Hallo,
ich kenne Weihnachten als Familienfest mit vielen Gästen. Meine Eltern stammten aus großen Familien, bei uns war an allen Feiertagen immer viel los. Viel Besuch, viel Essen, viel Lametta;-), sicher auch viel Streit durch zu hohe Erwartungen und dann wieder Versöhnung und noch mehr Essen:-). Das pralle Leben. Als ich dann als junge Erwachsene anfing, Partner zu haben, wurde es nicht weniger trubelig, weil ja schließlich auch die "Schwieger"familien besucht werden mussten.
Nun sind meine Eltern früh verstorben, die Großeltern ebenfalls, auch viele Tanten und Onkel. Zu Cousinen und Cousins besteht ein lockerer Kontakt, aber auch durch die räumliche Entfernung sehen wir uns nur selten. Auch die Schwiegerfamilie wohnt recht weit weg und hat uns auch irgendwie nicht eingeladen bzw erwartet nicht, dass wir kommen. Die Schwiegereltern machen sich nichts aus Weihnachten und empfinden das Fest als unnötigen Stress, der Schwager ist schon ausgelastet genug mit vier Kindern und der eigenen Schwiegerfamilie. Da wartet niemand darauf, uns "auch noch" aufzunehmen. Ähnlich ist es bei meinem Bruder, wobei der an Weihnachten im Dienst ist und ebenfalls weiter weg wohnt und in die dortige Schwiegerfamilie integriert ist.
Nun sitze ich da, alleine mit Mann und zwei kleinen Kindern (immerhin! Dafür bin ich auch dankbar!). Aber in mir wohnt eine tiefe Sehnsucht nach der großen Tafel von früher, die sich vor Essen biegt, nach Stress und lautem Lachen und Stimmengewirr, nach mehrstimmigem Singen, nach Magendrücken und Chaos und Geschenkebergen.
Ich weiss, es gibt Menschen, die wirklich alleine sind, und doch fühle ich mich so. Es ist das erste Weihnachten zu viert und es ist so leer. Ich frage mich vor allem, wie ich das Fest für die Kinder schön gestalten kann. So, dass sie es als etwas besonderes empfinden und schöne Erinnerungen haben. Die Geschenke sind ja schnell ausgepackt. Für gutes Essen haben sie keinen rechten Sinn. Und mein Mann singt besser nicht:-). Aus unserem Umfeld, Freunde, Bekannte, Nachbarn, sind alle im Stress, viele unterwegs, zerteilen sich zwischen vielen Familienteilen. Viele beneiden uns...
Nun meine Frage (nach dem Jammerteil;-): Was macht Ihr, wenn es Euch ähnlich geht, um die Feiertage auch im Kleinen irgendwie besonders zu gestalten? Habt Ihr schöne Traditionen, besondere Ideen? Ich weiss, dass meine negative Einstellung das Haupt-Problem ist, aber es fällt doch irgendwie schwer. Ich bin halt einfach auch noch in Trauer um meine Herkunftsfamilie, die in sehr kurzer Zeit einfach auseinandergebrochen ist.
Ich freue mich über ein paar Gedanken.
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Ergebnis 1 bis 10 von 36
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19.12.2016, 05:52
Weihnachten in der Kleinfamilie
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19.12.2016, 06:40
AW: Weihnachten in der Kleinfamilie
also ich hatte immer Tag der Offenen Tür, d.h. es konnte aus meinem Bekanntenkreis kommen wer wollte. Das blieb dann zwar immer noch eine kleine Runde, aber das hängt ja vom Bekanntenkreis ab. Vielleicht habt ihr da sogar eine andere Kleinfamilie, die Lust hätte, sich mit euch zusammen zu tun?
Jetzt bin ich umgezogen, auf ein größeres Dorf, und da hab ich mir überlegt, nächstes Jahr ein Insterat ins Gemeindeblättle zu machen, wer kommen will. Je nach Größe des Haufens guck ich dann weiter. Kleine Runde - bei mir, jeder guckt was er beitragen kann und will (Essen, trinken, Musik, Geschichte usw), größerer Haufen, vielleicht sogar draußen Feuerschale, Glühwein usw, noch größerer Haufen: Gemeinde nach Räumlichkeit fragen. Aber so schlimm wirds sicher nicht. Die meisten Leute sind ja doch verräumt.
Bei uns gibts einen sog. lebendigen Adventskalender, darum denke ich, dass die Kultur für so was schon da ist. Aber das ist natürlich regional unterschiedlich und die Bereitschaft für fremde Leute an hl. Abend ist ja nicht bei jedem da.Grüße
A.
Wenn man bedenkt,wie oft ich in diesem Leben schon falsch abgebogen bin, ist es ein Wunder, dass ich mich überhaupt noch auf diesem Planeten befinde.
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19.12.2016, 07:44
AW: Weihnachten in der Kleinfamilie
pola,
die sehnsucht kann ich so gut verstehen!
ich hatte weihnachten auch immer "klein", obwohl ich es "groß" so gern mochte.
um welche tage geht es dir? heiligabend? alle feiertage?
auch in klein kann man zusammen essen. wenn deine familie nicht so gern opulent ist, wie wäre es dann mit raclette? da kann man auch gemüse grillen und die opulenz selbst zusammen stellen.
gegen das fehlende singen hilft konserve: es gibt schöne weihnachtslieder-CDs, die man gut miteinander anhören kann oder einfach im hintergrund laufen lassen kann.
was ist mit dem baum? ihr könnt eine zeremonie daraus machen, ihn aufzustellen und zu schmücken.
und die bescherung? sind danach nicht sowieso erstmal alle mit den geschenken beschäftigt?
was ist mit einem kirchenbesuch - christvesper, christmette? das macht es auch weihnachtlich-feierlich.
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19.12.2016, 08:14
AW: Weihnachten in der Kleinfamilie
Danke, Amelie, danke Pimenteira.
Ich denke, mir geht es um alle drei Tage, wobei der Heilige Abend eigentlich noch am besten gefüllt ist mit Gottesdienst, Essen und Bescherung. An den anderen Tagen sehe ich gerade gähnende Leere bzw. - noch schlimmer - nörgelnde Kinder, weil niemand zum Spielen verfügbar ist. Geschlossene Läden, Schwimmbäder, Indoor-Spielplätze. Einzig das Kino fiel mir noch ein - das könnte so etwas wie eine Familientradition werden: ein Weihnachtsfilm.
Es kommt mir aber trotzdem alles eben nicht richtig vor. Nicht so wie es sein sollte. Vor allem für die Kinder. Wenn ich alleine wäre, könnte ich wenigstens hemmungslos weinen und mir Schnulzfilme anschauen.
Wahrscheinlich wünsche ich mir einfach für mich und meine Kinder generell mehr Familie im Leben, sie wachsen praktisch nur mit uns als Eltern auf. Alle Verwandten vier Autostunden entfernt (in verschiedenen Richtungen) und kein sehr warmherziger Kontakt. Das tut mir so leid... und an Weihnachten ist das einfach besonders offensichtlich, was sonst gar nicht so auffällt.
Aber so ist es halt. Vermutlich werden die Kinder das alles ganz anders sehen, weil sie es nicht anders kennen. Sie werden nur merken, dass ich traurig bin und das macht mich noch trauriger. Ich weiss nicht, wie ich das in den Griff kriegen soll?
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19.12.2016, 08:23
AW: Weihnachten in der Kleinfamilie
Wieso lässt du die Familie nicht zu dir ein?
Wenn du Familienfeste an Weihnachten magst, dann gestalte du das doch und sei der Gastgeber.
Jetzt zwar sehr kurzfristig, aber vielleicht klappt ja noch was?
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19.12.2016, 08:41Inaktiver User
AW: Weihnachten in der Kleinfamilie
Kann das sein, dass Ihr Euch insgesamt als Familie eher schlecht alleine beschäftigen könnt, also ohne Programm und Bespaßung von außen? Man ist ja auch an normalen Wochenenden nicht ständig im Indoor-Spielplatz. Wird bei Euch nicht gebastelt, zusammen gespielt, vorgelesen? Das ist für mich viel mehr Familie als überfüllte Festtafeln und Leute, die sich streiten.
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19.12.2016, 08:46
AW: Weihnachten in der Kleinfamilie
ihr könnt auch zusammen spiele spielen - activity, "montagsmaler" sind spiele für jedes alter. da kann man gut zu viert spaß bekommen.
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19.12.2016, 09:07
AW: Weihnachten in der Kleinfamilie
Vielleicht solltet ihr das "ganz anders" bewusst in Szene setzen. Überleg doch mal mit deinem Mann.
Die Kinder essen nicht gerne opulent? Dann eben bewusst nur bunt belegte Brote zur Auswahl.
Alleine ist langweilig? Dann erfindet den Weihnachtstanz um den Christbaum (nur ein Beispiel!)
Die Tage sind öde? Dann besucht eine andere Stadt und schaut euch in den Kirchen die unterschiedlichen Krippen an.
Wie oft spielen Mama und Papa gemeinsammit den Kindern? Jetzt ist Zeit (ideal auch Lego , Eisenbahn oder Bauklötze)
Egal was, Hauptsache es ist "euer" Weihnachten. Am besten ohne Hektik, sonst bleibt es leer!
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19.12.2016, 09:09
AW: Weihnachten in der Kleinfamilie
Ich hatte -ist aber schon etwa 20 Jahre her- das gleiche Problem. Durch Umzug weit von den Herkunftsfamilien entfernt und mit einem Ehemann, der sich strikt weigerte, die Feiertage auf der Autobahn mit drei kleinen Kindern zu verbringen ( wofür ich ihm heute dankbar bin!)
Wir haben dann "unser" Weihnachten gefeiert. Als 5köpfige Familie, was für mich schon klein ist...Mit eigenen Traditionen, z. B. Kartoffelsalat und Würstchen mittags an Heiligabend. Kirche am Nachmittag, Bescherung anscheinend....Und die beiden Feiertage waren einfach freie Tage, die Mädchen beschäftigten sich mit ihren Geschenken, stritten mitunter....Ab und zu kamen Bekannte oder Freunde vorbei.
Ich habe irgendwann dieses " Zeit haben" am meisten geschätzt.
Dieses Jahr steht meinem Mann und mir wieder ein komplett verändertes Weihnachtsfest ins Haus, sämtliche Töchter verlassen am späten Heiligabend das Haus und wir sehen sie erst am 2.Feiertag bei den Großeltern väterlicherseits wieder.... Weihnachten "alleine" hatten wir zuletzt vor..26 Jahren....Das wird auch interessant, denke ich.
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19.12.2016, 09:09
AW: Weihnachten in der Kleinfamilie
Wie alt sind denn die Kinder?
In unserer Familie ist es Tradition, dass es ein Gesellschaftsspiel als Geschenk gibt, das alle zusammen nach Kirchbesuch, Singen, Bescherung, Essen, Beschäftigung mit den Geschenken, gemütlich im Schein des Weihnachtsbaumes spielen.
Manches Jahr feiern wir alleine mit unseren Kindern, manches Jahr mit vielen Verwandten- aber das Spielen machen wir ob in kleiner oder großer Runde.


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