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  1. Moderation Avatar von skirbifax
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    AW: Ossis im Westen - Wie ist es Euch ergangen?

    Zitat Zitat von BlueVelvet06 Beitrag anzeigen
    Nützt ja alles nichts, wenn du beispielsweise einen ganz Job zu vergeben hast, für den man keine Qualifikation braucht und der in Deutschland üblicherweise zum Mindestlohn vergeben wird, wenn du in München dann niemanden findest - weil derjenige nicht davon leben kann. Also bezahlt man in Ballungsräumen / Regionen mit hoher Nachfrage nach Mitarbeitern üblicherweise einen entsprechenden Aufschlag. Das gilt für sehr viele Berufe.
    Das ist doch auch im öffentlichen Dienst so. In bestimmten Orten erhältst du eine sog. Ballungsraumzulage - wenn du dort auch wohnst. Ein Pendler, der seine Wohnung/Haus an einem Ort hat, der nicht in den Ballungsraum fällt, erhält weniger. Bei gleicher Qualifikation und Einordnung.
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  2. Avatar von Uni-Corn
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    AW: Ossis im Westen - Wie ist es Euch ergangen?

    Ein paar Beispiele:

    Anfang der 90 er bekamen wir in unsere Firma eine "Beraterin" aus dem Westen, der Prototyp des Besserwessis, die wollte uns mal erklären, wie Service funktioniert. Nach dem ca. einstündigen Vortrag erhob sich eine meiner Kolleginnen und fragte "Was ist denn jetzt das Neue? Alles, das, was Sie uns grad erklären, mache ich seit 30 Jahren in diesem Beruf, wir beraten Kunden und suchen eine zufriedenstellende Lösung und sind dabei freundlich und zuvorkommend" Es gab darauf keine Antwort von der schlauen Dame, sie war sprachlos.

    Jahre später, andere Firma, eine Filiale in Berlin, eine in München und noch einige quer durchs Land. Aus der Münchner Firma wurde eine Qualitätsmanagerin eingeflogen, die uns 2 Stunden lang beobachtete und uns dann unsere Fehler erklären wollte. u.a. dass etwa 2 Minuten keine freie Mitarbeiterin wartend dagestanden hätte, MA 1 war am Regal in Beratung, MA2 war im Nebenraum, um eine Untersuchung a der Kundin durchzuführen, MA 3 saß im Backoffice und bestellte wichtige Terminware beim GH (das Bestellfenster war 15 min"offen"), auf unsere Frage, WER denn? wir sind nur zu dritt, meist nur zu zweit, hatte auch sie keine Antwort....Den Grund erfuhr ich einige Wochen später, in der Münchner Filiale saßen 10!!! Mitarbeiter wartend im Backoffice rum und bestellten privat bei Zal...und beim großen A....einer mußte vorn stehen, falls ein Kunde kommt. Besagte Filiale hatte auch sehr beeindruckende Visitenkarten Name/Berufsbezeichnung /und dann kam "Key Account Manager XYZ" (besagte MA bestückte das entsprechende Regal mit der XYZ Ware).

    Eine Kollegin aus München kutschierte uns zwischen den Firmenteilen und erzählte dabei, was sie alles für Ausbildungen HÄTTE, darauf kam ne Frage von meiner Berliner Kollegin, warum sie sich mit der tollen Kombi nicht selbstständig machen würde? (ich muss dazu sagen, dass sie damit richtig gesucht gewesen wäre) Daraufhin betretenes Schweigen, von den vier tollen Abschlüssen existierte nur einer, alle anderen hatte sie nie abgeschlossen....(Für mich wäre eine Ausbildung/Studium ohne Abschluss nix Erwähnenswertes, sowas agiert bei mir unter " zu peinlich, um darüber zu reden")

    Sowas ähnliches sogar noch dieses Jahr auf einer Familienfeier erlebt, als ich erzählte, dass ich grad mein drittes Studium mache, kam von einer entfernten Verwandten, sie hätte auch sowas Ähnliches studiert. Als ich sie fragte, was sie danach beruflich draus gemacht hätte, kam , naja, ich habe nie den Abschluss gemacht....

    Die Aussage über meinen Sohn stammt übrigens von seinen Schwiegereltern, nicht von mir.

    Und wie hier grad geschrieben wurde, es war nach Erfahrungen gefragt, ich kenne inzwischen auch total nette "Wessis", oder sollte ich besser sagen, nette Personen, wobei ich die Leute heutzutage erst kennenlerne und man irgendwann später fragt, wo bist Du denn geboren....Und es manchmal überhaupt keine Rolle spielt.
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  3. Avatar von Ullalla
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    AW: Ossis im Westen - Wie ist es Euch ergangen?

    Ich wurde in der BRD geboren und lebte dann von Kindesbeinen an in Westberlin.
    Durch diese räumliche Nähe zur DDR war mir das Leben dort ein wenig vertraut (durch Verwandtenbesuche, touristische Ausflüge) und ich wußte auch, wie eng beide Landesteile verflochten waren.

    Ich erinnere mich noch an das fassungslose Staunen einer Verwandten aus Wessiland, als ich bei ihrem Besuch hier in der Stadt erzählte, dass ein großer Teil des Mülls täglich zwecks Entsorgung in die DDR gebracht wird und dass Berlin nicht unerheblich mit Produkten aus der DDR versorgt wird. Und dass wirtschaftliche Kontakte (Ein- und Verkauf) zwar kompliziert in der bürokratischen Abwicklung, aber keinesfalls ungewöhnlich waren. Und dass es eben keine hermetische Grenze gab.
    Berufliche Kontakte hatte ich ohnehin.

    Und nach der Wende hatte ich beruflich viel mit Menschen aus der ehem. DDR zu tun. Dabei habe ich sehr viele tolle Leute kennengelernt, fachlich und menschlich. Na ja, einige dieser Menschen -die schlechte Erfahrungen gemacht hatten- fanden, dass ich kein Besser- sondern ein sehr netter Wessi sei.
    btw: "Wessi" war in Westberlin eine eher herablassende Bezeichnung für Westdeutsche, also BRD-Bürger; wir sind schließlich auch nach Wessiland gefahren. Nach der Wende sollten wir coolen Westberliner plötzlich auch "Wessis" sein?! Nö, so habe ich mich jedenfalls nie gefühlt!

    Ich war auch heilfroh, dass mir niemand erzählen wollte, dass alles, was ich jahrzehntelang gelernt, gearbeitet, gemacht und gedacht habe, plötzlich Schrott ist. Ich war heilfroh, dass ich mich nicht plötzlich in ein neues Wirtschafts- und Gesellschaftssystem einarbeiten mußte. Und es kann ja wohl nicht so schwer sein, die Lebensleistung anderer Menschen anzuerkennen.

    Im Rahmen meiner Tätigkeit damals bin ich übrigens auch häufiger auf Spuren westdeutscher Glücksritter gestoßen, die im Westen beruflich wenig Erfolg hatten und nach der Wende plötzlich als Goldgräber in die neuen Länder einfielen. Wenig Leistung, hohe Honorare. Furchtbar. Zum Fremdschämen. Zum Glück hatte ich einen Chef, der -als Wessi- rigoros die höchstmögliche Schadensbegrenzung betrieben hat.

    Durch meine beruflichen Kontakte mit Bürgern der ehem. DDR haben sich einige private Freundschaften ergeben, die bis heute mein Leben bereichern.

    Und ehrlich gesagt: mir ist seit der Wende völlig wurscht, wo jemand geboren wurde, aufgewachsen ist und gearbeitet hat.
    Menschen, die ich großartig finde, die ich mag, die ich nicht mag, die mir gleichgültig sind, die mir gestohlen bleiben können: die kommen von überall her.

    Ach - im Rahmen höflicher Umgangsformen versuche auch ich als quasi-Wessi, ein ehrlicher Mensch zu sein!

    Und zum Schluß ein an 'meine' Gruppen-Frauen aus Ost und West und Nord und Süd!
    life is all about
    finding people who
    are your kind of
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  4. Avatar von Uni-Corn
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    AW: Ossis im Westen - Wie ist es Euch ergangen?

    Zitat Zitat von Admaro Beitrag anzeigen

    Wenn ich dich mal aufklären darf: die emanzipierte Frau hat ihren Ursprung nicht im Osten. Im Osten hat man den Mann nur so tief gestapelt, dass die Frau glatt über ihn drüber stieg. Die SED ging sogar soweit, dass Scheidungen aufgrund der nach Eheschließung erworbenen höheren Bildung der Frau möglich waren.

    Dies ist eine Pseudo-Emanzipation gewesen. Denn die Frauen auf westlicher Seite sind dafür auf die Straße gegangen, den Ostfrauen hat der Staat den Weg geebnet. Es ist also keine Errungenschaft aus persönlich motivierter Unzufriedenheit.

    Diese immer wieder zu hörende Arroganz einiger Ostfrauen, auch hier in der Bri, ob ihrer angeblichen Überlegenheit gegenüber Westfrauen, lässt mich jedes mal wütend werden.
    Besten Dank für die "Erklärbar"Einheit, da gebe ich den "Schmarrn" Zettel mal gleich zurück,...

    Die Wurzeln der Emanzipation liegen Ende des 19./Anfang des 20. Jh. ....als das Wahlrecht für Frauen durchgesetzt wurde und die ersten Frauen an Universitäten studierten. Dass die Berufstätigkeit der Frauen in der DDR so normal war, lag zum einen an den niedrigen Löhnen, die Männer verdienten extrem wenig. Dann der Bedarf an Arbeitskräften nach dem 2.Weltkrieg, in der BRD ging man den Weg der Gastarbeiter aus Italien, Griechenland und später der Türkei. In der DDR nahm man zuerst die Frauen. Später (zu Beginn der 80er) gab es dann auch die Vertragsarbeiter aus Vietnam, Angola und Moçambique. Dazu installierte man ein Kinderbetreuungssystem mit Tages-und Wochenkrippen, Kindergärten und später dem Schulhort plus den ideologischen Instrumenten Pioniere und FDJ.
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  5. Avatar von Mediterraneee
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    AW: Ossis im Westen - Wie ist es Euch ergangen?

    Zitat Zitat von Uni-Corn Beitrag anzeigen

    Wir ostgeprägten Kinder waren das, was wir waren. Nicht mehr und nicht weniger. Man schaute auf das, was derjenige kann und ist, weniger, was er HAT und darstellt.
    Und ich westgeprägtes Kind (Jg. 68) kenne das auch nicht anders. Das Umfeld, in dem ich aufwuchs, scherte sich nicht um Besitztümer oder Status. Mir geht es mächtig auf den Keks, dass mancher auch nach 30 Jahren immer noch die alten Klischees fährt von wegen Wessis sind karrieregeil, oberflächlich und raffgierig. Die Ossis, mit denen ich zu tun habe (ich bin beruflich viel im Osten unterwegs), haben zum Glück kein solches Klischeedenken.
    Manche Menschen leben so vorsichtig, die sterben wie neu.


  6. Avatar von Sentenza_
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    AW: Ossis im Westen - Wie ist es Euch ergangen?

    Med, sowas Borniertes spricht doch für sich.
    Never argue with idiots. They drag you down to their level and beat you with experience.

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  7. Avatar von PinkPoodle
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    AW: Ossis im Westen - Wie ist es Euch ergangen?

    Ich bin auch in den Westen gezogen. Ich habe es im Osten nicht mehr ausgehalten, mein Umfeld war da auch irgendwie schlimm. Das schimpfen auf die Wessis, das ewige unzufriedene. Als ich dann meinen Umzug mitteilte, hat man mir einen Vogel gezeigt. Ich wäre auch ganz schnell zurück, da man es ja bei den Wessis kaum aushält. Ich halte es hier vorzüglich aus. Ich habe diesen Umzug nie bereut.

  8. Moderation Avatar von maryquitecontrary
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    AW: Ossis im Westen - Wie ist es Euch ergangen?

    Ich bin gerade auch etwas geplättet von der geballten Menge an Vorurteilen und Generalisierungen, die du hier auffährst @Uni Corn.

    Das reißt der Bourdieu dann auch nicht mehr raus...
    that was the river - this is the sea


    Moderation im Forum "Persönlichkeit"


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    AW: Ossis im Westen - Wie ist es Euch ergangen?

    Die von Ullala genannten Einzelheiten hätten aber jedem Wessi bekannt sein können, wenn er sich ein bisschen interessiert hätte.
    Mir war das durchaus bekannt, es gab ja genügend Berichte darüber im TV und in der Presse. Lange vor dem Mauerfall.

  10. Avatar von Sentenza_
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    AW: Ossis im Westen - Wie ist es Euch ergangen?

    Eben. Mir ist das alles nicht neu. Ich sah etliche Sendungen im Fernsehen, und ich erfuhr gleich Anfang 1990 von drei zugezogenen neuen Nachbarn im Haus deren persönliche Geschichten. Wir waren am Ende befreundet. Es waren drei junge Männer.

    Einen von ihnen fand ich morgens bewusstlos hinter seiner Couch, die Wohnungstür hatte offen gestanden. Ich rief den Notarzt, er, der Junge, kam - warum auch immer - schlussendlich in die Psychatrie. Das Krankenhaus hatte seine Mutter angerufen, die kam so schnell sie konnte, und ich hab sie für zwei Wochen bei mir einquartiert. Die Sache ging traurig zu Ende, der Kontakt mit der Mutter schlief darüber ein.

    In dem Zusammenhang ist mir ein Abend mit ihr vor dem Fernseher lustig in Erinnerung. Ich musste ins Bad, hörte dann im Wohnzimmer das Telefon schellen. Okay, soll er/sie eben noch mal anrufen. Dann aber klopfte Mutter in heller Aufregung an die Tür: "Beeilung, nu beeilnse sich doch, es ruft, es ruft!

    Jou, lass ma rufen.
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    ®.seit 20.09.2001
    Geändert von Sentenza_ (21.09.2019 um 13:32 Uhr) Grund: + der Junge

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