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    AW: Ossis im Westen - Wie ist es Euch ergangen?

    Zitat Zitat von Uni-Corn Beitrag anzeigen
    Ich bin in Sachsen geboren, mit 13 musste ich mit meinen Eltern in ein Dorf im Spreewald umziehen. Dort hatte jeder Land ums Haus. Meine Eltern etwa 9000m2. Wir produzierten Spargel, Honig, Erdbeeren, Kaninchen, Hühner, Enten und Eier nebenbei. Nachbarn hatten einige Schweine im Stall, ein anderer Rinder, meist Mastbullen. Alles, was man nicht selbst brauchte, wurde verkauft. Wenn der Nachbar schlachtete, ein Schwein zB, gab es Grützwurst, Wurstbrühe uä für alle Nachbarn... Es waren keine Bauernhöfe im eigentlichen Sinn...
    Das ist interessant.....denn:

    Das ist ja genau das, was ich mir als Kind unter einem Bauernhof so vorgestellt habe, für ein Stadtkind ist das auch nicht weiter ungewöhnlich.

    Bei der Aussage, in der DDR seien Bauernhöfe in Privatbesitz verboten gewesen, stellt man sich als Stadtkind natürlich vor, dass genau das was Du oben beschreibst verboten war.

    Ist dann im Schulunterricht vielleicht auch etwas unglücklich dargestellt.


    Sugarnova:
    (Wobei es im Westen natürlich auch nicht ideal war - da waren es die Eltern, die sehr guten Mädchen noch verbieten konnten, aufs Gymi zu gehen. Unfassbar, sowas.)
    Das ist doch heute noch so. Mit 10 oder 12 (je nach Bundesland) wechselt man von der Grundschule auf die weiterführende Schule - welche, das können die Eltern weitgehend diktatorisch bestimmen, wenn sie denn wollen.

    Ein Grundschulkind mit nur Einsern auf die Hauptschule schicken mag zwar unüblich sein (und erst recht ist es unüblich mit der Begründung "die heiratet ja sowieso"), aber natürlich KÖNNEN die Eltern das noch immer.

  2. Avatar von Uni-Corn
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    AW: Ossis im Westen - Wie ist es Euch ergangen?

    Zitat Zitat von Saetien2 Beitrag anzeigen
    Das ist interessant.....denn:

    Das ist ja genau das, was ich mir als Kind unter einem Bauernhof so vorgestellt habe, für ein Stadtkind ist das auch nicht weiter ungewöhnlich.

    Bei der Aussage, in der DDR seien Bauernhöfe in Privatbesitz verboten gewesen, stellt man sich als Stadtkind natürlich vor, dass genau das was Du oben beschreibst verboten war.

    Ist dann im Schulunterricht vielleicht auch etwas unglücklich dargestellt.

    .
    Der "Bauernhof" war vor dem 2.Weltkrieg tatsächlich einer, so ne Art kleiner Gutshof, mit Toreinfahrt, Wohngebäude , Ausgedinge , Stallungen und Scheune, hinter der Scheune der Hausgarten, der die 9000m2 erfasste, dazu gehörten diverse Acker-, Wald und Wiesenflächen, ziemlich viele Hektar.
    In den 50er Jahren wurden dann LPG s gegründet und die ehemals privaten Betriebe wurden zusammengefasst, ähnlich der russischen Kolchosen.

    Landwirtschaft in der DDR – Wikipedia

    Meine Großmutter führte den Hof teilweise bis Anfang der 70er, das lief quasi parallel, sie waren in der LPG, haben eine kleine Landwirtschaft nebenbei gehabt. Dann hatte meine Großmutter einen üblen Unfall, die Pferde gingen durch, während sie oben auf dem Heufuhrwerk stand und stapelte, dabei zertrümmerte ihr der Wagen ein Bein und der Hof wurde stillgelegt, das Großvieh ging weg, die restlichen Flächen wurden verpachtet (an die LPG), 1979 zogen wir dorthin, (mit 13 ein gruseliger Kulturschock- ich war Stadtkind) und dann ging das Bauernleben vor und nach der Schule los,morgens um 5 ernten, dann schnell waschen und zur Schule, nach der Schule wieder auf den Acker....Das Wort Freizeit kannte ich nicht, den Sinn von "Hobby als: etwas tun, was Spaß macht" hatte ich erst mit 19 im Studium live.

    Nach dem Studium ging ich 86 nach Berlin und lebte dort im (für mich) Paradies, Unsere erste eigene Wohnung war Vollkomfort, d.h. wir hatten heißes Wasser aus der Wand, jederzeit war Baden möglich und Wäsche wurde per Maschine gewaschen. Dazu Zentralheizung, allerdings ohne Balkon, den gabs erst 1989, als wir eine 3 Zi Whg bekamen.....Unsre 2 Zi Whg kostete war 89 DDR Mark, 56m2, mein Gehalt waren 571 netto, mein Mann bekam etwas mehr, damit konnte man recht normal leben. So Dinge wie Reisen, Essen gehen, Westklamotten u.ä. ging halt nicht....Aber die Grundbedürfnisse, warme Wohnung mit Wasser aus Wand, satt zu essen, warme Kleidung konnte man sich gut erfüllen.

    (Auf dem Dorf hatten wir Öfen, Wasser gab es nur mit Anheizen des Badeofens und zum Wäsche waschen sammelten wir Regenwasser, Trinkwasser kam per Tank, unser Grundwasser war nicht trinkbar, weil zu verschmutzt)

    Dazu kam, dass in Berlin die Versorgung viel besser war, Bananen z.B. hatten wir immer, auch so Dinge wie Kinderkleidung u.ä. gab es ausreichend. Dazu nähte und strickte jeder selbst.

    Den ideologischen Mist(Versammlung/Mai Demo) hat man halt mitgemacht, ich habe mich mit 18 allerdings gegen den Eintritt in die SED gewehrt. Fand meine Schwiegerfamilie semitoll....
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  3. Avatar von Uni-Corn
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    AW: Ossis im Westen - Wie ist es Euch ergangen?

    Zitat Zitat von Saetien2 Beitrag anzeigen

    Das ist doch heute noch so. Mit 10 oder 12 (je nach Bundesland) wechselt man von der Grundschule auf die weiterführende Schule - welche, das können die Eltern weitgehend diktatorisch bestimmen, wenn sie denn wollen.

    Ein Grundschulkind mit nur Einsern auf die Hauptschule schicken mag zwar unüblich sein (und erst recht ist es unüblich mit der Begründung "die heiratet ja sowieso"), aber natürlich KÖNNEN die Eltern das noch immer.
    Da unser heutiges Schulsystem in Maßen durchlässig ist (leider mehr nach unten als nach oben), geht Abi auch als Erwachsener und Studium jederzeit. Das "Mädchen heiratet sowieso" Denkmodell sollte spätestens nach der Reform der UH Gesetzgebung nach Scheidung Geschichte sein.

    Wir (meine Schwester und ich) sind mit dem Spruch meiner Uroma mütterlicherseits großgeworden, "Mädel lernt nen ordentlichen Beruf, mit dem Ihr Euch und Eure Kinder allein durchbringen könnt".

    Meine Uroma war Jahrgang 1896, überlebte zwei Weltkriege und die Vertreibung mit Enkel 1(meine Mutter war 10 Wochen alt, als es auf den Treck ging), später wurde der Mann verschüttet im Bergbau, sie zog meine Mutter allein groß, weil meine Großmutter 1957 abhaute und das Kind im Stich ließ, bis in ihre 70er Jahre besserte sie die Familienkasse mit Pilzen und Beeren sammeln auf, ging zu Beginn der 80er in den Westen und kam 8 Jahre später mit 92 zurück in die DDR, weil sie ihr Urenkelkind (meine Tochter) öfter als 1x/Jahr sehen wollte und verstarb mit 95 Jahren (2 Monate vorher war sie noch beim Spargelstechen aktiv)
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  4. Avatar von Sugarnova
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    AW: Ossis im Westen - Wie ist es Euch ergangen?

    Zitat Zitat von Saetien2 Beitrag anzeigen
    Das ist doch heute noch so. Mit 10 oder 12 (je nach Bundesland) wechselt man von der Grundschule auf die weiterführende Schule - welche, das können die Eltern weitgehend diktatorisch bestimmen, wenn sie denn wollen.

    Ein Grundschulkind mit nur Einsern auf die Hauptschule schicken mag zwar unüblich sein (und erst recht ist es unüblich mit der Begründung "die heiratet ja sowieso"), aber natürlich KÖNNEN die Eltern das noch immer.
    Jau, "normal" sollte es sein, dass sich die Eltern "nach oben" orientieren. Bzw. ihrem Kind alle Chancen ermöglichen wollen.
    Und eigentlich ist es einem Staat am zuträglichsten, wenn die hellsten Köpfe gefördert werden. Und nicht die angepassten (Eltern). Oder wohlhabendsten.

    (Klar, den zweiten Bildungsweg gibts auch ....)

    Egal, ob es ein System oder die Erzeuger sind - einem Kind die Chancen zu verbauen - geht einfach gar nicht.

  5. Avatar von fritzi72
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    AW: Ossis im Westen - Wie ist es Euch ergangen?

    Zitat Zitat von Sugarnova Beitrag anzeigen
    Gerne mehr Tipps.

    (Die Verfilmung steht auch auf meiner Liste. Hab ich wirklich noch nie gesehen, nicht mal im TV.)
    Brigitte Reimann, von ihr würde ich die Tagebücher empfehlen
    Anna Seghers, „Das 7. Kreuz“
    Erich Loest, „Nicolaikirche“ als DEN Wende-Roman fand ich nicht so gut, wie andere Bücher. Besonders gefallen hat mir „Zwiebelmuster“
    Christa Wolf, aber sie wurde im Westen ja auch gelesen.

    nur als das, was mir auf die Schnelle einfällt.

    Vielleicht können die im Osten Grossgewordenen mehr Tipps beisteuern, ich habe viel selbst noch nicht gelesen und kann daher bei vielem nicht sagen, ob es sich lohnt (z.B. Strittmatter).

    Ost-Filme, die sehenswert sind:
    - Die Spur der Steine (wurde kurz nach der Urauffühung verboten)
    - Das Kanninchen bin ich (erschien 1965, wurde dann aber verboten)
    - Die Legende von Paul und Paula,

    aber auch da können andere wahrscheinlich noch mehr beisteuern.
    Wenn mich die weltpolitische Lage deprimiert, denke ich an die Ankunftshalle in Heathrow. Es wird immer behauptet, wir leben in einer Welt von Hass und Habgier, aber das stimmt nicht. Mir scheint wir sind überall von Liebe umgeben. Oft ist sie weder besonders glanzvoll noch spektakulär, aber sie ist da. Väter&Söhne, Mütter&Töchter, Ehepaare, Verliebte, alte Freunde.
    Ich glaube, wer darauf achtet, wird feststellen können, dass Liebe tatsächlich überall zu finden ist

    Intro "Tatsächlich Liebe"

  6. Avatar von Uni-Corn
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    AW: Ossis im Westen - Wie ist es Euch ergangen?

    Sehr bewegend fand ich "Meine ungeborenen Kinder" von Christine Wogitzki.
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  7. Avatar von animosa
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    AW: Ossis im Westen - Wie ist es Euch ergangen?

    Zitat Zitat von Uni-Corn Beitrag anzeigen


    1979 zogen wir dorthin, (mit 13 ein gruseliger Kulturschock- ich war Stadtkind) und dann ging das Bauernleben vor und nach der Schule los,morgens um 5 ernten, dann schnell waschen und zur Schule, nach der Schule wieder auf den Acker....Das Wort Freizeit kannte ich nicht, den Sinn von "Hobby als: etwas tun, was Spaß macht" hatte ich erst mit 19 im Studium live.

    Nach dem Studium ging ich 86 nach Berlin und lebte dort im (für mich) Paradies, selbst.

    ...Den ideologischen Mist(Versammlung/Mai Demo) hat man halt mitgemacht, ich habe mich mit 18 allerdings gegen den Eintritt in die SED gewehrt. .
    Das ist ja auch ein heftiger Lebenslauf.

    Mit 13… mitten in der Pubertät?
    Da hast du ja ganz schön was durchgemacht. Da kann man mal sehen, wie unterschiedlich wir auch in der DDR aufgewachsen sind.

    Ich hatte Verwandte auf dem Land. Meine Großeltern und die Schwester meines Vaters lebten dort. Daher kenne ich das auch alles. Die hatten auch Tiere. Und natürlich alle einen Job auf der LPG. Meine Cousinen mussten auch mitarbeiten morgens vor der Schule und nach der Schule, genauso wie du es beschreibst. Aber ich muss sagen, die sind wohl geraten und fleißig bis heute. Die haben richtig was aus ihrem Leben gemacht. Das hat also nichts geschadet scheinbar. Der Familienzusammenhalt ist auch groß bei denen. Das ist richtig beneidenswert.

    Die eine Cousine hat mit ihrem Mann eine eigene Baufirma gehabt. Die beiden sind Bauingenieure. Ihre Kinder haben studiert Psychologie und sonst was noch mit Doktortitel. Aber die haben nicht annähernd so etwas auf die Beine gestellt bekommen. Die leben vom Geld der Eltern, überspitzt ausgedrückt. Zumindest arbeiten sie nicht in diesen Berufen, die sie studiert haben. Das scheint beschwerlich zu sein. Da merkt man schon: eine andere Generation. Die Eltern haben denen ja schon im Studium eine Eigentumswohnung zukommen lassen. Das ist wahrscheinlich auch nicht gerade der richtige Weg. Letztlich wissen die Kinder ja nicht, wie sich das Geld erarbeitet.

  8. Avatar von Uni-Corn
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    AW: Ossis im Westen - Wie ist es Euch ergangen?

    Zitat Zitat von animosa Beitrag anzeigen
    Das ist ja auch ein heftiger Lebenslauf.

    Mit 13… mitten in der Pubertät?
    Da hast du ja ganz schön was durchgemacht. Da kann man mal sehen, wie unterschiedlich wir auch in der DDR aufgewachsen sind.
    Ich zog daraus eine ungeheure Motivation, wegzuwollen , gute Noten und weit weg zum Studium war meine Strategie....Hat ja geklappt..

    Und unsere beiden Beispiele beweisen, es gab nicht DIE DDR Biografie.
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  9. Avatar von animosa
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    AW: Ossis im Westen - Wie ist es Euch ergangen?

    Zitat Zitat von Uni-Corn Beitrag anzeigen

    Und unsere beiden Beispiele beweisen, es gab nicht DIE DDR Biografie.
    Ja, da hast du recht.

    Es ist sowieso sehr interessant, die Leute aufgewachsen sind und was sie daraus gemacht haben. Ich komme jedes Mal ins Grübeln.

    Es sind nicht die, denen es immer nur gut gehen, die wirklich etwas ihrem Leben gemacht haben. Das stelle ich immer wieder fest.
    Wir kommen zum Mond, aber nicht mehr an die Tür des Nachbarn.

  10. Avatar von animosa
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    AW: Ossis im Westen - Wie ist es Euch ergangen?

    Durch dieses Schreiben hier habe ich auch wieder einmal zurückgedacht. Man vergisst ja doch einiges.

    Ich bin zum Beispiel ein paar Mal gar nicht zur Wahl gegangen. So im Nachhinein denke ich, davor musste man damals auch Angst haben. Ich hatte aber keine Angst. Ich bin einfach nicht gegangen. Da kam dann der Chef des Betriebes und hat einem eine Standpauke gehalten. Natürlich vor versammelter Mannschaft. Sollte ja einschüchtern. Ich hab mich innerlich natürlich darüber lustig gemacht. Ich habe sowas immer nicht ernst genommen.

    Wie auch immer. Ich denke ich hatte großes Glück. Das hätte auch schief gehen können.

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