Mein Mann und ich wollen uns trennen. Ich klammere mich aber an ihn, weil ich vor dem Alleinsein panische Angst habe. Besonders, wenn ich abends allein zu Hause bin, habe ich das Gefühl, in ein schwarzes Loch zu fallen, aus dem ich nie wieder raus komme.
Geht das nur mir so, ist das noch normal? Ich muß dazu sagen, daß ich nicht so leicht Kontakte knüpfen kann, brauche längere Zeit, um anderen Menschen zu vertrauen, und ich bin halt in einigen Dingen nicht wie der Durchschnitt - bin ziemlich eigensinnig und habe meine Eigenheiten, mit denen ich auch Angst habe, die anderen zu stören.
Ohne das Gefühl, wenigstens zu einem Menschen zu gehören, fühle ich mich absolut verlassen und verloren. Ein Leben ohne Miteinander erscheint mir absolut sinnlos, und das nicht nur vom Gefühl her sondern auch vom Verstand.
Vielleicht hat die Angst vor dem Alleinsein auch mit meiner Kindheit zu tun. Bin als Einzelkind großgeworden, mußte mich ständig an Erwachsene, Alte und Kranke anpassen, und oft bin ich von meiner Mutter im Stich gelassen worden.
Ich habe all meine Kraft in meine Beziehung zu meinem Mann gesteckt und darüber meine Beziehungen zu einem eigenen Freundeskreis vernachlässigt. Nun sehne ich mich so sehr danach, neue Freunde zu finden, weiß aber nicht, wie ich das anstellen soll.
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Thema: Angst vor dem Alleinsein
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28.01.2005, 12:33Inaktiver User
Angst vor dem Alleinsein
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28.01.2005, 12:49Inaktiver User
Re: Angst vor dem Alleinsein
So, wie Du Deine Kindheit beschreibst, so habe ich mich darin wiedererkannt. genau das gleiche. Von wegen: Immer die verwöhnten Einzelkinder. Den Spruch kann ich schon lange nicht mehr hören.

Ich bin da genauso. Ich lebe in einer gut funktionierenden Beziehung und habe eigentlich überhaupt keine Sorgen, das wir uns trennen könnten. Trotzdem immer wieder der Gedanke: Was ist wenn doch irgendwann einmal. Ich bemühe mich ohne Ende nicht zu klammern und das gelingt mir auch. Aber es ist irre anstrengend. Ich habe auch wahnsinnige Angst vor dem Alleinsein.
Ich frage mich heute noch, wie ich das gemacht habe, über drei Jahre alleine zu leben und nur zu Arbeiten und ansonsten immer alleine zu Hause zu sein. Das kommt mir heute sehr unwirklich vor.
Vielleicht liegt es wirklich an der Konstellation in der Kindheit, da die ja bei uns beiden ähnlich ist. Vielleicht haben andere ja noch ne Idee.
LG Nienna
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28.01.2005, 15:04
Re: Angst vor dem Alleinsein
Mir geht es genauso.
Ich habe seit 10 Jahren eine glückliche Beziehung. Leider wohnen wir aber noch nicht zusammen (haben wir aber vor) und mein Freund kann natürlich auch nicht jeden Abend bei mir sein. Ich werde immer fast verrückt, wenn ich den Abend alleine zu Hause bin. Ich komme mit mir selbst nicht zurecht, bin unzufrieden und habe eine furchtbare innere Leere. Nervös sitze ich dann auf der Couch und hoffe, daß es bald Zeit fürs Bett ist. Ich hasse diese Abende! Und ich suche auch immer noch nach einer Lösung.
Pepsi
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29.01.2005, 12:37Inaktiver User
Re: Angst vor dem Alleinsein
Hallo Ihr Beiden,
das ist schon mal tröstlich für mich zu erfahren, daß es anderen auch so geht.
Es ist auch so blöd, daß ich an solchen Abenden, an denen ich mich so total einsam fühle, mich dann auch nicht mehr aufraffen kann, bei irgendwem anzurufen, um ein bißchen zu quatschen. Ich hab in dem Moment das Gefühl, ich störe nur.
Zum andern hab ich die Tendenz, mich mit Leuten abzugeben, die absolut nicht zu mir passen, nur um nicht allein zu sein.
Ich würde so gerne lernen, mit dem Alleinsein fertig zu werden (auch wenn das Alleineleben nicht meinen Zielen entspricht). Und einen großen Freundeskreis aufbauen, so daß ich immer Kontaktmöglichkeiten hätte. Aber das fällt mir wie schon gesagt auch ziemlich schwer.
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29.01.2005, 13:08Inaktiver User
Re: Angst vor dem Alleinsein
Mir schwant langsam das Gefühl, da schreibt mein zweites Ich.
Ich kenne das auch: Die Überlegung, ach ruf doch einfach jemanden an und quatsch ein bisschen oder geh ins Kino, frag Freunde, ob sie Lust haben vorbeizuschauen.....
Und dann tut man es nicht, weil man Angst hat, man würde die Freunde stören und wenn sie zur Verabredung ja sagen, sie es aus Mitleid und Pflichtgefühl täten.
Zumindest geht es mir oft so. Aber ich arbeite dran, denn ich weiß: Das ist ein Problem des Selbstwertgefühls. Man meint, man wäre selber nicht genug wert, als das die Menschen sich mit einem unterhalten würden. Dabei muß man sich auch mal die Frage stellen: Wenn ich gar ncihts wert WÄRE, hätte ich diese Menschen überhaupt kennengelernt? Wäre ich dann mit ihnen befreundet?
Wir tun damit oft unbewußt dem Freundeskreis unglaubliches Unrecht. Das ist das fatale daran.
LG Nienna
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31.01.2005, 10:47
Re: Angst vor dem Alleinsein
Was macht Ihr denn so um besagte Abende rumzukriegen? Tips und Tricks werden gerne genommen!
Pepsi
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31.01.2005, 12:23Inaktiver User
Re: Angst vor dem Alleinsein
Hallo an alle "angstgeplagten".. ich kenne das auch , angst vor dem alleinsein. ich habe ängste, seit ich z.b. verh. bin. Mein mann hat mir nie das gefühl gegeben, bei mir zu sein, wenn ihr das versteht, auch wenn er nicht anwesend war. er stand n icht hinter mir. ich habe einige thereapie-ansätze gemacht, als letztes die entspannungstechnik nach jacobson gelernt und mir einige stützen gebaut. ich lebe in einem haus alleine gelegentlich. mein mann geht oft weg ( rentner leben) :-)) , ich habe mir kontakte zu nachbarn aufgebaut , wenn auch sehr zögerlich. und offen über meine ängste gesprochen. ihr werdet sehen, wieviel andere menschan noch angst haben. ich kann z.b. sehr gut abends und nachts alleine bleiben, hab da so eine stütze im gehirn.. wenn licht brennt bei nachbarn.. geht es mir eigentlich gut. dann fühle ich mich irgendwie sicher. und dann geniesse ich das alleinsein. höre musik, gehe ins internet zum chatten, ist übrigens eine gute ablenkung... hat auch mal ein psychologe im fernsehen gesagt.eine angstattacke dauert nicht lange. ich musste auch üben, alleine in grosse kaufhäuser zu gehen.. aber es ist einfach mit arbeit verbunden. falsch ist es, sich an menschen zu klammern. denn alleine leben kann sehr schön sein..
nur mut und gruss theresia
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31.01.2005, 14:01Inaktiver User
Re: Angst vor dem Alleinsein
Ich glaube Theresia hat da schon viel geliefert, liebe Pepsilight. Stimmt, man kann sich auch wunderbar alleine beschäftigen. Inzwischen rufe ich dann schon öfter mal einfach jemanden an, verabrede mich usw. Allerdings kommt diese Situation auch selten vor, da mein LG eigentlich meistens abends auch zu Hause ist. Und dann kann man immer noch gemeinsam weggehen.
Wenn ich mal wieder rückfällig bin (so nenn ich das jetzt mal) und mich nicht traue jemanden anzurufen, mache ich mir z.B. eine schöne heiße Badewanne fertig mit Duftölen und nehme mir ein gutes Buch mit. Meistens bleib ich dann auch nach der Wanne an dem Buch hängen und ...schwupps ist der Abend rum und man hat trotzdem was sinnvolles getan, was einem gut tut.
Auch sind manchmal auch augenscheinlich unsinnige Dinge durchaus sinnvoll. Wenn ich nicht denken will und keinen Bock habe mir eine Aktion aus dem Ärmel zu leiern, dann kann man ruhig auch mal die olle Glotze anschmeißen und sich beriseln lassen. Schön die Füße hoch und prima ist alles.
LG Nienna
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31.01.2005, 17:51Inaktiver User
Re: Angst vor dem Alleinsein
hallo nienna...
es stimmt was du schreibst,, dein zweites ICH.. wer angst hat, hat das gefühl, so ging es mir jedenfalls, dass ein zweiter mensch neben einem steht. und den muss man beseitigen. ich rede zb. mit der angst und sage ganz laut, hau ab.. ich kann dich nicht gebrauchen.. lach , aber der kontakt unter menschen ist für angstgeplagte sehr wichtig... egal wie und wenns nur bla bla ist.
viel mut und lieben gruss theresia
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02.02.2005, 10:28
Re: Angst vor dem Alleinsein
Hallo zusammen,
ich bin froh, dass ich mit diesem Problem nicht allein bin. Habe eine Wochenend-
beziehung Freitag Abend bis Montag früh. Er ist Selbständig und hat einen vollen
Terminkalender. Also in der Woche keine Zeit. Leider bin ich noch dazu allein
in Stuttgart (seit 8 Jahren hier) und meine Lieben sind alle weit weg.
Am Anfang habe ich noch "gejammert" ach bin so allein in der Woche, doch jetzt
mach ich immer mal was anderes, was mir Spass macht. Geht ins Kino, Bummeln
ab und zu mal Volkshochschule oder einfach mal nur Lesen oder Fernsehen.
Da ich berufstätig bin sind die Abendstunden dann doch schell rum.
Ich seh alles jetzt positiver, bewahre mir die schönen Dinge, die ich habe und freue mich Woche für Woche auf das gemeinsame Wochenende.
Tschüssi
Borsteli


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