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  1. Registriert seit
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    Zwischen Liebe und Heimat

    Hallo,
    bin vor gut einem Jahr aufgrund meiner jetzigen Beziehung von meinem Heimatort in eine Großstadt gut 450km weit weg gezogen. Die Entscheidung dazu fiel mir nicht leicht, ich wäre lieber in meinem Heimatort geblieben. Die Beziehung wäre jedoch definitiv in die Brüche gegangen, da nach 4 Jahren Fernbeziehung auch mal die Kraft ausgeht zu pendeln. Am Tag des Umzugs kam in mir dann doch die Freude auf und ich blickte zuversichtlich in die Zukunft.
    Jedoch bemerkte ich recht schnell, dass mir mein Heimatort, Familie und Freunde fehlen. Ich hatte es mir einfacher vorgestellt, neue Freunde und Kontakte zu knüpfen, die Wohnung war eine ständige Baustelle und der Alltag brachte seine Hürden, die es zu meistern gab.
    Doch unsere Beziehung ist nach wie vor stark und ich möchte ihn auf keinen Fall mehr missen. Auf der Arbeit sieht es leider anders aus. Meine Stelle hat sich als absoluten Mist entpuppt, die Kollegen sind zum grössten teil nicht an Kontakt interessiert, gegessen wird am Schreibtisch. Ich merkte wie ich langsam verkümmerte und plante in meinem Kopf jeden Tag meinen Umzug zurück in die Heimat. Da meine Stelle befristet war, war die Sache für mich klar. Danach wäre ich weg - mit oder ohne Freund. Ich kapselt mich ab und gab auch die Kontaktsuche auf.
    Nun merke ich dass ich mit der neuen Kultur und der Situation am Arbeitsplatz langsam zurechtkomme, mir wurde ein interner Stellenwechsel angeboten, der Kontakt zu den Kollegen hat sich verbessert. Womit ich nicht gerechnet hatte: mein Abreitsvertrag soll entfristet werden. Eigentlich ein Grund zur Freude. Eigentlich. Für mich kollidiert es jedoch mit meinem Plan. Ich besuche nach wie vor oft meine Heimat, halte Kontakt zu meinen besten Freunden aus Schulzeit und merke wie gut es mir gut. Ein Abschied von meiner Familie fällt mir jedes mal schwer und ich muss weinen. Die Wochen danach kämpfe ich mit starkem Heimweh. Ich habe vor gut 5 Jahren einen Suizid in meiner Familie erlebt, seither kämpfe ich mit Verlustängsten. Ich habe Angst dass meine Eltern sterben, bevor ich sie das nächste mal sehe und habe ständig das Gefühl, das ich wertvolle Lebenszeit mit ihnen verpasse. Ich bin noch jung (20), ich weiss auch das die Ängste übertrieben sind, dennoch lassen sie mich nicht los. Ich weiss einfach nicht was ich tun soll. Ich habe es bis jetzt nicht geschafft mich vollständig auf die neue Stadt einzulassen, ich renne mach wie vor mit Google Maps durch die Innenstadt (mein Orientierungsinn ist nicht der beste :-), auch wenn ich langsam Vorteile gegenüber meines bescheidenen Heimatortes feststelle. Ich bin hin und her gerissen. Auf der einen Seite möchte jede Faser in mir zurück in die Heimat, zurück ins gewohnte Umfeld was mir Sicherheit gibt. Auf der anderen Seite habe ich das Gefühl die Situation auf der Arbeit verbessert sich und ich taue langsam auf. Mein Freund hat eine super Stelle gute neue Kollegen gefunden mit denen er auch privat was unternehmen kann und ist nach wie vor in seinem Heimatort. Ich möchte ihm einen Umzug eigentlich nicht antun auch wenn er dazu bereit wäre, was ich sehr schätze. Ich weiss nicht ob ich etwas hinterher trauere was ich in der Art gar nicht mehr vorfinden werde. Geht es mir wirklich darum mehr Zeit mit meiner Familie zu verbringen oder geht es mir nur um die Möglichkeit dies im Einzelfall zu tun. Wäre ich wirklich glücklicher da?
    Leider ist mir in den letzten Monaten etwas bewusst geworden, was nun auch die Beziehung in Frage stellt. Wir haben uns während der Fernbeziehung immer unser Traumhaus, Hochzeit und Kinder ausgemalt. Ich merke jedoch je länger je mehr, dass sich meine Ansicht dazu geändert hat.
    Ich war noch nie der grosse hochzeitstyp, und je länger ich mich mit dem Thema Kinder befasse, desto mehr komme ich zum Entschluss, dass ich doch lieber unabhängig bleiben möchte. Ich habe eine vererbbare Hautkrankheit, mit welcher ich meine ganze Kindheit gelitten habe, das möchte ich meinen Kindern nicht antun.
    Mein Freund ist gute 4 Jahre älter wie ich, ich nehme an er kommt nun langsam in die Ankommen-wollen Phase, da er seit kurzer Zeit auch von Hauskauf redet. Es sind komplett verschiedene Lebensvorstellungen. Ich möchte ihn nicht verlieren, ich möchte ihm aber auch nicht seine Zeit 'verschwenden' was er im Nachhinein bereuen könnte.

    Ich befürchte die wenigsten haben bis hier gelesen. Ist länger geworden als gedacht :s Falls dennoch jemand Erfahrungen, wertvolle Tipps oder dergleichen hat - bin dankbar dafür. Falls nicht, war dieser Beitrag halt zum Zwecke der Selbsthilfe.

    Haltet die Ohren steif :)

  2. Moderation Avatar von Promethea71
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    AW: Zwischen Liebe und Heimat

    Die gute Nachricht: du wirst gerade erwachsen, dazu gehört sich vom Elternhaus abzunabeln, neue Kontakte zu knüpfen, sich selbst zu entdecken, zu lernen wer man ist, was man will und wie man leben will und das lernt man viel besser in einer neuen Umgebung. Daher mein dringender Rat, nimm die Entfristung an und sie was die Firma dir noch zu bieten hat und genieße dein Leben in deiner neuen Heimat - und fahr vielleicht etwas seltener nach Hause, sondern nutze die Wochenende für Aktivitäten in deiner neuen Heimat und zur Suche nach neuen Freunden.


    Das Thema Heirat, Kinder, Haus würde ich für mindestens zwei oder drei Jahre ruhen lassen und ob dein Freund und du auf Dauer miteinander könnt, könnt ihr erst beurteilen, wenn ihr beide wisst, wer ihr seid und was ihr wirklich im Leben wollt, dass kann sich auseinander entwickeln, das kann sich aber auch gemeinsam entwickeln.
    Man muss nicht über jedes Stöckchen springen ... jedenfalls nicht jeder.
    Freiheit ist, wenn jeder sich auf seine Art zum Deppen machen kann.

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  3. Registriert seit
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    AW: Zwischen Liebe und Heimat

    Ich sehe das wie promethea. Nimm die entfristung an und bleib erstmal entspannt. Den job kündigen kannst du immer noch. Mit 20 hast du noch so viel vor dir. Umzüge und jobwechsel, wahrscheinlich auch neue Partnerschaften. Du musst jetzt keine weitreichende Entscheidungen treffen.

    Rede mit deinem Partner. Sei ehrlich was eure Zukunftswünsche angeht. Und überlass ihm die Verantwortung dafür, mit wem er zusammen sein will. Wichtig ist bei dir und deinen Wünschen und Bedürfnissen zu bleiben und gleichzeitig transparent zu sein und natürlich jederzeit zu prüfen, in wieweit man gemeinsame Schnittstellen finden kann.

    Je mehr Zeit du dir selber gibst, dich deine Gefühle und Bedürfnisse kennenzulernen, desto klarer wird dein Weg mit der Zeit werden.
    Frag dich, was dir deine Ängste und Tränen sagen wollen, was du brauchst in deiner Welt. Und schaff dir diese Welt unabhängig von dem Ort an dem du bist und unabhängig von anderen Menschen. Es geht darum, sich liebe und Geborgenheit selber zu schenken und sich dann ein Leben zu gestalten, was genau zu einem passt. Und nicht zuerst im außen zu suchen und dann nicht damit umgehen können, wenn das außen sich mal verändert.

  4. Avatar von Duisburgerin
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    AW: Zwischen Liebe und Heimat

    Mein Lebensweg ist Deinem recht ähnlich. Ich habe auch meine Heimatstadt verlassen, Familie und Freunde zurücklassen müssen . Allerdings war ich einige Jahre älter als du. Ich hatte (und habe auch heute manchmal noch) Heimweh. Es hat Jahre gedauert bis ich mich richtig gut eingelebt und einen neuen Freundeskreis gefunden hatte. Anfangs bin ich soviel wie möglich "nach Hause" gefahren. Das war nicht sonderlich hilfreich und hat die Umgewöhnung eher behindert. Heute fühle ich mich sehr wohl und angekommen hier.
    Du bist noch recht jung und musst deinen Weg erst noch finden.
    Rede mit deinem Freund darüber, was dich bewegt und wie du fühlst.
    Du hast doch alle Zeit der Welt und kannst es auf dich zukommen lassen. Eine unbefristete Stelle ist doch toll.
    Oder hattest du insgeheim gehofft, dass dir damit die Entscheidung abgenommen wird?
    Je älter man wird desto merkwürdiger werden die Anderen

  5. Avatar von ereS
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    AW: Zwischen Liebe und Heimat

    auch wenn deine stelle jetzt entfristet wurde
    wenn es gar nicht mehr geht in der neuen stadt, kannst du doch im zweifel viel entspannter dir wieder etwas in deiner "alten heimat" suchen
    warte erst mal ab, und klaere unbedingt die unterschiedlichen beziehungsvorstellungen und werte mit deinem partner
    die "alte heimat" rennt dir nicht weg...


  6. Registriert seit
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    AW: Zwischen Liebe und Heimat

    Wahrscheindlich war meine Entscheiding wirklich auf den befristeten Vertrag begründet. Das hat mir auch selber eine Ausrede gegeben bzw. Mir selbst die Sicherheit dass die Zeit hier absehbar ist.
    Auch die Kündigung fällt mir persönlich in unbefristeten Stellen schwerer, da ich mich immer viel zu sehr dem Unternehmen verpflichtet fühle und somit ein schlechtes Gewissen habe. Ich werde das Thema auf jeden Fall mal ansprechen. Lg


  7. Registriert seit
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    AW: Zwischen Liebe und Heimat

    Du bist zwanzig, hast bereits 4 Jahre Fernbeziehung hinter dir und mehrere unbefristete Stellen?

    Vielleicht solltest du mal etwas Tempo aus deinem Leben nehmen und den einzelnen Dingen Raum, den Menschen um dich herum eine Chance geben.

    Nimm dir Zeit, dich mit der neuen Umgebung anzufreunden. Die Kollegen näher kennen zu lernen.

    Eure Beziehung erst mal wachsen und reifen zu lassen, ehe von Hochzeit, Kind, Hund, Haus die Rede ist.

    Man kann nicht alles sofort und auf ein mal haben.

  8. Avatar von Rotweinliebhaberin
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    AW: Zwischen Liebe und Heimat

    Zitat Zitat von MaXout Beitrag anzeigen
    Mein Freund ist gute 4 Jahre älter wie ich, ich nehme an er kommt nun langsam in die Ankommen-wollen Phase, da er seit kurzer Zeit auch von Hauskauf redet.
    Anfang 20 und sich mit Mann und Kind und Haus binden .... du merkst gerade, dass es das nicht für dich ist und das ist auch völlig ok. Ebenso wirst du dich von "Zuhause" abnabeln, das ist normal und tut meistens etwas weh.
    Hey, du bist so jung, schau dir die Welt an!
    Bleib bei deinem Job, wenn er dir gefällt. Wenn nicht, geh auf Reisen, arbeite weniger, es gibt so vieles zu entdecken, du fängst doch gerade erst an!!

    ************************************************** ******************

    „Nimm Dein Leben ein bisschen in die Hand. Wenn Du es gut behandelst, dann beisst es auch nicht! “
    [Geschenkt von Gustave]

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