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    AW: Ossis im Westen - Wie ist es Euch ergangen?

    Zitat Zitat von Mitternachtsblau Beitrag anzeigen
    Ja, so lief sowas damals. Kein betrüblicher Einzelfall.

    Aber mit dem Thema "Ossis im Westen" und ihrem Werdegang nach Mauerfall hat es nicht so wirklich was zu tun.
    Weisst du denn, wie es mit der beschriebenen Einrichtung nach '89 weiterging?
    Ich habe diese alten Beiträge nur eingestellt, um zu zeigen, dass nicht alle Westdeutschen Ignoranten waren.

    Die Hoffnungstaler Stiftung Lobetal zählt zum Verbund der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel.

    Die Umbenennung von Anstalt in Stiftung erfolgte vor etwa knapp 10 Jahren.

    Heute stehen in Lobetal rund 3.950 Plätze in der Altenhilfe, Behindertenhilfe, Hilfe für Menschen mit Epilepsie mit einer Epilepsieklinik, in der Suchtkrankenhilfe, in der ambulanten und stationären Hospizarbeit, in der Kinder- und Jugendhilfe, in Werkstätten für behinderte Menschen,


    Ergänzung
    Ich behaupte nicht, wirkliches DDR-Leben zu kennen, ich habe nur Ausschnitte davon in einem relativ geschützten Bereich erlebt. Dass bei den Mitarbeitern den ev. Einrichtungen IMs waren, habe ich dann später nur noch gerüchteweise erfahren, weil ich noch vor dem Mauerfall meinen Arbeitgeber gewechselt hatte, der keine DDR-Kontakte pflegte.
    Geändert von Opelius (22.09.2019 um 10:27 Uhr) Grund: Ergänzung
    Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

  2. Inaktiver User

    AW: Ossis im Westen - Wie ist es Euch ergangen?

    Ich habe die Stasi IM erwähnt, weil immer wieder so hervorgehoben wurde, wie ehrlich "Ossis " seien und wie oberflächlich und verlogen "Wessis " wären. Und dass man im Osten zusammen gehalten habe und sich unterstützt habe.

    In meinen Augen ist das Ostalgie und Geschichtsklitterung.

    Die Menschen dort waren und sind so gut und so schlecht wie anderswo. So opportunistisch und bestechlich wie anderswo und man arrangierte sich halt oder man hatte es sehr schwer.

    Wer das Spiel nicht mitspielen wollte, war sehr schnell raus aus der kuscheligen Ostbürgerlichkeit. Und angeblich beste Freunde berichteten nach oben.

    Man konnte sich sicher arrangieren, nicht jeder ist zum Widerstand geboren.

    Aber wenn manche so tun als ob im Osten die besseren Menschen gelebt hätten, ärgere ich mich tatsächlich.

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    AW: Ossis im Westen - Wie ist es Euch ergangen?

    Ganz meiner Meinung !
    Ich hab mich oft gefragt, was aus mir geworden wäre, wenn ich nicht als zehnjährige 1968 mit meiner Familie in den "Westen" gegangen wäre,- als Pfarrerskind !

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    AW: Ossis im Westen - Wie ist es Euch ergangen?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen

    Wir schickten zu Weihnachten auch Päckchen an die früheren Freunde meiner Mutter und versuchten, Wünsche zu erfüllen, was finanziell zum Teil sehr schwierig war, wenn man sich eine "echte Jeans" wünschte, während meine Mutter mich benähte, weil wir uns keine Kaufmode leisten konnten.

    .
    Ja, das war damals so, dass man darüber im Osten auch Anerkennung erlangte. Wenn man aus dem Westen etwas bekam, konnte man etwas vorweisen, man stellte etwas dar.

    Ich freute mich über alles, womit man mir eine Freude machen wollte. Überglücklich war ich über eine Hose in Jeansoptik, die mir eine Tante aus Hamburg schenkte. Die Reaktion meiner Bekannten: „Das ist ja gar keine echte Jeans!“ So war das.

    Ich bin heute noch so, dass mir Marken und Status egal sind. Ich freue mich einfach, wenn es jemand wirklich gut meint.

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    AW: Ossis im Westen - Wie ist es Euch ergangen?

    Nicht jeder konnte Abi machen. Gehörten die Eltern zur „Intelligenz“, hatte Kind verloren.

    Die Freundin meiner Schwester war hochbegabt, wollte Ärztin werden. No Chance im Osten! Krankenschwester lernte sie ...mehr ging nicht.

    Die Eltern waren religiös und der Vater war Künstler. Sie hat sechs Kinder. Je jünger ein Kind war, desto schlimmer waren die Zukunftschancen. Die Kinder waren alle sehr intelligent. Die älteren durften noch Abi machen und studieren. Aber die jüngeren nicht mehr. Es wurde von Jahr zu Jahr schlimmer in der DDR.
    Geändert von animosa (22.09.2019 um 22:41 Uhr)

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    AW: Ossis im Westen - Wie ist es Euch ergangen?

    Das mit sogenannten Jeans kenne ich.

    Die ganze Klasse, 7. oder 8. Schuljahr damals, trug welche. Ich nicht. Dann konnte sich meine Mutter endlich überwinden, und kam mit einem Teil an ... sowas kriegt man heute bei Atelier Goldener Schnitt oder Mutti-Moden.

    Die Bux hatte die Farbe einer hellblauen Jeans, dunkelblau hätte sie sein müssen, Lois oder Wrangler hätte drauf stehen müssen. Nix, keine Taschen auf dem Hintern, keine richtigen Nähte, von dem Knopf ganz zu schweigen. Ich war das Gespött der ganzen Klasse, und in dem Alter war mir das gar nicht egal.

    Ich musste die Hose tragen, bei meinen Eltern wurde nicht diskutiert. Also, hast mein größtes Verständnis. Ach so, der sogenannte "Clou" war ein blauweißrot gestreifter Stretchgürtel mit einer schäbbigen Schnalle.

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    AW: Ossis im Westen - Wie ist es Euch ergangen?

    In der DDR gab es gar keine Chancengleichheit. Alles war eine einzige Lüge. Mir war das sehr bewusst seit meiner Kindheit. Ich hasste den Staat und seine Medien. Ich hasste dies aus vollem Herzen. Wer weiß, wo ich gelandet wäre, wäre es nicht zu Ende gegangen mit dieser Diktatur.

    Ich hatte Glück!
    Nur die Ruhe ist die Quelle jeder großen Kraft.

  8. Inaktiver User

    AW: Ossis im Westen - Wie ist es Euch ergangen?

    OT:

    Ich war so froh, dass meine Mutter mich benäht hat! Vom äußeren Typ her war ich eher unrebellisch, daher passte die Mode, die sie nähte, ganz gut zu mir. Bis auf ...

    ... bis auf die Pseudojeans aus blauem Baumwollstoff: ohne doppelte Nähte, ohne Nieten ... FÜRCHTERLICH! (Ne, Sentenza)

    Aber das Abendkleid zum Abiturball war sehr hübsch. Oder gar ein Sommerhosenanzug. DER war toll. Aber da war ich schon fast erwachsen und hatte vielleicht schon so etwas wie einen eigenen Stil.

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    AW: Ossis im Westen - Wie ist es Euch ergangen?

    Ich sollte damals immer „Junge Welt“ lesen. Meine Eltern wollten, dass ich Zeitung lese.
    Aber schon die Schlagzeilen erzeugten bei mir Schüttelfrost. Ich konnte nicht verstehen, wie jemand überhaupt Zeitung lesen konnte im Osten. O. k. der Eulen-Spiegel war vielleicht noch tragbar. Meine Mutter hat auch den guten Rat gelesen. Ein paar Zeitschriften gab es, die ganz gut waren. Aber Tageszeitung - das ging gar nicht. Meiner Bildung war das nun wirklich nicht zuträglich.

    Da blieb schon einiges auf der Strecke. Ich rechne heute immer nach, wie alt jemand gewesen ist zur Wende und ob er noch jung genug war, um noch ordentliche Bildung erhalten zu haben. Ich denke dann so in die Richtung: Ach der war 14 als die Wende kam. Da war die Schulzeit ja auch schon fast zu Ende. Aber wenigstens konnte er sich beruflich noch voll und ganz auf die fortschrittliche Zeit einstellen.

  10. Inaktiver User

    AW: Ossis im Westen - Wie ist es Euch ergangen?

    Zitat Zitat von animosa Beitrag anzeigen
    In der DDR gab es gar keine Chancengleichheit. Alles war eine einzige Lüge.
    .. was du vermutlich nicht laut sagen durftest.

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