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Thema: Wann sterben?

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    AW: Wann sterben?

    Hier vor Ort war der erste statistisch erfasste Corona-Tote ein 96-Jähriger, der in der ansässigen Lungenfachklinik verstorben ist. Da kam mir schon der Gedanke, böse vielleicht, dass da der Tod möglicherweise absehbar sowieso eingetreten wäre. Dennoch ist eine Lungenkrankheit nicht der Tod, den ich mit meinem Ideal "friedlich einschlafen" in Einklang bringen würde.

    Für mich ist es eher ein "wie sterben" denn ein "wann sterben". Mein Vater ist relativ jung mit 73 gestorben, aber er ist aus einem erfüllten Leben gegangen und stand kurz vor wirklich einschneidenden gesundheitlichen Veränderungen. Er hatte angefangen merklich abzubauen, physisch und auch geistig ging es los. Er hat mir noch durch meine Scheidung geholfen. Direkt danach ist er nach einem schönen Tag mit meiner Mutter, nach Verabschiedung mit Küsschen wie immer, fröhlich zu einem Abend mit Freunden geradelt und auf dem Rückweg tot vom Rad gefallen. Er ist beim Radeln verstorben, Herzstillstand. Ein wie ich finde doch schöner Tod. Wermutstropfen: meine Mutter hat ihn gefunden und sich jahrelang nicht mehr davon erholt.

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    AW: Wann sterben?

    Ich verstehe nicht ganz, warum hier im Forum immer wieder geschrieben wird, dass das Sterben an einer Lungenkrankheit besonders schrecklich ist. Stichwort: Ersticken.

    Meine Erfahrungen sind da anders.
    Als meine Mutter nicht mehr sinnvollerweise beatmet werden konnte wurde sie sediert. Sie starb ganz friedlich.
    In der Hospizarbeit habe ich Menschen erlebt, die an Lungenkrebs oder ALS gestorben sind, alle so, dass sie ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr selbst genügend Sauerstoff einatmen konnten. Sie wurden sediert und haben diesen Prozess nicht erleben müssen.
    Ich bin keine Medizinerin, aber warum sollte bei Pandemiefällen so eine palliative Versorgung nicht möglich sein oder nicht stattfinden?
    Ich meine sogar von einem Arzt gelesen zu haben, der von Coronatoten berichtet, die aus Mangel an Beatmungsplätzen nicht beatmet werden konnten. Er sagte, dass sie palliativ versorgt wurden.
    Dem Virus sind unsere Grundrechte egal.
    (Oliver Welke)

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    AW: Wann sterben?

    "Tod durch Ersticken" hört sich für Laien ganz schrecklich an. Sie meinen dies würde bei COPD genauso ablaufen, wie bei einem Fremdkörper in der Lunge oder einer Panikattacke oder einem Hyperventilationssyndrom.
    Das ist so nicht! Es ist ein langsames immer schwächer werden. Die Schwäche hilft nach drüben zu gehen. Notfalls, bedeutet meist Panikattacke, kann sediert werden.
    "Schau lange und genau auf die Dinge, die dich erfreuen - zumindest länger als auf die Dinge, die dich ärgern."
    Sinonie - Gabriele Colette


    Denken und Sein werden vom Widerspruch bestimmt
    Aristoteles - Griechischer Philosoph

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    AW: Wann sterben?

    Zitat Zitat von bifi Beitrag anzeigen
    Ich glaube, die Seele weiß, wann es soweit ist. Oft gibt es zuvor mit sich oder anderen noch etwas zu klären.
    Mein Mann und ich haben in den letzten Jahren eine Reihe von Todesfällen in unseren Familien erlebt, es sind nacheinander unsere Eltern, unsere Tanten und Onkel gestorben. Bei meinen Eltern, meiner Tante und meinem Onkel kann ich sagen, soweit ich es miterlebt habe, dass jeder auf seine individuelle Weise das Lebensende durchlebt hat und jeder von ihnen, wie ich denke, mit einer anderen innerlichen Haltung zum Sterben gestorben ist.

    Am schlimmsten fand ich das Ende meines Vaters; er hatte eine schwere Kindheit und hatte zeitlebens, wie ich denke, psychische Probleme, die er ungehemmt an unserer Mutter, an mir und meinen Geschwistern ausließ. Für ihn waren immer die anderen "schuld" und er hat sich selber niemals hinterfragt.

    Als dann meine Mutter nach längerer Krankheit schließlich starb, ist er psychisch völlig zusammengebrochen und ließ nichts mehr an sich heran. Alles war schlecht, nichts war gut genug, er hat stundenlang am Stück nur monologisiert und man konnte nicht mit ihm reden, sondern es nur quasi über sich ergehen lassen und zuhören. Schließlich hat er sich dann in größtem Unfrieden mit sich und seiner Umwelt auf brutalste Weise umgebracht.

    Nach diesen Erfahrungen denke ich für mich, dass es sehr wichtig ist, seinen Frieden mit sich und seinem Leben zu finden, seine eigenen Probleme zu bearbeiten und mit der Familie und dem Umfeld möglichst alles zu klären, was es zu klären gäbe.

    Ich habe im Laufe meines Lebens mehrmals eine Therapie machen dürfen und seit einiger Zeit habe ich das Gefühl, meinen Frieden gefunden zu haben. Dafür bin ich sehr dankbar. Es ist für mich so ein Gefühl wie "ich habe meine Kämpfe geführt, bin hindurch gegangen und habe mein inneres Gleichgewicht gefunden". Unsere Kinder sind erwachsen und stehen auf eigenen Beinen und unser Verhältnis ist, wie ich denke, gut und harmonisch.

    Manchmal habe ich auch schon gedacht, wenn ich jetzt sterben müsste, so wäre es in Ordnung - ich hätte das Gefühl, meine "irdischen Aufgaben" erledigt zu haben. Wie ich mich dann wirklich fühlen würde, wenn ich schwer krank würde und sterben müsste, weiß ich aber nicht - ich kann mich nicht theoretisch in diese Situation hineinversetzen und glaube auch nicht, dass man sie nur rational planen kann.
    Wenn Du es eilig hast, gehe langsam!

    Die wahre Achterbahn findet im Herzen statt!

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    AW: Wann sterben?

    @Harfe
    Danke für Dein ehrliches Post.
    "Schau lange und genau auf die Dinge, die dich erfreuen - zumindest länger als auf die Dinge, die dich ärgern."
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    AW: Wann sterben?

    Zitat Zitat von jofi2 Beitrag anzeigen
    Es gibt Menschen, die diesen Zeitpunkt „es ist genug“ wirklich erleben. Nach meiner zehnjährigen Erfahrung mit Sterbenden kann man aber leider nicht darauf setzen.
    Manche - keineswegs alle - erwerben diese Haltung aber in den letzten Tagen/Monaten vor dem eigentlichen Sterben. Sie als Anspruch an sich zu haben ist meiner Erfahrung nach nicht besonders sinnvoll weil nicht machbar.
    Ich gehe davon aus, zu wissen, wann es mir mit dem Leben reicht. Problematisch wird es, wenn es mir nicht reichen sollte. Andererseits eröffnen sich für uns in Zukunft andere Möglichkeiten in Anspruch zu nehmen und das Ende legal herbeiführen zu können. Wobei es für einen selbst unwichtig sein wird, ob legal oder illegal zu sterben.

    - Der leichte Weg ist auch der richtige Weg -
    von Bruce Lee

    you tell it it tells you you grab it it grabs you you tell it it tells you you grab it it grabs you you tell it it tells you you grab


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    AW: Wann sterben?

    Ganz einfach wenn es so weit ist, oder ich selbst bestimmt sage, ich habe genug gelebt es reicht mir!

    Keine Minute vorher! Und die letzte Erfahrung die der Mensch vom Leben bekommt ist der eigene Tod.
    Das Leben macht was es will und ich auch!

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    AW: Wann sterben?

    Zitat Zitat von Veranoazul Beitrag anzeigen
    Und die letzte Erfahrung die der Mensch vom Leben bekommt ist der eigene Tod.
    Wer weiß?!
    Vielleicht gehen wir weiter und lassen das Leben als abgelebt hinter uns - bewusst, aber ohne Körper - und es kommt uns vertraut vor?
    Ich denke jedenfalls nicht, dass es mit dem Tod aus ist. Sollte ich mich irren, ist es auch egal, denn dann wäre ich in keiner Weise mehr existent und wüsste um meinen Irrtum .
    Ich bin sogar gespannt auf mein irdisches Ende, ohne im geringsten suizid zu sein!
    Corona sucks !

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    AW: Wann sterben?

    Zitat Zitat von Fyona Beitrag anzeigen

    Ich bin sogar gespannt auf mein irdisches Ende
    Das ist für mich ganz wichtig. Ich möchte bewusst dabei sein. Im Schlaf zu sterben oder tot umzufallen, macht mir Angst. Ich will erleben wie ich hinüber gehe. Ich trage diesen Wunsch schon so lange in mir und hoffe, dass mein Körper und mein Unterbewusstsein es mir erlaubt.

    Ich bin ganz sicher, dass man sterben kann, wenn man es unbedingt will auch ohne Suizid. Menschen, die sagen, dass sie sterben wollen und trotzdem noch lange leben, werden unbewusst daran gehindert, denn es ist nur das Bewusstsein, dass sterben will. Das Unterbewusstsein hat eine viel größere Macht über uns.

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    AW: Wann sterben?

    Ich habe zwei nahe Angehörige mit Krebs-bedingter finaler Atemnot sterben sehen. Bei beiden wurden Opiate gegeben (und in einem Fall zusätzlich sediert), die das Atemzentrum lähmen, so dass man das Ersticken nicht spürt. Das war kein qualvolles Ende, und ich bin seither massiv beruhigt bezüglich der Möglichkeit Palliativer Medizin

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