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  1. Registriert seit
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    AW: Ossis im Westen - Wie ist es Euch ergangen?

    Und wohl auch, auf welcher Seite man steht- meine älteren Geschwister haben in der ehemaligen DDR keinen Fuss auf die Erde bekommen, weil mein Vater Pfarrer war und sie nicht in der FDJ


  2. Registriert seit
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    AW: Ossis im Westen - Wie ist es Euch ergangen?

    Ich bin im Osten geboren und aufgewachsen und mit 17, das war 1999, allein nach München gezogen. Ich hatte nie Probleme wegen meiner Herkunft - dazu muss ich sagen, dass ich wohl relativ schnell mein (übles) Sächsisch abgelegt habe; jedenfalls waren nach ein paar Jahren neue Bekanntschaften/Kollegen erstaunt als ich sagte, dass ich aus dem Osten stamme.

    Inzwischen lebe ich länger in Bayern als ich im Osten je gelebt habe - ich sehe mich weißgott nicht mehr als Ossi. Hier im Ort, im Nürnberger Land, werde ich meiner Sprache nach eher noch immer nach Oberbayern geschoben. Aber auch das Fränkische breitet sich langsam in meinem Sprachgebrauch aus.

  3. Avatar von Uni-Corn
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    AW: Ossis im Westen - Wie ist es Euch ergangen?

    Da ich, geborenes Ossi Kind, schon vor der Wende in Berlin lebte, war mein "Kontakt zu Wessis" eher per Verwandtschaft erlebt. Da kamen von einer Tante, selbst nur Pflegehelferin böse Sprüche, dass "die Ossis" ihr die Arbeit weggenommen hätten. Die las wohl auch viel BILD.
    Für uns ging die Wende ziemlich unspektakulär vonstatten, ich bekam 1987 mit 22 (Studium war schon fertig) mein erstes Kind und wohnte wegen der günstigen Mieten weiter im Ostteil der Stadt.Anfangs fuhren wir zum "Shoppen" in den Westteil. Im Beruf erlebte ich massiv Besserwessis, wenn man da fachlich hinterfragte, war da wenig Basis im Verhältnis zu perfekter Performance. Und DA sehe ich immer noch einen Riesenunterschied. Die Exossis sind in Summe bescheidender, nehmen sich nicht so wichtig und performen meist nicht gut, das wirkt dann auch auf Job und Karriere.

    Meine Schwester (8 Jahre jünger als ich) ging Anfang der 90 ger nach Bayern, die hat das mit der perfekten Selbstdarstellung echt perfekt drauf, die stellt sich je nach Gegenüber als "dummes Blondchen" bis "Taffe Karierefrau" dar. Als ich das erste Mal , es muss so um 2000 gewesen sein, die Blondchen Nummer live miterlebte, war ich entsetzt. Sie grinste nur und meinte "Joa, mei, der wollte doch ne Frau, die zu ihm aufschaut". Auf die Art macht sie auch Karriere, sie schaut genau, was der Entscheider möchte und es klappt perfekt. Der Freundeskreis von ihr stammt zu 99% aus dem Osten, mit echten Westdeutschen gibt es kaum Kontakte, höchsten mit Kitamuttis meiner Nichte so loses Geplänkel.

    Vor gut 10 Jahren hatte ich (in Berlin) meine ersten Westchefs, da ich nicht bereit bin, mich zu verbiegen, ich liefere gute Arbeit und plustere weniger rum, ist es mit der "großen" Kariere nicht so recht vorangegangen. Wobei ich da auch nicht so wirklich hinwollte. Letztes Jahr habe ich dann die Branche und den Beruf gewechselt. Karriere ist mir mit Mitte 50 nicht so wichtig, ich leiste mir den Luxus, einen Job mit hohem Spaßfaktor zu haben.

    Mein Mann hat hingegen noch ne richtige Ossi Denke, er versteht nicht, warum ich mich wegen meiner Unzufriedenheit umorientieren wollte. Er meint immer "Sei doch zufrieden mit dem, was Du hast" Darin liegt glaub ich, das Problem der gescheiterten Ossis im Westen, uns wurde mehr Funktionieren als "nach Bedürfnissen und Wünschen schauen" anerzogen. Und diese Prägung legt meine Generation nicht mehr ab.

    Mein Sohn (geb.92) ist der einzige "echte Wessi" bei uns, der zog vor vier Jahren nach NRW, studiert dort und hat inzwischen auch Familie, die Ostprägung zeigt sich bei ihm darin, dass er sehr familienorientiert und ehrlich agiert. ER ist definitiv kein guter Performer. Zumindest nimmt ihn seine Schwiegerfamilie so wahr.

    Verrückterweise schließt sich hier wieder der Kreis, wir Schwiegerelternfamilien mögen uns sehr, wir machen 2x /Jahr Urlaub dort, es ist vollkommen egal, ob Ost oder Westherkunft. Ich hoffe, dass meine Enkel da nicht mehr sortieren werden.
    Einfach machen...wird gut

    Ich hol mir mein Spiel zurück!!!!!


  4. Registriert seit
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    AW: Ossis im Westen - Wie ist es Euch ergangen?

    Zitat Zitat von Uni-Corn Beitrag anzeigen

    Ich hoffe, dass meine Enkel da nicht mehr sortieren werden.
    Allgemein denke ich, glücklicherweise haben die jungen Leute so unter 35 mit dieser Ost-West-Denke nicht mehr groß was am Hut.
    Ende der 90-er hatte ich mal mitbekommen, wie Wessi-Mädchen im Urlaub (war eine ganze Clique dort) einen Jungen aus Görlitz gemobbt haben, nur weil er aus dem Osten kam. Der wusste nicht wie ihm geschah. Die waren so 14. Ich habe mich so geärgert über die blöden Weibsen. Keine Ahnung von nichts, aber so etwas.

    Ich finde gut, dass du es "performen" nennst. Früher hatte man dafür andere Begriffe, die eher negativ waren, aber genau diese Erfahrung habe ich auch gemacht. Kollegen von mir hatten sehr viel weniger Arbeitserfahrung und auch weniger drauf, aber verkaufen konnten die sich!!!! Inzwischen hat man das auch gelernt, auch wenn ich es heute weder brauche, noch wäre es nötig, aber man lernt ja dazu. Trotzdem habe ich mich immer gefragt wie es kommt, dass so etwas im Westen sozusagen angeboren zu sein schien (mit wenigen Ausnahmen) und wir im Osten eher so gekuschelt haben und einfach unseren Job gemacht.


  5. Registriert seit
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    AW: Ossis im Westen - Wie ist es Euch ergangen?

    Dass Leute aus dem Osten noch immer benachteiligt werden, ist leider noch immer gängige Praxis, auch wenn es viele bestreiten. Ich wohne im Thüringer Wald, bin aktuell auf der Jobsuche. Auch im 30km entfernten Oberfranken. Kürzlich meldete sich eine Zeitarbeitsfirma aus Bamberg bei mir, die jemanden für eine Stelle auf fränkischer Seite sucht. Nun, mit einer Berufsausbildung und Berufserfahrung wäre man ein Fall für Entgeldgruppe 4, was beim "Westtarif" 12,89€/h wären. Angeboten wurde mir mit dem Verweis, dass ich ja -so wörtlich- im Osten wohne, nur Entgeldgruppe 2 (angelerntes Personal) des Osttarifes für 9,76€/h. Was soll der Blödsinn ? 25% weniger Lohn als Zeitarbeiter vor Ort, weil ich in einem anderen Bundesland komme ? Und dafür auch noch täglich 150km fahren ? Nein danke...da bleibt mir ja nicht mehr übrig als mit dem ALG1.


  6. Registriert seit
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    AW: Ossis im Westen - Wie ist es Euch ergangen?

    Ich bin Wessi, kenne die DDR nur vom Hörensagen und der damals obligatorischen Klassenfahrt nach Berlin in Klasse 10 mit eintägigen Besuch in Berlin - Ost.
    Fühlte sich für mich wie eine Art "seltsames, anderes Land" an, so "unbunt", und es gelang mir nicht wirklich, die 20 Mark Umtausch loszuwerden. Unsere Lehrer wollten Theater vermeiden und sagten - kauft Essen und Trinken, nichts anderes. Es durfte ja nicht alles mit nach Berlin West genommen werden.
    Ging nicht, weil die Preise für Eis, Getränke (was 16jährige halt so essen) so niedrig waren. Wie meine Klassenkameradinnen gab ich fast alles für Schminkzeug aus, das war unproblematisch, und drückte mein restliches Geld einem Strassenverkäufer am Alexanderplatz in die Hand. Backfisch mit Remoulade. SAULECKER!

    Eine DDR Mark stopfte ich in meinen Strumpf, schmuggelte sie mit, als Andenken, und humpelte den Rest der Woche durch Berlin. Um uns müde zu kriegen hatten die Lehrer den Rückmarsch zur Jugendherberge in Kreuzberg zu Fuss angeordnet. Die Münze und mein Knöchel vertrugen sich nicht.
    Die Mauer fand ich schlimm. Ich hätte nicht in Berlin leben können, damals. Man darf Menschen nicht einsperren.

    Anfang 1990 wurde ich vom Fernmeldeamt zum Aufbau Ost geschickt. War eine seltsame Zeit, die Mauer weg, die Wiedervereinigung noch nicht da. Ich verstand mich gut mit meinen Kollegen, es gab viele Gleichaltrige, egal wohin ich kam. Und mit 20 findet man ja schnell Anschluß. Ich war wohl kein Besserwessi, ich wäre ohne die Kollegen verraten und verkauft gewesen, beruflich. Es gab schon große Unterschiede. Das ging schon mit Bezeichnungen wie Kaderakte los.

    Ich weiß aber, dass gerade die Bild und ähnliche Blätter die Anti Ossi Stimmung sehr schürten.

    Ich habe manchmal das Gefühl, viele Ostdeutsche vergessen oft, dass auch Deutschland West nicht überall gleich war. Ich komme aus einer strukturschwachen Gegend im Norden, damals wie heute sind die Löhne unterm Durchschnitt. Die von Werni genannten Tarife von 9 Euro etwas von einer Leihbude bekäme man hier auch, auch ohne Ossi Begründung.

    Vielleicht wurden uns im Westen mehr Ellenbogen anerzogen, das kann ich nicht beurteilen. Die Kollegen und der Betrieb spielten aber wohl tatsächlich in der DDR eine größere Rolle im Privatleben. Das würde ich vergleichen mit einem dörflichen Kleinbetrieb, genauso wie das andere Miteinander im Alltag. Ich habe bis auf wenige Ausnahmen immer sehr ländlich gewohnt, da ist es mit dem sozialen Miteinander auch noch anders als in Städten.

    Ich finde, in meiner Generation merkt man Ost West Unterschiede noch deutlich, für meine Töchter, geboren 1992 bis 2000, ist das ganz anders.

    Ich denke, es wird sich aus wachsen. Wobei ich sicher war, wenn meine Grosse erwachsen ist ist es kein Thema mehr.


  7. Registriert seit
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    AW: Ossis im Westen - Wie ist es Euch ergangen?

    Zitat Zitat von Werni Beitrag anzeigen
    Dass Leute aus dem Osten noch immer benachteiligt werden, ist leider noch immer gängige Praxis, auch wenn es viele bestreiten. Ich wohne im Thüringer Wald, bin aktuell auf der Jobsuche. Auch im 30km entfernten Oberfranken. Kürzlich meldete sich eine Zeitarbeitsfirma aus Bamberg bei mir, die jemanden für eine Stelle auf fränkischer Seite sucht. Nun, mit einer Berufsausbildung und Berufserfahrung wäre man ein Fall für Entgeldgruppe 4, was beim "Westtarif" 12,89€/h wären. Angeboten wurde mir mit dem Verweis, dass ich ja -so wörtlich- im Osten wohne, nur Entgeldgruppe 2 (angelerntes Personal) des Osttarifes für 9,76€/h. Was soll der Blödsinn ? 25% weniger Lohn als Zeitarbeiter vor Ort, weil ich in einem anderen Bundesland komme ? Und dafür auch noch täglich 150km fahren ? Nein danke...da bleibt mir ja nicht mehr übrig als mit dem ALG1.
    Das geht ja mal gar nicht. Das frustriert. Ich wusste nicht, dass man danach bezahlt wird wo man wohnt. Ich dachte es geht um Leistung.


  8. Registriert seit
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    AW: Ossis im Westen - Wie ist es Euch ergangen?

    Es gibt verschiedene Tarife in der Zeitarbeit, je nach Ort. Aber nicht nur da und nicht nur in der Zeitarbeit, auch in anderen Branchen ist das so.
    Übrigens nicht nur bei Ost und West.


  9. Registriert seit
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    AW: Ossis im Westen - Wie ist es Euch ergangen?

    Zitat Zitat von Sasapi Beitrag anzeigen

    Ich denke, es wird sich aus wachsen. Wobei ich sicher war, wenn meine Grosse erwachsen ist ist es kein Thema mehr.
    Ja so ist es und das ist gut so. Es soll auch so sein.
    Ich habe in Ostberlin gewohnt und die Mauer war immer dann so richtig gegenwärtig, wenn du in ihrer Nähe warst. Ich kann das Gefühl dazu heute kaum noch beschreiben. es war normal. Man hat wenig darüber nachgedacht was da drüben gerade so los war. So nah und gleichzeitig unerreichbar fern. Sehr speziell. Du warst dann ja in einer spannenden Zeit dort, oder? Da war ich schon lange weg.


  10. Registriert seit
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    AW: Ossis im Westen - Wie ist es Euch ergangen?

    Zitat Zitat von Sasapi Beitrag anzeigen

    Ich denke, es wird sich aus wachsen. Wobei ich sicher war, wenn meine Grosse erwachsen ist ist es kein Thema mehr.
    Ja so ist es und das ist gut so. Es soll auch so sein.
    Ich habe in Ostberlin gewohnt und die Mauer war immer dann so richtig gegenwärtig, wenn du in ihrer Nähe warst. Ich kann das Gefühl dazu heute kaum noch beschreiben. es war normal. Man hat wenig darüber nachgedacht was da drüben gerade so los war. So nah und gleichzeitig unerreichbar fern. Sehr speziell. Du warst dann ja in einer spannenden Zeit dort, oder? Da war ich schon lange weg.

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