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Thema: Wann sterben?


  1. Registriert seit
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    Wann sterben?

    Die letzten Wochen haben die Thematik fuer mich in den Vordergrund gerueckt - angesichts von Leserkommentaren (in Zeitungen und auch online) wie: "Waere eh bald gestorben" bzw. "koennte noch ein paar schoene Jahre haben".

    Wann ist also der 'richtige' Zeitpunkt zu sterben (bzw. geht es - auch - ums 'wie')?
    Klarerweise mit dem Caveat, dass das in erster Linie die persoenliche Entscheidung sein moege - soweit der/diejenige sie noch treffen kann.

    Ich denke, dass es hier kaum absolute bzw. konkrete Antworten gibt, aber mich wuerde interessieren, wie ihr an die Fragestellung herangeht.
    Und ob letztere nicht ausgeweitet werden koennte - oder gar muesste - auf: wie leben wir mit dem Tod? (Und zwar als Ist- und als Soll-Zustand.)

    Und wenn man so will, bedeutet die Frage ja auch: Wie leben?
    Aber das fuehrte vielleicht etwas zu weit, und ich will die Frage auch nicht rein philosophisch verstanden wissen - obwohl sie starke derartige Aspekte hat, aber unter diesem Gesichtspunkt waere es mir zu theoretisch - ich denke, hier brauchen wir mehrere 'Huete' (frei nach de Bono), die wir aufsetzen: ethisch/philosophisch, religioes/spirituell, aber auch medizinisch, biologisch, pragmatisch, praktisch/anekdotisch - ich hoffe, es ist halbwegs klar, was ich meine: bin selber noch am Zusammensuchen aller Puzzlesteine.

  2. Avatar von jofi2
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    AW: Wann sterben?

    Ich bin nicht sicher dass mir ganz klar ist was Du meinst und antworte mal auf das, was ich glaube verstanden zu haben.

    Wäre eh bald gestorben.
    Bezieht man sich auf die Sterbestatistik, so ist es im Moment keineswegs klar, ob die sich durch Corona signifikant ändern wird.
    Klar, es sterben viele alte und wehr alte Menschen, die auch ohne Corona wahrscheinlich nicht mehr lange gelebt hätten. Und natürlich hatte meine Mutter recht die mal sagte: „An irgendwas muss man schließlich sterben“.

    Andererseits gibt es gerade in der aktuellen Situation alte Menschen (70+ sowieso, aber auch 80+), denen es subjektiv gesehen sehr gut geht, die ihr Leben mögen und gern erst mal so weiterleben würden. Für die können die veröffentlichten
    Todeszahlen schon etwas Beklemmendes haben.

    Es kommt noch etwas hinzu.
    Das Sterben in einer Pandemie ist schon anders als sonst. Der Tod ist weniger individuell, man ist einer unter vielen, man muss wahrscheinlich wegen der Ansteckungsgefahr allein sterben und ich schätze mal, dass die Erfüllung individueller Wünsche für die letzten Lebenstage nicht möglich sein wird. Bei den Ländern mit zusammenbrechendem Gesundheitssystem gehe ich mal davon aus, dass möglicherweise auf Fluren oder in überfüllten Räumen gestorben wird. Das ist erschreckend und hat mit meinen Vorstellungen von einem humanen Sterbeprozess nichts zu tun.
    Dem Virus sind unsere Grundrechte egal.
    (Oliver Welke)

  3. AW: Wann sterben?

    Anekdotisch:
    Zwei meiner grosseltern habe ich bis in ihr hohes alter gehabt. Mit beiden auch über dieses thema gesprochen.
    Beide waren so glücklich, den punkt zu erreichen, an dem sie mir sagten: 'Ach weisst Du, eigentlich reicht es mir jetzt.' Dann loszulassen hatte eine leichtigkeit, das gefühl eines runden abschlusses.
    nichts ist wie es scheint

  4. Moderation Avatar von Promethea71
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    AW: Wann sterben?

    Tja eine gleichzeitig hypothetische und sehr konkrete Frage.

    Aus meiner Familie, meine älteste Freundin ist letztes Jahr 100 geworden, erfreut sich erstaunlicher Gesundheit und ist gerade nach zwei Wochen Lungenentzündung (kein Corona) aus dem Krankenhaus entlassen worden - da kann ich nur sagen, wenn ich SO alt werde, werde ich auch gerne so ALT. Wobei sie auch sage, dass sie ein wirklich tolles und erfülltes und überwiegend glückliches Leben hatte und wenn sie jetzt stürbe, wäre es auch in Ordnung. Aber sie will nicht sterben, sie würde es nur akzeptieren.

    Meine Großeltern hingegen sind in ihren achtzigern gestorben, teils schwer dement, teils körperlich sehr krank, da sage ich ganz klar, sie sind zwei Jahre zu spät gestorben und haben den Zeitpunkt für eine eigene Entscheidung verpasst, die letzten Jahre waren für sie eher eine Qual.

    Daraus resultiert mein eigener Entschluss, dass ich rechtzeitig vorsorgen werde, mir selbst das Leben zu nehmen, wenn ich für mich persönlich das Gefühl habe, jetzt ist es gut. Vorbild könnten sein Gunter Sachs, der sich umgebracht hat, als es erste Anzeichen von Alzheimer gab - er hatte bei seinem Vater erlebt, wie es ist Alzheimer zu haben.

    Aber entsprechend meinem Baujahr ist das wohl noch leicht gesagt - ich kann nicht abschätzen, wie sehr ich am Leben hängen werde, aber ich glaube es nicht. Ich sorge lieber jetzt aktiv dafür, dass ich mein Leben genieße und irgendwann sagen kann, "Leute war schön und nu isses genug.".
    Man muss nicht über jedes Stöckchen springen ... jedenfalls nicht jeder.
    Freiheit ist, wenn jeder sich auf seine Art zum Deppen machen kann.

    Profilbild © edwardbgordon
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  5. Registriert seit
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    AW: Wann sterben?

    Ich bin dem Tod zweimal von der Schippe gesprungen und sehe es seit meine Töchter erwachsen sind, eher entspannt.

    Ich versuche mein Leben so weit wie möglich zu genießen, denn ich denke, man bereut am Lebensende das, was man nicht getan hat, nicht, was man getan hat.

    Ich wünsche mir wie vermutlich jeder einen sanften Tod ohne Leiden. Irgendwann später, im Alter.

    Wir werden sehen.

  6. Avatar von Fyona
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    AW: Wann sterben?

    Zitat Zitat von Promethea71 Beitrag anzeigen
    Daraus resultiert mein eigener Entschluss, dass ich rechtzeitig vorsorgen werde, mir selbst das Leben zu nehmen, wenn ich für mich persönlich das Gefühl habe, jetzt ist es gut.
    Sterbehilfe ist seit kurzem in Deutschland strafbefreit, und jeder kann sie legal in Anspruch nehmen, der es möchte.
    Ich habe in einem Pflegeheim leider viele hinfällige und auch schmerzzerrüttete Menschen erlebt, die nicht leben und nicht sterben konnten und sich den Tod herbei wünschten.
    Deshalb begrüße ich dieses neue Gesetz, es war längst überfällig.
    Ich kann mir für mich auch vorstellen, dass ich keine Lust mehr habe, allein weiterzumachen, wenn mein Mann nicht mehr da ist.
    Wir waren und sind immer sehr aufeinander fixiert und das seit Jahrzehnten.
    Ich sorge lieber jetzt aktiv dafür, dass ich mein Leben genieße und irgendwann sagen kann, "Leute war schön und nu isses genug.".
    Das ist eine gute Strategie !
    Es ist ein Glück zu lesen
    Elke Heidenreich

  7. Avatar von jasmintee
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    AW: Wann sterben?

    Zitat Zitat von Promethea71 Beitrag anzeigen
    Tja eine gleichzeitig hypothetische und sehr konkrete Frage.


    Daraus resultiert mein eigener Entschluss, dass ich rechtzeitig vorsorgen werde, mir selbst das Leben zu nehmen, wenn ich für mich persönlich das Gefühl habe, jetzt ist es gut. ....
    es ist eine total spannende frage, die zwar im jetzt so wie von dir oben beantwortet wird
    die aber, wenn es so weit ist, durchaus sich völlig anders gestalten kann, mit dem ergebnis das man das was man immer geplant hat zu tun dann doch nicht durchzieht, weil man den zeitpunkt "jetzt ist gut" nach hinten schiebt

    im familienkreis so erlebt, mindestens 20 jahre im voraus schon geplant das ende selbst in die hand zu nehmen und dann als die zeit bzw. die entsprechenden konkreten umstände eintraten, da kam plötzlich ein "ich will leben" und " welcher arzt kann mir helfen wieder gesund zu werden" ... es war ein hinausschieben des sonst so stark verkündeten plans bis die durchführung durch die person selbst nicht mehr möglich war

  8. Moderation Avatar von Promethea71
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    AW: Wann sterben?

    Ja ich habe es in gewisser Weise auch erlebt - meine Großmutter hatte die gleiche Einstellung, wie ich sie heute habe und sie hat dann versucht sich mit einer großen Dosis Schlaftabletten das Leben zu nehmen. Der Versuch ist gescheitert.

    Wir hatten aber mehrfach darüber gesprochen, dass man sich heutzutage mit Schlaftabletten nicht mehr das Leben nehmen kann ... so habe ich es jedenfalls gelesen, weil die Wirkstoffzusammensetzung das verhindert, man schläft halt nur lange. Es wäre mit hoher Sicherheit erfolgversprechender gewesen, wenn sie ihr Herzmedikament stark überdosiert hätte.

    Sie ist nach dem Selbstmordversuch gefunden worden, in die Psychiatrie und dann ins Altersheim gekommen - da hatte sie dann keine Chance mehr. Sie war im wesentlichen bettlägrig. Ich lebte damals weit weg und habe mich nie wirklich getraut zu fragen, ob sie den Selbstmord nicht ernst genug gemeint hat oder wahlweise vergessen hatte oder mir nicht geglaubt hat, dass Schlafmittel das falsche Mittel sind.

    Ich glaube schon, dass sie sterben wollte, aber den falschen Weg gewählt hat - aber ich werde es nie mit Sicherheit wissen.

    So leben wie sie es dann im Heim tat wollte sie jedenfalls nicht - aber da konnte ihr dann auch niemand mehr helfen. Ich habe lange damit gehadert, dass sie mich nicht rechtzeitig gebeten hat, ihr zu helfen. Ich denke, ich hätte einen Weg gefunden.
    Man muss nicht über jedes Stöckchen springen ... jedenfalls nicht jeder.
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  9. Registriert seit
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    AW: Wann sterben?

    Was Suizid angeht, es gibt manchmal auch die Frage, was man damit anderen, nahestehenden Menschen, antut.
    Manche finden es daher egoistisch, wenn jemand einfach so, ohne allzu schlimme Leiden, gehen will.
    Es gibt z. B. Menschen, für die stimmt es nicht mehr, wenn sie eingeschränkt sind.
    Sie waren immer gesund, haben in ihrem Leben fast alles erreicht, was sie wollten und dann werden sie krank, müssen sich einschränken und sagen sich, "ok, bis hier war es gut, jetzt gefällt es mir nicht, ich leide, ich will jetzt ein Ende machen" und das z. B. noch unter 60.


  10. Registriert seit
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    892

    AW: Wann sterben?

    Zitat Zitat von daggy5gram Beitrag anzeigen
    Anekdotisch:
    Zwei meiner grosseltern habe ich bis in ihr hohes alter gehabt. Mit beiden auch über dieses thema gesprochen.
    Beide waren so glücklich, den punkt zu erreichen, an dem sie mir sagten: 'Ach weisst Du, eigentlich reicht es mir jetzt.' Dann loszulassen hatte eine leichtigkeit, das gefühl eines runden abschlusses.
    So war es bei meinen Großeltern auch
    In the beginning there was nothing, which exploded.
    Sir Terry Pratchett.

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