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  1. Registriert seit
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    Gehörlos, identitätslos und Sterbehilfe

    Ich heiße M. , ich wohne in Frankreich und bin 21 Jahre alt. Ich bin gehörlos seit dem Alter von vier Jahren und komme mit dieser Stück Identität nicht zurecht. Ich trage zwar Hörgeräte, aber meine Gehörlosigkeit hat eine brutale Auswirkung auf mein Sozialleben.

    Während meiner Schulzeit war ich das isolierte Mädchen, die Ausgeschlossene. Es war sehr mir schwierig, mich in eine Gruppe zu integrieren, ich nahm an Gesprächen nicht teil, weil ich diesen nicht richtig folgen konnte. Ich habe alles verpasst, die Jugendzeit war eine Katastrophe. Die prägenden Ergebnisse wie die erste Liebe, die ersten sexuellen Erfahrungen hatte ich nie. Ich lebte von der Jugendwelt abgeschottet. Außerdem hatte ich sehr strikte Eltern, denen sehr guten Schulnoten wichtig waren, und die mir ein Handyverbot bis zu meinem achtzehnten Geburtstag verhängten. Ich habe natürlich darunter gelitten, weil meine Kameraden ein bisschen mehr Freiheiten als ich und nicht diese Einschränkung, die Gehörlosigkeit, hatten. Ich war neidisch auf meine Schulkameraden. Bis heute freue ich mich selten bis gar nicht, wenn jemand Erfolg bei irgendwas hat. Traurig, aber ich stehe zu meinen Gefühlen.

    Leider wirken diese traurigen Erfahrungen bis in mein jetziges Leben hinein. Ich habe das Familienhaus verlassen und bin zum Studieren weggezogen; meine Mutter ist vor drei Jahren verstorben. Ich bin froh, dass diese Zeiten vorüber sind. Leider habe ich nach wie vor Schwierigkeiten zu sozialisieren. Wie in meiner Jugendzeit. Dadurch, dass ich abgeschottet lebte, habe ich soziale Fähigkeiten verlernt. Ich weiß kaum, wie man Gespräche anfängt, wie ich interessant auf Menschen wirke. Ich nehme an vielen Veranstaltungen teil und habe viele Leute getroffen, aber auf einer oberflächlichen Ebene. Leider meldet sich keiner bei mir nach dem Treffen. Es ist sogar passiert, dass einige mich absichtlich meiden. Schreckt meine Gehörlosigkeit so viele Menschen ab ? Ich sitze bei Gesprächen da wie eine unbeachtete Vase, weil ich diesen nicht folgen konnte. Und wisst ihr was ? Das wurde als Arroganz abgestempelt ! Es gab Menschen, die sich über mich lustig gemacht haben, weil meine Gehörlosigkeit mich in unangenehme Situationen
    gesetzt hat. Ich habe aus diesen Erfahrungen eine Phobie entwickelt, wenn ich unter Menschen bin. Meine Einschränkung hat mir gelehrt, wie bösartig zu andersartigen Menschen die Gesellschaft ist.
    Die Klausurperiode an der Uni ist jetzt vorbei, und ich verbringe meine Tage allein. Leider. Ich schreibe und rede mit niemandem und keiner ist von meiner Existenz bewusst ��. Dies beweist, dass ich kaum ein erfülltes Jugendleben führe.

    Ich denke an Selbstmord, aber nicht für jetzt. Ich will höchstens bis 30 Jahre alt warten, ich will erst mich beruflich verwirklichen. Ich pflege ein Vorlieben für Fremdsprachen, besonders Deutsch und Ungarisch. Französisch ist meine Muttersprache, Deutsch habe ich an der Schule erlernt und mit Ungarisch an der Universität angefangen. Dieses Interesse für Fremdsprachen ist ein Paradoxon, wenn man gehörlos ist. Außerdem wäre für mich ein Albtraum, in meiner Geburtsstadt beigesetzt zu werden. Ich will erst von meinem Vater unabhängig werden, und nicht, dass er sich um meine Beisetzung kümmert. Deshalb diese Entscheidung für später.

    Ich habe mich nicht für solch ein Leben entschieden. Meine Gehörlosigkeit ist eine Last, woraus es keinen Ausweg gibt. Ich bin eine Versagerin und habe kein eigenes Ich, das Andere schätzen können. Bei mir langweiligen sich die meisten. Hörende können sich kaum vorstellen, wie schwer das Leben einer Gehörlosen ist. Ich muss mich mehr anstrengen als Normalhörende. Ich habe den Eindruck, dass mein Kampf leer und sinnlos ist, weil ich nicht wertgeschätzt werde. Deshalb schmiede ich den Plan, eine Euthanasie in Belgien zu beantragen. Lieber das, als allein zu verrecken und ein Leben zu führen, das ich mir nicht wünsche. Dazu kommt, dass ich meine Wurzeln ablehne.
    Der Tod ist der einzige befriedigende Ausweg, weil Leiden danach nicht mehr gefühlt wird. Es fühlt sich so beruhigend.
    ................
    Ich wollte euch ein depressives Leben aus einer anderen Perspektive erzählen. Sehr wenige wissen Bescheid, dass eine Gehörlosigkeit und die Folgen daraus ein Leben zerstören können.
    Geändert von BRIGITTE Community-Team (19.06.2019 um 09:27 Uhr) Grund: Wort im Titel geändert

  2. Inaktiver User

    AW: Gehörlos, identitätslos und Sterbehilfe

    Hallo und willkommen bei uns.

    Ja deine Geschichte ist traurig und erschütternd ....

    Aber weißt du was - Selbstmitleid hilft dir nicht.

    Es gibt so viele Gehörlose wieso bist du nicht in einer Gruppe für Gehörlose? Es gibt Kurse für Gehörlose und weißt du was noch? du bist nicht die Einzige auf der Welt die nicht hört und ich bin sicher, dass nicht alle an Selbstmord denken und mit ihrem Schicksal hadern.

    Du kannst aber nicht zuhause sitzen und hoffen, dass sich was ändert.

    Gehörlosigkeit zerstört kein Leben. Genauso wenig wie Blindheit und Lähmung. DAS machst du ganz allein.

    Meine Nicht arbeitet mit gehörlosen Kindern und die sind wirklich erstaunlich. Sie hören nur nicht, sonst sind es ganz normale Kinder, die sich mit Gebärdensprache ausdrücken können und ihren Hobbys nachgehen, das Leben genießen.

    Denk noch mal darüber nach ob du nicht vielleicht aus deinem Selbstmitleid herausfindest und das Leben genießen lernen kannst.
    Geändert von BRIGITTE Community-Team (19.06.2019 um 09:28 Uhr)


  3. Registriert seit
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    AW: Gehörlos, identitätslos und Sterbehilfe

    Du stellst dir das so einfach vor ! Diese Leute sind mit Gehörlosen aufgewachsen, ich nicht. Ich kenne die Gehörlosen-Kultur nicht. Und ehrlich gesagt, das interessiert mich auch nicht, mich auf eine einzige Gruppe zu beschränken, um soziale Interaktionen zu haben. Gehörlose, sie sich für Fremdsprachen interessieren, gibt es fast keine. Ich will normal leben, und nicht in einer Gruppe. Es steht mir frei, dieses Schicksal abzulehnen. So möchte ich nicht leben !
    Geändert von BRIGITTE Community-Team (19.06.2019 um 09:28 Uhr) Grund: Wort im Titel geändert

  4. Avatar von Sneek
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    AW: Gehörlos, identitätslos und Sterbehilfe

    Ich nehme an, Du meinst Sterbehilfe, und möchte Dich bitten, den Titel zu ändern.
    Geändert von BRIGITTE Community-Team (19.06.2019 um 09:29 Uhr) Grund: Wort im Titel geändert

  5. Avatar von Kleinfeld
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    AW: Gehörlos, identitätslos und Sterbehilfe

    Zitat Zitat von TiefsterSelbsthass Beitrag anzeigen
    So möchte ich nicht leben !
    DAs musst du ja auch nicht. Es steht dir frei, dich für ein anderes Leben zu entscheiden. Nur musst DU ganz allein, etwas dafür tun.
    Mit dem Leben hadern, ist keine Lösung.
    Klar wäre ich gerne die, die vor dem Frühstück Yoga macht oder joggt.
    Ich bin aber die, die halb bewußtlos Kaffee macht und atmet.
    Geändert von BRIGITTE Community-Team (19.06.2019 um 09:29 Uhr) Grund: Wort im Titel geändert

  6. Moderation Avatar von maryquitecontrary
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    AW: Gehörlos, identitätslos und Sterbehilfe

    Liebe TS,

    Als ich deine verzweifelten und bewegenden Zeilen las, musste ich an die Freundin meiner Tochter denken, etwa dein Alter. Sie hat seit dem Kindesalter ein CI und ist normal beschult worden, trägt Hörgeräte. Hast du auch ein CI?

    Ich sah die beiden jungen Frauen vor einigen Tagen miteinander skypen (wir wohnen jetzt im Ausland, aber den Kontakt haben sie immer aufrecht erhalten) und habe noch darüber nachgedacht, wie gut diese Freundin mit ihrer Hörbehinderung klargekommen ist.

    Was sind deine Gedanken dazu, wie ist es dazu gekommen, dass deine Entwicklung so schwierig verlaufen ist und du so isoliert und unglücklich im Leben stehst?

    Sind es mehrere Komponenten? Ich lese neben der Hörbehinderung auch einen emotionalen Mangel, und ein Ringen darum, deinen Platz unter den Menschen zu finden.

    Was denkst du, wieviele äußere Faktoren sind es, die dir das Glück schwer machen, und wieviel ist es deine eigene Schwierigkeit, deine Identität anzunehmen? Wieviel Unterstützung durch deine Familie und andere Menschen hast du? Was ist das, was am Schwierigsten ist?
    that was the river - this is the sea


    Moderation im Forum "Persönlichkeit"
    Geändert von BRIGITTE Community-Team (19.06.2019 um 09:30 Uhr) Grund: Wort im Titel geändert

  7. Avatar von AweSomeOne
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    AW: Gehörlos, identitätslos und Sterbehilfe

    Zitat Zitat von TiefsterSelbsthass Beitrag anzeigen
    [...] Ich will normal leben, und nicht in einer Gruppe. Es steht mir frei, dieses Schicksal abzulehnen. So möchte ich nicht leben !

    Das steht dir frei. Ganz klar.

    Es steht aber allen anderen auch frei, das abzulehnen, was du dir vorstellst.
    Du kannst niemanden zwingen, dich als normal anzunehmen.

    Du stehst dir mit diesem Anspruch selber im Weg.
    Denn: Was ist schon "normal"?

    Wer bist du, dass du die Norm festlegen willst?

    Du denkst, das Leben ist nicht fair? Stimmt!
    Das ist es nie.

    Woher dies kindliche Denken, das Leben möge bitteschön zu dir ganz besonders gut sein?

    Du kannst dich, dein Handicap weiterhin ablehnen und ein unzufriedenes Leben fristen

    oder

    du kannst dein "so sein" annehmen und aufhören gegen dich zu kämpfen.

    Es ist auch völlig sinnlos, dir tausend Beispiele von Menschen zu nennen, die ein härteres Schicksal erleiden als du und tausendmal besser oder schlechter damit klarkommen.

    Es ist immer schade, wenn ein junger Mensch so verbittert ist und sich darüber hinaus verbietet, neue, gut Gedankengänge zuzulassen.

    Damals, als dir all diese Ablehnung entgegenschlug, warst du noch ein Kind, deine Handlungsmöglichkeiten beschränkt.

    Du bist und warst schlau genug, dies zu erkennen.

    Dann bist du jetzt auch schlau und erwachsen genug, anders zu handeln, zu reagieren.

    Du möchtest normal sein, aber du möchtest dich nicht normal benehmen.

    Vielleicht findest du im RL jemanden, der dir helfen kann, das Chaos in deinem Kopf zu ordnen.

    Alles Gute für dich!
    'Every saint has a past, and every sinner has a future.'
    — Oscar Wilde —
    Geändert von BRIGITTE Community-Team (19.06.2019 um 09:31 Uhr) Grund: Wort im Titel geändert


  8. Registriert seit
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    AW: Gehörlos, identitätslos und Sterbehilfe

    Kleinfeld: Ich will gar nicht mit dem Leben hadern, sondern diesem ein Ende setzen. Es wäre mir zu Schade, wenn ich mich mit dieser Einschätzung noch weitere 50,60,70 Jahre quäle. Scheinbar bin ich akademisch erfolgreich, ich werde also mein Ziel erreichen (Arbeit und finanzielle Unabhängigkeit), bevor ich diesem Leben ein Ende setze.
    Geändert von BRIGITTE Community-Team (19.06.2019 um 09:31 Uhr) Grund: Wort im Titel geändert

  9. 18.06.2019, 16:52
    Inaktiver User

    Grund
    AGB 14.1


  10. Registriert seit
    18.06.2019
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    AW: Gehörlos, identitätslos und Sterbehilfe

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    ... editiert ...
    Und wozu diese sinnlose Kommentare ? Und wer bist du, um über mein Leben zu urteilen ??? Jedem seine Leiden, und die Kontexte sind anders.
    Ich werde dich jetzt blockieren (wenn es eine Blockierfunktion gibt...). Du nervst und lebst in deinen Privilegien und Traumwelten. Ich habe schon keine gute Meinung über dieses Forum, nur eine sachliche Antwort habe ich bekommen, im Vergleich zu einer FB-Gruppe, in der die Leute weniger urteilen. Ich werde dir nicht mehr antworten, mit einer Nervensäge möchte ich mich nicht auseinandersetzen, dafür sind meine Tage schon die Hölle.
    Geändert von BRIGITTE Community-Team (19.06.2019 um 15:21 Uhr) Grund: Zitat angepasst, Wort im Titel geändert


  11. Registriert seit
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    AW: Gehörlos, identitätslos und Sterbehilfe

    Ich hatte eine Tante, die von klein auf gehörlos war. Sie ist liebend gerne mit uns Kindern ins Café gegangen. Niemand hat gemerkt, dass sie gehörlos war. Sie konnte wunderbar von den Lippen ablesen.
    Dein Problem ist weniger die Gehörlosigkeit, sondern mehr das Missverständnis deiner Eltern. Sie haben dich wahrscheinlich nicht so angenommen, wie du warst.
    Geändert von BRIGITTE Community-Team (19.06.2019 um 09:32 Uhr) Grund: Wort im Titel geändert

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