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  1. Inaktiver User

    AW: Verkommt die deutsche Sprache?

    Die gemeinsame Sprache muss daher gepflegt und stets neu zur Entfaltung gebracht werden. Daran muss dem Staat gelegen sein.

    Man kann ja ruhig mal seine Hoffnungen zum Ausdruck bringen..

    Sprachverfremdung im Unterbewußtsein, ist noch nicht pathologisch]
    nein, das ist höchst gesund und zutiefst sympathisch..

  2. Inaktiver User

    Entenhausen und der Erikativ

    Lautmalereien fand sie besonders wenig überzeugend. Um sie zu verspotten, entwickelte Erika Fuchs etwas, das keine andere Sprachen zu bieten hatte: Sie machte in Entenhausen Vorgänge hörbar, die gar keine Geräusche hervorbringen. Das berühmteste Beispiel ist "Grübel, grübel" als Lautmalerei für das intensive Nachdenken einer Figur. Dieses Verfahren machte Furore und wurde selbst zum Inbegriff von Comic-Sprache in Deutschland. Alles konnte fortan in Klang umgesetzt werden: Las jemand ein Buch, so konnte man sich vorstellen, wie diese Handlung ein "Studier, studier" hervorbrachte; malträtierte ein Haustier einen Vorhang, war ein "Fetz, fetz" angebracht; gab es eine Strafpredigt, so durfte man sich "Schimpf, schimpf" dazu ausmalen. Diese durch Verkürzung des Wortstamms gewonnene Form (eigentlich ein Inflektiv) hat aus donaldistischen Kreisen die Bezeichnung "Erikativ" erhalten. Er dürfte die originellste, vor allem aber wirkungsmächtigste Sprachbereicherung ein, die das Deutsche im letzten halben Jahrhundert erhalten hat.
    Quelle: Andreas Platthaus, Inflektiv? Erikativ!, in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 17.08.2008, Nr. 33 / Seite 64

    Das sind hier ja unsere smileys. Wir sollten sie fortan donaldistisch Erikative nennen.

    Überhaupt ist der Wissenschaftsteil der morgigen Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in " sprachlicher " Hinsicht interessant. Woher kommen unsere Sprachen? Und wie eignen sie sich neue Wörter an? Drei Experten geben Auskunft: der Linguist Hans-Martin Gauger, der Dichter Hans Magnus Enzensberger und der Donaldist Andreas Platthaus:

    • Hans-Martin Gauger, Überdacht und ausgebaut, S. 64
    • Hans Magnus Enzensberger, Nachrichten aus der Irrenanstalt - Wieland, Goethe, Zesen: Eine Erinnerung an Sprachschöpfer und Wortfischer, Seite 65


    Mal sehen, was ich oder derjenige, der auch elektronischen Zugriff auf die FAS hat, aus den gelisteten Texten an Fundstücken oder interessanten Hinweisen posten kann.
    Geändert von Inaktiver User (17.08.2008 um 10:08 Uhr)

  3. Inaktiver User

    AW: Verkommt die deutsche Sprache?

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    Taschenpsychologisiererei
    Ich kenne die Bedeutung des Wortes nicht. Erklärst du sie mir?

  4. Inaktiver User

    AW: Verkommt die deutsche Sprache?

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    Und eine öffentliche Aufbahrung ist fußballmäßig ja durchaus manchmal treffend, sage ich als Leid geprüfter BVB-Fan
    Ja und warte ab, wenn jetzt Hopp mit Hoffe kommt. Da können dann auch die Bayern einpacken, und BVB, wer ist BVB?
    Heute guckst Du aber. Für den Anfang wonderbar, push up für 1899 Hoffenheim. Aber es zählt natürlich der letzte Spieltag.
    Geändert von Inaktiver User (17.08.2008 um 10:07 Uhr)

  5. Inaktiver User

    Sprachtheoretisches bei Gauger

    Alles, was gesprochen wird, beruht auf einer Sprache. Insofern ist Sprache überall, wo Menschen sind. Dann aber kann es geschehen, dass eine zunächst an einen bestimmten Raum gebundene Sprache sich zu etwas wie einer "Übersprache" erhebt. Sie übersteigt dann räumlich, damit aber auch im Prestige, die anderen ihr ähnlichen. Sie überdacht sie, so dass nun die überdachten Sprachen zu Dialekten herabsinken, welche der überdachenden zugeordnet sind. Auf diese Weise also entsteht eine Sprache im engeren Sinn: eine Sprache mit ihren Varietäten, von denen die Dialekte die auffälligsten, aber keineswegs die einzigen sind.
    Zur Überdachung kommt ein weiteres Phänomen: Die Sprachwissenschaft redet von "Ausbau". Eine Sprache in diesem umgreifenden Sinn wird nach und nach ausgebaut für möglichst alle ihrer sehr vielfältigen Ausdruckszwecke. Bei diesem Ausbau geht es nicht nur um Wörter, sondern auch um Grammatisches, etwa Konjunktionen: weil, darum, obschon, aber, um zu, infolgedessen und Ähnliches.
    Der Ausbau kann sich aber auch auf die gefühlte Notwendigkeit beziehen, für bestimmte Vorstellungen, für die man bisher nur fremde Wörter hatte, Wörter der eigenen Sprache zu bilden. Eigentlich gibt es nur vier Möglichkeiten des Ausbaus in diesem Sinn. ...
    Quelle: Hans-Martin Gauger, Überdacht und ausgebaut, in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 17.08.2008, Nr. 33 / Seite 64

    Die vier Möglichkeiten sind Lehnwörter (z.B. Clique), Lehnübersetzungen (z.B. Journal/Tagblatt), freie Übersetzung und Bedeutungsanlehnung.

    Dies alles, die Erweiterung des Wortschatzes, die Verfeinerung der grammatischen Mittel, die Übernahme fremder Wörter kann unter dem Begriff "Ausbau" gefasst werden.
    Und bei der Überdachung wird es politisch:

    ...
    Überdachungen ergaben sich auch, weniger rigoros und unter jeweils anderen Bedingungen, in Spanien, Portugal, Italien, England und Deutschland. Hier war zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Situation der in Frankreich genau entgegengesetzt: in Frankreich die eine Sprache auf dem Boden eines zentralen Staats, in Deutschland ohne Staat eine überdachende Schriftsprache. Und nun wurde in Deutschland der Gedanke der französischen Revolutionäre gewissermaßen umgedreht: Wo eine einzige Sprache ist, muss doch auch ein Staat geschaffen werden, der dieses Gebiet vereinigend zusammenfasst. Nichts anderes sagt die erste Strophe des "Lieds der Deutschen", das Heinrich Hoffmann von Fallersleben 1841 auf Helgoland dichtete. Da werden ja nur, wenngleich sehr großzügig, von Westen nach Osten und von Süden nach Norden, die Grenzen des deutschen Sprachgebiets umrissen: "Von der Maas bis an die Memel, / von der Etsch bis an den Belt …". Und Ernst Moritz Arndt, dessen "Lieder als wuchtiger Ausdruck gemeinsamen Fühlens und Wollens von Mund zu Mund gingen" (so weiß es zu Recht der "Wilpert"), sagt schon früher dasselbe in dem vormals hochberühmten Gedicht "Was ist des Deutschen Vaterland?".
    Geändert von Inaktiver User (17.08.2008 um 10:09 Uhr)

  6. Inaktiver User

    Enzensberger: Nachrichten aus der Irrenanstalt

    Schöne Beispiele:

    ...
    Wortfischer und Wortschöpfer sind eben keine Übermenschen (ein Ausdruck, der sich zuerst anno 1527 bei einem gewissen Herrmann Rab findet, einem Dominikanermönch, der ihn bemerkenswerterweise ironisch verwendet). Niemand kann der Sprache diktieren, was sie brauchen kann, und was ihr frommt. Ohne ein gewisses Zartgefühl (schon wieder der wackere Campe) muss jede Neuerung scheitern, und wer hätte davon mehr bewiesen als Lessing, der uns die Wörter rührend und empfindsam bescherte, Gottsched, dem wir die Begeisterung und Zesen, dem wir die Leidenschaft verdanken? Kein Wunder, dass die Öffentlichkeit (Adelung) dafür gesorgt hat, dass diese schönen Vokabeln in keinem deutschen Wörterbuch (Comenius) fehlen.
    Auch dafür, dass wir dem Fortschritt (Mylius, Wieland) nicht sprachlos ausgeliefert sind, bürgen nicht zuletzt die Wortschöpfer. Von Zukunftsmusik scheint als Erster Louis Spohr gesprochen zu haben. Weltbürger kann es in Deutschland erst geben, seitdem Sigmund von Birken ihnen einen Namen verliehen hat. Auch die Dampfmaschine und der Fallschirm sind nicht von schlechten Eltern: sie heißen Lichtenberg und Jean Paul. ...
    Quelle: Hans Magnus Enzensberger, Nachrichten aus der Irrenanstalt - Wieland, Goethe, Zesen: Eine Erinnerung an Sprachschöpfer und Wortfischer, in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 17.08.2008, Nr. 33 / Seite 65

    Wortfischer und Wortschöpfer, fischen und schöpfen ...

  7. Inaktiver User

    AW: Verkommt die deutsche Sprache?

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    ... Gnocchiknödlerschwurbler ...
    Den meinte ich:

    "Es wurde eine Prozeßkostenbewertung durchgeführt, und wir machen Kostenplausibilisierungen durch den Einsatz von Schattenkalkulationen. Der Projektfortschritt wird durch Quality Gates überwacht." Ein typischer Satz eines leitenden Angestellten, gefunden in der Mitarbeiterzeitschrift eines süddeutschen Konzerns.
    Quelle: Markus Reiter, Wild wucherndes Wirtschaftskauderwelsch - Wenn Managern die klaren Worte fehlen / Unverständliche und aufgeblähte Sprache ist ein Führungsproblem, in: F.A.Z., 29.07.2006, Nr. 174 / Seite 54

    *erleichtert erleichtert* Gutes Archiv in meinem PC.

  8. Inaktiver User

    AW: Verkommt die deutsche Sprache?

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    Ich kenne die Bedeutung des Wortes nicht. Erklärst du sie mir?
    Das Wort " Taschenpsychologie" das ich im Zusammenhang mit meinem skeptischen Blich in Richtung des Ratgeberbooms und den Gefahren, die ich in der Begeisterung von Laien, die halbwissenschaftliche Bücher von Fachleuten lesen, sehe

    erkläre ich nur aus mir heraus ohne Gewährleistung, dass es richtig ist :

    Ich denke, dass es von


    Taschenspieler kommt :Taschenspieler wurden noch im 19. Jahrhundert jene Zauberkünstler und Gaukler genannt, die mit wenigen und kleinen Requisiten verschiedenartige verblüffende Kunststücke aufführten ( Quelle wikipedia)



    Taschenpsychologisierei ist für mich somit das Kunststück/die Gaukelei ohne tatsächlich fundierte Kenntnisse von Psychologie zu haben, die tollsten Ideenkunststückchen vorzuführen, die aber meilenweit von psychologischen Grundsätzen entfernt sind .



    Der Ratgeberboom der letzten Jahre machte m.E. viele zu Pseudoexperten, aber mit "Expertenfeeling" ;-): Küchen-oder Taschenpsychologen eben..
    (Küchenpsychologie von Küchenlatein http://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%BCchenlatein )

    Vielleicht auch hier : Vereinfachungssehnsucht sehr komplexer Zusammenhänge und Verstehenwollen ? Vielleicht.


    Das was ein Laie aus diesen Lebensratgeberbüchern zieht, ist sicher oft interessant für den einzelnen : als "Wissen", um es weiterzugeben und sogar andere zu " analysieren " ..zu pathologisieren eventuell sogar, reicht es m.E. nach nie und sollte m.E. vermieden werden.
    Geändert von Inaktiver User (17.08.2008 um 12:26 Uhr)

  9. Inaktiver User

    AW: Verkommt die deutsche Sprache?

    Es wurde eine Prozeßkostenbewertung durchgeführt, und wir machen Kostenplausibilisierungen durch den Einsatz von Schattenkalkulationen. Der Projektfortschritt wird durch Quality Gates überwacht." Ein typischer Satz eines leitenden Angestellten, gefunden in der Mitarbeiterzeitschrift eines süddeutschen Konzerns.
    ja eindeutig : ein Gnocchischwurbler ..ein Besseresser-Pastasager, der Matschnudeln verkocht..ein Ciaosager..

    Schaumschläger sagte man früher, oder ?

    OT : Tolles Archiv und DANKE..

  10. Inaktiver User

    AW: Verkommt die deutsche Sprache?

    OT :

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