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  1. Registriert seit
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    Alkohol, Sex und Scham

    Hallo ihr Lieben,

    Ich hoffe ich habe die richtige Kategorie für dieses Thema ausgewählt.
    als ich jünger war ist leider einiges passiert für das ich mich bis heute schäme und ich einfach mal darüber reden muss.

    Und zwar ist es so, dass meine Eltern in meiner Kindheit sich nicht wirklich für mich interessiert haben und mich auch angeschrien und geschlagen haben, sodass ich mich sehr verschlossen habe. Mein Vater hat dann Krebs bekommen und ist daran gestorben als ich 13 war.
    Mit 14 habe ich dann angefangen zu rauchen und auf Parties zu gehen. Ich habe gemerkt, dass ich viel schüchterner und gehemmter bin als die anderen und dafür habe ich mich geschämt. Als ich Alkohol getrunken habe, habe ich dann gemerkt dass ich lockerer und offener werde. Ich habe leider das nicht begrenzen können und habe immer weiter getrunken, oft bis ich am nächsten Tag einen Blackout hatte. Meine Freundinnen haben mir dann erzählt was ich gemacht habe, was mir unglaublich peinlich war, aber ich habe nie Konsequenzen daraus gezogen.

    Als ich 15 war fing es dann auch mit den Jungs an, ich habe mir so einen Freund gewünscht, war aber (nüchtern) viel zu ängstlich. Ich erinnere mich an einen Jungen den ich gerne mochte und mit dem ich mich auch auf ein Date getroffen habe. Ich hatte so starke Angst, dass mir nichts eingefallen ist worüber wir reden können und ich dachte, dass ich auf ihn furchtbar langweilig wirken muss. Bei unserem zweiten Date war ich bei ihm zuhause eingeladen und weil ich nicht wusste was wir reden können und die Situation so unerträglich für mich war habe ich ihn geküsst und wir haben eigentlich die ganze Zeit rumgemacht. Ich habe mich dazu unter Druck gesetzt gefühlt, obwohl er mir überhaupt keinen Druck gemacht hat, ich hätte sogar mit ihm geschlafen, nur damit er bei mir bleibt. (obwohl ich ihn kaum kannte)
    Er hat sich dann nicht mehr bei mir gemeldet.

    Als ich 16 war habe ich mich dann mit zwei Freundinnen und ein paar Jungs, die wir kannten an einem abend zum trinken getroffen. Wir haben Trinkspiele gespielt und ich habe viel zu viel getrunken. Ich hatte dann mein erstes Mal mit einem der Typen, ich kann mich nicht daran erinnern. Dann habe ich dort auch mit einem der anderen geschlafen (daran kann ich mich erinnern). Als ich am nächsten morgen aufgewacht bin und ich erfahren habe was passiert ist habe ich mich so geschämt und ich schäme mich immer noch während ich diese Zeilen schreibe.

    Nun könnte man meinen ich hätte aus diesem Abend gelernt, habe ich aber nicht. Ein paar Wochen später habe ich wieder, diesmal auf einer größeren Feier mit einem Jungen geschlafen. Das peinliche hierbei ist, dass öfter Leute währendessen in das Zimmer kamen und sich einen Spaß daraus gemacht haben uns zu stören. Dann habe ich noch einmal mit einem geschlafen, aber das war wenigstens privat und niemand hat es mitbekommen. mit 16 bin ich auch von zuhause ausgezogen, weil meine Mutter einen neuen Freund hatte, der gleich ein Jahr nachdem mein Vater tot war bei uns eingezogen ist und der mich und meine Geschwister wie Dreck behandelt hat. Meine Mutter hat sich nichtmal dafür interessiert, dass ich überhaupt nicht reif dafür war auf eigenen Beinen zu stehen, oder irgenwas.

    Als ich 17 war habe ich dann den schlimmsten abend meines Lebens erlebt. Ich war auf einer großen Feier etwas außerhalb und habe mal wieder sehr viel getrunken gehabt. Ich kann mich an eine so lange Zeit nicht erinnern. Ich weiß nur noch, dass ich mit einem Mann Sex hatte, dann weiß ich lange nichts mehr und als ich mich wieder erinnern kann ist es morgens und ich gebe irgendeinem wildfremden Typen einen Blowjob.
    Ich weiß nicht was ich dazwischen getan habe und weil das ganze jetzt solange her ist kann ich es auch nicht mehr herausfinden.

    Während dieser ganzen Eskapaden hatte ich zwar immer Freunde, habe mich aber nie jemanden anvertraut. Ich habe mich vor ihnen so sehr geschämt, das haben sie auch gemerkt und es irgendwann gelassen mich darauf anzusprechen.

    Das Problem: Das ganze ist so verdammt lange her und ich schäme mich immer noch und ich weiß nicht was ich machen kann. Ich fühle mich als Mensch so unglaublich dumm und minderwertig. Ich habe damals die Berührungen und den Sex auch genossen (solange ich betrunken war). Ich denke, dass ich mich einfach nach Liebe und Anerkennung gesehnt habe, weil sich meine Eltern einen Scheiß für mich interessiert haben, aber trotzdem kann ich mir nicht verzeihen.

    Ich habe jetzt zum Glück seit 4,5 Jahren einen Freund, dem ich es nach und nach erzählt habe und der mich unterstützt.

    Ich hoffe jemand liest sich das bis hier hin durch und kann mir vielleicht Tipps geben.

    Vielen Dank,
    Elisa

  2. Avatar von Eva2
    Registriert seit
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    3.436

    AW: Alkohol, Sex und Scham

    Hallo Elisa,

    gut das Du das mal aussprichst, es drückt Dich ja wohl sehr.

    Ich vermute Du hast wenig Wertschätzung und Liebe, also echte Zuneigung erfahren.
    Da hast Du gemeint, wenn "einer" Deinen Körper will, will er Dich ?
    Das wurde dann ausgenutzt.

    Ich denke Du solltest Dir Hilfe suchen. Deinen eigenen Wert schätzen lernen und dich selbst gerne haben. Wertvoll sein.

    Den Alkoholkonsum kann ich auf die Ferne natürlich nicht einschätzen.
    Klar ist, Du kommst damit nicht zurecht.
    Alkohol enthemmt - Du findest den "Ausschalter" beim Trinken nicht (mehr)
    und kommst dabei mehrfach in Schwierigkeiten.

    Vielleicht da ansetzen ?
    wie ist das heute mit Deinem Freund ? Gibt es diese "Ausrutscher" noch oder möchtest Du sozusagen
    das vergangene verdauen ?

    Wünsche Dir alles Gute
    wenn Du in den Seilen hängst,
    schaukel einfach eine Weile

  3. Avatar von Unendlichkeit
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    3.507

    AW: Alkohol, Sex und Scham

    Du hast anscheinend ein neues Leben begonnen. Diese "Ausrutscher" sind während der Beziehung mit deinem Freund nicht passiert, oder?

    Vielleicht magst du professionelle Hilfe in Anspruch nehmen, um mit deiner Vergangenheit endgültig abzuschießen? Solange du dieses Paket mit dir herum schleppst, wirst du nicht froh werden und es wird wahrscheinlich auch deine Beziehung belasten.

    Die Vergangenheit kannst du nicht mehr ändern, nur deine Einstellung dazu. Für deine Zukunft stellst du gerade die Weichen. Sei nicht so streng mit dir.
    "...es gibt höchstens hoffnungslose Menschen, aber nie hoffnungslose Situationen..."
    Sprichwort auf Oxtorne

  4. AW: Alkohol, Sex und Scham

    Mein Mitgefühl.
    Es freut mich für Dich, dass Du Dich nun Deinem Freund anvertrauen konntest.

    Vertrauen wird sicherlich ein großes Thema für Dich sein.

    Was meinst Du, könnte Dich vielleicht eine Therapie unterstützen?
    Now, bring me that horizon.

    Mein Avatar zeigt Euch Smashie. - Sie wurde nur 3 Jahre alt.

    Sie kam als Streuner mit einem Trichter um die Beine, den sie sich dann selbständig ausgezogen hat.
    NYC's ACC platzierte sie auf der berüchtigten **Kill List**
    Kein Foster - keine Rettung.
    Smashie starb am 17.09.2016.
    Ihre grünen Funkelaugen gibt's nicht mehr.
    Sie war eine sehr liebe, menschenliebende zarte Fee.

    Es ist ein Privileg die tägliche **Kill List** zu bekommen.

  5. Avatar von SalutCaVa
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    223

    AW: Alkohol, Sex und Scham

    Ich möchte mich den Vorschreiberinnen gern anschließen.
    Versuche damit abzuschließen, mit Hilfe einer Therapie!
    Es ist passiert aus deiner damaligen Not heraus. Deswegen bist du kein schlechter Mensch! Du bist gut so wie du bist und das wird nicht mehr passieren, was damals passiert ist!
    Du bist noch jung, oder?
    Umarme dich selbst, tu dir was gutes, wenn möglich.

  6. Avatar von Alaska
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    12.703

    AW: Alkohol, Sex und Scham

    Zitat Zitat von Elisa25 Beitrag anzeigen
    ... Ich habe damals die Berührungen und den Sex auch genossen (solange ich betrunken war). Ich denke, dass ich mich einfach nach Liebe und Anerkennung gesehnt habe, weil sich meine Eltern einen Scheiß für mich interessiert haben, aber trotzdem kann ich mir nicht verzeihen.
    Das geht sehr vielen Menschen so, dass Alkohol sie enthemmt und euphorisiert.

    Deshalb sollte man es nicht auf die leichte Schulter nehmen, vor allem, wenn es ohne nicht geht oder es alles in allem zu viel und zu oft wird.

    Aber Du bist ganz gewiss nicht die einzige mit so einem "Problem" und brauchst Dir deswegen nicht so starke Vorwürfe zu machen, dass Du deswegen schlechter als andere bist.
    "But time makes you bolder."
    (Stevie Nicks, Landslide)

  7. Avatar von Julifrau
    Registriert seit
    21.01.2005
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    24.830

    AW: Alkohol, Sex und Scham

    Sich lebendig und gesehen fühlen zu wollen, sucht seine Wege. Deiner war so. Verzeih' dir. Falls es etwas zu verzeihen gibt und was genau es dir selbst zu verzeihen gilt. Das kannst du wirklich am besten mit einer Unterstützung anschauen und in ein Leben integrieren.

    ************************************************** **
    What if I fall?
    Oh, but my darling, what if you fly?






  8. Registriert seit
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    5.271

    AW: Alkohol, Sex und Scham

    Das ist jetzt nichts, wofür du dich schämen musst.

    Allerdings sind solche Situationen mit Kontrollverlust auch gefährlich. Da solltest du zukünftig besser auf dich aufpassen.

  9. Avatar von Klecksfisch
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    26.04.2010
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    7.691

    AW: Alkohol, Sex und Scham

    Es gibt nichts für was du dich schämen mußt. Ich war noch viel schlimmer und mir hat es geholfen, herauszufinden warum ich das alles gemacht habe. Bei mir war es auch Angst. Ich hatte Angst vor Menschen, weil ich nicht wußte, wie ich mit Menschen umgehen soll. Alkohol hat geholfen. Es gibt Gründe für das Verhalten. Ich habe sie gefunden und mir geht es gut.

    Vielleicht ist es gut, wenn du dir Hilfe suchst. Probiere es aus.

    „Die Sache mit dem streiten ist die, wenn man etwas zurückhält, arbeitet es auf lange Sicht gegen euch“ (Dalai Lama)
    Wenn du jemand anderem vergibst, dann tust du dies deinetwegen, nicht weil der andere das verdient. (Doris Wolf, Psychotherapeutin)
    Ich hab keine Zeit das Gute in den Garstigen zu suchen!




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