhfasertapete und Badewannen hergerannt. Praktisch jede Wohnung, die ich in der DDR hatte, hab ich selbst und mit eigenen finanziellen Mitteln instandgesetzt und ausgebaut. Wenn ich mich auf meinen Vermieter verlassen hätte, würde ich wahrscheinlich immer noch im Dunkeln sitzen.Das gleiche gilt für die niedrigen Mieten "Ruinen schaffen ohne Waffen", den garantierten Arbeitsplatz (der als Kehrseite eine Arbeitspflicht zur Folge hatte), aber auch die umfassende Kinderbetreuung, die politisch instrumentiert wurde und Voraussetzung für die "Arbeitspflicht" war.
Da das Beispiel schon gekommen war: die Autobahnen, die zwischen 1933 und 1940 gebaut wurden, waren, isoliert betrachtet, etwas Gutes. Im Zusammenhang mit der deutschen Aufrüstung und Kriegstreiberei muß man sagen, die Welt wäre besser gefahren ohne diese Autobahnen.
@bignosekate
nicht jeder wurde in der DDR ungerecht behandelt. Und wenn es einem selbst gut ging, manchmal auf Grund von Privilegien, konnte man die Dinge an der Mauer auch gut ausblenden.
Das war halt genauso wie im dritten Reich. (denke ich mal, ich habs nicht erlebt) Man verschloss die Augen und manche Dinge spielten sich auch im Verborgenen und ausserhalb deines Blickfelds ab.
Wenn man kein Westfernsehen guckte und nicht direkt an der Mauer wohnte, kriegte man das alles gar nicht mit, es sei denn, man wollte es.
Viele hatten sich ihre Nischen eingerichtet mit Urlaub am Balaton, Datscha, Wartburg und Schrankwand im Plattenbau. Warum sollten die ihr Leben aufs Spiel setzen und bei Nacht und Nebel über die Mauer springen und sich erschiessen lassen? Wer sich einsetzte für Freiheit und Menschenrechte, war in den Augen dieser Leute schön doof und begab sich unnötig in Gefahr. "Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um" pflegte mein Vater immer zu sagen.
Genauso ist es heute. Wer sich gut etabliert hat mit Eigenheim, Bausparvertrag, gut gefülltem Konto für die Rente und gut bezahltem Job, vielleicht noch unkündbar, für den ist Hartz IV weit weg und Leute, die es eben nicht so gut abbekommen haben im Leben sind nur Penner und Idioten.
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24.10.2008, 13:28
AW: Die DDR war kein "Unrechtsstaat"
Hallo Eve_,
Zitat von Inaktiver User
dem möchte ich ganz energisch wiedersprechen! Weder das ein traf auf alle zu, noch trifft das andere auf alle zu!
Sehr viele Menschen leben heutzutage mit der Angst vor der Arbeitslosigkeit oder dem finanziellen Ruin. Und für mich sind Menschen, die von Hartz IV leben (müssen) ganz entschieden keine Penner und Idioten.
Freitägliche Grüße vom Unicorn4
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24.10.2008, 13:43Inaktiver User
AW: Die DDR war kein "Unrechtsstaat"
Ich glaube, nein hoffe, sie meinte das ironisch.
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24.10.2008, 14:07Inaktiver User
AW: Die DDR war kein "Unrechtsstaat"
Zitat von Inaktiver User
sagen wir mal überspitzt. Okay?
Nicht alle leben im Elfenbeinturm oder in Wolkenkuckucksheim. Aber es gibt sie.
Das ist in etwa so wie damals mit Marie-Antoinette. „Wenn sie kein Brot haben, dann sollen sie Brioche [Kuchen] essen"
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24.10.2008, 14:24Inaktiver User
AW: Die DDR war kein "Unrechtsstaat"
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24.10.2008, 14:37Inaktiver User
AW: Die DDR war kein "Unrechtsstaat"
Zitat von Inaktiver User
Wollen wir jetzt mal wieder unzürnig werden? Ich bemühe mich auch, ich schwör.
Und noch einmal, weil du es ja anscheinend nicht glauben willst oder nicht auseinander halten kannst:Meine Bekannte sagte "die DDR war kein Unrechtsstaat" während ich Bilder von ermordeten Menschen an der Grenze, Gefolterten, Inhaftierten, Mundtoten, ihrer ideellen Freiheit Beraubten und getrennten Familien vor Augen hatte. Aber vielleicht sind diese Bilder durch Westpropaganda entstanden.
1. Der Schießbefehl war ein großes Unrecht.
2. Politisch Unliebsame wurden behandelt, wie es eines demokratischen Staates nicht würdig ist.
Und was hat das mit den Aussagen der von dir erwähnten Frau zu tun? Muss sie deshalb das gesamte politische System, in dem sie lebte, als Unrechtssystem empfinden?
Hättest du diese Bezüge nicht hergestellt, wäre es nicht so gekommen.Sollte es für dich in meinem ersten Beitrag ein Missverständnis geben, wäre es schön gewesen, du hättest vor 190 Beiträgen mal nachgefragt.
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24.10.2008, 14:39Inaktiver User
AW: Die DDR war kein "Unrechtsstaat"
Das sehe ich genauso.
Zitat von Sprachlos
Ich finde aber auch, dass aufgrund unserer westdeutschen Gesetzgebung eine Menge Unrecht geschieht, jeden Tag, und deswegen würde ich unseren Staat dennoch nicht Unrechtsstaat nennen. Und nein, wir haben keinen Schießbefehl - außer vielleicht auf Flüchtlinge, die von außen hereinwollen? Wie sieht es eigentlich damit aus? (Ehrlich mal nachgefragt, ich weiß es nicht haargenau)


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