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  1. User Info Menu

    AW: Welches Schulwissen braucht man später?

    Oft werden ja in Diskussionen Aussagen getroffen wie "habe ich noch nie erlebt", aber das sind eben keine Argumente, sondern Einzelfallbeispiele. Und die sind genau das: Einzelbeispiele, die nur als Illustrierung dienen, mehr nicht. Daraus lassen sich keinerlei Schlussfolgerungen ableiten. Und so was lernt man in einer guten Schulausbildung: Zusammenhänge erkennen und bewerten, auf andere Fragen übertragen, daraus Schlüsse ziehen. Ob man im späteren Leben Dreisatz können muss, mag dahingestellt sein, aber komplexe Sachverhalte zu ordnen, zu verstehen und zu integrieren lernt man sein Leben lang, und die Schule muss dafür den Grundstein legen.

  2. Moderation

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    AW: Welches Schulwissen braucht man später?

    Das allein ist für mich in der Fragestellung insofern schon zu unspezifisch, weil ich als Schülerin und auch Studentin erlebt habe, daß "Wissen" etwas ist, dessen Inhalt, Tiefgründigkeit und Vermittelbarkeit mit dem speziellen Lehrer, der konkreten Schule, dem Prof etc., aber auch mit jedem individuellen Schüler steht und fällt.

    Meine Schule galt als extrem anspruchsvoll, wer bei uns in der Versetzung gefährdet war oder nicht versetzt worden war, ging auf die Schulen der Umgebung und hatte - ohne Überteibung - schnell mal einen Notensprung von 4 auf 2 in einem Jahr.


    Dann wiederum hing es auch davon ab, welchen der Lehrer die Klasse bekam, ob der Stoff gut vermittelt werden konnte, ob der Lehrer menschlich akzeptabel war oder nicht.

    Leute, die bei uns das Abi nicht geschafft hätten (deren Grund- und Allgemeinwissen weit geringer war, wie wir in Gesprächen immer mal wieder feststellten, auch sie) legten teilweise sogar ein besseres Abitur hin, einfach, weil die Anforderungen ihrer Schulen geringer waren und sich das mit den Abi-Prüfungen in der Gesamtbewertung niederschlug, diese also anhob.


    Was ich an Schulwissen immer wieder brauche, sind alle Sprachen:

    Englisch, weil Berufssprache.

    Französisch für die ganzen frankophonen Länder, in denen ich oft arbeite - das war meine größte Fehleinschätzung, ich habe es in der Schule (vor allem wegen des Lehrers) gehaßt und dachte, das bräuchte ich nie, habe es noch vor Latein abgewählt.
    Und ärgere mich jedes einzelne Mal, wenn wieder alle um mich herum französisch in Muttersprache reden und ich zwar viel verstehe, es aber nicht flüssig spreche.


    Latein war wichtig, die Kenntnisse aus Erdkunde und Politischer Weltkunde helfen mir oft heute noch zu verstehen, wie und warum sich die Länder, in denen ich mich aufhalte, so entwickelt haben, wie sie es taten.


    Ganz wichtig in unserem Bereich ist es, keine Scheu vor Vorträgen vor größerem Publikum zu haben, frei sprechen zu können, im Idealfall ohne ständig vom Skript ablesen zu müssen etc. Das war etwas, was unser Lehrer sehr gefördert und gefordert hat und was mir immer noch zugute kommt.

    Meiner Erfahrung nach lag Wissensvermittlung einerseits am Stoff, ganz stark aber auch am individuellen Lehrer und so waren meine größten Defizite auch da, wo der Lehrer eine ganze Gruppe, "die Mädchen" in einem naturwissenschaftlichen Fach, damals großteils ignorierte.
    Heute würde man sich dagegen wohl wehren, das melden und auch nicht aufgeben, damals geschah es einfach.


    Ich bin heute noch froh, daß ich mir genau diese Schule ausgesucht habe und denke auch oft, wie anders mein Leben in Teilen sehr wahrscheinlich verlaufen wäre, wenn ich eine andere Schule gewählt hätte.
    I don´t know where I´m going- but I´m on my way... Carl Sagan

    Vielleicht geht es auf dem Weg gar nicht darum, irgendwas zu werden.
    Vielleicht geht es darum, alles abzuwerfen, was wir nicht sind,
    so daß wir das sein können, wofür wir bestimmt sind.
    Paulo Coelho



    Moderatorin in den Foren:
    Beziehung im Alltag, Der "gebrauchte" Mann und im Tierforum
    - ansonsten normale Nutzerin

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    AW: Welches Schulwissen braucht man später?

    Ich kann heute in der Rückschau gar nicht mehr sagen, was ich genau wann gelernt habe - in der Mittelstufe, Oberstufe, betriebliche Ausbildung, Fachwirt oder FH Studium...

    Am Wichtigsten war wohl zu lernen, wie ich mir selbst irgendwelches Wissen verschaffe und aneigne.

    Deshalb ist Schulunterricht meiner Meinung nach sehr viel mehr als "Kopf auf, Wissen rein, fertig."
    Würde man es rein auf die Wissensvermittlung an sich reduzieren, fiele ein "fehlendes normales Schuljahr" wohl nicht sonderlich auf.
    Aber darum geht es ja nicht beim Gebilde "Schule".

    Ältere Schüler, die wissen, wie sie an den Lehrstoff heran gehen müssen UND kapiert haben, dass sie für sich und nicht für die Schule lernen, kommen mit mehr oder minder eigenständig zu absolvierenden Unterrichtseinheiten meist gut zurecht.
    Aber jüngere Schüler eben nicht - und da besteht die große Gefahr, dass sie ein fehlendes Jahr nicht mehr aufholen können und vollends hinten runter fallen.

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    AW: Welches Schulwissen braucht man später?

    Ja, zumal man ja in der Regel nicht weiß, was man alles nicht weiß und kann. Wie man sich dies aneignet, ist ja erst der zweite Schritt.

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    AW: Welches Schulwissen braucht man später?

    Zitat Zitat von noshrimps Beitrag anzeigen
    (...) hätten eben auch als Erwachsene nichts "nachlesen" können - lesen natürlich schon, verstehen eher nicht. Ihnen fehlten schlicht die einfachsten Voraussetzungen. Über das Europaparlament - um mal bei dem Beispiel zu bleiben - hätten sie sich nicht selber informiert, weil sie schlicht nicht mal gewusst hätten, dass es ein Europaparlament gibt. Von der Auswahl der Informationsquellen und deren kritischer Betrachtung ganz zu schweigen.

    (...).
    Danke für dein Post!


  6. Moderation

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    AW: Welches Schulwissen braucht man später?

    In Klasse 5 und 6 lernte ich im Religionsunterricht das halbe Gesangbuch auswendig... fand ich richtig doof.

    Als Studentin saß ich bei Siemens am Band. Mit "Ich singe dir mit Herz und Mund..." ging die Arbeit schneller vorbei.

    Sicherlich gab es etwas, was ich bis heute nicht mehr bewusst genutzt habe, aber... mein Leben ist ja noch nicht zu Ende
    Genieße deine Zeit.
    Denn du lebst nur jetzt & heute.
    Morgen kannst du gestern nicht nachholen und später kommt früher, als du denkst.
    Moderatorin in "Schule, Uni, Studium und Ausbildung" "Gehören Kinder zu einem erfüllten Leben dazu?" Coronavirus und...Userin

  7. Moderation

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    AW: Welches Schulwissen braucht man später?

    Naja, ich bin sicher, das gesamte Wissen aus meinen Leistungskurs Chemie hat bisher keine Anwendung gefunden, weder beruflich noch privat .... aber es dient immehr noch dazu Erstaunen bei meinen Mitmenschen zu wecken ....

    Und was ich das auf jeden Fall gelernt habe, was ein gutes Protokoll wert ist, das musste nämlich reih um immer einer für alle schreiben, so dass wir das gesamte Wissen des Kurses in einer buntern Sammlung aus Protokollen hatten .... ich glaube die habe ich sogar noch irgendwo.


    Und als ich mal mit einen chemischen Institut im Rahmen meiner beruflichen Tätigkeit zu tun hatte, fühlte ich mich dort wesenlich weniger dumm, als man es von einer Juristin erwartet hätte ..... vielleicht hätte da der Grundkurs aber auch für gereicht.



    Ich denke schon viel Detail- und Einzelwissen, dass ich damals gelernt habe, war tatsächlich in der Sache unnütz, aber zum einen konnte ich nicht wissen, welches (oder wie Charlotte schon sagt, was ich davon doch in den kommenden 40 Jahren noch brauchen kann) und ich wusste zumindest, da gibt es was und wenn es mich vertief interessiert, kann ich weiter machen.



    Und so gesehen war die gesamt Oberstufenmathematik für die Füße - ich denke nicht, dass ich meine Abiturprüfung in Mathe heute auch nur verstehen, geschweige denn lösen könnte .... aber ich könnte es mir vermutlich mit wesentlich weniger Aufwand wieder erarbeiten als wenn ich es neu lernen müsste.
    Wobei ich leider einen ziemlich unfähigen Mathelehrer hatte - mein größter Vorwurf hier an die Schule, dass uns niemand erklärt hat, was man mit dem ganzen Quatsch praktisch anfangen könnte .... hat aber wohl auch keiner der Schüler gefragt, er später wurde mir bewusst, dass das ganze zB bei der Berechnung von Autobahnkurven angewandt wird. Da hätten meine Lehrer vermutlich noch mehr tun können, die Praxisrelevanz einiger Themen zumindest anzudeuten.

    Aber bei anderen war das durchaus so, zB bei unserer sehr engagierten Philosophielehrerin, die immer Verknüpfungen zu unseren Leben schaffen konnte, oder eigentlich auch in Englisch und Französisch, wo wir sehr oft aktuelle Zeitungsartikel gelesen haben ... hat bei mir aber damals trotzdem nicht erreicht, dass ich Sprachen mag oder gar lerne - vier minus (mit Rücksicht auf die Eltern - wie es bei uns hieß).

    Heute arbeite ich ganz wesenlich in Englisch, da brauchte es bei mir ein paar Entwicklungsschritte nach der Schule ..... trotzdem hat die Schule einen Grundstein gelegt.
    Lassen Sie mich niemals in den gewöhnlichen Fehler verfallen, zu meinen, dass ich verfolgt werde, wann immer mir widersprochen wird. Ralph Waldo Emerson

    Freiheit ist, wenn jeder sich auf seine Art zum Deppen machen kann.

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    "Rund um den Job", "Mietforum" und "Selbstständige, Freiberufler & Co"

  8. Moderation

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    AW: Welches Schulwissen braucht man später?

    Zitat Zitat von Charlotte03 Beitrag anzeigen
    In Klasse 5 und 6 lernte ich im Religionsunterricht das halbe Gesangbuch auswendig... fand ich richtig doof.

    Als Studentin saß ich bei Siemens am Band. Mit "Ich singe dir mit Herz und Mund..." ging die Arbeit schneller vorbei.

    Sicherlich gab es etwas, was ich bis heute nicht mehr bewusst genutzt habe, aber... mein Leben ist ja noch nicht zu Ende

    Gesang zur Erbauung der Sklaven gab es ja schon häufiger in der Geschichte der Menschheit .... ;-))
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    AW: Welches Schulwissen braucht man später?

    Zitat Zitat von Macani Beitrag anzeigen
    Du bist also der Meinung, Schule ab Klasse 8 könnte wegfallen?
    Alles weitere kann man auch in Ausbildung oder Studium lernen?
    Und damit könnte man auch schon nach der 8. Klasse beginnen?

    Ich spinne hier rum. Da der Thread hier kaum Folgen für das Schulsystem haben wird, kann ich hier die schönsten Wolkenkuckucksheime entwerfen.

    So ins Blaue: Schule bis Klasse 8 oder 9 und dann erstmal "was Praktisches" für alle, gern eine Lehre. Wer mag, bleibt im Lehrberuf, wer nicht mag, kann darauf dann aufbauen (z.B. über ein Studium), direkt nach der Lehre oder zu einem beliebigen späteren Zeitpunkt.

    Oder man könnte auch an die 8 oder 9 statt der üblichen Oberstufe ein oder zwei "Projektjahre" anschließen, in denen die jungen Leute eigene Projekte erstellen oder Praktika machen, jeweils mit Abschlussbericht o.Ä. als Nachweis. Die Idee dahinter wäre, dass es hilft, in viele Richtungen hineinzuschnuppern, und wahrscheinlich auch selbstständiger zu werden.

    Ich erinnere mich noch daran, dass zu meiner Abiturzeit ganz viele nicht wussten, was sie mal werden wollen oder was sie können, weil man viel von den eigenen Talenten im überwiegend theoretischen Schulunterricht gar nicht mitbekommt. Von daher fände ich eine längere verpflichtende Praxisphase, gern auch mit Wechseln, gut.



    Und erst diese Schulbildung hat mich überhaupt in die Lage versetzt, meine Stärken zu erkennen und den für mich richtigen Lebensweg zu wählen.

    Wenn ich mir so anschaue, wieviele Leute ich kenne, die das erst weit in den 20ern herausgefunden haben.....

  10. 30.12.2020, 15:32

    Grund
    14.1

  11. Moderation

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    AW: Welches Schulwissen braucht man später?

    Zitat Zitat von Macani Beitrag anzeigen
    Ich möchte auch nicht, dass Menschen zu Fachidioten werden, weil sie schon zu einem ganz frühen Zeitpunkt nur noch das gelernt haben, was ihnen beruflich nützlich ist.

    Niemand weiß oder kann genau benennen, welche Lehrinhalte ihn wie geprägt haben, aber dass eine Prägung stattfindet, steht außer Frage.
    Ohne meine Schulbildung wäre ich nicht der Mensch, der ich heute bin. Und allein das reicht mir als Berechtigung für fast alles, was mir die Schule, gerade auch in der Oberstufe, vermittelt hat.

    Und erst diese Schulbildung hat mich überhaupt in die Lage versetzt, meine Stärken zu erkennen und den für mich richtigen Lebensweg zu wählen.
    Zitat Zitat von noshrimps Beitrag anzeigen
    Erst, seitdem ich Menschen mit wirklich schlechter Schulbildung näher kennengelernt habe, weiß ich tatsächlich zu schätzen, was ich in der Schule gelernt habe. Wie hier schon angemerkt wurde, geht es dabei nicht ums Faktenwissen, sondern darum, den eigenen Wissensstand realistisch einzuschätzen, zu erkennen, wo man dazulernen könnte oder sollte und das dann auch tatsächlich selbständig tun zu können.
    beide postings von mir gekürzt



    Beidem kann ich voll umfänglich zustimmen - und ich merke an mir selbst oft, dass man das Wissen, das man selbst hat als selbstverständlich voraussetzt und für nichts besonderes hält .... geht mir jedenfalls regelmäßig so, wenn ich denke, "ich kann doch nix besonderes".

    Aber (fast) alles was man weiß ist für etwas gut und meistens weiß man mehr, als man so denkt .... und für vieles davon letzt die Schule den Grundstein, insbesondere auch bei denen, wo das Elternhaus - aus welchen Gründen auch immer - diesen Grundstein nicht legen kann.
    Lassen Sie mich niemals in den gewöhnlichen Fehler verfallen, zu meinen, dass ich verfolgt werde, wann immer mir widersprochen wird. Ralph Waldo Emerson

    Freiheit ist, wenn jeder sich auf seine Art zum Deppen machen kann.

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