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20.12.2017, 09:04Inaktiver User
AW: Organspende! Was spricht dafür und was dagegen.
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20.12.2017, 09:20
AW: Organspende! Was spricht dafür und was dagegen.
Die früher übliche Praxis, Lebern nur an Empfänger zu vergeben, die mindestens ein halbes Jahr erwiesenermaßen trocken sind (fragt mich nicht, wie man das überhaupt jemals beweisen will), wurde für unrechtmäßig erklärt. Das war verrückterweise einer der Gründe, warum der Göttinger Oberarzt, der wegen Manipulationsvorwürfen angeklagt worden war, nicht verurteilt werden konnte:
Nach Überzeugung der Kammer hat der Chirurg auch gegen Richtlinien der Bundesärztekammer (BÄK) verstoßen. Dies sei jedoch strafrechtlich nicht relevant, weil die Richtlinien verfassungswidrig seien. Diese schreiben vor, dass alkoholkranke Patienten nur dann eine Spenderleber erhalten dürfen, wenn sie sechs Monate lang trocken waren. Alkoholikern dürfe nicht generell der Zugang zu einer medizinischen Behandlung versperrt werden, befand die Kammer.
(Quelle: Göttinger Tageblatt vom 21.9.2015)
Ich finde das vollkommen irrsinnig, Organe an Alkoholiker zu "verschwenden" (denn da sind sie leider wirklich verschwendet) aber so ist die geltende Rechtslage. Mittlerweile wurde das Urteil des Göttinger Landgerichts auch vom BGH bestätigt.
Ob der Gesetzgeber das Problem erkannt hat und daran arbeitet, ist mir nicht bekannt.Moderation in der Religion, der Politik und im Glücklicher Leben.
... und seit dem 16.11. unter demselben Nick bei Be Friends Online unterwegs
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20.12.2017, 09:22Inaktiver User
AW: Organspende! Was spricht dafür und was dagegen.
@blasentang
Ich bin nicht der Meinung, dass nur Organspender ein Spenderorgan erhalten sollten. Denn diese Spende wird freiwillig und bedingungslos gegeben.
Ich bin allerdings der Meinung, dass Alkoholiker nur nach langer Trockenperiode (wie lang die sein soll muss durch Rückfallstudien geklärt werden). Die bedeutet keine Diskriminierung von Alkoholkranken sondern soll vermeiden, das wertvolles Spendermaterial sinnlos vergeudet wird.
@kayla
Die Vergleichbarkeit bezog sich lediglich darauf, dass blasentang bei denen, die auf ein Spenderorgan warten, eine in ihren Augen falsche „Anspruchshaltung“ vermutete. Und wenn diese Anspruchshaltung darin besteht, dass man hofft, das eigene Leben mit einem Spenderorgan retten oder verlängern zu können, dann liegt darin für mich kein prinzipieller Unterschied zu Erwartungen an andere lebensrettende Maßnahmen wie OPs oder Medikamente.
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20.12.2017, 09:24Inaktiver User
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20.12.2017, 09:39
AW: Organspende! Was spricht dafür und was dagegen.
Vor ca. 10 Jahren war es so, dass ein alkoholkranker potentieller Empfänger einer Spenderleber von Psychologen begutachtet wurde, die schrieben dann einen positiven oder negativen Bericht. Wobei eine negative Empfehlung noch nicht das AUS war, es konnte ja ein anderer Psychologe hinzugezogen werden, der die Sache anderes beurteilte.
Im Prinzip finde ich das BGH Urteil aber gar nicht so falsch - man müsste ja sonst bei jedem Spenderorgan gucken, ob der Spender "selbst schuld" ist an seiner Krankheit, ob er es "verdient"... Das ist für mich auch nicht in Ordnung.
Stellt euch mal vor, so was macht Schule, wer vermeintlich selbst Schuld ist an seiner Krankheit, wird nicht/schlechter behandelt.... geht ja nicht!Bevor man anfängt zu reden, könnte man sich überlegen:
Ist es wichtig?
Ist es wahr?
Und ist es besser, als die Stille?

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20.12.2017, 09:56
AW: Organspende! Was spricht dafür und was dagegen.
Marilyn, bei dieser Einschränkung (Lebertransplantationen nur an Patienten, die seit mindesten 6 Monaten trocken sind) geht es nicht um die Schuldfrage, sondern um die Prognose. Es ist davon auszugehen, dass ein aktiver Alkoholiker auch nach der Transplantation weiter trinkt und sein Spenderorgan damit in kurzer Zeit weder zerstört.
Moderation in der Religion, der Politik und im Glücklicher Leben.
... und seit dem 16.11. unter demselben Nick bei Be Friends Online unterwegs
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20.12.2017, 10:20
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20.12.2017, 10:27
AW: Organspende! Was spricht dafür und was dagegen.
Bei Alkoholikern und anderen Stoffsüchtigen halte ich es auch für eine Frage der Prognose - wie vermutlich auch in vielen anderen Fällen.
Jemand mit einer schwerwiegenden Krankheit, die - unabhängig vom Spenderorgan - in absehbarer Zeit zum Tode führen wird, ist vermutlich auch kein geeigneter Empfänger.
Und die Frage, was ist ein sorgsamer Umgang mit dem neuen Organ, ist sicher ein schwieriges Thema.
Wie bleiben alle Menschen, auch nach einer Transplantation. Und damit auch fehlbar im Umgang mit unserem Körper. Viele Körper stecken diese Fehlbarkeit aber gut weg. Andere weniger gut.
Und für mich läge da ein rieseiger Unterschied, ob jemand ständig und erheblich gegen alle "Gesundheitsauflagen" verstößt oder eben gelegentlich mal ein bisschen.
Aus meinem Leben zwei Beispiele.
Ich bin nicht besonders akribisch und diszipliniert.
Meine Zähne sind mir wichtig, deswegen putze ich sie jeden Tag, da habe ich eine entsprechende Routine.
Ich hatte einen Fersensporn, dagegegen hilft mir eine bestimmt Dehnübung excellent, die mache ich ebenfalls jeden Tag, weil ich sie ebenfalls zur Routine gemacht habe.
Das gleiche galt für die Einnahme der Pille.
Viele andere Dinge, die sicher gesundheitlich sinnvoll wären (Sport, bestimmte Ernährung, etc.) mache ich nicht so regelmäßig, weil ich sie vergesse, weil sie mir nicht so wichtig sind und sie keine direkten Schmerzen auslösen.
Und nach einer Organtransplantation wäre ich sicher sehr aufmerksam, weil ich eben eine in der Regel lange Leidenszeit hinter mir hätte und wüsste wie wichtig das richtige Verhalten ist.
Aber ich würde alleine dadurch trotzdem kein besserer Mensch, der sich an ALLE Regeln hält.
Und deswegen ist natürlich auch eine gesundheitlich und psychologische Prognose für den einzelnen Patienten wichtig, ob er zukünftig mit einer hinreichenden Wahrscheinlichkeit in der Lage sein wird, die notwendigen Regeln einzuhalten.
Ich gehe aber davon aus, dass das passiert, im Rahmen dessen, was man eben vorher prognostizieren kann.
Niemand, auch nicht die Sachverständigen sind unfehlbar.Freiheit ist, wenn jeder sich auf seine Art zum Deppen machen kann.
.... und das demnächst auf www.befriendsonline.net/
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