Umfrage: Muss unser Schulsystem reformiert werden?

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Ergebnis 1 bis 6 von 6
  1. Administrator

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    Ist unser Schulsystem überholt?

    Liebe Userinnen, liebe User,

    eine aktuelle Studie im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung bestätigt, was schon lange kein Geheimnis mehr ist: Nach wie vor entscheidet der soziale Status eines Schülers über seine Bildung, wer aus einer niedrigeren Einkommensschicht kommt, wird es in der Regel nicht schaffen, Abitur oder gar Studium abzuschließen.

    Auch nach diese Studie wird wieder der Ruf laut, dass die Politik endlich handeln soll. Wünschen auch Sie sich endlich eine umfassende Reform des deutschen Schulsystems? Oder glauben Sie, dass man den Lernerfolg eines Schulkindes nicht politisch "verordnen" kann?

    Gruß

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    AW: Ist unser Schulsystem überholt?

    ich überblicke 6 Jahrzehnte deutsches Schulsystem, erst aus eigenem Erleben, dann als die Kinder zur Schule gingen, jetzt wie es den Enkeln so ergeht.

    An diesem System wird pausenlos rumgebastelt. Basierend auf die kaiserliche Schulordnung, die vor hundert Jahren optimal war, hat sich bis heute nichts Grundlegendes verändert. Im wesentlichen werden die Kinder weiterhin im Dreiklassensystem erzogen.

    Mensch wird man bis heute nur, wenn man ein Abitur hat, aber das muss mit 1, höchstens mit 2 abgeschlossen werden, sonst ist jahrelang der Zugang zum Studium verwehrt.

    Es war ein utopischer Traum der Bildungsoffensive in den 70ern, dass wir deutlich mehr "Arbeiterkindern" den Zugang zu einer wissenschaftlichen Karriere ermöglichen. Einige wenige haben das geschafft. Aber mit dem Preis, dass normal begabte Kinder jetzt auf der Restschule nur noch für ein Leben auf Hartz4-Basis vorbereitet werden können.
    Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

  3. Inaktiver User

    AW: Ist unser Schulsystem überholt?

    Ob unser Schulsystem als solches überholt ist weiss ich nicht.

    Allen Unkenrufen zum Trotz ist unser Schulsystem durchlässig. Jeder Haupt- und Realschüler kann beispielsweise über den Weg beruflicher Schulen das Abitur machen. Alle Schüler und auch Eltern werden darüber mehrfach während eines Schullebens informiert. Warum das nicht funzt verstehe ich persönlich nicht. Aber Fakt ist in der Tat, dass der Bildungerfolg von der saozialen Herkunft abhängt und das muss sich dringend ändern. Ist aber ein Allgemeinplatz, dem jeder zustimmen wird denke ich mal.

    Lernen muss halt jeder selber (unabhängig von der Herkunft), diese Erkenntnis scheint meiner Erfahrung nach allerdings immer weniger zu gelten... Ist jetzt meine persönliche Erfahrung mit vielen jungen Leuten im ausbildungsfähigen Alter.....Mit sehr unterschiedlicher Herkunft.

    Die Fokussierung auf die Abiturientenquote halte ich für fatal. Die duale Ausbildung in Deutschland wird international gelobt und kommt Leuten entgegen, die eher praktisch arbeiten können und wollen. Spanien lobt seine hohe Akademikerquote: jede Krankenschwester und jede Bankkauffrau sind Akademikerinnen (können aber nicht mehr als deutsche nach einer dualen Ausbildung) und stehen nach derAusbildung auf der Straße !

    Genauso die vielgelobten Finnen mit ihrem Super-Schulsystem. Sie haben eine Jugendarbeitslosigkeit von ca. 20%. Also top gebildete Leute, die keiner braucht ?

    In BaWü kommt jetzt die Gemeinschaftsschule. Mal sehen. Jedenfalls wird Gleichmacherei nichts bringen. Sehr gute Leute gehören genauso gefördert wie schwache Schüler. Gute Leistungen zu erbringen ist häufig verpönt, die Leute werden nicht gelobt, sondern als "Streber" tituliert, "cool" sind die schlechten. Das hat aber nichts mit dem Schulsystem zu tun, sondern mit den beteiligten Personen.

    Die Frage ist nicht -wie in obiger Umfrage fromuliert- ob sich die Regierung bewegt: das Schulsystem betrifft die Kulturhoheit der Länder, da hat die Regierung mal nicht viel zu sagen.,....

    Gruß, Elli
    Geändert von Inaktiver User (12.03.2012 um 12:45 Uhr) Grund: Ergänzung/Rechtschreibfehler

  4. Inaktiver User

    AW: Ist unser Schulsystem überholt?

    Das ist eine etwas merkwürdige Umfrage! Erstens ist die Regierung bei Fragen der Länderkompetenzen doch gar nicht zuständig, sondern der BundesRAT oder die KuMi-Konferenz und zweitens würde doch kein Mensch für die horizontale und vertikale Durchlässigkeit die Eltern in die Pflicht nehmen, die überhaupt nicht die Möglichkeiten haben, darauf Einfluss zu nehmen.

    Jörg Dräger von der Bertelsmannstiftung hat heute im MoMa dazu ausgeführt, dass die als schlechte Ausbilder bekannten Stadtstaaten spezielle Probleme haben, die in Flächenstaaten sooo gar nicht auftreten. Wie also sollte da kurzfristig eine einheitliche Marschroute möglich sein?

    Nichtsdestotrotz bin ich für ein einheitliches (Abschluss-)Prüfungssystem und für individuelle Förderung der Schüler. Hier setze ich große Hoffnungen auf die in BaWü testweise eingeführten Gemeinschafts-/Gesamtschulen.

    Mir ist nicht ganz klar, wie es mit der Vergabe von Studienplätzen gehandhabt wird, wenn ein vglw. einfaches Abi mit einem top Notenschnitt hingelegt wird, während das schwierigere bayrische Abi vielleicht mit einer halben Note schlechter erreicht wird... Schon deshalb bin ich für eine Vereinheitlichung der Schulsysteme, die aber halt den speziellen Problemen der Stadtstaaten Rechnung tragen müssen.

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    AW: Ist unser Schulsystem überholt?

    In Bayern lebend mit 5 Kindern auf verschiedenen Schulen empfinde ich das Schulsystem nicht optimal, aber auch als wesentlich besser als es seine Kritiker häufig darstellen. Das hängt sicher auch mit der Geographie zusammen. In ländlichen Gebieten mit starkler Wirtschaftskraft und geringen sozialen Spannungen läuft auch das Schulsystem wesentlich normaler und akzeptabler.

    Unsinning finde ich die Zersplitterung des Bildungssystems auf Länderebene, eine einheitliches deutsches Schulsystem fände ich sehr anstrebenswert. Aber dann bitte auf dem Niveau von Bayern oder BW und nicht dem von Hamburg.

    Schulsysteme sind immer zwei Spannungsfeldern ausgesetzt, die gegensätzlich wirken. Homogenität schafft Bildungsgerechtigkeit, Heterogenität schafft Flexibilität.
    Vergleicht man das sehr homogene DDR Bildungssystem (das ich durchlaufen habe) mit dem heutigen heterogenen Bildungssystem der Bundesrepublik, dann spricht für Homogenität, daß es zu weniger Ausgrenzungen von Lernschwachen kommt, weniger Konkurrenz herscht, Umzüge in andere Landesteile keine Probleme bereiten. Nachteilig ist die Starre des Systems, alle lernen mehr oder weniger das gleiche, es gibt kaum Abstimmung von Inhalten und Methodik auf die unterschiedlichen Lernfähigkeiten. Und wer einmal aus diesem Bildungssystem heraugefallen ist, bleibt auch draußen. Es gibt nur sehr wenige Bildungswege, die kaum Raum lassen für Umorientierungen und Neubeginne.
    Das genau spricht für die heterogenen Bildungssysteme, sie eröffnen viel mehr Chancen für einen Neustart, eröffnen viele verschiedene Wege zum gleichen Ziel. Und man kann unterschiedliche Begabungsniveaus differenziert fördern.

    Letztlich ist das deutsche Bildungssystem sozial viel durchlässiger als man meint. Vergleicht man z.B. die Bildungswege von vietnamesichen und türkischen Migrantenkindern (die in etwa in den gleichen sozialen Millieus (eher geringe Einkommen, Ghettoisierung, kaum deutsche Sprachkenntnisse der Eltern) aufwachsen), so erkennt man bei etwa gleichen Ausgangspositionen sehr unterschiedliche Bildungserfolge. Vietnamesische Migrantenkinder liegen deutlich über dem Durchschnitt der deustchen Kinder, türkische Migrantenkiner darunter. Hauptunterschied ist die Motivationsleistung der Familie, die für jeden Bildungserfolg die wichtigste Einflussgröße ist.

    Das zeigt aus das Beispiel des PISA Gewinners Kannada:durch eine strikte Selektion der Einwanderer nach Bildungs- und Leistungskriterien schafft man eine sehr hohe Bildunsgmotiavtion in Migrantenfamilien. Daher ist das kanadische Bildungssystem sozial so durchlässig.

    Essay: Keine Schweißer für Toronto - Nachrichten Print - DIE WELT - Debatte - WELT ONLINE

    Eine solche Politik wäre in D aber nicht konsensfähig.

    Gruß

    Hans
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    "Hören wir einfach auf, uns selbst und unser Land permanent unerträglich zu finden - denn das kam, gemessen an den Realitäten, schon immer einer Undankbarkeit von unappetitlichen Ausmaßen gleich." Juli Zeh.

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    AW: Ist unser Schulsystem überholt?

    Offensichtlich gibt es eine Lobby mit erheblichem Einfluss auf Politiker und Entscheidungsträger in der Kultusministerkonferenz, deren Intetesse an keiner Veränderung unseres Bildungssystems dazu führt, dass vielgerühmte Reformen nur kosmetische Korrekturen sind. Das Bildungssystem (was auch die Lehrerausbildung beinhaltet) ist obsolet und unterstützt offensichtlich die Interessen einiger Gesellschaftsgruppierumgen, für die Bildung ein Element ihres machtsichernden Systems ist. Es ist eine Schande für eine Nation, die (noch) wirtschaftliche und politische Bedeutung besitzt, die im Bereich Bildung und Soziales wegweisend war, dass sie in beiden Bereichen zu versagen droht. Politik stellt hier die Weichen und Politik ist hier gefordert. Weichgespülte, inhaltsleere, tagespolitische, karrierefördernde, unverbindliche verbindlich erscheinende Politparolen sind verhindernd, machtsichernd und destruktiv. Was bedeutet dem Menschen der Mensch in diesem Land? Kinder, Ältere...? Warum wird zugelassen, dass Menschen, die z. B. an 5 Tagen die Woche 8-10 Stunden pro Tag arbeiten, nicht von ihrem Einkommen leben können und staatliche Ergänzungsunterstützung benötigen?! In diesem Land ist wohl noch mehr als die Bildungpolitik schräg!!! Dieses Land ist es wert, dass das und noch viel mehr besser wird. Aber das bedarf politisch Verantwortlicher, die weder ihr persönliches karrieistisches noch ein parteipolitisches oder lobbyistisches Interesse voran stellen, sondern wirklich für die Menschen dieses Landes agieren - für das Gemeinwohl, mit moralischer Verantwortung, wo es sein muss auch gegen Partei- und Mainstreamräson. Für Dich, für mich, für uns, für unsere Kinder und Enkel. Die Entscheidung von heute wirkt in die Zukunft. Denkt positiv und entscheidet positiv!

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