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    Neubeginn wagen bzw. wie erklären?

    Hallo zusammen,

    nachdem ich hier schon oft mal mitgelesen habe, habe ich mich jetzt endlich auch mal angemeldet und möchte euch direkt um euren Rat bitten - über eure Einschätzungen würde ich mich sehr freuen!

    Ich bin Mitte 30 und vor Kurzem zusammen mit meinem Freund wieder in meine Heimatstadt gezogen, nachdem ich davor seit meinem 19. Lebensjahr an verschiedenen Orten gelebt habe. Ich merke nun (nach circa einem Jahr in meiner Heimatstadt) immer mehr, dass es hier nicht weiter geht, ich fühle mich so schlecht hier, finde irgendwie keinen Anschluss, ziehe mich zurück - im Grunde geht es mir so schlecht wie seit Langem nicht mehr. Das liegt vielleicht auch daran, dass ich in dieser Stadt damals mehrfach vergewaltigt/missbraucht worden bin und der Täter noch hier lebt (wir haben natürlich keinen Kontakt, aber ich weiß, dass er hier ist und das reicht mir schon). Ich war lange in Therapie, habe ziemlich schlimme Zeiten hinter mir, aber habe das alles mittlerweile eigentlich einigermaßen aufgearbeitet. Nur kommt jetzt alles wieder hoch, die ganzen Symptome kommen auch wieder und mir geht es richtig schlecht....

    Mein Freund hat hier beruflich seine Erfüllung gefunden, außerdem sind wir erst vor Kurzem in eine neue Wohnung gezogen. Er wäre nicht bereit, nochmal umzuziehen. Außerdem leben meine Eltern hier, die ich - weil sie beide gesundheitlich angeschlagen sind - unterstütze. Ich fühle, dass ich weg muss, weil es hier nicht gut werden kann, habe an sich auch keine Angst davor, den Schritt zu gehen (weil alles besser ist als das), aber traue mich nicht, es meinem Freund und meinen Eltern mitzuteilen, weil sie enttäuscht von mir wären und mir sowieso immer vorgeworfen wird, mich nicht festlegen zu können (was aber auch an meiner Vergangenheit liegt, von der nur meine Therapeutin und meine beste Freundin weiß).

    Da mir mein jetziger Job ohnehin nicht sehr am Herzen liegt, habe ich mich spontan für einen tollen Job an dem Ort beworben, an dem ich zuletzt gelebt habe (dort ging es mir viel besser) und auch eine Zusage erhalten. Davon weiß nur meine beste Freundin... ich würde so gerne alles (auch die Erinnerungen an den Missbrauch, die hier wieder hochkommen) hinter mir lassen und nochmal von vorne beginnen... aber ich möchte auch niemanden enttäuschen bzw. wüsste nicht, wie ich das alles erklären sollte.

    Was würdet ihr mir raten/was würdet ihr tun?

    Ich würde mich sehr freuen, wenn ich ein paar Ratschläge/Einschätzungen bekommen könnte und danke euch schon im Voraus!

    Liebe Grüße,
    Blila

  2. Inaktiver User

    AW: Neubeginn wagen bzw. wie erklären?

    Zitat Zitat von Blila Beitrag anzeigen
    Hallo zusammen
    willkommen in der bri

    aber ich möchte auch niemanden enttäuschen bzw. wüsste nicht, wie ich das alles erklären sollte.a
    du solltest vor allem eins: DEIN leben so gestalten, wie es für dich das beste ist.

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    AW: Neubeginn wagen bzw. wie erklären?

    Blila, es ist dein Leben!
    Erklär deinen Eltern warum du gehen musst.
    Eltern wollen, dass es ihrem Kind gut geht.
    Und wenn dein Freund dich wirklich liebt, wird er das auch wollen.
    Alles wandelt sich. Neu beginnen
    Kannst du mit dem letzten Atemzug. (B.Brecht)

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    AW: Neubeginn wagen bzw. wie erklären?

    Du wirst schon Farbe bekennen müssen, "ich fühle mich nicht wohl in dieser Stadt, der Umzug hierhin war ein großer Fehler."

    Aber bereite dich darauf vor, dass dein Freund sagt, "und das weißt du jetzt? Wieso bist du mit mir erst kürzlich in die neue Wohnung eingezogen?" Berechtigte Frage....
    Moderatorin im Forum

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    Reine Familiensache

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    AW: Neubeginn wagen bzw. wie erklären?

    Habe ich das richtig verstanden, deine Eltern und dein Freund wissen nichts von dem sexuellen Mißbrauch?
    Ich bin eine Raupe und du ein Reh. Doch ich werd ein Schmetterling und du wirst Filet.

    Die Sache mit dem streiten ist die, wenn man etwas zurückhält, arbeitet es auf lange Sicht gegen euch (Dalai Lama)

    Wenn du jemand anderem vergibst, dann tust du dies deinetwegen, nicht weil der andere das verdient. (Doris Wolf, Psychotherapeutin)


  6. Inaktiver User

    AW: Neubeginn wagen bzw. wie erklären?

    Das ist jetzt nur eine vorsichtige Nachfrage: bist du dir sicher, dass es am Ort liegt?

    Du schleppst eine Vergangenheit mit dir herum, von der deine Nächsten und Liebsten nichts wissen. Vielleicht ist das für dich der richtige Weg, aber ich wäre mir nicht sicher, ob dein Unglücklichsein tatsächlich mit einem Ortswechsel behoben wäre.

    Nur als Überlegung.

  7. User Info Menu

    AW: Neubeginn wagen bzw. wie erklären?

    Am besten mit der Wahrheit erklären. Wenn du fadenscheinige Erklärungen abgibst, wird dir keiner glauben und deine genannten Gründe nicht ernst nehmen. Was du letztendlich mit der Erklärung erreichen willst, weißt nur du, wenn du nicht die Wahrheit sagst.
    Ich bin eine Raupe und du ein Reh. Doch ich werd ein Schmetterling und du wirst Filet.

    Die Sache mit dem streiten ist die, wenn man etwas zurückhält, arbeitet es auf lange Sicht gegen euch (Dalai Lama)

    Wenn du jemand anderem vergibst, dann tust du dies deinetwegen, nicht weil der andere das verdient. (Doris Wolf, Psychotherapeutin)


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    AW: Neubeginn wagen bzw. wie erklären?

    Zunächst einmal vielen, vielen Dank für eure schnellen Antworten!!

    Habe ich das richtig verstanden, deine Eltern und dein Freund wissen nichts von dem sexuellen Mißbrauch?
    Ja, hast du... mir ist bewusst, dass ich es erzählen (und damit auch Farbe bekennen) sollte, auch um den Wunsch nach einem Neubeginn erklären zu können. Das Problem ist nur, dass ich mich schäme... und ich habe auch früher nichts erzählt, weil ich meine Eltern nicht belasten wollte. Sie wissen, dass ich Probleme habe und es mir oft schlecht ging, aber nichts vom Missbrauch. Und ich habe wahnsinnige Angst davor, es zu erzählen.

    Das ist jetzt nur eine vorsichtige Nachfrage: bist du dir sicher, dass es am Ort liegt?

    Du schleppst eine Vergangenheit mit dir herum, von der deine Nächsten und Liebsten nichts wissen. Vielleicht ist das für dich der richtige Weg, aber ich wäre mir nicht sicher, ob dein Unglücklichsein tatsächlich mit einem Ortswechsel behoben wäre.
    Danke, Cariad, für deine Überlegung. Ja, mein Unglücklichsein wäre damit wahrscheinlich nicht behoben, aber darum geht es mir nicht in erster Linie. Es geht mir darum, dass die Symptome (SVV und anderes) wieder da sind, seit ich wieder in dieser Stadt bin. Mich triggert hier leider einiges und das ist zu schlimm für mich (auch die Tatsache, dass der Täter hier ist)...

    Aber bereite dich darauf vor, dass dein Freund sagt, "und das weißt du jetzt? Wieso bist du mit mir erst kürzlich in die neue Wohnung eingezogen?" Berechtigte Frage....
    Ja, ich weiß, dass diese Frage berechtigt ist - der Ortswechsel entstand hauptsächlich deshalb, weil mein Freund auch aus der Nähe ist und hier ein tolles Jobangebot bekommen hat... außerdem geht es meinen Eltern schon seit Längerem schlecht, ich wollte sie unterstützen und dachte, dass ich es schaffen könnte, aber merke jetzt, dass das nicht geht bzw. ich dann selbst zugrunde gehe... und das tut mir auch alles sehr leid, deshalb hadere ich ja auch die ganze Zeit mit mir selbst und weiß nicht, was ich machen soll (weiter probieren oder den neuen Job in der anderen Stadt annehmen).

    Danke euch allen!!

    Liebe Grüße,
    Blila

  9. User Info Menu

    AW: Neubeginn wagen bzw. wie erklären?

    Zitat Zitat von Blila Beitrag anzeigen
    Zunächst einmal vielen, vielen Dank für eure schnellen Antworten!!
    Ja, hast du... mir ist bewusst, dass ich es erzählen (und damit auch Farbe bekennen) sollte, auch um den Wunsch nach einem Neubeginn erklären zu können. Das Problem ist nur, dass ich mich schäme... und ich habe auch früher nichts erzählt, weil ich meine Eltern nicht belasten wollte. Sie wissen, dass ich Probleme habe und es mir oft schlecht ging, aber nichts vom Missbrauch. Und ich habe wahnsinnige Angst davor, es zu erzählen.
    Die Menschen um dich herum machen sich Gedanken und wollen dir möglicherweise helfen und wissen nicht, was los ist. Ich denke, es ist wichtig, dir selber darüber klar zu werden, warum du dich schämst. Wenn du dir darüber im Klaren bist, dann vergiß den Satz. Ist in der Therapie bestimmt ein Thema gewesen. Für das was dir passiert ist, brauchst du dich nicht zu schämen, das wirst du wissen. Es gibt in allen größeren Städten Einrichtungen für Opfer von Mißbrauch. Vielleicht wäre es für dich hilfreich, das Thema dort mit jemandem zu besprechen und es bring dir Klarheit wie du das Thema in der Familie ansprechen kannst und ob du weiter in der Stadt leben kannst.

    Das was dir passiert ist, bleibt immer ein Teil von dir, aber es wäre gut, wenn du so leben kannst, daß es dich am wenigstens berührt.
    Geändert von Klecksfisch (30.07.2019 um 17:06 Uhr)
    Ich bin eine Raupe und du ein Reh. Doch ich werd ein Schmetterling und du wirst Filet.

    Die Sache mit dem streiten ist die, wenn man etwas zurückhält, arbeitet es auf lange Sicht gegen euch (Dalai Lama)

    Wenn du jemand anderem vergibst, dann tust du dies deinetwegen, nicht weil der andere das verdient. (Doris Wolf, Psychotherapeutin)


  10. User Info Menu

    AW: Neubeginn wagen bzw. wie erklären?

    Danke auch dir, Klecksfisch!!

    Ich denke, es ist wichtig, dir selber darüber klar zu werden, warum du dich schämst. Wenn du dir darüber im Klaren bist, dann vergiß den Satz. Ist in der Therapie bestimmt ein Thema gewesen. Für das was dir passiert ist, brauchst du dich nicht zu schämen, das wirst du wissen. Es gibt in allen größeren Städten Einrichtungen für Opfer von Mißbrauch. Vielleicht wäre es für dich hilfreich, das Thema dort mit jemandem zu besprechen und es bring dir Klarheit wie du das Thema in der Familie ansprechen kannst und ob du weiter in der Stadt leben kannst.

    Ja, im Grunde ist mir klar, dass ich mich nicht schämen muss, wir haben das in der Therapie auch ausführlich besprochen/bearbeitet, aber es ist leider immer noch ein Thema für mich...

    Ich war sogar schon bei einer Beratungsstelle, um genau diese Frage des Wohnortes zu besprechen und dort wurde mir auch gesagt, dass es immer schwierig sei, an dem Ort, an dem es passiert ist (vor allem, wenn es mehrfach war) zu bleiben. Mir wurde also geraten, den Ort zu wechseln und ich bin mir im Grunde ja auch sicher, dass es nicht besser werden wird, wenn ich diesen Schritt nicht gehe.

    Nur fällt mir eben das Erzählen so schwer und ich kann ja auch nicht irgendwelche anderen Gründe erfinden... und vor allem möchte ich niemanden verletzen/enttäuschen/belasten, was ich dann ja zwangsläufig tun würde...

    Danke euch!!

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