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    Es war lange vorbei, jetzt hat es mich wieder

    Hallo zusammen,

    ich bin wieder im Club.

    Zu meiner Vorgeschichte: Ich hatte 2007 das erste Mal eine "depressive Verstimmung". Zumindest sagte das die Psychiaterin, an die mein Hausarzt mich überwiesen hatte. Dort habe ich knappe acht Stunden im Wartezimmer gesessen, durfte dann in den Behandlungsraum und habe mich geschlagene zehn Minuten mit einer völlig gestressten Frau unterhalten, die mir danach ein Rezept für Antidepressiva in die Hand gedrückt hat. Zusammen mit dem Rat einfach mal bei der Krankenkasse anzurufen, die hätten da bestimmt was in Richtung Verhaltenstherapie. Oder so. Die Tabletten habe ich nie genommen, das Rezept zerknüllt und in den nächsten Mülleimer geworfen. Zu dem Zeitpunkt habe ich noch studiert, mir dort eine Auszeit genommen und bin eigenständig wieder auf die Beine gekommen.

    2014: Gleiches Thema mit einem Unterschied. Dieses Mal hat mein Körper die Reißleine gezogen. Zwei Wochen Krankenhaus mit akuter Darmentzündung. Nach der Entlassung habe ich meinem Hausarzt gesagt, dass ich unter keinen Umständen wieder zu dieser Psychiaterin gehe. Lösung: Therapeutin. Ok. 20 Stunden wurden von der Krankenkasse gehehmigt. Nach 15 Stunden, den ewig gleichen Fragen und Antworten, habe ich mitgeteilt, dass ich die Therapie abbreche. Die Antwort lautete: "Nein, wir sind doch kurz vor einem Durchbruch!" ... Einem Durchbruch wovon? Darm? Das hatte ich ja alles erst kurz vorher im Krankenhaus.

    Ok, ich werde flapsig.

    Nun, aktuell. 2021. Wer glaubt an das verflixte siebte Jahr? Ich bin zurück! Ich übergebe mich morgens, wenn ich zur Arbeit muss. Ich fange an zu zittern, wenn Kollegen mir Fragen stellen, die ich nicht beantworten kann. Ich fange an, ohne Grund zu weinen, in Situationen, in denen es wirklich nicht passt. Das Skurrile: Wenn ich ruhig zu Hause sitze, sehe ich völlig klar. Aber in den Situationen bin ich quasi hilflos.

    Kennt jemand Mittel/Tricks/Atemübungen? Ich bin zwar zwei mal eigenständig aus der Situation gekommen, aber auch ich werde älter.

    Liebe Grüße
    Taschenhaushalt

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    AW: Es war lange vorbei, jetzt hat es mich wieder

    Guten Morgen. :)

    Also bei Übelkeit fällt mir spontan ein, den Akupressurpunkt zwischen Daumen und Zeigefinger (also diese "Fischhaut" da mit Daumen und Zeigefinger der anderen Hand fest zu drücken, richtig rein kneifen für einige Sekunden. Probier es mal aus, kann man auch erst bei der einen, dann bei der anderen Hand machen.
    Das unterdrückt irgendwie dieses Gefühl "mir ist schlecht".

    Hast Du Aufzeichnungen/Erinnerungen an die Zeit, als Du selber raus gekommen bist aus Deiner Situation? Da würde ich evtl. anknüpfen, das Argument "Ich werde älter" eher beiseite schieben und sozusagen aus den positiven(!) Erfahrungswerten schöpfen.

    Grundsätzlich kann es auch nicht verkehrt sein, diesen verwirrenden Gefühlen auf die Spur zu kommen. Was genau ist es, was Dich in der Situation so agieren lässt? Gab es dieses Gefühl schon mal, wenn ja, wann?
    Darüber kann man theoretisch auch meditieren, sich - wenn es um eine bestimmte Situation (von früher) geht - eine Alternative vorstellen.
    Gefühle wollen gefühlt werden, ansonsten brechen sie sich irgendwo anders Bahn.

    Letzteres ist aber mit einer gewissen Vorsicht zu betrachten, vor allem, wenn es sich um tiefsitzende (psychische) Probleme handelt. Dann ist es ratsam, sich Begleitung/Unterstützung zu suchen. Das muss nicht unbedingt via Krankenkasse sein. Es gibt Coaches usw. - Natürlich alles (auch) eine Frage des Einkommens.
    Selbsthilfegruppen - derzeit vor allem online - können auch ein guter, erster Anlaufpunkt sein.

    Und: Literatur, - sofern man das/sein Thema dann entsprechend eingegrenzt hat.

    Alles Gute Dir!
    Ich kann nicht alles erleben, aber ich kann [in einem gewissen Rahmen] leben, wie ich will.

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    AW: Es war lange vorbei, jetzt hat es mich wieder

    Hallo Taschenhaushalt:
    viel kann ich dazu nicht sagen, aber ich wollte Dich informieren, dass Therapien mittlerweile nicht mehr von den Krankenkassen genehmigt werden müssen.
    Man geht davon aus, dass jemand, der eine Therapie will, auch eine braucht (in meinen Augen richtig), Überweisung vom Hausarzt reicht aus.
    Also kannst Du Dir da jemanden Anderen suchen.

    Zu depressiven Verstimmungen möchte ich anmerken, dass die gut behandelbar sind - von einem Psychiater, der Ahnung hat.
    Falls Du keinen findest, kannst Du auch in eine Psychiatrische Ambulanz in einer Klinik in Deiner Nähe gehen,
    damit habe ich nur gute Erfahrungen gemacht.
    Die können Dir auch sagen, ob evtl. eine stationäre Aufnahme für Dich angezeigt ist
    (evtl. um Dich auf Medikamente einzustellen) oder ob ein Aufenthalt in einer Tagesklinik gut wäre usw.
    Jedenfalls haben die Ahnung und können Dir weiterhelfen.

    Zu Mitteln, Tricks und Atemübungen kann ich Dir leider nichts sagen.
    Ob diese wohl bei Panik- bzw. Angstattacken ausreichen würden?

    Ein schönes Wochenende für Dich.
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    AW: Es war lange vorbei, jetzt hat es mich wieder

    Zitat Zitat von Susisa Beitrag anzeigen
    Guten Morgen. :)

    Also bei Übelkeit fällt mir spontan ein, den Akupressurpunkt zwischen Daumen und Zeigefinger (also diese "Fischhaut" da mit Daumen und Zeigefinger der anderen Hand fest zu drücken, richtig rein kneifen für einige Sekunden. Probier es mal aus, kann man auch erst bei der einen, dann bei der anderen Hand machen.
    Das unterdrückt irgendwie dieses Gefühl "mir ist schlecht".

    Hast Du Aufzeichnungen/Erinnerungen an die Zeit, als Du selber raus gekommen bist aus Deiner Situation? Da würde ich evtl. anknüpfen, das Argument "Ich werde älter" eher beiseite schieben und sozusagen aus den positiven(!) Erfahrungswerten schöpfen.

    :
    Ja, das mit dem Akupressurpunkt werde ich versuchen. Danke für den Tip! Kannte ich noch nicht.

    Zu den Aufzeichnungen/Erinnerungen: Ja, ich habe mich 2014 hingesetzt (jeden Abend) und wirklich ernsthaft überlegt, welche drei guten Dinge an diesem Tag passiert sind. Das habe ich aufgeschrieben und das Buch habe ich auch noch.

    Zudem weiß ich seit spätestens 2014, dass bei mir eine Verbindung zwischen Magen/Darm, Haut und Psyche besteht. Es ist dann eben gut, auf die Ernährung zu achten. Für die Haut bei mir immer Nivea.

    Nun, ich werde versuchen, mich daran zu orientieren.

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    AW: Es war lange vorbei, jetzt hat es mich wieder

    Danke für Deine Antwort, Nette. Ich weiß es nicht... meine Erfahrungen mit Psychiatern und Therapeuten waren bis jetzt nicht so gut. Ich möchte keinen gesamten Berufsstand in Verruf bringen, aber bei mir war es so. Meine Sache ist, dass ich eben genau das - eine stationäre Aufnahme - nicht möchte. Mir fehlt das Vertrauen. Ich bin dann lieber hier für mich, in meiner Wohnung und schaue selbst.

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    AW: Es war lange vorbei, jetzt hat es mich wieder

    Hallo TE,
    deshalb habe ich Dir eine Psychiatrische Ambulanz in einer Klinik empfohlen, die haben dort meist mehrere Psychiater da.
    Aus einer depressiven Verstimmung kann man evtl. alleine herauskommen, aus einer richtigen Depression eher nicht.
    Vielleicht wäre eine Tagesklinik was für Dich, da bist Du abends daheim (bis es Dir besser geht bzw. die Medikamente anschlagen).
    Die Psychiater haben meistens auch überlange Wartezeiten.
    Gruß Nette
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    AW: Es war lange vorbei, jetzt hat es mich wieder

    Zitat Zitat von Taschenhaushalt Beitrag anzeigen
    Ich bin dann lieber hier für mich, in meiner Wohnung und schaue selbst.
    Das ist wohl eher der ungünstigste Weg, den du wählen kannst. Psychische Sachen regeln sich nicht von alleine wie ein Schnupfen, im Gegenteil. Unbehandelt wird es immer schlimmer werden und irgendwann wirst du wirklich in stationäre Behandlung müssen oder Folgeerkrankungen entwickeln, die ein normales Leben nach und nach unmöglich machen.

    Stationäre Behandlung oder Tagesklinik sind noch etwas hoch gegriffen, eine ambulante Therapie würde ich aber für sinnvoll halten. Auch wenn deine Erfahrungen bisher nicht so gut damit waren, aber mit "in der Wohnung sitzen und selbst schauen", wirst du das nicht lösen können.

    Von Tabletten würde ich auch Abstand nehmen, die lösen nicht das Problem sondern betäuben nur die Symptome.

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    AW: Es war lange vorbei, jetzt hat es mich wieder

    Bei einer fortgeschrittenen Erkrankung sind oft Medikamente nötig, um überhaupt wieder handlungsfähig zu sein.
    Es kommt sicher darauf an, wie weit die Erkrankung fortgeschritten ist.
    Das kann wahrscheinlich nur ein Arzt beurteilen.
    Tagesklinik ist aber eine Option, wenn ambulant nicht möglich ist.
    Daheimbleiben ist keine Lösung, vor allem, wenn Du daheim beschwerdefrei bist.

    Ansonsten @Giesskanne: Zustimmung.
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    AW: Es war lange vorbei, jetzt hat es mich wieder

    Zitat Zitat von Taschenhaushalt Beitrag anzeigen
    Nun, aktuell. 2021. Wer glaubt an das verflixte siebte Jahr? Ich bin zurück! Ich übergebe mich morgens, wenn ich zur Arbeit muss. Ich fange an zu zittern, wenn Kollegen mir Fragen stellen, die ich nicht beantworten kann. Ich fange an, ohne Grund zu weinen, in Situationen, in denen es wirklich nicht passt. Das Skurrile: Wenn ich ruhig zu Hause sitze, sehe ich völlig klar. Aber in den Situationen bin ich quasi hilflos.

    Kennt jemand Mittel/Tricks/Atemübungen? Ich bin zwar zwei mal eigenständig aus der Situation gekommen, aber auch ich werde älter.

    Liebe Grüße
    Taschenhaushalt
    Such Dir einen Therapeuten/in die z.B tiefenpsyschologisch fundierte Therapie anbietet. Von Verhaltenstherapie halte ich persönlich nichts. Sehr gut sind auch körperorientiere Therapien wie SE. Letzteres müsstest Du allerdings selbst bezahlen.

    Übrigens hast Du 5 Probestunden beim Therapeuten und kannst dann entscheiden, ob Du bleibst oder nicht. Wenn die Chemie im vornherein nicht stimmt - lass es!

    Mein Buchtipp: "Der Selbstheilungsnerv" So bringt der Vagus Nerv Psyche und Körper ins Gleichgewicht von Stanley Rosenberg
    Darin findest Du u.a. 8 einfache Übungen, um Dich selbst zu regulieren.

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