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Thema: Wann sterben?

  1. Inaktiver User

    AW: Wann sterben?

    Palliativmedizin kann sehr viel - wenn die Ärzte es können.
    Aber die werden auch langsam besser.

  2. Inaktiver User

    AW: Wann sterben?

    Wow, was für eine Frage,
    aber vor allem, was für eine wichtige, tiefgreifende Frage.

    Zitat Zitat von Promethea71 Beitrag anzeigen
    Aus meiner Familie, meine älteste Freundin ist letztes Jahr 100 geworden, erfreut sich erstaunlicher Gesundheit und ist gerade nach zwei Wochen Lungenentzündung (kein Corona) aus dem Krankenhaus entlassen worden - da kann ich nur sagen, wenn ich SO alt werde, werde ich auch gerne so ALT. Wobei sie auch sage, dass sie ein wirklich tolles und erfülltes und überwiegend glückliches Leben hatte und wenn sie jetzt stürbe, wäre es auch in Ordnung. Aber sie will nicht sterben, sie würde es nur akzeptieren.
    Ich habe auch so einen sehr alten, lieben Bekannte, kurz vor Hundert, geistig immer noch extrem fit und körperlich auch. Er läßt es sich zum Beispiel nicht nehmen, seine Gäste zwei Stockwerke herunter zu begleiten beim Abschied, ich wäre dafür jetzt teilweise eher schon zu faul.
    Und geistig einfach Zeit seines Lebens brilliant, Geistes- und Naturwissenschaftler, doppelte Promotion und Professor.
    Viel von der Welt und den Menschen gesehen, eine wandelnde Enzyklopädie breitgefächerter Interessensgebiete.

    So, wie er jetzt noch dasteht, so könnte ich so ein Alter für mich auch akzeptieren.
    Aber- wie selten ist das leider, wie groß die Gefahr, weit vorher eine der beiden Freiheiten und Begabungen zu verlieren, den Geist oder einen zuverlässigen, altersgemäß gesunden Körper ohne wirkliche schlimme Schmerzen.

    Ich weiß, ich wäre ein extrem schlechter Kranker, zu meinem bisherigen Glück bin ich bisher körperlich sehr gesund und stabil.

    Es gäbe x Situationen, durch die ich das Leben, das ich führen möchte, nicht mehr haben könnte und entsprechend - für mich - nicht mehr lebenswert fände.

    Ja, wie Dir ist mir sofort Gunter Sachs eingefallen und ich habe größten Respekt vor einem selbstbestimmten Abschied.

    Ich finde z.B. Suizide solange völlig akzeptabel, solange man nur sich selbst verantwortlich ist und auch niemanden durch einen Suizid z.B. traumatisiert.
    Den Suizid eines Elternteiles kleiner oder junger Kinder finde ich unverantwortlich, so sehr ich den wahrscheinlich dahinterliegenden Schmerz auch nachvollziehen kann.
    Aber - für mich - geht die Verantwortung für Kinder vor.

    Ebenso kann ich mir gut vorstellen, daß ich manche Schicksalsschläge emotional nicht verkraftet hätte.
    Es gibt das Beispiel der mittlweile als Buchautorin bekanntgewordenen jungen Mutter, die ihre ganze Familie verliert, zwei Kinder und ihren Mann bei einem Unfall.
    Ich kenne mich gut genug, daß ich weiß, davor könnte ich mich emotional nicht erholen oder das überstehen, für mich wäre das zB. ganz klar ein Suizid-Szenario, als Einzige von Vielen "übrigzubleiben".
    Sie hat es aber nicht nur überlebt, sondern sogar nochmal eine Familie gegründet, genau wie einige der bekannteren Tsunami-Opfer damals.
    Ich bewundere diese Art von Resilienz, bin aber rational genug, daß ich sie nicht hätte.
    Meine Großeltern hingegen sind in ihren achtzigern gestorben, teils schwer dement, teils körperlich sehr krank, da sage ich ganz klar, sie sind zwei Jahre zu spät gestorben und haben den Zeitpunkt für eine eigene Entscheidung verpasst, die letzten Jahre waren für sie eher eine Qual.
    Dieses Thema treibt mich ja leider gerade sehr aktuell um.
    Vor kurzem noch alles sehr ok und nun ein herber Gesundheitsschlag nach dem anderen und es ist noch nicht klar, ob daraus nochmal ein lebenswerte Zukunft werden kann.

    Derjenige hat auch, aus tiefverwurzelter Angst vor dem Tod, nie Vorsorge getroffen, weder medizinisch noch körperlich und auch nicht organisatorisch.
    Und ist jetzt jedem Verlauf ausgeliefert.
    DAS werde ich zu verhindern wissen.

    Zumal es bei Dir wie bei mir und bei vielen Kinderlosen nochmal etwas anderes ist, denn es gibt für uns zumindest familiär die direkten Nachfahren nicht, die sich in auch nur halbwegs intakten Familien dann halbwegs kümmern.

    Auch das ist mir bewußt und auch das ist ein Faktor, der für mich die Selbstbestimmung umso wichtiger und dringlicher macht.

    Daraus resultiert mein eigener Entschluss, dass ich rechtzeitig vorsorgen werde, mir selbst das Leben zu nehmen, wenn ich für mich persönlich das Gefühl habe, jetzt ist es gut.
    Mein Plan ist sehr ähnlich und ich halte selbstbestimmtes Abschiednehmen für eine positive Errungenschaft der Menschheit.

    Aber entsprechend meinem Baujahr ist das wohl noch leicht gesagt - ich kann nicht abschätzen, wie sehr ich am Leben hängen werde, aber ich glaube es nicht.

    Am Leben hängen als Selbstzweck ist für mich auch nichts Erstrebenswertes.
    Solange mein Lebens für mich lebenswert scheint, solange werde ich alles genießen und mitnehmen.

    Eine kurze Krankheitsphase mit dem "Versprechen", der "Sicherheit", daß es wieder wirklich schön, lebenswert und schmerzfrei würde, die könnte ich vielleicht auch noch ertragen, aber wie geschrieben, eine Kämpfernatur spüre ich da nicht in mir.
    Ich sorge lieber jetzt aktiv dafür, dass ich mein Leben genieße und irgendwann sagen kann, "Leute war schön und nu isses genug.".


    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ich erinnere mich eine Frau mit schwerem Gesichtkrebs - Details erspare ich uns.
    Die sagte noch kurz vor ihrem Tod: Ja, es lohne sich noch leben zu können, da sie ihren Enkeln bei deren Besuch im Hospiz beim Spielen zuschauen könne.
    Wohlgemerkt: Die Enkel kamen keineswegs täglich und ihr Besuch dauerte höchstens eine halbe Stunde.
    Ich respektiere absolut die Wahrnehmung dieser Frau.
    Aber viele würden wahrscheinlich anders wahrnehmen. Schlimmer Schmerz, viel Einsamkeit und wenig Hoffnung.
    Genug Parameter, daß ich mir so einen Abschied nicht vorstellen könnte.

    Zitat Zitat von harfe Beitrag anzeigen
    Am schlimmsten fand ich das Ende meines Vaters; er hatte eine schwere Kindheit und hatte zeitlebens, wie ich denke, psychische Probleme, die er ungehemmt an unserer Mutter, an mir und meinen Geschwistern ausließ. Für ihn waren immer die anderen "schuld" und er hat sich selber niemals hinterfragt.

    Als dann meine Mutter nach längerer Krankheit schließlich starb, ist er psychisch völlig zusammengebrochen und ließ nichts mehr an sich heran. Alles war schlecht, nichts war gut genug, er hat stundenlang am Stück nur monologisiert und man konnte nicht mit ihm reden, sondern es nur quasi über sich ergehen lassen und zuhören. Schließlich hat er sich dann in größtem Unfrieden mit sich und seiner Umwelt auf brutalste Weise umgebracht.
    Mein Mitgefühl, harfe, für Dich - und auch für Deinen gequälten Vater - aber ehrlicherweise von meiner Seite viel mehr für Dich. Das muß eine sehr schwierige, belastende Kindheit gewesen sein.

    Nach diesen Erfahrungen denke ich für mich, dass es sehr wichtig ist, seinen Frieden mit sich und seinem Leben zu finden, seine eigenen Probleme zu bearbeiten und mit der Familie und dem Umfeld möglichst alles zu klären, was es zu klären gäbe.
    Das denke ich auch.
    Und das gilt wohl für jedes Alter, auch Junge können einiges emotional zu klären haben.

    Aber für mich kommt noch etwas anderes dazu, so lächerlich das Einige vielleicht finden würden:

    Ich hatte in den letzten Jahren im Freundes- und liebe Bekannte-Kreis leider einige tödliche Unfälle, unerwartete, schnell zum Tod führende Krankheit (unewartet Krankenhaus, drei Wochen drin, tot) und andere Dramen (z.B. Alkoholismus als Todesursache), seitdem ist tatsächlich eine meiner Sorgen, daß ich mein Zuhause und meine persönlichen Hinterlassenschaften inklusive privater Papiere noch nicht so habe, daß das in meinem Sinne ok ist.
    Ich bin zu chaotisch und einiges sollte auch nicht Jeder finden, lesen, aufräumen müssen.
    Aber das zu bewerkstelligen ist ein ganz schöner Berg und noch kann ich mich dazu nicht aufraffen.

    Dafür bin ich sehr dankbar. Es ist für mich so ein Gefühl wie "ich habe meine Kämpfe geführt, bin hindurch gegangen und habe mein inneres Gleichgewicht gefunden".
    So traurig die Umstände sind, so schön liest sich doch das Ergebnis.

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Das ist für mich ganz wichtig. Ich möchte bewusst dabei sein. Im Schlaf zu sterben oder tot umzufallen, macht mir Angst. Ich will erleben wie ich hinüber gehe. Ich trage diesen Wunsch schon so lange in mir und hoffe, dass mein Körper und mein Unterbewusstsein es mir erlaubt.
    Faszinierend, denn ich fände beides relativ optimal -
    wenn ich denn dann meinen Kram organisiert hätte

    Tot umfallen allerdings nur zu Hause.
    Ein lieber Bekannter ist auf seiner Arbeit, umgeben von sehr vielen Menschen, verstorben, mit nur 60, das fände ich auch eher zu früh.

    Ich wünsche Dir, daß es irgendwann - in weiter Zukunft - so sein wird für Dich wie Du es Dir wünschst.
    Geändert von Inaktiver User (08.04.2020 um 22:37 Uhr)

  3. User Info Menu

    AW: Wann sterben?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    @Antje, was für dich das tägliche Highlight des Tages ist weißt du dann, wenn dieser Tag gekommen ist.

    Ich erinnere mich eine Frau mit schwerem Gesichtkrebs - Details erspare ich uns.
    Die sagte noch kurz vor ihrem Tod: Ja, es lohne sich noch leben zu können, da sie ihren Enkeln bei deren Besuch im Hospiz beim Spielen zuschauen könne.
    Wohlgemerkt: Die Enkel kamen keineswegs täglich und ihr Besuch dauerte höchstens eine halbe Stunde.
    So war es bei meiner Schwiegermutter, andere Krankheit, schon langes Leiden. Das letzte Jahr war richtig schlimm, trotzdem wollte sie noch weiter leben und sogar beatmet werden, was sie zuvor mit Patientenverfügung abgelehnt hatte, um noch etwas von der Entwicklung der Enkel mitzubekommen.

    Von daher wage ich nicht prognostizieren, welche Lage sich irgendwann noch lebenswert anfühlt und welche nicht.

    Jetzt vom grünen Tisch würde ich sagen, dass es mir nicht so sehr auf das "wann", neben dem für mich essentiellen Wunsch, dass mein Tod möglichst erst eintreten möge, wenn die Kinder zumindest mit der Schule fertig sind, mehr das "wie" entscheidend. Da wäre mir ein Tod "Knall auf Fall" lieber, als nach langem Leiden und gegen ein Sterben im Schlaf hätte ich nichts.
    Ein Kollege von mir und der Vater einer Freundin sind mit 50 und mit 70 einfach von jetzt auf gleich nach einem schönen Tag im Schlaf gestorben. Finde ich zwar, besonders beim Kollegen, deutlich zu jung, aber könnte ich wählen zwischen dieser Variante und 10 Jahren mehr, davon die letzten, das letzte mit Leiden, würde ich mich für diese Variante entscheiden.
    Wenn mich die weltpolitische Lage deprimiert, denke ich an die Ankunftshalle in Heathrow. Es wird immer behauptet, wir leben in einer Welt von Hass und Habgier, aber das stimmt nicht. Mir scheint wir sind überall von Liebe umgeben. Oft ist sie weder besonders glanzvoll noch spektakulär, aber sie ist da. Väter&Söhne, Mütter&Töchter, Ehepaare, Verliebte, alte Freunde.
    Ich glaube, wer darauf achtet, wird feststellen können, dass Liebe tatsächlich überall zu finden ist

    Intro "Tatsächlich Liebe"

  4. Inaktiver User

    AW: Wann sterben?

    Wann sterben?... Diese Frage kam mir das erste Mal entgegen, als mein Kind erkrankte, es starb im Vorschulalter. Jemand sagte, es starb vor seiner Zeit. Für uns war es nicht so. Sein Leben war in zwei Hälften „geteilt“, ab Geburt gings mit der Entwicklung normal los und rückblickend gabs ab Mitte seiner Lebenszeit die Abwärtsentwicklung. Unser Kind hatte seine Lebenskurve - in sehr kurzer Zeit, aber es war seine Lebenszeit-/dauer.

    Ich denke, solange ein Tod nicht durch gewaltsame Fremdeinwirkung eintritt, hat jeder genau „seinen“ Todeszeitpunkt.
    Und ich sehe Suizid als „normale“ Todesursache, so wie ein Tod durch Krankheit, wenn die Seele sterbenskrank ist, ist dass die Todesart dieses Erkrankten/Verzweifelten.
    Wenn ich die Kraft hätte, würde ich mich engagieren, dass der Begriff „Selbstmord“ aus dem Sprachgebrauch verschwindet.

  5. User Info Menu

    AW: Wann sterben?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Wenn ich die Kraft hätte, würde ich mich engagieren, dass der Begriff „Selbstmord“ aus dem Sprachgebrauch verschwindet.
    Ja, das ist eine archaische Vokabel, und "freiwillig das Leben beenden" finde ich auch sehr viel besser.
    In England war bis in die 50-er Jahre Suizid oder eher ein versuchter, eine Straftat, und die Unglücklichen waren nicht nur gescheitert und mussten weiter leben, sondern kamen auch noch ins Gefängnis.

    Der Mensch lebt nicht vom Brot allein
    er braucht auch die Literatur

    by me ...

  6. Inaktiver User

    AW: Wann sterben?

    In England wurde der Suizid als Straftat in den sechziger Jahren abgeschafft.
    Dass die Menschen dafür ins Gefängnis kamen kann ich mir allerdings nur schwer vorstellen.
    Wo hast du das gelesen, Fyona?

  7. User Info Menu

    AW: Wann sterben?

    Ich bin seit 30 jahren Mitglied bei EXIT und finde den Gedanken selber zu bestimmen tröstlich. Ich möchte so sterben wie ich gelebt habe...Selbstbestimmt und in Würde. Ob ich dann zum Zeitpunkt Null den Mut dazu habe weiss ich natürlich nicht...ich hoffe es.

  8. Inaktiver User

    AW: Wann sterben?

    Du lebst in der Schweiz, nehme ich an. Oder Du hast dort zumindest einen Wohnsitz.
    Für Menschen aus Deutschland ist das keine Option mehr seit die Schweiz den „Sterbetourismus“ unterbunden hat - was ich in gewisser Weise verstehen kann.

    Was mich betrifft, so habe ich mich immer darauf verlassen, dass wir genügend Ärzte in der Familie haben.
    Was ich im Zweifelfall täte weiß ich nicht und gehe auch davon aus, dass man das als gesunder Mensch nicht wissen kann.

  9. User Info Menu

    AW: Wann sterben?

    @jofi2

    Dein post zu diesem Thema, das uns alle betrifft und sich immer wieder in meine Gedanken einschleicht gerade ,in diesen Zeiten, ist für mich heute beruhigend .......

  10. Inaktiver User

    AW: Wann sterben?

    Zitat Zitat von heimat Beitrag anzeigen
    @jofi2

    Dein post zu diesem Thema, das uns alle betrifft und sich immer wieder in meine Gedanken einschleicht gerade ,in diesen Zeiten, ist für mich heute beruhigend .......
    Meinst du das zum Thema „ersticken“?
    Dazu haben ja auch andere Ähnliches geschrieben.
    Schön wenn es dich beruhigt.

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