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  1. Inaktiver User

    AW: Verkommt die deutsche Sprache?

    Muss mich selbst verbessern: In der einfachen "Fluchkultur" hat sich doch einiges getan. Oder Mark Twain haette sich weniger in Heidelberg und mehr in Bayern umhoeren sollen:

    Herrgottsakrament!
    Kraizkruzefix!
    Himmeaschundzwian!
    Himmiherrgottnochama!
    Hundsgrippi!

    usw.

    Das macht eine Sprache reich. Ebenso wie herbstblatts schwaetzen, wahlweise babbeln, verzeele, schnacken, kloenen, (t)ratschen usw.

    Wenn ein Ausdruck den Inhalt genau trifft, allein durch den Klang schon Gefuehl oder Gemeintes vermittelt (was ja auch Twain in der Lobespassage ueber deutsche Innerlichkeit, deutsches Liedgut/Gedichte usw., herausstellt), ist das doch wunderwunderbar.

    Ich komm heute hier nicht weg...
    Sch* doch der Hund drauf! (einer meiner Lieblinsgflueche)

  2. Inaktiver User

    AW: Verkommt die deutsche Sprache?

    In den Händen halte ich gerade Immatrikulationsunterlagen..

    "die gemeinsame Prüfungsordnung für den Studiengang Bachelor of Arts/Bakkalaureus Artium ( B. A. ) der geisteswissenschaftlichen Fächer der Universität X. "

    und weiter :

    Ein Erstsemesterheft, das Termine von "Ersti-Treffen der Fachschaft Spilt " verkündet

    Im ZEW-Gebäude findet man Ansprechpartner dieser Fachschaft.

    Das AAA bietet auch Veranstaltungen an, genau wie das InfoCenter..

    Mittagspause in Kleingruppen klingt gut : vielleicht gibt es da Buchstabensuppe..

    Infos gibt es auch über die Mailing-Listen und um 15 Uhr gibt es ein To-gether, aber nur für die Wirtschaftsinformatiker,
    dafür aber mit Kaffee, Kuchen und Professoren.

    In der Bibliothek gibt es recht viele Benutzerarbeitsplätze
    ( und vielleicht auch Arbeitsplätze für Nichtarbeitsplatzbenutzer : Benutzerarbeitsplatzputzerarbeitsplätze oder Benutzerarbeitsplatzerklärerarbeitsplätze..viellei cht sogar freie. ..)
    Geändert von Inaktiver User (15.08.2008 um 13:27 Uhr)

  3. Inaktiver User

    AW: Verkommt die deutsche Sprache?

    Ach, man muss auch nicht immer über Abkürzungen schimpfen.

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    In der Bibliothek gibt es recht viele Benutzerarbeitsplätze
    In der Bibliothek gibt es viele PC-Arbeitsplätze. Wo ist das Problem?

  4. Inaktiver User

    AW: Verkommt die deutsche Sprache?

    schimpfen
    Sprachpingelig wie ich bin, möchte ich betonen : ich schimpfe nur in der Bedeutung des Mittelhochdeutschen " schimpfen " :

    siehe wikipedia :

    Im Mittelhochdeutschen bedeutet schimpfen soviel wie "scherzen, spielen, spotten über" (Lexer, Mittelhochdeutschen Handwörterbuch, Band II, S. 745) und wird noch nicht in der abwertenden Art und Weise gebraucht, wie es heute der Fall ist.

    ein vrouwe sol niht vrevelîch
    schimphen, daჳ stât vröuwelîch.
    welsch. gast 397
    "Eine Dame darf nicht in anzüglicher Art scherzen; so gehört es sich für ein damenhaftes Benehmen"

    swer schimpfen wil, der schimpfe also,
    daჳ sîn gesellen mit im sîn frô.
    renner 5501;
    "Wer spaßen will, der tue das so, dass mit ihm auch sein Kamerad froh sein kann"

    Ich wünschte mir, dass Damen oder Herren Leser ein wenig froh und entspannt diese Kuriositäten aus Posting 432 betrachten, wenn sie es denn möchten.

  5. Inaktiver User

    AW: Verkommt die deutsche Sprache?

    Zeit- und raumpingelig, wie ich bin, freue ich mich, dass ich die deutsche Sprache im 21. Jahrhundert erleben darf mit Kindergärten, Handys und solchem Kram.

    Steht dir aber auch gut, die Strenge!

  6. Inaktiver User

    AW: Verkommt die deutsche Sprache?

    So :

    scherzen, spielen, ( ein wenig lächelnd über von mir gefühlte Kuriositäten ) spotten
    die von Dir gefühlte Strenge muss an meiner neuen Brille liegen :


    http://www.sunenergy-gmbh.de/picture...rau_brille.jpg

    Aber es stimmt: ich hörte, dass das sexy sein soll..und der Optiker sabberte :-))
    Geändert von Inaktiver User (15.08.2008 um 15:18 Uhr)

  7. Inaktiver User

    AW: Verkommt die deutsche Sprache?

    Subjekt - Prädikat - Objekt.. Vielleicht ein Nebensatz.. Einfache Sätze, die leicht zu verstehen sind.. Keine Wortungetüme..

    Nein : Als kompetent zeichnet sich heute derjenige aus, der das linguistische Feinsttuning mittels dezenten Einstreuens angeblichen Fachvokabulars beherrscht. Der elaborierte Wortschatz, der eigentlich ja kein " Schatz " ist, schafft Distanz, nach dem Motto, Du bist gnocco - hach, ich habe heute beim Italiener Knödel gekauft, und wir fingen im Geschäft an zu scherzen - und Du kannst da gar nicht mitreden. Das ist zum Schluß eine Verstaltung, wie sie Beigbeder in 39,90 mit der platten Aneinanderreihung inhaltsleerer Werbeslogans beschreibt, und man fühlt sich toll. Ja wirklich toll, aber in der anderen Bedeutungsvariante. Jedenfalls Detlef Graf Koks von Kohle und Fürchtegott Dummbartel glauben sich der Bewunderung sicher zu sein, jedenfalls der Bewunderung durch die Astrid Edle von Hohlschnepfe.

    Public viewing : ich wollte es nun doch nochmals genau wissen. Ein Blick in das baden-württembergische Gesetzblatt Nr. 6 vom 9. Mai 2008:

    Verordnung der Landesregierung zur Regelung der Lärmimmissionen bei der öffentlichen Übertragung der Fußballeuropameisterschaft 2008 im Freien
    § 1
    Anwendungsbereich
    (1) Diese Verordnung regelt die zum Schutz der Allgemeinheit und der Nachbarschaft vor schädlichen Umwelteinwirkungen durch Geräusche erforderlichen Anforderungen für Anlagen im Freien, auf denen die Fußballeuropameisterschaft 2008 auf Großbildleinwände übertragen wird (Public-Viewing-Anlagen).
    (2) Eine Public-Viewing-Anlage liegt nur vor, wenn die Anlage geeignet ist, von mindestens 20 Personen gleichzeitig genutzt zu werden, und die Öffentlichkeit Zugang hat.
    Damit ist " public viewing " Bestandteil der Rechtsprache (ich habe es eigentlich ja zunächst nicht glauben wollen), die der Rechtsunterworfene verstehen soll, weil er die Vorschriften ja auch befolgen soll. Nun ja, es gibt die Legaldefinition, was eine Public-Viewing-Anlage ist; wenn ich aber nicht den blassesten Schimmer habe (weil ich gnocco bin), dass eine Public-Viewing-Anlage auch etwas anderes sein könnte als vielleicht eine Anlage zur öffentlichen Aufbahrung, welche Veranlassung habe ich dann, das Gesetz zu studieren. Wenn ich keine Aktien besäße, dann interessierte mich auch das Aktiengesetz nicht.

    Paul Kirchhof (Handbuch des Staatsrechts, § 18 [Deutsche Sprache]):

    Deutsch ist als Umgangssprache und als Staatssprache das Mittel, das den einzelnen in die Kultur- und Rechtsgemeinschaft der Bundesrepublik Deutschland einbindet. Dem Staat muß deshalb daran gelegen sein, seine einheitsbildende und einheitswahrende Sprache zu pflegen und stets neu zur Entfaltung zu bringen.
    Die Sprechfreiheit hat ihren Geltungsgrund im allgemeinen Persönlichkeitsrecht, für das Grundgesetz im Recht auf die freie Entfaltung der Persönlichkeit (Art. 2 Abs. 1 GG) als Grundtatbestand, sowie für die Wortschöpfung, Sprachprägung und Sprachverfremdung in der Meinungsäußerungsfreiheit (Art. 5 Abs. 1 GG) und der Freiheit von Kunst und Wissenschaft (Art. 5 Abs. 3 GG), für die Weitergabe der Sprache auch im Eltern- und Erziehungsrecht, für die funktionale Sprechweise in anderen Freiheitsrechten, ...
    Nota bene : Diese kleinen Zitate aus einem 25-seitigen Handbuchbeitrag (Lexikonformat) sind jetzt willkürlich herausgegriffen. Als Rechtsproblem hat die " Deutsche Sprache " viele Facetten. Am allerdeutlichsten wird das Sprachproblem aber in Zusammenhang mit den Integrationsvoraussetzungen in unserer Zuwanderungsgemeinschaft. Es kann doch nicht sein, dass für bestimmten Gruppen der ausländischen Mitbürger amtliche Informationen in deren Sprache bereit gehalten werden; das ist doch auch eine Diskriminierung eben dieser Gruppe ausländischer Mitbürger, die dann auch ihre Kinder in der Bewältigung des Schulpensums kaum unterstützen kann. Und Deutsch ist dann nicht mehr wichtig; und Bewältigung des Schulpensums, was soll's.

    Nota bene2 : Klee, Dein Stil ist gerettet..
    Geändert von Inaktiver User (16.08.2008 um 10:38 Uhr)

  8. Inaktiver User

    AW: Verkommt die deutsche Sprache?

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    Der elaborierte Wortschatz, der eigentlich ja kein " Schatz " ist, schafft Distanz, nach dem Motto, Du bist gnocco...
    Wie der Ablauf funktionieren könnte, kann man sehr schön nachlesen in Alice Miller "Das Drama des begabten Kindes":

    "Von daher ist es auch zu begreifen, dass es Professoren gibt, die durchaus fähig wären, sich klar auszudrücken, und die doch ihre Gedanken in einer so komplizierten, entfremdeten Sprache bringen müssen, dass der Student sie sich nur in einer Mischung von Ärger und Fleiß aneignen kann, ohne damit etwas anfangen zu können.
    Möglicherweise wird der Student dabei Gefühle erleben, die seine Lehrer als Kinder bei ihren Eltern unterdrücken mussten. Falls die Studenten selber einmal Lehrer werden, bekommen sie Gelegenheit, ihren Schülern dieses unbrauchbare Wissen als große Kostbarkeit (weil es soviel gekostet hat) weiterzugeben."
    Geändert von Inaktiver User (15.08.2008 um 17:46 Uhr)

  9. Inaktiver User

    AW: Verkommt die deutsche Sprache?

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    ...muss an meiner neuen Brille liegen :
    http://www.sunenergy-gmbh.de/picture...rau_brille.jpg
    Au weia, ja!
    Ich erwäge auch ein ähnliches Modell als Neuanschaffung...

  10. Inaktiver User

    AW: Verkommt die deutsche Sprache?

    das
    der das linguistische Feinsttuning mittels dezenten Einstreuens angeblichen Fachvokabulars beherrscht. Der elaborierte Wortschatz, der eigentlich ja kein " Schatz " ist, schafft Distanz, nach dem Motto, Du bist gnocco hach, ich habe heute beim Italiener Knödel gekauft, und wir fingen im Geschäft an zu scherzen - und Du kannst da gar nicht mitreden
    hat m. E.

    mit dem

    "Das Drama des begabten Kindes"

    Von daher ist es auch zu begreifen, dass es Professoren gibt, die durchaus fähig wären, sich klar auszudrücken, und die doch ihre Gedanken in einer so komplizierten, entfremdeten Sprache bringen müssen, dass der Student sie sich nur in einer Mischung von Ärger und Fleiß aneignen kann, ohne damit etwas anfangen zu können.

    eher gar nichts zu tun..

    das sind m.E. nach zwei völlig unterschiedliche Phänomene..

    Auf der einen Seite der oben von Tom58 beschriebene Schaumschläger- Hochschwurbler, auf der anderen Seite jemand, der aufgrund sehr komplexer Gedankengänge recht verschwurbelt redet, weils mit Lakonie nicht möglich ist, alles erfassbar zu machen : bzw. nicht immer..eher selten..es kommt eben drauf an..

    Das zweite sah ich bei Mark Twain und erlebt es bei manchen, die sich sehr intensiv mit etwas auseinander gesetzt haben..

    Die Vereinfachung und Aufdenpunktbringung ;-)) in Lakonie funktioniert eben nicht immer ohne dass etwas fehlt.
    Und dass es fehlen würde, erwähnte man nicht zig Details : das weiß nur der Wissende.. :-)

    Das hier, wie kann man es einfacher ausdrücken, aber dennoch alles zum Ausdruck bringen, was wichtig ist ?

    Deutsch ist als Umgangssprache und als Staatssprache das Mittel, das den einzelnen in die Kultur- und Rechtsgemeinschaft der Bundesrepublik Deutschland einbindet. Dem Staat muß deshalb daran gelegen sein, seine einheitsbildende und einheitswahrende Sprache zu pflegen und stets neu zur Entfaltung zu bringen.
    Geändert von Inaktiver User (15.08.2008 um 21:51 Uhr)

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