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  1. User Info Menu

    AW: Verkommt die deutsche Sprache?

    Violine
    Okay, sie bedroht meine Existenz nicht, wohl aber meinen Geist.

    Vio? Meine kleine Vio? Schlechte Sprache bedroht deinen Geist? Dachte dein Geist sitzt so fest im Sattel wie ein Rodeo-Reiter... Oder meintest du "quält" und nicht "bedroht"?

    Rowellan
    Und hier kommt dann halt meine Befürchtung: Wird es auch zukünftig noch genug Autoren geben, die des Werkzeugs "Sprache" an sich so mächtig sind, daß sie meinen gigantischen Lesehunger Futter geben?

    Hallo Rowellan,
    schöne korrekte Sprache, egal welche, ist etwas wundervolles, keine Frage. Aber -ich habe dies hier schon einmal gefragt- erreicht dich eine inhaltlich umwerfende Äußerung nicht, wenn diese in falschem Deutsch wiedergegeben wird? Einfaches Beispiel: in meiner Nachbarschaft wohnte einmal ein Junge mit Down-Syndrom. Er konnte keinem Fremden in die Augen sehen, wir haben uns jedoch öfter "durch die Hecke" unterhalten. Und dieser Junge hat in seinem Stammel-Deutsch erstaunliche Sachen gesagt. Vielleicht ein bißchen weit hergeholt, ok , was ich meine ist, dass auch ein Voll-Krass-Cool-Alder-Ehj-Checker Schönes in seiner Hack-Sprache von sich geben kann. Zählt nicht der Inhalt und weniger die Form? Es gibt auch in der Literatur Beispiele von Autoren, die sich bewußt einer rudimentären Sprache bedienten, um ihre Geschichten zu erzählen. Ich denke, die korrekte Sprache ist nur ein temporäres Gerüst...die Inhalte werden überleben.

    Blickwinkel
    Wenn wir Sprache also zu weit verkommen lassen, berauben wir uns der Fähigkeit, präzise auszudrücken, was wir denken.

    Ich kann deinen kompletten Ausführungen ohne Wenn und Aber zustimmen. Sprache ist im Kontext "deutbar", that's for sure
    Ich habe allerdings eine andere Auffassung zu deinem o.g. Zitat: wir lassen die Sprache nicht verkommen...sie geht nicht verloren...sie ÄNDERT sich gerade. Muss ja nichts Schlechtes sein
    ...und irgendwann erscheint ein riesiger Arsch am Horizont und scheißt alles zu.

  2. Inaktiver User

    AW: Verkommt die deutsche Sprache?

    Zitat Zitat von Rundung

    Oder meintest du "quält" und nicht "bedroht"?

    das ist dasselbe!!!!!!!!

  3. User Info Menu

    AW: Verkommt die deutsche Sprache?

    Zitat Zitat von Rundung

    Rowellan
    Und hier kommt dann halt meine Befürchtung: Wird es auch zukünftig noch genug Autoren geben, die des Werkzeugs "Sprache" an sich so mächtig sind, daß sie meinen gigantischen Lesehunger Futter geben?

    Hallo Rowellan,
    schöne korrekte Sprache, egal welche, ist etwas wundervolles, keine Frage. Aber -ich habe dies hier schon einmal gefragt- erreicht dich eine inhaltlich umwerfende Äußerung nicht, wenn diese in falschem Deutsch wiedergegeben wird? Einfaches Beispiel: in meiner Nachbarschaft wohnte einmal ein Junge mit Down-Syndrom. Er konnte keinem Fremden in die Augen sehen, wir haben uns jedoch öfter "durch die Hecke" unterhalten. Und dieser Junge hat in seinem Stammel-Deutsch erstaunliche Sachen gesagt. Vielleicht ein bißchen weit hergeholt, ok , was ich meine ist, dass auch ein Voll-Krass-Cool-Alder-Ehj-Checker Schönes in seiner Hack-Sprache von sich geben kann. Zählt nicht der Inhalt und weniger die Form? Es gibt auch in der Literatur Beispiele von Autoren, die sich bewußt einer rudimentären Sprache bedienten, um ihre Geschichten zu erzählen. Ich denke, die korrekte Sprache ist nur ein temporäres Gerüst...die Inhalte werden überleben.
    Rundung, natürlich zählt in der generellen Kommunikation der Inhalt mehr als die Form.
    Ich finde die Geschichte von deinem kleinen Nachbar-Jungen sehr schön; da geht es nur darum, daß sich jemand mitteilen kann.
    Und die voll krasse Checker-Fraktion - ich treibe mich auch in Foren für Computerspiele rum, da kommt man nicht weit, wenn man nicht auch entsprechend geschriebene Postings versteht

    Beim Schreiben von Romanen geht es aber doch auch um den bloßen Inhalt, um das bloße Mitteilen von Fakten hinaus. Ich liebe es, wenn ein Autor in der Lage ist, mit Sprache zu spielen, Bilder zu malen in meiner Phantasie, die handelnden Personen so zu beschreiben, daß sie vor meinem inneren Auge lebendig werden. Und das setzt - für mich persönlich - mehr voraus, als nur das Übermitteln von Inhalten.
    Geändert von Rowellan (04.07.2008 um 16:19 Uhr) Grund: Tappfihler korrigiert
    *lost in the woods*

  4. Inaktiver User

    AW: Verkommt die deutsche Sprache?

    Zitat Zitat von Rowellan
    Beim Schreiben von Romanen geht es aber doch auch um den bloßen Inhalt, um das bloße Mitteilen von Fakten hinaus. Ich liebe es, wenn ein Autor in der Lage ist, mit Sprache zu spielen, Bilder zu malen in meiner Phantasie, die handelnden Personen so zu beschreiben, daß sie vor meinem inneren Auge lebendig werden. Und das setzt - für mich persönlich - mehr voraus, als nur das Übermitteln von Inhalten.

    Als ob Rundung das nicht selbst wüßte.

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    AW: Verkommt die deutsche Sprache?

    Ich hab schon eine Weile mitgelesen und musste bei der Diskussion unweigerlich an "1984" von George Orwell denken.

    Ich glaube zwar, dass die meisten schon davon gehört haben, aber es geht unter anderem darum, dass der dargestellte diktatorische Staat versucht, die Gedanken der Bürger zu kontrollieren.
    Dies geschieht durch das sogenannte "Neusprech", eine auf die Grundlagen reduzierte Sprache, denn die These ist, dass man nur das denken kann, was man auch sprachlich auszudrücken in der Lage ist.
    Aus "sehr gut, klasse, toll, prima" wird z.B. "plusgut" oder "doppelplusgut".
    Durch die Reduktion der Sprache wird auch das Denken der Menschen "reduziert". Sicher, die Kommunikation funktioniert, aber die Weite der Gedanken wird beschränkt.
    Und um dem Argument, Taube und Stumme würden so diskriminiert vorzubeugen: beide Gruppen haben eigene Sprachen. Gerade Taube/Taubstumme legen Wert darauf, als eigene sprachliche Gruppe angesehen zu werden. (Mal davon abgesehen, dass auch sie gewöhnlich lesen und schreiben können).

    Ein anderer dystopischer Roman, der eine ähnliche These aufgreift ist "Die Geschichte der Dienerin" von Margaret Atwood, in dem Frauen schlicht verboten wird, zu lesen und zu schreiben. Alles, was sie im täglichen Leben benötigen, wird durch Bilder und Symbole dargestellt. Auch hier ist das Verbot sprachlichen Ausdrucks ein Mittel, Menschen unter Kontrolle zu bringen.

    Wäre (geschriebene) Sprache nicht ein wichtiger Bestandteil von Kommunikation, wäre Analphabetismus kein Problem.

    Ich finde die Diskussion darüber höchst interessant (um nicht zu sagen, voll spannend ;-)).
    Life's just a game I believe - the longer you play it, the harder it gets.
    (Skyclad, Building a Ruin)

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    AW: Verkommt die deutsche Sprache?

    Zitat Zitat von Rundung
    Blickwinkel
    Wenn wir Sprache also zu weit verkommen lassen, berauben wir uns der Fähigkeit, präzise auszudrücken, was wir denken.

    Ich habe allerdings eine andere Auffassung zu deinem o.g. Zitat: wir lassen die Sprache nicht verkommen...sie geht nicht verloren...sie ÄNDERT sich gerade. Muss ja nichts Schlechtes sein
    *seufz* da ist sie schon wieder, die Sprach/Verständigungs-Falle...

    Ich bezog mich lediglich auf den Strangtitel, übernahm ihn und hätte den Konjunktiv und eine passive Form wählen müssen.
    So korrigiere ich mich dann eben super cool (und vielleicht ist damit dann auch wieder erkennbar, dass wir - in dieser Geschichte - keine unterschiedliche Auffassung haben )

    Also: Korrektur meiner Geistesergüsse:

    Wenn Sprache also tatsächlich verkommen würden tät, berübe uns das der Fähigkeit, präzise auszudrücken, was wir denken. (Dass sie sich ständig ändert hatte ich einige Seiten vorher ja schon anhand von Beispielen zu verdeutlichen versucht

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    AW: Verkommt die deutsche Sprache?

    @ amphip
    Dein Hinweis auf die beiden bekannten Bücher "1984" und "Report der Magd" sind sehr wichtig. Aber die Entwicklung eines jugendlichen Neusprechs und einer verordneten regulierten Sprache sind schon etwas anderes. Das erstere passiert freiwillig und will sich deutlich von der Sprache der Eltern abheben, das zweite soll tatsächlich die Denke der Bürger verändern. Hier fallen mir die ganz besonderen sprachlichen Erfindungen unser Politikerelite ein.

    In der Arbeitswelt werden ja auch die Verschlechterung der Arbeitsbedingungen mit hehren Worten wie Flexibilität und Produktivität geschönt.
    Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

  8. Inaktiver User

    AW: Verkommt die deutsche Sprache?

    Zitat Zitat von Opelius
    das zweite soll tatsächlich die Denke der Bürger verändern.
    Aber wenn du sprachlich versiert bist und deinen Geist wach hältst bist du vor solchen Hypnotisierungen gefeit.

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    AW: Verkommt die deutsche Sprache?

    Zitat Zitat von Blickwinkel
    *seufz* da ist sie schon wieder, die Sprach/Verständigungs-Falle...
    ...womit doch die eine oder andere These in diesem Strang untermauert wird, gell?!

    Du hast alles -soweit ich das beurteilen darf- korrekt geschrieben und ausgedrückt...dennoch habe ich dich missverstanden...heisst das nicht auch, die Sprache wird auf einen zu hohen Sockel gestellt? Mal so frag, ehj....
    Geändert von Rundung (04.07.2008 um 17:16 Uhr)
    ...und irgendwann erscheint ein riesiger Arsch am Horizont und scheißt alles zu.

  10. User Info Menu

    AW: Verkommt die deutsche Sprache?

    Ich glaube, das Problem ist nicht die Jugendsprache, die zur Abgrenzung dient - die "verwächst" sich meist wieder. Sprachschönheit wird von vielen erst spät, über 20 wahrgenommen.

    Ich finde aber schon, dass es ein Problem ist, wenn viele Kinder nicht mehr differenziert sprechen lernen, sei es, weil sie aus bildungsfernen Haushalten kommen oder Erwachsene keinen Wert darauf legen, dass sie ihnen gegenüber anders sprechen als mit ihresgleichen.
    Und genau da sehe ich ein Problem, denn weder Fernsehen noch Musik sind ein Vorbild. (Es gab und gibt natürlich immer noch Sender bzw. Musiker, die sich durch sprachliche Kunst hervortun, aber die sind eben keine Vorbilder).

    Und ich finde es wichtig, mehr zu können als bloße Kommunikation - dafür ist die verkürzte Sprache sicher genug, und das heißt auch nicht, dass jemand, der sich eben nicht ausdrücken kann, keine Gedanken hat die wert sind ausgedrückt zu werden. Aber Sprache ist ein Teil unserer Kultur, unseres Denkens, und zumindest verstehen sollte sie jeder.
    (Das gilt für jede Sprache - sie spiegelt die Kultur; übrigens nicht nur die von "Naturvölkern" wie oben ausgesagt. Fragt mal einen älteren Polen wie das war, als er seine Sprache nicht mehr sprechen durfte).
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    (Skyclad, Building a Ruin)

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