Der Film ist eher auf Unterhaltung als auf geschichtsgenaue Wiedergabe ausgerichtet. Deshalb werde ich ihn mir im Kino nicht anschauen.
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02.02.2009, 23:03
AW: Werden Sie sich den Stauffenberg-Film anschauen?
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18.02.2009, 13:01
AW: Werden Sie sich den Stauffenberg-Film anschauen?
Ich habe den Film inzwischen gesehen und ich fand ihn ausnehmend gut.
Ich schaue mir Spielfilme nicht mit der Prämisse einer detailgetreuen geschichtlichen Wiedergabe der Geschehnisse an. Dazu gibt es Dokumentationen.
Dabei ist - soweit ich das beurteilen kann - geschichtlich nichts verfälscht und dass ein Spielfilm von ca. 2 Stunden Länge nicht exakt 18 Stunden (und am Anfang des Films noch diverse "Ereignisse" davor) 1:1 'rüberbringen kann ist ja wohl selbstverständlich. Und das Einbringen persönlichen Visionen des Regisseurs vom Thema wünsche ich mir bei einem Spielfilm. Das kann man auch machen OHNE die geschichtlichen Fakten zu verändern oder gar sie zu entstellen und so ist es bei "Operation Walküre" - meinem Empfinden nach - auch umgesetzt.
Mich interessieren Filme als Ausdruck einer Kunstform. Dies kann auf sehr viele verschiedene Arten und Weise geschehen. Das kann zum Beispiel eine völlig verrückte oder eine traumhafte, märchenhafte Inszenierung sein, aber ebenso gut auch eine realistische und realitätsnahe Darstellung. Ein Spielfilm hat (u.a.) die Macht der Bilder (gut auch im Zusammenhang mit Musik, die natürlich verfremden darf) und diese sollte er (meine Intention) zum Ausdruck der Kunst nutzen. Außerdem wünsche ich mir von einem Regisseur dass er sich auf die psychologische Führung seiner Filmfiguren versteht. Bryan Singer (der Regisseur von "Operation Walküre") nutzt diese Möglichkeiten und setzt sie gut um (meinem Empfinden nach) und daher sah ich einen ziemlich gelungenen Film.
AnitraGeändert von Anitra (18.02.2009 um 16:12 Uhr)
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18.02.2009, 13:21
AW: Werden Sie sich den Stauffenberg-Film anschauen?
Ich habe die letzten Beiträge nach meinem obigen posting nochmals gelesen (ist ja schon eine Weile her) und möchte anmerken, dass nach meinem Verständnis "Operaton Walküre" weder ein Actionfilm noch ein Thriller ist. Ich sah beides darin NICHT.
Ich sah einen Spielfilm zu einem historischen Thema, brilliant inszeniert und mit guten Schauspielern besetzt. Weiter nichts.
AnitraMein Avatar zeigt Charlotte Gainsbourg.
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18.02.2009, 13:46Inaktiver User
AW: Werden Sie sich den Stauffenberg-Film anschauen?
Ich bin ja keine Filmfachfrau, aber
ist es nicht so, dass Spielfim der Oberbegriff für Filme mit fiktionaler Handlung ( mit eventuellem Realitätsbezug ) ist, unter dem aber vom Filmgenre Tragödie, Thriller, Komödie alles einzuordnen sein kann ?
Somit sagt der Begriff Spielfilm an sich nicht viel aus : darf ich Dich fragen, was Du konkreter damit meinst : thrillte Dich nichts ;-) ..war der Film nicht aufregend gemacht ?
Was bedeutet aus Deinem Blickwinkel für Dich " Spielfilm " ?
Und das frage ich mich : Gibt es eine Scheu mancher Menschen, sich angesichts der historischen Geschichte " thrillen " zu lassen ? ;-))
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18.02.2009, 15:20
AW: Werden Sie sich den Stauffenberg-Film anschauen?
Als "Filmfachfrau" würde ich mich auch nicht sehen. Tatsache aber ist, dass ich seit 30 Jahren hunderte oder vielleicht sogar an die tausend Filme oder mehr "quer durch den Gemüsegarten" angesehen habe und zwar stets sowohl aktuelle als auch alte Filme bis "uralte" ("als die Bilder laufen lernten"
) Stummfilme. Hinzu kommt, dass ich mein "Hobby" Film mit meinem Mann teile und dass in den bald 28 Jahren unseres Zusammenseins "Film" ein überaus dominantes Gesprächsthema für uns ist. Ich würde mal sagen wir diskutieren mehrere Stunden pro Woche über Film im allgemeinen und im besonderen. Sehr häufig ist das Thema Film an Wochenenden ein absolut abendfüllendes. Darüber hinaus lese ich auch immer wieder Filmkritiken und überdies besitzen wir so einige Bücher über "Film", in denen ich immer wieder einmal "herumschmökere".
Ich gebe dir Recht, dass "Spielfilm" ein Oberbegriff für alle möglichen Filmgenres sein kann. Ich verwendete in meinem posting den Begriff zur Abgrenzung von Dokumentationen. Einige Menschen lehnen den Stauffenberg-Film ja auch deshalb ab, weil sie befürchten, dass er den historischen Vorfällen nicht gerecht wird, oder nicht gerecht werden kann.
Nein, mich "thrillte" nichts. Das liegt aber daran, dass die Geschichte bekannt ist. Aber: Ich dachte mir, dass der Film an sich sehr spannend wäre, wüsste man nicht was geschehen wird. Ein Film mit einem so historischen Bezug kann für mich eigentlich kein Thriller sein. Ich weiß ja vorher was passieren wird. Bei einem "Thriller" hingegen betrete ich ein völlig unbekanntes Terrain und das ist ja bei "Walküre" nicht gegeben.Somit sagt der Begriff Spielfilm an sich nicht viel aus : darf ich Dich fragen, was Du konkreter damit meinst : thrillte Dich nichts ;-) ..war der Film nicht aufregend gemacht ?
Was bedeutet aus Deinem Blickwinkel für Dich " Spielfilm " ?
Ich denke, das habe ich in meinem ersten Absatz bereits beantwortet.
Berechtigte Frage. Ich habe so das Gefühl, dass man mit dem in Frage kommenden Kapitel der deutschen Geschichte nach der Ansicht einiger nicht "spielen" darf. (Da wären wir bei dem Begriff "Spiel"film.) Bei diesem Thema wünschen sich manche ausschließlich eine dokumentarische Wahrheit oder eben gar nichts. Das ist natürlich völlig legitim. Genauso legitim ist es aber eine diametral andere Einstellung dazu zu haben.Und das frage ich mich : Gibt es eine Scheu mancher Menschen, sich angesichts der historischen Geschichte " thrillen " zu lassen ? ;-))
Ich wollte den Film anfänglich auch nicht unbedingt sehen, weil mich die Thematik in einem (Spiel)film (da sind wir wieder so weit
) erst einmal auch nicht vorrangig interessiert. Dann habe ich aber Kritiken gelesen, die auch auf die rein filmischen Aspekte des Films eingingen und da ich glaube mittlerweile aus Kritiken auch herauslesen zu können ob mir der Film zusagen wird, wusste ich, dass ich ihn sehen will. Ich habe mir keinen schlechten Film erwartet, aber er war noch besser als ich es vermutet habe. Diese Aussage gilt natürlich nur für mich, weil jeder einen Film mit anderen Augen sieht und das wiederum gilt für jeden Film.
Liebe Grüße
AnitraMein Avatar zeigt Charlotte Gainsbourg.
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18.02.2009, 17:56Inaktiver User
AW: Werden Sie sich den Stauffenberg-Film anschauen?
Liebe Anitra
danke für die ausführliche Antwort auf meine Fragen.
Es ist interessant, Deinen persönlichen Blickwinkel geschildert zu bekommen und ich fühle, dass er meinem wohl recht ähnlich ist
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19.02.2009, 09:00Inaktiver User
AW: Werden Sie sich den Stauffenberg-Film anschauen?
Ich werde den Film nicht anschauen.
Mich stört (und das störte mich schon an dem nicht schlecht gemachten Fernsehstück), dass Stauffenberg als bescheidener, besorgter Widerstandskämpfer auftritt, dass dessen ehrgeizige Ziele, die ihn Hitler erst ablehnen liessen, als offensichtlich wurde, dass mit dem nichts zu gewinnen aber alles zu verlieren war, nicht sichtbar gemacht werden, und dass nicht gezeigt wird, wie gleichgültig ihm die Vertreibung von Millionen Menschen war.
Mag sein, dass der Kunst die Freiheit der Interpretation und Auslassung zusteht, aber da, wo ein berühmtes Schicksal der Aufhänger ist, verlange ich zumindest in Grundzügen eine Nähe zur Wahrheit, die sich nicht allein auf eine abgestellte Aktentasche und derlei hinlänglich Bekanntes beschränkt.Geändert von Inaktiver User (19.02.2009 um 09:04 Uhr)
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19.02.2009, 11:14
AW: Werden Sie sich den Stauffenberg-Film anschauen?
Ich verstehe zwar, was Du meinst, aber rein unter Genre-Gesichtspunkten betrachtet, ist WALKÜRE sehr wohl ein Thriller. Er hat m.E. eine ganz klare Spannungsdramaturgie und das obwohl man ja weiß , wie die die Geschichte ausging. Der Film setzt da an und entwirft dennoch ein Spiel gegen die Zeit und vermittelt ein Gefühl dafür, dass der Putsch nur sehr knapp gescheitert ist, dass es eben auch hätte klappen können.
Und das fand ich persönlich schon spannend.
Dazu kommt, dass der Film m.E. klar in der Tradition von Filmen wie Hitchcocks NOTORIOUS steht - auch das ist ja nun ein Triller...
das mag wohl so sein..Zitat von Klee
Und das frage ich mich : Gibt es eine Scheu mancher Menschen, sich angesichts der historischen Geschichte " thrillen " zu lassen ? ;-))
Für mein Empfinden klaffen da aber Anspruich und Wirklichkeit auseinander. Auch der vielgerühmte SCHINDLERS LISTE arbeitet mt Mitteln des Unterhaltungsfilms, macht zB Anleihen bei CASABLANCA.asa nisi masa
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19.02.2009, 11:36
AW: Werden Sie sich den Stauffenberg-Film anschauen?
An der historischen Figur Stauffenberg stört mich fast alles. Den "Helden" zu dem er im Nachhinein gemacht wurde, kann ich nirgendwo erkennen. Man könnte zur historischen Figur noch ziemlich viel (und viel Kritisches bis Negatives) sagen, doch mir geht es im konkreten Fall nur um einen Film. Und diesen finde ich sehr gelungen.
Soweit ich das beurteilen kann (bin kein Historiker) wurde nichts verfälscht (es sei denn man betrachtet allein schon die Wortwahl der Figuren als "Verfälschung", denn man weiß ja nicht was diese tatsächlich wortwörtlich wann zum wem gesagt haben oder man betrachtet es als "Verfälschung", dass nicht an Originalschauplätzen gedreht wurde usw. usw.). Insofern sehe ich die Nähe zur Wahrheit durchaus gegeben. Es ist nicht Aufgabe eines Spielfilms (@Klee du weißt jetzt, wie ich das meineMag sein, dass der Kunst die Freiheit der Interpretation und Auslassung zusteht, aber da, wo ein berühmtes Schicksal der Aufhänger ist, verlange ich zumindest in Grundzügen eine Nähe zur Wahrheit, die sich nicht allein auf eine abgestellte Aktentasche und derlei hinlänglich Bekanntes beschränkt.
) bestimmte Kriterien über die Person Stauffenberg einzubringen. Der Film interpretiert Stauffenberg übrigens nicht, er zeigt - wie du schreibst - die hinlänglich bekannten Fakten (die aber eben filmisch umgesetzt). Was hätte er sonst tun sollen? Die Geschichte kann ja nicht neu geschrieben werden.
Die Figur Stauffenberg in ein völlig anderes Licht zu rücken hätte einen völlig anderen Film ergeben. Das hätte man natürlich auch machen können, aber dann hätte es vorrangig nicht um die historischen Einzelheiten gehen können, sondern mehr um ein Portrait dieses Mannes. Dem Regisseur ging es aber darum die Geschichte (filmisch umgesetzt versteht sich) als solche zu zeigen und dies erachte ich für völlig legitim.
Liebe Grüße
AnitraGeändert von Anitra (19.02.2009 um 11:54 Uhr)
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19.02.2009, 11:47
AW: Werden Sie sich den Stauffenberg-Film anschauen?
Du hast schon Recht. Ich hätte etwas klarer zum Ausdruck bringen sollen, dass ich "Walküre" nicht als Thriller empfand, spannend aber durchaus (mit den Abstrichen, dass man ja weiß, was passieren wird).
Bei einem "Thriller" denke ich vorrangig an Krimis ohne politischen Hintergrund oder diesen allenfalls als Randerscheinung eingebracht.
Interessanterweise war ich zum Schluss auch noch den Tränen nahe und genau dieses Empfinden sagt mir, dass der Film (als Film!
) mich in seinen Bann ziehen konnte und das ist es letztendlich was ich von einem Film erwarte.
Bei "Notorious" wusste ich (beim erstmaligen Sehen
) aber NICHT wie die Geschichte ausgehen wird.
Liebe Grüße
Anitra
Nachträglicher Zusatz: Ich habe gerade nochmals meinen von dir zitierten Text gelesen. Dort schrieb ich bereits, dass ein Film mit historischem Hintergrund für mich kein Thriller sein kann. Das schließt nicht aus, dass ich mir dessen bewusst bin, dass "Walküre" in das Genre "Thriller" eingereiht werden kann (wird, muss).Geändert von Anitra (19.02.2009 um 11:52 Uhr)
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