Hallo schwindelfrei,Zitat von Inaktiver User
hier möchte ich mal erzählen, dass ich schon des öfteren die Erfahrung unter meinen Kollegen (Ossis) gemacht habe, dass sie sich abwerten, wohl um irgendwie einer möglichen Abwertung durch mich (Wessi) vorzubeugen.
Außerdem fällt mir auf, dass, wenn das Thema aufs Tapet kommt, es IMMER durch meine Kollegen angesprochen wird. "DIE Wessis haben jetzt in Köpenick das Kopfsteinpflaster rausgehauen und in den Westen verschachert", "DIE können keine Schuhe herstellen", "DENEN geht es besser als uns" - großes Fragezeichen bei mir, denn ich bin mitnichten irgendwie privilegiert, nur weil ich Wessi bin. Ich wohne im Osten, ich arbeite im Osten. Und ich täte manchmal besser daran, die Schnauze zu halten, als mich sprachlich (aus Bawü stammend) sofort als Wessi zu outen.![]()
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21.10.2008, 08:24Inaktiver User
AW: Die DDR war kein "Unrechtsstaat"
Geändert von Inaktiver User (21.10.2008 um 08:28 Uhr)
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21.10.2008, 10:23Inaktiver User
AW: Die DDR war kein "Unrechtsstaat"
(OT)
Zitat von Inaktiver User
.... dann solltest Du schreiben.
Danke.
Ich kann nur meinen Hut ziehen. T.
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21.10.2008, 16:35Inaktiver User
AW: Die DDR war kein "Unrechtsstaat"
Danke, tarasjugina.
Liebe Bignosekate,
das verwässert mit der Zeit. Ich wohne seit 18 Jahren in Ba-Wü, vorher in Bayern, und für mich ist das alles kaum noch ein Thema. Irgenwann fühlst Du Dich nicht mehr anders.
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22.10.2008, 09:25
AW: Die DDR war kein "Unrechtsstaat"
Unterschreibe ich so und wollte ich auch schreiben.
Zitat von Inaktiver User
Wenn ihr mal nach Berlin kommt und bislang wenig über die Materie wisst, empfehle ich euch folgenden Ausflug in die jüngere Geschichte:
1. Haus am Checkpoint Charlie- "Mauermuseum" (schon allein die IDEE, ein Volk einzusperren um einer Ideologie willen- nämlich dass man nun eine andere Staatsform einführen möchte! Die Leute liefen in Scharen davon, man fürchtete, bald kein Volk mehr zu haben für das Gelingen des Sozialismus!, also schnell alle eingesperrt, die noch nicht weggelaufen waren! "Antifaschistischer Schutzwall", so nannte man die Mauer im Osten. Lasst euch das mal auf der Zunge zergehen! Väter kamen nicht mehr von der Arbeit heim, Kinder wurden noch schnell über Stacheldrähte gereicht, die Leute wussten nicht, ob sie sich je wiedersehen werden, stellt euch das doch mal vor!)
2. Gedenkstätte in der Hohenzollernstraße- einige Unglaublichkeiten rund um die Stasi (Kritik am System war unerwünscht, also wurde mit Bespitzelung begonne, wer auch nur annähernd dagegen war, bekam Repressalien, wer mitmachte, wurde belohnt- fast unmöglich, sich dem zu entziehen!)
3. Das Stasi-Gefängnis in Hohenschönhausen - dort saßen Systemfeinde ein. (U.a. ein mir bekannter damals Theologiestudent, der gegen die Abschaffung eines Teils der freien Meinungsäußerung in der DDR protestiert hatte, indem er für eine Flugblattaktion Papier besorgte, das war alles, was er sich "zu Schulden kommen ließ"- Frau und Kinder durften miterleben, wie er aus dem Bett geholt und verschleppt wurde. Er saß dann fast ein Jahr ein, wurde psychisch und körperlich fertig gemacht und kämpft heute, Jahre später, noch mit den Folgen. Ebenso die ganze Familie. )
Einen guten Eindruck vermittelt "das Leben der Anderen"- ein absolut sehenswerter Film.
Die Abwesendheit jeglicher freier Meinungsbildung und Meinungsäußerung, die körperliche Unfreiheit, die Abwesendheit von grundlegenden Menschenrechten???
Die DDR soll "Kein Unrechtsstaat" gewesen sein? Im Gegenteil. Gut gemeint und schlecht gemacht - das war doch Diktatur pur!
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22.10.2008, 10:03Inaktiver User
AW: Die DDR war kein "Unrechtsstaat"
Die DDR war doch wie das Dritte Reich, nur von links statt von rechts! Alles andere ist sozialromantisches Gefasel.
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22.10.2008, 10:14
AW: Die DDR war kein "Unrechtsstaat"
Diesen Vergleich finde ich gewagt und eben doch verharmlosend gegenüber dem Dritten Reich.Die DDR war doch wie das Dritte Reich, nur von links statt von rechts! Alles andere ist sozialromantisches Gefasel.
Dieser Eischätzung schließe ich mich aber an:
Die DDR soll "Kein Unrechtsstaat" gewesen sein? Im Gegenteil. Gut gemeint und schlecht gemacht - das war doch Diktatur pur!Kreativität kommt von der Freiheit zu scheitern. Und die Freiheit zu scheitern kommt vom Experiment. (Peter Gabriel)
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22.10.2008, 10:14Inaktiver User
AW: Die DDR war kein "Unrechtsstaat"
Cyberceltic, nein.
Außerdem fand und finde ich es unverantwortlich, dass manche Eltern das Leben ihrer Kinder aufs Spiel gesetzt hatten - nur wegen ein bisschen gewünschten Wohllebens.
Und das war im Dritten Reich ganz anders. Da gab es Eltern, die das Leben ihrer Kinder (und ihr eigenes) aufs Spiel setzten um sie (und sich) vor dem Tod zu retten.
Es gab auch Eltern, die nur ihr eigenes Leben aufs Spiel setzten um nur das Leben ihrer Kinder zu retten im sicheren Wissen, dass sie ihr eigenes verloren.
Das ist gar nicht vergleichbar.
Ja, letztlich entscheidet das jeder in seinem ganz einzelnen Fall und aus seinen eigenen Gründen und die sind für ihn dann zwingend richtig. Das kann ich gar nicht beurteilen, genau gesagt.
"Das Leben der Anderen" fand ich auch gut. Wobei es auch ein Kunstfilm war und das Leben von Menschen beschrieb, die aus welchen Gründen auch immer, außerhalb der Norm lebten.
Wie auch "Die verlorene Ehre der Katharina Blum".Geändert von Inaktiver User (22.10.2008 um 10:28 Uhr)
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22.10.2008, 10:24Inaktiver User
AW: Die DDR war kein "Unrechtsstaat"
Und es gab eine Menge Eltern, die das Leben ihrer Kinder versaut haben, indem sie sich dem Regime nicht nur gebeugt, sondern schön mitgemacht haben.
Zitat von Inaktiver User
Wenn auch in der DDR keine Massenmorde stattgefunden haben, so war das System ansonsten schon sehr nahe dran am rechten Grauen.
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22.10.2008, 12:29Inaktiver User
AW: Die DDR war kein "Unrechtsstaat"
ich bin genauso alt wie die Freundin von bignosekate und manchmal neige ich auch dazu, die gleichen Antworten zu geben wie diese.
Mit heute 46 gehört man zu der Generation, die das Leben vor der Mauer halt nicht mehr erlebt hat. Ich nehme mal an, die Eltern der Freundin hatten einen staatsnahen Job, keine materiellen und existenziellen Sorgen und vielleicht noch das nötige Vitamin B, um sich und ihrer Tochter ein sorgenfreies Leben zu ermöglichen. Da kann man schon mal kleine Misslichkeiten ausblenden.
Tausendprozentige nannten wir die damals.
Ich wurde in der DDR nicht zum Abitur zugelassen und konnte demzufolge auch nicht studieren. Nicht, weil ich zu doof gewesen wäre. Die Abiturplätze waren zu unserer Zeit limitiert, bei mir gab es für drei Abgängerklassen ganze 4 Plätze. Da Schüler, die nach der Schule ein Offiziersstudium machen wollten, bevorzugt wurden, blieb für mich mit Notendurchschnitt 1,4 kein Platz übrig. Auch wenn die Jungs nicht so überragende Leistungen hatten.
Okay, wenn ich die richtigen Eltern gehabt hätte, die sich für mich eingesetzt und das entsprechende Vitamin B gehabt hätten, wäre da vielleicht noch was zu löten gewesen.
Also hab ich eine Lehre absolviert, nicht in dem Beruf, den ich eigentlich wollte. Das Abitur noch nebenbei abzulegen war mir nicht vergönnt, man konnte sich nicht einfach so an der Volkshochschule anmelden. Dazu brauchte man eine Delegierung der Firma. Wenn die der Meinung war, Frau eve braucht das Abi nicht für ihren weiteren Lebensweg, dann war das so.
Klar, es gab für jeden Schulabgänger einen Ausbildungsplatz, meistens aber nicht den, den er sich vorgestellt hatte. Es sei denn, die Eltern waren in der richtigen Partei und hatten das nötige Vitamin B. Aber ist das heute anders?
Die Freundin hat bestimmt auch nicht wie ich stundenlang auf dem Wohnungsamt gesessen. Da werden die Eltern bestimmt auch ihre Beziehungen spielen lassen haben. Ich bin, als das zweite Kind schon da war, einfach in eine freistehende Wohnung gezogen. Hausbesetzer Ost sozusagen.
Die Freundin hat vielleicht auch nicht mit drei Kindern jahrelang von einem Hungerlohn(411,- Ostmark!!) am Rande der Existenz gelebt. Klar hatte jeder einen Arbeitsplatz. Aber ob man mit dem Geld dann auch über die Runden kam? Wenn man richtig gut Geld verdienen wollte, blieben nur die Arbeitsplätze in der Industrie, die meisten auch noch mit Schichtarbeit verbunden waren. Da hat dann aber auch niemanden interessiert, wo du dein Kind lässt, wenn du zur Spätschicht gehst. Klar gabs Kindergartenplätze. Die waren aber auch nur auf die Bedürfnisse von Müttern mit normaler Tagesarbeitszeit ausgerichtet. Und die gutbezahlten waren rar und nur mit entsprechenden Beziehungen...
Natürlich hatten wir nicht die Freiheit, zu reisen, wohin wir wollten. Hätte mir auch nix genutzt, ich hatte auch die Knete für die erlaubten Reiseziele nicht. Selbst für den FDGB-Urlaubsplatz im thüringischen Schwarzatal musste ich ganz schön knapsen.
Ihr seht, es gab auch im Osten nicht alle Tag Milch und Honig, daher war ich auch nicht überrascht, als es nach dem Mauerfall eigentlich nahtlos weiterging mit den materiellen Sorgen.
Kann mich erinnern, ich durfte in den späten 80er sogar zu Verwandten-Besuch in den Westen fahren. Ich war sehr erstaunt darüber, vielleicht spekulierte man ja damit, dass ich nicht wiederkommen würde. Hätte ich nie gemacht, ich hätte nie nicht meine Kinder im Stich gelassen und mich lockten auch die materiellen Dinge nicht.
Zum Thema Bespitzelung. Ja, man wusste davon. Auch ich wurde überwacht, das weiss ich, weil ich meine Akte gesehen habe. Aber als es akut war, hab ich das eben versucht auszublenden, so gut es ging. Schwer enttäuscht war ich nur, als ich gelesen hatte, wer es war, der da die Berichte über mich ablieferte.
Eins würde ich mir allerdings zurückwünschen. Die Sicherheit des Arbeitsplatzes. Dass du nicht bei jeder Lebensregung Angst haben musst, dass dich jemand hinauswirft. Das hatten wir damals. Wenn auch für den Preis der Freiheit und der schlechten Bezahlung.
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22.10.2008, 12:39Inaktiver User
AW: Die DDR war kein "Unrechtsstaat"
Unter solchen Voraussetzungen hat man es doch in jeder Gesellschaft leichter. Verstehe nicht, was da den Unterschied ausmachen soll.
Zitat von Inaktiver User
In der BRD hat die Möglichkeit des Abiturs in zunehmendem Maße mit dem Einkommen der Eltern zu tun, wie neue Studien feststellen. Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund haben ebenfalls schlechtere Chancen. Nicht, weil sie zu doof wären.Ich wurde in der DDR nicht zum Abitur zugelassen und konnte demzufolge auch nicht studieren.
Ich habe gar nicht gelesen, dass das jemand vermutet hat?Ihr seht, es gab auch im Osten nicht alle Tag Milch und Honig
Tja, was soll man dazu sagen? Willkommen im Kapitalismus, was anderes fällt mir da leider nicht ein.Eins würde ich mir allerdings zurückwünschen. Die Sicherheit des Arbeitsplatzes.


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