KORDUANER STADTTEIL
Örtliches Nachtstück
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In dem Haus wehrt man den Sternen.
Und die Nacht stürzt sich herab.
Drinnen liegt ein totes Mädchen;
tief in seinem Haar verborgen
hat es eine rote Rose.
Und sechs Nachtigalln beweinen
es am Fenstergitterwerk.
Seufzend gehn umher die Leute
mit weit offenen Gitarren.
FEDERICO GARCÍA LORCA
(1898-1936)
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Ergebnis 501 bis 510 von 1613
Thema: Gedicht des Tages (17)
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12.01.2009, 00:47
AW: Gedicht des Tages (17)
Wir müssen das Loslassen lernen.
Es ist die große Lektion des Lebens.
(Julie Schlosser)
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"Leben allein genügt nicht", sagte der Schmetterling,
"Sonnenschein, Freiheit und eine kleine Blume muss man haben!"
(Hans Christian Andersen)
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12.01.2009, 15:06
AW: Gedicht des Tages (17)
Es reden und träumen die Menschen viel
von bessern künftigen Tagen;
Nach einem glücklichen, goldenen Ziel
sieht man sie rennen und jagen.
Die Welt wird alt und wird wieder jung,
doch der Mensch hofft immer Verbesserung.
Die Hoffnung führt ihn ins Leben ein,
sie umflattert den fröhlichen Knaben,
den Jüngling locket ihr Zauberschein,
sie wird mit dem Greis nicht begraben,
denn beschließt er im Grabe den müden Lauf,
noch am Grabe pflanzt er - die Hoffnung auf.
Es ist kein leerer, schmeichelnder Wahn,
erzeugt im Gehirne des Toren.
Im Herzen kündet es laut sich an:
zu was Besserm sind wir geboren;
und was die innere Stimme spricht,
das täuscht die hoffende Seele nicht.
Friedrich Schiller[I]Der Mensch kann nicht zu neuen Ufern vordringen, wenn er nicht den Mut aufbringt, die alten zu verlassen.
Andrè Gide
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13.01.2009, 18:34
AW: Gedicht des Tages (17)
Sie sähn es gern, ich würde kirre
Sie sähn es gern, ich würde kirre
und beugete mich niederwärts;
sie machten gern mein tapfres Herz
in seinem stolzen Glauben irre.
Sie sagten mir: Es ist vergebens,
du änderst nicht den Lauf der Welt;
Knecht bleibt sie doch! Und dir vergällt
hast du den Sommer deines Lebens.
Wohl, sei es so! Sich fügen lerne,
wem Fügsamkeit genügen kann,
auch Demut schmücket ihren Mann:
Ich aber folge meinem Sterne!
Da hilft kein Rat, da ist kein Wählen,
ich kann nicht anders, wollt' ich auch:
Die Freiheit ist mein Lebenshauch,
sie ist die Seele meiner Seelen!
So laßt mich meine Bahn vollenden,
wie sie auch sei, mein Ziel ist mein;
ja, sollt' es auch ein Irrweg sein,
ich will ihn doch mit Ehren enden.
Robert Eduard Prutz
(1816-1872)"Ich bin in keinem Punkte Ihrer Meinung,
aber ich werde mein Leben lang dafür kämpfen, daß Sie Ihre Meinung äußern dürfen"
Voltaire
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13.01.2009, 18:56
AW: Gedicht des Tages (17)
Liebeserklärung
von Alfred Lichtenstein
Helle Länder sind deine Augen.Vögelchen sind deine Blicke,Zierliche Winke aus Tüchern beim Abschied.In deinem Lächeln ruh' ich wie in spielenden Booten.Deine kleinen Geschichten sind aus Seide.Ich muss dich immer ansehen.Im Herbst sammelte ich alle meine Sorgen und vergrub sie in meinem Garten. Als der Frühling wiederkehrte - im April - da wuchsen in meinem Garten schöne Blumen (Khalil Gibran)
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15.01.2009, 03:21
AW: Gedicht des Tages (17)
Wenn du vor mir stehst und mich ansiehst,
was weißt du von den Schmerzen,
die in mir sind, und was weiß ich von deinen.
Und wenn ich mich vor dir niederwerfen würde
und weinen und erzählen,
was wüsstest du von mir mehr als von der Hölle,
wenn dir jemand erzählt,
sie ist heiß und fürchterlich.
Schon darum sollten wir voreinander so
ehrfürchtig, so nachdenklich stehen wie
vor dem Eingang zur Hölle.
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Franz Kafka
Wir müssen das Loslassen lernen.
Es ist die große Lektion des Lebens.
(Julie Schlosser)
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"Leben allein genügt nicht", sagte der Schmetterling,
"Sonnenschein, Freiheit und eine kleine Blume muss man haben!"
(Hans Christian Andersen)
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15.01.2009, 10:35
AW: Gedicht des Tages (17)
Das Karussell
Jardin du Luxembourg
Mit einem Dach und seinem Schatten dreht
sich eine kleine Weile der Bestand
von bunten Pferden, alle aus dem Land,
das lange zögert, eh es untergeht.
Zwar manche sind an Wagen angespannt,
doch alle haben Mut in ihren Mienen;
ein böser roter Löwe geht mit ihnen
und dann und wann ein weißer Elefant.
Sogar ein Hirsch ist da, ganz wie im Wald,
nur daß er einen Sattel trägt und drüber
ein kleines blaues Mädchen aufgeschnallt.
Und auf dem Löwen reitet weiß ein Junge
und hält sich mit der kleinen heißen Hand,
dieweil der Löwe Zähne zeigt und Zunge.
Und dann und wann ein weißer Elefant.
Und auf den Pferden kommen sie vorüber,
auch Mädchen, helle, diesem Pferdesprunge
fast schon entwachsen; mitten in dem Schwunge
schauen sie auf, irgendwohin, herüber -
Und dann und wann ein weißer Elefant.
Und das geht hin und eilt sich, daß es endet,
und kreist und dreht sich nur und hat kein Ziel.
Ein Rot, ein Grün, ein Grau vorbeigesendet,
ein kleines kaum begonnenes Profil -.
Und manchesmal ein Lächeln, hergewendet,
ein seliges, das blendet und verschwendet
an dieses atemlose blinde Spiel...
Rainer Maria Rilke (1875-1926)
Gib mir die Gelassenheit,die Dinge hinzunehmen,die ich nicht ändern kann.Verleihe mir den Mut,die Dinge zu ändern,die ich ändern kann und schenke mir die Weisheit,das eine vom anderen zu unterscheiden. 
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15.01.2009, 17:24
AW: Gedicht des Tages (17)
Im Schnee
Schneegeriesel. Flocken über Flocken.
In der weichen Luft zerfließt der Schaum,
und kein Windhauch weht die Erde trocken.
Aber, wenn im Frost erstarrt der Flaum,
reift er schnell zu glitzernden Kristallen
und blinkt dann am Boden und am Baum.
- Nasser Schnee ist auf mein Haar gefallen -
In den Bergen türmt er sich zu Eis
und zu donnernden Lawinenballen.
Von den Dächern tropft es leise, leis,
und dazwischen gleiten und verschwimmen
fern und ferner, kaum daß ich es weiß,
Dämmernde Gedanken, leise Stimmen
wie Erinnern, wie ein Atem bloß,
einer Sehnsucht aufgescheuchtes Glimmen.
Alles fließt der Erde in den Schoß.
Dieses Lebens gleitende Gesichte,
ungezählte Tropfen, Los um Los,
Einen Augenblick beglänzt vom Lichte -
oder in der rauhen Luft gereift,
und nun auf der harten Erde dichte
Sternkristalle, bis ein Wind sie streift.
Hedwig Lachmann
(1865 - 1918)"Ich bin in keinem Punkte Ihrer Meinung,
aber ich werde mein Leben lang dafür kämpfen, daß Sie Ihre Meinung äußern dürfen"
Voltaire
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16.01.2009, 11:38
AW: Gedicht des Tages (17)
Abendständchen
Hör, es klagt die Flöte wieder,
und die kühlen Brunnen rauschen!
Golden weh'n die Töne nieder,
stille, stille, laß uns lauschen!
Holdes Bitten, mild Verlangen,
wie es süß zum Herzen spricht!
Durch die Nacht, die mich umfangen,
blickt zu mir der Töne Licht!
Clemens Brentano (1778-1842)
Gib mir die Gelassenheit,die Dinge hinzunehmen,die ich nicht ändern kann.Verleihe mir den Mut,die Dinge zu ändern,die ich ändern kann und schenke mir die Weisheit,das eine vom anderen zu unterscheiden. 
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16.01.2009, 21:30
AW: Gedicht des Tages (17)
Nachts im Wald
Bist du nie des Nachts durch den Wald gegangen,
wo du deinen eigenen Fuß nicht sahst?
Doch ein Wissen überwand dein Bangen:
Dich führt der Weg.
Hält dich Leid und Trübsal nie umfangen,
dass du zitterst, welchem Ziel du nahst?
Doch ein Wissen übermannt dein Bangen:
Dich führt dein Weg.
Christian MorgensternIm Herbst sammelte ich alle meine Sorgen und vergrub sie in meinem Garten. Als der Frühling wiederkehrte - im April - da wuchsen in meinem Garten schöne Blumen (Khalil Gibran)
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16.01.2009, 22:09
AW: Gedicht des Tages (17)
Liebes-Lied
Wie soll ich meine Seele halten, dass
sie nicht an deine rührt? Wie soll ich sie
hinheben über dich zu andern Dingen?
Ach gerne möcht ich sie bei irgendwas
Verlorenem im Dunkel unterbringen
an einer fremden stillen Stelle, die
nicht weiterschwingt, wenn deine Tiefen schwingen.
Doch alles, was uns anrührt, dich und mich,
nimmt uns zusammen wie ein Bogenstrich,
der aus zwei Saiten eine Stimme zieht.
Auf welches Instrument sind wir gespannt?
Und welcher Spieler hat uns in der Hand?
O süßes Lied.
Rainer Maria Rilke Geschrieben März 1907 auf CapriGehe Achtsam mit der Natur, deinen Mitmenschen und auch mit dir selbst um.
見ざる、聞かざる、言わざる


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