Sitzenbleiben ist ebenso wenig Strafe wie ne 5 in der Klassenarbeit.
So wie die 5 in der Arbeit das Ergebnis mangelhaften Leistungs- und Wissensnachweises darstellt, stellt das Sitzenbleiben sowas wie ne 5 im Gesamtergebnis am Ende des Schuljahres dar.
So bitter das für die betreffenden Schüler auch ist: mit Sitzenbleiben bekommt man nicht "eins reindrückt", sondern dafür ist erstmal der Schüler selbst verantwortlich.
Wie ich schon sagte: die Gründe warum Leistung nicht erbracht wurde oder werden konnte, können vielfältig sein. Von persönlichen, privaten Problemen bis hin zu schlichtem Null Bock auf Schule ist eben alles drin.
Ändert aber nix daran, dass dieses Ergebnis eben ein Zeichen von Wissenslücken darstellt, die Probleme für die gesamte restliche Schulzeit nach sich ziehen können, schafft man es nicht, diese adäquat nachträglich zu schliessen. Hat ja Chaoskaiserin schon anschaulich beschrieben ...
Solang in Deutschland das komplette Schulsystem nicht umfassend reformiert wird, wird man an der Praxis des Sitzenbleibens nicht viel ändern können ... weil eben keine sinnvollen Alternativen zur Verfügung stehen.
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14.03.2013, 09:54Inaktiver User
AW: Sollten Schüler nicht mehr „sitzen bleiben“?
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14.03.2013, 10:06
AW: Sollten Schüler nicht mehr „sitzen bleiben“?
Es gibt so viele schöne Momente im Leben; ich sollte mich entspannen,
dann durchfluten sie mich wie Regen ...
American Beauty
Nothing in life is as important as you think it is, while you are thinking about it.
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15.03.2013, 13:02
AW: Sollten Schüler nicht mehr „sitzen bleiben“?
Ich finde das mit der Bewerbung ums Sitzenbleiben auch eine interessante Idee.
Das würde nämlich bedeuten, dass sich dieser Schüler bewusst für diese Chance entscheidet und sie auch als solche wahrnimmt.
Wird Sitzenbleiben lediglich als Abstrafung gesehen, ist es nichts, wofür sich eine Bewerbung lohnen würde.
Mit diesem Widerspruch "Chance statt Abstrafung" kann man auf die Vorteile des Sitzenbleibens aufmerksam machen, nämlich die Chance zur Füllung der Wissenslücken, die für die weiteren Schullaufbahn fatal wären.
Es stimmt, was hier gesagt wurde: Auch eine schlechte Note ist keine Abstrafung, sondern ein wichtiges Feedback, nämlich, dass das Lernziel nicht richtig erreicht wurde. SchülerInnen haben ein Recht auf dieses Feedback.Liebe keinen, der nicht auch Dich liebt!
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15.03.2013, 13:40Inaktiver User
AW: Sollten Schüler nicht mehr „sitzen bleiben“?
Ich glaube nicht daran ... ist doch ähnlich wie bei der weiterführenden Schule. Fast alle wollen ihr Kind auf Gymnasium drücken, egal ob das Kind für diesen Weg geeignet ist oder nicht ... frei nach dem Motto: irgendwie wird es sich dann schon durchmogeln.
Genauso sähe es bei dieser Entscheidung beim Sitzenbleiben aus. Das entscheiden ja in den meisten Fällen ja eh die Eltern, und die Kids wollen sicher im ewähnten Freundeskreis bleiben.
Also käme es imho bei 95 - 99 Fällen dazu, wo ein Sitzenbleiben angeraten wäre, dass die Eltern was von "im nächsten Jahr auf den Hosenboden setzen, wir achten drauf!" faseln.
Dabei bleibt in den meisten Fällen dann der betreffende Schüler allein auf dem Hosenboden sitzen, weil die Eltern entweder keine Zeit hätten, sich dazu zu setzen, oder gar nicht in der Lage wären, ihrem Kind da Unterrichtsstoff-gebundene Unterstützung zu bieten.
Die Preise für Nachhilfe in Köln bewegen sich übrigens so ab 8 Euro/45 Minuten von Schüler für Schüler der Klassen 5 - 7, und so ab Klasse 8 liegen die Preise bei 10 - 15 Euro/45 Minuten wenn von Schülern oder Studenten privat gehlfen wird, oder von 12 - 25 Euro/45 Minuten bei professioneller Hilfe. Nur um mal zu zeigen, was es kostet, Wissenslücken auf andere Weise zu schliessen.
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15.03.2013, 17:39
AW: Sollten Schüler nicht mehr „sitzen bleiben“?
Dazu hätte ich gerne einmal eine Statitik gesehen, die belegt, dass diese Kinder vom Sitzenbleiben profitieren...Ich möchte darauf hinweisen, dass von der Chance des Sitzenbleibens hauptsächlich Kinder aus bildungsfernen Schichten profitieren. Versetzungsgefährdete Kinder von Bildungsbürgern werden in der Regel bereits während des Schuljahrs mithilfe privater Nachhilfe aufgefangen - dafür sorgen schon die Eltern. Finanzschwache und bildungsferne Eltern investieren dagegen aus naheliegenden Gründen nicht in private Nachhilfe.
Die Wahrheit ist doch eher : dieses Sitzenbleiben ist der Beginn des Absurzes, der mit dem Hintenrunterfallen endet...
Das Sitzenbleiben als humanistische Idee für Kinder "bildungsferner Schichten" zu sehen, liegt mir fern.
Im Gegenteil : würde das Schulssystem insofern verbessert, dass ALLE Kinder IN DER SCHULE gefördert werden, müsste es solche Ideen wie das Sitzenbleiben nicht geben...
Hierzu passt aber neben dem unzulänglichen Schulsystem aber LEIDER auch die Tatsache, dass mancher Leher seinen Job SCHLECHT macht...
und ENDLICh darf man das heute auch sagen...
http://www.zeit.de/2013/11/Schlechte...ichtsqualitaet
Diesen Artikel sollte man gelesen haben !!!!
Zu große Klassen etc WENIGER RELEVANT als die QUALITÄT der Lehrer !!!!non
oui
“Fashion is not something that exists in dresses only. Fashion is in the sky, in the street, fashion has to do with ideas, the way we live, what is happening.” Coco Chanel
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17.03.2013, 19:22
AW: Sollten Schüler nicht mehr „sitzen bleiben“?
Nun, der Blickwinkel entstand aus einer ganz konkreten Situation.
Mein Nesthäkchen hatte die Mittelstufenprüfung in der Tasche, hätte also ohne weiteres in die Oberstufe gehen können.
Aber seine Bewerbung für einen der raren Plätze in einer Uhrmacherschule wurde zurückgewiesen: zu schlecht (bzw. die 45 anderen Bewerbungen aus dem gesamten Osten Frankreichs besser)
Schule, Schulleitung - alle waren dagegen, dass er das Jahr nochmal macht, um ein besseres Dossier zu haben: Eine Ehrenrunde hätte zu selten positive Auswirkungen. (Stimmt, kann ich unterschreiben)
Ich hätte rein rechtlich sowieso darauf bestehen können, denn Kleinchen war noch nicht 16.
Aber es war vor allem Kleinchen, der darauf bestand.
Er hat also unaufgefordert eine Bewerbung um die Wiederholung der Klasse geschrieben. Das war letztendlich der Ausschlag.
Ich halte die willentliche Beteiligung des Sitzenbleiber- Kandidaten für einen wesentlichen Baustein.
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17.03.2013, 19:29
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18.03.2013, 11:24
AW: Sollten Schüler nicht mehr „sitzen bleiben“?
@ Lapoupeequiditnon
Natürlich wäre es besser, die bildungsfernen schwächeren Schüler würden ebenfalls gleich richtig gefördert - und zwar in der Schule.
Da es das Sitzenbleiben jedoch immer noch als den Normalfall gibt, wird es schwierig sein, hier Vergleichsstudien zu finden - mit und ohne Sitzenbleiben. Es mag vielleicht Internate geben, wo man nicht sitzen bleiben kann, aber da ist die Betreuung durch die Lehrer schon mal besser als in öffentlichen Schulen.
Nein, ich ziehe lediglich logische Schlussfolgerungen: Wo hätten denn lernschwache SchülerInnen aus bildungsfernen Schichten, die normalerweise sitzen bleiben würden, nach dem Wegfall des Sitzenbleibens überhaupt noch eine Möglichkeit, ihre Wissenslücken aufzufüllen??? Denn sie werden ja nicht von ihren Eltern zur Nachhilfe angemeldet! Sie würden einfach abgehängt, ohne dass sich die Schule bemüßigt fühlte, sich um sie zu kümmern. Und irgendwann brechen diese Kinder bzw. Jugendlichen dann die Schule ab, weil sie nicht mehr hinterher kommen.Liebe keinen, der nicht auch Dich liebt!
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18.03.2013, 12:26Inaktiver User
AW: Sollten Schüler nicht mehr „sitzen bleiben“?
Trotz zahlreicher Förderprogramme, Projekte jeglicher Art, Sozialpädagogen und Ansprechpartner für aller Art von Problemen ist keine Besserung in Sicht. Und viele Lehrer sind überfordert. Zu Recht. Sie werden bestens ausgebildet, gehen auch ständig zu Fortbildungsveranstaltungen, alle Nase lang werden neue Konzepte vorgestellt wie man dem Schüler das Lernen noch schmackhafter und leicht verdaulicher machen kann.
Das Problem: es hilft nichts. Weil viele Schüler nicht gelernt haben, sich anzustrengen.
Weil sie das nicht kennen. Weil sie rundum immer alles vorgekaut bekommen. Alles vorgesetzt, alles schon halbfertig. Das beginnt schon in der Früherziehung.
Selbst Dinge erschließen? Der Fantasie freien Lauf lassen? Fehlanzeige.
Kapieren die Eltern bloß nicht. Und wundern sich dann später...sie haben es ja nur gut gemeint, indem sie ihrem Sprössling alles abgenommen haben.
Von Anfang an. Und Kinder in dem Anspruch erzogen werden, wenn ich etwas nicht verstehe, muss nicht ich mich mehr bemühen, es zu begreifen, sondern der, der versucht, mir etwas zu erklären. Denn der will ja schließlich was von mir.
Und:
Weil man neben der ganzen Förderei auch das Fordern vergessen hat.
Und weil Lehrer die Hälfte der Unterrichtszeit damit zubringen, Erziehungsdefizite aus dem Elternhaus auszugleichen, soweit das überhaupt noch möglich ist.
Eltern rennen in die Schule und feilschen um jede Note, lassen sich noch in Gegenwart ihrer Kinder aus, dass die Lehrer schlecht seien und es deshalb für seine Note nichts könne, dass der Unterricht bestimmt langweilig gewesen sei, und und und.
Als wäre das "Versagen" des Kindes das eigene.
Eltern identifizieren sich heutzutage zu sehr mit ihrem Nachwuchs.
Die Methodenvielfalt im Unterricht wird immer breiter, kaum eine Schule, an der nicht inzwischen Beamer von der Decke hängen und neuer Stoff erstmal per Powerpoint präsentiert wird...
man bemüht sich um die Aufmerksamkeit Schüler, wie man nur kann.
Von der Tafel muss kaum mehr einer abschreiben, nicht mal mehr vom Overheadprojektor, steht schon alles auf den Arbeitsblättern, wo man höchstens noch einzelne Wörter eintragen muss, damit die Kinder sich ja nicht ihr Handgelenk verzerren.
Die Blätter bleiben gern unter der Bank liegen, wandern in den Papierkorb oder verschwinden auf Nimmerwiedersehen in den Rucksäcken oder schicken, kleinen Handtäschchen (Styling ist wichtiger als alle Schulunterlagen dabei zu haben - die Eltern sagen offenbar nichts dazu).
Man traut sich gar kaum mehr, Klassiker in der Oberstufe zu lesen, weil die Jugendlichen über die Hälfte der Wörter nicht mehr verstehen und man sie auf keinen Fall langweilen darf....(abgesehen davon, dass nicht wenige Eltern wegen so etwas am Lehrer vorbei gleich Beschwerde beim Direktor einreichen oder einen Elternabend organisieren wollen...).
Das Lied von der nötigen Reform und den grottenschlechten Lehrern wird überall gesungen und dann gibt es sogar noch Leute, die so tun, als sei das die Ausnahme und überaus heldenhaft, sich dahingehend konform zu äußern.
Ich wage zu behaupten, gerade WEIL die Schule ständig versucht, es Kindern und v.a. Eltern Recht zu machen, weil überall Ausnahmen gemacht werden, überall gefördert, gefördert, gefördert wird, ist es so schwer geworden, zu unterrichten.
Und reihenweise Atteste ausgestellt werden, dass das arme Kind dies und jenes aufgrund irgendeiner Störung gar nicht erledigen kann...
Und der zweite Punkt ist, dass Eltern endlich wieder ihrer Erziehungsaufgabe nachkommen sollten.
Die Bequemlichkeit vieler Eltern, die lieber verschworene Partner ihrer Kinder sind als Wegbegleiter und Erzieher, haben die Haltung vieler Schüler zurfolge, dass für sie immer eine Ausnahme gemacht werden muss, dass sie kaum mehr teamfähig sind, weil sie gelernt haben, stets im Mittelpunkt zu stehen, Unfähigkeit, sich an Regeln zu halten (das heißt bei Mami und Papi "wir haben ein sehr willensstarkes Kind")..., sich nichts mehr sagen lassen, alles hinterhergetragen bekommen wollen, unfähig sind, verdiente Sanktionen einfach hinzunehmen wenn vorher bekannt war, was passieren würde wenn.... sondern dann - wie man es von den Eltern gelernt hat - mit dem Anwalt zu drohen (weil man keinen DinA5-Aufsatz schreiben möchte, schließlich hat man ja nachmittags Fußball/Reiten).
Und Schüler, die nicht zur Prinzen- und Prinzessinnenfraktion zählen, sind nicht weniger aufmüpfiger. Mit dem Unterschied, dass man die Eltern gar nicht zu Gesicht bekommt.
Überzogen?
Nein, mitten aus dem Schulalltagsleben. Und wer sich kein halbes Jahr in einen Klassenraum gestellt und selbst versucht hat, sein bestes zu geben, sollte mit Aussagen und Vorwürfen gegen Lehrer mal ganz vorsichtig sein.Geändert von Inaktiver User (18.03.2013 um 12:57 Uhr)
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29.04.2013, 09:16Inaktiver User
AW: Sollten Schüler nicht mehr „sitzen bleiben“?

Wenn man betrachtet, dass ein Großteil des Unterrichtsstoffes mangels Einübungszeit nur theoretisch vermittelt und hineingepaukt wird, um die nächsten Tests und Klausuren zu bestehen, ist Sitzenbleiben mMn völlig überflüssig und ein vergeudetes Lebensjahr.
Ein schlechter Matheschüler z.B. wird mit der Wiederholung nicht besser, im Gegenteil, der daraus resultierende Argwohn, dasselbe nocheinmal machen zu müssen, schafft die Basis, dies eben beim zweiten Anlauf auch nicht zu schaffen. Da wäre es eher ratsam über einen Schulwechsel nachzudenken.
Dass eine Reform des Schulsystems angebracht wäre, darüber sind sich ja die meisten einig (zumindest hier in Bayern). Es beginnt damit, dass eine Entscheidung für eine weiterführende Schule nach der 4. Klasse zu früh ist. In den meisten europäischen Ländern wird erst später entschieden, zumindest in denjenigen, die uns bei der PISA-Studie locker überrollen.
Ansetzen müsste man von Grund auf bei der Lehrerschaft, die Befähigung testen, ob die Bewerber überhaupt für den Beruf geeignet sind. Da trennt sich mMn schon die Spreu vom Weizen. Ich kenne Lehrer, die eigentlich ganz andere Berufe angestrebt haben, aber aufgrund verschiedener Gründe (u.a. Schwierigkeitsgrad) ein begonnenes Studium abgebrochen und dann eben alternativ gewechselt haben ("O-Ton eines Lehrers: Da bin ich wenigstens finanziell abgesichert!"). Ebenso gibt es an unserer Schule "Lehrer", die eigentlich Chemiker oder Biologen usw. sind, also diesen Fachbereich auf Lehramt gar nicht studiert haben, und daher meilenweit davon entfernt sind sich Pädagogen nennen zu dürfen. Keine gute Ausgangsbasis um SchülerInnen Wissen zu vermitteln, wo ihnen im Studium dies gar nicht beigebracht wurde und der Lehrerberuf eh nur die zweite Wahl war.
Ich gehe sogar noch weiter und sage, dass das Beamtentum bei Lehrkräften abgeschafft werden sollte und diese - so wie in den meisten anderen Berufen üblich - nach Leistung bezahlt werden. Eine Klassenarbeit mit einer Durchschnittsnote von >4 sagt eigentlich nur aus, dass der Stoff nicht angemessen vermittelt wurde. So viele "begriffstutzige" SchülerInnen auf einem Haufen kann es gar nicht geben!
Häufiger Unterrichtsausfall mit Vertretungslehrkräften, die Zeitung lesen, während die SchülerInnen sich selber beschäftigen dürfen, da "so kurzfristig kein Programm vorbereitet werden konnte". Haaallo geht es noch??? Ich erwarte, dass ein ausgebildeter Lehrer aus dem Ärmel eine Unterrichtsstunde halten kann, selbst wenn es nicht seine eigene Klasse ist, die er vor sich hat! Fortbildung während der Schulzeit dürfte es auch nicht mehr geben, wenn nicht für eine ordnungsgemäße Vertretung gesorgt wird. In anderen Situation dürfen sich SchülerInnen von Lehrkräften anhören "O-Ton: Mir kann es doch egal sein, ob ihr es kapiert oder nicht, ich bekomme mein Gehalt trotzdem!".
Ein Arbeitnehmer in der freien Wirtschaft würde bei einem solch schlechten Arbeitsergebnis um seine Gehaltserhöhung fürchten oder sogar Gehaltseinbußen in Kauf nehmen müssen, im schlimmsten Fall sogar um seinen Arbeitsplatz fürchten. Lehrer bleiben davon verschont, warum eigentlich? Aber SchülerInnen sollen gefälligst die Klasse wiederholen...
"Ein Lehrling ist nur so gut wie sein Meister !"
PS: Gott sei Dank gibt es auch sehr gute Lehrer und Pädagogen, leider sind diese aber in der Minderheit.Geändert von Inaktiver User (29.04.2013 um 10:25 Uhr)



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