Ich bin in einem kleinen Dorf aufgewachsen und fand es furchtbar. Die Freunde waren immer in irgendeinem anderen Dorf und die Eltern mussten fuer alles Taxi spielen. Ich konnte nirgens hin da es keine anstaendigen Bussverbindungen gab, ganz frueh morgens weg zur Schule und dann dort muede rumhaengen was vermutlich auch den Noten nicht zu gute kam, der schlechten Verbindungen wegen. Also meine Eltern haben mir damit ganz sicher keinen Gefallen getan. Klar, ich konnte ueberall hin mit dem Fahrrad, aber ab einem bestimmten Abstand war das auch nicht mehr so toll. Wenn ich Kinder haette wuerde ich wegen denen ganz sicher nicht aufs Land ziehen. Eine kleinere Stadt hingegen kann ich mir schon vorstellen, solange es dort genug interessante Angebote auch fuer mich gibt.
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Thema: Stadt oder Land?
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21.07.2013, 08:13
AW: Stadt oder Land?
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21.07.2013, 08:24
AW: Stadt oder Land?
Ich bin auf dem Dorf aufgewachsen, aber nicht in einem Winz- Dorf. Dort gab es schon damals alles, was der Mensch so zum Leben braucht: Schule, Arzt, Apotheke, Kneipen, Friseur, Lebensmittelläden, Metzger... Alles da, die nächste Stadt war per Bus einigermaßen gut erreichbar. Wir konnten noch ohne Aufsicht herumstromern, beim Bauern im Stall spielen, am Bach Dämme bauen, in einem der Wäldchen Höhlen bauen. Ideal!
Ich kenne aber auch Dörfer, wo es mehr Kühe oder Schweine als Einwohner gibt, mein großer Sohn lebt aktuell in einem Dorf mit 190 Einwohnern. So idyllisch es sein mag: ich möchte da nicht tot überm Zaun hängen! Für jede Kleinigkeit muss man ins Städtchen fahren, es gibt nur einen Dorfkrug, das wars. Kinder kann man dort zwar auch heute noch bedenkenlos frei spielen lassen, aber beim Kindergarten, spätestens bei der Schule geht die Fahrerei los und das wiegt die Vorteile in meinen Augen bei weitem nicht auf. Apropos Schule: im Kleinstädtchen gibt es eine Grund- und eine Hauptschule, wenn die Kinder später zur Realschule oder gar (bewahre
) zum Gymnasium sollen, ist eine laaange Busreise angesagt.
Dafür wird es einem nicht schwer gemacht, allein zu leben... Bis man nämlich als Dörfler akzeptiert wird, muss man sich schon ordentlich ins Zeug legen.
In einer Großstadt habe ich noch nie gelebt, früher wäre das vielleicht mal eine tolle Sache gewesen, heute möchte ich es nicht mehr. Für mich ist der derzeitige Wohnort recht angenehm, es ist eine kleine Stadt, viele andere kleine Städte liegen rundum, die nächste Großstadt ist auch nicht weit, und dennoch habe ich es sehr ruhig.
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21.07.2013, 15:48
AW: Stadt oder Land?
Mhh, also ich denke, daß es in den Dörfern auch nicht mehr so verstaubt und altbacken ist, wie es früher einmal war. Bzw., daß sich das eben mit dem Einzug der nächsten Generationen ändert, wie bei uns hier eben auch. Ich habe ein paar Jahre im Studentenwohnheim gelebt, und habe damals schon immer davon geträumt, sowas "in gross" zu haben. Mal eben die Hausschuhe an, und zum Bierchen irgendwo rüberlatschen, dabei aber in seinen eigenen vier Wänden wohnen. Und im Prinzip habe ich das jetzt genau so. Wir hatten hier sogar eine Zeitlang ein eigenes Partyhaus im Dorf, ein leerstehendes Haus, das nicht vermietet werden sollte, das war fast, wie in unserer Studentenwohnheimsbar
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Und das man ein Auto braucht, das ist eben so, das stimmt, aber ich musste auch öfter schonmal ohne zurecht kommen, das geht auch. Das Anrufsammeltaxi fährt stündlich, der Bus zu Schulzeiten auch, und wenn ich wollte, wäre ich auch in 30 Min. zu Fuss an der S-Bahn.
Mein Mann ist nach Köln zur Arbeit genauso lange mit dem Auto unterwegs, wie er vorher innerhalb von Köln mit der Strassenbahn zur Arbeit gebraucht hat.
Als ich mal 2 Wochen kein Auto hatte, wäre ich gerne ein paar mal mit dem Bus gefahren, bin dann aber jedesmal mitgenommen worden, von vorbeifahrenden Bekannten. Auch das finde ich toll.
Noch besser ginge das alles, wenn man hier entspannt Fahrrad fahren könnte, ist aber etwas schwieriger, wegen der Berge.
Und letztlich steigen meine Eltern, die in einer Kleinstadt wohnen, genauso oft ins Auto, wie ich hier auch. Die wollen ihre Einkäufe nämlich auch nicht im Rucksack oder im Fahrradkorb transportieren.Grüsse
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21.07.2013, 17:17
AW: Stadt oder Land?
Dann wohnst Du offenbar im Einzugsbereich einer Großstadt. Ich denke, da ist ländliches Wohnen nochmal was anderes als in einem strukturschwachen Gebiet. Da wäre die nächste S-Bahn vielleicht 70km entfernt.
Ich glaube auch, dass es in den Dörfern nicht mehr so verstaubt zugeht wie anno dunnemals. Fast überall gibt es Zugezogene.
Das mit der Studentenwohnheimsatmosphäre hast Du schön beschrieben.
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21.07.2013, 18:23
AW: Stadt oder Land?
Ja, das stimmt. Dafür, daß wir hier alle Vorteile des Landlebens geniessen, wohnen wir hier noch relativ zentral.Dann wohnst Du offenbar im Einzugsbereich einer Großstadt.
Zu dem Thread fällt mir auch noch folgendes ein:
als wir meinen Eltern verkündet hatten, daß wir aufs Land ziehen wollen, meinte mein Vater, daß mein Mann dann aber auch in den Schützenverein eintreten müsste, sonst würden wir da nie Anschluss finden, schlimm genug, daß wir ja nicht in die Kirche gehen würden. "Niemals", hat mein Mann entsetzt geschrien, woraufhin eine heftige Diskussion darüber entbrannte, daß man sich ja nicht immer nur die "Rosinchen" rauspicken könne, und, wenn man die Vorteile des Landlebens geniessen wollte, man sich auch anpassen müsse, sonst würde man immer nur ein asozialer Aussenseiter bleiben, usw.
Als wir dann unser Haus kauften, meinte dann der Vorbesitzer unseres Hauses (immerhin mit einem Zwinkern), daß mein Mann dann ja in Zukunft seine Nachfolge im Männergesangsverein antreten könne. Na Hurra! Das liess uns schon fürchten, daß alle unsere Befürchtungen wahr werden könnten. Was waren wir froh, als wir dann kurz darauf aus einem Nachbarsfenster Heavy Metal-Klänge hörten. Man glaubt gar nicht, wie beruhigend sowas klingen kann
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Grüsse
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21.07.2013, 22:29
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21.07.2013, 22:51
AW: Stadt oder Land?
Die Leute in meinem Alter, die im Dorf geblieben oder zurückgekehrt sind, haben heute genau wie damals ein Auto pro volljähiger Person und sind den ganzen Tag nicht da. Die Jugendlichen hängen nicht mehr am Spielplatz rum, seit ein Zaun drumgemacht wurde mit einem Tor, das der Hausmeister der Grundschule nur zu den Schulpausen aufsperrt. Die alten Leute feiern Parties im einzigen Gasthaus am Ort (das andere hat inzwischen auch zugemacht), arbeiten im Garten, spielen Canasta, pflegen Nachbarschaftsfehden und fürchten den Tag, an dem sie zu alt sind zum Autofahren.
Die S-Bahn fährt inzwischen jede Stunde anstatt, wie früher die Regionalbahn, dreimal am Morgen und dreimal am Abend. In zehn Minuten ist man in der Kreisstadt. Dort gibt es inzwischen sogar Stadtbusse, aber keine Läden mehr, seit das Einkaufszentrum auf der grünen Wiese angelegt wurde. Immerhin halten die Stadtbusse da, aber nur Kinder und Alte nehmen den Bus: Es gibt am Einkaufszentrum genug Parkplätze, auch für die Bewohner der Kreisstadt, die jetzt auch nicht mehr eben zum Laden laufen oder radeln können.** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
** ansonsten niemand besonderes **
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24.07.2013, 15:41
AW: Stadt oder Land?
Ich bin in einem Außenbezirk einer Stadt aufgewachsen, hatte natürlich seine Vorteile bei der rießigen Auswahl von Schulen, kulturellen Angeboten. Dann sind wir in ein Dorf nahe einer Kleinstadt gezogen, war auch noch in ordnung, obwohl ein ziemlicher Kulturshock, Busse fahren so gut wie nie, man muss immer alles planen, wenn man etwas unternehmen will - irgendwie wird einem die Spontanität genommen.
Danach sind wir noch weiter aufs Land gezogen, Nachbarn ziemlich weit entfernt, nächste Bushaltestelle eine halbe Stunde zu Fuß, da ist man ohne Auto ganz schön aufgeschmissen, aber Vorteile sind, man kann tun und lassen was man will, keine neugierigen Nachbarn!
Heute würde ich mich fürs Dorf aber in der Nähe einer Stadt entschließen, dann hat meine beide Vorteile :)
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02.08.2013, 00:19
AW: Stadt oder Land?
Ich persönlich kann dem Stadtleben überhaupt nichts abgewinnen. Das Dorfleben sagt mir aber auch nicht zu, so dass ich ziemlich früh gemerkt habe, dass ich eher am Stadtrand einer kleineren Stadt (Städte mit bis zu max. 100-200 TSD Einwohner) wohnen möchte. So habe ich nicht den Trubel einer Großstadt und nicht das öde Leben auf dem Dorf :).
Zudem hat dies den Vorteil, dass ich alles in meiner Nähe habe (Arbeit, Schulen, Einkauf, Ärzte, etc.) und trotzdem nicht auf die Natur verzichten muss!
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02.08.2013, 22:24
AW: Stadt oder Land?
Heute beim Herumzappen sah ich ein Interview mit irgendeinem Promi. Der Promi sei aus der quirligen Großstadt Berlin "aufs Land" gezogen und sollte nun sagen, wie es da sei. Das "Land" war die Stadt Münster, knapp 290.000 Einwohner.
Komische Begriffe haben manche von "Land".


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