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    Angst vor Diabetes, Angst vor Ärzten, Leben mit Erbkrankheit

    Liebe Unbekannte da draußen. Ich hätte nie gedacht, dass ich irgendwann mal eine solche Nachricht poste, aber ich komme mit dem, wie ich mich fühle schlecht zurecht und merke, dass mich meine Nächsten nicht verstehen bzw. ich diese nicht belasten will. So sende ich meine Angst ins WWW und hoffe auf eine Flaschenpost in Form einer Nachricht (keine Diagnose, ich weiß, dass nichts einen Arztbesuch ersetzen kann)- ich weiß selbst nicht, was ich erwarten soll und darf. Ich möchte niemanden provozieren oder verletzen, ich schreibe mal drauflos und hoffe, nicht zu viel und nicht zu verwirrend zu schreiben.
    Ich bin 43, habe zwei Söhne (9 und 4) und lebe im Ausland, in einer mittelgroßen Stadt in CZ. Die Sprache beherrsche ich gut. Mit 30 habe ich festgestellt, dass ich die Polyzystischen Nieren meiner Mutter geerbt habe (bedeutet wohl Nierenversagen Mitte 50, Dialyse, vielleicht eine Transplantation, vielleicht noch ein wenig Leben danach). Damit habe ich mich abgefunden. In meiner Jugend war ich anorektisch, vier Monate im Krankenhaus, neige also schon zu psychosomatischen Problemen. Soviel vorweg.
    2012 klappte es mit der zweiten Schwangerschaft, die aber wie die von 2013 vor der 12.Woche endete: kein Herzschlag. Und nach der Ausschabung keine Blutungen mehr. Immer, bei den Ärzten im Krankenhaus, beim Gynäkologen, hatte ich plötzlich Angst. Angst vor neuen schlechten Nachrichten.
    Hier in CZ gibt es keine Privatärzte. Das hat sein Gutes und Schlechtes. In meinem Fall hätte ich mir gewünscht, dass sich einmal jemand länger mit mir unterhält, Dass ich schneller einen Termin bekomme. Die Zeit wird bohrend, die Angst immer größer und man endet im Netz und sucht und hat weiter Angst.
    Das Kind wurde zu einer Art Obsession und 2014 ließ ich - wegen meiner Erbkrankheit (Erblichkeitschance ist bei 50 Prozent) - eine Eizellenspende vornehmen. Hat geklappt. Aber während der SSW weitere schlechte Nachrichten: Plazenta praevia totalis, ich musste ab der 20. Woche liegen, damit es zu keiner Blutung kommt. 25. Woche SSW-Diabetes (erste SSW normal und spontan, ich an der unteren Grenze des Normalgewichts...). Ich konnte es nicht begreifen, habe mich bemüht, musste kein Insulin nehmen. Das Kind wuchs langsam, war zu klein. Ich lebte in ständiger Angst, mein Mann hat einen heimlichen Flirt begonnen (wollte nicht immer von Fehlgeburten und Ängsten hören), mein Schwiegervater starb um die Geburt herum nach 6 Wochen Krankheit an Bauchspeicheldrüsenkrebs. Ich war allein mit den Kindern, mein Mann trauerte, ich musste nach der Entlassung mit dem Baby auf die Hämatologie stationär, da die Gelbsucht so stark war.
    Mein SSW-Diabetes habe ich verdrängt. Bei der Entlassung sagte man mir, ich solle nach dem Abstillen den oGTT Test machen. Da ich im gleichen Krankenhaus auch ständig zu nephrologischen Kontrollen gehe, machte man bald danach ein detailliertes Blutbild. Der Nephrologe sagte, der Nüchternblutzucker sei ok, kein oGTT nötig, ich habe nicht nachgehakt. Seither hatte ich mind. 10 Blutkontrollen mit normalen Morgenwerten bei drei Nephrologen, beim Hausarzt und beim Gynäkologen, immer zwischen 4 mmol und 5,1. Ich habe vier Jahre gestillt, aus Angst, weil ich nicht an diesen Test denken wollte und weil es angeblich das Diabetesrisiko senkt. Aber ich habe den Dämon Diabetes täglich im Kopf und den Dämon Internet im Nacken. Ich lese nach und sehe, dass mehr getestet werden sollte und ich habe solche Angst davor, die Diagnose zu bekommen, da 50 Prozent der SSW-Diabetes-Frauen einen Typ 2 entwickeln im Lauf von 5-10 Jahren.
    Zusätzlich zu meiner Nierenkrankheit wäre das für mich sehr schlimm. Meine Mutter hat eine Niere bekommen und wieder verloren, ich sehe ihr Leiden und ertrage es kaum, weil ich Angst habe um sie. Wir warten auf ein neues Organ seit 4 Jahren. Beim Arzt schaffe ich es nicht, mich zu äußern, ich habe mein Vertrauen verloren und Angst vor immer neuen Nachrichten. Wenn also verschiedene Ärzte sagen, Morgenzucker in Ordnung, kein Problem, dann will ich glauben und bin glücklich für einen Moment.
    Einen Psychotherapeuten habe ich, ich vertraue ihm, aber der kann mir nicht wirklich helfen mit diesem Problem, da sich alles mit Partnerschaftsproblemen und den Folgen der Anorexie überschneidet. Er sagt, es sei eine reale Angst und natürlich kann er keine Diagnose stellen.
    Ich sehe grade, wie lange und schwatzhaft dieser Post geworden ist. Ich darf kaum wagen zu hoffen,dass ihn jemand liest. Wie gesagt: Ich möchte niemanden mit diesem schwächlichen und feigen Seelenstriptease provozieren. Im echten Leben bin ich nach außen stark und funktioniere und beklage mich nicht.
    Liebe Unbekannte da draußen, vielleicht kennt ihr so eine Situation, vielleicht habt ihr eine ähnliche Geschichte...falls nicht, entschuldigt das "Auskotzen" und bitte, seid nicht zu streng mit mir, ich bin es mit mir selber schon genug und durchaus nicht stolz auf meine Reise mit der Angst! Alles Liebe.

  2. Avatar von brighid
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    AW: Angst vor Diabetes, Angst vor Ärzten, Leben mit Erbkrankheit

    liebe binke,

    wenn ich dich bei diesem riesen haufen von medizinischen problemen richtig verstehe: ist deine brennenste frage: wie gehe ich mit der angst vor einem typ-2-diabetes um?
    hinfallen ist keine schande, liegenbleiben schon.

    das leben ist kostbar, lasst uns jeden tag gebührlich feiern

  3. Avatar von Sneek
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    AW: Angst vor Diabetes, Angst vor Ärzten, Leben mit Erbkrankheit

    Ich habe medizinisch keine Ahnung: Ist dieser Glukosetest jetzt zwischenzeitlich gemacht worden oder woher kommt die Info über den Morgenzucker?


  4. Registriert seit
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    AW: Angst vor Diabetes, Angst vor Ärzten, Leben mit Erbkrankheit

    Liebe Brighid, eigentlich schon. Der Wust an anderen Infos sollte eigentlich nur dazu dienen, irgendwie ein wenig zu erklären, wieso ich so negativ auf die Aussicht auf weitere Untersuchungen und Diagnosen reagiere...Und ich wollte auch hören, ob vielleicht jemand eine ähnliche Meinung hat wie meine Ärzte, dass alles okay ist, solange der Nüchterblutzucker und die anderen Werte in Ordnung sind. Also eine Frage mit mehreren Fragen dran...so eine Art russische Matrioschka wohl :)


  5. Registriert seit
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    AW: Angst vor Diabetes, Angst vor Ärzten, Leben mit Erbkrankheit

    Hallo, mit Morgenzucker meiner ich die Bestimmung des Nüchternblutzuckers im Rahmen der nephrologischen Untersuchungen und des "großen Blutbildes" beim Hausarzt. Der Toleranztest wurde nicht gemacht, da die Ärzte sagen, dass der morgendliche Wert eh gut sei - das Internet sagt was anderes. Und meine Angst vor einer neuen schlimmen Diagnose will auch nicht...

  6. Avatar von Sneek
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    AW: Angst vor Diabetes, Angst vor Ärzten, Leben mit Erbkrankheit

    Und die Ärzte weigern sich, zusätzlich auch noch diesen Toleranztest zu machen?


  7. Registriert seit
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    AW: Angst vor Diabetes, Angst vor Ärzten, Leben mit Erbkrankheit

    Sie sagen (insgesamt vier, bei denen ich jeweils zur Untersuchung war, bei manchen wiederkehrend), es sei nicht nötig und ich habe Angst, diese Untersuchung zu machen, weil ich Angst vor der Bestätigung meiner Angst habe. Ich weiß: Verrückt. Wenn ich das so lese, was ich schreibe, ist klar, dass jeder normale Mensch sagen würde: Ich bestehe darauf. Und ich kann damit umgehen, was kommt, ohne so weinerlich zu sein. Aber in der Situation lasse mich mich von der Versuchung, alles sei vielleicht wirklich in Ordnung, und von der Angst hinreißen...

  8. Avatar von brighid
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    AW: Angst vor Diabetes, Angst vor Ärzten, Leben mit Erbkrankheit

    liebe binke,

    ich habe, trotz medizinischem hintergrund, keine lösung für dich. möchte dich aber ermutigen, mache dich schlau was bedeutet diabetes typ 2, wo kommt es her, was passiert da, was kann ich selbst tun, bin ich dem hilflos ausgeliefert?

    und da sind die experten wenn du im internet auf ndr. (norddeutscher rundfunk) .de gehst. die sogenannten ernährungs-docs. mit allem was dein herz und hirn wissen mag. auch die möglichkeit fragen zu stellen.

    ich drücke dir die daumen und dich mal dazu, wenn ich darf. mache dich selbst zum experten deiner gesundheit!!
    hinfallen ist keine schande, liegenbleiben schon.

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  9. Registriert seit
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    AW: Angst vor Diabetes, Angst vor Ärzten, Leben mit Erbkrankheit

    Du sprichst zwar immer wieder von deiner Ängstlichkeit, aber ist das nicht normal bei deiner Geschichte?
    Mir scheint es realitätsnäher, dich eher als einen starken Menschen zu sehen.

    Aber das war ja nicht deine eigentliche Frage, sondern das Problem mit dem Test.
    Nun, wenn schon vier Ärzte der Meinung sind/waren, dass ein Belastungstest nicht nötig ist, dann kann man sich schon ein wenig darauf verlassen oder meinst du nicht?

    Außerdem, warum hast du so eine Angst vor Typ 2?
    Gerade der Typ 2-Diabetes ist doch meistens sehr gut in den Griff zu bekommen, nämlich mit Sport/Bewegung und einer Kontrolle über das Gewicht (Übergewicht vermeiden).
    Wenn ich dich richtig verstanden habe, kann ja bei dir von einem Übergewicht nicht die Rede sein.
    Und so wie du rüber kommst, kann ich mir auch nicht vorstellen, dass Sport für dich ein Hindernis wäre.
    Oder wäre das ein Problem wegen der Nieren?

    Versuch dich gesund (ausgewogen, abwechslungsreich) zu ernähren, bewege dich ausreichend, dann dürfte es eigentlich keine Probleme geben.
    50% entwickeln einen Typ 2 sagst du, d.h. 50% entwickeln keinen! Und wenn du dich gesund ernährst und dich ausreichend bewegst, dann wirst du eher zu den 50% gehören, bei denen die Zuckerwerte weiterhin normal bleiben.

    Wer solche Probleme, wie du sie schilderst, meistert, der wird doch nicht vor einem Typ 2 kapitulieren?

  10. Avatar von Kikiri
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    AW: Angst vor Diabetes, Angst vor Ärzten, Leben mit Erbkrankheit

    Hallo Binke,

    ich kenne drei Mütter, die extremen Schwangerschaftsdiabetes hatten. Sie mussten sehr hohe Insulinmengen spritzen, und zwei konnten nicht stillen (Zwillinge oder Mutter krank).
    Die Kinder sind inzwischen 5 bis 16 Jahre alt..
    Keine der Mütter hat inzwischen Diabetes 2 bekommen. Das finde ich schonmal positiv. Die Vorzeichen sprachen eher dafür. Das soll Dir ein bisschen Mut machen.

    Ansonsten: Diabetes 2 ist nicht so schlimm wie Diabetes 1. Er ist immerhin über die Ernährung und Sport (leichter) zu beinflussen.

    Bisher hast Du ja noch keine Anzeichen dafür, dann konzentriere Dich doch auf die Vermeidung der Risikofaktoren für Diabetes 2. Bei uns in D kann man beim normalen Arzt als Kassenpatient auch eine privatbezahlte Untersuchung durchführen. Ich finde sie z.T. sehr günstig, vor allem, wenn es sonst keine Seelenruhe gibt.

    Eigentlich klingt es auch nicht nach einer echten Angst vor Diabetes, sondern nach einer Angststörung. Vielleicht auch über einen Seelenarzt oder andere Begleitung zu behandeln.

    Alles Gute für Dich wünscht
    Kiki
    Am Ende meines Lebens will ich nicht sagen: Allen hat mein Leben gefallen, nur mir nicht!

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