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    AW: Eltern reden Kindheit schön?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Habt ihr vielleicht auch Erfahrungen in eurer Kindheit gemacht, die euch in gewisser Weise stark geprägt haben?
    [...]
    Habt ihr vielleicht auch Situationen im Kopf, wo ihr heute denkt: das war nicht so schön? Und sprecht ihr darüber mit euren Eltern oder vermeidet ihr das?
    Ja. Ich fühle mich teilweise im falschen Film, wenn meine Mutter sich selbstgefällig darüber auslässt, was meine Brüder nicht alles in der Erziehung falsch machen. (Ich selber bin kinderlos.) Sie hat sich im Laufe der vergangenen Jahrzehnte ein ganz hübsches Bild von der Vergangenheit zurechtgelegt.

    Da divergieren die Einschätzungen durchaus. Meine Einschätzung: Vieles war nicht ideal und einige Situationen so traumatisierend, dass ich als frühpubertäres Kind massive Suizidgedanken hatte. Die Einschätzung meiner Mutter: Sie hat niemals Fehler gemacht und ist völlig makellos.

    Nein, ich spreche das Thema nicht an. Was soll dabei herauskommen? Erinnerung ist plastisch und sie ist subjektiv von ihrer Version der Dinge überzeugt.

    Leider ist der Kontakt zu meinem älteren Bruder eher distanziert, obwohl wir uns regelmäßig sehen. Es wäre ganz interessant zu wissen, wie er darüber denkt. Aber das Thema ist tabu. Der Altersabstand zum jüngsten ist zu groß, als dass er etwas Erhellendes sagen könnte.

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    AW: Eltern reden Kindheit schön?

    Hallo Sansibar,
    du hast für deinen Thread die Überschrift " Kindheit - schönreden" gewählt. Ich vermute daher, es ging nicht um einige punktuelle Sachen sondern um eine generelle Geschichte.

    Und du hast auserdem von dem "Whatsaboutism" deiner Mutter geschrieben. Whatsaboutism in ein Beispiel Übersetzt: Du erzählst deiner Mutter, dass es bei euch fünfmal die Woche nur Kartoffeln zum Essen gab. Morgens-mittags-abends. (Dass die Familie gleichzeitig soviel Geld hatt, dass sie sich Sahne und Rinderfilet - täglich - hätte leisten können ist der Hintergrund) Deine mutter antwotet: Aber ich war noch viel schlimmer dran - bei mir gab es fünf Jahre lang nur Kartoffeln. Also - sie nimmt das, was du sagst gar nicht zur Kenntnis und erzählt - ungefragt -von sich.

    Möglicherweise kann das eine Struktur : Kriegskind / Kriegsenkel sein. Dann könntest du dich da in einem Gesprächskreis mit Gleicfhaltrigen - das sind keien Eltern-Kind-Gesprächskreise - zusammensetzen um zu klären, wie andere das erfahren haben.

    Oder du redest mit Gleichaltrigen ( Ex-Mitschülern / Cousinen) wie die jeweilige Kindheit war.

    Oder du schreibst - für dich auf, wie deine Kindheit war. Klärt manches. Deine subjektive Wahrheit ist die Wahrheit die die Wahrheit deiner Biografie ist.

    Und nach dem Aufschreiben kannst du dich fragen, warum du möchstest, dass deine Eltern - vermutlich in erster Linie deine Mutter - deine Wahrheit zur Kenntnis nehmen. Anerkennung für Leid ? Späte Entschuldigung?
    Ich vermute - beides wirds du nicht erhalten. Aber- das brauchst du auch nicht- du kannst dir die Anerkennung ( ich schätze mich, für das was ich trotz suboptimaler ausgangslange geschafft habe) und die Entschuldigung
    (meine Mutter war unfähig mich zu lieben) selbst geben.

    Ob du hier im Forum deinen Monolog mit dir als Dialog führen kannst weiss ich nicht.

  3. Inaktiver User

    AW: Eltern reden Kindheit schön?

    Zitat Zitat von Di-Di-Di Beitrag anzeigen
    Hallo Sansibar,
    du hast für deinen Thread die Überschrift " Kindheit - schönreden" gewählt. Ich vermute daher, es ging nicht um einige punktuelle Sachen sondern um eine generelle Geschichte.

    Und du hast auserdem von dem "Whatsaboutism" deiner Mutter geschrieben. Whatsaboutism in ein Beispiel Übersetzt: Du erzählst deiner Mutter, dass es bei euch fünfmal die Woche nur Kartoffeln zum Essen gab. Morgens-mittags-abends. (Dass die Familie gleichzeitig soviel Geld hatt, dass sie sich Sahne und Rinderfilet - täglich - hätte leisten können ist der Hintergrund) Deine mutter antwotet: Aber ich war noch viel schlimmer dran - bei mir gab es fünf Jahre lang nur Kartoffeln. Also - sie nimmt das, was du sagst gar nicht zur Kenntnis und erzählt - ungefragt -von sich.

    Möglicherweise kann das eine Struktur : Kriegskind / Kriegsenkel sein. Dann könntest du dich da in einem Gesprächskreis mit Gleicfhaltrigen - das sind keien Eltern-Kind-Gesprächskreise - zusammensetzen um zu klären, wie andere das erfahren haben.

    Oder du redest mit Gleichaltrigen ( Ex-Mitschülern / Cousinen) wie die jeweilige Kindheit war.

    Oder du schreibst - für dich auf, wie deine Kindheit war. Klärt manches. Deine subjektive Wahrheit ist die Wahrheit die die Wahrheit deiner Biografie ist.

    Und nach dem Aufschreiben kannst du dich fragen, warum du möchstest, dass deine Eltern - vermutlich in erster Linie deine Mutter - deine Wahrheit zur Kenntnis nehmen. Anerkennung für Leid ? Späte Entschuldigung?
    Ich vermute - beides wirds du nicht erhalten. Aber- das brauchst du auch nicht- du kannst dir die Anerkennung ( ich schätze mich, für das was ich trotz suboptimaler ausgangslange geschafft habe) und die Entschuldigung
    (meine Mutter war unfähig mich zu lieben) selbst geben.

    Ob du hier im Forum deinen Monolog mit dir als Dialog führen kannst weiss ich nicht.
    Der zweite Absatz trifft es tatsächlich ganz gut. Mir geht es nicht darum, einfach aus heiterem Himmel darüber zu sprechen, dass vieles unschön war. Ich glaube auch, dass die Kindheit meiner Eltern schwieriger war und deshalb hab ich auch in sehr vielen Situationen Verständnis.
    Mich trifft es in Momenten, wo meine Mutter sagt: Xy hat wirklich einiges mitgemacht. Die hat sich nun das und das verdient.
    Und wenn das dann Sachen sind, die meiner Meinung nach ähnlich schwer wiegen als meine, dann trifft mich das. Einfach die Tatsache, dass sie gefühlt manchmal Vergangenes ausblendet. Es ist auch teilweise so, dass sie wenn ich Sachen anspreche, sagt: das ist so nicht passiert. Meine Eltern haben hier teilweise beide eine andere Meinung.
    Ich glaube, ich hätte gerne einfach mal den Satz gehört: du hast recht, das war nicht schön von mir. Versteht mich nicht falsch: ich würde sie definitiv nicht als schlechte Mutter bezeichnen, ich bin sehr froh, dass ich sie habe...
    Meine Mutter sieht nur generell auch heute anderen Gegenüber eher selten die Schuld bei sich und kann sich schlecht entschuldigen. Das erinnert mich dann manchmal auch ein bisschen an früher, wo ich mich sehr oft entschuldigt habe.
    Ich denke, die Konstellation meiner Eltern war auch schwierig, da beide den Ton angeben wollten.

    Aber ja, vielleicht habt ihr auch recht und das ist alles meine Perspektive der Dinge und ich sollte ihre akzeptieren und einfach nicht mehr darüber sprechen. Mir tut es im Nachhinein auch manchmal leid, dass ich überhaupt darüber gesprochen habe, da sie die Vergangenheit ja heute nicht mehr ändern können.

    Danke für eure Meinungen :)

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    AW: Eltern reden Kindheit schön?

    Meine Frau hat jetzt mit 71 Jahren das letzte halbe Jahr damit verbracht, ihren drei Kindern jeweils ein dickes Heft voll mit den Erinnerungen an deren Kindheit zu füllen. Dazu hat sie in alten Alben (und Schuhkartons) gewühlt, um Bilder aus deren Kindheit einzufügen. Die mussten teilweise von einem Fotografen bearbeitet werden, damit sie verwertbar waren.

    Die drei Kinder haben diese Hefte zur Bescherung erhalten und sie noch am Abend gelesen. Seither gibt es lange Gespräche, teils persönlich oder am Telefon. Viele Dinge, die meine Frau geschrieben hat, waren den Kindern völlig unbekannt. Und sie haben ihre Geschichten dazu erzählt. Ich als Vater kam darin kaum vor, denn mich haben alle nur als den Geldverdiener und Reparateur gesehen.

    Aber auch zum ersten Mal haben sie sich für unsere Kindheit interessiert.

    Der Ausgangspunkt der Aufzeichnungen war, dass unsere 15 Jahre alte Enkelin im Sommer nach dem Verwandschaftsverhältnis zu den vielen Menschen fragte, die sie von Geburtstagsfeiern der vergangenen Jahre kannte. Dazu hat sie einen Stammbaum gezeichnet.
    Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

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    AW: Eltern reden Kindheit schön?

    Es ist zuerst ganz wichtig, dass du deiner Wahrnehmung traust und sie ernst nimmst.
    Das ist vor allem auch in Bezug zu deinem jetzigen Leben wichtig.
    Nur wenn du deiner Wahrnehmung traust, kannst du dich vor Lügen, Manipulation,usw schützen.
    Wenn du das Bedürfnis hast Deinen Eltern etwas zu sagen oder ihre Behauptungen zu korrigieren, dann mache das.
    Es ist allerdings unwahrscheinlich, dass es zu ihnen durchdringt.
    Es hat ja einen Grund warum sie manches schönreden, entweder haben sie ein schlechtes Gewissen oder sie haben alles erfolgreich verdrängt.
    Es ist übrigens eine ganz typische Verhaltensweise von Menschen die missbräuchlich agieren, so zu handeln.
    Eltern machen Fehler, auch diejenigen die versuchen alles richtig zu machen, aber sie können reflektieren, sich entschuldigen und sind offen für Kritik und Gespräche.
    Wenn dich die Gespräche mit deinen Eltern belasten, weil sie kein Verständnis haben, sei dir zumindest deiner richtigen Wahrnehmung bewusst und mache deinen Frieden damit.

  6. Inaktiver User

    AW: Eltern reden Kindheit schön?

    Ich vermeide solche Gespräche mit meinen betagten Eltern. Es war überwiegend alles gut, ich liebe sie. Aber ein paar Dinge stoßen mir manchmal auf. Ansprechen? Wozu? Um meiner Mutter ein schlechtes Gewissen zu machen? Sie hat damals alles nach bestem Gewissen gemacht. Das weiß ich. Mein Bruder und ich haben also beschlossen, nichts davon zu sagen.
    Ich würde nie wollen, dass sie sich entschuldigen.
    Ich möchte die Eltern erleben, die alles richtig machen.

  7. Inaktiver User

    AW: Eltern reden Kindheit schön?

    @Sansibar
    Probier‘s doch einfach mal. Du wirst schon sehen, wie deine Eltern reagieren.

    Meine Kinder sind 40+ und wir reden immer mal wieder darüber.
    Natürlich gibt es Dinge, die ich heute anders machen würde.
    Und natürlich weisen auch meine Kinder mich manchmal auf solche Dinge hin.
    Das sind aber weniger bestimmte Situationen sondern eher Tendenzen, die sich in vielen Situationen manifestiert haben.

    Bemerkenswert ist aber dabei, dass wir oft ganz unterschiedliche Erinnerungen an diese Situationen haben. Manchmal lässt sich das klären, manchmal auch nicht.
    Interessant ist es eigentlich immer.

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    AW: Eltern reden Kindheit schön?

    @luftistraus

    Diesen Satz mit den Fähigkeiten vielleicht nicht zu haben ?
    Wenn sie mit schlechter Kindheit ihrerseits argumentiert, ja brauch sie nur weitergeben und ist befreit von Schuldgrfühlen???

    Meine Ansprache auf gewisse Ungerechtigkeiten Erbverfahren ,traute ich mich nie und um Verhaltensweisen , die mir sehr weh getan haben.........kam immer die Antwort meiner Mutter ......nein das stimmt nicht. Irgendwann habe ich es aufgegeben einmal eine faire Aussprache zu bekommen.
    Um mich selbst zu schützen habe ich geschwiegen und vermieden aber die Aufarbeitung war alleine meine Sache.,
    Selbst Mutter geworden,war für mich ein Augen öffnen , wie abhängig ein Kind von der Geburt an
    ist, gestehe ein, nicht alle Menschen haben Empathie aber selbst seelische Schmerzen erlitten zu haben und dann zu erkennen ......das darf nicht mehr passieren .......ist für mich eine grundsätzliche Fähigkeit.
    Bei allen

  9. Inaktiver User

    AW: Eltern reden Kindheit schön?

    @heimat

    Ich kann dich verstehen und sehe es auch so. Meine Kindheit....

    Aber als ich selbst Mutter wurde, konnte ich es noch weniger verstehen was mir angetan wurde.

    Und habe es bei meinem Kind ganz anders gemacht.

    Und nun kommt das ABER

    Manche Menschen sind Verdrängungdkünstler. Sich eigene Fehler einzugestehen ist nicht einfach und manchmal auch zu schmerzhaft.

    Nicht nur beim Thema Kindererziehung. Dieses Phänomen findet man überall.

    Viele denken auch: aus dem Kind ist doch was geworden, da kann es nicht so schlimm gewesen sein.

    Meist hat es auch noch viele weitere unbekannte Faktoren, die Menschen lieber verdrängen lassen.

    Kritik.... Das ist für mich selbst immer sehr schwierig gewesen. Auch heute noch komme ich mit Kritik schlecht zurecht. Denn ich habe sehr lange darin nur einen persönlichen Angriff gesehen. Und keine Möglichkeit das dies mir helfen kann.

    Wenn sich jemand kritisch mir gegenüber äußert, dann ist es ein Reflex/Impuls sofort in Verteidigung zu gehen. Vor allem bei für mich sensiblen themen.

    Ich bin mittlerweile über 40 und das ist immer noch in mir drin.

    Aber ich kann es dann umwandeln. Drüber reden.....

  10. gesperrt

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    AW: Eltern reden Kindheit schön?

    Zitat Zitat von Opelius Beitrag anzeigen
    Meine Frau hat jetzt mit 71 Jahren das letzte halbe Jahr damit verbracht, ihren drei Kindern jeweils ein dickes Heft voll mit den Erinnerungen an deren Kindheit zu füllen. Dazu hat sie in alten Alben (und Schuhkartons) gewühlt, um Bilder aus deren Kindheit einzufügen. Die mussten teilweise von einem Fotografen bearbeitet werden, damit sie verwertbar waren.

    Die drei Kinder haben diese Hefte zur Bescherung erhalten und sie noch am Abend gelesen. Seither gibt es lange Gespräche, teils persönlich oder am Telefon. Viele Dinge, die meine Frau geschrieben hat, waren den Kindern völlig unbekannt. Und sie haben ihre Geschichten dazu erzählt. Ich als Vater kam darin kaum vor, denn mich haben alle nur als den Geldverdiener und Reparateur gesehen.

    Aber auch zum ersten Mal haben sie sich für unsere Kindheit interessiert.

    Der Ausgangspunkt der Aufzeichnungen war, dass unsere 15 Jahre alte Enkelin im Sommer nach dem Verwandschaftsverhältnis zu den vielen Menschen fragte, die sie von Geburtstagsfeiern der vergangenen Jahre kannte. Dazu hat sie einen Stammbaum gezeichnet.
    Eine sehr schöne Idee!

    Ich habe es selbst in früheren Jahren immer wieder versucht und erntete großes Schweigen.
    Wir saßen am Tisch (meine Mutter und ich), es kam einfach nichts.
    An vieles konnte sie sich gar nicht mehr erinnern, zum Beispiel, dass sie sich "einen Strick nehmen wollte", weil sie selbst so unglücklich war.
    Irgendwann habe ich es dann dabei belassen, man kann eigentlich nur versuchen, es selbst besser zu machen, ein in meinem Fall besseres Vorbild zu sein.
    Ist aber tatsächlich auch nicht immer so leicht, von Perfektion bin ich da ganz sicher auch weit entfernt.

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