Ich habe vor 10 Jahren in Bayern Abitur gemacht.
Als ich am Gymnasium eingeschult wurde, waren in meiner Klasse zwei "Sitzenbleiberinnen", die mit uns die 5. Klasse wiederholten. Beide haben nach der 7. Klasse die Schule in Richtung Realschule verlassen (müssen). In der 7. Klasse kamen drei "Sitzenbleiber" zu uns in die Klasse, um diese Jahrgangsstufe zu wiederholen. Zwei von ihnen haben die Schule nach ein oder zwei Jahren ebenfalls verlassen, der dritte blieb noch ein zweites mal sitzen, hat dann aber sein Abitur glaube ich doch gemacht. Ganz ähnliche Biographien gab es in den Parallelklassen - viele blieben erst sitzen, mussten aber dann trotzdem auf die Realschule wechseln. Erst in den höheren Jahrgangsstufen gab es dann kaum noch "Sitzenbleiber".
Ob all diese Schüler ohne das Sitzenbleiben ihr Abitur geschafft hätten, das kann keiner wissen. Eines scheint mir aber deutlich zu werden: Eine motivierende, anspornende, leistungsverbessernde Wirkung des Sitzenbleibens lässt sich nicht erkennen!
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Ergebnis 11 bis 20 von 53
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19.02.2013, 23:49
AW: Sollten Schüler nicht mehr „sitzen bleiben“?
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20.02.2013, 00:36Inaktiver User
AW: Sollten Schüler nicht mehr „sitzen bleiben“?
Sämtliche Neuerungen dienen doch in erster Linie dazu Geld zu sparen. Zuerst schafft man die Schulempfehlung ab, fast niemand schickt sein Kind freiwillig auf die Hauptschule, also schafft man sie doch einfach ganz ab. Wie es denn überforderten Kindern der ach so ehrgeizigen Eltern geht interessiert anscheinend niemanden.
Jetzt soll das Sitzenbleiben auch noch abgeschafft werden? Wie stellen sich das die Damen und Herren denn vor? Was macht z.B. ein Mathelehrer wenn er diese Schüler mit durchziehen muss? Wie soll neues Wissen auf altes Nichtwissen aufbauen?
Wann kommt die nächste Pisastudie und was bewirkt sie? Nichts! Deutschland verblödet irgendwann, aber Hauptsache Geld gespart.
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20.02.2013, 05:27
AW: Sollten Schüler nicht mehr „sitzen bleiben“?
Meine Pflegetochter war für die Rückstufung so dankbar.
Zu glauben, alle Probleme lösen sich, wenn Kinder nicht durchfallen können, ist sehr optimistisch gedacht. Tatsächlich ist es für die Kinder genauso demotivierend, wenn sie sich heftig anstrengen und trotzdem nie mitkommen.
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20.02.2013, 07:02
AW: Sollten Schüler nicht mehr „sitzen bleiben“?
Tja, ich lebe ja nun mal im schönen Bayern Land und habe schon immer von einer Gesamtschule geträumt........Zuerst schafft man die Schulempfehlung ab, fast niemand schickt sein Kind freiwillig auf die Hauptschule, also schafft man sie doch einfach ganz ab. Wie es denn überforderten Kindern der ach so ehrgeizigen Eltern geht interessiert anscheinend niemanden.
Ich kenne ne Menge sehr symphatische Mathe-Lehrer. Liegt aber vlt auch dadran, DAS ich keine Schwierigkeiten in Mathe hatte, meine Tochter auch nicht. Mein Sohn hingegen stand/steht mit Mathe absolut auf Kriegsfuss!Was macht z.B. ein Mathelehrer wenn er diese Schüler mit durchziehen muss?
Wann kommt die nächste Pisastudie und was bewirkt sie?
Nichts!
Deutschland verblödet irgendwann, aber Hauptsache Geld gespart.
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20.02.2013, 10:16Inaktiver User
AW: Sollten Schüler nicht mehr „sitzen bleiben“?
Ich auch, u.a. meinen Mann und meine Tochter

Und von daher kenne ich auch viele Geschichten von allzu ehrgeizigen Eltern die ihre Kinder mit Gewalt zum Abitur bringen wollen.
Auch meine zweite Tochter war immer gut in Mathe, hatte aber ab der zweiten Fremdsprache Probleme, war überfordert und fiel in allen Fächern ab. Wir warteten nicht bis zum Sitzenbleiben sondern nahmen sie schon vorher vom Gymnasium. Die Realschule meisterte sie dann problemlos und machte nach der mittleren Reife wieder am Gymnasium weiter. Sie war einfach ein Spätzünder.Wir wohnen in BaWü, älteste Tochter unterrichtet in Hessen an einer Gesamtschule Mathe und Deutsch und ist davon absolut nicht überzeugt.Tja, ich lebe ja nun mal im schönen Bayern Land und habe schon immer von einer Gesamtschule geträumt...
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20.02.2013, 18:28
AW: Sollten Schüler nicht mehr „sitzen bleiben“?
@ Scooter2:
Nur mal am Rande: An der Waldorfschule kann man auch das Abitur machen. Und es werden die selben Inhalte getestet, wie an Gymnasien.Man wandelt nur das, was man annimmt.
C.G. Jung
Nein ist ein ganzer Satz.
Keine Ahnung von wem
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21.02.2013, 02:09
AW: Sollten Schüler nicht mehr „sitzen bleiben“?
wenn die kinder,die ja eigentlich sitzen bleiben sollen,in der
jetzigen klasse nicht mitkommen wie sollen sie dann im nächsten jahr tun.
zudem blokieren sie die anderen kinder beim lernen weil sich das lehrpersonal
noch mehr um die kinder kümmern muss die hinter her hinken.Zeige den Menschen die Realität und sie werden dich beschimpfen, dich schlagen, dich verachten, dich ignorieren...
Zeige ihnen eine Lüge, an der sie kaputt gehen und du bist ihr Gott...
Am 13.juli 2013 hab ich nach
6 jahren meinen 5000.beitrag geschrieben.viele
Mädels schaffen das bei der BRI an einem Tag
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21.02.2013, 06:56
AW: Sollten Schüler nicht mehr „sitzen bleiben“?
Das aktuelle Schulsystem hat so viele grundsätzliche Schwächen, da ändert sich wenig dran, wenn an solchen Details rumgeschraubt wird.
grüsse, barbara
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21.02.2013, 09:21
AW: Sollten Schüler nicht mehr „sitzen bleiben“?
Meiner Tochter hat das Wiederholen der Klasse 7 im Gymnasium (Bayern) unheimlich geholfen. Es hat sowohl Wissenslücken gefüllt, als auch ihre Angst vor der Schule drastisch reduziert, da sie bei bekanntem Stoff Erfolgserlebnisse hatte und in einem neuen Umfeld unbelastet neu beginnen konnte.
Daher halte ich Wiederholungen für sinnvoll.
hier ein in meinen Augen treffender Artikel dazu:
Debatte über das Sitzenbleiben: Gleichmacherei und Illusionen - Inland - FAZ
"1974 blieben noch 400.000 Schüler im Jahr sitzen, inzwischen sind es weniger als die Hälfte, nur ein Prozent der Schüler, während in manchen Bubndes-Ländern noch immer bis zu elf Prozent die Schule abbrechen. Das ist die weit beunruhigendere Zahl, die eher eine Ursachenbetrachtung lohnte.
Die Gymnasiasten bilden übrigens gar nicht die größte Gruppe unter den Klassenwiederholern. Viel größer ist der Anteil der Haupt- und Sekundarschüler, die aufgrund ihres fortgesetzten Schulschwänzens sitzenbleiben. Diese Schüler werden aber nicht deshalb am Unterricht teilnehmen, weil das Sitzenbleiben abgeschafft ist. Wie so oft, ist auch der Streit über das Sitzenbleiben eine Symptomdebatte.
Wer das Sitzenbleiben abschaffen will, müsste auch die Notengebung beseitigen und es unmöglich machen, durch Prüfungen zu fallen. Die Schule sollte aber gerade der Ort sein, an dem Kinder und Jugendliche lernen können, mit dem Erlebnis der eigenen Unfähigkeit konstruktiv umzugehen. Wer das zum ersten Mal im Berufsalltag erfährt, ist ausgeliefert, stellt sich selbst in Frage und scheitert am Ende ganz.
Die Beseitigung des Sitzenbleibens, die Abschaffung von Noten, die Abwertung von Bildungszertifikaten vom Abitur bis zum Hochschulabschluss gehören zu einer sozialstaatlichen Beglückungsphantasie, die kollektiven Aufstieg und gesellschaftliche Gleichheit über Bildung garantieren will und sich längst als Illusion erwiesen hat.
Kinder wollen wissen, ob sie etwas richtig machen und ob es sich überhaupt lohnt sich anzustrengen. Sie messen sich mit ihren Klassenkameraden und wissen bald, was sie gut und weniger gut können. Wenn das Schulwissen sich nicht mehr vom Alltagswissen unterscheidet, wenn es Alltagswissen nicht überformt, in Frage stellt, korrigiert, gibt es keinen Grund mehr, überhaupt noch in die Schule zu gehen.
Hans----------------------------------------------------------------
"Hören wir einfach auf, uns selbst und unser Land permanent unerträglich zu finden - denn das kam, gemessen an den Realitäten, schon immer einer Undankbarkeit von unappetitlichen Ausmaßen gleich." Juli Zeh.
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21.02.2013, 09:24Inaktiver User
AW: Sollten Schüler nicht mehr „sitzen bleiben“?
@Hans

Ich schlage vor, dass die Noten abgeschafft werden und beim Schuleintritt bekommt jedes Kind automatisch das Abiturzeugnis mit Berechtigung zum Studium.
*ironieaus*


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