Guten Morgen liebe Leute,
ich bin im Job in eine Situation geraten, für die ich um juristische Einschätzung bitte.
Ich denke, schlussendlich kann nur ein Anwalt wirklich helfen, aber mir ist gerade nicht mal klar, ob es Sinn macht einen aufzusuchen.
Dafür bräuchte ich bitte eine Einschätzung
Zur Sache: ich bin Studentin (Psychologie) und habe mich vor einiger Zeit bei einem Jugendhilfe-Träger mit Sitz in Deutschland beworben, der in Spanien Betreuungsprojekte für Heranwachsende hat. Die Jugendlichen werden aus Deutschland nach Spanien gebracht und verbringen dort einige Zeit, um aus ihrem problembehafteten Umfeld heraus geholt zu werden und sich dort eine bessere Perspektive zu erarbeiten.
Ich habe eine Bewerbung dort hingeschickt und wurde eingeladen, zu hospitieren.
Der Plan war, dass ich 2 Tage hospitiere und drei Tage mit einem Kollegen gemeinsam arbeite und dafür eine Aufwandsentschädigung erhalte, da ich alle übrigen Kosten wie Anreise / Verpflegung etc. selbst tragen sollte.
Ich bin dann am Donnerstag letzte Woche angereist und wurde von einem Kollegen am Flughafen abgeholt. Von da an entwickelte sich mein Aufenthalt zu einer Katastrophe.
Ich wurde nicht wie erwartet in die Region gefahren, die vereinbart war, sondern musste erst einmal eine lange Fahrt in eine andere Stadt auf mich nehmen. Nach der Fahrt quer durch Spanien, kam ich in der Unterkunft an. Wie mir mitgeteilt wurde, ist die Finca, die ich mit zwei Jugendlichen gemeinsam bewohnen sollte, erst kürzlich gekauft worden und stand vorher mehrere Jahre leer. So sah sie auch aus-baufällig und völlig verdreckt und überall Kakerlaken. Es roch nach Insektiziden, ein Kammerjäger war dort.
Ich hatte knapp 13 Stunden Anreise hinter mir und bat darum, mir etwas Zeit zum frisch machen zu geben. Und ich musste eine Kleinigkeit essen/trinken, da mein Kreislauf mit der Gewöhnung an die Hitze nicht hinterher kam. Dieser Bitte kam man leider nicht nach, ich sollte direkt in den Arbeitseinsatz gehen. Mir wurde nichtmal ein Wasser angeboten!?
Nachdem ich wieder eine längere Fahrt im unklimatisierten Auto bei 35 Grad hinter mir hatte, sagte ich meinem Kollegen deutlicher, dass ich gerade heftige Kreislaufprobleme habe und dringend aus der Sonne raus und etwas essen/trinken müsste. Ich wurde nicht ernst genommen, sollte abwarten und fühlte mich damit allein gelassen. Auf einer Toilette bin ich dann zusammen gesackt.
Ich kontaktierte die Kollegin in Deutschland, mit der ich im Bewerbungsprozess zu tun hatte und erklärte ihr die Situation und dass ich gerade wirklich gesundheitliche Probleme habe. Die Kombi aus langer Anreise (Schlafmangel), Hitze und Dehydrierung war zuviel für meinen Kreislauf.
Besagte Kollegin unterhielt sich dann mit dem Kollegen, mit dem ich unterwegs war und es wurde vereinbart, dass ich mir für den heutigen Tag freinehmen dürfte. Ich dürfte mich allein beschäftigen. Problem: wir waren gerade ca. 1 Stunde Autofahrt von der Unterkunft entfernt und ich hatte keine Chance, allein dorthin zu kommen. Es hieß, dass ich ja ein Café aufsuchen könnte, ich würde dann in ca. 5 Stunden abgeholt werden.
Mir war das alles zu viel und fühlte mich unheimlich allein gelassen und wollte wieder abreisen, was ich auch so mitteilte. Man sagte mir, dass das meine Entscheidung sei, ich dann aber zusehen müsste, wie ich zurecht komme. Besser wäre, ich bleibe, um nicht allein in einem fremden Land und ohne Anbindung an öffentlich Verkehrsmittel herumzuirren.
5 Stunden später war ich wieder in der Unterkunft und konnte endlich etwas zur Ruhe kommen, völlig entkräftet und fest entschlossen, so bald wie möglich wieder abzureisen.
Ich habe dann ein zusätzliches Flugticket gekauft und nachdem ich den Kollegen, der ein Auto hat, bekniet hab, dass er mich zum Flughafen fahren möge, hat er das gemacht. Die Leitung der Organisation hat ihm eigentlich untersagt, mich zu fahren, aber es gab keine öffentlichen Verkehrsmittel und ich wäre allein nie dort hingekommen.
Zurück in Deutschland, habe ich einen Kassensturz gemacht. Ich habe für diese Reise, bei der ich knapp 24 Stunden vor Ort war, 800€ ausgegeben. Für mich als Studentin viel Geld. Ich wollte dorthin, um Praxiserfahrungen zu sammeln, stattdessen bin ich total enttäuscht wieder abgereist.
Nun zu meiner Frage: gibt es eine rechtliche Handhabe, um einen Teil meiner Kosten von der Organisation zurückzubekommen? Gerade der zusätzlich gebuchte Rückflug, wäre unnötig gewesen, wenn man mich mit etwas mehr Menschlichkeit behandelt hätte und ich nicht in einer baufälligen Ruine hätte nächtigen sollen.
Ps. Ich hab Sprachnachrichten mit der Kollegin in Dtl. ausgetauscht, die "belegen", wie der Zustand vor Ort war. Außerdem hab ich Bilder der Unterkunft gemacht. Belege für die Umstände, die meiner Meinung nach unzumutbar waren, habe ich also.
Vielen Dank fürs Lesen!
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Ergebnis 1 bis 10 von 58
Thema: Gibt es hier Juristen?
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20.08.2018, 07:23Inaktiver User
Gibt es hier Juristen?
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20.08.2018, 07:38Inaktiver User
AW: Gibt es hier Juristen?
Ich musste jetzt nochmal nachlesen, ob es sich tatsächlich um ein europäisches Land gehandelt hat. So, wie Du es schilderst, denkt man, Du warst in einem Entwicklungsland.
Ein Jurist müsste den Vertrag prüfen, den Du da unterschrieben hast, das wird in einem Forum nicht möglich sein. Menschlichkeit ist in dem Zusammenhang nicht zu bewerten.
Ich halte Dich für ein bisschen naiv und für Auslandsprojekte eher (noch) nicht geeignet. Hattest Du Dich im Vorfeld mal näher über den Verein informiert?
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20.08.2018, 07:45Inaktiver User
AW: Gibt es hier Juristen?
Ich kann mich vage erinnnern, das ich über einen solchen Verein mal einen Bericht im Fernsehen gesehen habe, gefilmt mit versteckten Kameras.
Meine Frage wäre auch gewesen, hast du dich nicht vorher informiert für wen du da arbeiten willst?
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20.08.2018, 08:09Inaktiver User
AW: Gibt es hier Juristen?
Punkt 1: es gab keinen Vertrag, nur Telefonate und Email-Kontakt.
Punkt 2:Natürlich habe ich mich im Vorfeld über die Organisation informiert und deren Homepage studiert. Dort wird ein ganz anderes Bild gezeichnet als das, was ich vor Ort erlebt habe. Ich stand im regen Kontakt mit einer Personalerin in Deutschland, die jederzeit für mich erreichbar war, allerdings wenig Einfluss auf die Situation im Ausland hatte.
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20.08.2018, 08:13
AW: Gibt es hier Juristen?
Da bist du ganz fies auf die Nase gefallen. Ich denke wegen menschlichem Versagen gibt es keine Entschädigung.
Lese deinen Vertrag, ob über die Unterkünfte etwas dort drinsteht und finde etwas über diesen Verein heraus.Und immer wenn wir lachen, stirbt irgendwo ein Problem.
Dornröschen hätte gar keinen Prinzen gebraucht, nur einen starken Kaffee
Friedvoll zu sein bedeutet, von Erwartungen frei zu sein und nichts von anderen zu wollen.
Wenn du jemand anderem vergibst, dann tust du dies deinetwegen, nicht weil der andere das verdient. (Doris Wolf, Psychotherapeutin)
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20.08.2018, 08:13Inaktiver User
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20.08.2018, 08:23Inaktiver User
AW: Gibt es hier Juristen?
Du bist dahin ohne einen Vertrag?


Ich glaube nicht, dass du da eine Chance hast was zurueck zu bekommen. Ist die Organisation in Deutschland gemeldet? Dann wuerde ich deine Kontakte dort anschreiben und um zumindest teilweise Rueckzahlung des Geldes bitten, ansonsten wuerdest du in Deutschland melden. Allerdings sehe ich da wenig Erfolgsaussichten, da ja vereinbart war, dass du die Anreise, und wohl auch Abreise, selbst zahlst.
Als Lehrgeld: Nie ohne Vertrag. Bei Auslandseinsaetzen sollte der ausserdem Unterkunft, Sicherheit, Transport im Land etc. nennen, plus Krankenversicherung und moegliche Rueckfuehrung im Bedarfsfall.
Und wenn dir eine ‚Personalerin‘ hier sagt, ach das machen wir immer so, das findet sich vor Ort, dann sagts du Nein danke.
Du schriebst du bist Studentin - war das ein Praktikum im Rahmen des Studiums? Gibts bei euch an der Uni keine Stelle, die auf so was mal raufguckt und dich jetzt beraten kann?
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20.08.2018, 08:35Inaktiver User
AW: Gibt es hier Juristen?
Achso. Ja, das habe ich. Ich habe nicht viel gefunden, außer ein paar Erfahrungsberichte anderer Bewerber, die relativ neutral waren. Da der Träger in Deutschland mit dem Jugendamt kooperiert, bin ich beruhigt gewesen. Dass das keine Gütesiegel ist, weiß ich jetzt. Hinterher ist man immer schlauer.
Ich hatte wohl einfach besonders viel Pech mit
a) der Unterbringung in einer Einrichtung, die noch nicht bewohnbar ist und
b) dem zugeteilten Kollegen, der sich einen Dreck um mich und meine Belange geschert hat
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20.08.2018, 08:35Inaktiver User
AW: Gibt es hier Juristen?
Doppelpost - sorry
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20.08.2018, 08:48Inaktiver User
AW: Gibt es hier Juristen?
Ich glaube, dass das insgesamt keine gute Idee war. Arbeit mit schwierigen Jugendlichen ist immer eine toughe Sache, in solchen Einrichtungen, die Richtung Bootcamp gehen, erst Recht. Das ist dann auch einfach nichts für Leute, die ein bisschen empfindlich sind und die die Reise in ein europäisches Land schon zu Tode erschöpft.
DU warst in der Konstellation die Betreuerin, nicht die zu betreuende Person.



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